Azoren
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Azoren gebraucht & neu

Azoren Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

LosGatos

Ein Hoch auf die Azoren

ein Testbericht von 2004-06-13 14:21:11 vom 13.06.2004
Empfehlung: ja
Vorteile: tolle Landschaft, wenig Touristen...
Nachteile/Kritik: Hotels, Flüge nicht ganz billig
Azoren? Die meisten unter uns verbinden damit wohl die Annahme, dass dort das gute Wetter herkommt, wenn solches sich mal nach Deutschland verirrt. Denn das bekannteste an den Azoren ist ihr „Hoch“. Dass man dort auch Urlaub machen kann, daran denken die wenigsten. Viele wissen wahrscheinlich noch nicht einmal genau, wo die Azoren eigentlich liegen. Ich jedenfalls habe mich schon immer gewundert, dass die Urlaubskataloge und die Webseiten der großen Reiseveranstalter uns dieses Urlaubsziel weitgehend vorenthalten. Deshalb wollte ich der Sache mal auf den Grund gehen und habe mir vor Ort 3 Wochen lang angesehen, was die Azoren alles zu bieten haben und ob die TUIs und Neckermänner recht daran tun, dieses Reiseziel geheim zuhalten. Um es vorwegzunehmen: ich finde es sehr gut, dass nicht Hinz und Kunz auf die Azoren reisen. Denn was ich vorfand, war eines der letzten Paradiese. Und das soll es ruhig noch eine Zeit lang bleiben. Es liegt vielleicht dort, wo man einst Atlantis wähnte, nur ist es wohl viel kleiner. Aber lest selbst.....



ALLGEMEINES ÜBER DIE AZOREN


Geographisches

Wie alle Inseln des Atlantiks sind auch die Azoren vulkanischen Ursprungs. Sie liegen mitten im Ozean zwei Flugstunden von Lissabon entfernt in östlicher Richtung auf halbem Wege nach Amerika. Hier handelt es sich um eine geologisch äußerst aktive Zone, sodass auch heute noch mit Vulkanausbrüchen und vor allem Erdbeben gerechnet werden muss. Der letzte Vulkanausbruch liegt zwar schon fast 50 Jahre zurück (1957/58 auf Fayal), doch wurde Terceira 1980 durch ein Erdbeben zu großem Teil zerstört und zuletzt bebte es 1998 gleich auf mehreren Inseln. Die Inselgruppe besteht von West nach Ost aus folgenden 9 Inseln (verteilt über 650km): Flores, Corvo, Fayal, Pico, São Jorge, Graciosa, Terceira, São Miguel und Santa Maria, von denen ich „dreieinhalb“ besucht habe und auf die ich in diesem Beitrag näher eingehen werde.


Geschichte / Politisches

Die Azoren wurden im 15. Jahrhundert von portugiesischen Seefahrern entdeckt. Da dort zu jener Zeit viele Raubvögel ihre Kreise zogen, nannten sie die Inseln Açores (açor = Habicht). Noch heute gehören die Inseln zu Portugal. Seit 1976 bilden sie eine autonome Provinz. Sprache ist demzufolge Portugiesisch. Und da Portugal zum „Euroland“ gehört, bleibt uns der Geldwechsel erspart.

Aufgrund ihrer zentralen Lage im Atlantik waren die Azoren seit jeher nicht nur zu Kriegszeiten von strategischer Bedeutung. Bis in die 60er Jahre, wo Flugzeuge die Nordatlantikstrecke noch nicht non-stop bewältigen konnten, dienten die Azoren als Zwischenstop zum Auftanken.


Wetter / Reisezeit

Auf den Azoren herrscht typisches Seeklima, d.h. es gibt warme Winter und nicht wirklich heiße Sommer. In der Tat ist es nie richtig kalt. Seit wir die Azoren als Reiseziel auserkoren hatten, hatte ich stets online die Wetterdaten verfolgt. So betrug die Temperatur von Januar bis März stets um die 15 °C (±3°). Allerdings herrscht auf den Azoren keineswegs immer ein Hoch, wie man hierzulande vermuten könnte, vielmehr macht auch das Azorenhoch gelegentlich Urlaub und das Islandtief hält Einzug und versucht zu überwintern. Häufige Regenfälle sind die Folge und die jährliche Niederschlagsmenge ist etwa doppelt so hoch wie im wettergeplagten Mitteleuropa. Auch wenn die Durchschnittstemperatur im Juli nicht über 25°C liegt, kann die hohe Luftfeuchtigkeit für Waschküchenatmosphäre sorgen.

Obwohl die Azoren im Prinzip ganzjährig bereist werden können, herrscht ausgeprägter Saisonbetrieb vor (etwa von Mitte Mai bis Mitte Oktober). Richtig voll soll es nur im Juli/ August sein.

Wir waren im März 2004 für knapp 3 Wochen auf den Azoren. Dabei hatten wir nur eineinhalb Tage, die völlig verregnet waren. Ansonsten gab es einige wettermäßig wunderbare Tage und andere mit gelegentlichen Schauern, die aber selten länger als 10 Minuten andauerten. Wir erlebten prächtige Landschaften und so wenige Touristen wie noch niemals in irgendeinem Urlaub.


Anreise

Da die großen Reiseunternehmen wie TUI, Thomas Cook etc. die Azoren zum Glück noch nicht als Massenreiseziel entdeckt haben, gibt es auch keine Charterfluggesellschaften, die die Azoren von Deutschland aus anfliegen. Selbst per Linienflug bestehen ganzjährig keine Direktverbindungen. Somit führen von Deutschland alle Wege mit der Air Portugal (TAP) über Lissabon. Dabei werden die Inseln Terceira und Fayal angeflogen. Der Verkehr zwischen den Inseln wird von der lokalen Fluggesellschaft SATA oder per Schiffsverbindung abgewickelt. Da die Azoren aus wirtschaftlichen Gründen natürlich größtes Interesse daran haben, Besuchern den Zugang möglichst einfach zu gestalten, gibt es im Sommer auch eine Direktverbindung ab Frankfurt, die von SATA International betrieben wird.

Ansonsten bleibt natürlich noch die Möglichkeit, die Azoren auf dem Seeweg zu bereisen. Sie sind ein unumgängliches Ziel bei Atlantiküberquerungen.



Buchungsmöglichkeite n

Da die großen Reiseveranstalter die Azoren noch nicht im Programm haben, bleibt zunächst nur die Möglichkeit, über Reisebüros zu buchen, die sich auf Portugal und die Azoren spezialisiert haben, z.B. bei http://www.portugal-individuell.de.

Ich habe jedoch die Website http://www.azores.com/ ausfindig gemacht, wo man von Flug über Hotels bis hin zu Mietwagen und Aktivitäten alles im Voraus buchen kann, was man auf den Azoren benötigt. Ich habe dort die Hotels gebucht und bin dabei auf günstigere Preise gestoßen als bei Buchung im Reisebüro. Das Gleiche gilt für Mietwagen im Vergleich zur Direktbuchung bei den großen Autovermietern (Preis pro Tag 30-35 EUR in der niedrigsten Klasse). Die Bezahlung erfolgt per Kreditkarte, wobei die Belastung im Voraus vorgenommen wird. Daraufhin erhält man Gutscheine per e-mail zugesandt, die man sich dann ausdrucken kann. Mit der Art dieser Abwicklung hatte ich keinerlei Probleme. Im Falle einer Stornierung fallen hier abhängig von der Vorlaufzeit Stornogebühren von 25 EUR bis zu 100% der Rechnungssumme an.

Sämtliche Flugtickets habe ich jedoch über www.travelchannel.de gebucht. Für ein Flugticket München-Lissabon-Azoren mit TAP und zurück habe ich dort ca. 430 EUR bezahlt. Ein Flugticket mit SATA für 2 Inter-Island-Flüge kostete etwa 150 EUR.


Hotels

Im Gegensatz zu den Kanaren oder Mallorca sind die Azoren nicht mit Hotels zugepflastert. Dennoch gibt es auf allen Inseln ausreichend Unterbringungsmöglichkeiten. Lediglich in der Hochsaison ist mit Engpässen zu rechnen. Demzufolge sind die Preise stark saisonabhängig. Wir haben im Schnitt etwa 80 EUR pro Zimmer und Nacht bezahlt, in der Hochsaison muss man ca. 50 % mehr rechnen. Der nicht vorhandene Massentourismus hat somit auch seinen Preis. Es gibt allerdings auch kostengünstigere Pensionen, wo man etwa mit den halben Kosten auskommt.


Essen und Trinken

Relativ preiswert kommt man auf den Azoren mit dem Essengehen davon. Für etwa 30 EUR können 2 Personen gut satt werden und eine schöne Flasche Wein trinken, für den man im Restaurant nicht mehr als 6-8 EUR bezahlen muss. Natürlich bietet es sich hier an, fangfrischen Fisch zu essen. Bacalhau (Kabeljau) ist auf den Azoren wie in ganz Portugal quasi unvermeidlich und auf fast jeder Speisekarte in verschiedenen Variationen zu finden. Lieber sind mir allerdings im ganzen gebratene oder gegrillte Fische oder Tintenfisch (lulas). Als Vorspeise sind Muscheln (lapas) zu empfehlen. Hier handelt es sich jedoch nicht um die in südeuropäischen Ländern verbreiteten Miesmuscheln, sondern kleinere Muscheln, die auf einer heißen Platte aus dem Ofen kommen. Zum Gedeck wird stets Brot und fast immer etwas Käse gereicht.

Bei den Weinen bevorzuge ich in Portugal zu Fisch besonders die Vinho verdes (junge Weine, ähnlich Primeur, meist weiß) und hier besonders die verbreitete Marke Quinta de Aveledas. Dieser Wein kommt allerdings vom Festland. Auf den Azoren gibt es jedoch auch Weine, die auf den Lavafeldern der Insel Pico angebaut werden, z.B. Terras de Lava (weiß) und Basalto (rot). Sie sind aufgrund des Lavageschmackes etwas gewöhnungsbedürftig, schmecken nach ein paar Schlücken aber durchaus.

Allerdings kann auf den Azoren nicht wie in den meisten anderen Urlaubsgebieten davon ausgegangen werden, dass jede Ortschaft über eine Auswahl an halbwegs guten Restaurants verfügt. Manchmal muss man froh sein, überhaupt eines zu finden, oder sich kilometerweit in andere Ortschaften begeben, was dem ungehemmten Weingenuss entgegensteht, wenn man mit dem Auto unterwegs ist. Es kann aber fast überall mit Kreditkarte bezahlt werden, wovon ich jedoch selten Gebrauch gemacht habe.

Kneipen, Snack-Bars und Cafés, wo man notfalls eine Kleinigkeit essen kann, gibt es jedoch fast überall. Nur eines habe ich nirgends auf den Azoren gefunden, auch wenn ich nicht explizit danach gesucht habe: einen McDonald’s oder Burger King, was weltweit fast einmalig sein dürfte. Wer gerne Hamburger isst, braucht trotzdem nicht darauf zu verzichten.


Land und Leute

Was spricht nun für die Azoren als Urlaubsziel? Es ist zunächst einmal die atemberaubende Landschaft, die sich auf allen Inseln präsentiert. Dabei geht es auf den Massiven aus Vulkangestein meist steil bergauf und bergab. Aufgrund der vielen Niederschläge hat sich auf der Lavamasse ein grüner Überzug gebildet. Typisch für die Azoren sind auch die fast überall lila blühenden Hortensien. Im Inselinnern oder auch vorgelagert an der Küste kann man die Vulkankrater (Caldeiras) besteigen, in denen sich oft Kraterseen gebildet haben. Insbesondere auf der Insel São Miguel gibt es zahlreiche schwefelhaltige heiße Quellen, die Kurorte entstehen ließen. Die zahlreichen Rinnsale stürzen sich in so manchen Wasserfall hinab. An den Küsten gibt es zahlreiche kleine Sandstrände aus schwarzem Sand sowie natürliche Schwimmbecken aus Lavagestein. So jagt ein Blickfang den anderen.

Die Azoren sind als Rindfleischproduzent bekannt. Glückliche Kühe trifft man überall in großer Anzahl an, häufig auch als Verkehrsteilnehmer auf der Straße, wenn sie nach Hause schlendern, mit Eutern so prall gefüllt, dass sie kaum noch laufen können. Zuweilen sieht man auf den Weiden auch mal einzelne Pferde und Ziegen. Schafe kamen mir jedoch nicht zu Gesicht. Wer also gerne Fleisch isst, kommt hier auch auf seine Kosten, denn es schmeckt sogar.

Die Menschen auf den Azoren sind meist sehr freundlich und hilfsbereit, ohne dafür ein Trinkgeld zu erwarten oder gar zu erbitten, wie es bei Arabern bei fast jeder Nicht-Leistung der Fall ist. Wen wundert’s? Denn aufgrund des eher mäßigen Tourismus gibt es kein verdorbenes Preisniveau wie auf Mallorca oder Demütigungen durch Proleten und Neureiche. Gesprochen wird Portugiesisch mit Akzent, Englisch wird dort verstanden, wo es notwendig ist. Mit Deutsch wird man dagegen nicht weit kommen. Wer etwas Spanisch kann, wird vom geschriebenen Wort sehr vieles verstehen, ich hatte wenig Schwierigkeiten, mich einzulesen. Sehr viele Worte sind dem Spanischen sehr ähnlich, allerdings gibt es auch Ausnahmen. Typisches Beispiel sind die Wochentage. Mit Ausnahme von domingo (Sonntag) und sabado (Samstag) werden die Tage einfach durchgezählt, wobei Montag der zweite und Freitag der sechste Tag ist (segunda-feira....sexta-feira). Mit der Aussprache sieht es freilich etwas anders aus. Doppelvokale und Zischlaute dominieren die Sprache. Beispiel: pessoa = Person = sprich pessau (aber das wissen Ciao-User ohnehin fast alle). Ich habe jedoch nur in Notfällen von spanischen Ausdrücken Gebrauch gemacht. Denn in Portugal darf man so ziemlich alles sprechen, nur kein Spanisch eben, weil der Portugiese das u.U. als Beleidigung empfindet. Die Abneigung gegen Spanier mag aber auf den Inseln nicht so ausgeprägt sein wie auf dem Festland.

Ich hatte den Eindruck, dass die Azoren für Besucher ein sehr sicheres Reiseziel darstellen und dass nur sehr geringe Kriminalität herrscht. Dem scheint lediglich zu widersprechen, dass an so ziemlich jedem zweiten Haus ein Schild prangt, wo vor dem Hund gewarnt wird (cão, sprich kau, nicht zu verwechseln mit englischen Kühen). In der Tat wird man hinter fast jedem Zaun oder von fast jeder Mauer von einem meist hässlichen Köter angebellt, der einem dabei die Zähne zeigt, aber zum Glück nie sein Territorium verlässt.

Die Menschen machen durchaus keinen ärmlichen Eindruck. Viele haben schöne Häuser und meist neuwertige Autos. Als Besucher fragt man sich natürlich, wovon die Leute hauptsächlich leben. Haupterwerb dürfte die Landwirtschaft mit der Produktion von Rindfleisch, Milchprodukten, Wein und Tee sowie der Fischfang sein, während man mit dem Tourismus auf den Azoren wohl vergleichsweise wenig Geld macht.

Die Azoreaner sind wie alle Portugiesen sehr gläubig. So findet man in jedem kleinen Ort ein oder mehrere kleine Kapellen („Imperio“), die dem heiligen Geist gewidmet sind. Sie fallen meist schnell ins Auge, weil sie oft sehr bunt verziert sind. Außerdem trifft man immer wieder zu bestimmten Jahreszeiten auf Wandergruppen, die aus stets männlichen Pilgern bestehen. Sie sind daran zu erkennen, dass sie sich meist Wolldecken umgehängt haben und lange Wanderstäbe benutzen.

Wie die meisten Südländer neigen auch die Portugiesen zu einem „sportlichen“ Fahrstil mit Überholmanövern um jeden Preis. Allerdings nehmen gerade die Azoreaner dabei stets auf Fußgänger Rücksicht. Erweckt man den Anschein, die Straße überqueren zu wollen, wird fast immer angehalten.

Wer meint, das Handy hätte auf den Azoren noch keinen Einzug erhalten oder würde kaum benutzt, irrt sich gewaltig. Als wir eines Abends beim Essen war, saß am Nachbartisch eine 6-köpfige einheimische Familie. Außer Mutter und Tantchen erhielten alle anderen während des Essens mindestens einen Anruf.

Wer auf den Inseln möglichst viel sehen will, ist natürlich am besten dran, wenn er einen Mietwagen hat. Es gibt jedoch auch ein Linienbusnetz, mit dem man fast überall hinkommt. Bloß Fahrpläne hängen nirgends aus, man muss sie also vorher in Erfahrung bringen. Auch Taxifahrten kosten nicht die Welt.

Abgesehen von den Hotelpreisen lebt es sich auf den Azoren relativ günstig, wenn man erst mal da ist. Wie gesagt, schlägt Essengehen mit etwa 15 EUR pro Person zu Buche. Benzin kostet gut 90 Cent/l und für 10 EUR habe ich eine gute Jeans erstanden. Lediglich Schokolade wird dort zum Luxusartikel, für den man rund 1,50 EUR pro Tafel hinlegen muss, weil diese teuer aus Europa importiert wird.


Urlaubsaktivitäten

Somit sind die Azoren besonders geeignet für Naturliebhaber, Wanderfreunde und Angler. Anhänger des Wassersports kommen besonders im Sommer auf ihre Kosten. Während man Tauchen, Segeln und Hochseefischen natürlich das ganze Jahr über kann, laden die Azoren aufgrund der mäßigen Wassertemperaturen (max. 23°C im August) nur im Sommer zum Baden ein. Von Mai bis Oktober gibt es zahlreiche Veranstalter, die Whale Watching und Swimming with Dolphins anbieten. Radsportler benötigen Mountain-Bikes, denn aufgrund der steilen Anstiege und der nicht immer guten Straßen habe ich Rennräder nicht zu Gesicht bekommen. Auch Golfspieler werden hier das eine oder andere Green finden.

In erster Linie sind die Azoren also ideal für Leute, die Ruhe und Erholung suchen. Für reinen Strandurlaub sind sie auch im Sommer zu schade. Schließlich kann man den auch billiger haben.

Kulturell gibt es außer vielen Kirchen und einigen Museen nicht viel zu sehen.

Wer vielmehr Trubel á la Ballermann oder Maspalomas sucht, ist hier jedoch fehl am Platz, auch wenn es doch die eine oder andere Disco gibt. Schließlich haben auch die Azoren eine Jugend.


Reiseführer

Als Reiseführer hatte ich aus der Reihe „Sunflower Landschaften“ das Azoren-Heftchen von Andreas Stieglitz dabei. Es enthält Touren für alle Inseln per Auto und zu Fuß (unter Angabe von Schwierigkeitsgraden). Die Angaben sind sehr gut, so dass ein Verfehlen der Routen fast unmöglich ist. Ansonsten enthält das Büchlein praktische Hinweise und allgemeine Informationen. Preis: an die 15 EUR.



TERCEIRA – DER AUFTAKT

Terceira – auf Deutsch „die Dritte“, was auf die Reihenfolge der Entdeckung zurückzuführen ist. Für uns war sie die erste, weil der Direktflug mit der TAP ab Lissabon nach Terceira führt. Unseren vorgebuchten Mietwagen konnten wir am Flughafen planmäßig in Empfang nehmen und uns damit in Richtung unseres Domizils auf einem restaurierten Bauernhof aufmachen. Darüber werde ich noch extra berichten, um den Rahmen dieses Beitrags nicht völlig zu sprengen. Während der Fahrt überraschte uns im höher gelegenen Inselinnern gleich der erste Schauer. Ja, derzeit würde Terceira am Tag 4 Jahreszeiten erleben, klärte uns unser Vermieter später auf, nur wisse man nie, welche als nächste käme. Nun denn, das war eine leichte Übertreibung, denn geschneit hat es während unseres Aufenthaltes nie. Aber womöglich definiert der Azoreaner Winter, wenn die Temperatur 10°C unterschreitet.

Groß ist Terceira wirklich nicht, die Insel misst etwa 30 km mal 15 km, so dass man stets schnell von einem Ende zum anderen kommt. Von den knapp 250.000 Azoreanern leben hier etwa ein Viertel. Das größte Städtchen ist hier Angra do Heroismo an der Südküste. Während des Erdbebens im Jahre 1980 wurde es zu großen Teilen zerstört. Heute genießt es den Status „Weltkulturerbe“. An einem Tag, an dem es von morgens bis abends in Strömen gießt (der einzige wirklich schlechte Tag während unseres Urlaubs) besuchen wir hier ein kleines Museum, in dem so ziemlich alles ausgestellt ist, was man finden konnte, von Völkerkundlichem bis hin zu Kunstgegenständen. Die geschichtliche Einleitung zeigt uns, wie einst die seefahrenden Spanier und Portugiesen die Welt unter sich aufteilten: Atlantik und Brasilien an Portugal, das, was weiter westlich lag, ging an Spanien. Dass es da noch geltungssüchtige Engländer gab, interessierte sie offensichtlich nicht. Wahrzeichen Angras ist der im Meer gelegene Hausberg, der Monte Brasil, ein Ausflugsziel für Erholungssuchende und Picknick-Freunde, der Zugang erfolgt vorbei an der größten militärischen Festung der hispanischen Welt. Von hier hat man natürlich einen schönen Blick auf die Stadt.

Ein nettes Städtchen ist auch das sich im Aufwind befindliche Praia da Vitória im Osten der Insel mit einem riesigen Sandstrand. Die Insel hat viele Aussichtspunkte („Miradouro“). So erreicht man von Praia da Vitória schnell die Serra do Cume, die schöne Ausblicke zu allen Seiten der Insel bietet. Hier oben findet man auch eine Weide mit schwarzen Kampfstieren, die im Gegensatz zu Spanien in Portugal in der Arena stets am Leben gelassen werden. Erwähnenswerte Aussichtspunkte sind noch der höchste Punkt der Insel, die über 1000m hohe Caldeira in der Serra de Santa Barbara, von wo man bei guter Sicht bis zur Insel São Jorge und der dahintergelegenen Insel Pico mit dem höchsten Berg Portugals sehen kann. Sehr schön auch der Aufstieg zu einem ehemaligen Walausguck bei Altares im Norden der Insel. Bei allen Besichtigungen und Wanderungen kann man sich viel Zeit lassen, denn Terceira ist nicht groß. Und man kann durchaus mehrere Anläufe nehmen, wenn das Wetter mal nicht mitspielt.

Auf Terceira war es auch, als vor gut einem Jahr im Vorfeld des Irak-Krieges ein bekannter Cowboy aus Texas eine Besprechung einberief und seine Vasallen aus Spanien und Großbritannien auf die Azoren zitierte. Die Ankunft der Airforce One from the United States of America wurde auf einem Bild festgehalten, dass man als Postkarte kaufen kann.

Während unseres Aufenthaltes auf Terceira, habe ich ca. 5 Menschen als Touristen wahrgenommen. Bleibt noch zu erwähnen, wo unser Lieblingslokal auf Terceira war. Es war das stets von Einheimischen (auch wenn kein Benfica-Spiel war) gut besuchte Lokal Beira Mar im kleinen Fischerdorf São Mateus. Hier gab es stets frischen Fisch und die besten Lapas zu einem guten Preis.


SĀO MIGUEL – DIE GROESSTE

Nächstes Ziel unserer Azoren-Rundreise war die Hauptinsel São Miguel. Auch die Insel des „Heiligen Michael“, auf der ca. die Hälfte aller Azoreaner leben, ist mit einer Ausdehnung von ca. 70 km mal 15 km noch recht übersichtlich, sodass wir nach unserer Ankunft am Flughafen, der in der Nähe der Hauptstadt Ponta Delgada liegt, unsere Unterkunft in Capelas an der Nordküste innerhalb einer Viertelstunde erreichten. Da wir unser Hotel nicht auf Anhieb fanden, erkundigten wir uns bei der Polizei. Ohne viel Aufhebens hieß es da kurz „Follow me“, und so wurden wir zum Hotel eskortiert. Das nenne ich einen Empfang!

Keine Frage, São Miguel bietet einen landschaftlichen Leckerbissen mit gigantischen Ausblicken nach dem anderen. Neben den Vulkanen im Innern, die viele Kraterseen entstehen ließen, kann man sich auch hier zahlreicher heißer Quellen mit Schwefelgeruch erfreuen, aus denen das Wasser mit heißer Badewassertemperatur (um die 35 °C) heraussprudelt. Besonderes Highlight ist jedoch eine warme Quelle, die sich als kleiner Wasserfall in ein Felsbecken ergießt. Damit habe auch ich von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, in freier Wildbahn zu duschen. Das Wasser dürfte um die 25°C warm gewesen sein. Natürlich gibt es auch hier zahlreiche Strände und natürliche Lavaschwimmbecken, die im Sommer zum Bade einladen.

Trotz der geringen Entfernungen ist man nicht immer schnell am Ziel, denn einige Straßen sind in schlechtem Zustand und oft recht kurvig. Rauf und runter geht es sowieso dauernd. So ist es empfehlenswert, Inselrundfahrten auf mindestens 3 Touren aufzuteilen. Wir waren eine Woche dort und ließen uns deshalb immer viel Zeit.

Beginnt man im Westen der Insel, bietet es sich an, die Nordwestküste z.B. von Capelas bis Varzéa abzufahren, vorher evtl. noch einen Abstecher hinunter an den Küstenort Mosteiros zu machen und dann ins Landesinnere zur Caldeira das Sete Cidades („Krater der 7 Städte“) abzuzweigen. Hier findet man die malerischen Kraterseen Lagoa Azul und Lagoa Verde, auf die sich von den Bergen immer wieder tollen Aussichten ergeben, vor allem vom Punkt Vista do Rei, der seinem Namen („Aussicht des Königs“) wirklich gerecht wird. Den Tag kann man dann z.B. in Ponta Delgada ausklingen lassen, wo es aber nichts Außergewöhnliches zu sehen gibt.

Eine weitere Rundfahrt sollte den Mittelteil der Insel abdecken. Hier geht der Weg über Ribeira Grande an einer Teeplantage (Gorreana) vorbei, wo man auch eine Teefabrik besichtigen und günstig verschiedene Teesorten kaufen kann. Im Laden wird der gleiche Tee zum 2-3fachen Preis verkauft. Vorher sollte man aber unbedingt nach Punta Formosa hinunter fahren, ein prächtiges Seebad, wo das Rauschen des Meeres regelrecht süchtig macht. Ich jedenfalls kann an solchen Orten stundenlang ausharren, ins Meer starren und mich an ihm regelrecht berauschen. Durch die Berge geht es zum Kurort Furnas, der von heißen Quellen profitiert und in dessen Nähe ein gleichnamiger Kratersee mit schöner Kirche liegt. Fährt man von Ribeira Grande durchs Innere Richtung Ponta Delgada, passiert man bald besagte Warmdusche (Caldera Velha) und bei Balrosa den höchsten Punkt der Insel (947m) mit herrlichem Blick auf die Lagoa do Fogo. Im Süden der Insel gibt es einige schöne Sandstrände.

Eine etwas weitere, aber sehr lohnenswerte Tour führt ans östliche Ende der Insel mit dem Hauptort Nordeste („Nordost“). Hier gibt es an der Küste viele schöne Aussichtspunkte. In besonders guter Erinnerung habe ich vor allem Ponta de Sossego. Hier wurde mit unglaublicher Mühe eine kleine Parkanlage direkt über der Steilküste angelegt, wo man Sträuchern Formen aus Tieren oder Sofas gegeben hat. Und in der Ferne geht bisweilen der Himmel nahtlos ins Meer über, den Horizont allenfalls erahnen lassend.

Auf São Miguel haben wir dann doch den einen oder anderen Touristenbus gesehen, der sich oft die steilsten und engsten Straßen hinaufquälte, um seinen Passagieren keine Aussicht vorzuenthalten. Obwohl die Insel nicht groß ist, sind wir in knapp 7 Tagen mit unserem Mietwagen doch über 800km gefahren. Kaum zu glauben.

Auch wenn São Miguel unheimlich viel fürs Auge bietet, habe ich hier doch etwas den Charme Terceiras und vor allem Fayals vermisst. Aber natürlich hatten wir auch hier ein Lieblingslokal, das Monte Verde am Ortseingang von Ribeira Grande. Normalerweise öffnen auf den Azoren wie auch im übrigen Portugal Restaurants abends um 19 Uhr. Wenn wir dort jedoch Viertel vor Sieben einliefen, unterbrach „Papa“ sogar sofort sein Dominospiel, um uns gleich an die Fischvitrine zu führen. Denn da wir tagsüber meist nicht viel aßen, hatten wir abends immer mächtig Hunger.


FAYAL – MEINE HEIMLICHE LIEBE

Zum Schluss hatten wir noch 6 Tage auf der kleinen Insel Fayal. Von der Hauptstadt Horta sollte später auch unser Rückflug starten. Hier mieteten wir nicht für die ganze Zeit ein Auto, da es sich bei der kleinen Insel nicht lohnt. Aber kaum waren wir da, waren wir schon vom Charme Hortas infiziert. Das Örtchen hat einen traumhaften Yachthafen, wo dem portugiesischen Königssohn Heinrich dem Seefahrer ein kleines Denkmal gesetzt wurde. Ein paar Meter weiter findet man die zahlreichen bunten Visitenkarten seiner Nachfahren der Neuzeit. Denn der gesamte Yachthafen ist mit den Botschaften von Seglern dekoriert, die den Atlantik zumindest teilweise oder gar die ganze Welt umsegelt haben. Als Glücksbringer gemalt von Hunderten oder gar Tausenden von Menschen, die sich vielleicht einen Lebenstraum erfüllt haben. Als Betrachter empfinde ich Respekt und Anerkennung, verspüre jedoch auch etwas Neid auf Leif und Johanna aus Stockholm oder Rinos aus Cherbourg oder wie sie alle hießen. Hier kann man wahrlich Stunden verbringen und staunen.

Eine weitere Attraktion Hortas ist der kleine Hausberg Monte da Guia im Meer. Innerhalb einer halben Stunde habe ich ihn bestiegen. Allerdings kann man nicht bis zum Gipfel gelangen, da ein Teil des Berges für militärische Zwecke gesperrt ist. Der Rest steht unter Naturschutz. Man hat nicht nur einen herrlichen Blick auf Horta, sondern auch hinunter aufs Meer und einen zum Meer geöffneten Vulkankrater, die Caldeirinhas. Hier konnte ich auch ewig ausharren, den Ausblick genießen und der Stimme des Windes lauschen. Denn hier oben pfiff es so heftig, dass das Meeresrauschen dagegen völlig verstummte. Ich empfand ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Ich war zwar noch nicht über den Wolken, wo nach Reinhard Mey die Freiheit grenzenlos sein soll, aber ganz dicht darunter.

Von Horta hat man direkten Blick auf die Nachbarinsel Pico mit dem gleichnamigen Berg, dessen Spitze man nur bei gutem Wetter sehen kann. Sonst trägt Pico eine Wolkenmütze.

Am nächsten Tag unternahm ich eine Wanderung von vielleicht 20km. Es ging stets steil bergauf und bergab. Der Wind blies mir meist entgegen und an diesem Tag musste ich auch so manchen Regentropfen einstecken. Kap Hoorn konnte nicht mehr weit sein, sagte mir mein Gefühl. Trotzdem kein Tag, den ich missen möchte.

Dann nahmen wir für einen Tag einen Mietwagen, fuhren ans westliche Ende der Insel, wo durch den Vulkanausbruch in den Jahren 1957/58 die Westspitze total verändert wurde. Damals entstanden einige Quadratkilometer Neuland. Das ganze wirkt noch heute wie eine Mondlandschaft, wie man sie vielleicht von Lanzarote her kennt. Dann fuhren wir in die Caldeira, zum höchsten Punkt der Insel. Eine tolle Aussicht auf die gesamte Insel und ins Kraterinnere sind dort gewiss.

Jedenfalls verspüre ich den Wunsch, nach Fayal und Horta zurückzukehren. Irgendwann vielleicht für immer? Wer weiß.


PICO – DIE HÖCHSTE

Schließlich nutzten wir noch die Gelegenheit, die Insel Pico per Tagestrip zu besuchen. Von Horta aus ist man mit dem Schiff in 30 Minuten dort. Dafür bezahlt man pro Person und Richtung 2,80 EUR. Im gegenüberliegenden Ort Magdalena gibt es allerdings nicht allzu viel zu sehen. Aber dafür hatten wir an diesem Tag das Glück, dass der Pico sozusagen nackt war und sein Wolkenkleid abgelegt hatte. Ähnlich wie in Spanien liegt auch in Portugal der höchste Punkt nicht auf dem Festland. Auf Pico geht es über 2000m hinauf, wo man auch eine geringe Menge Schnee erkennen kann. Auch der Blick von Pico zurück nach Horta ist sehr schön.



FAZIT

Wer die grüne Insel Irland liebt, dem wird es auch auf den Azoren gefallen. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass die Azoren noch viel schöner sind und dass das Wetter besser ist. Denn wider aller Erwartungen hatten wir auch im März nur eineinhalb „unbrauchbare“ Tage. Die Landschaften bieten einen gigantischen Anblick, die Menschen sind freundlich und das Essen ist sehr gut. Wer den Trubel vom Ballermann satt hat, nicht auf ausgetretenen Touristenpfaden wandeln will und Natur pur sucht, der findet auf den Azoren eines der letzten Paradiese. Aber alles hat natürlich seinen Preis.


Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 23.3.2004
Veröffentlicht außer bei Ciao derzeit nur noch bei Yopi
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