Der Heiler (gebundene Ausgabe) / Antti Tuomainen Testbericht

ab 10,41
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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  durchschnittlich
  • Unterhaltungswert:  hoch
  • Spannung:  durchschnittlich
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  ausschmückend

Erfahrungsbericht von LilithIbi

„Weiter zu schreiben bedeutete, weiter zu leben.“

3
  • Niveau:  anspruchslos
  • Unterhaltungswert:  hoch
  • Spannung:  hoch
  • Humor:  kein Humor
  • Stil:  ausschmückend
  • Zielgruppe:  jedermann

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Aus welchem Grunde heraus ich persönlich zu glauben meinte, mit dem Griff zu dem finnischen Spannungsroman

==“Der Heiler“=== ein echtes must-read ergattert zu haben, lässt sich an dieser Stelle für mich kaum noch nachvollziehen. In der Tat lasen sich die 217 Seiten recht schnell, verfügt der Thriller zudem über ein recht großes Schriftbild wie eine einfache Sprachwahl. Der Klappentext zu dem Werk seitens des Autoren Antti Tuomainen scheint recht zurückhaltent formuliert zu sein, so dass ich davon ausging, mit etlichen Überraschungen, Wendungen und Spannungsmomenten konfrontiert zu werden. Fakt ist tatsächlich jedoch, dass im Grunde genommen inmitten der Story auch gar nicht erst mehr passiert, als hier wiedergegeben wird.

Sprich: _„Der Heiler“_ beschreibt eine Art Zukunftsvision, in der nicht nur Bangladesch im Meer versinkt, die Pest ausgebrochen ist, Krieg um Wasserreserven zwischen Indien und China herrscht, während das, was die Waldbrände noch nicht vernichteten, von Menschenhand munter weiter zerstört wird:

„Geschätzte Anzahl der Klimaflüchtlinge weltweit: 650-800 Millionen. Pandemiewarnungen: H3N3, Malaria, Tuberkulose, Ebola, Pest. Ein bisschen Unterhaltung zum Abschluss: Die frisch gekürte Miss Finnland glaubt, dass im Frühjahr alles viel besser wird.“
(Zitat, S. 8)

Gegen diese Zustände versucht ein radikaler Umweltschützer, der sich selbst „Der Heiler“ nennt, durch diverse Morde an den vermeintlich Verantwortlichen anzukämpfen. Der Heiler steht in Kontakt zu der Journalistin Johanna, um dieser Rede und Antwort zu stehen. Als diese sodann urplötzlich verschwindet, begibt sich ihr Mann und zugleich Ich-Erzähler Tapanie auf die Suche nach ihr, indem er sich von dem Taxifahrer Hamid durch die Gegend fahren und bei Bedarf beschützen lässt.

Wesentlich mehr, meine Damen und Herren, geschieht in der Lektüre fürwahr nicht.

'''Die Umsetzung''' vermag anhand der geschilderten Umweltsituation anfänglich zu packen wie auch zu erschüttern, wirkte auf mich persönlich im weiteren Verlauf jedoch immerfort allzu plakativ -zwanghaft in die Geschichten hineingepresst. Jene stetigen Mahnungen an den Leser oder gar die Menschheit an sich erschienen mir lediglich zu Anfang mit Herzblut verfasst, sodann vielmehr beinahe pflichtbewusst agierend erneut aufgegriffen. Richtige Spannung kam für mich persönlich kaum auf, während ich zugleich immerfort auf Szenen wartete, in denen es – pardon- brutaler zur Sache ging. Vereinzelt kann man dem Buch eine gewisse Raffinesse nicht absprechen, doch wirklich gefesselt hat es mich offen gestanden kaum.

Mit den Morden an sich hat „Der Heiler“ recht wenig zu tun, befasst sich der Roman vielmehr um die zwischenmenschlichen Gelange; von dem, was sich Menschen gegenseitig wie sich selbst innerlich antun, während ein gewisser „Verrat“ nicht unbedingt als solcher betrachtet werden muss. Sicher, über jenen Aspekt kann man gewiss streiten ~ nur stellt sich eher die Frage in den Raum, ob der jeweilige Leser nach Abschluss des Buches hierfür überhaupt das Bedürfnis verspürt.

Man man die Motive von Tapani verstehen, auf eigene Faust Erkundigungen einzuholen, zumal die Polizei sichtlich überlastet ist. Zugleich wunderte ich mich für meinen Teil über die angebliche Panik auf der einen Seite, während Tapina zugleich große Scheu aufwies, die Korrespondenz der Vermissten nach etwaigen Hinweisen zu überprüfen.
Soll heißen: für den Fall, dass einer meiner Herzenspiraten je verschütt geht und ich sogar um dessen Ableben fürchte, so wäre der erste Gedanke, umgehend herauszufinden, welche Pläne jene Seele zuletzt hatte, mit wem über was gesprochen wurde und ob es Dinge gab, von denen ich nichts zu ahnen vermochte.
Obschon auch die lyrische Figur nach und nach Details aufdeckt, die weder er selbst noch der Leser so nicht erwartet hätte, ließ mich die Lektüre wundersamerweise recht kalt. „Der Heiler“ vermochte mich schlicht und ergreifend nicht zu packen, während der Verfasser immerhin mit tiefschürfenden Passagen wie

„Die bedeutsamsten Momente im Leben sind, während sie geschehen, so flüchtig und selbstverständlich, dass man sie gar nicht beachtet.“
(Zitat, S. 65)

oder gar

„Solange du geglaubt hast, alles zu wissen, was du wissen musstest, warst du zufrieden“, sagte Elina. „Jetzt weißt du, dass du nicht alles weißt, und es macht dir zu schaffen. Man sollte sich fragen, wie viel man letzten Endes wissen will, auch von der eigenen Frau.“
(Zitat, S. 106)

zu sinnieren anstoßen vermochte. Zugleich verstärken jene Zeilen für mich den Eindruck, als wäre der Schreibstil generell ein wenig unausgeglichen, zumal der Autor sich ferner über das Erzähltempo nicht einig gewesen zu sein scheint.
Der förmliche Begründungsmonolog auf den letzten Buchseiten wird sich nicht nur für den Protagonisten ein wenig quälend anfühlen; ebenso gestaltet es sich für den Leser, der nicht gerade ein Faible für diese (finnische?) Erzählweise inneträgt, recht mühselig ~ zumal zu guter Letzt dann doch alles hopplahopp geht.

===Kurz gesagt:=== im Großen und Ganzen befand ich „Der Heiler“ als ganz nett, kann für meinen Teil jedoch nicht allzu viel mit dem Buch anfangen. Lediglich die letzten 3 Seiten des als Thriller deklarierte Werkes retten jenes vor weiteren Punktabzug, eine Leseempfehlung gibt es de facto von mir an dieser Stelle indes selbstverständlich nicht.

31 Bewertungen, 6 Kommentare

  • sigrid9979

    11.10.2012, 16:25 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schön Berichtet...Lg Sigi

  • morla

    11.10.2012, 15:50 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg. ^^^^^^^^^^^^^^petra

  • Miraculix1967

    11.10.2012, 15:42 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sonnige Herbstgrüße aus dem gallischen Dorf Miraculix1967

  • atrachte

    11.10.2012, 13:36 Uhr von atrachte
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh. lg

  • anonym

    11.10.2012, 12:51 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Prima beschrieben. Über eine Gegenelsung würde ich mich sehr freuen. GLG

  • katjafranke

    11.10.2012, 11:43 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele liebe Grüße. KATJA