ein Testbericht von kleenerknuffi2004-12-06 18:23:53vom 06.12.2004Empfehlung: ja
Vorteile: Story, Schauspieler, Ansprechen des Themas Kindesmissbrauch...Nachteile/Kritik: etwas kitschiges Ende
Dem einen oder anderen Schauspieler ist das Spiel vor der Kamera nicht genug. Sie wollen auch ihr Können hinter der Kamera beweisen.
So konnten schon Robert Redford und Mel Gibson Erfolge als Regisseure vorweisen.
Auch der zweifache Oscar Preisträger Denzel Washington wollte beweisen, dass er auch hinter der Kamera ein Könner ist und gab mit dem auf einer wahren Geschichte beruhenden Drama „Antwone Fisher“ sein Regiedebüt.
>>Inhalt<<
Für den jungen Navy Offizier Antwone Fisher (Derek Luke) ist die Arbeit nicht nur eine Pflicht, sondern seine Lebensperspektive.
Doch sein unkontrollierbarer Jähzorn droht seine Zukunft bei der Navy zu zerstören.
Schon bei kleinen Provokationen rasstet er vollkommen aus und reagiert gewalttätig.
Als er einem ihm vorgesetzten Offizier wegen einer vermeintlichen rassistischen Bemerkung verprügelt, wird er vom Captain seines Schiffes degradiert und dazu verurteilt an einer psychiatrischen Untersuchung teil zu nehmen.
Anfangs sträubt sich Antwone mit dem Psychiater Dr. Davenport (Denzel Washington) zu reden. Doch dessen Beharrlichkeit und Geduld bringen Antwone dazu, dass er zu reden anfängt.
Antwone erzählt, dass sein Vater vor seiner Geburt von einer seiner Geliebten erschossen wurde und seine Mutter ihn im Gefängnis zur Welt gebracht hatte.
Auch nach ihrer Entlassung zeigte sie kein Interesse daran ihn wieder zu sich zu nehmen.
Stattdessen wuchs er bei dem Ehepaar Tate auf.
Dort wurden er und die beiden anderen Waisenjungen regelmäßig misshandelt.
Nach den vorgeschriebenen drei Therapiestunden empfiehlt Davenport der Navy dem jungen Mann eine zweite Chance zu geben.
Doch schon kurz danach wird er nach einer weiteren Provokation wieder in einen Streit verwickelt.
Daraufhin beschließt Davenport die Behandlung von Antwone privat nach Feierband fortzusetzen.
Doch dadurch hat der Arzt noch weniger Zeit für seine Frau Berta (Salli Richardson) wie er dies schon vorher hatte. Und die sowieso schon angeschlagene Ehe der beiden wird dadurch noch mehr belastet.
Als sich Antwone in seine schöne Arbeitskollegin Cheryl (Joy Byant) verliebt, entstehen neue Probleme.
Denn Prügel waren nicht die einzigen Misshandlungen im Hause Tate. Denn Antwone wurde zudem als kleiner Junge von der Tochter des Hauses sexuell missbraucht.
Davenport versucht Antwone bei all seinen Problemen zu helfen und so entsteht zwischen den beiden eine tiefe emotionale Bindung. Davenport wird für den jungen Mann ein Vaterersatz. Und der unter der Kinderlosigkeit seiner Ehe leidende Psychiater findet in ihm den Sohn, den er nie hatte. Doch Davenport weiß, dass Antwone seine Probleme nur dann in den Griff bekommt, wenn er sich seiner Vergangenheit stellt.
Gelingt es Davenport dem jungen Antwone zu helfen mit seiner schlimmen Kindheit fertig zu werden?
Und gelingt es Antwone dadurch endlich seinen Jähzorn in den Griff zu bekommen?
>>Schauspieler<<
Denzel Washington (Dämon, Out of time, Ausnahmezustand) spielt den Psychiater Dr. Jerome Davenport. Dieser will dem jungen Soldaten Antwone Fisher helfen seinen Jähzorn unter Kontrolle zu bekommen. Doch dazu muss er erst einmal deren Wurzeln finden.
Denzel Washington spielt seinen Filmcharakter sehr einfühlsam und sympathisch. Er wirkt dabei sehr engagiert. Gleichzeitig spielt er seine Rolle zurückhaltend um seinem Filmpartner Derek Luke genug Platz für die Entwicklung seiner Figur zu geben.
Derek Luke (Pieces of April, Spartan, Biker Boyz) den jungen Navy Offizier Antwone Fisher Dieser hatte eine schreckliche Kindheit und hat von daher viele Probleme als Erwachsener.
Der Psychiater Daveport wird für ihn der Vater, den er nie hatte.
Derek Luke gelingt es die verschiedenen Facetten seiner Figur glaubhaft darzustellen. Ob voller Zorn, verzweifelt wegen deiner grausamen Kindheit, oder glücklich im Kreise von Davenports Familie, all dass nimmt ihm der Zuschauer ab.
>>Infos zur DVD<<
Originaltitel: Antwone Fisher
USA: 2002
FSK: 6
Spieldauer: 115 min.
Studio. 20th Century Fox
Preis: ca. 9,95 Euro
Regie: Denzel Washington
Drehbuch: Antwone Fisher
Buch: Antwone Fisher
Produzenten: Denzel Washington
Todd Black (Ritter aus Leidenschaft, Alex & Emma)
Randa Heines (Gottes vergessene Kinder, Dancing with me)
Musik: Mychael Danna (8 mm, Hearts in Atlantis)
Schnitt: Conrad Buff (Training Day, Arlington Road)
Kamera: Philippe Rousselot (Big Fish, Instinct)
Bildformat: 16:9 Widescreen
2.35:1 anamorph
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Untertitel für Hörgeschädigte: Deutsch
Extras:
+ Audiokommentar
Der Audiokommentar ist informativ und für Zuschauer mit durchschnittlichen Englischkenntnissen gut verständlich. Ansonsten ist ein deutscher Untertitel zuschaltbar.
Hier erzählen die Produzenten Denzel Washington und Todd Black, wie sie auf die Geschichte des Antwone Fisher aufmerksam wurden. Zudem erfährt der Zuschauer von ihnen, dass Antwone nicht nur einen sondern mehrer Psychiater hatte. Doch die im Film angesprochenen familiären Probleme hatte keiner der von ihm besuchten.
+ Meeting Antwone Fisher
Dieser Punkt enthält 14 Minuten Interviews mit Antwone Fisher, dem Regisseur und Hauptdarsteller Denzel Washington, dem Produzenten Todd Black und einiger der wichtigen Darsteller des Films.
Hier erfährt der Zuschauer, dass Antwone bei der Filmfirma Sony als Pförtner arbeitet, wie seine Geschichte einem Produzenten zu Ohren kam und dieser ihn dazu brachte ein Drehbuch über sein Leben zu schreiben. Und wie diese Geschichte dann endlich nach Jahren zu einem Hollywoodfilm wurde.
+ Making- Of
Das 22 Minuten lange Making- Of beinhaltet Interviews mit Cast und Crew, sowie Aufnahmen bei den Dreharbeiten.
Zudem informiert es den Zuschauer darüber, dass Hauptdarsteller Derek Luke auf dem Sony Gelände im Souvenirladen arbeitete und er und der echte Antwone Fisher sich dort kennen lernten und beste Freunde wurden.
+Hollywood und die Navy
In diesem knapp 5 Minuten langen Beitrag erfährt der Zuschauer, dass kurz nach Drehbeginn die Anschläge des 11. Septembers in New York geschahen. Zudem erfährt man, dass sich die Bedingungen der Dreharbeiten danach sehr erschwerten, da die Sicherheitsmaßnahmen bei der Navy sehr stark erhöht wurden.
>>Bild- und Tonqualität<<
Die Bildqualität der DVD ist sehr gut und scharf. Der Kontrast, auch in dunkleren Szenen und die Farbintensität sind sehr gut.
Die Tonqualität der DVD ist sehr gut und klar. Die Dialoge und die Musik des Films sind ungefähr gleich laut, so dass dem Zuschauer eine ständige Lautstärkenreglung erspart bleibt. Nur die Musik in einer Kneipe, die der Hauptdarsteller besucht ist ein wenig zu laut geraten. Die Lautstärke der hinteren und vorderen Boxen ist gut aufeinander abgestimmt.
>>Meine Meinung und Fazit<<
„Antwone Fisher“ ist ein Drama, das zum großen Teil auf der Lebensgeschichte des ehemaligen Navy Offiziers Antwone Fisher beruht.
Der Film beschreibt einfühlsam die schwierige Kindheit von Antwone [Vater vor Geburt erschossen, Mutter im Gefängnis ohne jegliches Interesse an ihm, geschlagen von der Pflegemutteer, sexuell missbraucht von deren Tochter] und die aus diesem Erlebten resultierenden psychischen Folgeschäden und das aggressive Verhalten.
Auffällig ist dabei, dass sich Antwones Aggressivität nicht gegenüber Schwächeren äußert, sondern gegenüber gleichstarken, bzw. sogar stärkeren [oder auch wegen des höheren militärischen Ranges stärkeren] Menschen richtet. Denn weder lässt er seine Wut an Frauen oder Kindern, sondern nur an Mitkameraden aus.
Doch es wäre wohl auch schwer einen Helden zu schaffen, der sich an Schwächeren vergreift.
Positiv zu erwähnen ist es, das der Film die sonst in der Gesellschaft so gern verschwiegene und verharmloste häusliche Gewalt gegenüber Kindern aufzeigt. Denn solche Dinge passieren leider auch heute noch Tag für Tag in Deutschland und der ganzen Welt.
Hier zeigt der Film welche seelische Entwicklung ein Mensch, der solche Dinge erlebt hat, durchleben kann. Während sich die einen [meist Frauen] verkriechen und fast keine Menschen an sich heranlassen, lassen andere [meist Männer] ihren Aggressionen [die wohl aus ihrem fehlenden Selbstwertgefühl erwachsen] freien Lauf.
Auf jeden Fall wird klar, dass ein Mensch mit solchen Erlebnissen dringen seelische Hilfe braucht.
Fraglich finde ich nur ob ein Mensch, der eine solche Kindheit hinter sich hat in so kurzer Zeit [wie man bei dem Film den Eindruck haben kann] sein Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl wieder aufbauen kann.
Auch wirkt das Treffen mit der Familie seiner Mutter ein wenig dick aufgetragen.
Keiner von ihnen außer seiner Mutter selbst zeigt auch nur die kleinste Ablehnung ihm gegenüber, obwohl sie ihn noch gar nicht wirklich kenne.
Ganz im Gegenteil sie nehmen ihn in ihrer Mitte auf, als würde sie ihn schon ewig kennen und nicht erst seit ein paar Stunden.
Genugtuung empfindet der Zuschauer wenn Antwone sich seiner ehemaligen Pflegemutter und deren Tochter, die ihn beide in seiner Kindheit so verletzt haben, stellt.
Der Zuschauer fühlt mit ihm und bewundert ihn ein wenig, wenn er selbstbewusst vor ihnen steht und sagt dass sie ihn nicht zerbrechen konnten „Ich stehe immer noch.“
Schauspielerisch ist der Film sehr gut besetzt. Da ist zum einen Oscar Preisträger Denzel Washington, der sich mit der Nebenrolle begnügt. Er zeigt zwar die gewohnte Leinwandpräsenz und die bekannte gute schauspielerische Leistung, hält sich aber zurück um dem Hauptdarsteller Derek Luke den benötigten Platz für die Entfaltung seiner Rolle zu geben.
Und obwohl Derek Luke vorher erst einmal in einer Statistenrolle vor der Kamera stand, gelingt es ihm in seiner Rolle vollkommen zu überzeugen. Aber auch Joy Bryat (Honey, 3 Way) und Salli Richardson (Mo´Money) sind gut besetzt und können in ihren Rollen überzeugen.
Die Filmmusik ist gut ausgesucht und kann zu Atmosphäre des Films beitragen.
Auch die Drehorte des Films wirken immer passend. So begeht die Pflegemutter die Misshandlungen ihrer Schützlinge im düsteren Keller [passend zum düsteren und traurigen Teil von Antwones Leben], während bei Atwones Begegnung mit Cheryl die Sonne scheint [passend zum glücklichen und hellen Teil seines Lebens].
Die DVD verfügt über ein sehr gutes Bild und einen sehr guten Ton. Zudem verfügt sie über einiges interessantes Bonusmaterial und ist in vielen Geschäften schon für unter 10 Euro erhältlich.
„Antwone Fisher“ ist allen zu empfehlen, die Dramen mit ernsthaftem Hintergrund mögen.
>>Bewertung<<
Der Film selbst erhält von mir wegen der Story, der guten Schauspielern, dem aber ein wenig zu glatten und kitschigem Ende 4 von 5 Punkten.
Die DVD selbst erhält von mir wegen der sehr guten Bild- und Tonqualität, dem interessanten Bonusmaterials und dem günstigen Preis 4,5 von 5 Punkten.
Dies ergibt in der Gesamtwertung sehr gute 4 von 5 Sternen
Den Kauf der DV kann ich empfehlen.
Vielen Dank fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren.
Euch allen noch einen schönen Tag.
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Who will cry for the little boy?
ein Testbericht von Kanyoka2007-09-16 21:41:14vom 16.09.2007Empfehlung:Vorteile: Wahre Geschichte; Gute Schauspieler; Ergreifend; Emotional...Nachteile/Kritik: -
Auf den ersten Blick sehen viele Menschen glücklich und zufrieden aus. Sie scheinen ein geregeltes Leben zu führen, Freunde zu haben, mit ihren Problemen schier mühelos zurechtzukommen. So auch der 25-Jährige Soldat Antwone „Fish“ Fisher. Er ist fein gekleidet, sehr gebildet, spricht mehrere Sprachen und macht insgesamt einen sehr souveränen Eindruck – aber eben nur auf den ersten Blick. Näher betrachtet stellt sich schnell heraus, dass er ein großes, leicht ersichtliches Problem hat; seinen Zorn. Den kann er nämlich nicht zügeln, geschweige denn unter Kontrolle halten. Kleinere Sticheleien, selbst wenn sie spaßeshalber geschehen, lässt er sich nicht gefallen, sondern verliert die Fassung und lässt seine Fäuste sprechen. Dies handelte ihm in der Vergangenheit schon viel Ärger ein. Als er früh Morgens beim Duschen einen Mannschaftskameraden schlägt, der ihn vorher etwas provoziert hat, reicht es seinem ranghöheren Offizier. Als Konsequenz degradiert er Fisher nicht nur, sondern verleiht ihm Ausgangssperre und schickt ihn für drei Sitzungen zum Bordpsychiater Doktor Davenport.
Um nicht von der Navy suspendiert zu werden, nimmt Fish Platz auf dem Sessel des Seelenklempners, allerdings weigert er sich zunächst, auch nur ein Wort zu sagen. Nachdem ihm der Doktor weiß macht, dass die Sitzungen erst dann beginnen, wenn ein Dialog stattfindet, entschließt sich Antwone doch für eine Konversation. Er erzählt zuerst ein wenig über sich, ohne aber ins Detail zu gehen oder zu viel zu verraten. Der Psychiater lässt jedoch nicht locker und will mehr über seinen neuen Patienten erfahren, nicht nur des Berichtes wegen, den er anschließend schreiben muss und der wahrscheinlich über Fishers Zukunft bei der Navy entscheidet. Bei der vorletzten Sitzung beginnt der Junge seine Vergangenheit zu offenbaren, dabei kommen schreckliche, grausame und traumatische Tatsachen ans Licht, die die Wutausbrüche erklären. Aber es bleibt nur noch eine Sitzung, um dies zu behandeln..
---> Täuschende Idylle
Der Film beginnt mit wunderschönen Aufnahmen eines gelblichen Kornfeldes, wo ein kleiner Junge scheinbar fröhlich zu einem Haus rennt. Dort wird er von mehreren Personen wortlos begrüßt, was die ersten Fragen aufwirft. Wer sind die Leute? Wer ist der Junge? In welcher Beziehung stehen sie zueinander? Das alles wird schon wenig später vollständig beantwortet. Danach wird nichts mehr durch schöne Bilder verschönert, sondern in die harte Realität von Antwone Fisher eingegangen.
Der erste Wutausbruch von Fish wird euch vor Augen geführt, bei dem mir schon klar wurde, dass das Werk ein sehr hohes Niveau hat. Derek Luke, der Antwone Fisher spielt, ist von Anfang an glaubwürdig. Es ist, als sei er tatsächlich verdammt wütend und hätte Lust, diese Wut herauszulassen. Dabei kommt er aber trotzdem sehr verkrampft herüber, als würde er sich gegen etwas wehren wollen – vielleicht Gedanken, Emotionen, Erinnerungen.
---> Setzen Sie sich
Nachdem Fish degradiert wurde, muss er sich beim Psychiater melden. Das ist natürlich eine unangenehme Situation, einer Person, die er gar nicht kennt, seine größten Probleme und tiefsten Erinnerungen erzählen zu müssen. Darum setzt er sich zwar in die Praxis von Dr. Davenport, weigert sich die ersten Sitzungen aber, etwas zu sagen. Es ist nun aber nicht so, dass Davenport ihn deshalb nervt
und zwingen möchte, zu sprechen. Vielmehr geht er einfach seiner anderen Arbeit nach, ohne seinen neuen schweigenden Patienten großartig zu beachten. Zwischendurch gibt er ihm jedoch eine kleine Information, nämlich dass die drei Pflichtsitzungen erst dann beginnen, wenn ein Dialog stattfindet.
Das heißt also, sie könnten dort wochen- und monatelang stillschweigend herumsitzen. Das sieht Antwone als Zeitverschwendung an und fragt letztlich „Was wollen Sie denn wissen?“
---> Reise in die Vergangenheit
Nun, da Fisher sich offenbart, beginnt die düstere, traurige, erschütternde und insgesamt durch Emotionen geleitete Handlung. Während bisweilen Antwone eher als wütender, wenngleich auch schüchterner Mann dargestellt wurde, geht es nun daran, herauszufinden, wieso er ist, wie er ist.
Es ist dann gar so, als würdet ihr mit im Zimmer sitzen und die Gespräche zwischen den beiden hautnah mithören. Zuerst fängt Fisher mit relativ oberflächlichem Kram an, der dann durch eine bestimmte Antwort unterbrochen wird. Auf die Frage „Wo kommen Sie her, Fisher?“ antwortet dieser „Vom unterm Stein.“ Gut, später stellt sich heraus, dass er das nur so dahergesagt hat, aber immerhin hat der Doktor zu seinem Satz viele Interpretationen parat. Wie zum Beispiel, dass sich Fish durch etwas bedrückt fühlt, als würde ein Stein auf ihm lasten. Was der Doc da noch nicht weiß ist, dass er damit gar nicht so falsch liegt.
Antwone wollte ursprünglich nur drei Sitzungen halten, darauf hoffend, eine Empfehlung zu bekommen, die bestenfalls bewirkt, dass er eine letzte Chance bei der Navy bekommt. Je mehr er aber in seine Vergangenheit, genauer gesagt seine frühe Kindheit eingeht, desto verbundener scheint er sich mit dem Psychiater zu fühlen.
---> NOCH BIN ICH DA!
Die Veränderung Antwones durch die Sitzungen sind seh- und spürbar. Seine Gefühle und seine Wut wird dem Zuschauer mit zunehmenden Wissen bewusster und nachvollziehbarer, was mir besonders gefiel. Anfangs ist er augenscheinlich ein unkontrollierter Raufbold, was sich im Laufe des Geschehens verflüssigt. Er wird zunehmend stärker, kontrollierter, präziser und weiß, was er will.
Auf der Suche nach einer Lösung für sein Problem, entwickelt er außerdem ein vorher nicht dagewesenes Selbstbewusstsein. Obwohl er seine Wut noch immer nicht vollständig unter Kontrolle hat, bemüht er sich, seine Streitigkeiten (insbesondere was seine Vergangenheit betrifft) mit Worten zu lösen, sich dabei aber keinesfalls unterbuttern zu lassen. Sehr ergreifend fand ich das Zusammentreffen mit einer wichtigen Person aus seiner Kindheit, der er offen ins Gesicht schreit: „ICH BIN NOCH DA!“
---> VORSICHT – SPOILER!
(Nur lesen, falls ihr den Film bereits gesehen habt!)
Seine wahre Stärke zeigt Antwone beim Treffen mit seiner Pflegemutter, die ihn sogleich wieder bei sich aufnehmen möchte. Er aber sagt, dass er nun erwachsen sei und nur nach Informationen über seine richtige Familie sucht. Die Art, wie er sich gegenüber ihr artikuliert, beeindruckt mich. Bedenkt man, was sie ihm während seiner Kindheit angetan hat, so ist es beachtlich, dass er sich nur mit Worten wehrt.
Die anschließende Suche, mitsamt seiner neuen Freundin, nach seiner Verwandtschaft über Telefonbücher ist realistisch – das er sie dann auch noch findet, ist ein wenig so, als habe man es sich einfach gemacht. Der Film basiert allerdings auf wahren Begebenheiten, so dass das kein negativer Aspekt ist.
Gegen Ende, als er seine richtige Mutter aufsucht, ist es dann überraschend, wie wenig Liebe von beiden Parteien gegeben wird. Keine innigen Umarmungen, sondern auf Distanz halten sie sich und sprechen kaum miteinander. Dies ist eine der vielen traurigen Momente des Streifens. Als sich dann schlussendlich klärt, dass Fish im Waisenhaus war, weil seine Mutter inhaftiert war und sein leiblicher Vater erschossen wurde, er dann von seiner Pflegefamilie misshandelt wurde und den Tod seines besten Freundes mit ansehen musste, sind seine Wutattaken und Emotionen voll und ganz zu verstehen.
Dass er bei seinem Weg auch dem Psychiater Davenport geholfen hat, mit seinen Eheproblemen fertig zu werden, hat mich überrascht. Ich hatte beim vorherigen Filmverlauf nicht den Eindruck, dass sich der Arzt um die Unzufriedenheit seiner Gattin großartig kümmert.
Wie Antwone dann auch noch von seiner restlichen, leiblichen Familie empfangen und begrüßt wird, ist einfach wunderbar. Herzlich, berührend, schön. Besonders die letzte Szene, in der eine ältere Dame seine Hände in die ihre legen möchte, ist klasse und zeigt eine tiefe Verbundenheit, die wohl schon immer existiert und nur darauf gewartet hat, dass sie beachtet wird.
SPOILER ENDE!
---> Who will cry for the little boy?
Im Film kommt ein Gedicht vor, das Antwone selbst geschrieben hat. Es soll ein Geschenk sein, an wen und warum verrate ich an dieser Stelle nicht. Das Gedicht lautet wie folgt und regt, so denke ich, zum Nachdenken an:
Who will cry for the little boy?
Lost and all alone.
Who will cry for the little boy?
Abandoned without his own?
Who will cry for the little boy?
He cried himself to sleep.
Who will cry for the little boy?
He never had for keeps.
Who will cry for the little boy?
He walked the burning sand.
Who will cry for the little boy?
The boy inside the man.
Who will cry for the little boy?
Who knows well hurt and pain.
Who will cry for the little boy?
He died again and again.
Who will cry for the little boy?
A good boy he tried to be.
Who will cry for the little boy?
Who cries inside of me?
---> Über die DVD/den Film
Der Film dauert insgesamt 115 Minuten und ist freigegeben ab sechs Jahren. Regie führte Denzel Washington, der zugleich auch in die Rolle des Psychiaters Doktor Jerome Davenport schlüpft und diesen brillant verkörpert.
Die beinhaltet DVD zwei Tonspuren, nämlich Deutsch (5.1) sowie Englisch (5.1), ebenso wie die Untertitel in den Sprachen Deutsch, Englisch, und Deutsch für Hörgeschädigte. Das Menü ist ebenfalls in Deutsch und Englisch verfügbar.
Als Zusatzmaterial gibt es Audiokommentare von Denzel Washington, dem Produzent Todd Black, sowie ein vierzehnminütiges Video von dem wahren Antwone Fisher (der Film basiert auf wahren Begebenheiten), ein zweiundzwanzigminütiges Making-Of, in dem man hinter die Kulissen sehen kann sowie ein kleiner Film über Hollywood und die U.S. Navy.
---> Fazit
Ein wunderschöner und mit Emotionen geladener Film, der zeigt, dass man sich nicht von Äußerlichkeiten beirren lassen sollte. Menschen, die glücklich aussehen, sind nicht zwangsläufig glücklich.
Die Geschichte, die hinter dem Film steckt, ist tatsächlich so passiert. Umso trauriger aber auch stärker macht es diesen Streifen. Einerseits ist es traurig zu sehen, wie so ein junger Mann regelrecht seelisch ruiniert wurde, andererseits ist es stark zu erleben, wie er mit der Hilfe des Psychiaters seine Stärke wiederfindet. Eine Gradwanderung der Gefühle.
...
XXLALF, 18.09.2007
Ein Gedanke zum Leben: In der Hast des modernen Lebens haben viele Menschen sich zu Maschinen entwickelt, deren einziger Zweck das Geldverdienen ist. Lg XXLALF
_knuddelmonster88_, 16.09.2007
Vielen Dank für die Lesung, Gegenlesung folgt. Nur etwas verspätet. LG Sara
Outkast24, 16.09.2007
Ein wunderschön geschriebener Testbericht, danke.