Rum Diary (DVD) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2012
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Summe aller Bewertungen
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von Treice564
Rum Diary
Pro:
Nichts
Kontra:
Langweilige Story
Empfehlung:
Ja
Inhalt
Ein US-amerikanischer Journalist tritt im Puerto Rico der 1960er-Jahre eine Stelle bei einer Tageszeitung an, wobei seine literarischen Ambitionen den Verlockungen des Alkohols und des schnellen Geldes zum Opfer fallen. Die Verfilmung eines autobiografischen Romans von Hunter S. Thompson erweist sich als brave Nacherzählung, die sich in hübschen Bildern erschöpft und vor allem nostalgisch der Ära huldigt, in der die Buchvorlage spielt. Die literarische Entwicklung des Autors wird mehr behauptet als glaubhaft vermittelt.
Kritik
Mit Aufnahmen eines roten Doppeldeckers, der zum Klang von "Volare", gesungen von Dean Martin, durch Wolkenberge gleitet, lullt Bruce Robinson den Zuschauer ein - um ihn dann mit einer Großaufnahme von Johnny Depps blutunterlaufenem Auge aus dem Höhenflug des Rauschs in den Abgrund der Katerstimmung zu stürzen. Doch die Dialektik des Eröffnungssequenz weckt falsche Erwartungen: "Rum Diary" ist kein hartes Säufer-Drama, das Lust und Leiden exzessiven Alkoholkonsums illustriert, sondern ein Nostalgie-trunkener Ausflug ins Puerto Rico der frühen 1960er-Jahre, als Journalisten noch Helden spielen durften und Trunkenheit an der Tastatur als Kavaliersdelikt durchging. "Rum Diary" basiert auf dem autobiografisch gefärbten Roman von Hunter S. Thompson, dem bekennenden Drogenkonsumenten und Pop-Literaten der Hippie-Ära, der das Buch bereits in den frühen 1960er-Jahren verfasste, aber erst 1998 veröffentlichte. Zuvor hatte er keinen Verleger gefunden, sodass es der Intervention von Johnny Depp bedurfte, der das Manuskript im Haus des Autors entdeckte und seinen Einfluss in der Medienindustrie geltend gemacht hatte.
Dass nun eine Verfilmung ins Kino kommt, ist ebenfalls auf Depps Engagement zurückzuführen, fungiert er doch als Produzent und übernahm die Hauptrolle, obwohl er dafür eigentlich fast 20 Jahre zu alt ist. Die Hauptfigur, der aufstrebende Journalist Kemp, ist im Roman Anfang 30, als er in Puerto Rico eine Anstellung bei der lokalen englisch-sprachigen Tageszeitung antritt. Doch die laxe Arbeitsmoral seiner Kollegen, die tropische Hitze und immer wieder der Rum sorgen dafür, dass er seine anfänglichen Ambitionen bald aufgibt. Stattdessen lässt er sich von einem amerikanischen Geschäftsmann, der aus einer unberührten Insel Bauland für riesige Hotelanlagen machen will, für PR-Dienste anwerben, nicht zuletzt, weil er ein Auge auf dessen Frau geworfen hat.
An zentraler Stelle erklärt Kemp alias Hunter S. Thompson, dass seine Bücher bisher keinen Verleger gefunden hätten, weil es ihnen an einer eigenen Stimme fehle. Würde "Rum Diary" nachvollziehbar machen, wie er seine Stimme letztlich findet, wie aus dem jugendlichen Herumtreiber mit Schreibmaschine ein Autor mit innerem Kompass wird - es hätte ein spannendes Künstlerporträt werden können. Aber diese Entwicklung bleibt bloße Behauptung. Kemp verharrt in der Rolle des Beobachters, der kühle Getränke schweißtreibender Aktion vorzieht und im Zweifelsfall jeweils das tut, was gerade von ihm verlangt wird. So bleibt auch das zentrale Dilemma, das der Film aufbaut (Folgt Kemp dem Ruf des Geldes oder der Stimme seines Herzens?) ohne Auflösung, da er sich die Entscheidung abnehmen lässt und lieber erduldet als Initiative zu ergreifen. Bruce Robinson macht keinen Hehl aus den Schwächen seines Helden. Kemp ist ein Säufer und Feigling, scheinbar nicht einmal ein besonders guter Journalist. Dennoch ist Robinsons Perspektive die der Bewunderung, als betrachte er den Mann, der im Dauerrausch über die karibische Insel taumelt, stets vom Standpunkt seiner späteren literarischen Großtaten aus.
Dementsprechend kritiklos übernimmt er die politische Perspektive des Buchs bzw. seines Autors und teilt sein Personal in gute, linke Journalisten und böse, konservative Geschäftsleute auf. Die Drogen, ihre Wirkung und die Weigerung, am regulären Leben teilzunehmen, liefern dabei nur das Ambiente, sind nicht Gegenstand des Films - anders als in Terry Gilliams "Fear and Loathing in Las Vegas", in dem Johnny Depp schon einmal Hunter S. Thompson verkörperte. Am Ende schwingt Kemp große Reden, kündigt an, den Bastarden dieser Welt (gemeint sind Nixon und Co.) zur Plage zu werden, und darf sich heroisch verklärt in den Sonnenuntergang verabschieden und der US-amerikanischen Küste entgegen segeln. Wer schon voller Bewunderung für Thompson den Kinosaal betritt, dem mag dieser hagiografische Ansatz gefallen. Allen anderen hat der Film nur hübsche Bilder aus einer einfachen Welt zu bieten.
Ein US-amerikanischer Journalist tritt im Puerto Rico der 1960er-Jahre eine Stelle bei einer Tageszeitung an, wobei seine literarischen Ambitionen den Verlockungen des Alkohols und des schnellen Geldes zum Opfer fallen. Die Verfilmung eines autobiografischen Romans von Hunter S. Thompson erweist sich als brave Nacherzählung, die sich in hübschen Bildern erschöpft und vor allem nostalgisch der Ära huldigt, in der die Buchvorlage spielt. Die literarische Entwicklung des Autors wird mehr behauptet als glaubhaft vermittelt.
Kritik
Mit Aufnahmen eines roten Doppeldeckers, der zum Klang von "Volare", gesungen von Dean Martin, durch Wolkenberge gleitet, lullt Bruce Robinson den Zuschauer ein - um ihn dann mit einer Großaufnahme von Johnny Depps blutunterlaufenem Auge aus dem Höhenflug des Rauschs in den Abgrund der Katerstimmung zu stürzen. Doch die Dialektik des Eröffnungssequenz weckt falsche Erwartungen: "Rum Diary" ist kein hartes Säufer-Drama, das Lust und Leiden exzessiven Alkoholkonsums illustriert, sondern ein Nostalgie-trunkener Ausflug ins Puerto Rico der frühen 1960er-Jahre, als Journalisten noch Helden spielen durften und Trunkenheit an der Tastatur als Kavaliersdelikt durchging. "Rum Diary" basiert auf dem autobiografisch gefärbten Roman von Hunter S. Thompson, dem bekennenden Drogenkonsumenten und Pop-Literaten der Hippie-Ära, der das Buch bereits in den frühen 1960er-Jahren verfasste, aber erst 1998 veröffentlichte. Zuvor hatte er keinen Verleger gefunden, sodass es der Intervention von Johnny Depp bedurfte, der das Manuskript im Haus des Autors entdeckte und seinen Einfluss in der Medienindustrie geltend gemacht hatte.
Dass nun eine Verfilmung ins Kino kommt, ist ebenfalls auf Depps Engagement zurückzuführen, fungiert er doch als Produzent und übernahm die Hauptrolle, obwohl er dafür eigentlich fast 20 Jahre zu alt ist. Die Hauptfigur, der aufstrebende Journalist Kemp, ist im Roman Anfang 30, als er in Puerto Rico eine Anstellung bei der lokalen englisch-sprachigen Tageszeitung antritt. Doch die laxe Arbeitsmoral seiner Kollegen, die tropische Hitze und immer wieder der Rum sorgen dafür, dass er seine anfänglichen Ambitionen bald aufgibt. Stattdessen lässt er sich von einem amerikanischen Geschäftsmann, der aus einer unberührten Insel Bauland für riesige Hotelanlagen machen will, für PR-Dienste anwerben, nicht zuletzt, weil er ein Auge auf dessen Frau geworfen hat.
An zentraler Stelle erklärt Kemp alias Hunter S. Thompson, dass seine Bücher bisher keinen Verleger gefunden hätten, weil es ihnen an einer eigenen Stimme fehle. Würde "Rum Diary" nachvollziehbar machen, wie er seine Stimme letztlich findet, wie aus dem jugendlichen Herumtreiber mit Schreibmaschine ein Autor mit innerem Kompass wird - es hätte ein spannendes Künstlerporträt werden können. Aber diese Entwicklung bleibt bloße Behauptung. Kemp verharrt in der Rolle des Beobachters, der kühle Getränke schweißtreibender Aktion vorzieht und im Zweifelsfall jeweils das tut, was gerade von ihm verlangt wird. So bleibt auch das zentrale Dilemma, das der Film aufbaut (Folgt Kemp dem Ruf des Geldes oder der Stimme seines Herzens?) ohne Auflösung, da er sich die Entscheidung abnehmen lässt und lieber erduldet als Initiative zu ergreifen. Bruce Robinson macht keinen Hehl aus den Schwächen seines Helden. Kemp ist ein Säufer und Feigling, scheinbar nicht einmal ein besonders guter Journalist. Dennoch ist Robinsons Perspektive die der Bewunderung, als betrachte er den Mann, der im Dauerrausch über die karibische Insel taumelt, stets vom Standpunkt seiner späteren literarischen Großtaten aus.
Dementsprechend kritiklos übernimmt er die politische Perspektive des Buchs bzw. seines Autors und teilt sein Personal in gute, linke Journalisten und böse, konservative Geschäftsleute auf. Die Drogen, ihre Wirkung und die Weigerung, am regulären Leben teilzunehmen, liefern dabei nur das Ambiente, sind nicht Gegenstand des Films - anders als in Terry Gilliams "Fear and Loathing in Las Vegas", in dem Johnny Depp schon einmal Hunter S. Thompson verkörperte. Am Ende schwingt Kemp große Reden, kündigt an, den Bastarden dieser Welt (gemeint sind Nixon und Co.) zur Plage zu werden, und darf sich heroisch verklärt in den Sonnenuntergang verabschieden und der US-amerikanischen Küste entgegen segeln. Wer schon voller Bewunderung für Thompson den Kinosaal betritt, dem mag dieser hagiografische Ansatz gefallen. Allen anderen hat der Film nur hübsche Bilder aus einer einfachen Welt zu bieten.
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