Looper (DVD) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2012
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Summe aller Bewertungen
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von Treice564
Looper
Pro:
Schauspiel
Kontra:
X
Empfehlung:
Ja
Inhaltsverzeichnes:
1:Infos (Film)
2:Inhalt
3:Kritik
1:Originaltitel LOOPER
Buch Rian Johnson
Darsteller Joseph Gordon-Levitt (Joe)
Bruce Willis (älterer Joe)
Emily Blunt (Sara)
Jeff Daniels (Abe)
Piper Perabo (Suzie)
Paul Dano (Seth)
Garret Dillahunt (Jesse)
Han Soto (Barbesitzer)
Tracie Thomas (Beatrix)
Dauer 118
Jahr 2012
Kamera Steve Yedlin
Produktionsland USA/VR China
Musik Nathan Johnson
Produktion FilmDistrict/DMG Ent./Endgame Ent./Ram Bergman Prod.
Produzent Ram Bergman, James D. Stern, Christopher C. Chen, Eleanor Nett, Lucas Smith
Regie Rian Johnson
Schnitt Bob Ducsay
Verleih Concorde
2:Im Jahr 2044 soll ein Auftragskiller, ein "Looper", sein eigenes zukünftiges Ich eliminieren, das mittels Zeitreise in seine Gegenwart geschickt wird. Ein Moment des Zögerns erlaubt dem alten Alter Ego die Flucht. Nun muss sein jüngeres Selbst entscheiden, ob es ihm helfen will, einen Gangsterboss der Zukunft, der jetzt noch ein Kind ist, zu töten, oder ob es seinen ursprünglichen Selbstmord-Auftrag durchführen soll. Atmosphärisch dichter Science-Fiction-Film, der das Zeitreise-Motiv und das Szenario einer nicht allzu fernen Zukunft für eine spannende Spekulation darüber nutzt, welcher Wert dem menschlichen Leben zugestanden wird.
3:Bloß nicht über Zeitreisen nachgrübeln! Sonst fängt man an, Diagramme aus Streichhölzchen zu basteln, und dafür ist keine Zeit. So ungefähr würgt Joe sein jüngeres Alter Ego ab, als dieser sein 30 Jahre älteres, aus der Zukunft zurück gereistes Ich mit Fragen über die Konsequenzen des Zeitreisens nervt. Das sollte man auch als Kinozuschauer beherzigen. Denn wenn man den Plot von "Looper" auf logische Brüche im Umgang mit der Zeitreise-Thematik abklopft, wird man sicher auf Ungereimtheiten stoßen, verdirbt sich aber damit auch den Spaß an einem cleveren, spannenden und höchst ungewöhnlichen Science-Fiction-Film, dessen Zukunftsszenario bei aller Fantastik eine gar nicht so unwahrscheinliche Spekulation darüber wagt, wie es im Jahr 2044 um den Wert eines Menschenlebens bestellt ist.
Das Zeitreisen ist 2044 noch nicht erfunden. Doch es wird nur wenig später möglich und sogleich streng verboten. Das organisierte Verbrechen schert das allerdings nicht, denn Zeitreisen sind ein probates Mittel, sich lästiger Leichen zu entledigen, was in Folge fortgeschrittener kriminalistischer Techniken ansonsten fast unmöglich geworden ist. Die Gangster schicken ihre Todeskandidaten schlicht zurück ins Jahr 2044, um sie dort von Profikillern, den Loopern, erschießen und entsorgen zu lassen. "Looper" heißen diese Killer, weil sich irgendwann der Kreis ("Loop") für sie schließt: Um alle Zeugnisse der illegalen Machenschaften zu eliminieren, müssen auch die Looper beseitigt werden, was sie selbst in die Hand nehmen. So entpuppt sich für jeden Looper eines der Opfer, die ihm zur Elimination geschickt werden, als sein älteres Selbst. Nach dessen Hinrichtung darf sich der Killer zur Ruhe setzen, um die Zeit bis zu seinem nun festgesetzten Tod zu genießen. Das klingt nach einer eher schwachsinnigen Ausgangssituation: Wer lässt sich schon auf einen solchen selbstmörderischen Job ein? Diese Frage beantwortet Regisseur Rian Johnson indes überzeugend in der Exposition: Mit wenigen eindringlichen Szenen und einer nur dezent futuristischen Veränderung heutiger Stadtbilder skizziert er ein Amerika, in dem die Sozialsysteme zusammen gebrochen sind, die Großstädte wie Slums aussehen und ein Deal, der einem 30 sorgenfreie Jahre und anschließend den sicheren Tod verheißt, durchaus verlockend erscheint: Das Gros der Armen in der Gosse und ihre abgemagerten Kinder haben weniger Lebenszeit vor sich.
Joe war wohl auch einmal eines dieser Kinder. Als "Looper" kann er sich hingegen ein anständiges Apartment, einen schicken Wagen und Drogen leisten. Sein "Carpe diem"-Lebensstil kollabiert allerdings, als es an ihm ist, seinen "Loop" zu schließen: Als er in einem Opfer sich selbst erkennt, zögert er einen Moment zu lange, sodass der 30 Jahre ältere Joe entkommen kann. Dieser hat mehr auf der Agenda als nur das schlichte Überleben: Er will einen Gangsterboss ausschalten, der in der Zukunft die Macht in der Unterwelt an sich reißt. 2044 ist der dubiose "Rainmaker" noch ein Kind. Ihn zu töten, ist trotzdem nicht leicht: Bald sind sowohl dem alten als auch dem jungen Joe die Schergen ihrer Auftraggeber auf den Fersen. Schließlich führen alle Wege zu einem einsamen Farmhaus, in dem eine junge Frau ihren Sohn großzieht. Dieser seltsame Zehnjährige könnte der künftige Unterweltboss sein; nichtsdestotrotz entwickelt der junge Joe für die Frau und das Kind eine Zuneigung, die notgedrungen mit den Absichten seines älteren Selbst kollidiert.
Ähnlich wie "Brothers Bloom" und "Brick" besticht Rian Johnsons neuer Film durch seine Eigenartigkeit. Johnsons Filme sind im Kern einfache, zwischen Lakonie und Melancholie balancierende Genregeschichten um einsame, in kriminelle Strukturen verstrickte Männer, die aus Liebe ihre eigene Haut riskieren; Johnson gibt diesen Storys stets einen Drall ins Surreal-Verfremdete, der als reizvolles Irritationsmoment fungiert. In "Brick" war das der Verlegung klassischer Noir-Topoi in die Welt eines High-School-Films geschuldet, in der Gauner-Tragikomödie "Brothers Bloom" der artifiziellen Zeitlosigkeit von Setting und Kostümen. In "Looper" ist es beispielsweise der Umgang mit dem Zeitreise-Motiv, der sich gar nicht erst um Logik-Probleme schert, sondern sich offensiv als Spiel zeigt (etwa in der Art, wie Joseph Gordon-Levitts Figur optisch und darstellerisch auf die von Bruce Willis bezogen wird). Johnson bedient durchaus die Ansprüche ans Actionkino; er verliert sich aber nicht darin, sondern balanciert sie geschickt durch interessante Figurenzeichnungen und eine durchdachte Raumpoetik und Bildsprache aus. Dadurch wird zwar nicht dezidiert der Realitätsstatus der rasanten Handlung aufgebrochen; die realistisch anmutende Milieuzeichnung werden zugunsten von Atmosphäre und dem Ausdruck von Befindlichkeiten aber in den Hintergrund gerückt: Die maroden Straßenzüge in der Stadt, das altmodische Farmhaus von Mutter und Kind, das wie eine einsame Insel in einem Meer aus weiten Maisfeldern schwebt und eine letzte, gefährdete Zuflucht familiärer Geborgenheit in einer Welt sozialen Zerfalls darstellt, sind nicht nur Bühnen für diverse Gefechte, sondern konturieren suggestiv die Dilemmata, an denen sich die Figuren abarbeiten. All das macht "Looper" zu einem Filmerlebnis.
1:Infos (Film)
2:Inhalt
3:Kritik
1:Originaltitel LOOPER
Buch Rian Johnson
Darsteller Joseph Gordon-Levitt (Joe)
Bruce Willis (älterer Joe)
Emily Blunt (Sara)
Jeff Daniels (Abe)
Piper Perabo (Suzie)
Paul Dano (Seth)
Garret Dillahunt (Jesse)
Han Soto (Barbesitzer)
Tracie Thomas (Beatrix)
Dauer 118
Jahr 2012
Kamera Steve Yedlin
Produktionsland USA/VR China
Musik Nathan Johnson
Produktion FilmDistrict/DMG Ent./Endgame Ent./Ram Bergman Prod.
Produzent Ram Bergman, James D. Stern, Christopher C. Chen, Eleanor Nett, Lucas Smith
Regie Rian Johnson
Schnitt Bob Ducsay
Verleih Concorde
2:Im Jahr 2044 soll ein Auftragskiller, ein "Looper", sein eigenes zukünftiges Ich eliminieren, das mittels Zeitreise in seine Gegenwart geschickt wird. Ein Moment des Zögerns erlaubt dem alten Alter Ego die Flucht. Nun muss sein jüngeres Selbst entscheiden, ob es ihm helfen will, einen Gangsterboss der Zukunft, der jetzt noch ein Kind ist, zu töten, oder ob es seinen ursprünglichen Selbstmord-Auftrag durchführen soll. Atmosphärisch dichter Science-Fiction-Film, der das Zeitreise-Motiv und das Szenario einer nicht allzu fernen Zukunft für eine spannende Spekulation darüber nutzt, welcher Wert dem menschlichen Leben zugestanden wird.
3:Bloß nicht über Zeitreisen nachgrübeln! Sonst fängt man an, Diagramme aus Streichhölzchen zu basteln, und dafür ist keine Zeit. So ungefähr würgt Joe sein jüngeres Alter Ego ab, als dieser sein 30 Jahre älteres, aus der Zukunft zurück gereistes Ich mit Fragen über die Konsequenzen des Zeitreisens nervt. Das sollte man auch als Kinozuschauer beherzigen. Denn wenn man den Plot von "Looper" auf logische Brüche im Umgang mit der Zeitreise-Thematik abklopft, wird man sicher auf Ungereimtheiten stoßen, verdirbt sich aber damit auch den Spaß an einem cleveren, spannenden und höchst ungewöhnlichen Science-Fiction-Film, dessen Zukunftsszenario bei aller Fantastik eine gar nicht so unwahrscheinliche Spekulation darüber wagt, wie es im Jahr 2044 um den Wert eines Menschenlebens bestellt ist.
Das Zeitreisen ist 2044 noch nicht erfunden. Doch es wird nur wenig später möglich und sogleich streng verboten. Das organisierte Verbrechen schert das allerdings nicht, denn Zeitreisen sind ein probates Mittel, sich lästiger Leichen zu entledigen, was in Folge fortgeschrittener kriminalistischer Techniken ansonsten fast unmöglich geworden ist. Die Gangster schicken ihre Todeskandidaten schlicht zurück ins Jahr 2044, um sie dort von Profikillern, den Loopern, erschießen und entsorgen zu lassen. "Looper" heißen diese Killer, weil sich irgendwann der Kreis ("Loop") für sie schließt: Um alle Zeugnisse der illegalen Machenschaften zu eliminieren, müssen auch die Looper beseitigt werden, was sie selbst in die Hand nehmen. So entpuppt sich für jeden Looper eines der Opfer, die ihm zur Elimination geschickt werden, als sein älteres Selbst. Nach dessen Hinrichtung darf sich der Killer zur Ruhe setzen, um die Zeit bis zu seinem nun festgesetzten Tod zu genießen. Das klingt nach einer eher schwachsinnigen Ausgangssituation: Wer lässt sich schon auf einen solchen selbstmörderischen Job ein? Diese Frage beantwortet Regisseur Rian Johnson indes überzeugend in der Exposition: Mit wenigen eindringlichen Szenen und einer nur dezent futuristischen Veränderung heutiger Stadtbilder skizziert er ein Amerika, in dem die Sozialsysteme zusammen gebrochen sind, die Großstädte wie Slums aussehen und ein Deal, der einem 30 sorgenfreie Jahre und anschließend den sicheren Tod verheißt, durchaus verlockend erscheint: Das Gros der Armen in der Gosse und ihre abgemagerten Kinder haben weniger Lebenszeit vor sich.
Joe war wohl auch einmal eines dieser Kinder. Als "Looper" kann er sich hingegen ein anständiges Apartment, einen schicken Wagen und Drogen leisten. Sein "Carpe diem"-Lebensstil kollabiert allerdings, als es an ihm ist, seinen "Loop" zu schließen: Als er in einem Opfer sich selbst erkennt, zögert er einen Moment zu lange, sodass der 30 Jahre ältere Joe entkommen kann. Dieser hat mehr auf der Agenda als nur das schlichte Überleben: Er will einen Gangsterboss ausschalten, der in der Zukunft die Macht in der Unterwelt an sich reißt. 2044 ist der dubiose "Rainmaker" noch ein Kind. Ihn zu töten, ist trotzdem nicht leicht: Bald sind sowohl dem alten als auch dem jungen Joe die Schergen ihrer Auftraggeber auf den Fersen. Schließlich führen alle Wege zu einem einsamen Farmhaus, in dem eine junge Frau ihren Sohn großzieht. Dieser seltsame Zehnjährige könnte der künftige Unterweltboss sein; nichtsdestotrotz entwickelt der junge Joe für die Frau und das Kind eine Zuneigung, die notgedrungen mit den Absichten seines älteren Selbst kollidiert.
Ähnlich wie "Brothers Bloom" und "Brick" besticht Rian Johnsons neuer Film durch seine Eigenartigkeit. Johnsons Filme sind im Kern einfache, zwischen Lakonie und Melancholie balancierende Genregeschichten um einsame, in kriminelle Strukturen verstrickte Männer, die aus Liebe ihre eigene Haut riskieren; Johnson gibt diesen Storys stets einen Drall ins Surreal-Verfremdete, der als reizvolles Irritationsmoment fungiert. In "Brick" war das der Verlegung klassischer Noir-Topoi in die Welt eines High-School-Films geschuldet, in der Gauner-Tragikomödie "Brothers Bloom" der artifiziellen Zeitlosigkeit von Setting und Kostümen. In "Looper" ist es beispielsweise der Umgang mit dem Zeitreise-Motiv, der sich gar nicht erst um Logik-Probleme schert, sondern sich offensiv als Spiel zeigt (etwa in der Art, wie Joseph Gordon-Levitts Figur optisch und darstellerisch auf die von Bruce Willis bezogen wird). Johnson bedient durchaus die Ansprüche ans Actionkino; er verliert sich aber nicht darin, sondern balanciert sie geschickt durch interessante Figurenzeichnungen und eine durchdachte Raumpoetik und Bildsprache aus. Dadurch wird zwar nicht dezidiert der Realitätsstatus der rasanten Handlung aufgebrochen; die realistisch anmutende Milieuzeichnung werden zugunsten von Atmosphäre und dem Ausdruck von Befindlichkeiten aber in den Hintergrund gerückt: Die maroden Straßenzüge in der Stadt, das altmodische Farmhaus von Mutter und Kind, das wie eine einsame Insel in einem Meer aus weiten Maisfeldern schwebt und eine letzte, gefährdete Zuflucht familiärer Geborgenheit in einer Welt sozialen Zerfalls darstellt, sind nicht nur Bühnen für diverse Gefechte, sondern konturieren suggestiv die Dilemmata, an denen sich die Figuren abarbeiten. All das macht "Looper" zu einem Filmerlebnis.
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