Eine Bildmontage - die Prärie, Farmen, Fast-Food Restaurants, eine Zementfabrik, Autohändler, die Universität von Wyoming - die Stadt Laramie, Wyoming offenbart sich. Eine amerikanische Kleinstadt mit einer Bevölkerung von 26 687 Einwohnern, von der ein Police-Officer sagt: " Es ist eine schöne Stadt, in der wir leben. Nette Leute - Viel Platz. Wir sind hier einer der größten Staaten des Landes, und der am wenigsten bevölkerte." Die Einwohner von Laramie sind stolz auf ihre Stadt und leben nach dem Motto "live and let live".
Was passiert einer solchen Stadt, wenn zwei von ihnen einen jungen Mann brutal missbrauchen und ihn zu Tode prügeln, mit dem Motiv "Schwulenhass"? Was passiert, wenn eine ganze Nation Anteil nimmt an dem folgenden Prozess und das Medienaufgebot alles bisher dagewesene übertrifft? Was passiert, wenn die einzige Frage, die die Reporter stellen ist: "Ist Laramie eine Stadt des Hasses gegen Homosexuelle?"
Auf diese und mehr Fragen versucht eine Theatergruppe aus New York in mehr als 200 Interviews Antworten zu finden. Sie befragen Freunde des Opfers, der Täter, Polizisten, Zeugen und einfache Einwohner der Stadt, die nach dem 6. Oktober 1998 ihre Unschuld verloren hat.
Das Theaterstück wurde erstmalig im Februar 2000 aufgeführt und ein Jahr später beginnt Regisseur Moises Kaufmann, der auch Leiter der Theatergruppe und der Befragungen war, mit der Produktion dieses Filmes. Dabei zeichnet er mit einer hochgradigen Besetzung die Interviews nach. Hollywoodschauspieler spielen also die Stadtbewohner und rezitieren die damals geführten Interviews.
Aus diesem Grunde kann man bei "The Laramie Project" nicht von einer reinen Dokumentation sprechen. Obwohl alle Interviews Wort für Wort übernommen werden, sieht man jedoch nie die wahren Gesichter der Beteiligten. Das ist ein sehr interessanter Ansatz einer Verschmelzung von Wahrheit und Fiktion, wobei man niemals den Glauben an die Authensität der Worte verliert. Zum einen liegt das am glaubwürdigen Spiel der Akteure, zum anderen vermittelt dieser Film eine Atmosphäre, die die Bedeutung eines jeden Wortes künstlerisch überhöht.
Dies ist natürlich bei jeglicher Form der Wahrheitsfindung gefährlich und auch hier muss man sich ständig vor Augen führen, das nicht alles was über dem Bildschirm flimmert ein hundertprozentiges wahres Dokument sein kann. Das wird sicher viele Kritiker finden, aber ich bin davon überzeugt, das es Moises Kaufmann nicht um die Vermittlung einer Wahrheit gegangen ist. Vielmehr zeigt sich "The Laramie Project" als Statement für Toleranz und gegen Vorurteile und Ängste. Dies schafft der Film nahtlos.
Man kann der DVD nur ein großes Publikum wünschen, denn der Film wurde vom amerikanischen Fernsehsender HBO produziert und gezeigt und ist daher dem deutschen Publikum unbekannt. Bis auf Aufführungen auf der diesjährigen Berlinale ist es die erste Möglichkeit genügend Resonanz für dieses Thema zu finden, denn was in Laramie passiert ist, kann in deutschen Städten genauso passieren und passierte sicher schon mehrmals, wenn auch ohne großes Medieninteresse.
Alles in allem ist "The Laramie Project" ein schockierender und aufrüttelnder Film über eine wahre Begebenheit. Nicht frei von Fehlern und überzogenen Wertungen, aber um so wichtiger in dessen Wirkung.
Als DVD- Specials finden sich noch eine Making-of Featurette, Interviews mit den Darstellern bei
der Sundance FilmFestival Premiere, Trailer und TV-Spots.
Originaltitel: The Laramie Project
FSK: 12 Jahre
Länge: 91 min
Land: USA 2002
Regie: Moises Kaufman
Darsteller: Christina Ricci; Steve Buscemi; Clancy Brown; Clea Duvall; Peter Fonda; Joshua Jackson; Amy Madigan; Mark Webber; Laura Linney
Audio: Dolby Digital 5.1 Deutsch/English
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Bildformat: 16:9 - 1:1,85
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Als ich die DVD zum Film "The Laramie Project" gesehen hatte, konnte ich mir nichts unter dem Titel vorstellen, allerdings kam mir der Name Laramie recht bekannt vor. Dann las ich den Namen Matthew Shepard, und alles war klar. Ich konnte mich sehr gut an diesen Mord erinnern, welcher im Jahr 1998 für großes Medieninteresse sorgte. So war diese DVD sozusagen ein Muß, denn ich fühlte mich damals wie heute sehr betroffen von diesem Fall.
Handlung
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Laramie ist eine Kleinstadt in Wyoming, USA. 1998 geschah dort ein schrecklicher Mord, denn zwei Jugendliche haben den Studenten Matthew Shepard aus Schwulenhaß grausam mißhandelt und zum Sterben an einen Weidezaun gefesselt.
Eine Theatergruppe aus New York, "Tectonic Theater Group", begibt sich nach Laramie, um dort Interviews mit den Bewohnern des Städtchen aufzuzeichnen. Es geht um die Frage: Ist Haß eine Tugend in Laramie?
Hintergrund
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Der Film beruht auf einen tatsächlichen Ereignis aus dem Jahr 1998, wo der Student Matthew Shepard (22) ermordet wurde. Er wurde in einer Bar von zwei jungen Männern angesprochen, die ihn überredeten ins Auto zu steigen. Dort wurde er von ihnen mißhandelt und schließlich an einen Weidezaun gefesselt. Am nächsten Tag wird er von einem Fahrradfahrer gefunden, der ihn zuerst für eine Vogelscheuche gehalten hat. Matthew wird ins Krankenhaus gebracht, wo er nach einigen Tagen im Koma verstirbt. Als Mörder wurden Aaron McKinney (22) und Arthur Henderson (21) angeklagt, und beide bekommen zweimal lebenslänglich.
Der Mord verursachte in den USA ein Medieninteresse, welches recht ungewöhnlich war. Es gab etliche große Demonstrationen und Trauerfeiern, wo auch immer wieder ein Hate-Crime Gesetz gefordert wurde, welches zu einer härteren Bestrafung von Haßtaten führen würde. Die Republikaner verhinderten allerdings diesen Gesetzentwurf.
Die Theatergruppe "Tectonic Theater Group" hat sich nach Laramie begeben und Interviews mit den Bewohnern ausgezeichnet. Diese Interviews dann einem Off-Broadwaystück verarbeitet, welches ziemlich erfolgreich war. Der US-Sender HBO hat dieses Theaterstück dann wiederum in einen Film umgesetzt, eben "The Laramie Project". Aber es gibt nicht die Original-Interviews zu sehen/hören, sondern die Bewohnern wurden durch Schauspieler dargestellt, welche aber den Orignaltext sprechen, u.a. Clea DuVall, Peter Fonda, Janeane Garofalo, Joshua Jackson, Camryn Manheim und Christina Ricci.
Meine Meinung
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Wo fange ich jetzt an? Zuerst muß ich sagen, daß ich noch immer sehr aufgewühlt bin durch den Film. Er macht sehr betroffen und teilweise auch wütend, und er bringt auch die Ereignisse aus dem Jahr 1998 wieder ins Bewußtsein. Irgendwie hat mich die Ermordung Mathhew Shepards sehr mitgenommen, was natürlich einerseits daran liegt, daß er ermordet wurde, weil er homosexuell war, und dann war er auch noch genau in meinem Alter. Prinzipiell hätte ich also auch das Opfer sein können, und das schockiert schon irgendwie.
Nun aber zum Film. Es handelt sich nicht um eine Verfilmung des Tathergangs, sondern es dreht sich alles um die Bewohner von Laramie, die ständig betonen, das Haß keine Tugend in Laramie ist. Außerdem gelte das Motto "Live and let live", aber schnell wird durch die Interviews klar, das dies nur eine Redensart ist. Leben und leben lassen gilt nur in dem Fall, wo sich alle
anspassen und nicht auffallen. Und so zeigt der Film, das Laramie den Mord zwar nicht herausgefordert hat, aber auch nicht gerade viel getan hat, um ihn zu verhindern. Und das gilt auch für die gesamte USA, denn Laramie ist kein Einzelfall. Und was auch im Film gezeigt wird und waas mich auch immer wieder zum Toben bringt, ist dieser Baptistenführer Phelps, der sich bei der Beerdigung von Matthew mit Schildern wie "God hates Fags", "AIDS cures Gays" oder "Matt in Hell" hinstellt. Dies hat er nicht nur bei der Beerdigung von Matthew gemacht, sondern er bereist die gesamte USA, um so an Beerdigungen teilzunehmen. Da kann man sich nur fragen, wie krank dieser Mensch ist?
Mir hat dieser Film sehr gut gefallen, denn er erzählt klar und ohne Schnörkel seine Geschichte, ohne groß auf Effekte zu setzen. So geht es hier auch nicht um den Tathergang, sondern um die Bewohner von Laramie und deren Sicht der Dinge. Und es muß sich auch jeder selbst ein Bild machen, denn der Film läßt alles ziemlich unkommentiert. Auf jeden Fall ist dies ein sehr sehenswerter Film, der mich auch immer wieder betroffen macht. Wer noch nichts über Matthew Shepard weiß, ist hier genau richtig, denn man bekommt nochmals ein Bild von den damaligen Ereignissen, welche ja damals wie auch heute aktuell sind.
Die DVD
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Die DVD habe ich mir hauptsächlich wegen dem Film gekauft, aber ich hatte trotzdem Bonusmaterial erwartet. Es gibt zwar auch einige Features auf der DVD, allerdings sind diese nicht gerade informativ. Eigentlich ist es doch traurig, das bei einem Mord, der so viel Medieninteresse hervorgerufen hat, nicht mal ein paar Interviews oder Nachrichtenmaterial den Weg auf die DVD gefunden haben. Es gab z.B. eine Menge Interviews mit Matthews Eltern, die sich bis jetzt stark für die Gleichberechtigung von Homosexuellen einsetzen. Außerdem hätte man auch die Trauerfeier in Washington, wo viele Prominente teilgenommen hatten, auf die DVD bringen können. Nun gut, dies hat man alles nicht gemacht, aber so kann die DVD natürlich nicht die Höchstbewertung bekommen.
Der Ton ist sehr gut, aber bei einem Film, der hauptsächlich aus Dialogen besteht, kann mna auch nicht viel falsch machen. Teilweise sind die Szenen musikalisch unterlegt, aber insgesamt braucht man nicht auf irgendwelche Soundeffekte warten. Das Bild kann ich leider nur mit gut bewerten, denn es gibt etliche Nachzieheffekte, die durch einen Rauschfilter verursacht wurden. Bei den Farben und dem Kontrast kann man nicht rummeckern.
Die Menüs sind statisch, aber wenigstens musikalisch untermalt. Es gibt auch ein kleines Booklet, in dem man kurz über den Film und die DVD nachlesen kann, aber auch Biografien von ein paar Darstellern sind dort zu finden.
# Featurette (~5min)
Hier handelt es sich um eine Art Promo-Clip, welcher im Vorfeld des Films wahrscheinlich für Werbezwecke ausgestrahlt wurde. Zumindest bekommt man nicht gerade viele Informationen, sondern es ist eben auf Werbung ausgerichtet. Es gibt ein paar kurze Statements von Cast & Crew, die aber auch eher nichtssagend sind.
# Trailer & TV-Spot (~2min)
Der obligatorische Trailer, und zusätzlich noch ein kurzer TV-Spot.
# Interviews
Hier kann man sich drei Interviews mit Darstellern anhören, die während des Sundance-Filmfestivals aufgenomnmen wurden. Folgende Darsteller wurden auserwählt: Clea DuVall (~6min), Joshua Jackson (~4min) und Mark Webber (~5min). Wenn die Clips auch recht kurz sind, erfährt man hier doch etwas über die Dreharbeiten und die Meinung der Darstellern zum Thema, aber insgesamt ist das alles doch zu wenig.
# DVD-Tipps (~10min)
Trailer von "Invincible", "Marmor, Stein & Eisen", "Gadjo Dilo", "The Virgin Suicides" und "Jimmy Grimble".
Sprachen : Deutsch, Englisch
Untertitel : Deutsch
Bildformat : 1,85:1 (anamorph)
Audiokanäle : Dolby Digital 5.1
Spielzeit : 91 min
FSK : ab 12 Jahre
Fazit
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Zusammenfassend kann man sagen, daß "The Laramie Project" ein absolut sehenswerter Film ist, der die Ereignisse um Matthew Shepard dem Zuschauer näherbringt und ein Statement gegen Vorurteile und für Toleranz ist. Die DVD hätte besser mit Bonusmaterial ausgestattet sein können, aber schon der Film ist lohnenswert.
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