Judas Priest - Electric Eye
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Testberichte Judas Priest - Electric Eye

 (DVD) Musik Heavy Metal DVD
5.0 von 5
Platz 2 in der Kategorie "Musik Heavy Metal DVDs".
Bewertung: Kundenbewertung 5,00 / 5,00 5.0 von 5
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Judas Priest - Electric Eye Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

Bewertung
Kundenbewertung 5,00 / 5,00 5.0 von 5
von 100% aller Autoren empfohlen (2/2).
Bewertungsverteilung:
Vorteile
  • Sehr viel Inhalt, Gute Qualität, Guter Preis
  • Eine der besten Heavy Metal - Bands in einer rundum tollen, 145 - minütigen Werkschau inklusive Videoclips und Konzert – was will Fan mehr ! ?
Nachteile/Kritik
  • Nichts gefunden!
  • Vorsicht : der Warnhinweis auf der Rückseite des Covers ist gewiss nicht umsonst angebracht
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TJHooker

Living After Midnight!

ein Testbericht von 2004-11-13 21:18:33 vom 13.11.2004
Empfehlung: ja
Vorteile: Sehr viel Inhalt, Gute Qualität, Guter Preis...
Nachteile/Kritik: Nichts gefunden!
Hi Leute, hier ist mein erster Bericht bei Yopi!

Dass Judas Priest es nicht nur musikalisch, sondern auch optisch allen zeigt, wird spätestens mit dieser DVD klar! Sie ist natürlich ein Vorgeschmack auf das kommende Album, dass die Reunion mit Sänger Rob Halford (letztes Jahr) noch mehr ankurbeln soll. Für manche vielleicht purer Kommerz, für andere wiederum eine Möglichkeit sehr viel Priest für wenig Geld zu bekommen!
Erfreulicherweise handelt "Electric Eye" noch von der guten alten Zeit, als Judas Priest ihren Höhepunkt hatten! Sie bildeten zusammen mit Iron Maiden die Spitze des britischen Heavy Metal und sorgten für überfüllte Konzerthallen und Stadien. Die Atmosphäre war gigantisch, genau wie die Spielfreude! Und glücklicherweise bekommt man hier sehr viel davon mit...

Zunächst etwas über den Inhalt. Die DVD kostet 17.99 € durchschnittlich, ich hab sie bei "Müller" für nur 14.99 €, was natürlich ganz gut ist! Den Preis hat man mindestens schonmal drin, wenn man die Musikvideos einbezieht! Es sind nämlich die wohl 13 wichtigsten Videos drauf! Dann gibts da noch ein wunderbares Konzert von 1986 ("Priest...live!"), dass schon als CD erhältlich war. Es besteht aus 18 Songs (von der "Fuel For Live"-Tour), welche in Dallas aufgenommen wurden. Damit nicht genug: es gibt noch 6 TV-Auftritte aus den BBC Archiven! Als letzten Happen ist da noch die Diskografie. Nicht nur alle Alben, sondern auch ein komplettes Lied pro Album wird abgespielt!
Die DVD-Aufmachung ist gut gemacht worden. Man sieht das "Electric Eye" mit futuristischem Hintergrund und Desgin. Das Booklet hat eigentlich alles drin, was man braucht. Die Tracklisten für alle Inhalte sind angegeben. Außerdem noch ne kleine Story auf Englisch zur DVD. Und ein paar Bilder von Video- und Konzertausschnitten.

MUSIKVIDEOS

1 Living After Midnight - ein grandioser Beginn mit Drums! Halford kommt vor die Halle mit seinem Motorrad, die Gitarristen in der Zeit auf der Bühne los. Halford stürmt auf die Bühne und performt seine Show. Ein Priest Klassiker muss natürlich auch ein Videoklassiker sein! Die Band hat ihre Fans wenigstens noch gewissenhaft ausgewählt, nicht wie heute...

2 Breakin' The Law - Vielleicht das wichtigste Video, denn dieser Meilenstein braucht natürlich auch einen Meilenstein im Berich von Musikvideos! Halford sitzt im Auto und möchte aus seinem tristen Alltag heraus, die Lösung: ein Banküberfall! Seine Gitarristen entledigen sich derweil ihrer geistlichen Kleidung. Dann stürmen die drei die Bank und "bedrohen" die Leute mit ihren Gitarren --> was einfach nur geil gemacht ist!

3 Don't Go - Eine etwas leichtere Nummer folgt jetzt, eher rhythmisch bedacht. Einfallsreich, dass nach und nach die Bandmitglieder gehen und Rob ruft ihnen nur noch mit "Don't Go" nach. Witzig gemacht und etwas bizarr auch. Halford sieht in jedem Video vollkommen anders aus! Er sah nie vollkommen gleich aus. Aber so schwul, wie er hier aussah..., denn er trägt eine Ledermütze und hat einen Schnauzer! Aber ein gutes Video!

4 Heading Out To The Highway - Das Design des Albums "Point Of Entry" kommt hier voll zur Geltung. Die Band befindet sich in einem Raum mit unnatürlich rotem Himmel. Ein sehr guter Song, den klassische Priest Fans wie (eigentlich) lieben sollten!

5 Hot Rockin' - Oh, es beginnt sehr homo... . Judas Priest trainieren im Fitnessstudio, dannach befinden sie sich in der Dusche. Witzig: Rob Halford stürzt zur Tür herein und singt die Vocals! Dann geht es weiter zu ihrem Gig mit dem Auto. Sie stehen dann auf der Bühne und nach und nach geht alles in Flammen auf (Gitarren, Drums, sogar Halford)! Also auch das hier ist wieder sehr schön und aufwändig in Szene gesetzt!

6 You've Got Another Thing Comin' - Noch ein Klassiker auf Video. Diesmal steht die Band auf einer Bühne, am Rande der Stadt, um "Lautstärketests" durchzuführen! Sie spielen die ganze Zeit ihren Song, irgendwann tauch dann ein Mann auf, dessen "Lautstärkemessunggerät" ausbricht! Und auf wundersame Weise wird dann dieser Mann gesprengt und ihm fallen auch noch die Hosen runter *g*... Nicht schlecht das Video, aber nicht überragend!

7 Freewheel Burning - Ein schneller Song, ausgerichtet auf die beiden Leadgitarristen, die mit Soli glänzen können. Nicht das anspruchsvollste Video, allzuviel wird auch nicht geboten, es ist ein typisches "Band steht auf der Bühne, um Song zu performen"-Video. Aber das heißt nicht, dass es schlecht ist!

8 Love Bites - Der Titel dürfte einigen Leuten von anderen Bands als Ballade bekannt sein! Das ist aber ein ganz anderer Song, mit sehr viel Härte. Die Atmosphäre ist sehr düster und so tritt auch die Band etwas geheimnisvoll auf. Es ist auch wieder ein Bühnenvideo.

9 Locked In - Eines der besten Videos! Aber auf alle Fälle das Aufwändigste! Es ist sogar wie ein kleiner Film gemacht. Das Album "Turbo" ist themenhaft mit Endzeitstimmung behaftet, sodass extra futuristische Endzeit-Designs gestaltet wurden! Halford ist hier in Gefangenschaft von lustigen Skeletten mit Frauen als Schergen geraten. Und seine Band, gut wie sie sind, holen ihn da wieder raus. Sie starten Ablenkungsmanöver und holen ihn dann raus! Einfach nur stark gemacht, das Video! Und der gute Rob Halford sieht hier auch mal anständig aus (ich meine, wie ein Hollywoodstar).

10 Turbo Lover - Ein experimentierfreudiger Song mit elektrischen Effekten. Auch das Video (Album "Turbo") weiß wieder zu begeistern. Das Bild ist eher wie ein Negativ gemacht. Die Band flüchtet auf ihren Motorrädern vor den Skeletten aus dem letzten Video. Irgendwann tauch dann Halford vor dem Bildschirm auf und singt den Refrain. Ein schönes Video, abwechslungsreich und mit visuellen Effekten!

11 Johnny B Goode - Das Chuck Berry Cover ist einer meiner Lieblingssongs! Das Video ist in schwarz weiß, wie alle nachfolgenden Videos, vielleicht war das zu dieser Zeit besonders "in". Die Band steht auf der Bühne und performt vor einer handvoll Fans ihren Song. Wie immer mit reichlich Show und Spielfreude.

12 Painkiller - Der Song war der erneute Höhepunkt der Priester. Auch das Video ist einzigartig und benutzt eine zu dieser Zeit noch relativ neue Technik. Es folgen immer sehr schnelle Bilder, passend zum schnellen Ablauf des Songs. Starke, grelle Lichteffekte hauen einem auch noch ins Gesicht. Man wird schon etwas verrückt, wenn man sich das ansieht. Es wird im Booklet auch davor gewarnt, dass die visuellen Effekte bei Epileptikern u.a. Anfälle hervorrufen können.

13 Touch Of Evil - Ist eigentlich ein gutes Ende. Ein bizarres Schwarz-Weiß-Video. Eigentlich weiß ich nicht so genau, um was es genau geht, es werden jedenfalls Bilder gezeigt, wie einem kleinen Jungen eine Schlange gezeigt wird, vor der er Angst hat und so'n Zeug. Aber gut und abwechslungreich, vielleicht sogar ein Open-End...


KONZERT

Was muss ein aufgenommenes Konzert bieten? Natürlich reichlich Stimmung und Show müssen aufgefangen werden! Und das kann zum Glück "Priest...Live!" bieten! Das schönste bei einem Konzert ist für mich immer der Anfang. Der muss für mich schwungvoll, stimmungsvoll und vielleicht sogar etwas geheimnisvoll wirken. Das bietet der Start auch mit "Out In The Cold"!
Die Show ist stark gemacht. Die Gitarristen befinden sich in allerbester Spiellaune und Halford's Stimme lässt zu keiner Zeit zu wünschen übrig (finde ich). Zum Beispiel gibt es ein riesiges "Gerät" nenn ich's mal, eine Art Roboter, der beim Song "Electric Eye" (der muss ja auch was besonderes sein) aus dem Boden kommt. Der hat auch Greifarme, mit denen Rob eingefangen wird. Cool ist, dass er den ganzen Song über sich im Greifarm befindet und dort weiter singt.
Weitere Highlights sind z.B. die Treppe, auf denen die Gitarristen einige Zeit spielen (die Treppen werden in die Höhe transportiert und die beiden spielen dort weiter). Aber auch das Synchronspiel mit Synchronbewegungen der Marke "Status Quo" sind an der Tagesordnung!
Die Songauswahl ist sehr gut gemacht! Die Songs sind zur rechten Zeit gespielt worden. Und jeder Song könnte ein Opener sein! Diese Stimmung kommt immer wieder auf, immer wieder wird nämlich der vorher genannte "Opening"-Effekt angestrebt!
Es finden sich (bereits zu dieser Zeit) Klassiker auf dem Konzert, aber auch (zu dieser Zeit) akutelle Songs wie "Turbo Lover" und "Locked In".
Die Qualität des Sounds ist relativ gut. Es ist eine Mischung zwischen Stimmung und Spiel, sodass keines der beiden verloren geht und das andere dominiert! Auch das Bild ist gut, nicht perfekt, aber weder verschwommen, noch mit Fehlern.

1 Out In The Cold
2 Locked In
3 Heading Out To The Highway
4 Breakin' The Law
5 Love Bites
6 Some Heads Are Gonna Roll
7 The Sentinel
8 Private Property
9 Desert Plains
10 Rock You All Around The World
11 Hellion/Electric Eye
12 Turbo Lover
13 Freewheel Burning
14 The Green Manalishi
15 Parental Guidance
16 Living After Midnight
17 You've Got Another Thing Comin'
Zugabe: 18 Hell Bent For Leather
Die Credits werden mit "Metal Gods" unterlegt.


TV-AUFTRITTE

Ein sehr schöner Bonus sind die alten BBC Archiv Aufnahmen! Die ersten zwei ("Rocka Rolla" und "Dreamer Deceiver") zeigen die Band in ihren Anfängen. Professionell zwar, aber noch etwas verhalten. Es war noch Rock N Roll, bzw ist Dreamer Deceiver eher art-rock-mäßig. Und Halford hat lange, gelockte Haare!
Die anderen Performances fanden in "Top Of The Pops" statt. Zu dieser Zeit war zwar noch gute Musik dort angesagt, aber leider waren unter den Zuschauern schon viele Pop-Prinzchen und -Prinzesschen! Aber die Show und auch Qualität der Priester ist natürlich auch hier wieder gut. Sie spielen "Take On The World", "Evening Star", "Living After Midnight" und "United".


FAZIT

Auf alle Fälle zugreifen, wenn man nur auf Rock steht! Für eine gemäßigte Summe wird sehr viel geboten! Man erlebt die Geschichte der Band praktisch noch einmal mit. "Electric Eye" zeigt Judas Priest außerdem auf ihrem Höhepunkt und macht eben Lust auf mehr. Zum Beispiel auf das kommende Album! Die Qualität ist stets gut und es wurde sich Mühe gegeben, die DVD abwechslungsreich und schön zu gestalten! ALLERBESTE WARE!!!

ROCK N ROLL GREETINGS FROM TJHooker
...
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Gemeinwesen

Altmetall-Liebe rostet nicht

ein Testbericht von 2006-04-23 15:04:15 vom 23.04.2006
Empfehlung: ja
Vorteile: Eine der besten Heavy Metal - Bands in einer rundum tollen, 145 - minütigen Werkschau inklusive Videoclips und Konzert – was will Fan mehr ! ? ...
Nachteile/Kritik: Vorsicht : der Warnhinweis auf der Rückseite des Covers ist gewiss nicht umsonst angebracht
„Wer mit 14 kein Fan der Kelly Family war, der hat kein Herz.
Und wer mit 24 immer noch Fan der Kelly Family ist, hat kein Ohr.“


(frei nach einem Winston Churchill zugeschriebenen Ausspruch)


„Nimm’s nicht so schwer, einmal ist es vorbei,
Einmal kannst auch du wieder lachen!
Wir alle hatten Schwierigkeiten mit der Pubertät,
Lala-lala-lala-la-la!“


(Helge Schneider: „Nimm’s nicht so schwer")


„I’m your turbo lover
Tell me there’s no other
I’m your turbo lover
Better run for cover“


(Judas Priest: “Turbo Lover”)




Die Zeit des Heranwachsens ist eine schwierige Zeit. Für den Heranwachsenden, aber auch für seine Umgebung.

Plötzlich nämlich ist Schluss mit lustig: Das zum Erwachsenen reifende Kind wechselt Haarschnitt und Freundeskreis, räumt die Tonträger mit den „???“-Hörspielen beiseite und schafft im Regal Platz für Bands, die Eltern die Augen verdrehen lassen. Bestenfalls drohen die ja sogar gleich mit Sanktionen („Sowas kommt mir nicht ins Haus!“), und wenn dem so ist, ist das auch gut so. Unter anderem ist auch das Sinn und Zweck der Übung Pubertät, und wer die nicht in jungen Jahren hinter sich bringt, der hat es hinterher mit ihr umso schwerer: Musik-Interessierte kennen das auch als „18 till I die“-Syndrom.

Der heranwachsende Mensch legt sich also nach Kräften mit seinen Erziehungsberechtigten an, und mit ein bisschen Glück legt er sich in dieser Zeit Tonträger zu, angesichts derer nicht er irgendwann die Augen verdreht und beschließt, dass so was schnellstens außer Haus gehört. Eine junge Dame, der ich vor vielen Jahren einmal Nachhilfestunden gab, trieb ihre Eltern zum Beispiel mit „Duran Duran“ zur Verzweiflung. Ihre Mutter, eine brave Hausfrau aus dem Süddeutschen, machte sich angesichts der bis aufs letzte Eckchen mit Bandpostern und Autogrammkarten tapezierten Kinderzimmerwand natürlich Sorgen um die einzige Tochter: „Mei, des geht so von morgens bisch abends – immer nur ‚Du, ’ran! Du, ’ran’! Müsset mer uns da net Sorge mache?“

Nein. Mussten sie natürlich nicht. Als ich das liebwerte Töchterlein wenige Jahre später wiedertraf, verdrehte es auf die Frage danach, ob denn immer noch „Duran Duran“ das Höchste für sie seien, die hübschen Äuglein und flötete: „Ach, was! Schon lange nicht mehr!“ (Und es war ihr deutlich anzusehen, dass ihr die Frage mehr als nur ein bisschen unangenehm war.)

Mit anderen Worten: Das Frollein war wohl aus dem Alter ’raus, in dem man, frau, mensch die Wand des Jugendzimmers mit Bravo-Starschnitten tapeziert, in lautstarke Beifallsbekundungen ausbricht, wann immer auch nur der Name der Lieblingsband fällt oder man die Frontperson der fraglichen Combo gegen jegliche herabwürdigende oder auch nur in herabwürdigender Absicht geäußerte Bemerkung in Schutz nimmt – und zwar so engagiert, als gelte es vor Gericht als Leumundszeuge für den besten Freund aufzutreten.

Irgendwann schließt sich das Zeitfenster der Pubertät. Manchem ist dann beim Blick auf die bis eben noch heiß geliebte Tonträgersammlung wohl so, als erwache er aus einem bösen Traum: Die „Kelly Family“? Wie konnte man nur! „Modern Talking“? Grauen! Für meine schlimmste Geschmacksverirrung halte ich übrigens den Kauf einer Single mit dem Titel „Pass the Dutchie“ von einer Band mit dem bezeichnenden Namen „Musical Youth“: Ich könnte mich vielleicht darauf hinausreden, ich hätte den Akzent der Sänger damals irgendwie interessant gefunden. Ich könnte behaupten, ich hätte mir die Single nur zugelegt, weil ich damals schon gewusst habe, dass das Stück eine Neuauflage eines Songs ist, in dem es ursprünglich um Marihuana geht. Ich könnte vorgeben, ein ausgemachter Reggae-Fan mit Interesse an Nachwuchsbands zu sein. Die Wahrheit ist und bleibt aber: Ich muss den „Jackson 5“-Abklatsch „Musical Youth“ damals wohl irgendwie gut gefunden haben.

In der Folge habe ich dann eine Vorliebe für Boygroups aus dem Bereich der gebrüllten Musik entwickelt, und ich muss gestehen: Der Spaß an der Musik von Iron Maiden, Motörhead und anderen Vertretern aus dem Lager der Schwiegermutterschrecks ist mir bis heute nicht vergangen. Ich verstehe, was ich an „Kapellen“ (so die unter Fans geläufige Ausdrucksweise; maßgeblich geprägt vom Zentralorgan der Szene ‚[Metal] Hammer’ – eine Art „Bravo“ für Fans des organisierten Radaus) wie „Manowar“ (deren Konzerte sich man in etwa so vorstellen muss, als hätten die „Chippendales“-Stripper „Conan, der Barbar“ als Rockoper inszeniert), „Saxon“, „Twisted Sister“, „Wasp“ und „Accept“ (deren „Shouter“ neben dem Sänger von AC/DC einer der wenigen Menschen ist, der das Kunststück beherrscht, sich gleichzeitig zu räuspern und dabei einen Refrain zu singen) gefunden habe, ich weiß, warum ich deren Platten gekauft habe, und ich weiß, warum bisher auch keine von denen je bei „ebay“ gelandet ist.

Lemmy Kilmister, der seines Zeichens Bassist und Sänger der Band „Motörhead“ ist und auch schon mal als „the thinking person’s Ozzy Osbourne” bezeichnet wurde, hat auf die Frage nach dem musikalischen Stil der von ihm gegründeten Band einmal geantwortet, Motörhead spielten Rock’n Roll, hätten schon immer Rock’n Roll gespielt und würden auch in der Zukunft Rock’n Roll spielen.

Ich finde, das ist eine sehr vernünftige Aussage, die ganz nebenbei die schnell wechselnden Etikettierungen diverser Spielarten des Rock’n Roll als „Death Metal“, „Grunge“ oder „Was-weiß-denn-ich-wie-sich-das-in-dieser-Sa ison-schimpft-Rock“ als Wortschöpfungen mehr oder minder verzweifelter Angehöriger von Marketingabteilungen entlarvt: Art Rock, Prog Rock, Hard Rock, Album Oriented Rock – letztlich sind das Labels für ein und dieselbe Klamotte „Rock“, die mal mehr, mal weniger schick, experimentierfreudig, laut, schrill, kurz oder lang auf den musikalischen Laufsteg geschickt wird.

Grundsätzlich ist Rock’n Roll Ausdruck eines Lebensgefühls, und zwar eines jugendlichen Lebensgefühls. Rock’n Roll ist Musik für Halbstarke. Rock’n Roll ist Ausdruck des Aufbegehren gegen Normen, ist Tabuverletzung und hat, gefälligst, laut und aufmüpfig zu sein. Genau das ist natürlich auch der Grund für die Glaubwürdigkeitsprobleme, mit denen zum Beispiel der hier zu Lande ungemein populäre Knödeltenor Helmut Lotti zu kämpfen hat, wenn er den Bädertournee-Elvis mimt und ein Album mit dem Titel „My Tribute to the King“ veröffentlicht.

Der in den Staaten bekannteste Elvis-Verschnitt dürfte hingegen Pat Boone sein: Der hat seine Glanzzeit zwar schon längst hinter sich, wollte es aber jüngst wohl noch mal richtig wissen und warf eine CD mit dem schönen Titel „In a Metal Mood: No More Mr. Nice Guy“ auf den Markt, die, unter anderem, auch mit einer nachgerade verstörenden Version des Judas Priest-Klassikers „You’ve Got Another Thing Comin’“ aufwartet. Bei Pat Boone wird aus dem kantigen Original von einem der Flaggschiffe der „New Wave of British Heavy Metal“, die in den 80ern über die Popwelt hereinbrach, ein Stück im Las Vegas-Sound: Das ist die Art von Musik, zu der Pferde durch die Zirkusarena getrieben werden, Tiger dressiert oder Kaninchen aus dem Zylinderhut gezogen werden.

Und warum auch nicht?

Judas Priest haben schließlich im Laufe ihrer mittlerweile mehr als 30 Jahre umspannenden Bandgeschichte selbst die eine oder andere Coverversion eingespielt: Einer ihrer größten Hits, „Green Manalishi“, stammt von Fleetwood Mac, mit „Diamonds and Rust“ haben Judas Priest gezeigt, wie man eine Ballade von Joan Baez gekonnt fürs Hardrock-Publikum neu arrangiert und „Johnny B. Goode“ ist natürlich neben dem Bekenntnis zu den eigenen musikalischen Wurzeln auch eine Verneigung vor einem der ganz Großen des Rock’n Roll.

Der „Green Manalishi“, ein Evergreen im Live Set der Band, sowie Chuck Berrys „Johnny B. Goode“ haben auch ihren Weg auf die DVD „Electric Eye“ gefunden – ersteres gibt’s live und wird im Rahmen des 1986 während der „Fuel for Life“ Tour entstandenen, rund 90-minütigen Konzertmitschnitts dargeboten, „Johnny B. Goode“ ist eines von 13 Videos, die sich auf der DVD unter dem Menüpunkt „Promos“ anwählen lassen.

Die Abteilungen „Videoclips“ und „Konzert“ bilden denn auch die Löwenanteile des 145-minütigen DVD-Erlebnisses – und weil dem so ist, wurde löblicherweise der ursprüngliche Stereo-Sound in beiden Fällen zur Dolby 5.1-Klangkulisse aufpoliert. Als Zugabe gibt’s dann außerdem noch sieben Mitschnitte von Auftritten, die die Band zwischen 1975 und 1984 in verschiedenen Sendungen der BBC absolvierte.

Fans, die mit der Band groß geworden sind, werden den Konzertteil ohne Zweifel bereits kennen – in großen Teilen sind die Aufnahmen, die es hier zu hören und eben auch zu sehen gibt, identisch mit den 15 Tracks der 1987 unter dem Titel „Priest … live!“ und kürzlich als „Expanded Version“ mit drei zusätzlichen Stücken („Screaming for Vengeance“, „Rock Hard, Ride Free“, „Hell Bent for Leather“) neu veröffentlichten CD.

Alter Wein in neuen Schläuchen also?

Meines Erachtens: Nein.

Auch wer „Priest … live!“, ob als CD, als „Expanded CD“ oder seinerzeit im Format VHS veröffentlichtes Video, bereits im Schrank stehen hat, dürfte sich darüber freuen, die altbekannten Konzertaufnahmen im neuen Klang zu erleben: Gerade dem für die 80er Priest-Titel typischen, wuchtigen Sound von Stücken wie dem Opener „Out in the Cold“ oder dem Titelstück des 1985er Albums „Turbo Lover“ bekommt die neue Abmischung gut – die Stücke von „Priest … live!“ kannte man schon 1986, aber im Jahr 2004 klingen sie druckvoller denn je.

Wahre Fans indes werden sich den Inhalt von „Electric Eye“ ohnehin nicht erst lange schönreden müssen, sondern dürfen sich getrost der sprichwörtlichen Wiedersehensfreude hingeben: allein die „Promo“-Videos auf „Electric Eye“ sind, finde ich, schon ein guter Kaufgrund – es stünde zu wünschen, andere Bands nähmen sich eine Veröffentlichung wie „Electric Eye“ zum Vorbild und böten ihren Fans ein ähnlich umfassendes und vergnügliches (den Clip zu „Turbo Lover“ mit seinen lustigen, animierten Skeletten und den offensichtlichen Anleihen bei „Mad Max III – Jenseits der Donnerkuppel“ wollte ich schon immer mal wieder sehen; "You've Got Another Thing Comin'", in dem Rob Halford für mich ein bisschen wie eine Mischung aus Annie Lennox und der seligen Regine Hildebrandt aussieht, finde ich auch sehr unterhaltsam) Zeitreiseprogramm, zumal es bei den für die verschiedenen Teile der DVD ausgewählten Stücken auch angenehm wenige Überschneidungen gibt.

In Ergänzung des ohnehin schon üppigen Videoprogramms bietet die DVD außerdem noch eine Discographie: In der sind nicht nur alle bisher offiziell auf CD veröffentlichten Alben der Band aufgelistet, sondern zur Abbildung eines jeden Covers nebst Tracklisting gibt's außerdem pro CD noch jeweils eine Hörprobe – und die besteht nicht etwa aus einem Stückchen Musik, das nach ein paar Sekunden ausgeblendet wird, sondern aus einem kompletten Song, so dass der geneigte Fan als zusätzliche Dreingabe auf "Electric Eye" auch noch 19 komplette Audiotracks der Band findet.



M e i n _ F a z i t

Insbesondere älteren Fans der Band dürfte das Menü auf „Electric Eye“ das Wasser im Munde zusammen laufen lassen: 13 Video-Appetithäppchen, ein Hauptgericht aus 19 während der 1986er „Fuel for Life“ Tour mitgeschnittenen Songs sowie ein Nachtisch aus sieben herrlich antiquiert wirkenden BBC-Auftritten machen die 145 Minuten lange DVD zur willkommenen Sammlungsergänzung. „Electric Eye“ bietet wirklich „Priest satt“ – und das zu einem Preis, der „Electric Eye“ im Zweifelsfalle auch zur interessanten Alternative zum Kauf einer der vorgenannten „Preist … live!“-Aufnahmen machen kann: Wer mit dem Gedanken spielt, sich in naher Zukunft eine der CD-Ausgaben zuzulegen, sollte ruhig auch „Electric Eye“ in seine Überlegungen einbeziehen.


G e g e n a n z e i g e

“Electric Eye” enthält zwar mit Sicherheit keine Spuren von Haselnüssen und gewiss auch keine satanischen Botschaften, aber trotzdem hat der Hersteller offensichtlich einen Warnhinweis für angezeigt erachtet, der an dieser Stelle nicht verschwiegen sein soll. Auf der Rückseite des Covers heißt es sinngemäß, dass in Teilen des auf der DVD enthaltenen Programms stroboskopische Effekte genutzt werden, die bei Epileptikern einen Anfall auslösen können – dieser Warnhinweis dürfte sich, so meine Vermutung, wohl in erster Linie auf den Videoclip zum Song „Painkiller“ beziehen, inwiefern andere Teile des enthaltenen Programms möglicherweise ebenfalls bedenklich sind, kann ich nicht beurteilen.


I n h a l t s ü b e r s i c h t

Videos:

1. Living After Midnight
2. Breaking The Law
3. Don't Go
4. Heading Out To The Highway
5. Hot Rockin'
6. You've Got Another Thing Comin'
7. Freewheel Burnin'
8. Love Bites
9. Locked In
10. Turbo Lover
11. Johnny B Goode
12. Painkiller
13. A Touch Of Evil

Konzert: Priest Live! Filmed in Dallas, Texas during the 1986 'Fuel For Life' Tour

1. Out In The Cold
2. Locked In
3. Heading Out To The Highway
4. Breaking The Law
5. Love Bites
6. Some Heads Are Gonna Roll
7. Sentinel
8. Private Property
9. Desert Plains
10. Rock You All Around The World
11. Hellion/Electric Eye
12. Turbo Lover
13. Freewheel Burning
14. Green Manalishi
15. Parental Guidance
16. Living After Midnight
17. Another Thing Comin'
18. Hell Bent For Leather
19. Metal Gods

Rare BBC Performances:

1. "Rocka Rolla"
(Old Grey Whistle Test 25/4/75)

2. "Dreamer Deceiver"
(Old Grey Whistle Test 25/4/75)

3. "Freewheel Burning"
(Old Grey Whistle Test 20/01/84)

4. "Take On The World"
(Top Of The Pops 25/01/79)

5. "Evening Star"
(Top Of The Pops 17/5/79)

6. "Living After Midnight"
(Top Of The Pops 27/3/80)

7. "United"
(Top Of the Pops 28/8/80)


Gesamtlaufzeit der DVD: 145 Minuten
...
Produktbewertung:Kundenbewertung 5,00 / 5,00 5
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Kommentare
Tut_Ench_Amun
Tut_Ench_Amun, 26.04.2006
Lang Lang ist039s her... ich werd mir mal wieder die olle quotUnleashed in the Eastquot-Live-CD reinhauen. Doch. Jetzt gleich. -
SeriousError
SeriousError, 23.04.2006
Ein quotsehr hilfreichquot von mir für diesen tollen Beitrag. :o Gruß SeriousError!
bodspy
bodspy, 23.04.2006
hättest von mir auch ein super Hilfreich bekommen
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