Ich bin begeisterter Radfahrer. Und meine Frau auch. Fahrräder sind nicht nur unsere wichtigsten Alltags-Fortbewegungsmittel, auch längere Reisen machen wir am liebsten auf dem Fahrrad.
Warum Fahrradspaß zu zweit für uns konsequenterweise Tandemspaß bedeutet, möchte ich erläutern. Und selbstverständlich möchte ich unser Tandem vorstellen – und empfehlen.
[Anmerkung: Wann immer ich von Vorder- oder Hintermännern schreibe, sind selbstverständlich Vorder- und Hinterfrauen gleichermaßen gemeint.]
Tipps für Tandemneulinge
- Probefahrt
- Rahmen
- Anfahren, Stehenbleiben
- Gangschalten
- Pedalstellung
- Gepäckbeföderung
- Warum überhaupt ein Tandem? -
Wenn zwei Leute gemeinsam per Rad verreisen, stellt sich fast unwillkürlich das Problem ungleicher Kondition ein: Während der eine gern schnell und weit führe, ist für den anderen eine kurze, langsame Etappe das höchste der Gefühle. Das ist ganz natürlich, kann aber leicht zu Frust führen.
Die Lösung dieses Problems ist denkbar einfach: EIN TANDEM!
Auf einem Tandem kann jeder seine individuelle Kraft einsetzen. Und trotzdem kommt man gleichzeitig an - und zwar mit Sicherheit schneller als die schwächere Person allein.
Doch das Tandem ist nicht nur eine Kraft-Verteil-Maschine, sondern sie spart sogar effektiv Kraft. Die gemeinsame Nutzung von zwei Laufrädern und das Sitzen hintereinander spart Roll- und Luftwiderstand. Ergebnis: Die Geschwindigkeit steigt. (Während ich allein eine Reisegeschwindigkeit von ca. 25 km/h habe, fahren wir zusammen locker 30 km/h. Und bergab entwickelt sich das Tandem beim bloßen Rollenlassen leicht in ein Geschoss von 70 und mehr km/h...)
Welche Argumente sprechen GEGEN ein Tandem?
Vorweg: Für meine Frau und mich sprechen keine Argumente dagegen.
- Doch fühlen sich einige Leute unwohl, wenn sie hinten sitzen, da ihnen dort das Lenken und Bremsen unmöglich ist und sie keine freie Sicht nach vorn haben.
Das ist Geschmacksache. Uns hingegen macht es besonderen Spaß, hinten einfach mal zu entspannen und die Landschaft links und rechts zu genießen.
- Auch empfinden manche das Lenken eines Tandems als anstrengend.
Ich kann versichern: Das ist vor allem Übungssache und bei guter Rahmengeometrie überhaupt kein Thema. Man braucht zum Lenken eines guten Tandems nicht mehr Kraft als bei einem anderen Fahrrad. Voraussetzung: Man ist halbwegs aufeinander eingespielt. Doch gerade darin besteht die „Übungssache“...
- Man muss immer im gleichen Rhythmus in die Pedale treten.
Zugegeben: Wenn einer der beiden durchtrainiert ist und 100 Umdrehungen pro Minute bevorzugt, der andere hingegen ein Freizeitfahrer mit 50 Umdrehungen pro Minute ist, gibt’s ein Problem mit der Koordinierung. Zwar gibt der Vordermann den Rhythmus vor, doch möchte man sich’s ja nicht mit dem Hintermann verderben... Doch meine Erfahrung mit verschiedenen Tandem-Beifahrern war: Spätestens nach ein paar hundert Kilometern findet man einen gemeinsamen Rhythmus, der beiden auf Dauer zusagt.
Welche Argumente sprechen nicht (mehr) gegen ein Tandem?
Früher wurden Tandems als skurrile Konstruktionen belächelt, die unbequem in der Handhabung waren, aufgrund des Gewichtes von zwei Personen zu störenden Querverwindungen (wackligem Fahrverhalten und entsprechend schwierigem Lenken) neigten und allzu oft in die Brüche gingen. Ganz abgesehen vom oft beträchtlichen Gewicht, das jedes Vorwärtskommen erschwerte.
Doch seit der Entwicklung der Mountain Bikes steht der Fahrradwelt eine
so robuste und leichtgewichtige Technologie zur Verfügung, so dass auch Tandems zu vollwertigen Fahrrädern entwickelt werden konnten. Das Klischee vom schwerfälligen Tandem ist also längst hinfällig.
Heutzutage sind Tandems anderen Fahrrädern gegenüber gleichwertig.
- DAS CANNONDALE MT 1000 -
1998 kauften wir das Cannondale MT 1000, ein robustes Qualitätstandem aus US-amerikanischer Produktion. Soweit ich weiß, wird dieses Rad heute nicht mehr produziert, doch gehe ich davon aus, dass seine Qualität stellvertretend auch für seine Nachfolgemodelle gelten kann. (Und vielleicht kommt ja auch jemand in der Genuss, ein MT 1000 gebraucht zu erstehen. – Von uns jedoch nicht, denn wir geben unser Tandem freiwillig nicht her!)
Die Buchstabenfolge „MT“ steht für „Mountain Bike“, doch das MT 1000 ist bei weitem kein wuchtiges Mountain Bike! Im Gegenteil: Es ist komfortabel langgestreckt und standardmäßig ausgestattet mit schmalen Tourenreifen und strahlt sportliche Eleganz aus.
Es erinnern allenfalls zwei Details an ein Mountain Bike: Die 26-Zoll-Laufräder sowie die Rahmenrohre mit großem Durchmesser. Doch diese beiden Details dienen exzellent der Stabilität, ohne auf Kosten von geringem Gewicht oder Fahrkomfort zu gehen!
- Rahmen -
Der Rahmen besteht aus sehr dünnwandigen Aluminiumrohren mit einem Durchmesser von bis zu 5,5 cm. Das garantiert eine nahezu perfekte Festigkeit gegen Querverwindungen bei geringem Gewicht.
Der Rahmen ist sehr sorgfältig von Hand verarbeitet. Schweißnähte sind praktisch unsichtbar.
Lackiert ist er mit robustem Metallic-Lack. Obwohl wir mit unserem Tandem nicht immer sanft umgehen, ist noch nirgendwo Lack abgesprungen.
Den Rahmen, der nach hinten etwas abfällt, gibt es in zahlreichen Größen.
Lediglich die Montage eines Ständers ist an diesen dicken Rohren fast unmöglich. Auch habe ich bisher keinen Gepäckträger gesehen, der an die Vorderrad-Gabel dieses Tandems passt.
- Gewicht -
Wie dünnwandig der Rahmen ist, lässt das Gewicht erahnen: Das Tandem von immerhin 2,50 Metern Länge wiegt keine 17 Kilogramm!
- Laufräder / Reifen-
Das Tandem ist mit 26-Zoll-Laufrädern ausgestattet. Das mag eingefleischte Tourenradler die Stirn runzeln lassen. Doch die Praxis beweist den Vorteil: Auch nach tausenden Kilometern bei vollem Gepäck hat noch keine Unebenheit die Felgen verbiegen können. Der kleine Raddurchmesser ist beim Tandem ein ideales Mittel zur Festigkeitssteigerung.
Ausgestattet war das Tandem mit markenlosen Tourenreifen ohne Profil. Nach zwei Jahren begannen sie leider vor Materialermüdung porös zu werden und aus den Nähten zu platzen. Inzwischen habe ich sie durch „Marathon“-Reifen der Firma Schwalbe ersetzt und noch keine schlechten Erfahrungen damit gemacht.
- Bremsen -
Soweit ich weiß, verwendet Cannondale inzwischen Hydraulikbremsen für seine Tandems, doch als unser Exemplar entstand, waren diese noch sehr wenig verbreitet.
Bei unseren Bremen von Shimano handelt es sich um Bowdenzug-Cantileverbremsen mit hervorragender Kraftübertragung. Einmal zu kräftig an den Bremshebeln gezogen: Schon droht der Hintermann aus dem Sattel zu fliegen. ;-) Auch bei feuchtem Wetter haben wir die Bremsen immer als ausreichend empfunden. Eine nachträgliche Aufrüstung auf Hydraulikbremsen ist also nicht nötig.
Bremsen kann – wie bei modernen Tandems üblich – nur der Vordermann. Doch die Kraft einer Person reicht allemal aus. (Auch, wenn wir mit Anhänger und Gepäck unterwegs sind – das ist immerhin ein Bruttogewicht von 250 Kilogramm.)
- Schaltung -
Das MT 1000 ist ausgestattet mit einer robusten und zuverlässigen 24-Gang-Kettenschaltung (3 mal 8 Gänge) vom Typ Shimano XT mit Gripshift.
Obwohl eine Tandemschaltung tendetiell höheren Belastungen ausgesetzt ist als die eines normales Fahrrades, hat es bei unserem Tandem noch keine Pannen oder Beschädigungen an der Schaltung gegeben.
Zugegeben, angesichts der großen Geschwindigkeiten, die man mit dem Tandem erreicht, wäre eine 27-Gang-Schaltung mit entsprechend höherer Übersetzung manchmal angebracht (damit mit man sich auf den Pedalen nicht schon bei Tempo 40 wie ein Hamster im Laufrad vorkommt). Die kleinsten Übersetzungen hingegen sind völlig ausreichend, um auch Berge von 15 % Steigung noch gemeinsam zu erklimmen.
Das Gripshift-System finde ich persönlich nicht ganz ideal. (Man schaltet dabei, indem man Ringe am Lenkergriff dreht.) Dieses weit verbreitete System mag im Off-Road-Bereich angebracht sein, doch bei einem Tourenrad hielte ich eine Rapidfire-Schaltung für sehr viel angenehmer. (Man schaltet dabei, indem man kleine Hebelchen in Griffnähe mit dem Finger antippt.) Vor allem bei nassem Wetter erweist sich das Gripshift-System am MT 1000 als zu schwergängig und rutschig.
- Lenker -
Das Tandem war ausgestattet mit zwei geraden Sportlenkern. Den hinteren Lenker (der ja eigentlich nur ein Festhalter ist, da man damit nicht lenken kann) haben wir gegen einen geschwungenen Typ ersetzen lassen, wobei uns der Preis des Originallenkers (damals 130 DM) voll ersetzt wurde.
- Sattel -
Hier wird ein typisches Tandemklischee deutlich: Der Mann sitzt vorn, die Frau hinten...
Denn beim vorderen Sattel handelt es um einen Herren-, beim hinteren um einen Damensattel. Beide sportlich geformt und leicht gepolstert. Ich finde sie ideal und bequem, meine Frau hingegen bei mehr als 100 Tageskilometern etwas unbequem...
(Selbstverständlich kann man auch den Damensattel nach vorn und den Herrensattel nach hinten montieren...)
Sinnvollerweise ist der hintere Sattel auf einer pneumatisch gefederten Stange montiert. Denn als Hintermann wird man zumeist von Schlaglöchern sehr viel mehr überrascht. Die Federung fängt davon einiges auf, wenn sie leider auch etwas ruckartig reagiert.
- Pedale -
Ausgestattet war das Rad mit Klick-Pedalen. Wir haben sie austauschen lassen gegen alltagstaugliche Metallpedale. Doch bei solchen Details hat man als Käufer natürlich freie Wahl.
(Nebenbei kann ich unbedingt zum Kauf von Metallpedalen raten – sie sind wesentlich griffiger als Kunststoffpedale.)
Der kleine Nachteil...
Das Cannondale MT 1000 stammt aus amerikanischer Produktion und ist entsprechend nach amerikanischem Standard ausgerüstet.
Das heißt: Es gibt weder
- Beleuchtung noch
- Spritzwasserschutz noch
- Gepäckträger.
Ein reines Sportrad also. Da das Tandem zudem, wie beschrieben, eher unkonventiolelle Rahmenmaße hat, erwies sich eine Nachrüstung dieser Ausstattung als nicht ganz einfach, jedoch nicht als unmöglich.
Dabei versteht sich diese Nachrüstung für Tourenradler fast von selbst: Denn man möchte ja auch mal bei Dunkelheit fahren, bei nasser Fahrbahn nicht mit Wasser und Dreck vollgespritzt werden und außerdem Gepäck mitnehmen.
Zugegeben, ich bin froh, dass wir die Aufgabe der Nachrüstung dem Radhändler überlassen und mit ihm VORHER einen Preis ausgemacht haben. Der Techniker erzählte uns später, er habe ganze elf Stunden an dem ungewöhnlich proportionierten Rad gebastelt, bis alles saß. Die ganze Nacht durch hatte der Arme gearbeitet, damit wir das Rad wie versprochen am nächsten Morgen abholen konnten. Das ganze zum Preis von zwei Arbeitstunden. Mit dem Ergebnis, dass alles wirklich gut passt. Kompliment!
Durch die Nachrüstung der geschilderten Ausstattung ist das Gewicht unseres Tandems auf (immer noch geringe) 18 Kilogramm gestiegen.
- Reparatur(un)anfälligkeit -
Reifenpannen treten bei Tandems naturgemäß etwas häufiger auf als bei anderen Rädern, da die Reifen annähernd das doppelte Gewicht zu bewältigen haben. Bei den Originalreifen war nach ca. 2.000 Kilometern im wahrsten Sinn des Wortes die Luft raus. Doch mit den Marathon-Reifen hat sich dieses Problem erübrigt.
Nach 3.000 Kilometern (und sehr ausgiebigem Gangschalten) ist mal ein Schaltzug gerissen – was als normaler Verschleiß gelten kann, in jeder Qualitätsklasse vorkommt und ohne großen Aufwand zu reparieren ist.
Die Originalketten erwiesen sich als sehr langlebig. Sogar die hintere Kette hat trotz des doppelten Kraftaufkommens einige tausend Kilometer überstanden, ohne die Ritzel in Mitleidenschaft zu ziehen.
(Beim Ersetzen der Ketten, zumal der hinteren sollte man nicht sparen. Hier ist höchste Qualität angesagt, um extreme Kräfte zu verkraften. 50 € für eine Kette können hier als Maßstab gelten.)
Darüber hinaus hat das Tandem zwar hin und wieder mal neue Bremsbeläge, bislang aber keine Reparaturen benötigt. Verbogene Laufräder oder ähnliches gab es nicht.
- Einsatzbereiche -
Wir benutzen das MT 1000 sowohl für längere Radwanderungen als auch im Alltag. Selbst wenn wir nur mal eben in die Stadt wollen, greifen wir zum Tandem, da wir damit Kraft sparen und einfach schneller ankommen.
Das Erstaunliche aber ist: Das Tandem ist so leicht und zugleich so leichtläufig, dass ich es auch problemlos allein benutzen kann. Ich komme damit ebenso schnell vorwärts wie mit meinem normalen Trecking-Rad. (Ich benutze es z.B. gern, um Besuch vom Bahnhof abzuholen.)
Wer an dieses Tandem geländegängige Reifen montiert, kann damit vermutlich auch off-road fahren. Erfahrung habe ich in dem Bereich jedoch keine.
- Händler -
Nun möchte ich nicht verheimlichen, wo wir das Tandem gekauft haben: Es war beim Fahrradhändler „Das Rad“ in Dortmund, deren Beratung und Service ich nur loben kann. (Dieser Laden gehört übrigens zur deutschlandweiten Vereinigung „VSF-Tandem-Fachgeschäfte“, deren Mitglieder besonderen Wert auf Qualität legen.)
- Preis -
Nun endlich rücke ich raus damit, wieviel das gute Stück gekostet hat.
Zugegeben, nicht ganz wenig. (Doch wer wie wir kein Auto besitzt, sollte am Fahrrad nicht sparen.)
Das Cannondale MT 1000 kostete 1998 ca. 4.500 DM (2.300 €).
Dabei sollte man sich im klaren darüber sein, dass Tandems erstens nur in begrenzter Stückzahl produziert werden und zweitens sehr viel robuster gebaut sein müssen als „normale“ Räder. Beides treibt den Preis in die Höhe.
Faustregel ist: Ein gutes Tandem kostet dreimal soviel wie ein gleich gutes „normales“ Rad. Das MT 1000 entspräche damit einem normalen Rad von ca. 750 €, wofür man schon was Gutes erwarten kann. Ich aber bin der persönlichen Meinung, dass das MT 1000 qualitativ durchaus einem normalen Rad für 1000 € gleichwertig ist! (Stand 1998)
- Fazit -
Technisch ist das Cannondale MT 1000 ausgereift und robust. Es ist leichtläufig und als komfortables Reiserad hervorragend geeignet. Aus diesem Grund bewerte ich das Tandem mit „sehr gut“.
Natürlich hat das Rad auch seine Schwächen (fehlende Ausstattung, keine Rapidfire-Schalthebel, keine Hydraulikbremse, schwierige Anpassung von Zubehör an den Rahmen, Originalreifen mäßiger Qualität), die aber für mich in der Gesamtbewertung keine ausschlaggebende Rolle spielen.
Tatsache ist, dass dieses Tandem nun seit Jahren zu unserer vollen Zufriedenheit seinen Zweck erfüllt: Uns puren Fahrspaß zu bieten.
- Anhang: Einige Tipps für Tandemneulinge -
Wer sich ernsthaft mit einem Tandem anfreunden möchte, sollte einige Tipps beachten, um sich nicht den Spaß zu verderben.
- Probefahrt / Beratung –
Wie bei jedem Fahrrad sollte man mit einer Probefahrt beginnen. Doch Achtung: Ein Tandem ist gewöhnungsbedürftig, vor allem, wenn ZWEI Neulinge darauf sitzen... Also nicht gleich abschrecken lassen! Sinnvoll kann es da sein, einen erfahrenen Beifahrer mitzunehmen. (Ich hatte das Glück, bei meinem Händler eine Probefahrt mit dem tandemversierten Verkäufer durchzuführen.)
Auch ein Tandem sollte „sitzen“. Dennoch kann man nicht erwarten, sich schon nach einer Probefahrt gänzlich sicher zu fühlen. Das sichere Fahrgefühl kommt erst nach 50 bis 100 Kilometern. Auch beim Tandem sollte jedoch auf einen passenden Rahmen geachtet werden.
Aber auch für Unentschlossene lohnt sich eine Probefahrt auf dem Tandem. Schon manch einer ist nach diesem neuen Fahrgefühl süchtig geworden...
Wie bei jedem guten Fahrrad sollte man außerdem Wert auf Beratung legen. In guten Fahrradläden wird der Verkäufer alle wichtigen Details des gewünschten Tandems ansprechen und gegebenenfalls austauschen.
- Rahmen –
Da der hintere Lenker normalerweise an der Stange des vorderen Sattels montiert ist, lässt sich letzterer bei vielen Tandems (so auch beim MT 1000) nur begrenzt tiefer einstellen. Man sollte also vor dem Kauf darauf achten, dass wirklich beide Fahrer sowohl vorn wie auch hinten sitzen können!
- Anfahren, Stehenbleiben –
Der Vordermann ist grundsätzlich „Kapitän“. Wenn er in die Pedale tritt, muss der Hintermann mitmachen, nicht umgekehrt. So werden riskante Situationen ebenso vermieden wie peinliche Szenen beim Anfahren. ;-)
Der Hintermann sollte nie die Füße von den Pedalen nehmen. Während der Fahrt vermeidet er damit schmerzhafte Begegnungen zwischen den rotierenden Pedalen (die ja vom Vordermann mit angetrieben werden) und seinen Schienenbeinen. Und selbst bei kurzen Stopps (z.B. an Ampeln) sollten die Füße des Hintermannes immer auf den Pedalen bleiben! (Die Balance kann der Vordermann problemlos allein halten.) So kann man ohne Verzögerung gemeinsam wieder starten, sobald der Vordermann in die Pedale tritt.
Das heißt also für’s Abfahren: Der Vordermann hält das Tandem, dann steigt der Hintermann auf Sattel und Pedale, dann erst steigt der Vordermann ganz auf und tritt in die Pedale, wobei der Hintermann automatisch mittritt.
(Übrigens nicht nur beim Stehen sollte der Hintermann allzu heftige Gewichtsverlagerungen vermeiden...)
- Gangschalten –
Kettenschaltungen verlangen Feingefühl, vor allem beim Tandem, wo zwei Personen in die Pedale treten.
Um den Schaltvorgang nicht unnötig hart werden zu lassen (was weder für die Schaltung noch für den Hintermann angenehm ist), sollte der Vordermann vor dem Schalten kurz, aber deutlich den Tritt verlangsamen und während des Schaltens ohne Krafteinsatz sanft wieder beschleunigen. So weiß der Hintermann, was los ist und die Schaltung wird geschont.
- Pedalstellung –
Bei 99 Prozent aller Tandems sind die Pedalen parallel zueinander eingestellt. Das heißt: Die Bewegungen von Vorder- und Hintermann laufen absolut synchron. Vorteil an der Sache: Man kann auch im Stehen fahren, ohne dass ungewohnte Querkräfte auftreten. Nachteil: Das Fortkommen gestaltet sich schubweise und unökonomisch.
Daher mein Tipp: Stellt die Pedale im 90-Grad-Winkel zueinander ein! Es lohnt sich! (Der Aufwand dazu ist minimal: Einfach Kette seitlich vom vorderen Zahnkranz „werfen“ und versetzt wieder aufsetzen.)
Im ersten Moment ist das Fahrgefühl etwas ungewohnt und es sieht vielleicht ebenso ungewohnt aus, doch der Effekt ist enorm: Man gleitet viel gleichmäßiger dahin, da die Kraft ideal verteilt wird. (Bei alten Tandem-Modellen mag es dabei zu Querverwindungen kommen – nicht aber beim Cannondale MT 1000 oder gleichwertigen Modellen!)
-Gepäckbeförderung –
Vor dem größten Problem stehen Tandembesitzer, wenn sie ihre erste große Tour planen: Wohin mit all dem Gepäck?!
Der hintere Gepäckträger kann zwar einiges verkraften, doch im Normalfall nicht alles, außerdem belasten große Gepäckmengen die Reifen. An der Gabel kann man beim MT 1000 leider kein Gepäck verstauen, bedingt durch die dicken Rohre. Außerdem: Wie soll ein einziges Fahrrad das Gepäck von zwei Personen bewältigen?!
Was also tun?
Das Mittel unserer Wahl ist ein Anhänger. Wer schon einmal einen Anhänger an sein normales Fahrrad gehängt hat, wird überrascht sein: Am Tandem spürt man ihn sehr viel weniger! Vor allem, wenn man die Pedale um 90 Grad zueinander versetzt eingestellt hat. Damit fällt der lästige Ruck-Effekt weg, der den Anhänger sonst zum spürbaren Ballast macht.
Wir benutzen einen Leggero-Allzweck-Anhänger. Der ist leichtläufig, fasst ein großes Volumen an Gepäck von bis zu 50 Kilogramm und kann auch zum Kinderanhänger umgebaut werden. (Preis: 400 bis 500 €) Unser Tandem-Anhänger-Gespann, das eine beachtliche Länge von 3,50 Metern erreicht, hat sich auf Reisen bestens bewährt.
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