Juan of the Dead (Blu-ray) Testbericht

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  • Action:  viel
  • Anspruch:  wenig anspruchsvoll
  • Romantik:  durchschnittlich
  • Humor:  sehr humorvoll
  • Spannung:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von mima007

Zombie-Horror à la Kuba: Aufstand der Dissidenten & die Lust am Untergang

2
  • Action:  viel
  • Anspruch:  wenig anspruchsvoll
  • Romantik:  durchschnittlich
  • Humor:  sehr humorvoll
  • Spannung:  durchschnittlich
  • Altersgruppe:  ab 16 Jahren
  • Meinung bezieht sich auf:  DVD-Version

Pro:

Komik, Splatter, temporeich, engagiert-kritisch, Sound und Bild bestens

Kontra:

unzureichendes Bonusmaterial, schwarzer Humor, ein paar Längen

Empfehlung:

Ja

"Juan ist ein Schlitzohr und Lebenskünstler. Er liebt Kuba, denn hier muss er nicht arbeiten. Doch 50 Jahre nach der Revolution tauchen in Havanna merkwürdige Dissidenten auf. Ein Virus scheint sie in blutrünstige Bestien verwandelt zu haben. Das Staatsfernsehen ist sich sicher: Das Unheil kommt mal wieder aus Amerika. Bewaffnet mit Paddeln und Macheten ziehen Juan und seine Freunde los, um gegen die neue "Revolution" zu kämpfen und dabei noch etwas Geld zu verdienen ..." (Verleihinfo)

Filminfos

Originaltitel: Juan de los Muertos (Kuba/Spanien 2011)
Regie u. Drehbuch: Alejandro Brugués
Label: Pandastorm Pictures
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 25.09.2012
EAN: 4048317475179 (Blu-ray)
Länge: 96 min
FSK: 16
Darsteller: Alexis Díaz de Villegas (Juan), Jorge Molina (Lazaro), Andrea Duro (Camila), Andros Perugorría (Vladi California), Jazz Vilá (La China), Eliecer Ramírez (El Primo), Antonio Dechent (Father Jones), Blanca Rosa Blanco (Sara), Elsa Camp (Yiya), Susana Pous (Lucía) uva.


Handlung

Sein bester Freund Lazaro findet Juan auf einem selbstgebastelten Floß, das die Form eines Herzens hat. Will Juan etwa nach Miami abhauen? Aber nein, dort müsste er ja arbeiten. Er will bloß den Frieden genießen - er hat seinerzeit in Angola gekämpft - und angeln. Aber das einzige, was heute anbeißt, ist ein merkwürdiges Wesen, das das Gesicht eines Menschen hat, dabei aber wie eine Leiche aussieht. Mit seiner stets bereitliegenden Harpune schießt Lazaro das Monster ab. Aber der Zwischenfall ist ein Hinweis auf das, was die beiden bald an Land erwartet.

Vom Dach des Mietshauses, in dem sie wohnen, beobachten sie das Treiben der Leute. Lazaros Sohn Vladi California poussiert mit einer jungen Frau, doch wo ist Camila, Juans Tochter? Wahrscheinlich bei ihrer Großmutter, denn ihre Mutter, Juans Ex, ist inzwischen in Miami, wie so viele Landsleute. Nachmittags ist Juan bei seiner Geliebten, einer verheirateten Frau, die nach dem Schäferstündchen noch ihren Gatten beglückt. Der unbeweibte Lazaro kann bloß zugucken und sich von seiner "fünffingrigen Braut" trösten lassen…

Abends gehen sie mit Vladi und dem Homo-Pärchen La China, einer Transe, und El Primo, einem Bodybuilder, zum Revolutionskomitee. Da bricht ein ungeschlachtes Wesen wütend durch die Tür zum Haus: Was bislang ein normaler Bürger war, scheint von Blutdurst besessen und fällt über Versammelten her, um sie zu beißen. Die Gebissenen scheinen die Besessenheit zu übernehmen und weiterzuverbreiten. La China geht echt die Muffe, doch der ach so starke El Primo kann kein Blut sehen und kippt aus den Latschen.

Ist das eine neue Seuche, eine Grippewelle gar, fragen sich Juan und Lazaro. Aber nein! Das Staatsfernsehen beruhigt sie: Die Unruhen würden von Dissidenten verursacht, die von den Vereinigten Staaten ferngesteuert werden. Also eigentlich alles wie gehabt, oder? Aber Juan und Lazaro wissen, dass dies Blödsinn ist. Wer glaubt schon dem Staatsfernsehen!

In ihrem Eindruck, dass etwas nicht mehr stimmt, werden sie bestärkt durch die nächste Begegnung. Die alte Nachbarin ruft sie zu Hilfe - ihr Gatte Rogalio rühre sich nicht mehr. Erst als Juan ihn anstupst, rührt sich der Alte wieder, knurrt dabei aber wie ein Hund. Lazaro bekommt es mit der Angst und erschießt ihn mit seiner patenten Harpune, ohne die er das Haus nicht mehr verlässt. Aber die Harpune geht durch Rogalio glatt hindurch, ohne Schaden anzurichten. Knifflige Frage: Wie tötet man einen Untoten? Vier Holzpflöcke richten ebensowenig aus wie ein Kreuz, das Juan dem Zombie entgegehält. Erst als er ihm mit dem Kreuz den Schädel einschlägt, gibt Rogalio den Geist auf. Dafür haben sie es nun mit dessen Frau zu tun…

Der triumphale Sieg über den Untoten bringt Juan bei Anblick der Zombies in den Straßen auf eine glorreiche Geschäftsidee: Mit seinen tapferen Mitstreitern Lazaro, California China und Primo macht er die Firma "Juan of the Dead" auf. Sein Versprechen: "Wir töten Ihre Lieben bzw. Dissidenten. 50 Cents pro Nase, Spanier und Amerikaner das Doppelte."

Fortan kann sich Juans Team, das auch von Camila verstärkt wird, vor Aufträgen kaum retten. Soll noch einer behaupten, auf Kuba gäbe es keine Arbeit! Schon bald ist Havanna nicht mehr wiederzuerkennen…


Mein Eindruck

Ein Helikopter fliegt nicht herbei, um die letzten Überlebenden der Zombieseuche zu retten, sondern kracht seinerseits taumelnd in die Kuppel des Parlamentsgebäudes. Wie schade auch, dass das größte Hotel am Strand von havanna ausgerechnet jetzt den Sonnenuntergang blockiert - da kracht es auch schon zusammen, bis die Sonne blendend durchbricht. Höchste zeit, die Sonnenbrille aufzusetzen, denken Juan und Lazaro in ihren Liegestühlen. Die Aussicht ist endlich akzeptabel. (Diese Szene ist möglicherweise ein Zitat aus einem der BEATLES-Filme von Richard Lester. Der Regisseur Brugués liebt die Liverpooler Pilzköpfe.)

Man sieht schon an diesen zwei Szenen, dass hier teils die Lust am Untergang zelebriert wird. Andererseits erweisen sich Juan, Lazaro und ihre Mitstreiter als die letzte Bastion des Humanismus in einer Gesellschaft, die sich binnen eines Monats in untote "Dissidenten" verwandelt hat. Ein Geschäft mit dem Beseitigen dieser Untoten zu machen, ist etwas sehr Unsozialistisches, sondern huldigt dem Prinzip des kapitalistischen Gelderwerbs. Denn noch gelten diesen Ketzern des Sozialismus all unsere Sympathien.

Das muss wohl daran liegen, dass wir im Westen selbst durch und durch kapitalistisch denken und werten. Die Ketzer auf Kuba dürfen sozusagen die Rolle des Clowns spielen, der uns den Spiegel vorhalten darf. Das amüsiert uns natürlich - solange keine heiligen Kühe geschlachtet werden.

Wenn aber die Ketzer die wahren Menschen sind, wofür stehen dann die sich vermehrenden Untoten auf Kuba? Dies ist die zentrale Frage, die jeder Zuschauer für sich beantworten sollte, will er den Sinn und die Botschaft des Films verstehen, wie sie der Regisseur und Autor Brugués beabsichtigt hat. Ich habe die tollen Kritiken nicht gelesen, die Brugués in seinen Interviews (siehe unten) lobt. Ich mache mir meinen eigenen Reim auf den Film.

Erklärungsversuch

Die lebenden Toten stehen für Vertreter des überholten, revolutionären Denkens und sind verlorene Seelen. Da das System inzwischen keine reale, sondern nur noch eine ausgehöhlte ideelle Rechtfertigung besitzt - es ist so abgewirtschaftet, dass Menschen sterben - verbreitet es nicht mehr Hoffnung, sondern nur noch durchschaubare Lügen, die dem Selbsterhalt dienen.

Der Grund für die Abwirtschaftung, die das System todgeweiht machen, ist folgender: Bis 1990 bezahlten die Sowjets alle Rechnungen ihrer sozialistischen Brüder auf der Zuckerrohrinsel, im Austausch für kubanischen Rum und Tabak. Aber dann schaffte sich die Sowjetunion ca. 1990 selbst ab und zerfiel in die GUS-Staaten. Sie ließ die Kubaner im Stich - so sahen es zumindest die Insulaner selbst. Aber dann erwies sich das System als unfähig zur Autarkie, nicht zuletzt wegen des amerikanischen Embargos, das bis heute fortbesteht. Wer konnte, wanderte nach Miami aus, das hier als das Gelobte Land jenseits des Horizonts existiert.

Wer zurückgeblieben ist, schlägt sich so gut es geht durch. Die Solidarität unter den Menschen ist hoch, verglichbar mit den Verhältnissen in Birma. Nach dem Rückzug Fidel Castros aus der Politik dürfen die Kubaner inzwischen sogar wieder eigene Kleingewerbe gründen und in die eigene Tasche wirtschaften. Das wäre noch vor zehn Jahren Hochverrat gewesen. Aber was, wenn eine solche Hoffnung nicht existiert? Dann leben die Menschen ohne Hoffnung und auf Zeit: Dafür steht die Metapher der lebenden Toten, verkleidet als Zombies.(Bemerkenswert, dass diese Spezies gerade auch in den USA Erfolge feiert, etwa in der Minserie "The Walking Dead".)

Schwarze Komödie

Dass Brugués seinen Zombiefilm als schwarze Komödie inszeniert, ist teils ein Kniff, um subversive Kritik üben zu können, andererseits eine unterhaltsame Art und Weise, um eine Liebeserklärung an die kubanischen Menschen zu transportieren. Wie die Darsteller erwähnen, handelt es sich bei Juan, Lazaro, Vladi, El Primo und La China um Außenseiter: Sie haben alle keinen Job und weisen abweichendes Verhalten auf.

La China ist ein homosexueller Transvestit, El Primo sein muskulöser Lover und Beschützer. Juan begeht mit einer lustigen Strohwitwe Ehebruch, und Lazaro ist ebenso unbeweibt wie sein Sohn Vladi. Als Camila hinzukommt, erweist sich, dass sie sich wie ein mann verhält und Vladi, der sich wie eine Frau verhält, optimal zu ihr passt.

Seitenhiebe

Die Komödie darf viele Seiten angreifen, denn das ist ihre Aufgabe. So kommen nicht nur die systemtreuen Kubaner - die Fernsehsprecher - ihr Fett weg, sondern zahlreiche weitere Gruppen. Dazu gehören die Spanier. Das Mutterland der Kuba-Gründer erscheint hier als geheimer Kolonisator durch die Hintertür: Spanier - die bei der Firma "Juan of the Dead" das Doppelte der Entsorgungsprämie kosten - missbrauchen die jungen Kubanerinnen für ihre perversen Sexspiele.

Auch die Amis werden nicht verschont. Die letzte Hoffnung für unsere tapferen Überlebenden scheint ein amerikanischer Missionar zu sein, der ein Geheimprojekt ausgeheckt hat, das sie alle rettet und ihnen zur Freiheit in Miami verhilft. Doch just in dem Moment, als er die Natur dieses glorreichen Projekt enthüllen will, durchbohrt ihn ein Stahlpfeil aus Lazaros patenter Harpune. "Ups! Das war ein Versehen", behauptet Lazaro verlegen. War es nicht. Die Bedeutung ist klar, dass sich die Kubaner nicht von anderen retten lassen wollen (schon gar nicht von den Kapitalisten), sondern dies selbst in die Hand nehmen.

Das Produkt ihrer Bemühungen sieht dementsprechend aus: originell, ungewöhnlich, unorthodox, möglicherweise auch selbstmörderisch - es ist ein Amphibienauto. Ab zur berühmten Promenade von Havanna damit! Leider haben tausende Zombies die gleiche Idee: Bloß runter von der todgeweihten Insel! Am Strand entscheidet sich, wer die Insel verlassen darf und wer zurückbleiben will…

Die Blu-Ray

Technische Infos

Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: DTS HD Master Audio 5.1 in Deutsch, DTS HD Master Audio 5.1 in Spanisch
Untertitel: Deutsch

Extras:
- O-Trailer
- Interviews
- Proben mit den Schauspielern
- Make-Up & Effekte
- Behind the Scenes: Dreharbeiten
- Trailershow

Mein Eindruck: die Blu-Ray

Bild und Ton entsprechen dem hohen Niveau einer Blu-Ray. Allerdings wird als Sprache nur Deutsch angeboten. Man sollte die deutschen Untertitel zuschalten, um die Unterschiede zur Synchronisation zu entdecken.


EXTRAS

1) Kinotrailer (2:00 min)

Der Trailer stellt die komischen Höhepunkte ebenso wie die blutigen Effekte heraus und weiß deshalb gut zu unterhalten. Er verdeckt die Längen, die es durchaus ebenfalls gibt. Vor den Bildern ist ein Bildschirm mit all den Awards zu sehen, die der Film bislang auf Festivals erhalten hat.

2) Behind the Scenes: Dreharbeiten

Hinter diesem unscheinbaren Titel verbirgt sich der Versuch, wenigstens im Ansatz so etwas wie ein Making-of zu fabrizieren. Dazu gehören "Proben mit den Schauspielern" (3:21 min), "Make-up und Effekte" (2:01) und die eigentlichen "Dreharbeiten" (5:12 min). Leider gibt es weder Musik noch irgendeine Art von Kommentar, so dass man eher von einer B-Roll sprechen kann als einem Making-of.

Eine Doku über die doch unübersehbar vorhandenen CGI-Spezialeffekte aus dem Computer fehlt völlig. Die Dreharbeiten sind am interessantesten: Ein Kran wird eingesetzt, die Akteure spielen vor einem Green Screen, das Amphibienauto hat seinen Auftritt. Außerdem erfahren wir, wie die hundert Zombies auf der Plaza von einem fahrenden Auto geköpft werden konnten.

3) Interviews Teil 1 (5:53 min)

Regisseur Brugués beharrt darauf, dass es sich nicht um einen Horrorfilm, sondern um eine Komödie handle. Er erzählt, wie er überhaupt die Idee kam und welche Szenen er sich von Anfang gewünscht hatte, so etwa die Köpfung der Hundert.

Hauptdarsteller Villegas, der wie viele der Schauspieler vom Theater kommt, erklärt, er würde das Land nie verlassen und ähnele darin auch seiner Rolle des Juan, der ja beim finalen Exodus der Zombies auch zurückbleibt. Aber Auslandsbesuche seien natürlich OK.

Jorge Molina erklärt seine Figur des Lazaro: Dem sei im Grunde, im Unterschied zu Juan, alles egal, und wenn er auch ein Schussel im Umgang mit der Harpune sei, so habe er das herz doch auf dem rechten Fleck. Andrea Duro, die die Amazone Camila verkörpert, findet es klasse, dass sich Camila wie ein Mann verhalten darf. Im Film bildet Camila ein Paar mit Vladi California, der von Andros Perugorría gespielt wird. Die beiden erklären, es gehe in der Geschichte im Grunde um Schutz. Auch "China" und "El Primo" erklären ihre jeweilige Rolle, die doch stark zur Komödie beiträgt.

Dass alle positive Erinnerungen an den Dreh und den Regisseur haben, versteht sich angesichts des großen internationalen Erfolgs des Films von selbst.

4) Interviews Teil 2 (12:47 min)

Wesentlich erhellender ist der zweite Block der Interviews. Dieser Block ist mehr als doppelt so lang wie der erste, der v.a. aus Schnipseln besteht. Hier muss sich der Zuschauer wirklich konzentrieren und die Untertitel lesen. Gut möglich, dass dieser 2. Block auf der DVD fehlt. Das würde die negativen Kritiken erklären, die das Bonusmaterial erhalten hat.

Der Regisseur mokiert sich ein wenig über die Kritiken zu seinem Film. Die meisten haben ihn unter die Top Ten des Jahres gezählt, aber der "Hollywood Reporter" veröffentlichte einen Verriss. "Der Kritiker war voreingenommen, er wollte einen Verriss schreiben", moniert Brugués. Er lobt zwei positive Rezensionen, von denen eine den Film und dessen Botschaft so erschöpfend erklärt, wie er das selbst nie fertiggebracht hätte. "Der Film ist prokubanisch, aber systemkritisch" - das treffe den Nagel auf den Kopf, pflichtet Brugués bei.

Der Film sei zum Teil seinem 49-jährigen Bruder geschuldet, der aus der gleichen Generation stamme wie Juan und Lazaro. Mehrere Szenen seien direkt von seinem Bruder inspiriert. Auch Hauptdarsteller Villegas spricht über Juans Generation, die sich im Film einem Bewährungskampf gegenübersieht. Er lobt seine Zusammenarbeit mit Molina, die besonders in jener Dachszene zu bewundern ist, in der Juan Anstalten macht, sich vom Hausdach in die Tiefe zu stürzen und Lazaro ihm seine Liebe gesteht… Molina outet sich als Fan des Horrorgenres.

Jazz Vila, der/die La China so überzeugend spielt, erklärt den Film gar gleich zu einem neuen Genre: Die Bedeutung dieser Kombination aus Horror, Action und Komödie sei für Kuba nicht zu überschätzen - es sei ein andere Art von Kino als man es auf Juba bislang kannte. Statt der staatstragenden Gesellschaftsvertreter (Revolutionäre, Krankenschwestern, Ärzte, Ingenieure usw.) würden hier Außenseiter auftreten und sich menschlich verhalten, während alle anderen um sie herum zu Zombies mutieren.

5) Trailershow

a) Soldiers of Fortune (meinen Bericht findet man auf anderen Plattformen)
b) Helden des Polarkreises (s. meinen Bericht)
c) The Veteran (dito)
d) Große Tricks und kleine Fische (dito)
e) Charlie Valentine (dito)
f) Three Burials of Melqiades Estrada (dito)
g) Mulan
h) 11-11-11 - Das Tor zur Hölle (spanischer Horrorfilm)

Unterm Strich

Ich war einen weiteren Zombiestreifen im Splatter-Look gefasst, doch was ich bekam, war eine sehr menschliche Komödie. Das liegt teils an der durchdachten Story, an dem einzigartigen Schauplatz, nämlich Kuba, und teils an den Schauspielern, von denen Villegas als Juan und Molina als Lazaro hervorstechen. Die beiden haben eine bewegend-lustige Szene auf dem Dach ihres Hauses, in dem Juan seine Selbstmordabsicht erklärt - und Lazaro seine Liebe für ihn. Haha, nur ein Scherz! Solche Szenen können nur erfahrene Theaterschauspieler glaubwürdig darstellen. Und im Original klingen die Worte wahrscheinlich tausend mal glaubhafter.

Diese Komödie lässt sich ohne den Hintergrund nicht verstehen. Kuba versteht sich bislang als sozialistisches Experiment, das von den Amis per Embargo zum Underdog der westlichen Welt gemacht worden ist. Die Kubaner sind aber auch nicht blöder als andere Völker und erkennen ihre eigene Lage durchaus. Allerdings hatten sie bislang keine Hoffnung auf Besserung und freuten sich auf den baldigen Untergang, möglicherweise durch Selbstzerstörung.

Für dieses Lebensgefühl stehen die Zombies als konkretes Symbol. Weil aber der Film, vertreten durch Juan & Co. eben diese Hoffnung nicht aufgibt, ist es völlig OK, wenn diese Zombies in Massen abgeschlachtet werden. Die Lust am Untergang wird geradezu lustvoll zelebriert, was dem Regisseur Gelegenheit zu wundervollen Bildern verhilft: Ein von Zombies besetzter Helikopter taumelt in die Kuppel des Parlamentsgebäudes, was dem Nationalstolz wohl den Todesstoß versetzen dürfte.

Die andere Seite der Medaille: endlich freier Blick auf den Sonnenuntergang, quasi ein Abglanz des Miami-Feelings. Nötig ist dafür nur der Einsturz einer der Touristenburgen an den Promenade von Havanna. All diese Symbole fallen, um den eigentlichen Wert hervorbringen zu können - den Überlebenswillen der Underdogs, die wir als Kubaner bezeichnen. Wenn sie nicht untergehen wollen wie Zombies, müssen sie sich neu erfinden, wie es Juan tut.

Für die sympathische Handlung ist man durchaus bereit, ein paar Längen in Kauf zu nehmen. Aber die Längen treten deshalb auf, weil wir von Hollywoodfilmen so konditioniert worden sind, eine temporeiche Handlung mit einem oder gar zwei Spannungsbögen vorgesetzt zu bekommen. "Juan of the Dead" ist aber eine Independentproduktion und nimmt sich dementsprechend dramaturgische Freiheiten heraus. Take it or leave it.

Die Blu-Ray

Während Bild und Ton bestens sind, konnte mich das Bonusmaterial nicht ganz überzeugen. Es ist zwar nett, in den zahlreichen Interviews über die Absichten und Inspirationen aufgeklärt zu werden, aber ein Making-of ist nur im Ansatz erkennbar. Dafür ist das Feature "Behind the Secenes" zuständig. Mit etwas mehr Mühe am Schneidetisch und einem vernünftigen Kommentar hätten die Beiträge einen vernünftigen Werkstattbericht ergeben. Was hier vorliegt, ist jedoch lückenhaftes Stückwerk. So fehlt etwa eine Dokumentation der Computer-generierten Spezialeffekte (das einstürzende Hotel, der abstürzende Helikopter usw.).

Fazit: zwei von fünf YOPI-Sternen.

Michael Matzer (c) 2012ff

51 Bewertungen, 12 Kommentare

  • goat

    03.11.2012, 22:23 Uhr von goat
    Bewertung: besonders wertvoll

    Hier ist mein BW für Dich. LG Melanie

  • Juri1877

    03.11.2012, 21:58 Uhr von Juri1877
    Bewertung: sehr hilfreich

    so etwas ist einfach nicht mein Ding

  • Lale

    03.11.2012, 00:57 Uhr von Lale
    Bewertung: sehr hilfreich

    Allerbesten Gruß *~*

  • Baby1

    02.11.2012, 22:59 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • morla

    02.11.2012, 22:00 Uhr von morla
    Bewertung: besonders wertvoll

    lg. ^^^^^^^^^^^^^petra

  • ag_588

    02.11.2012, 17:00 Uhr von ag_588
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schönen Freitag und liebe Grüße!

  • atrachte

    02.11.2012, 15:53 Uhr von atrachte
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh. lg

  • Tweety30

    02.11.2012, 15:50 Uhr von Tweety30
    Bewertung: besonders wertvoll

    BW und liebe Grüße!

  • sigrid9979

    02.11.2012, 14:49 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe grüße von der stürmischen Nordsee

  • XXLALF

    02.11.2012, 13:22 Uhr von XXLALF
    Bewertung: besonders wertvoll

    ....und ein wunderschönes wochenende

  • katjafranke

    02.11.2012, 12:52 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Wochenendgrüße von der Katja

  • Miraculix1967

    02.11.2012, 12:48 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: besonders wertvoll

    Klares BW von mir! Schönes Wochenende und LG aus dem gallischen Dorf Miraculix1967