Die Vermessung der Welt (DVD) Testbericht
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Summe aller Bewertungen
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von Treice564
Die Vermessung der Welt
Pro:
Schauspiel
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Ja
Inhalt
Während der Naturforscher und Geograf Alexander von Humboldt am Ende des 18. Jahrhunderts den südamerikanischen Dschungel bereist, erforscht der Mathematiker und Astronom Carl Friedrich Gauß in Göttingen Physik und Mathematik. Die abenteuerliche, mal melancholische, mal derb-komische Doppelbiografie beschreibt Stationen aus dem Leben zweier zeitgebundener "Einzelforscher", deren Vermessungserkundungen durchaus etwas Vermessenes haben, weil sie die Welt, nicht aber den Menschen erforschen. Solide gespielt und üppig ausgestattet, findet die Verfilmung des Romans von Daniel Kehlmann zu keiner eigenständigen Bildsprache und verharrt im Äußerlich-Illustrativen.
Kritik
Als Alexander von Humboldt im südamerikanischen Dschungel einmal auf einen Jaguar stößt, dreht er sich vorsichtig um, geht langsam Schritt für Schritt los, um dann doch bald in panische Flucht zu verfallen. An Bord des rettenden Floßes entscheidet er sich später, die Ereignisse im Tagebuch so zu beschreiben, "wie sie sich hätten abspielen sollen: Er würde behaupten, sie wären zurück ins Unterholz gegangen, die Gewehre im Anschlag, doch ohne das Tier zu finden". Es ist diese angenehm ironische Fallhöhe zwischen (angeblicher) Wirklichkeit und der Vorstellung, wie sie sein sollte, durch die der seinerzeit 30-jährige Daniel Kehlmann seinen "historischen" Roman so attraktiv machte. Dabei bot er im Kern doch "nur" zwei parallel verlaufende, sich erst spät berührende Lebenswege: Im Mittelpunkt steht die Forschungsreise des Naturforschers und Geografen Alexander von Humboldt (1769-1859), der zur Jahrhundertwende mit dem Botaniker Aimé Bonpland durch den Norden Südamerikas reiste; außerdem geht es um den Mathematiker und Astronomen Carl Friedrich Gauß (1777-1855), der nie seine Heimat verließ, mit 30 Direktor der Sternwarte in Göttingen wurde und seine Forschungen zu Physik und Mathematik zwischen den Impulsen der Aufklärung und den beginnenden sozialen Unruhen in der westlichen Staatenwelt betrieb. Gauß und von Humboldt, zwei zeitgebundene Prototypen des "Einzelforschers" unter individuell grundverschiedenen Bedingungen, begegneten sich erst im hohen Alter während eines Naturforschungskongresses - längst müde, ernüchtert und verbittert, mehr ahnend als wissend, dass all ihre abenteuerlichen, mitunter selbstherrlichen "Vermessungserkundungen" durchaus etwas Vermessenes hatten, nicht zuletzt weil sie die Welt erforschten, nie aber den Menschen entdeckten.
Was hätte dies für ein spannender und tiefgründiger, dabei doch populärer Unterhaltungsfilm werden können! Dafür hätte allerdings Kehlmanns radikaler Stilwille auf Augenhöhe in eine filmisch angemessene Form übertragen werden müssen - doch Bucks Film gebiert trotz 3D einen eher flachen Abklatsch. Seine fleißig bebilderte Nacherzählung des Romans findet nie zu eigenständiger filmischer Kraft, liefert sich kampf- und widerstandslos handelsüblichen (Erzähl-)Techniken und standardisierten Genres aus. Buck bebildert die Ereignisse in oft erlesen fotografierten Szenerien - üppig und schwelgerisch in den (über-)betont wild-exotischen Urwaldszenen, akribisch und detailversessen als illustratives Ausstattungsstück, wenn er deutsche Befindlichkeiten und Lebensumstände im späten 18. Jahrhundert abbildet. Die entgegengesetzten Welten, die des reiseunlustigen, misanthropischen Gauß sowie die des rastlosen (im Film mitunter allzu redefreudigen) Forschungsreisenden von Humboldt, zehren ein Stück weit von der Präsenz der soliden Darsteller, besonders in den Nebenrollen: Sunnyi Melles als von Humboldts exaltierte Mutter,Katharina Thalbach als die Mutter von Gauß, die mit kleinsten Blicken und Gesten Zuneigung und Verstehen aufblitzen lässt, Vicky Krieps als lebenspralle Johanna und, vor allem, Theater-Star Michael Maertens als skurril-verschlagener Herzog von Braunschweig, entstellt durch verfaulte Zähne, lustvoll überzeichnet als dumm-dumpfer, dabei nie harmloser Regent und Förderer der Künste und Wissenschaften. Eigentlich müsste also alles stimmen - und doch funktioniert fast gar nichts. Fast teilnahmslos, ja unbeteiligt lässt der vorbeirauschende Film, bleibt eine pittoreske Nichtigkeit, die hier eine kleine Regung, dort eine kleine Irritation provoziert, insgesamt aber kaum etwas auslöst: keine Empathie, keine Erkenntnis, keine Unterhaltsamkeit. Wo der Roman dank seiner distanzierten sprachlichen Lakonie, dank unterspielter Ironie und Komik virtuos glänzt, versteckt sich der Film hinter der schönen Oberfläche, flüchtet sich mitunter ins Klamaukig-Derbe - für die sprachliche Eleganz des Romans sucht und findet er visuell nicht annähernd Gleichwertiges, erst recht nicht in der 3D-Optik, die ihn oft gar als altmodischen Guckkasten mit hintereinander aufgestellten Flächen erscheinen lässt. Wie gesagt, es hätte ein tolles filmisches Abenteuer werden können: ein lustvolles Kino-Spiel mit der Geschichte, den Grenzen und Anmaßungen von Intelligenz und Zivilisation, der Fallhöhe von Größe und Lächerlichkeit - doch alles bleibt Chimäre, ein Wetterleuchten.
Während der Naturforscher und Geograf Alexander von Humboldt am Ende des 18. Jahrhunderts den südamerikanischen Dschungel bereist, erforscht der Mathematiker und Astronom Carl Friedrich Gauß in Göttingen Physik und Mathematik. Die abenteuerliche, mal melancholische, mal derb-komische Doppelbiografie beschreibt Stationen aus dem Leben zweier zeitgebundener "Einzelforscher", deren Vermessungserkundungen durchaus etwas Vermessenes haben, weil sie die Welt, nicht aber den Menschen erforschen. Solide gespielt und üppig ausgestattet, findet die Verfilmung des Romans von Daniel Kehlmann zu keiner eigenständigen Bildsprache und verharrt im Äußerlich-Illustrativen.
Kritik
Als Alexander von Humboldt im südamerikanischen Dschungel einmal auf einen Jaguar stößt, dreht er sich vorsichtig um, geht langsam Schritt für Schritt los, um dann doch bald in panische Flucht zu verfallen. An Bord des rettenden Floßes entscheidet er sich später, die Ereignisse im Tagebuch so zu beschreiben, "wie sie sich hätten abspielen sollen: Er würde behaupten, sie wären zurück ins Unterholz gegangen, die Gewehre im Anschlag, doch ohne das Tier zu finden". Es ist diese angenehm ironische Fallhöhe zwischen (angeblicher) Wirklichkeit und der Vorstellung, wie sie sein sollte, durch die der seinerzeit 30-jährige Daniel Kehlmann seinen "historischen" Roman so attraktiv machte. Dabei bot er im Kern doch "nur" zwei parallel verlaufende, sich erst spät berührende Lebenswege: Im Mittelpunkt steht die Forschungsreise des Naturforschers und Geografen Alexander von Humboldt (1769-1859), der zur Jahrhundertwende mit dem Botaniker Aimé Bonpland durch den Norden Südamerikas reiste; außerdem geht es um den Mathematiker und Astronomen Carl Friedrich Gauß (1777-1855), der nie seine Heimat verließ, mit 30 Direktor der Sternwarte in Göttingen wurde und seine Forschungen zu Physik und Mathematik zwischen den Impulsen der Aufklärung und den beginnenden sozialen Unruhen in der westlichen Staatenwelt betrieb. Gauß und von Humboldt, zwei zeitgebundene Prototypen des "Einzelforschers" unter individuell grundverschiedenen Bedingungen, begegneten sich erst im hohen Alter während eines Naturforschungskongresses - längst müde, ernüchtert und verbittert, mehr ahnend als wissend, dass all ihre abenteuerlichen, mitunter selbstherrlichen "Vermessungserkundungen" durchaus etwas Vermessenes hatten, nicht zuletzt weil sie die Welt erforschten, nie aber den Menschen entdeckten.
Was hätte dies für ein spannender und tiefgründiger, dabei doch populärer Unterhaltungsfilm werden können! Dafür hätte allerdings Kehlmanns radikaler Stilwille auf Augenhöhe in eine filmisch angemessene Form übertragen werden müssen - doch Bucks Film gebiert trotz 3D einen eher flachen Abklatsch. Seine fleißig bebilderte Nacherzählung des Romans findet nie zu eigenständiger filmischer Kraft, liefert sich kampf- und widerstandslos handelsüblichen (Erzähl-)Techniken und standardisierten Genres aus. Buck bebildert die Ereignisse in oft erlesen fotografierten Szenerien - üppig und schwelgerisch in den (über-)betont wild-exotischen Urwaldszenen, akribisch und detailversessen als illustratives Ausstattungsstück, wenn er deutsche Befindlichkeiten und Lebensumstände im späten 18. Jahrhundert abbildet. Die entgegengesetzten Welten, die des reiseunlustigen, misanthropischen Gauß sowie die des rastlosen (im Film mitunter allzu redefreudigen) Forschungsreisenden von Humboldt, zehren ein Stück weit von der Präsenz der soliden Darsteller, besonders in den Nebenrollen: Sunnyi Melles als von Humboldts exaltierte Mutter,Katharina Thalbach als die Mutter von Gauß, die mit kleinsten Blicken und Gesten Zuneigung und Verstehen aufblitzen lässt, Vicky Krieps als lebenspralle Johanna und, vor allem, Theater-Star Michael Maertens als skurril-verschlagener Herzog von Braunschweig, entstellt durch verfaulte Zähne, lustvoll überzeichnet als dumm-dumpfer, dabei nie harmloser Regent und Förderer der Künste und Wissenschaften. Eigentlich müsste also alles stimmen - und doch funktioniert fast gar nichts. Fast teilnahmslos, ja unbeteiligt lässt der vorbeirauschende Film, bleibt eine pittoreske Nichtigkeit, die hier eine kleine Regung, dort eine kleine Irritation provoziert, insgesamt aber kaum etwas auslöst: keine Empathie, keine Erkenntnis, keine Unterhaltsamkeit. Wo der Roman dank seiner distanzierten sprachlichen Lakonie, dank unterspielter Ironie und Komik virtuos glänzt, versteckt sich der Film hinter der schönen Oberfläche, flüchtet sich mitunter ins Klamaukig-Derbe - für die sprachliche Eleganz des Romans sucht und findet er visuell nicht annähernd Gleichwertiges, erst recht nicht in der 3D-Optik, die ihn oft gar als altmodischen Guckkasten mit hintereinander aufgestellten Flächen erscheinen lässt. Wie gesagt, es hätte ein tolles filmisches Abenteuer werden können: ein lustvolles Kino-Spiel mit der Geschichte, den Grenzen und Anmaßungen von Intelligenz und Zivilisation, der Fallhöhe von Größe und Lächerlichkeit - doch alles bleibt Chimäre, ein Wetterleuchten.
3 Bewertungen, 1 Kommentar
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19.05.2013, 19:44 Uhr von oskermit
Bewertung: sehr hilfreichKLASSE berichtet! Über einen Gegenbesuch würd ich mich freuen :-)
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