Schutzengel (DVD) Testbericht

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Schutzengel-dvd
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  viel
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  durchschnittlich
  • Humor:  durchschnittlich
  • Spannung:  sehr spannend

Erfahrungsbericht von Treice564

Schutzengel

5
  • Action:  viel
  • Anspruch:  sehr anspruchsvoll
  • Romantik:  hoch
  • Humor:  sehr humorvoll
  • Spannung:  sehr spannend
  • Altersgruppe:  ab 16 Jahren

Pro:

Til Schweiger

Kontra:

Nichts

Empfehlung:

Ja

Inhalt
Ein ehemaliger KSK-Soldat mit Afghanistan-Erfahrungen beschützt in Berlin ein 15-jähriges Waisenmädchen vor den Attacken mittelstarker Truppenverbände, die es im Auftrag eines skrupellosen Waffenhändlers beseitigen sollen, da sie Zeugin eines Mordes wurde. Action-Thriller bar jeder Logik und Glaubwürdigkeit, der auf ein Klang- und Bildgewitter aus zahllosen, auf Dauer ermüdenden Schießorgien setzt. Die Handlung hangelt sich durch kleine Episoden und hölzerne Dialoge ohne erkennbares Interesse an Personen und Konflikten. Der angedeutete politische Hintergrund dient lediglich dazu, die Hauptfigur als ungebrochen funktionierenden Soldaten zu feiern.

Kritik
Für die, die es immer noch nicht glauben wollen, wiederholt es Nina gerne: "Er ist wirklich ein Guter!" Womit Max Fischer gemeint ist, souveräner Personenschützer und Ex-KSK-Soldat, einfühlsamer Jung-Mädchen-Versteher und seelisch angeschlagener, aber doch empfindsamer Nomade zwischen den Fronten. Nina, 15-jähriges Waisenmädchen mit zerrütteter Kindheit, und Max, ihr Schutzengel mit Afghanistan-Erfahrung, raufen sich trotz ihrer seelischen Blessuren rasch zusammen und treiben als ungleiches Duo durchs überwiegend nächtliche Berlin, unter permanentem Kugelhagel mittelstarker Truppenverbände, denen niemand Einhalt zu gebieten vermag. Deren Auftrag lautet: Nina töten, hat sie doch gesehen, wie der Waffenhändler Thomas Backer einen unliebsamen Zeugen erschossen hat. Jetzt endlich könnte der ebenso skrupellose wie selbstgefällige, juristisch aber bislang unantastbare Machtmensch, der von höchsten Stellen gedeckt wird, der jungen Staatsanwältin Sarah ins Netz gehen; doch kein Zeugenschutzprogramm vermag Nina vor den Schergen Backers zu schützen; das gelingt nur Max, weil er niemandem traut, sich nicht einordnet, keinen Befehlen gehorcht und nur sich selbst gegenüber Rechenschaft ablegt.

Im Grunde ist das bereits die ganze Geschichte dieses Action-Thrillers, der sich weder um Logik noch um Glaubwürdigkeit schert, sondern allein aus den Erzählformen des Genre-Kinos heraus funktionieren will - was selten genug (selbst routinierten Hollywood-Filmen) gelingt, weil dies ein extrem hohes Maß an handwerklicher Kompetenz sowie künstlerischer Souveränität im Umgang mit Licht und Bewegungen, mit der Verdich‧tung von Stimmungen und Emotionen voraussetzt. Allenfalls in den zahllosen Schießorgien erreicht Til Schweiger einen gewissen Standard: Wenn die Kugeln Betonwände oder Autokarosserien zerfetzen, wenn durch die unendlich vielen Einschusslöcher das Licht in hart gebündelten Strahlen dringt und die leer geballerten Magazine quasi im Sekundentakt ausgeworfen werden, dann ist das laut, rasant und mitunter durchaus spektakulär - auf Dauer aber monoton und ermüdend. Da es 133 Minuten lang nicht nur knallen und scheppern kann, muss sich notgedrungen eine Art von Minimal-Handlung ergeben, die sich grob auf zwei Weisen entwickelt: Entweder werden in knappen Episoden (prominent besetzte) Personen eingeführt, die wahlweise für Gags oder Tragik zuständig und meistens schnell tot sind, oder es entwickeln sich lange, extrem hölzerne dialogische Gesprächsplattitüden zwischen den Hauptfiguren, die zu Nahaufnahmen ihrer Gesichter das deklamieren, was sich aus der filmischen Dramaturgie selbst nicht erschließt. Da sich Schweiger nie selbst erklärt, lobpreisen ihn andere, während er auf Ninas tolle Fragen ("Wie fühlt es sich an, zu töten?") vermeintlich noch toller, in Wahrheit aber extrem tiefgelegt antwortet. Das alles spielt sich in gesucht schicken Settings ab, wobei die kleinste Nichtigkeit eine bedeutungsschwangere Folge von Nahaufnahmen ohne Aussagewert auslöst. Zwischen viel Produktwerbung für Notebooks oder Edel-Whisky bleibt die hanebüchene Räuberpistole bar jeder Substanz - eine lakonisch-schnoddrige Nichtigkeit ohne empathisches Interesse an Personen und Konflikten, dafür aber voller Kraftmeierei, wenn etwa die Pseudo-Realistik durch Fernsehbilder aus vermeintlich authentischen Nachrichten und Polit-Shows unterfüttert wird. Besonders schlimm wiegt, dass der Film atmosphärisch nicht trägt und durch ein stockkonservatives Rollenbild irritiert, das den Mann als einsamen Wolf, die Frau als leidensfähige Geliebte und den Obergauner als zynisch-misanthropen Philosophen stilisiert. Der große Rest ist Kanonenfutter. "Brisant" ist daran rein gar nichts, erst recht nicht der kokett angedeutete politische Hintergrund des Ex-Afghanistan-Kämpfers, der ansatzweise posttraumatisch belastet zu sein scheint, aber doch vor allem nur ein ungebrochen funktionierender Soldat ist: Es war einmal ein treuer Husar...

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