Der Kinderpapst (gebundene Ausgabe) / Peter Prange Testbericht

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Erfahrungsbericht von margy

der kinderpapst

Pro:

siehe bericht

Kontra:

siehe bericht

Empfehlung:

Ja

Zum Buch:

Die 608seitige gebundene Ausgabe dieses Buches erschien im Pendo Verlag am 10. September 2012. Unter der ISBN 978-3866122765 kostet es 19,99 €.

Buchumschlag:

Der Umschlag des Buches ist weinrot mit goldenen Ecken. Unten in der Mitte abgebildet ist ein junger Mann mit schwarzen Haaren, einem goldenen, spitz zulaufenden Hut und einem roten Umhang. In seinen Händen hält er ein aufgeschlagenes grünes Buch.


Autor:

Peter Prange, geboren 1955, promovierte mit einer Arbeit zur Philosophie und Sittengeschichte der Aufklärung. Nach seinem Durchbruch als Romanautor mit »Das Bernstein-Amulett« folgte die grandiose Weltenbauer-Trilogie: »Die Principessa«, »Die Philosophin« und »Die Rebellin«. Peter Prange lebt als freier Schriftsteller in Tübingen.

Klappentext:

Rom, 1032: Gerade zwölf Jahre alt, kommt Benedikt IX. auf den Thron, der jüngste Papst aller Zeiten. Doch die Macht hat einen hohen Preis: Um sie auszuüben, muss er die Liebe seines Lebens opfern. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Während er in Blut watet, sehnt sich sein gebrochenes Herz nach Erlösung … Dies ist die Geschichte des wohl rätselhaftesten Papstes in zweitausend Jahren Kirchengeschichte. Sein Name: Benedikt IX. Sein Drama: Als Kind auf den Stuhl Petri erhoben, blieb ihm die Liebe versagt, der sein ganzes Leben galt. Unter der Bürde, Stellvertreter Christi zu sein, wurde er zum Teufel in Menschengestalt. Dreimal vom Papstthron verjagt, ging er über Leichen, um die Herrschaft wieder an sich zu reißen. Doch so entsetzlich seine Taten scheinen, war sein Leben in Wahrheit ein einziger Schrei nach Gott, Ausdruck seiner verzweifelten Hoffnung, dass der Schöpfer aus dem Dunkel seines Schweigens trete. Dabei stand Gott dem Verzweifelten zeit seines Lebens vor Augen, in Gestalt der Liebe – in Gestalt jener Frau, nach der sein Herz sich von allem Anfang an verzehrte …

Leseprobe aus dem Prolog:

Congregatio 1981

Mit geschlossenem Mund gähnend, schielte ich auf meine Armbanduhr, in der Hoffnung, dass die Zeit dadurch ein bisschen schneller verging.
Es war ein drückend warmer Julitag des Jahres 1981. Seit den frühen Morgenstunden tagte die päpstliche Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen in einem Verwaltungsgebäude des apostolischen Palasts.

Leseprobe aus dem 1. Kapitel:

1021 - 33

Gotteszeichen

Noch war alles still an diesem herbstlich kühlen Morgen. Nur heiliges Schweigen erfüllte die Welt, während über der Burg Tuskulum, dem mächtigsten Kastell in den Albaner Bergen südlich von Rom, allmählich die Sonne aufging, um mit ihren wärmenden Strahlen den Tau von den Blättern der Bäume und den Zinnen der Türme zu trocknen.

Schreibstil:

sehr gelungen, spannend, hochinteressant, fesselnd, ergreifend, detailliert und ausgereift, glaubwürdig

Meinung:

Die Geschichte um den Kinderpapst spielt im Jahre 1032 in Rom. Es geht um den zwölfjährigen Teofilo, der sich in ein Mädchen verliebte und die Liebe zu einer Frau in sehr weite Ferne rückte, als er den Thron des Papstes zu besteigen hatte. Verzweiflung wurde zu rasender Wut und als Mann, dem die Liebe zu der Frau versagt wurde, wurde er zu einer reißenden Bestie. Teofilo hieß als Papst Benedikt IX. Er flog aus seinem Amt und mit aller Macht und Gewalt holte er sich diese Macht zurück. In seinem Inneren tobte ein Sturm, der seine Seele zum Ausdruck brachte.
Der Prolog ist in der Ich-Form geschrieben. Es geht um den Prokuristen des Papstes von 1981, der hier die Geschichte der Selig- und Heiligsprechung im Vatikan erzählt. Alle hohen Geistlichen treffen sich im Konferenzsaal und beratschlagen, wer von den vorgeschlagenen Personen in Frage kommt, denn nicht jeder kann selig oder heilig gesprochen werden. Sehr lebendig, detailliert, flüssig geschrieben, schnell und sehr gut  zu lesen, leicht verständlich, interessant und spannend folgen die Worte. Die Sitzung ist im Gange und die Nonnen versorgen die Bischöfe und Kardinäle mit Speisen und was sonst so passiert während der Konferenz ist sehr hautnah beschrieben. Der Prokurist hält diese Veranstaltung, die jährlich einmal abgehalten wird, für nutzlos und langweilig. Wer hier selig- oder heilig gesprochen wird, hat in seinem Leben nie ein Wunder vollbracht. Dann werden Stimmen am Tisch laut und es kommt die Rede auf Teofilo, den späteren Papst Benedikt IX.
"Dieser Mann soll seliggesprochen werden? Ein Mann, der sich der Hurerei, des Mordes und sogar der Zauberei schuldig gemacht hat?" klingt und ertönt eine Stimme ganz erschrocken und aufgebracht. Der Prokurist lauscht, er interessiert sich für den Fall so wie ich auch in diesem Moment. Hier beginnt die Spannung. Ein Papst mit einem solchen Leben in seinem Amt? Doch nach dem Klappentext zu urteilen, war dieser Papst vielleicht gar nicht so von Anfang an, sondern wurde zu der Bestie gemacht von seinem Umfeld. Das interessierte mich jetzt ganz besonders, was denn damals im 11. Jahrhundert geschah und warum dieser Mann zu einem solchen Tyrannen wurde.
Geistliche aus der gesamten katholischen Welt waren zugegen, Menschen, von denen ich nicht vermutete, dass sie auch in Rom im Vatikan sitzen würden. Es kommt die Rede auf einen Taiwanesen. Er ist derjenige, der für diesen Papst Partei ergreift und seine Begründung für die Seligsprechung vorlegt. Dann kommt jemand mit Papieren in das Konferenzzimmer und diese Papiere sollen belegen, dass es richtig ist, genau diesen Papst auszuerwählen. Die vorgelegten Akten und Bücher waren uralt, sicher tausend Jahre und total verstaubt. Der Prokurist hat die Aufgabe, die alle zu durchwälzen und sich an seine Arbeit zu machen. Unglaublich, sehr spannend und verheißungsvoll. Ich erwartete das Kommende mit größter Spannung.

Das erste Kapitel beginnt 960 Jahre vor diesem Kongress im Vatikan. Das Ganze spielt in Tusculum, südlich von Rom. Ich befinde mich im Mittelalter. Leben erwacht in den Beschreibungen rund um das Kastell und damit erwacht das Leben der Menschen und der Welt, dem Schauplatz der Geschichte, in der es um den damaligen Kinderpapst geht. Sofort sind krasse Gegensätze zu spüren. Während die Sonne scheint und alles wärmt, hallt ein Schrei durch die Luft und die Landschaft, so dass ich zu erstarren drohte. Es ist die Rede von schwarzen Vögeln, die in der Regel auf Gefahr hinweisen oder den Tod ankündigen. Hinter den Mauern der Burg soll etwas Schreckliches im Gange sein. Eine Frau liegt in den Wehen, sie soll ein Kind zur Welt bringen. Dramatisch beginnt die Geschichte, es geht um Leben und Tod. Es gibt Probleme bei der Geburt, denn das Kind liegt nicht mit dem Kopf nach unten. Ein Einsiedler prophezeite der Mutter, die jetzt das Kind zur Welt bringen soll, dass dieses Kind das Werkzeug Gottes werden wird. Die Geburt gestaltet sich so schwierig, dass die Mutter sterben würde. Also fragt die Hebamme sie nach dem Namen, den das Kind bekommen soll. Teofilo sagt die Frau. Der, den Gott lieb hat.

Im 2. Kapitel ist dann Teofilo schon ein ein größerer Knabe. Er redet mit einem Erwachsenen und unterhält sich über den Leib Christi, ist der Religion zugeneigt und ein gläubiger Christ. Ruhig, gelassen und sehr neugierig reagiert er, der, der später zu einer reißenden Bestie wird. Denn Teofilo verliebt sich in Chiara, ein Mädchen und er darf sie nicht heiraten, weil er den Thron des Papstes besteigen muss. So wollte es der Einsiedler und auch seine Mutter, denn er ist das Werkzeug Gottes.

Diese Geschichte stimmt sehr nachdenklich, denn die Menschen machen sich nicht selbst von Kindesbeinen an, sondern sie werden zu dem gemacht, was sie später sind. Dieses Buch erzählt die Geschichte eines Kaben aus dem Mittelalter und passt trotzdem auch in die heutige Zeit. Eltern sind verantwortlich für das Wohl ihrer Kinder. Sie können es aber auch missbrauchen - gewollt oder ungewollt. Das war hier der Fall. Nur: Wir werden eines Tages erwachsen und müssen in der Lage sein, unser Leben selbst in die Hand zu nehmen, zu wissen, was richtig und was falsch ist. Auf der anderen Seite wieder stellt sich die Frage: Wie soll das gehen ohne die professionelle Hilfe, die wir heute haben? Es ist gar nicht so einfach, aus den Fängen der Kindheit zu entweichen und ein eigenständiges Leben zu leben, wenn wir es als Kinder nicht lernen durften. Teofilo hat sich nicht selbst zu diesem Monster gemacht, sondern die Liebe, die er nicht leben durfte, machten ihn dazu. Es lag an ihm, sich für das eine oder andere zu entscheiden früher oder später und ging den falschen Weg. Kann er dafür seliggesprochen werden? Steht ihm das wirklich zu? Darüber sollten wir uns unsere eigenen Gedanken machen. Das Buch zu lesen, macht einen Heidenspaß und ist sehr aufschlussreich.

18 Bewertungen, 9 Kommentare

  • Lucky130

    20.01.2013, 09:33 Uhr von Lucky130
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Grüße!

  • Clarinetta2

    19.01.2013, 15:33 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    von dem buch habe ich schon gehört

  • joelovesyou

    16.01.2013, 21:21 Uhr von joelovesyou
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sh & lG

  • allegra1805

    16.01.2013, 18:52 Uhr von allegra1805
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh und LG

  • mausi1972

    16.01.2013, 08:53 Uhr von mausi1972
    Bewertung: sehr hilfreich

    Grüße Marion

  • bella.17@live.de

    16.01.2013, 08:32 Uhr von [email protected]
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einen lieben Gruß Annabelle Schaust du auch mal bei mir rein?

  • XXLALF

    16.01.2013, 08:29 Uhr von XXLALF
    Bewertung: sehr hilfreich

    ...und liebe grüße

  • Miraculix1967

    16.01.2013, 07:44 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gut gemacht! Winterliche Grüße aus dem dick verschneiten gallischen Dorf Miraculix1967:-)

  • monagirl

    16.01.2013, 00:21 Uhr von monagirl
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht Lg Mona, Freue mich über jede Gegenlesung