Take Shelter (DVD) Testbericht

ab 10,74
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  durchschnittlich
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  durchschnittlich
  • Humor:  durchschnittlich
  • Spannung:  spannend

Erfahrungsbericht von LilithIbi

"Verlässt du mich?"

5
  • Action:  durchschnittlich
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  niedrig
  • Humor:  kein Humor
  • Spannung:  spannend
  • Altersgruppe:  ab 12 Jahren

Pro:

authentische Darsteller, Szenerie, Entwicklung, Atmosphäre, Wendungen

Kontra:

DVD - Menü umständlich bedienbar, schludriger Untertitel, unausgewogene Vertonung

Empfehlung:

Ja

Apokalyptische Filme hat fast ein jeder bereits satt und genug zu Gesicht bekommen. Besonders hervorzuheben an dem Jeff Nichols' Regiewerk , der zugleich für das Drehbuch verantwortlich ist, dass dieser nicht nur den Fokus auf die interpersonelle Panikenstehung legt, sondern dem Zuschauer bis zuletzt im Unklaren darüber lässt, ob es sich bei den Träumen, die den männlichen Protagonisten heimsuchen, um Vorahnungen oder doch eher um ein Anzeichen einer psychischen Erkrankung handeln.

“Take Shelter“

mag in seinen insgesamt 116 Minuten für den ein oder anderen vereinzelt ein wenig langgezogen wirken; mich persönlich jedoch hat das Thrillerdrama von Anfang bis Ende vollends gefesselt. Bilder, die einen Wirbelsturm oder gar den Anfang vom Ende der Welt ankündigen wechseln sich immerfort ab mit Verdachtsmomenten, dass Curtis LaForche (Michael Shannon) wie seine Mutter nach und nach an Schizophrenie erkrankt. Anzeichen für jede der beiden Theorien gibt es in der Tat, ebenso mag man als Zuschauer Verständnis haben, dass Curtis seiner Frau Samantha (Jessica Chastain) von dem Ausmaß seiner Alpträume nichts berichtet oder gar seinen heimlichen Besuch bei einer Therapeutin verschweigt.

Weiterer Knackpunkt an der Story zweifellos der Aspekt, dass die gemeinsame, taubstumme Tochter Hannah (Tova Stewart) nach monatelangem Bittstellungen an die Krankenkasse ihre Gehör-Operation bewilligt bekommt. Szenen, in denen sich Curtis mehr und mehr innerlich abschottet und förmlich den Gebärdensprach-Unterricht verschwitzt, sind meines Erachtens nach wichtig für die Dichte der Entwicklung, wurden ebenso erfreulicherweise zugleich keinesfalls zu dick aufgetragen oder allzu sehr in den Vordergrund gestellt.

Jene Horrorvorstellungen, die Curtis Nacht für Nacht durchleidet, gestalten sich für den Zuschauer vergleichbar beklemmend, ahnt man oftmals bis zuletzt nicht, dass es sich hier erneut um einen Traumsequenz handelt.

Seine jeweilige Reaktion hierauf mag im ersten Moment überzogen erscheinen, sperrt Curtis doch den bis dato überaus friedlichen Familienhund urplötzlich in einen fluchs selbstgebauten Zwinger ~ „nur“, weil dieser ihn im Traum angegriffen und eine tiefe Fleischwunde am Arm zugefügt hat. Bemerkenswert in diesem Kontext in der Tat, dass Curtis noch tagelang Schmerzen an der betreffenden Bisswundenstelle spürt.

Ob jenes Wissens ist das weitere Tun gewissermaßen nachvollziehbar: Curtis steigert sich zunehmend in die vermeintlich fixe Idee hinein, dass der Tornado sich durch eben jene Träume ankündigt, er seine Familie demnach schützen muss und es somit die beste Idee sein wird, den Schutzbunker im  Garten  auszubauen. Freund und Arbeitskollege Dewart (Shea Whigham) steht ihm hierbei anfänglich verständnisvoll zur Seite, wendet sich im Laufe des Filmes jedoch ebenfalls ab, weil Curtis Verhalten ihm zunehmend weniger geheuerlich erscheint.

In der 

Umsetzung

liegt wie bereits geäußert das dramaturgische Auseinanderdriften der Familie im Fokus. Freunde, Nachbarn, weitere Verwandschaft wie auch Kollegen äußern sich besorgt, nehmen Curtis eingangs nicht ernst, spüren sodann kein geringes Unbehagen, wenn dieser sich in seinen Abdrift-Momenten befindet.

Sachte vergleichbar mit „Civic duty“ geht es in „Take Shelter“ auch hier um einen Mann, der von seinen paranoiden Gedankengütern nach und nach gefangen genommen wird. Sich teilweise dessen bewusst, dass er mit manchen Dingen übertreibt, steht auf der anderen Seite die Angst, dass die Alpträume eventuell doch nicht bloß Träume sein könnten. Die große Frage, ob er die psychische  Krankheit  seiner Mutter „geerbt“ hat oder vielmehr dankbar sein sollte, Visionen zu haben, stellt sich Curtis zwischen den Zeilen. Sprich: ausgesprochen wird jene Überlegung nicht; Dank des überragenden Schauspiels des Darstellers kann man diesen eben jene Mutmaßungen respektive Ängste von Gestik wie Mimik ablesen.

Insgesamt betrachtet handelt es sich bei „Take Shelter“ nicht um ein effekthaschendes Brimborium, sondern vielmehr um ein Werk, welches durch die innewohnende Atmosphäre nebst der psychologischen Ebene zu überzeugen versteht. Fakt ist somit: „Take Shelter“ funktioniert zweifellos, manövriert den Zuschauer in eine Situation, in der er selbst nicht mehr so  recht  weiß, was er nun eigentlich glauben soll ~ gar ob er lieber Curtis ob seiner Panikmache oder vielmehr seine Frau, die ihm keinerlei Glauben schenkt und sich lediglich um die Ersparnisse sorgt, durchschütteln soll.

~ Über die Handlung an sich mag ich in diesem Fall auch gar nichts weiteres offenbaren, zumal sich mir die Befürchtung aufdrängt, bereits jetzt recht viel preisgegeben zu haben. In der Tat vergeht die Spielfilmlänge von knapp 116Minuten wie im Fluge, in dem die Stimmung von Szene zu Szene zu kippen droht. Großer Pluspunkt durchaus für den Entscheid der Macher, den Filmausgang so zu platzieren, wie es schlicht und ergreifend geschehen ist. Die letzten Szenen werden förmlich auf den Zuschauer losgelassen, wühlen diesen erneut auf und fordern buchstäblich, dass sich dieser sodann seine eigenen Schlussfolgerungen zusammenreimen darf. Das recht ungemütliche, zum Teil ratlose Gefühl gibt’s somit gratis obendrein.

Die DVD selbst

führte zu Irritationen bezüglich der Menüanwählung. Nicht nur im DVD-Player, sondern ebenfalls im Laptop eingelegt ist es nicht möglich, via entsprechendem Tastendruckdirekt auf den Punkt „Menü“ zu landen. Stattdessen verhält sich die Silberscheibe so, als hätte man vielmehr die „forward“ Taste bedient und landet somit einfach im nächsten Trailer, der vor den Hauptfilm platziert wurde.

Hat man diese sodann überstanden, beginnt der Film direkt, ohne das man zuvor jemals die Menügestaltung zu Gesicht bekommen hätte. Immerhin lässt sich dieses alsdann durch Bedienung der „Stopp“Taste erreichen ~ ob dies bei allen im Handel erhältlichen „Take Shelter“ DVDs der Fall ist oder ausschließlich die meinige diesen Fehler aufweist, kann ich naturgemäß nicht wissen.

Bezüglich der Sprachauswahl ( Deutsch , Englisch) bleibt ebenfalls ein auffälliger Umstand festzuhalten: während man bei der Tonauswahl Dolby Digital erstaunt festhält, dass der Ton mehr als bloß leise ist, gestaltet sich die Akustik bei DTS 5.1 als sehr gut. Minimal beanstandenswert hier lediglich der allzu oft platzierte Usus, dass manchesmal die Krach-Wumm-Geräusche übertrieben lautstark durchs DVD-Guck-Zimmer poltern, während bei entsprechender Lautstärkedrosselung die anschließenden Dialoge somit fast wieder zu leise sind.

Die Fernbedienung sollte meines Empfindens nach somit griffbereit liegen bleiben.

Umso erfreulicher die Brillanz des Bildes, welches alle Farben perfektiös wiedergibt und den Zuschauer auch in dunkleren Aufnahmen nicht in eben diesem Dunkel stehen lässt.

Das der einzig anwählbare (deutsche) Untertitel zumindest an einer handvoll (von mir gesichteten) Stelle Schreibfehler aufweist, kann man zwar verkraften... wirklich vorbildlich gestaltet sich dies allerdings nicht.

Den Informationsgehalt des Bonusmaterials verpasst man durch die fehlenden Fragezeichen oder vergessene Buchstaben nicht, so dass ich Questions & Answers durchaus hörenswert-interessant fand. Das making ofBehind the scenes oder gar den Audiokommentar habe ich mir in diesem Fall erneut gespart.

Summa summarum

mag manch einer marginal ein höheres Actionpotential vermissen. Vieles in „Take Shelter“ läuft im Dialog wie einer Ansammlung kleinerer Szenen ab, hier und dort fragt man sich womöglich, ob es eines weiteren Alptraums noch unbedingt benötigt hätte.

Anhand der musikalischen Untermalung und nicht zuletzt des sensibel-hypnotischen Kamerastils rundet sich „Take Shelter“ auf eine Art und Weise ab, die meines Erachtens nach fast schon bedrohlicher wirkt, als es seinerzeit bei „Twister“

 der Fall war. 

Nicht die Katastrophe selbst, sondern vielmehr die Panik vor eben dieser steht hier im absoluten Vordergrund. Familiärer Zusammenhalt, die Angst umeinander wie allzu viele Zweifel an Entscheidungen, Geheimnissen wie als Umsicht geplante Rücksichtslosigkeiten sorgten für mich persönlich dafür, dass ich zu der Überzeugung gelangte, erneut ein großartiges  Drama  gesehen zu haben.

16 Bewertungen, 5 Kommentare

  • BlackWulf

    26.11.2012, 23:08 Uhr von BlackWulf
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse Bericht MfG Blacky

  • sirikit06

    26.11.2012, 18:09 Uhr von sirikit06
    Bewertung: besonders wertvoll

    Wünsche Dir einen schönen Abend! LG

  • morla

    26.11.2012, 16:29 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg. petra

  • bella.17@live.de

    26.11.2012, 15:15 Uhr von [email protected]
    Bewertung: sehr hilfreich

    Prima dein Bericht Lg Annabelle

  • atrachte

    26.11.2012, 14:50 Uhr von atrachte
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh. lg