Obstbaumschnitt, Apfelbaum
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Platz 8 in der Kategorie "Garten Tipps & Tricks". Themenbereich: sonstiges / ...mehr
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Obstbaumschnitt, Apfelbaum Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

ursand

Obstbaumschnitt - Beispiel: Apfelbaum

ein Testbericht von 2004-03-24 08:59:09 vom 24.03.2004
Empfehlung: ja
Vorteile: Schnittmaßnahmen beeinflussen quantitativ und qualitativ den Ertrag...
Nachteile/Kritik: Wird er nicht richtig durchgeführt, bringt er mehr Schaden als Nutzen
Fast jeder Gartenbesitzer steht irgendwann vor der Frage: Wann und wie soll ich meine Obstbäume schneiden? Ein ungeübter Hobbygärtner ohne jegliches Fachwissen kann durch einen falschen Schnitt mehr Schaden als Nutzen verursachen. Im folgenden möchte ich einmal den Aufbau und Schnitt eines Obstbaumes erläutern.

Grundsätzlich lassen sich Apfelbäume recht leicht "erziehen", weil sie von Natur aus mehr oder wenige lichte Kronen haben. Greift man allerdings nicht von Anfang an ein und "formt" die Krone, so wird diese dicht und undurchdringlich.



Aufbau
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Das Traggerüst des Obstbaumes ist der Stamm, seine Höhe beeinflusst Wachstum, Fruchtentwicklung und Pflegemaßnahmen.

Eine leistungsfähige Krone ist ein tragfähiges Gerüst, in dem die Blätter und Früchte optimal belichtet werden. Die Leitäste sind das Hauptgerüst der Krone und zur Bildung derer gehören ein Mitteltrieb sowie drei bis vier gut verteilte Leitäste, die etwa im 45° Winkel zum Mitteltrieb stehen. Die Fruchtäste (Seitentriebe) wachsen aus den Leitästen (Leittriebe).



Pflanzschnitt
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Ein "Pflanzschnitt", also direkt nach dem Pflanzen eines Apfelbaum, ist die erste Schnittmaßnahme. Hierbei werden die Grundstrukturen des späteren Kronenaufbaus festgelegt.

Der dem Mitteltrieb am nächsten stehende Konkurrenztrieb muss entfernt werden, damit sich nicht später eine "Zwille" bildet. Die drei bis 4 Leitäste sollen um etwa 120 ° versetzt vom Stamm abgehen, damit für jeden Ast später ausreichend Platz vorhanden ist.

Die seitlichen Leitäste sind auf eine einheitliche Länge zu schneiden, um durch den gleichen Schnitt einen gleichen Austrieb (Saftwaage = die obersten Knospen der Leitäste müssen in einer Höhe stehen) zu erreichen. Durch das Verkürzen werden die Leitäste zur Verzweigung angeregt und bringen Seitentriebe hervor.



Erziehungs- und Pflegeschnitt
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Beim Schnitt der noch jungen Bäume vom 2. bis zum 7. Jahr ist auf ein ausgewogenes Verhältnis von Leitästen, die etwa im Winkel von 45° zum Mitteltrieb stehen und flachliegenden abwärts wachsenden Fruchtästen zu achten. Ein Trieb treibt umso stärker aus, je steiler er nach oben wächst. Je flacher ein Trieb, umso größer wird er zur Blütenbildung angeregt.

Zu steil gewachsene Leitäste können nach unten gebunden werden oder unter zu Hilfenahme eines Stockes nach unten abgespreizt werden.

Die Leitäste werden nun über einer nach außen weisenden Knospe zurückgeschnitten. Der Mitteltrieb wird ebenso über einer Knospe eingekürzt, sollte aber etwa nur 20 cm über die Leitäste hinausragen.

Bei den weiteren jährlichen Rückschnitten werden die neuen Triebe, die sich aus den Seitentrieben entwickelt haben, ausgedünnt. Für die Leitäste sind nur gesunde, kräftige Seitentriebe notwendig, die sich meist aus den Endknospen bilden.

Auch die Seitentriebe werden wiederum um ein Drittel oberhalb einer nach außen wachsenden Knospe geschnitten, um einen waagerechten Austrieb zu ermöglichen.

Ebenso sind alle Wildtriebe unterhalb der Leitäste am Stamm zu entfernen. Zu steile nach innen wachsende Triebe werden weggeschnitten.

Danach ist die künftige Kronenform gut zu erkennen. Diese gilt es in den nächsten Jahren weiter auszubauen, und zwar nach den oben beschriebenen Grundsätzen, wobei sich Mitteltrieb und Leitäste verlängern.



Verjüngungsschnitt
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Im fortgeschrittenen Alter wird ein Verjüngungsschnitt erforderlich, denn eine verhältnismäßig dichte Krone zeigt kaum mehr junge Triebe. Es entwickeln sich zwar viele Früchte, aber diese bleiben klein. Ein Auslichten ist notwendig.

Es werden alle zu dicht stehen Äste bis zum Astring entfernt. Die Leitäste werden eingekürzt, die oberen am meisten und die unteren etwas weniger, damit sie länger sind. So erzielt man eine optimale Belichtung auf allen Ebenen. Zur besseren Triebbildung werden auch die Seitentriebe und Fruchtäste eingekürzt.



Werkzeug
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Auf gutes Werkzeug sowohl bei der Gartenschere als auch bei der Säge ist besonders zu achten, da falsches bzw. stumpfes Werkzeug oft Fransen- oder Quetschschnitte verursacht, die schlecht verheilen.

Benötigt werden zum Schnitt eine kleine und große Gartenschere mit guter Hebelwirkung, eine Baumsäge mit Spannhebel sowie ein oder zwei Spezialmesser zum Säubern und Glätten der Wundränder.



Wundverschluss
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Sowohl bei jungen als auch bei älteren Bäumen sind beim Schneiden die größeren Wunden sorgfältig mit einem Wundverschlussmittel zu behandeln und zu verschließen. Dafür gibt es zum einem die seit Jahren bewährten säurefreie Baumwachse oder Präparate auf Kunststoffbasis, die einen schnell wirkenden Wundverschluss ergeben, der sowohl bei Hitze als auch bei Kälte wirksam ist. Dieses"Pflaster" schützt den Baum vor Krankheiten und vor Parasiten, die durch offene Wunden eindringen können.

Der Baum ist bemüht, Wunden so schnell wie möglich zu heilen. Dieser Prozess geht umso schneller, je glatter und kleiner die Schnittfläche ist. Gequetschte und aufgefaserte Wunden schweren diesen Prozess.

Die Heilung erfolgt vom unteren Wundrand sowie von rechts und links nach innen zur Mitte hin. Von oberen Wundrand ist die Heilung schwächer, insbesondere bei größeren Wunden. Angesichts dieser Kenntnis sollte ein Ast oben kürzer (schräg nach unten und außen) abgesägt werden, um die Heilung zu beschleunigen.



Schnittzeitpunkt
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Der beste Schnittzeitpunkt für alle Schnitte ist während der Vegetationsruhe; also Januar bis März, allerdings sollten die Temperaturen dabei nicht unter minus 6° liegen. da dann das Holz brüchig ist.

Bei einem Auslichtungsschnitt im Sommer/Herbst erleiden die Bäume auch keinen Schaden, wenn dabei keine zu großen Eingriffe vorgenommen werden. Hierbei werden störende Neutriebe sowie kranke und dürre Äste entfernt.



Fazit
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Wenn man sich einmal ausgiebig mit dem Aufbau desObstbaumes, seiner Triebe und Knospen, der Baumform und vor allem den Gesetzmäßigkeiten der Triebbildung sowie der Schnittwirkung befasst, sich tiefer in die Materie hineindenkt, ist ein Obstbaumschnitt gar nicht so schwierig durchzuführen.

Wichtig ist bei all dem, dass die Schnittmaßnahmen in den natürlichen Ablauf eingreifen, ihm aber nicht widersprechen. Die Reaktionen auf die Schnittmaßnahmen folgen dem Gesetz der Spitzenförderung. Ein allgemein gültiges Gesetz besagt, dass die Knospen am kräftigsten austreiben, die am höchsten stehen. Überragt zum Beispiel ein Leitast den Mitteltrieb, so wird er in der Regel stärker neue Triebe bilden und damit den Mitteltrieb überragen. Das Licht nimmt Einfluss auf die Wuchsrichtung der Neutriebe.

Bei einem "scharfen" Rückschnitt wird ein starker Neutrieb gefördert, weil verhältnismäßig wenige Knospen verbleiben. Dadurch werden sich wenige, aber kräftige Einjahrestriebe entwickeln. Zu empfehlen ist dieser sowohl beim Pflanz- als auch beim Verjüngungsschnitt.

Bei nur "schwachem" Rückschnitt werden durch die am Baum verbleibenden sehr vielen Knospen zahlreiche, aber dafür verhältnismäßig schwache Neutriebe gefördert. Die Bildung kräftiger Triebe wird unterbunden, es entwickelt sich mehr Fruchtholz.

Sehr hilfreich und empfehlenswert ist der Besuch eines Baum- und Strauchschnittkurses, der häufig durch ortsansässige Bildungsträger, Landwirtschaftskammern oder Gartenbaubetrieben angeboten wird. Mit dem dort erworbenen Wissen und den gemachten praktischen Übungen kann man dann im eigenen Garten weiter wirken.

Ich hoffe, dass ich hiermit in leicht verständlicher Form die Grundlagen für den Obstbaumschnitt am Beispiel eines Apfelbaumes veranschaulichen konnte.

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Ich danke Euch für das Lesen und Bewerten. Auf Eure Kommentare freue ich mich.

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ursand © 24.03.2004
Ich schreibe unter demselben Namen auch für ciao
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Produktbeschreibung Obstbaumschnitt, Apfelbaum

 
Allgemeine Informationen Obstbaumschnitt, Apfelbaum
gelistet seit: 24.03.2004
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