Die Henkerstochter (Taschenbuch) / Oliver Pötzsch Testberichte
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Pro & Kontra
Vorteile
- ALLES
- Krimi kombiniert mit Historie, Einblicke und Informationen in den Beruf „Scharfrichter“, spannend
Nachteile / Kritik
- NICHTS
- Ende gefällt mir persönlich nicht so gut
Tests und Erfahrungsberichte
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Hexen müssen brennen.
2Pro:
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Kontra:
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Empfehlung:
Nein
Vor gut zwei oder drei Jahren bin ich durch Zufall und vollkommen entgegen meiner Lesegewohnheiten an einen historischen Roman gekommen, der mir das gesamte Genre näher brachte. So entdeckte ich, dass ich für derlei Romane durchaus etwas übrig habe, wenn auch nicht ständig und in hoher Frequenz. In der letzten Zeit wurde dieses Interesse auch einfach aus Zeitmangel etwas verschüttet. Neu entfacht wurde es durch puren Zufall, denn innerhalb kürzester Zeit las ich „Die Päpstin“ aus und war wieder aufs Neue begeistert. So schaute ich mich ein wenig nach neuem Lesestoff um, gefunden habe ich vieles, den Anfang sollte folgender Roman machen:
=== Die Henkerstochter – Oliver Pötzsch ===
+++ Bezugsquelle & Preis +++
Gekauft habe ich das Taschenbuch bei amazon.
Dort habe ich den regulären Preis von 8,95 € bezahlt.
+++ Eckdaten +++
Titel: Die Henkerstochter
Autor: Oliver Pötzsch
Verlag: Ullstein
Genre: Historienkrimi
Erscheinungsjahr: 2008
Seitenanzahl: 507 Seiten (zzgl. Nachwort)
+++ Die Reihe +++
(1) Die Henkerstochter
(2) Die Henkerstochter und der schwarze Mönch
(3) Die Henkerstochter und der König der Bettler
(4) Der Hexer und die Henkerstochter
+++ Die Henkerstochter +++
Schongau, 1624:
Die Zeit der großen Hexenverbrennungen ist eigentlich lange vorbei, dennoch flüchten sich die Menschen in ihren Aberglauben und schreiben vor allem Hebammen satanische Fähigkeiten zu. Verzichten können sie jedoch nicht auf diesen Berufszweig, weswegen die Frauen und ihre Heilseilben geduldet werden. Als eines Tages ein totes Kind in Schongau gefunden wird, das zudem noch das Venusmal trägt, besteht akuter Handlungsbedarf. Denn wenn laut wird, dass sich satanische Vorkommnisse in Schongau abspielen, würden die wandernden Händler die Stadt bald meiden.
Ein Schuldiger muss her und der ist bald gefunden.
Denn man findet schnell heraus, dass der tote Junge öfter bei der Hebamme und Kräuterfrau Martha Stechlin ein- und ausgegangen ist. Martha wird sogleich in einen dunklen Kerker geworfen und soll schleunigst gefoltert werden, damit wieder Ruhe in Schongau eintritt. Die Folter soll durch den ortsansässigen Henker Jakob Kuisl durchgeführt werden. Dieser zweifelt jedoch an der Schuld der Hebamme. Ebenso wie der junge Medicus Simon. Jakob und Simon machen sich auf, herauszufinden, was passiert ist, als auch schon eine zweite Kinderleiche mit demselben Venusmal gefunden wird. Eine Parallele ist schnell gefunden: Denn bei allen toten Kindern handelte es sich elternlose Waisen, Mündel, die in ihren Pflegefamilien nur geduldet werden...
+++ Eindrücke +++
Eigentlich ist es aufgrund des Klappentextes bereits klar: Um einen richtigen Historienroman im Sinne von besagtem „Die Päpstin“ handelt es sich hierbei nicht. Vielmehr ist es in der Tat eine Art Krimi vor historischer Kulisse bzw. vor dem Hintergrund der Hexenverbrennungen. Nicht mehr und nicht weniger. Kann so etwas funktionieren? Vor allem in einem Zeitalter, in dem der geneigte Bücherwurm von selten vorhandenen, aber mitunter existierenden hochgradig spannenden Thrillern voller Blut und Hightech – Aufklärungsmöglichkeiten verwöhnt ist? Nun ja, mit Sicherheit. Im Auftaktroman der Henkerstochter – Reihe von Oliver Pötzsch hingegen will der Spannungsfunken nicht so richtig überspringen.
Dabei beginnt der Roman eigentlich ganz vielversprechend mit einem Prolog, in dem der Leser sogleich einer düsteren Folterorgie einer vermeintlichen Hexe beiwohnt. Die Handlung springt danach um und auch hier kommt der Autor ohne unnötige Umschweife auf den Punkt. Die Struktur ist altbekannt: Das erste Opfer lässt nicht lange auf sich warten und eine Schuldige natürlich auch nicht. Wie sich der Plot dann aber weiter entwickelt, konnte unstrukturierter kaum sein. Denn der Leser wird Zeuge eines Wirrwarrs aus Namen, Berufsbezeichnungen, die mitunter nicht näher erläutert werden, man lernt eine Vielzahl an Personen kennen und verliert so schnell den Überblick. Es geht mitunter sogar so weit, dass man sich zwingen muss, die scheinbar wichtigen Figuren nicht aus den Augen zu verlieren. Hinzu kommt, dass der Plot zunächst vor sich hin plätschert. Es will sich kein roter Faden abzeichnen, alles wirkt irgendwie fad und undurchdacht. Hier eine Episode, in der sich der Henker gerade besäuft, dort eine, in der auf den Medicus losgeht, weil der mit seiner Tochter Margarethe anbandelt, irgendwelche undurchsichtigen Machenschaften der hohen Herren der Stadt. Der Plot dreht sich im Kreis – einmal ist der Teufel nach Schongau gekommen, dann haben wieder die Fugger irgendeinen Anteil an den Morden an den Kindern und dann wieder stehen die Morde in irgendeinem Zusammenhang mit dem Bau des Siechenhauses vor den Toren der Stadt, in denen die Leprakranken untergebracht werden sollen. So richtig weiß man nicht, ob dies nun ausgeklügelte Taktik des Autors ist, um den Leser in die Irre zu führen oder ob der Autor selbst nicht so ganz schlüssig war, wie er seine Geschichte nun halbwegs schlüssig aufdröseln will. Je weiter man mit dem Lesen vorankommt, desto deutlicher wird, dass nur zweitere Option zutreffen kann. Denn die letztliche Auflösung entlockt einem kaum mehr als ein müdes Gähnen, wirkt es doch irgendwie zu profan. Profan ist dann auch ein gutes Stichwort, um den Roman im Gesamten zu betiteln. Denn „Die Henkerstochter“ ist irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes.Man fühlt sich einerseits nicht wirklich in die Welt des 17. Jahrhunderts versetzt, dieses typische „Mittelalterflair“ fehlt einfach. Andererseits fühlt man sich aber auch nicht zu 100% innerhalb der Handlung eines Krimis.
Erschwerend dazu bei trägt vermutlich auch die Tatsache, dass die Hauptfiguren irgendwie blass und hinter ihren Möglichkeiten bleiben. Man kann dem Autor zwar zugute halten, dass er versucht hat, die typischen Klischees, die einem in den Sinn kommen mögen, denkt man beispielsweise an einen Henker, außen vor zu lassen. Pötzsch bietet aber auch keine Alternative. Vielleicht wäre es genau hier richtig gewesen, die Klischees ganz einfach zu bedienen und aus dem Henker nicht einen halben Medizinkundigen zu machen, ebenso wenig wie aus dem Medicus eine latente Memme, der der Tochter des Henkers hinterher läuft. Reichlich unverständlich gestaltet sich auch die Tatsache, dass Medicus Simon und Henker Jakob zwar zusammenarbeiten, was das Aufklären der Morde angeht, Henker Jakob Kuisl aber auf Simon losgeht, sobald es um seine Tochter Margarethe geht. Diese bleibt übrigens, dafür, dass die Reihe ja ihr gewidmet ist, vollkommen blass und in der Tat sogar fast gänzlich im Hintergrund. Wenn sie mal auftaucht, wird sie überzeichnet: Ja, sie ist schön, ja, jeder meidet sie und hey, sie hat auch noch was im Köpfchen. Zum Gähnen.
Ebenso wie Figuren und Plot wirkt auch der Schreibstil des Autors leicht unausgegoren. Es gibt ganze Passagen, in denen er sich des arg altertümlichen Vokabulars bedient, was ja tendenziell in einen solchen Roman passt, dann aber wieder sind ganze Kapitel in recht moderner Sprache geschrieben. Ein wenig mehr Balance oder das konsequente Entscheiden für einen Stil wären hier wünschenswert gewesen. Ansonsten jedoch liest der Roman sich aber immerhin ganz flott weg, sodass man die knapp über 500 Seiten auch dann zügig zu Ende bringt, wenn man das Buch eher lahm findet, aber zu der Spezies Bücherwürmer gehört, die auch bis zum bitteren Ende durchhalten wollen. Wenigstens etwas. Ansonsten jedoch ist der Roman rein stilistisch reichlicher Durchschnitt.
Unterm Strich ist „Die Henkerstochter“ kein historischer Roman im ganz klassischen Sinn wie beispielsweise „Die Wanderhure“ oder mehrfach erwähnte „Die Päpstin“. Historische Fakten bleiben fast vollkommen außen vor, sodass ganz nüchtern betrachtet mit „Die Henkerstochter“ eher ein Krimi vor mittelalterlicher Kulisse vor einem liegt. Für diese Kulisse sprechen jedoch auch nur vordergründige Dinge wie Namen, Berufsbezeichnungen und das Offensichtlichste – die Jahreszahl. Soll andersherum ausgedrückt heißen, dass das ganze Flair eines solchen Romans fehlt. Man könnte sich auch einen mittelmäßig schlechten Krimi irgendeines beliebigen amerikanischen Autors vornehmen und 17. Jahrhundert drauf schreiben. Figuren und Schreibstil überzeugen genauso wenig, die Auflösung des Plots ist wenig spektakulär und bietet keinen erhellenden Aha – Effekt. Bleibt am Ende ein bisschen nette, allerhöchstens kurzweilige Unterhaltung, die man sich aber irgendwie auch sparen kann. Es gibt an dieser Stelle also nur zwei gut gemeinte Sterne und definitiv keine Empfehlung. weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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anonym, 20.09.2012, 22:07 Uhr
Bewertung: besonders wertvoll
BW...Liebe Grüße Edith und Claus
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Blick in eine Henkersfamilie
Pro:
Krimi kombiniert mit Historie, Einblicke und Informationen in den Beruf „Scharfrichter“, spannend
Kontra:
Ende gefällt mir persönlich nicht so gut
Empfehlung:
Ja
Zu Weihnachten habe ich mal wieder zum Glück einen neuen Schwung Bücher bekommen, so dass ich jetzt erst mal wieder für 2-3 Monate mit Lesestoff versorgt bin. Zu meinen bevorzugten Stilen gehören Krimis und historische Romane. Hier möchte ich nun das Buch „Die Henkerstochter“ von Oliver Pötzsch vorstellen, dass schon seit längerem auf meiner Wunschbücherliste stand.
===Preis===
Es handelt sich hierbei um eine Taschenbuchausgabe und kostet bei Amazon 8,95 €, was der normale Preis für Taschenbücher ist.
===Autor===
Oliver Pötzsch, geboren 1970 als erster von drei Söhnen in München, begann 1991 mit dem Schreiben seiner ersten Fantasy Kurzgeschichten. Nach dem Abitur besuchte Pötzsch von 1992 bis 1997 die Deutsche Journalistenschule in München und war anschließend für den Bayerischen Rundfunk, zunächst im Bereich Radio, später für die wöchentliche Fernsehsendung quer tätig. Für das Freizeit Magazin des Bayerischen Rundfunks erstellt Pötzsch 1999 Fernseh-Reportagen aus Kuba, Südafrika und Vietnam.
Neben seiner beruflichen Tätigkeit erforschte Pötzsch seine Familiengeschichte. Er ist ein Nachfahr der Kuisls, die vom 16. bis in das 19. Jahrhundert eine bekannte Henkerdynastie in Schongau waren. Die Forschungen hat er in drei Historienromanen verarbeitet. Hierüber berichtet er auch auf den letzten Seiten des Buches „Die Henkerstochter“ als eine Art Nachwort.
Folgende Werke wurden bisher von ihm veröffentlicht:
Die Henkerstochter. Ullstein, Berlin 2008, ISBN 978-3548268521
Die Henkerstochter und der schwarze Mönch. Ullstein, Berlin 2009, ISBN 978-3548268538
Die Henkerstochter und der König der Bettler. Ullstein, Berlin 2010, ISBN 978-3548281148
Die Ludwig-Verschwörung. Ullstein (noch nicht erschienen)
Das erste Buch „Die Henkerstochter“ wurde für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert.
Seine blutige Familiengeschichte beschäftigt Oliver Pötzsch bereits seit der Kindheit. Bei seinen Recherchen stieß er auf die Folterwerkzeuge seiner Ahnen und einen Meisterbrief, der seinem Vorfahren eine 'besondere Kunstfertigkeit beim Köpfen' bescheinigt.
===Klappentext===
Kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg wird in der bayerischen Stadt Schongau ein sterbender Junge aus dem Lech gezogen. Eine Tätowierung deutet auf Hexenwerk hin und sofort beschuldigen die Schongauer die Hebamme des Ortes. Der Henker Jakob Kuisl soll ihr unter Folter ein Geständnis entlocken, doch er ist überzeugt: die alte Frau ist unschuldig. Unterstützt von seiner Tochter Magdalena und dem jungen Stadtmedicus macht er sich auf die Suche nach dem Täter.
===Cover===
Das Buch ist 18,8 cm x 12 cm x 3,2 cm groß (übliches Taschenbuchformat) und umfasst 512 Seiten. Es ist hauptsächlich in den Farben braun, hellbraun gehalten. Im Hintergrund sieht man die Stadt Schongau in dem Stil Bleistiftzeichnung schemenhaft dargestellt. Auf der Vorderseite ist neben dem Titel „Die Henkerstochter“ in roter Schrift, der Autor „Oliver Pötzsch“, dem Hinweis „historischer Roman“ noch eine bildliche Darstellung von zwei Personen abgebildet. Hierbei handelt es sich zum einen um den Henker Jakob Kuisl (groß, breite Schultern), der der verurteilten Frau, die in einem roten Kleid mit Augenbinde dargestellt wird, beruhigend zuspricht. Wirklich sehr passend auf die Handlung bezogen! Die Rückseite gibt dem Käufer Informationen über die Handlung (siehe Klappentext, einem Kindermörder auf der Spur – der Henker ermittelt), der IDSN Nummer und den Preis.
Die gesamte Aufmachung lässt einen schnell auf einen historischen Roman tippen. Der Buchtitel ist in einer etwas verschnörkelten, altertümlichen Schriftart dargestellt. Das Cover ist passend und gibt einen Teil der Handlung (Job des Henkers) gut wieder. Sehr gelungen!
===handelnde Personen===
Jakob Kuisl Scharfrichter aus Schongau
Simon Fronwieser Sohn des Stadtmedicus
Magdalena Kuisl Henkerstochter
Anna Maria Kuisl Jakobs Frau
Georg und Barbara die Zwillinge Kuisl
Bonifaz Fronwieser Vater von Simon
Martha Stechlin, Hebamme
Josef Grimmer, Fuhrmann
Georg Riegg, Fuhrmann
Konrad Weber Pfarrer
Katharina Daubenberger Hebamme
Resl Magd
Martin Hueber Fuhrmann aus Augsburg
Franz Strasser Wirt
Agathe Kratz, Frau vom Krämer
Maria Schreevogl, Frau des Ratsherren
Graf Wolf Dietrich von Sandizell kurfürstlicher Pfleger
Söldner
Ratsherren
Kinder
===Buchaufbau===
Zu Beginn ist eine kleine Karte in Bleistiftzeichnung der Stadt Schongau abgebildet, auf der einzelnen Häuser der handelnden Personen zu sehen sind. Hier erkennt man, dass das Haus des Henkers außerhalb der Stadtmauern liegt. Dann folgen die Auflistung der im Buch vorkommenden Personen und der Prolog. Die Handlung ist in 16 Kapitel unterteilt, welche jeweils mit Datum und zum Teil Uhrzeit versehen sind. Extra Überschriften sind ihnen nicht gegeben. Zum Schluss folgt der Epilog und eine Art Nachwort, in dem der Schriftsteller über die Entstehung des Romans berichtet.
===Handlung===
Der Roman beginnt mit einem Prolog am 12.10.1624. Der Junge, Jakob Kuisl, ist Sohn des Stadthenkers in Schongau und muss diesem bei einer Exekution assistieren. Jakob muss in seinen jungen Jahren lernen, sich mit dem Töten und dem Tod auseinanderzusetzen.
Kapitel 1-16
35 Jahre später, am 24.04.1659 ist Jakob in die Fußstapfen seines Vaters getreten und ist nun selber Henker der Stadt. Er lebt mit seiner Familie, Frau Anna Maria, Tochter Magdalena und den Zwillingen Georg und Barbara, außerhalb der Stadtmauern behaglich in seinem Haus.
Ein durch Messerstiche ermordeter Junge wird aus dem Lech in Schongau gezogen. Neben den Verletzungen weist er noch auf der Schulter ein rotes Mal auf, was sogleich als Hexenzeichen deklariert wird. Die Schuldige ist gleich gefunden – die Hebamme Martha Stechlin, denn wer sonst könnte etwas damit zu tun haben. Außerdem ist bekannt, dass der Junge am Vorabend noch bei ihr war. Die Hebamme wird in der Fronfeste festgesetzt und der Henker Jakob bekommt den Auftrag, mit allen Mitteln der Folter für ein möglichst baldiges Geständnis der Hexe zu sorgen. Die Sache soll schließlich schnell vom Tisch.
Neben Jakob Kuisl haben auch der junge Medicus Simon Fronwieser und der Ratsherr Jakob Schreevogel Zweifel an Hexerei und einer Schuld der Hebamme. Sie ahnen, dass mit der Hinrichtung der Hebamme, von einem anderen Verbrechen abgelenkt werden soll. Weitere Kinder sterben und alle haben dasselbe Zeichen auf der Schulter. Die Angst in der Stadt steigert sich zu Hysterie und obwohl die Hebamme hinter Schloß und Riegel sitzt, glauben die Leute, dass sie für die Morde verantwortlich ist. Dann verschwinden weitere Kinder, der Rohbau eines Leprosoriums wird zerstört und eine Lagerhalle fällt den Flammen zu Opfer. Der Henker wird gezwungen, mit der Folter zu beginnen. Zugleich macht er sich mit Simon auf die Suche nach dem wahren Verbrecher.
Mehr möchte ich hier nicht verraten, denn ansonsten wäre ja die ganze Spannung dahin!!!
==Fakten===
Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch (1. April 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548268528
ISBN-13: 978-3548268521
Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12 x 3,2 cm
===Leseprobe===
„Wir wollen beginnen.“
Die Zeugen hatten in der Zwischenzeit Platz genommen. Martha Stechlin drückte sich an die gegenüberliegende Wand, als suchte sie ein Mauseloch, durch das sie entwischen könnte.
„Sie soll sich ausziehen“, sagte Johann Lechner.
Jakob Kuisl sah ihn verwundert an.
„Aber, Ihr wolltet doch erst ...“
Ich sagte, sie soll sich ausziehen. Wir wollen sie auf Hexenmale untersuchen. Wenn wir welche finden, dann ist ihre Schuld erwiesen, und die Befragung wird umso schneller vonstatten gehen.“ Zwei Büttel gingen auf die Hebamme zu, die sich mit verschränkten Armen in eine Ecke gehockt hatte. Der Bäcker Michael Berchtholdt leckte sich die dünnen Lippen. Er würde heute noch zu seinem Schauspiel kommen.
Jakob Kuisl fluchte innerlich. Damit hatte er nicht gerechnet. Das Untersuchen auf Hexenmale war ein oft angewandtes Mittel bei der Hexenjagd. Waren am Körper der Verdächtigen merkwürdig geformte Muttermale zu sehen, deutete das auf ein Zeichen des Teufels hin. Oft machte der Henker dann noch die Nadelprobe, bei der er der vermeintlichen Hexe in das verdächtige Muttermal stach. Kam kein Blut, war sie mit Sicherheit eine Hexe. Kuisl wusste von seinem Großvater, dass dieser Mittel und Wege gekannt hatte, Blutungen bei der Nadelprobe zu verhindern. So war der Prozess schneller zu Ende, und der Henker kam schneller an sein Geld ...
Ein reißendes Geräusch schreckte ihn aus den Gedanken. Einer der Büttel hatte der Stechlin das stinkende, fleckige Kleid vom Leib gezerrt. Darunter war die Hebamme bleich und mager. Blaue Flecken waren an den Schenkeln und Oberarmen zu sehen, Überbleibsel vom Kampf mit Josef Grimmer gestern früh. Mit beiden Händen versuchte sie Brüste und Scham zu bedecken und drückte sich an die Kellerwand.
Der Büttel zog sie an den Haaren empor, so dass sie laut aufschrie. Jakob Kuisl sah, wie die kleinen, roten Augen des Bäckers Michael Berchtholdt den Leib der Hebamme wie mit Fingern abtasteten.
„Muss das sein? Gebt ihr doch wenigstens einen Stuhl!“
===Fazit===
Das Buch hat mich ein wenig überrascht – positiv. Es handelt sich hierbei um eine gelungene Mischung aus historischem Roman und Krimi. Hier findet man Mord, Liebe, Humor, Aberglaube, Tiefsinnigkeit und einige Dinge zum Nachdenken.
Die Geschichte ist spannend und ich habe eigentlich von Anfang an mit gerätselt, wer der Mörder der Kinder sein könnte, welche Beweggründe dahinterstecken und welche Rolle hierbei die hohen Ratsmitglieder wohl spielen. In meinen Augen war es einfach zu auffällig, dass sie keinerlei Zweifel an der Schuld der Hebamme zuließen und Indizien gar nicht annehmen wollten. Nach und nach kommen zur Aufklärung immer mehr Dinge ans Licht. Die Gespräche zwischen zwei Männern, die immer wieder in die Handlung eingeflochten wurden, haben mich zunächst noch mehr verwirrt. Sie steckten hinter all dem, aber welche Namen erfäjhrt man erst zum Schluss. Der auftauchende Skelettmann kam mir schon unheimlich vor, obwohl ich wusste, dass es dafür bestimmt eine plausible Erklärung gab (es wird berichtet, dass der Mann eine Hand nur aus Knochen hat). Nachdem ich einige Leute verdächtigt, sich dies aber nicht bestätigt hatte, blieb der Täter bis zum Ende unaufgedeckt. Was ja eigentlich für einen Krimi spricht! Etwas enttäuscht war ich dann doch über den Schluss / Aufklärung der Morde, denn da fehlte mir persönlich ein wenig die Raffinesse. Es war zu platt und einfach. Hier hätte ich mir ein bisschen mehr erhofft.
Die historische Seite kommt in dem Buch nicht zu kurz. Der Roman lässt ein gutes Bild der damaligen Zeit wiederaufleben und den Leser den Hexenwahn, die Hexenverfolgung samt Aberglauben dieser Zeit miterleben. Von den Romanakteuren werden wiederholt besonders zwei berüchtigte historische Ereignisse, die sie zum Teil selbst miterlebt haben, in Erinnerung gerufen: Die Schongauer Hexenprozesse (1589/90), bei denen 63 unschuldige Frauen infolge der durch ein Unwetter ausgelösten Hysterie gefoltert und hingerichtet wurden. Die "Magdeburger Hochzeit" im Mai 1631 mit der Eroberung der Stadt und dem anschließenden größten Massaker des Dreißigjährigen Krieges durch die Armee des Johann t' Serclaes, Graf von Tilly. Ich finde den Widerspruch der Menschen immer sehr erstaunlich. Einerseits sind sie zu den „Kräuterhexen“ gegangen, um sich Mittel gegen allerlei Krankheiten, Ziehen und Beschwerden geben zu lassen, da sie sich zumeist keinen Arzt leisten konnten oder die Behandlung beim Stadtmedicus nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, Außerdem konnte man ja nicht mit solchen Sachen wie Potenzprobleme, Regelschmerzen ect. zu einem Arzt gehen. Auf der anderen Seite wurde genau auf den Frauen dann rumgehackt und mit dem Finger gezeigt. Sie kann ja nur mit dem Teufel im Bunde sein. Gerade dies wird in dem Roman sehr gut verdeutlicht. Die Hebamme Martha Stechlin hat so vielen Babys geholfen, auf die Welt zu kommen – so viele Frauen bei der Geburt und der Nachbehandlung unterstützt. Und doch wird gleich ihr Name genannt, als der tote Junge aufgefunden wurde. Sie kann auf Besen reiten, ist mit dem Teufel im Bunde und kann jeden verhexen – allein durch Blicke. Selbst als sie schon eingesperrt ist, ist sie für die weiteren Todesopfer und an dem Verschwinden der Kinder verantwortlich. Da leidet man dann als Leser schon mit der Frau. Der Aberglaube der damaligen Zeit ist zum Teil doch recht erschreckend. Da ich schon einige historische Romane aus dem Bereich der „Hexenverfolgung“ gelesen habe, waren mir die meisten im Buch vorkommenden Dinge bereits bekannt. Was aber das Schrecken und Unverständnis darüber nicht geschmälert hat.
In dem Buch erfährt man sehr viel über den Beruf des „Henkers“ (Scharfrichter), seinen sozialen Status und die Sitten und Gebräuche. Das war mir zum größten Teil so nicht bekannt und hat mich wirklich sehr interessiert und zum Teil verwundert, da ich mir über den Beruf bisher keinerlei weiteren Gedanken gemacht habe. Verbindet man doch mit diesem Beruf eher einen gefühlslosen, brutalen, großen und starken, sadistischen Menschen, so wird das Vorurteil einfach ein wenig beiseite geräumt. Dies gelingt Oliver Pötzsch durch die Einflechtung vieler kleiner Details und Wissenswertes aus dem Leben einer Henkersfamilie.
Die Tätigkeiten der Scharfrichter gehörten in das „unehrliche“ Berufsfeld und so wurden sie nicht in die Zünfte aufgenommen. Sie konnten auch sonst auf vielfältige Weise von der Gesellschaft ausgeschlossen werden (zum Beispiel kein Zutritt zu Wirtshäusern, Verweigerung eines ehrlichen Begräbnisses). Die Unehrlichkeit wurde vererbt und konnte selbst Generationen betreffen, die nichts mehr mit der unehrlichen Tätigkeit zu tun hatten.
Der Henker Jakob und seine ganze Familie waren in einer Stadt gefürchtet, verachtet und ihnen wurde aus dem Weg gegangen. Den Kontakt mied man, da man in ihnen den Tod sah. Bei Begegnungen konnte nur ein schnelles Kreuzzeichen helfen. Die Familien wohnten außerhalb der Stadtmauern. Wie es damals üblich war, wurde der Beruf vom Vater an den Sohn weitergegeben. Geheiratet wurde nur innerhalb der Henkerkreise, so dass da natürlich ein hoher Verwandtschaftsgrad mit der Zeit entstand. Die Töchter konnten nur in diesen Kreisen heiraten und halb verrufenen Tätigkeiten (Wahrsagen, Liebes- und Schadenszauber, magischen oder Naturheilverfahren) nachgehen. Und wie es dann ja so oft ist, verlieben sich in dem Buch die Henkers Tochter Magdalena und der Sohn des Stadtmedicus, Simon ineinander. Die Eltern der beiden sind darüber natürlich nicht begeistert und verbieten ihnen den Kontakt zueinander. Man heiratet innerhalb seines Standes – alles andere ist nicht gewünscht und erlaubt. Die jungen Menschen kennen die Problematik, aber setzten sich zum Teil darüber hinweg. Ob sie am Ende die Hindernisse überwinden, erfährt man zum Ende der Geschichte.
Zu den direkten Aufgaben des Scharfrichters gehörte die eigentliche Hinrichtung und die Folter zur Geständniserzwingung als Teil des Gerichtsverfahrens. Auch für die Durchführung von Körper- und Ehrenstrafen war er zuständig. Daneben musste er auch oft weitere unangenehme und geächtete Aufgaben übernehmen − z. B. die Kloakenreinigung, das Abschneiden und das Bestatten von Selbstmördern oder die Aufsicht über die Prostituierten. Genau wie sein Vater, trinkt (oder besser besäuft) sich auch Jakob vor jeder Hinrichtung/Folter bis zur Besinnungslosigkeit, um mit der ganzen Sache besser umgehen zu können und fertig zu werden. Berührt hat mich die Tatsache, dass Jakob sehr behutsam (so weit es eben geht) und respektvoll mit den Menschen, die hingerichtet oder gefoltert werden sollen, umgeht. Er ist nicht von Natur aus gerne brutal, sadistisch (im Gegensatz zu manchen Ratsherren, die nach den Schmerzensschreien der Hebamme scheinbar regelrecht gieren) oder weidet sich an dem Schmerz/Leid/Angst der Betroffenen. Er tut nur seinen Job – effizient und schnell. Er spricht ihnen beruhigend mit leiser Stimme zu (Es wird nicht wehtun. Ich versprechs Dir. Es wird nicht wehtun). Durch die Tätigkeit konnten sich Scharfrichter solides Wissen auf dem Gebiet der Anatomie aneignen. So mancher kannte sich mit dem menschlichen Knochenbau und der Anordnung der inneren Organe besser aus als der ortsansässige Bader.
Die medizinischen Kenntnisse nutzten sie außerdem noch für andere Tätigkeiten. So praktizierten die Scharfrichter oft erfolgreich neben ihrem eigentlichen Beruf als Heiler und sicherten so ihre Existenz zusätzlich ab. So handhabt das auch Jakob. Er sieht sofort, wenn ein Knochen gebrochen ist, welche Kräuter auf eine Wunde müssen, damit sie sich nicht entzündet, und wie man Salben herstellt. Dieses Wissen der Kräuterkunde gibt er seiner Tochter Magdalena weiter. Simon, der Sohn des Stadtmedicus , hat selber ein paar Semester Medizin studiert (dann ging dafür das Geld aus) muss erkennen, dass der Henker um einiges mehr Ahnung auf dem Gebiet der Heilkunst hat, als sein Vater. Die Familie Kuisl bewahrt einen regelrechten Schatz in ihrem Haus auf (was zur damaligen Zeit wirklich sehr ungewöhnlich und wertvoll war). Sie besitzen ein ganzes Regal mit Büchern. Zum größten Teil handelt es sich hierbei um Kräuterkunde, Aufzeichnungen der Vorväter und Theorien über den menschlichen Körper, die in den Universitäten bis dato nicht gelehrt und für Unfug gehalten wurden. Das ist guter Lernstoff für Simon und sein Interesse daran ist groß. Jakob lässt ihn an seine Büchersammlung. Der Vater hat auch Magdalen (was seine Frau nicht verstehen will) das Lesen beigebracht. Die Bildung ist für die damalige Zeit schon beachtlich.
Durch die Recherchen für diesen Bericht habe ich herausgefunden, dass Herr Pötzsch noch weitere Romane veröffentlicht hat, in dem es ebenfalls um die Familie Kuisl geht. Die Titel stehen schon mal auf meiner Bücherkaufliste und ich bin wirklich sehr gespannt, ob diese auch so gut zu lesen sind und die Handlung einen mitreißt. Mal schauen!
Im Gegensatz zu den historischen Romanen von Lorentz und Schweigert steht hier mal ein Mann im Mittelpunkt des Geschehens, was mal eine kleine Abwechslung ist. Oliver Plötzsch ist hier ein packender und spannender Krimi gelungen, der zudem viele Informationen zu dem verrufenen und geheimnisvollen Handwerk des Scharfrichters und einen Einblick in den Hexenglauben der damaligen Zeit bietet. Das ganze Buch über reißt die Spannung nicht ab. Der Schluss/Aufklärung der Morde ist für mich zwar nicht so gewesen, wie ich es mir vorgestellt habe, aber das ist wohl einfach Geschmackssache. Hier kam mir ein wenig zu viel Abenteuer, Dramatik vor.
Sehr viele verschiedene Charaktere/Charakterzüge sind hier zu finden: gewinnorientierte Kaufleute und Handwerker, habgierige Söldner, Sadismus, Aberglaube, Standesdünkel, Berechnung, Hilfsbereitschaft, Großmut, Barmherzigkeit. Das macht den Roman unter anderem sehr lebendig, anschaulich und interessant. Der Schreibstil gefällt mir ganz gut, denn er ist flüssig, sinnig und unterhaltsam. In nur wenigen Tage hatte ich das Buch zu Ende gelesen.
Diesen historischen Kriminalfall kann ich einfach nur weiterempfehlen und ich werde mir sicherlich mit der Zeit die weiteren Bücher von Oliver Plötzsch kaufen. weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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The_Ghostwriter, 21.04.2012, 15:33 Uhr
Bewertung: besonders wertvoll
BW, janz klar. LG, the_ghostwriter
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die tochter des henkers
04.09.2010, 13:49 Uhr von
margy
Ich lese sehr viel. In anderen Foren schreibe ich unter dem Namen Trolles.Pro:
siehe bericht
Kontra:
siehe bericht
Empfehlung:
Ja
Zum Buch:
Die broschierte 511-seitige Ausgabe dieses Buches erschien im Ullstein Verlag in der deutschen Sprach am 1. April 2008. Unter der ISBN 3548268528 ist das Buch zu einem Preis von 8,95 € erhältlich.
Buchumschlag:
Vor einer Wand in einem hellen orange und weiß, auf der eine Stadt abgebildet ist, zeigt sich eine junge Frau mit einer weißen Binde um die Augen. Sie trägt ein rotes Kleid mit einem weißen Einsatz im Dekolltee. Ein Mann beugt sich von der rechten Seite des Betrachters aus gesehen mit seinem rechten Arm über sie, fasst sie am Ellenbogen und schaut in ihr Gesicht. Die Haare des Mannes schimmern gelbgrün. Er trägt ein schwarzes Gewand mit riesengroßem gelben Kragen.
Autor:
Geboren 1970 als erster von drei Söhnen in München. Vater Allgemeinarzt, Mutter Grundschullehrerin, Urahn Henker.
Abitur 1990 auf dem Christoph-Probst-Gymnasium in Gilching. Eintrag in die Abiturzeitschrift bei „Zukunftsträume 2010“: Literatur-Nobelpreis.
1991 : Erstes Schreiben von Fantasy-Kurzgeschichten in der Nachtpforte der Zivildienststelle.
1992 bis 1997: Besuch der Deutschen Journalistenschule in München. Stetiges Begraben der Karriereträume vom Bestseller-Autor, Show-Moderator und Soulsänger.
Seit 1997: Fester freier Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk. Zunächst beim Radio, später vor allem für das Fernseh-Magazin quer.
Ab 1999: Reisefilme für das Freizeit-Magazin (BR) unter anderem aus Kuba, Südafrika und Vietnam.
2000: Geburt meines Sohns Niklas
2003: Geburt meiner Tochter Lily
seit 2005: Glücklich verheiratet mit Katrin Pötzsch, die als Redakteurin beim Bayerischen Rundfunk das nötige Geld verdient, damit ich als Tomatenzüchter, Kinderhüter, Soulsänger, Fernseh-Autor und Teilzeitschriftsteller über die Runden komme.
Inhalt:
Der Dreißigjährige Krieg des 17. Jahrhunderts fand gerade sein Ende. Schon gau ist ein Ort in Bayern. In der Lech schwimmt ein Junge, der kurz vor seinem Tod aus dem Fluss geborgen wird. Der Junge ist tätowiert. Zur Zeit der Ketzerei und der Inquisition deuten die Leute das als Werk einer Hexe. Die Hebamme von Schongau wird der Tat verdächtigt. Jakob Kuisl ist der Henker des Ortes und er soll sich an das Werk machen, die Hebamme zu foltern, um von ihr zu erfahren, dass sie die Täterin ist. Jakob Kuisl jedoch ist von ihrer Unschuld überzeugt. Mit seiner Tochter Magdalena und einem jungen Medicus versucht er Beweise zu finden, dass die Hebamme nicht die Hexe und Täterin ist.
Textausschnitt:
Prolog
Schongau,
12. Oktober Anno Domini 1624
Der zwölfte Oktober war ein guter Tag zum Töten. Die ganze Woche hatte es geregnet, doch an diesem Freitag nach Kirchweih hatte der liebe Herrgott ein Einsehen. Die Sonne schien trotz des beginnenden Herbstes warm hinunter auf den Pfaffenwinkel, und oben von der Stadt her waren Lärm und Gelächter zu hören. Trommeln dröhnten, Schellen klirrten, irgendwo spielte eine Fiedel. Der Geruch von Schmalznudeln und gebratenem Fleisch drang hinunter bis ins stinkende Gerberviertel. Es würde eine schöne Hinrichtung werden.
Jakob Kuisl stand in der lichtdurchfluteten Stube und versuchte seinen Vater wachzurütteln. Zweimal war der Büttel schon vorbeigekommen, um sie abzuholen. Diesmal würde er sich nicht mehr abwimmeln lassen. Der Kopf des Schongauer Scharfrichters lag auf der Tischplatte, das lange, strähnige Haar schwamm in einer Lache aus Bier und Branntwein. Er schnarchte und zuckte gelegentlich im Schlaf.
Jakob beugte sich hinunter bis zum Ohr seines Vaters. Er roch eine Mischung aus Alkohol und Schweiß. Angstschweiß. Vor Hinrichtungen roch sein Vater immer so. Spätestens nach der Urteilsverkündung fing der sonst mäßige Trinker zu saufen an. Er aß nichts und redete kaum noch. In den Nächten wachte er dann oft schreiend und schweißüberströmt auf. Die letzten zwei Tage war er praktisch nicht mehr ansprechbar. Seine Frau Katharina wusste das und zog deshalb regelmäßig mit den Kindern zu ihrer Schwägerin. Nur Jakob musste bleiben, schließlich war er der älteste Sohn und damit der Knecht seines Vaters.
»Wir müssen los! Der Büttel wartet!«
Jakob hatte erst geflüstert, dann laut geredet, mittlerweile brüllte er. Endlich regte sich der schnarchende Koloss.
Johannes Kuisl sah seinen Sohn aus blutunterlaufenen Augen an. Seine Haut hatte die Farbe von trockenem, altem Brotteig; im schwarzen, strähnigen Bart hingen die Reste der Gerstensuppe vom gestrigen Abend. Mit seinen langen, fast klauenartig gekrümmten Fingern fuhr er sich übers Gesicht. Dann richtete er sich in seiner ganzen Länge von fast sechs Fuß auf. Der mächtige Körper schwankte einen Moment lang, kurz schien es, als ob er vornüberfallen wollte. Doch dann hatte Johannes Kuisl Halt gefunden. Er straffte sich.
Jakob reichte seinem Vater den fleckigen Rock, den Lederkoller für die Schultern und die Handschuhe. Gemächlich zog der große Mann sich an und wischte sich die Haare aus der Stirn, dann schritt er ohne ein Wort hinüber zur hinteren Stubenwand. Dort, zwischen der abgewetzten Küchenbank und dem Herrgottswinkel mit Kruzifix und getrockneten Rosen, lehnte das Richtschwert. Es war gut zwei Armlängen lang, mit kurzer Parierstange, ohne Spitze, dafür mit einer Klinge, mit der man ein Haar in der Luft hätte zerschneiden können. Sein Vater schärfte es regelmäßig. Es glänzte in der Sonne, als wäre es gestern erst geschmiedet worden. Keiner konnte sagen, wie alt es war. Vor Johannes Kuisl hatte es seinem Schwiegervater Jörg Abriel gehört und davor dessen Vater und dessen Großvater. Irgendwann würde es Jakob gehören.
Vor der Haustür wartete der Büttel. Immer wieder drehte der kleine, schmächtige Mann den Kopf hinüber zu den Stadtmauern. Sie waren spät dran, wahrscheinlich wurden die Ersten oben schon ungeduldig.
»Mach den Wagen fertig, Jakob.«
Die Stimme seines Vaters klang ruhig und tief. Das Schreien und Schluchzen von heute Nacht war wie durch Zauberei verschwunden.
Als Johannes Kuisl seinen massigen Körper durch die niedrige Holztür schob, wich der Büttel unwillkürlich einen Schritt zur Seite und schlug ein Kreuz. Im Ort war der Henker kein gern gesehener Mann. Nicht zufällig lag sein Haus draußen vor der Stadt im Gerberviertel. Wenn der Hüne im Gasthof schweigend seinen Wein trank, saß er an einem eigenen Tisch. Auf der Straße wich man seinem Blick aus; es hieß, er brachte Unglück, besonders an Hinrichtungstagen. Die Lederhandschuhe, die er heute trug, würden nach der Exekution verbrannt werden.
Der Henker setzte sich auf die Bank neben dem Haus und genoss die Mittagssonne. Wer ihn so sah, konnte kaum glauben, dass er noch vor einer Stunde im Delirium vor sich hingemurmelt hatte. Johannes Kuisl galt als guter Scharfrichter. Schnell, stark, ohne Zaudern. Keiner außerhalb der Familie wusste, wie viel er vor den Hinrichtungen in sich hineinschüttete. Jetzt hatte er die Augen geschlossen, als lauschte er irgendeiner fernen Melodie. Noch immer war der Lärm aus der Stadt zu hören. Musik, Gelächter, irgendwo in der Nähe zwitscherte eine Amsel. Das Schwert lehnte wie ein Spazierstock an der Bank.
»Denk an die Stricke!«, rief der Henker seinem Sohn zu, ohne die Augen zu öffnen.
Jakob zäumte in dem ans Haus angrenzenden Stall den klapprigen Schimmel auf und spannte ihn vor den Wagen. Stundenlang hatte er den zweirädrigen Karren gestern noch geschrubbt. Zwecklos, wie er jetzt feststellen musste. Schmutz und Blutflecken hatten sich in das Holz eingefressen. Jakob warf auf die schlimmsten Stellen ein wenig Stroh. Dann war der Wagen bereit für den großen Tag.
Mit seinen zwölf Jahren hatte der Sohn des Henkers bereits einige Hinrichtungen aus nächster Nähe erlebt, zwei Erhängungen und das Ertränken einer dreimal verurteilten Diebin. Beim ersten Hängen war er gerade sechs Jahre alt gewesen. Jakob erinnerte sich noch gut, wie der Straßenräuber fast eine viertel Stunde lang am Seil getanzt hatte. Die Menge hatte gejohlt, und der Vater war an diesem Abend mit einem extragroßen Stück Hammelfleisch heimgekommen. Nach Hinrichtungen ging es den Kuisls besonders gut.
Jakob holte ein paar Seile aus der Truhe hinten im Stall und packte sie in einen Sack zu den Ketten, den rostigen Beißzangen und den Leinentüchern zum Aufwischen des Blutes. Dann warf er den Sack auf den Wagen und führte den aufgezäumten Schimmel nach draußen vor das Haus. Sein Vater kletterte auf den Karren und setzte sich im Schneidersitz auf den Holzboden. Das Schwert ruhte auf seinen mächtigen Oberschenkeln. Der Büttel schritt eilig vorneweg. Er war froh, außerhalb der Reichweite des Henkers zu sein.
»Los jetzt!«, rief Johannes Kuisl.
Jakob zog an den Zügeln, und der Wagen setzte sich quietschend in Bewegung.
Schreibstil:
die alte Zeit herauf beschwörend, bilderreiche Erzählungen, Szenenänderungen gut in Worte gefasst, ausführliche, detailreiche Beschreibungen, mitreißend, fesselnd, in den Bann ziehend, interessant, spannend, realisitisch, berührend, bewegend
Meinung:
Der sterbende Junge, der in Schongau aus dem Lech gezogen wird, hat viele Messerstiche, die ihm sein Leben rauben. Die Tätowierung auf der Schulter lässt die Menschen jener Zeit daran glauben, dass eine Hexe im Spiel war. Also wird die Hebamme des Ortes verdächtigt und eingekerkert. Auch andere Kinder sterben noch. Also wird der Henker Jakob Kuissl beauftragt, durch Folter der Hebamme ein Geständnis zu entlocken. Der aber glaubt an ihre Unschuld und macht sich mit seiner Tochter und dem Medicus auf die Suche nach Gegenbeweisen.
Im Buch aufgebaut ist die Hexenverfolgung nach gut recherchiertem Hintergrundwissen jener Zeit des 17. Jahrhunderts. Spannung aufbauend zu Beginn des Romans bleibt es spannend zu lesen bis zum Schluss.
Auch der Aberglaube dieser Zeit ist gut nachzuvollziehen.
Sehr glaubwürdig und realistisch, spannend und fesselnd nahmen mich die Handlungen und die Worte des Autors mit auf die Reise in die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg in Deutschland.
Jakob Kuisl hat es in seinem Beruf nicht einfach. Auch sein Vater wwar schon bereits ein Henker und er vererbte diesen Beruf. Bei den Leuten in Schongau war er verhasst wegen seines Berufsstandes. Die Leute mieden die Familie.
Alle Informationen dieser längst vergangenen Zeit baut der Schriftsteller in sein Werk gekonnt und realistisch ein. Der Beruf des Henkers und sein Dasein mit der Verachtung und dem Hass seiner Mitmenschen sind ebenso wahrheitsgetreu wie die Szenen der Folter und der Hexenverfolgung mit dem dazu gehörenden Wahn.
Der Roman ist aus der Sicht des Henkers geschrieben und damit konnte ich alles aus der Sicht des vom Gericht beauftragten Menschen, der Menschen nach einem Urteil des Gerichtes zu töten hatte, miterleben.
Tod, Liebe, Politik zeigen die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg sehr lebendig auf.
Die Dialoge zwischen den Personen sind in einem Dialekt gehalten und niedergeschrieben.
Die Henkerstochter spielt nur eine Nebenrolle, die Hauptrolle spielt der Henker selbst in diesem Buch.
Der Prolog beginnt am 12.10.1624.
1. Kapitel: April 1659 und Kapitel 16 ist das letzte Kapitel des Romans am 1.5.1659.
Jedes dieser Kapitel hat ein Datum, Uhr- und Tageszeit und umfasst den Zeitraum von nivht ganz einem Monat.
Epilog: bringt den Abschluss dieses Romans und wird im Buch "Die Henkerstochter und der Mönch" weiter ausgeführt.
Der Zauber des Mittelalters kommt gut zur Geltung, die Denkweisen und der Aberglaube. Der Berufsstand des Medicus und auch des Henkers sind sehr gut beschrieben, auch die Traditionen aus dieser Zeit.
Ich bin begeistert von dem Roman, obwohl manche Sätze immer mal wieder wiederholt wurden. Mich hat das nicht allzu sehr gestört. Grausame und brutale Szenen zeigen an, in welcher Zeit die Menschen lebten und welchen Machenschaften der Kirche sie ausgeliefert waren. weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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morla, 04.09.2010, 17:53 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
ein schönes wochenende wünsch ich dir lg. petra
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Die frühe Neuzeit
11.08.2010, 18:09 Uhr von
BlackFlower
Man kennt, liebt und hasst mich als BlackFlower, ich bin verrückt, manchmal verwirrtPro:
ALLES
Kontra:
NICHTS
Empfehlung:
Ja
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°º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸, INHALTSVERZEICHNIS °º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸,
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1. VORWORT
2. ALLGEMEINE DATEN
3. DER AUTOR
4. GESCHICHTE
5. DAS 17. JAHRHUNDERT
6. DER 30.JÄHRIGE KRIEG
7. DER HENKERSBERUF
8. PEINLICHE BEFRAGUNG, HEXENVERFOLGUNG & TORTUR
9. BLACK FLOWERS MEINUNG
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°º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸, VORWORT °º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸,
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Da ich in letzter Zeit sehr viele historische Romane gelesen habe und ein neues Buch gesucht habe, bin ich vor Kurzem auf diesen Roman gestoßen und hatte ihn auch innerhalb einer Woche durchgelesen. Mir hat das Buch sehr gefallen, und deshalb will ich es Euch heute vorstellen. Es gibt auch noch ein weiteres Buch, das ich Euch vorstelle sobald ich es zu Ende gelesen habe, was die nächsten Tage sein wird.
Schon einmal vorab viel Spaß beim Lesen.
Eure
BlAcK-KiTtY
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°º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸, ALLGEMEINE DATEN °º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸,
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Titel: Die Henkerstochter
Autorin: Ullstein Tb
Seitenanzahl: 511
Art des Buches: Taschenbuchverlag
Kaufpreis: 8,95 €
Kaufort: Amazon
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°º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸, DER AUTOR °º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸,
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Oliver Pötzsch wurde im Jahre 1970 in München geboren. Er ist Filmautor und Schriftsteller.
Nachdem Pötzsch sein Abitur absolviert hatte, besuchte er von 1992 bis 1997 die Deutsche Journalistenschule in München.
Danach arbeitete er für den Bayrischen Rundfunk. Erst im Bereich Radio, dann war er für die wöchentliche Fernsehsendung QUER verantwortlich.
Im Jahre 1999 erstellte er für das Freizeit-Magazin des Bayrischen Rundfunks Reportagen aus Kuba, Vietnam und Südafrika.
Als Hobby machte er es sich zur Aufgabe seine Familiengeschichte zu erforschen. Er fand heraus, dass er ein Nachfahr der Kuisls ist. Diese Familie war vom 16. bis zum 19. Jahrhundert eine sehr bekannte Henkersdynastie in Schongau.
Seine Forschungen hat er in zwei historischen Romanen niedergeschrieben. Nochmals zwei stehen bereits in Planung.
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°º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸, GESCHICHTE °º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸,
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Die Geschichte beginnt genau elf Jahre nach Ende des 30.jährigen Krieges. Zu dieser Zeit waren noch ganze Landstriche von dem langwierigen Krieg verwüstet. Unsere Geschichte spielt in Schongau. Beschrieben wird das Leben vom Henker Jakob Kuisl und seiner Familie.
In diesen schwierigen Zeiten hatte die Bevölkerung noch stark mit den Nachwehen des krieges zu kämpfen. Die ganze Wirtschaft und Infrastruktur lag brach. Der bayrische Schongau lag damals noch immer im Wettstreit mit der Nachbarstadt Augsburg.
Als eines Tages der junge Peter Grimmer, der Sohn eines Flößers war tot im Wasser gefunden wird, werden Mordermittlungen unternommen um den Täter zu fassen. Denn es ist offensichtlich, dass der junge Mann keines natürlichen Todes gestorben ist.
Der Medicus des Ortes, der auch Sohn eines Baders ist und Simon Fronwieser heißt übernimmt die Obduktion der Leiche. Dabei stellt er fest, dass der Junge mit einem Messer getötet wurde, denn der ganze Körper ist übersäht mit Messerstichen. Eines kommt dem Medicus allerdings sehr seltsam vor, denn er findet auf der Schulter des Jungen ein tätowiertes Mal. Als dies bekannt wird denken sofort alle aufgebrachten Bewohner und der Vater des Jungen, dass es sich hier um Hexerei handelt. Eine Verdächtige ist auch schnell gefunden. Die Bewohner richten ihr Augenmerk nämlich auf die Hebamme Martha Stechlin. Denn bei ihr verkehrte der Junge sehr oft, wie auch andere Kinder.
Um die alte Frau vor den aufgebrachten Bewohnern zu schützen, denn diese hätten die Frau gelyncht, bringt der Henker Kuisl sie in den Kerker der Stadt.
Aufgrund des mysteriösen Mals auf der Schulter untersucht der Medicus den Jungen nochmals und diesesmal noch gründlicher als zuvor. Dabei nimmt er sich auch viele medizinische Bücher, die er besitzt zur Hilfe. Durch eines seiner Bücher findet er heraus, dass das Mal mit Hollersaft tätowiert wurde. Das Ganze findet er ziemlich mysteriös und der Fall lässt ihn auch nicht ruhen. Er kommt auch immer mehr ins Grübeln ob es sich nicht doch um Hexerei handelt.
Jakob Kuisl ist der Vater einer sehr intelligenten und neugierigen Tochter die auf den Namen Magdalena hört. Auch sie wird in den Bann dieses mysteriösen Falls gezogen. Jedoch glaubt sie auch, wie ihr Vater an die Unschuld der armen alten Frau. Denn Kuisl weiss, dass wenn die alte Frau unter der Folter gesteht, wie es viele Frauen taten, weil sie die schrecklichen Schmerzen der Tortur nicht mehr ertragen konnten, werden ihr auch noch weitere Frauen auf den Scheiterhaufen folgen und das will er verhindern. Denn der Henker hat selbst im 30.jährigen Krieg gekämpft, viel schreckliches gesehen und getan und er hat auch schon viele Frauen auf Scheiterhäufen brennen gesehen und weiss was dies nach sich zieht. Außerdem glaubt er nicht wirklich an den ganzen Hokus Pokus seiner Zeitgenossen.
Der Henker setzt alle Hebel in Bewegung um die Unschuld von der Frau zu bestätigen. Er sucht auch den Gerichtsschreiber Lechner dafür auf. Doch Lechner ist da ganz anderer Meinung er würde die alte Frau lieber heute als morgen bei der Folter und auf dem Scheiterhaufen sehen. Zwar glaubt er selbst nicht an die Schuld der alten Frau, doch will er dass die Menschen in der Stadt befriedigt sind. Denn weitere Hexenverbrennungen wären für ihn das geringste Problem.
Als der Stadtrat zusammen kommt um dieses Problem zu erörtern, beschließen sie, dass die Frau als Hexe verurteilt werden soll und sich somit opfern soll. Denn sie alle wollen das Wohl der Stadt Schongau. Doch gibt es auch Gegner in den Reihen der Ratsmitglieder, die mit diesem Verfahren nicht einverstanden sind. Denn es ist noch gar nicht lange her, dass sich ein ähnlicher Fall ereignete. Damals mussten zahlreiche Frauen ihr Leben lassen. Nicht nur die einfachen Stadtmitglieder sondern auch hoch angesehene Bürgersfrauen. Doch alles nützt nichts und der Henker muss sich auf die peinliche Befragung vorbereiten.
Am Tag der peinlichen Befragung schont er aber die arme alte Frauund lindert ihre Schmerzen ein wenig.
Auch der Medicus unternimmt weiterhin Nachforschungen und bringt in Erfahrung, dass sehr viele Waisenkinder die alte Hebamme besucht haben. Er kann sogar eines ausfindig machen. Es handelt sich hierbei um die kleine Sophie. Sie ist sehr verängstigt. Nur kurze Zeit später wird das nächste Opfer tot aufgefunden. Diesesmal handelt es sich um den Sohn eines Krämers. Auch er besitzt das gleiche mysteriöse Mal auf der Schulter wie der Vorherige.
In der Stadt wird auch ein mysteriöser Fremder mit einer Knochenhand gesichtet. Viele halten ihn für den Teufel. Doch ist er es wirklich? Die Zeit drängt auch immer mehr und die beiden Ermittler müssen sich beeilen, dass nicht bald ein riesiges Unglück über die Stadt hereinfegt. Was werden sie tun? Was wird weiterhin geschehen?
Um Euch nicht die ganze Spannung zu nehmen, beschreibe ich jetzt den wichtigsten und spannensten Teil der Geschichte nicht. Hier heißt die Devise wieder einmal SELBST LESEN!!
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°º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸, DAS 17.JAHRHUNDERT °º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸,
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Das 17.Jahrhundert dauert vom 01.01.1601 – 31.12.1700. Diese Epoche wird als die Frühe Neuzeit bezeichnet. In diesem Jahrhundert gab es sage und schreibe in Europa ganze 22 Kriege. Doch der 30.jährige Krieg und die religiösen und dynastischen Spannungen aufgrund deren der 30.jährige Krieg zu stande kam waren der Höhepunkt dieser Kriege.
Der 30.Jährige Krieg betrag ganz Europa. Ganze Landstriche wurden verwüstet und entvölkert. Durch den Westfälischen Frieden kam es auch zur Glaubensspaltung. Auch die mittelalterliche Feudalordnung hatte mit diesem Krieg ihr Ende gefunden.
Dadurch nahm die deutsche Kleinstaaterei ihren Anfang.
Auch hatte im 17.Jahrhundert die Hexenverbrennung ihren Höhepunkt.
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°º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸, DER 30.JÄHRIGE KRIEG °º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸,
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Der 30.Jährige Krieg war eine Auseinandersetzung über die konfessionelle Orientierung der Territorien des Heiligen Römischen Reiches und der vom Kaiserhaus betriebenen Gegenreformation. Dieser Konflikt eskalierte 1618. Dieser Konflikt löste auch den 30jährigen Krieg aus.
Dieser Krieg führte in Mitteleuropa zu einer wirtschaftlichen und politischen Katastrophe. Durch den Krieg gelangte auch der deutschsprachige Raum zum Brennpunkt der europäischen Interessen.
Schweden unterstützte die deutschen Protestanten, Frankreich hingegen die Katholiken. Im Laufe des Kriege kämpften immer mehr Söldnertruppen aus Europa auf der Seite der verschiedenen Heerführer.
Mit der Zeit wurde die Kriegsführung immer unkontrollierter. Ganze Städte wurden geplündert und sehr lange belagert. Dabei mussten die belagernden Soldaten vom Umland ernährt werden, was natürlich auf lange Sicht gesehen die Nahrungsvorräte sehr schnell aufbraucht und in diesen Zeiten war es auch sehr schwer mehr Leute als üblich über lange Zeit hinweg zu versorgen. Deshalb hungerte die Bevölkerung, etc.
Die Söldnertruppen mussten sich selbst ernähren was sie auch immer mit ungezügelter Gewalt durchsetzten.
Im Laufe des Krieges erlebte Zentraleuropa einen Bevölkerungsrückgang und einen Einbruch der landwirtschaftlichen Produktivität.
1648 beendete dann der Westfälische Frieden diesen grausamen und langwierigen Krieg. Somit haben ab nun die einzelnen Territorien die Macht die Religion ihres Landes zu bestimmen.
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°º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸, DER HENKERSBERUF °º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸,
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Der Henkersberuf war ein unehrenhafter Beruf. Henker waren meist sehr gefürchtete Männer, die einerseits sehr gefürchtet, andererseits aber auch sehr geachtet wurden. Der Henkersberuf war aber im Grunde genommen genauso unehrenhaft wie der Dirnenberuf, der Abdeckerberuf, etc. Die Henker lebten meist außerhalb der Städte. Meistens kurz hinter der Stadtmauer.
Jedoch waren Henker ganz und gar nicht arm und sie lebten auch nicht in ärmlichen Verhältnissen. Sie hatten lediglich nicht den besten Ruf und wurden oft aus Angst gemieden. Ihre Anwesen waren meist schön und nicht ärmlich.
In den Kriegszeiten konnte man Henker werden, wenn man selbst straffällig wurde. Man hatte ja schließlich nicht allzu viele Alternativen und der Henkersberuf war noch der lukrativste. Auch wählte man diesen Beruf lieber als selbst hingerichtet zu werden, denn damals wurde man noch für alle möglichen Vergehen hingerichtet. Diebstahl, Ketzerei, etc sind nur zwei von vielen.
Im Laufe der Zeit entstanden durch die Henkersfamilien ganze Henkersdynastien, denn in dieser Zeit war es auch oft üblich, dass der Sohn den Beruf des Vaters übernahm. Meisten trat der älteste Sohn die Nachfolge des Vaters an. Auch wurde der Sohn dann in das richtige Töten vom Vater eingelernt. Meistens war ihr Gesellenstück dann die Enthauptung eines Verbrechers. Denn dies war eine schwierige Aufgabe und sie musste schnell, sauber und für den Verurteilten schmerzlos und schnell ablaufen. Denn oft passierten auch grausame Sachen, wenn ein Henker dieses Handwerk nicht richtig verstanden hat. Denn dann wurde der Kopf nicht mit einem Schlag abgetrennt und der Verurteilte lebte noch und erlitt grausame Qualen, bis er endlich den Tod fand.
Da jedoch der Henkersberuf als unehrenhaft galt, wurde eine soziale Abgrenzung vollzogen. Jedoch darf man sich die Henker nicht als ungebildet, etc vorstellen. Sie besaßen sehr gute Kenntnisse der menschlichen Anatomie, denn eine Hinrichtung solllte immer schnell und schmerzlos von Statten gehen. Auch verstanden sie sich nicht nur im Töten sondern auch im Heilen, denn gerade wenn gefoltert wurde, mussten die Verurteilten oft noch Tage oder Wochen lang im Kerker überleben, bis sie endlich hingerichtet werden konnten. Und dass dem Volk dieses grausame Hinrichtungsschauspiel nicht entging, mussten die Henker ihr bestes tun und die Leute bis zur Hinrichtung am Leben erhalten. Denn eine Folter trieb die Verurteilten meistens ziemlich nahe an den Rand des Todes.
Einige Henkersfamilien schafften es im Laufe der Zeit richtig vermögend zu werden. Jedoch hatten sie trotzdem noch den Stempel: Handlanger des Todes zu sein. Es war somit gleichzeitig auch ein Fluch. Und das Morden und Foltern wirkte sich auch negativ auf die Psyche dieser Männer aus, denn sie waren oft sehr gewalttätig und alkoholsüchtig.
Henker war ganz und gar nicht ungebildet, nein sie zählten von ihrem Wissen her sogar zu den Gebildetsten ihrer Zeit. Sie waren einfach nur Marionetten dieses Staatssystems.
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°º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸, PEINLICHE BEFRAGUNG, HEXENVERFOLGUNG, TORTUR °º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸,
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PEINLICHE BEFRAGUNG/TORTUR
Die peinliche Befragung wurde auch oft als hochnotpeinliche Befragung, scharfe Frage oder Tortur bezeichnet. Diese war ein Verfahrenselement der Gerichtsbarkeit im hohen und späten Mittelalter und in der Frühen Neuzeit.
Peinlich leitet man hier durch das Wort Pein ab. Dieses Wort hat im Latein seinen Ursprung (poena was übersetzt die Strafe bedeutet).
Oft hört man den Begriff die peinliche Befragung im Zusammenhang mit der Hexenverfolgung und den Inquisistionsprozessen. Später verstand man unter diesem Begriff einfach den Einsatz der Folter. Diese wurde eingesetzt um vom Angeklagten ein Geständnis hervorzubringen. Die peinliche Befragung wurde gerade bei Hexenprozessen oft solange wiederholt, bis die Angeklagte alles gestand was die Befragen wissen wollten.
Zwar wurde die Folter allgemein zu dieser Zeit eingesetzt um die Leute zu verhören, allerdings entwickelte sich die Methode von Region zu Region eigenständig.
Schriftlich beurkundet findet man die peinliche Befragung das erste Mal im Jahre 1532 unter der Herrschaft von Karl V. in der reichseinheitlichen Halsgerichtsordnung. Somit gilt die Constituio Criminalis Carolina (Halsgerichtsordnung) als erstes deutsches Strafgesetzbuch. Durch die Inquisition und die Hexenverfolgung erlangte sie in der frühen Neuzeit Berühmtheit.
Diese Befragung sollte erst dann eingesetzt werden, wenn kein Geständnis vor dem urgicht genannt wurde und auch durch keine andere Verfahrensmethode ein Beweis für die Schuld des Angeklagten gefunden worden war. Auch musste für diese peinliche Befragung ein dringender Tatverdacht bestehen. Vom eigentlichen Prinzip her konnte sie daher nicht willkürlich eingesetzt werden, was aber trotzdem im Zuge der Hexenverfolgungen geschah, denn hier war der Tatverdacht mit heutigen Augen gesehen wirklich weit hergeholt. Ausgeschlossen von diesem Verfahren waren Behinderte, Greise, Schwangere, Geisteskranke und Kinder unter 14 Jahren.
Vor der peinlichen Befragung machte man zuerst eine Territion, also eine Abschreckung indem man dem Angeklagten die Folterinstrumente vorführte.
HEXENVERFOLGUNG
Die Hexenverfolgung fand in West- und Mitteleuropa statt. Vorallem während der Frühen Neuzeit. Der Grund dieser Verfolgung war dass damals die Vorstellung eines umherirrenden Teufels auf Erden, der die Menschen in seinen Bann und zu Gräueltaten anstiftet, weit verbreitet. Die Leute hatten meist nur eine geringe Bildung und waren stark von der Kirche, die damals noch erhebliche Macht hatte, geprägt und somit empfänglich für derartigen Aberglauben. Hexen und Hexer waren dabei Werkzeuge des Teufels die angeblich das Christentum gefährdeten. Zwar gab es auch die Verfolgung von Hexern allerdings waren ¾ der Opfer Frauen. Auch heutzutage findet man Hexenverfolgungen noch. Aber meistens nur noch in Südamerika und Afrika. In der westlichen Welt nicht.
Die Verfolgung hatte ihren Höhepunkt zwischen dem 15-18. Jahrhundert. Diese Verfolgung ging auf das Konto der kirchlichen Inquisition.
Wurde nun eine Frau als Hexe denonziert so gab es verschiedene Verfahrensmöglichkeiten bei der peinlichen Befragung. Eine sehr gängige Methode war früher die Wasserprobe. D. H. man hat die Verurteilte an Händen und Füßen festgebunden und in einen tiefen See geschmissen. Tauchte sie dann wieder auf war sie als Hexe entlarvt und wurde verbrannt. Ging sie unter, war sie keine Hexe. Dies war aber nur zu Anfang eine beliebte Methode später aber nicht mehr.
Später wand man zuerst oft die Daumenschrauben an. Dies war meist der Start der peinlichen Befragung. Hier wurde jeder Daumen der Frau zwischen zwei Eisenplatten, die innen einen Nagel besaßen geklemmt und dann wurden diese Platten immer mehr zugedreht, bis die Daumen der Frau Matsch waren. Danach setze man ihnen oft die Spanischen Stiefel an. Diese wurden am Knöchel und am Scheinbein befestigt. Auch das war eine Metallplatte die Spitze Schrauben besaßen. Somit wurde der Frau damit in das Fleisch und in den Knochen gebohrt. Hatte Sie dann immer noch nicht gestanden, band man ihr die Hände auf dem Rücken zusammen, befestigte diese an einem Seil und zog das Seil langsam nach oben. So rissen oft die Sehnen, etc der Verurteilten und die Gelenke wurden aus den Glieder gezogen. Dann wurde die Verurteilte kurz hängen gelassen, oft aus 3-4m auf den Boden fallen gelassen, während sie so aufgehängt war, peitsche man sie oft nebenher aus, riss ihr die Fußnägel und Fingernägel aus, Beklebte sie mit brennenden Teerpflastern, übergoss sie mit Schnaps und zündete sie an, ließ sie so hängen und ging 2 Stunden in den Mittag, etc. Wirklich schrecklich also.
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°º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸, BLACK FLOWERS MEINUNG °º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸,
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Das Buch hat mir wirklich sehr gut gefallen. Es ist wirklich sehr spannend und beschreibt die Zeit in der es spielt sehr genau und meiner Meinung nach auch authentisch. Pötzsch hat mit diesem Roman einen wirklich tollen historischen Kriminalroman geschaffen. Er hat den schongauer Henker Kuisl als Ermittler eingesetzt.
Man glaubt es kaum, dass das dem Autor sein Debütroman ist. Der Roman ist sehr fesselnd und spannend geschrieben und zeigt auch etwas über die Gesetzeslage und die Ermittlungen in dieser Zeit. Außerdem erfährt man auch sehr viel über den Beruf des Henkers, der einerseits gebildet und wohlhabend und andererseits ein Aussätziger und Gefürchteter war. Gut finde ich auch, dass beschrieben wird, wie hart die Arbeit der Henker war, denn sie mussten oft auch gegen ihre Überzeugung Menschen foltern und quälen. Weshalb ich auch gut verstehen kann, dass viele von ihnen alkoholsüchtig waren.
Der Roman löst viele Vorurteile gegen diesen Beruf auf. Er zeigt dass sie eben dazu gezwungen waren, diese unmenschlichen Sachen auszuführen. Man sieht auch wie brutal und blutige die Hinrichtungen oft von Statten gingen. Jedoch wird die Hinrichtung und die Folter von Pötzsch sehr neutral und sachlich geschildert.
Das Wissen von Pötzsch ist wirklich sehr fundiert und strukturiert, man sieht dass er sich wirklich mit diesem Thema befasst hat. Schön finde ich auch, dass er die Geschichte seiner Vorfahren beschreibt. Durch die Recherchen über seine Familie, die ja eine bekannte Henkersdynastie in Schongau war, schuf er einen fantastischen Erzählepos.
Er weist auch einen logischen, stimmigen und mitreißenden erzählerischen Stil auf, der das Buch sehr lebendig wirken lässt. Man erfährt sowohl sehr viel über die Arbeit eines Henkers wie auch das Leben eines solchen Mannes und seiner Familie in dieser Zeit. Schön finde ich auch, dass man einen Einblick in das Schongau dieser Zeit gewährt bekommt. Man erfährt etwas über das gesellschaftliche Zusammenleben dieser Stadt und über ihre Geschichte. Was ich immer ganz besonders spannend finde, denn ich habe auch schon viele andere historische Romane über andere deutsche Städte, die fast in der gleichen Zeit gespielt haben, gelesen und so kann man sich ein Bild machen wie unterschiedlich das Leben im jeweiligen Landesabschnitt war.
Die Entwicklung von Kapitel zu Kapitel gefällt mir auch sehr gut. Die Ermittlungen entwickeln sich mit der Zeit man lernt die einzelnen Charakterzüge der Menschen kennen, und somit wird auch Spannung erzeugt. Oft hat der Autor auch sehr schöne Wendungen und Erklärungen bei den Ermittlungen der beiden Hauptprotagonisten Kuisl und Fronwieser eingesetzt. Immer gerade dann wenn man denkt, man weiss wie die Geschichte ausgeht, nimmt sie wieder eine unerwartete Wendung. Was mir allgemein gut gefällt.
Schön beschrieben sind auch die ganzen Nebenschauplätze dieser Geschichte. Auch die Dialoge sind sehr gelungen. Im Buch findet man sowohl Spannung, Action, Kriminalistik, Liebe und Leid. Der Autor schildert die Lebensbedingen dieser Zeit wirklich sehr gut. Man bekommt somit einen hervorragenden Einblick in diese Epoche.
Auch die Charakterisierung der beiden Protagonisten sind auch sehr schön charakterisiert. Zwar wird Kuisl sehr postitiv dargestellt, jedoch entdeckt man im Laufe der Geschichte auch sehr dunkle Seiten seiner Seele.
Man merkt auch, dass der Roman so konzepiert wurde, dass es eine Fortsetzung geben kann, denn einige Sachen bleiben offen, somit macht der Autor neugierig auf die Fortsetzung.
Die schlechten Charaktere sind sehr transparent beschrieben. D.H. dass man über ihr Leben und ihre Motive nichts erfährt. Sie sind somit nicht mehr- sondern nur eindimensional beschrieben. Was sie in einem noch negativeren Licht erscheinen lässt.
Jedoch finde ich, dass der Titel des Buches etwas falsch gewählt wurde, denn sie kommt zwar im Buch vor, allerdings zählt sie nicht wirklich zu den Protagonisten. Zwar spielt sie auch eine wichtigere Rolle. Die beiden Protagonisten sind jedoch ihr Vater und der junge Medicus.
Das Buch hat mir wirklich sehr gut gefallen und ich kann es Euch nur empfehlen. Vorallem den Fans von historischen Romanen. weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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peter_nordberg, 12.08.2010, 01:36 Uhr
Bewertung: besonders wertvoll
Schöner Bericht von dir.lg Peter
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Scharfrichter Pötzschs Erstlingswerk
Pro:
siehe Text
Kontra:
siehe Text
Empfehlung:
Ja
Man würde nie glauben, dass man es mit einem Erstlingswerk zu tun hat, wüßte man es nicht ...
Oliver Pötzsch ist ein Naturtalend *g* Wer historische Literatur mag, wird diesem Autorennamen sicher schon begegnet sein.
Mittlerweile gibt es schon zur "Henkerstochter" den Folgeroman "Die Henkerstochter und der schwarze Mönch" .
Daten zum Buch:
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Broschiert: 511 Seiten
Verlag: Ullstein Tb (1. April 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548268528
ISBN-13: 978-3548268521
Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12 x 3,2 cm
PREIS: 8,95 Euro
Inhalt und Gliederung:
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Das Buch beginnt in Schongau am 12. Oktober 1624 mit dem Prolog. Das 1. Kapitel entführt den Leser dann in den April das Jahres 1659. Auch hier ist Schongau Handlungsort. Kapitel 16 ist das letzte Kapitel und spielt sich am 1. Mail des gleichen Jahres ab. Das Buch beschriebt also nicht einmal einen Monat des Jahres 1659. Jedes Kapitel ist nicht nur mit den Daten, sondern mit der genauen Uhr- bzw. Tageszeit versehen.
Ein Epilog beschließt die Handlung, die dann im zweiten o.g. Band des Roman fortgeführt wird.
Es ist die Zeit kurz nach dem 30jährigen Krieg. Der Fluß Lech ist der erste Handlungort, dort wird ein Junge (Peter Grimmer) aus dem Wasser gefischt, der ein Zeichen in seiner Schulter eintätowiert hat. Es wird gemunkelt, das Hexen dafür zuständig sind. Martha kommt in Verdacht. Sie ist Hebamme. Die Ratsherren würden den "Fall" gern ad acta legen und Martha beschuldigen, damit dem Spuk ein Ende gesetzt ist. Jakob Juisl soll sie foltern und so zum Geständnis bringen. Dieser tut aber nicht das, was ihm geheißen wurde, sondern er forscht mit noch anderen, die auch von der Unschuld der Hebamme überzeugt sind nach, was nun wirklich passiert sein mag. Es werden in der Leicher mehrere Messerstiche entdeckt, die darauf hindeuten, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Sie sind der Meinung, es ist ein Verbrechen passiert, und Marha soll unschuldig dafür büssen. Nicht nur dieser tote Junge, sondern noch mehrere Todesfälle passieren bzw. Kinder verschwinden spurlos...
Ein Wettrennen gegen die Zeit beginnt, wenn sie nicht bald den wahren Schuldigen finden, dann muss Martha wohl oder übel für etwas büssen, was sie nie begangen hat.
meine Meinung zum Buch, der Idee und deren Umsetzung:
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Ich habe dieses Buch mit Genuss gelesen. Vielleicht habe ich ja Glück und bekomme den Folgeroman zu Weihnachten geschenkt *g* - nach dem Lesen des ersten Bandes ist man quasi gezwungen, die Fortsetzung zu lesen, weil man wissen möchte, wie es um die handelnden Personen weitergeht.
Pötzscht schreibt sehr spannend und man spürt, dass er sich mit der Handlung (nicht nur, aber sicher vordringlich wegen der familiären Bande) identifiziert. Die Handlung ist top recherchiert und als Leser erfährt man auch sehr viel rund um diese Zeit, um den Berufsstand des Scharfrichters und natürlich rund um die Traditionen und das Leben der damaligen Zeit, die so weit in der Vergangenheit und umso faszinierender für viele Leser ist.
Die Geschichte ist sehr spannend angelegt ... besonders auch vom Spannungsbogen her atemberaubend, faszinierend und super durchdacht. Ich konnte mich sehr gut in die Charaktere, die sehr bildhaft dargestellt sind, hineinversetzen und mit ihnen fühlen. Pötzsch schreibt sehr zu Herzen gehend, aber auch mit Fakten gespickt.
Man könnte sagen, es handelt sich um eine historischen Kriminalroman. Die Ermittlerfigur ist hierbei Jakob Kuisl - der Henker aus Schongau - Das Mittelalter lebt vor dem geistigen Auge des Lesers auf. Ich finde das Zusammenspiel von Fiktivem und die recherchierten historischen Fakten optimal gewählt. Pötzsch schreibt so, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt, auch bei schrecklichen Szenen schreibt er bildhaft und detailliert.
Anbei hat Pötzsch die Liebesgeschichte zwischen Simon und Magdalena drapiert, die das ganze Geschehen auflockert zum einen und irgendwie auch zu Herzen gehend macht. Die oft angewandte wörtliche Rede trägt dazu bei, dass der Leser sich sehr schnell in die Handlung involviert fühlt, und die Charaktere und Handlungsorte werden eingehend bildhaft dargestellt.
Es passt einfach alles zusammen und ergibt einen äußerst lesenswerten historischen Roman.
der Autor:
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Oliver Pötzsch ist 1970 geboren und beim Bayerischen Rundfunk als Filmautor tätig. Er ist für "quer" zuständig. Er selbst ist ein Nachfahre der im Buch erwähnten Kuisls, die vom 16. bis 19. Jhd. in Bayern als Henekr sehr berühmt waren und noch sind. Er lebt mit seiner Familie in Münschen.
handelnde Personen:
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Jakob Kuisl Scharfrichter aus Schongau
Simon Fronwieser Sohn des Stadtmedicus
Magdalena Kuisl Henkerstochter
Anna Maria Kuisl Jakobs Frau
Georg und Barbara die Zwillinge Kuisl
Bonifaz Fronwieser Vater von Simon
Martha Stechlin, Hebamme
Josef Grimmer, Fuhrmann
Georg Riegg, Fuhrmann
Konrad Weber Pfarrer
Katharina Daubenberger Hebamme
Resl Magd
Martin Hueber Fuhrmann aus Augsburg
Franz Strasser Wirt
Agathe Kratz, Frau vom Krämer
Maria Schreevogl, Frau des Ratsherren
Graf Wolf Dietrich von Sandizell kurfürstlicher Pfleger
Söldner
Ratsherren
Kinder
kurze Leseprobe zum Schluss:
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Simon und Jakob Kuisl trugen die ohnmächtige Hebamme zurück in ihre Zelle und deckten sie zu. Ihr Gesicht war nicht mehr blau, sondern kalkweiß, die Lider flatterten, aber ihr Atem ging ruhig. Simon sah den Henker von der Seite an. "Das wart doch Ihr, oder?, fragte er. "Ihr habt ihr irgendwas gegeben, damit die Folter aufhört und wir Zeit gewinnen. Und dann habt Ihr mich über Eure Frau gebeten, ab Mittag draußen zu warten. Dass die Büttel mich holen und nicht meinen Vater, der vielleicht etwas merken könnte .... weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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testwriter, 28.12.2009, 01:28 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
supi berichti, toll geschrieben..guten rutsch
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Bunny84, 27.12.2009, 20:58 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
Ich wünsche dir einen guten Rutsch ins neue Jahr. Liebe Grüße sendet dir BUNNY84 PS: Freue mich über Gegenlesungen
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sandraberg, 27.12.2009, 19:58 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
wie immer ein toller bericht von dir . ganz liebe grüsse und schöne feiertage wünscht dir, sandra!
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