Haarverlängerung Testbericht

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ab 50,62
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Erfahrungsbericht von stein-becker

GEIL ... DU HAST JA RASTAS!!

Pro:

pflegeleicht, tolle Frisuren möglich

Kontra:

Schmerzen beim Anfertigen, Dauer der Prozedur

Empfehlung:

Ja

==Vorgeschichte==
Ich habe mir vor ca. vier Jahren in einem Anflug geistiger Umnachtung meine damals schulterlangen Haare abschneiden lassen. In bezug auf meine Frisur habe ich solche radikalen Schocktherapien schon öfters mitgemacht. Ich meine dann immer, ich müsste etwas verändern und ziehe dies dann leider auch durch.

Durch diese krasse Vorgehensweise habe ich bestimmt schon eimerweise Tränen vergossen, da ich meine Aktion spätestens nach einigen Monaten (meistens zweien) bereits wieder bereue und mir dann schwöre sie wieder wachsen zu lassen. Diese Tatsache wäre wohl auch nicht so tragisch, wenn meine Haare einen normalen Wachstum aufweisen würden. Nein, sie wachsen eher in Zeitlupe und ich werde immer frustrierter.

Ich habe mich natürlich auch mit einer Haarverlängerung vertraut gemacht, aber dann gemerkt, dass ich mir das finanziell nicht leisten kann (ca. 1000-1500Euro, je nach Studio). Auch ist die sehr aufwendige Pflege der Haarpracht für meinen eher knapp bemessenen (Frei-)Zeitrahmen - mit zwei Kleinkindern - nicht vereinbar. Meine damalige Haarlänge war auch zu kurz, um anständig arbeiten zu können.

==Kosten==
Ich habe insgesamt 8,5 Packungen der Kunsthaare gebraucht. Eine Packung kostet ca. 4Euro, so dass ich insgesamt um die 35Euro für die Haare bezahlt habe.
Es gibt verschieden Arten dieser Haare, die auch im Preis variieren. Man kann welche mit leichter Welle oder auch ganz glatt bekommen.

Ich finde der Preis ist nicht besonders hoch und echt akzeptabel. In einem Studio bezahlt man für das gesamte Flechten um die 200Euro. Im Vergleich zu einer Haarverlängerung eine ganze Menge weniger.

Es gibt in Großstädten sehr gut bestückte Afrikashops, die u.a. auch solche Kunsthaare in verschiedenen Farben führen. Ich habe die Erfahrung gemacht, die Haare lieber persönlich in so einem Shop zu kaufen, da man sich hier an der eigenen Haarfarbe besser orientieren kann.
Natürlich gibt es auch einige Onlineshops bzw. Verkäufer bei eBay.

==Arbeitsweise==
Vorab muss geklärt werden, wie dick die einzelnen Zöpfe werden sollen. Die Dicke beeinflusst auch die Gesamtarbeitszeit, die \"Schwere\" der Haare und evtl. auch die Kosten (bei Nachkauf der Haare). Mit einem Zopfdurchmesser von einem Bleistift kommt man am besten zurecht, da diese Breite am einfachsten zu verarbeiten geht.

Ich habe sehr dünnes glattes Haar, daher habe ich meine Harre kurz vor der \"Veränderung\" nicht gewaschen, das Kunsthaar hätte dann keinen Halt gehabt und wäre immer von den echten Strähne abgerutscht. Bei dickeren Haaren kann vorher schon gewaschen werden.

Nun beginnt der langwierige Teil der Arbeit. Man beginnt am Nacken und teilt die Haare in kleine Quadrate (ca. 1x1cm) ein, am besten geht dies mit einem Stielkamm oder einer dünnen Stricknadel. An die entstehenden Strähnen wird dann das Kunsthaar angeflochten. Damit die umstehenden Haare nicht mit eingeflochten werden, sind dies mit Spangen und Klemmen aus dem Arbeitsbereich zu verbannen.

Von der gesamten Kunsthaarpackung teilt man nun immer kleinere Strähnen ab, die ungefähr der eigene Dicke entsprechen.
Ein geflochtener Zopf besteht aus drei Strähnen, hierbei wird eine davon das eigene Haar sein, die beiden anderen bestehen aus Kunsthaar. Die Kunsthaarsträhne wird nun halbiert und sehr fest um den Ansatz der eigenen Strähne gewickelt (ca. 2-3mal). Ich empfand diesen Teil immer als den schlimmsten, da es doch sehr schmerzhaft ist und sich auch schon mal ein paar Haare verabschieden. Es muss aber so fest gewickelt werden, damit das Kunsthaar am Ende nicht vom eigenen abrutscht. Nun wird der Zopf geflochten, wenn die \"echte\" Strähne zu Ende ist, teilt man einfach die beiden Kunsthaarsträhnen in drei Teile und flechtet damit bis zum Schluss weiter. So geht es dann bis zum \"letzten Haar\" weiter. Am Oberkopf ist es ratsam etwas \"verschoben\" zu arbeiten, damit am Ende keine Löcher entstehen.

Die Enden der Zöpfe können auf verschieden Arten versiegelt werden. Entweder die Kunsthaare werden mit einem Feuerzeug angesenkt und zusammengedrückt oder einfach in transparenten Nagellack getaucht. Bei mir wurde am Ende erst noch eine \"Frisur\" geschnitten und erst dann alles mit dem Feuerzeug verschlossen. Manchmal sieht man auch bunte Perlen an den Zopfenden, aber für mich kam das nicht in Frage, da die Perlen auch verloren gehen und von meinen Kindern verschluckt werden könnten. So habe ich mich gegen diese Methode entschieden, aber auch bei den Perlen muss das Ende vorher versiegelt werden.

==Haltbarkeit==
Die eigenen Haare wachsen natürlich weiterhin ca. 1cm im Monat - wäre ja schlimm - wenn nicht. Deshalb schaut die ganze Haarpracht nach drei Monaten schon ziemlich unansehnlich aus.

Der Mensch verliert pro Tag einige Haare (ca. 80 ist völlig ok). Diese ausgefallenen Haare sammeln sich dann in den Zöpfen und sind dort mehr oder minder gefangen.

Manchmal ragen auch kleinere Haarspitzen aus den Zöpfen heraus (fast wie Fransen), hier muss dann jeder selbst entscheiden, ob er diese abschneidet oder einfach lässt. Ich habe sie anfangs immer abgeschnitten, aber es dann später gelassen da sich immer wieder neue bildeten.

==Meine Erfahrung==
Meine Freundin und ich hatten - wegen der Kinder - ja immer nur ein paar Stunden Zeit gehabt (ab 20.00Uhr), deshalb zog sich die ganze Geschichte über eine Woche hin (genaugenommen 30 Stunden).

Manchmal dachte ich wirklich, mein Kopf \"klappt\" mir vom Hals, weil die Haare extrem schwer wurden. Sie wurden ja erst zuletzt gekürzt und verschlossen, so musste ich immer mit den noch \"unfertigen, ausgefransten\" Zöpfen wieder nach Hause. Je mehr Zöpfe ich täglich hatte, desto unangenehmer wurde die Haarpracht und desto mehr spannte meine Kopfhaut.

Die letzten tage beim anfertigen der Zöpfe waren für mich die Hölle, ich hatte manchmal richtig Panik überhaupt zu meiner Freundin zu fahren, da ich wusste, wie weh es wieder tun würde. Teilweise schossen mir regelrecht die Tränen in die Augen und ich bin eigentlich nicht zimperlich, denn meine Freundin ging nicht gerade sanft mit meinen Haaren um. Die ganz kurzen Haare am Haaransatz waren die schlimmsten und mussten zu meinem Leidwesen öfters erneuert werden, da sie oftmals einfach \"abrutschten\".

Die ersten Nächte mit den \"neuen\" Haaren waren sehr ungewohnt. Hinter den Ohren war es für mich am unangenehmsten, da die Zöpfe hier sehr drückten und auch manchmal ein paar Druckstellen hinterließen.

Nachdem der gesamte Kopf dann endlich fertig war, gingen die Schmerzen erst noch weiter. Die Kopfhaut stand so sehr unter Spannung, dass sie regelrecht brannte und auch die kleinste Berührung schon Schmerzen verursachte. Die ersten zwei Tage waren die schmerzhaftesten, dazu kam dann noch ein penetranter Kopfschmerz, der sich immer mehr in den Vordergrund drängte und nicht aufhören wollte. Aber da musste ich wohl durch, ich hatte es ja so haben wollen.

Man könnte meinen die brennende Kopfhaut und die Kopfschmerzen wären schon der Gipfel, aber da täuschte ich mich gewaltig. Die Kopfhaut begann nun wie der Teufel zu jucken, so dass ich schier wahnsinnig wurde. Erst dachte ich schon, ich reagiere allergisch auf die Kunsthaare, aber meine Freundin meinte, dies wäre ganz normal! Ich versuchte in der nächsten Zeit, es einfach zu verdrängen und das klappte auch ganz gut.

Ich musste auch mit Bedauern feststellen, dass sich die Kunsthaare nicht mit Textilien aus Kunstfaser vertrugen. Hier verursachten die Zopfenden hässliche kleine \"Krissel\", sprich die Haare bleiben an den Textilien hängen und ziehen Fäden.

Manche der Zöpfe habe ich auch verloren, einerseits löste sich der Knoten vom Ansatz (best case), aber andererseits wurde einfach das ganze Büschel Haare ausgerupft - manche sogar mit den Haarwurzeln (worst case). Ich habe nun dank letzterer Weise ein paar kahle Stellen am Kopf. Gut ich kämme die anderen Haare darüber, aber etwas störend ist es schon. Ich habe auch oft Zöpfe von meinen Kindern in die Hand gedrückt bekommen.

Diese Haarpracht ist sehr pflegelicht, da man sich nicht jeden Tag kämmen muss und die Haare auch jeden Tag gleich aussehen.
Das Waschen der Haare ist etwas aufwendiger und die Trockenzeit verlängert sich ca. um das 4-5fache. Einen Fön darf man bei Kunsthaar nicht verwenden, da sonst alles schmilzt.

Nach ca. drei Monaten habe ich dann alle Zöpfe aufgemacht und musste mich erst mal durch Staub, Fussel und ausgefallene Haare kämpfen. Zum Glück waren meine Ansätze nicht verfilzt und nach einigen Stunden - genau zweien - waren alle Haare wieder glatt und sahen auch gesünder aus als vorher. Ich habe meine Haare gewaschen und sie mit einer extra dicken Haarpackung verwöhnt, denn das hatten sie jetzt äußerst dringend nötig.

==Tipps und Anmerkungen==
**Beim Waschen der Haare ist es ratsam das Shampoo erst in den Handflächen aufzuschäumen und dann erst auf die Haare zu geben. Das Abspülen sollte besonders gründlich durchgeführt werden. Einmal waschen pro Woche ist eigentlich völlig ausreichend. Danach die Haare in ein großes Handtuch wickeln, um so einen Großteil des Wassers aufzusaugen. Anschließend an der Luft trocknen lassen.

**Es ist auch ein Pflegespray für Kunsthaar erhältlich, welches Glanz verleiht und den Juckreiz lindern soll. Ob es etwas hilft kann ich nicht sagen, da es mir einfach zu teuer war (ca. 15Euro).

**Auf einen Besuch im Schwimmbad, Solarium oder Sauna sollte man während der Tragezeit möglichst verzichten, da es den künstlichen Haaren nicht sonderlich gut bekommt. Das schwimmen geht zwar noch einigermaßen gut, aber die Haare werden extrem schwer und trocknen auch nicht gleich.

**Frisch geflochtene Rastas sollten eine Zeitlang offen getragen werden bzw. locker mit einem Tuch zusammengebunden werden, so vermeidet man schmerzhaftes \"ziepen\". Beim tragen eines Pferdeschwanzes sollten die Rastas nicht zu straff nach hinten gezogen werden, da dies die eh schon gestresste Kopfhaut noch weiter reizt. Ich habe immer einzelne Zöpfe im nachhinein gelockert.

**In der Nacht habe ich meine Haarpracht im Nacken zu einem Zopf zusammengebunden, so blieb ich nicht hängen und habe mir auch keine Zöpfe herausgerissen. Nach längerer Tragezeit stören die Zöpfe auch nachts nicht mehr bzw. sie drücken nicht mehr so toll.

**Wenn man längere Zeit einer intensiven Sonneneinstrahlung (auch in Deutschland) ausgesetzt ist, sollte man vor allem die Kopfhaut etwas schützen. Also, entweder einen Hut aufsetzen oder etwas Sonnenschutzspray auftragen. Ich habe immer ein Tuch umgebunden, das fand ich einfach \"stylischer\". Ein Sonnenbrand auf dem Kopf ist äußerst schmerzhaft und nicht empfehlenswert, glaubt mir, ich spreche da aus Erfahrung. :-((

**Während der Anfertigung der Zöpfe sollte immer mal wieder eine kleine Pause eingelegt werden, da die ganze Prozedur doch sehr anstrengend (beiderseits) werden kann. Es ist auch sehr hilfreich, wenn der/die \"Auftraggeber/in\" die Hälfte des geflochtenen Zopfes selber zu Ende bringt. Unterdessen kann bereits wieder ein neuer Zopf begonnen werden und man erspart sich doch einige Zeit.

==Mein Fazit==
Im großen und ganzen war ich mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Ich hätte nie mit so einer positiven Reaktion meiner Mitmenschen gerechnet. Sogar mein 20jähriger Schwager (siehe Überschrift) war total perplex, als er meine Haare bemerkte und fragte mir Löcher in den Bauch. Schüchtern sollte man aber eher nicht sein, wenn man sich zu so einer Frisur entscheidet, da doch viele Mitmenschen Interesse zeigen und Fragen stellen. Auch wird man sehr \"hemmungslos\" angestarrt.

Ob ich mir diese Tortur nochmals antun würde, kann ich im noch nicht sagen. Die Schmerzen und die lange Sitzerei waren doch ein eher abschreckendes Erlebnis und schreit nicht nach Wiederholung. Momentan bin ich mit meinen Haaren vollends zufrieden, da sie nun wieder schulterlang sind (hoffentlich hält es noch etwas an!). ;-)

Sicher ist nur, dass ich beim nächsten Mal nur einen Tag (maximal zwei Tage)für das Flechten einplanen werde. Auch sollten dabei von beiden Seiten keine Kinder in Reichweite sein. Meine Freundin und ich waren uns auch einig, dass man mindestens zu zweit sein sollte. Die juckenden Stellen an meiner Kopfhaut sind zwar nie ganz verschwunden, traten aber weniger häufiger auf.

Empfehlen kann ich es vor allen denjenigen, die gerne mal etwas ausergewöhnliches haben wollen und auch vor dem schmerzhaften drumherum nicht abgeschreckt werden.

Falls jemand noch Fragen haben sollte, bin ich gerne bereit diese zu beantworten. Meldet Euch einfach und ich versuche Euch weiterzuhelfen.

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