Chernobyl Diaries (DVD) Testbericht

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5 Sterne
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  viel
  • Anspruch:  durchschnittlich
  • Romantik:  durchschnittlich
  • Humor:  durchschnittlich
  • Spannung:  spannend

Erfahrungsbericht von Treice564

Chernobyl Diaries

5
  • Action:  viel
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  sehr hoch
  • Humor:  durchschnittlich
  • Spannung:  spannend
  • Altersgruppe:  ab 16 Jahren

Pro:

X

Kontra:

X

Empfehlung:

Ja

Inhalt
Eine Gruppe junger US-amerikanischer Touristen macht auf ihrem Europa-Trip einen Abstecher nach Pripyat nahe dem havarierten Reaktor von Tschernobyl. In der verstrahlten Geisterstadt geraten sie in einen Hinterhalt und werden von mysteriösen Gestalten gejagt. Visuell ausgefeilter Horrorfilm voller stereotyper Figuren und Wendungen, der das Sujet des "Extremtourismus" wie auch die Folgen des atomaren Super-Gaus lediglich für eine konventionelle Genre-Handlung ohne besonderen symbolischen Mehrwert nutzt.

Kritik
"Mum, Dad, wir sind in Europa", jubelt einer drei amerikanischen Twentysomethings in den Camcorder, mit dessen wackeligem Bilder-Stakkato der Horrorfilm "Chernobyl Diaries" beginnt. Im Sekundenrhythmus sieht man das Trio durch die europäischen Hauptstädte eilen. Ziel des straff organisierten Trips ist Moskau; unterwegs wollen sie in Kiew den Bruder von Paul aufgabeln, der dort studiert. Chris schleppt die Drei jedoch nicht nur durch die nächtlichen Kneipen der ukrainischen Hauptstadt, sondern hat anderntags auch einen Abstecher in die verstrahlte Zone um Tschernobyl organisiert. Eine riskante Tour in einem klapperigen Militärbus, dem sich ein weiteres US-Pärchen anschließt. Der Ausflug ins Katastrophengebiet endet zunächst abrupt an einem Militärposten. Ihr bulliger Führer Uri kennt aber auch illegale Wege und lotst die kleine Gruppe durch herbstlich kahle Wälder nach Pripyat, jene Geisterstadt, deren Bewohner am 26. April 1986 nach der Explosion des Atommeilers Hals über Kopf fliehen mussten. Aus der gespenstischen, zunehmend auch nebelverhangenen Szenerie schlägt der Film beträchtliches atmosphärisches Kapital, in dessen fahles Grauen sich steigernde Gefahrensignale mischen. Die raunende Rede von der Natur, die sich hier ihr angestammtes Territorium zurückerobert habe, gewinnt erste bedrohliche Konkretisierungen in monströs mutierten Fischen und wilden Hunden oder einem riesigen Bären, der durch die offen gelassenen Plattenbauten hetzt. Die radioaktive Strahlung tut ein Übriges, um zum baldigen Aufbruch zu drängen. Doch just in diesem Moment gibt der Motor seinen Geist auf. Der Versuch von Uri und Paul, trotz der einbrechenden Nacht zu Fuß Hilfe herbeizuholen, endet in einem blutigen Hinterhalt.

Wer oder was "da draußen" lauert, bleibt für das sich sukzessive verringernde Häuflein lange ungreifbar; auf einem der unterwegs geknipsten Fotos ist hinter einer Fensterscheibe aber der Schemen eines menschlichen Wesens zu erkennen. Auch das von Oren Peil ("Paranormal Activity") entwickelte Drehbuch belässt es im Wesentlichen bei den szenischen Andeutungen einer mörderischen Gefahr, weil es sich ganz auf die Perspektive der - extrem eindimensional skizzierten - Figuren konzentriert und deren nicht minder stereotype Verhaltensweisen unter extremen Belastungen. Nach einer klammen Nacht trennt sich die Gruppe; der schwer verletzte Paul und seine Freundin bleiben im Bus zurück, die anderen wagen den Ausbruch, wobei sich die (Hand-)Kamera an ihre Fersen heftet. Doch alle Versuche, aus der Gefahrenzone herauszufinden, führen in die Irre; überdies verlagert sich das Geschehen zunehmend in das Innere dunkler Gebäudekomplexe.

Inszeniert wurde der Film von dem Debütanten Brad Parker, dessen Herkunft aus dem Visual-Effects-Department nicht zu übersehen ist. Manche willkürliche Wendung oder die logische Dürftigkeit des Plots wird durch eine forcierte Spannungsdramaturgie überspielt, die aus den entsättigten (Nacht-)Bildern des dänischen Kameramanns Morten Søborg und dem metallisch-sirrenden Sounddesign ein mitunter hart ans Grafische grenzende Szenario schafft. Dass markante Pripyat-Insignien wie das gespenstische Riesenrad oder die Kühltürme des Kraftwerks nicht authentisch sind, sondern in erkennbar horrifizierender Absicht nachgebaut wurden, passt ins Bild: Der Bezug zum atomaren Super-Gau und seinen Folgen dient hier lediglich als Aufhänger für eine effektive, wenngleich recht konventionelle Abfolge schneller Horror-Thrills und eines Grauen, das gänzlich auf sich selbst verweist.

3 Bewertungen