Magic Mike (DVD) Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Action:  durchschnittlich
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  hoch
  • Humor:  durchschnittlich
  • Spannung:  spannend

Erfahrungsbericht von Treice564

Magic Mike

5
  • Action:  sehr viel
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  hoch
  • Humor:  humorvoll
  • Spannung:  sehr spannend
  • Altersgruppe:  ab 12 Jahren

Pro:

Musik(Tanz) Film

Kontra:

Nichts

Empfehlung:

Ja

Inhalt
Ein junger Mann, der sein Geld als Stripper verdient, verliebt sich in die Schwester eines Kollegen. Er verspricht dieser, auf ihren Bruder aufzupassen, kann aber nicht verhindern, dass der auf die schiefe Bahn gerät. Unterhaltsamer Film über Sex als Geschäft, der den Umgang mit Rollenbildern sowie die Abwärtsspirale aus schweren Drogen und leichtem Sex thematisiert; die Konturierung der Figuren bleibt jedoch zu sehr an der schönen Oberfläche, um wirklich Provozierendes an den Tag zu legen.

Kritik
Steven Soderbergh hat ein Herz für verrufene Berufsgruppen. Nach zahlreichen Heist-Komödien mit Gaunern und Gegen-Gaunern nimmt er sich nun eines Erwerbszweigs an, der auch nach Geldscheinen lechzt - nur werden diese hier meist einzeln in den Slip gesteckt, nicht säckeweise aus dem Tresor gemaust. Die Rede ist vom Striptease. Und während Soderbergh in "Haywire" eine schlagkräftige Frau aufs männlich dominierte Feld der kampfsportgestählten Action schickte, sind es nun die Jungs, die sich im traditionell mehr von Frauen ausgeübten Gewerbe der körperlichen Zurschaustellung verdingen. Denken Zuschauerinnen hierzulande an männliche Striptease-Tänzer, dann kommen höchstens die "Chippendales" ins Gedächtnis: Von Öl und Sonnenstudio-Bräune glänzende, grotesk muskelbepackte Körper, darüber langes Haar. Im angelsächsischen Raum ist die männliche Variante des Striptease dagegen als Bestandteil von sogenannten "Hen Nights" und alkoholseligen Geburtstagspartys etwas üblicher. Soderbergh beweist in "Magic Mike" wiederum, dass er bei Kameraführung und Schnitt nicht nur Taktgefühl für ausgetüftelte Raub-Aktionen besitzt. Auch beim Feuerwerk der Nacktheit hat er mit seinen Tänzern ein paar Show-Einlagen inszeniert, die so augenzwinkernd selbstverliebt daherkommen, dass sie sich nicht nur fürs weibliche Auge eignen. Gegenüber einer "realen" Striptease-Show hat seiner Version zwei Vorteile: Erstens haben "seine" Männer zwischen 20 und 30 kurze Haare und schöne Körper, die kein Öl nötig haben. Zweitens muss es in einem solchen Film natürlich auch um die Frage gehen, ob der von Drogen und Frauen gepflasterte Weg des Narzissmus der richtige ist, damit "Mann" sich irgendwann das aufbauen kann, was ihm wirklich am Herzen liegt.

In Mikes Fall sind das Möbel-Unikate im Eigendesign. Mike hat nicht nur ein geschicktes Händchen, sondern zwischen all dem Geschrei nach seinem Körper auch noch einen Platz in seinem Herzen bewahrt. Und das für Brooke, die hübsche Schwester seines neuesten Stripper-Fangs Adam. Mike führt Adam in die Stripszene von Floridas Küstenstadt Tampa ein, verspricht der Krankenschwester Brooke, ihren erst 19-jährigen Bruder zu beschützen, und kann ihn dann doch nicht vor der schiefen Bahn bewahren. Zu groß sind die Verführungen durch leichten Sex und schwere Drogen, die die Mitgliedschaft in der Nackedei-Gruppe des alternden Strippers Dallas beinhaltet, einer Art schmierigen Zuhälter, der die Zukunft "seiner" Truppe im großen Miami sieht.

Hauptdarsteller Channing Tatum hat Soderbergh bei den Dreharbeiten zu "Haywire" von seinem jugendlichen Job als Striptease-Tänzer erzählt, woraufhin sich Soderbergh gleich einen Film aus den Fingern sog. Die Drogen und der Sex liegen dabei ähnlich lapidar in Reichweit wie bei Verhoevens "Showgirls"; die Männer verkörpern auf der Bühne die Gender-Klischees wie Marines, Feuerwehrmänner oder Cowboys, die sie realiter damit unterlaufen, sich als "Sexobjekte" zu vermarkten. Trotzdem herrschen hier andere Verhältnisse als in anrüchigen Oben-Ohne-Bars: das Machtspiel zwischen Sex und Geld wird immer noch von den Männern bestimmt, selbst wenn diese blank ziehen. Darüber hinaus besitzt "Magic Mike" eine Geschichte, die narrativ ungefähr so nackt dasteht wie die Protagonisten. Böse Zungen könnten behaupten, dass das schon immer ein Problem von Soderberghs äußerst geradlinigen, im Kern schlichten Hochglanz-Genrefilmen war, die es um des Effekts willen an Tiefe mangeln ließen. Hier wird allerdings alles noch mehr als sonst zum reinen Bild. Das ist zwar schön anzusehen, fühlt sich aber ähnlich inhaltsleer an wie die Romanze von George Clooney und Julia Roberts in der "Ocean's"-Reihe (u.a. "Ocean's Eleven"). Auch wenn sich die Kamera Mühe gibt, die unterschiedlichen Lebenssituationen von Mike auf der Bühne, Backstage und im bürgerlichen Traum mit Brooke durch eine variierende Farbgebung zu akzentuieren, wirkt vor allem letzterer Handlungsstrang im Vergleich zum visuellen Feuerwerk des Strips pflichtbewusst aufgepfropft.

"Magic Mike" wird damit wie Soderberghs vorherige Gauner-Filme voller gut aussehender und gut angezogener Hollywood-Stars zu einem weiteren Geschenk des Regisseurs an die weibliche Zuschauerschaft. Wer sich für den Junggesellinnen-Abschied nicht in die reale Höhle der Löwen im Tiger-Slip wagt, der könnte mit seinen Freundinnen in diesen durchaus vergnüglichen Film gehen. Frauen, die neben männlicher Bühnenpräsenz und -potenz aber auch noch narrative Verwicklungen erwarten, denen sei ein anderer Soderbergh-Film ans Herz gelegt - egal welcher, nur keiner über verrufene Berufsgruppen.

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