The Experiment (DVD) Testbericht
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- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von LilithIbi
"Das rote Licht ist alles, was wir haben."
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
~ „Du feuerst mich.“
~ „Nein, ich feuere dich nicht. Ich entlasse dich nur. Und nicht ich bin es, sondern der Staat entlässt dich.“
Jenes Entlassungsgespräch, welches Travis (Adrien Brody) führen darf, ist derartig positiv formuliert, dass man brechen möchte. Bereits an jener Stelle fühlte ich als Zuschauer zweifelsfrei eine Beklemmung, die inmitten Oliver Hirschbiegels
Romanadaption des Autoren Mario Giordano, der sich wiederum auf einen berühmten Versuch an der Standford University im Jahre 1971 stützte, längere Zeit auf sich warten ließ.
==“The Experiment“==
wurde nunmehr im Jahre 2010 erneut von Drehbuchautor und zugleich Regisseur Paul Scheuring umgesetzt ~ eine Art Remake, die naturgemäß gewisse Stolpersteine mit sich bringt.
Obschon sich bereits früh erkennen lässt, dass die Ereignisse sich nur im groben Muster ähneln, wartet man als Kenner des einstigen Filmes, der Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle zeigte, auf ähnliche Detailentwicklungen, die hier oftmals keinerlei Platz fanden.
Einerseits mag man dies durchaus begrüßen, macht eine 1:1 Neuverfilmung logischerweise nur selten Sinn (ewig debattierwürdig in diesem Zusammenhang „Funny games“ respektive „Funny games U.S.“); andererseits involvierte „Das Experiment“ Szenen, die mir persönlich derartig verstörend unter die Haut gingen, dass ich diese in „The Experiment“ förmlich vermisste.
Die Handlung an sich ist rasch zusammengefasst: nachdem Travis seinen Job wie auch sein Herz jüngst verloren hat, reizt es ihn doch sehr, mit Kelly (Maggie Grace) nach Indien zu reisen. Um sich jenen Trip finanzieren zu können, bewirbt er sich für ein zweiwöchiges psychologisches Experiment, dessen Teilnahme mit 14.000 $ vergütet werden soll. Hinter diesem Versuch steckt die Idee, die Gruppe in zwei Untergruppen ~ Wärter und Häftlinge ~ aufzuteilen um sodann die Entwicklung der jeweiligen Machtpositionen, Aggressionsverhalten, Dominanz und Unterdrückung zu beobachten. Nach 14 Tagen soll das Experiment beendet werden; alternativ wird der Versuch laut Versuchsleiter sofortig abgebrochen, sobald es zu einer „unangemessener Gewaltanwendung“ kommt.
Während Travis in die Gefangenenkluft schlüpfen muss, erhält sein neu gewonnener vermeintlicher Freund Barris (Forest Withaker) die Polizeiuniform. Jener entschuldigt sich anfänglich noch dafür, dass er Travis nunmehr Befehle geben und die Häftlinge allesamt unterordnen soll... dann aber beginnt ihm jene Rolle sichtlich (mitunter sexuelles) Vergnügen zu bereiten....
==Die Umsetzung==
löste wie gesagt schon anhand der ersten Filmbilder, die an für sich ausschließlich thematischen Kontext zu dem Dargebotenen aufweisen, ein gewisses Unbehagen aus. Tiere, die sich bis zum Tode bekämpften, gefolgt von Aufnahmen diverser Begegnungen zwischen Polizei und Zivilisten sind es, die auch Nicht-Kenner der Buch- bzw. deutschen Filmvorlage auf das folgende einzustimmen schaffen.
Spätestens an der Offenbarungsstelle, in der der Versuchsleiter mit den Worten
„Entweder Sie sorgen für Ordnung, oder Sie werden nicht bezahlt“
auf den Umstand hinweist, dass bei einem vorzeitigen Abbruch des Experiments niemand eine Bezahlung erhält, vergisst der Zuschauer wie einige der quasi-Wärter sekundenweise das Atmen. Weiterer Knackpunkt: sobald das rote Licht in dem nachgebauten Gefängnistrakt erscheint, gilt das Experiment als beendet bzw. gescheitert. Somit liegt einerseits auf der Hand, dass die Wärter stetig befürchten, Dank einer überzogenen oder auch zu milden (!) Bestrafung dafür verantwortlich zu sein, dass niemand seinen Verdienst erhält.
Andererseits bedeutet das Nicht-Aufleuchten natürlich auch, dass die angewandte Strafe keinesfalls zu hart war... ein Aspekt, dessen eigene Experimentzugehörigkeit an den Wärtern schier vollends vorbeigeht.
Generell lässt sich nicht nur anhand der FSK18 Freigabe feststellen, dass „The Experiment“ eine härtere Gangart einlegt als es bei „Das Experiment“ der Fall war. Die Aufsässigkeit der Häftlinge tendiert rascher in eine Szenerie, die die Wärter anfänglich überfordert ~ weiterhin ist es Fakt, dass die Bestrafungen zügiger härter und kompromissloser erfolgen. Ohne allzu sehr ins Detail gehen zu wollen, kann ich zugleich jedoch offenbaren, dass jene „nackt an den Fußboden gekettet“ Szenerie in der Neuverfilmung dergestallt nicht stattfindet, die männliche Hauptperson jedoch für mich genauso unverständlich immer weiter und weiter vergisst, einfach mal die Klappe zu halten.
In jenem Aspekt liegt auch einer der größten Kritikpunkte des Thrillerdramas beheimatet: die Wandlung des Pazifisten Travis, der zu allem Überfluss in einer förmlichen „Erlöser-Optik“ daherkommt, geht meines Erachtens kaum authentisch von der Hand. Von Anfang an lehnt Travis sich viel zu sehr auf, schreckt vor keiner Konfrontation zurück und scheint förmlich darauf zu warten, dass jemand zuschlägt. Sein ausgeprägter Gerechtigkeitswille hat meines persönlichen Empfindens nach nichts mehr mit dem Charakter zu tun, welcher dem Zuschauer in den Szenen, die vor dem Experiment stattfanden, weisgemacht werden sollten.
Neue Beklemmungsmomente erfährt “The Experiment“ durch die Figur des Benjy (Ethan Cohn), die quasi den Büdchenbesitzer der Deutschen Verfilmung ersetzte.
Dank der mannigfaltigen Unterschiede mag man sich konsequenterweise fragen, wie sehr sich die Verfilmung nun tatsächlich auf die damaligen Begebenheiten stützt ~ mehr als den groben Kern haben im Laufe der Jahre beinahe sämtliche Publikationen, die mit dem sinngemäßen Schriftzug „basiert auf einer wahren Geschichte“ werben, meiner Vermutung nach kaum noch gemeinsam.
Größer und zugleich bezüglich der erschaffenen Atmosphäre markantester Unterschied zum deutschen Film der Gesichtspunkt, dass in dem 2010er Werk auf sämtliche Schauplatzwechsel verzichtet wurde, sobald die Teilnehmer inhaftiert waren. Sprich: während “Das Experiment“ seinerzeit immerfort Blicke auf die Versuchs-beobachtenden Menschen hinter den Kameras preisgab, fühlt sich der Zuschauer in dem Remake ähnlich auf sich und seine Theorien gestellt wie die Teilnehmer selbst. Man kann hier nur raten, ahnen, vermuten oder gar bangen, was auf Seiten der Doktoren vor sich geht, welche Erfolge, Rückschläge, Beobachtungen und Thesen diese aufzeichnen und welche Empfindungen sie selbst bei den voranschreitenden Eskalationen haben mögen.
Zu guter Letzt lässt „The Experiment“ durchaus mehr Fragen offen, als es bei der deutschen Umsetzung der Fall ist. Über das Ende mag man meiner Vermutung nach eher irritiert sein, während insgesamt betrachtet die Raffinessen der einzelnen Bösartigkeiten nicht so ausgereifter Natur erscheinen ~ selbst jene, die Szenen, die nahezu 1:1 übernommen wurden.
==Die Darsteller==
sind beinahe allesamt eines großen Lobes wert. Es mag einige geben, die derartig in den Hintergrund rücken, so dass man nicht allzu viel zu ihnen sagen kann. Allen voran agiert wenig überraschend Forest Whitaker, der das Wechselspiel vom überaus-freundlichen Sohnemann, der schweigend seine scheinbar leicht tyrannische kranke Mutter pflegt bis hin zum sadistischen Peiniger absolut authentisch auf die Leinwand bringt. Während man ihm in den ersten Szenen allzu gerne auf eine Tasse Kaffee einladen würde, sorgt seine bloße Präsenz im weiteren Verlauf für gewisse Befürchtungen wie blanker Angst auf Gefangenen- wie selbst Wärterseite.
Ebenso erwähnenswert zweifelsfrei Clifton Collins jr., den ich seinerzeit inmitten von „Sunshine Cleaning“ als rundherum liebenswerten Verkäufer erleben durfte. In „The Experiment“ spielt er nunmehr einen Anhänger der arischen Bruderschaft; ein Aspekt, der meines Erachtens nach zwar nicht ganz so zur Story passen mag, im Großen und Ganzen jedoch keine wirkliche Rolle spielt. Fakt ist: Clifton Collins jr. beweist durchaus, dass er ein glaubwürdiger Schauspieler ist, der sich offenkundig kaum schwer damit tut, die entsprechende Gestik wie Mimik authentisch auf die Leinwand zu zaubern.
Adrien Brody hat bei mir ehrlich gesagt keinen leichten Stand, geht mir sein kontinuierlicher Dackelblick ähnlich wie bei Nicolas Cage nach einer Zeit eher auf die Nerven, als das ich eine Art Beschützerinstinkt an den Tag legen könnte. Weiterhin förderlich für meine leichte Antipathie die Rolle des Travis, den ich in mehreren Szenen am liebsten selbst mal eine getachtelt hätte ~ einfach weil er es ist, der stetig für Rabatz sorgt, weil er das Prinzip „man kann auch mit verbaler Gewalt keinen Frieden erreichen“ scheinbar nicht verstanden hat. So oder so ~ die Rolle, die das Drehbuch vorschrieb, wirkt von A bis Z unverfälscht auf die Leinwand getragen; während es möglicherweise dem zuschauerlichen Guckgefühl sogar zuträglich ist, eine leichte Aversion gegen den Akteur innezutragen.
Cam Gigandet stellt für mich einer der beiden optischen Highlights dar, die “The Experiment“ zu bieten hat. Über seine Filmfigur lässt sich durchaus diskutieren, sofern man sich mit den Theorien der Überkompensation um seine eigene Homosexualität (nicht zuletzt vor sich selbst) zu verbergen, befassen mag.
Die absolut zerbrechlichste Rolle kam Ethan Cohn zuteil; eine Aufgabe, die dieser mit Bravour zu meistern verstand. Optik, Gestik wie Mimik überzeugt vollumfänglich, so dass in dieser Person zu guter Letzt derjenige gefunden war, den man am liebsten höchstpersönlich beschützt hätte.
Auf alle anderen weiteren Akteure separat einzugehen, würde höchstwahrscheinlich den Rahmen sprengen ~ zusammenfassend lässt sich somit der Einfachheit nach schlicht und ergreifend sagen, dass sämtliche Zweifel, die man bezüglich der dargestellten Persönlichkeiten haben könnte, mitnichten an den Schauspielern, sondern vielmehr am Drehbuch selbst liegen.
==Die DVD selbst==
verfügt über zwei Sprachen (Deutsch, Englisch) nebst einem (deutschen) Untertitel.
Umfangreicher de facto das Bonusmatarial, welches neben ein paar trailern ein paar Interviews mit Regisseur Paul Scheuring, Hersteller Jeanette Buerling & Bill Johnson sowie den Schauspieler Adrien Brody, Forest Whitaker, Cam Gigandet, Ethan Cohn, Clifton Collins Jr., Jason Lew & Maggie Grace beinhaltet. Jenes mag pompöser klingen, als es ist, beträgt die Interview-Gesamtzeit jedoch lediglich 20 Minuten.
Ferner gibt es einen 8minütigen Blick hinter die Kulissen sowie ein 7minütiges Featurette, welches ebenfalls ein paar Worte über die Intention des Filmes involviert, während ferner immerzu ein paar Szenen eingespielt werden.
Informativ weiterhin ein kleiner Inlayer, der im Grunde genommen lediglich dazu dient, den potentiell Interessierten auf weitere Filmauftritte einiger Hauptdarsteller aufmerksam zu machen.
Über die Bildqualität lässt sich alles andere als meckern, zaubert die DVD ein kristallklares Bild auf meinen Röhrenfernseher. Lediglich der Ton gab Anlass zum seufzen; gestaltet sich dieser hier und dort als zu laut, an anderer Stelle als zu leise. Die Fernbedienung bzw. die Lautstärketaste blieb somit für mich die gesamte 90minütige Laufzeit griffbereit.
Nicht minder erwähnenswert der Aspekt, dass „The Experiment“ zwischenzeitlich mit einem anderen Cover veröffentlicht wurde als mir persönlich vorliegt. Ob dies für den derzeitigen Amazon-Preis von 12,99 Euro verantwortlich sein mag, kann ich selbstverständlich nicht beantworten.
==Summa summarum==
hat sich der Kauf meiner DVD für gerade mal 5,99Euro (Media Markt) für mich zweifelsfrei gelohnt. Obschon mir einige Details negativ aufstießen, vermag „The Experiment“ schlussendlich zu packen, zu verstören und nachzuwirken.
Vergleichbar mit den beiden unterschiedlichen Gefühlsstürmen, die Jack Ketchums „Evil“ in Konkurrenz zu „An american Crime“, welche beide auf dem (Ab)Leben der zu Tode gequälten Sylvia Likens basieren, fühlen sich auch „The Experiment“ hinsichtlich „Das Experiment“ an. Beide tragen ihre eigenen Reize inne; schwächeln an unterschiedlicher Stelle... und doch würde ich sagen, dass mir letztgenannte und somit erst-erfolgte Verfilmung einen Deut eher zusagt.
Nicht nur aufgrund dessen, dass die Entscheidung der Studienleiter, nicht in die Geschehnisse einzugreifen, näher beleuchtet und (erschreckend, aber wahr) nachvollziehbar (be)greifbar gemacht wurden; sondern nicht minder basierend auf dem Umstand, dass „The Experiment“ ein (Wandlungs-)Tempo an den Tag legt, welches mir nicht ganz griffig erscheint.
Einen Blick sind zweifelsfrei beide Werke wert ~ nicht aus puren Unterhaltungszwecken, sondern vielmehr aus analytischen Betrachtungsweisen. Pro-Tipp: beide Filme hintereinander schauen und alsdann eine Debattierrunde starten.
29 Bewertungen, 7 Kommentare
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22.10.2012, 22:04 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreichEin toller Bericht...Lg Sigi
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22.10.2012, 21:47 Uhr von sirikit06
Bewertung: besonders wertvollWünsche Dir einen schönen Abend! LG
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22.10.2012, 18:17 Uhr von Tweety30
Bewertung: besonders wertvollBW und liebe Grüße!
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22.10.2012, 18:16 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichwünsche einen guten wochenstart lg. petra
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22.10.2012, 17:21 Uhr von katjafranke
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße von der KATJA
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22.10.2012, 17:00 Uhr von knuddelfire
Bewertung: sehr hilfreichIch würde mich über eine Gegenlesung freuen. LG
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22.10.2012, 16:59 Uhr von Miraculix1967
Bewertung: sehr hilfreichWWW = Wunderschöne Wochenstarts-Wünsche! LG aus dem gallischen Dorf Miraculix1967
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