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Erfahrungsbericht von Chinderella

Im Uniklinikum Leipzig ist der Teufel los!

Pro:

zentral, viele Kliniken der unterschiedlichsten Fachrichtungen

Kontra:

s. Bericht

Empfehlung:

Nein

Im Uniklinikum Leipzig ist zur Zeit der Teufel los!


Dieser Bericht ist für alle diejenigen bestimmt, die - ob urplötzlich oder lange schon geplant - ins Krankenhaus müssen.

Dieser Weg ist wahrlich kein leichter und für jeden Betroffenen, als auch für deren Familienangehörigen sehr belastend. Oft ist zunächst unklar, über wie viele Tage sich der Aufenthalt ziehen wird, geschweige denn was alles auf einen zukommt.

So ging es mir, als ich Anfang Dezember 2004 urplötzlich stationär musste. Ich war völlig „aus dem Häuschen“. Denn diese Wendung in meiner Krankheit kam urplötzlich und völlig überraschend.

Daß meine Blutbefunde von Woche zu Woche immer schlechter wurden, war unumstößliche Tatsache, ebenso daß ich seit 6 Wochen Fieber und geschwollene Lymphknoten am Hals hatte. Die Ursache dafür war völlig unklar. Das einzige, was feststand war die Tatsache, daß ich eine Infektion hatte, deren Erreger sich nicht ohne weiteres feststellen ließen. Und so ließ meine Hausärztin eines Tages nicht mehr mit sich handeln und überwies mich kurzerhand ins Uniklinikum Leipzig. Dort durfte ich binnen von 18 Stunden anrücken. - Was dann auf mich zukam, war der reinste Alptraum ... . –

Zunächst verweilte ich 8 Tage im Krankenhausbett der Inneren Abteilung – im 4-Bett-Zimmer (Alter 16 – 60 Jahre), zwar WC, aber nur Waschecke durch einen billigen Vorhang abgetrennt.
Das Bettenhaus ist aus DDR-Zeiten übrig geblieben und hat seitdem keine Renovierung erfahren, alles alt und heruntergekommen.
Die Umgangsformen auf der Station ließen auch sehr zu wünschen übrig – arrogante und unfreundliche Ärzte, kurzangebundenes Pflegepersonal.
In den ganzen 8 Tagen hat nicht ein einziger Arzt mit mir über mein Krankheitsbild gesprochen, Untersuchungen wurden ohne ein Wort der Erklärung angesetzt, Befunde prinzipiell nicht mit mir besprochen.
Grundsätzlich wurde ich nur „abgewimmelt“ und mit Schärfe „ruhiggestellt“, wenn ich mich gegen diese Art und Weise auflehnte. Den Patienten einschüchtern um jeden Preis, lautete hier offensichtlich die Devise.

Kurz zum Verlauf der Tage auf der Inneren: Eingewiesen wurde ich von meiner Hausärztin mit der Bitte um Abklärung bezüglich der schlechten Blutbefunde. Aber danach hat hier niemand geforscht. Es wurde keine einzige Blutsenkung veranlasst und ebenso keine anderen Laborbefunde. Statt dessen hieß es schon am 2. Tag für mich dringend in den OP. Die Diagnose lautete Schilddrüsenkarzinom. Ich muß wohl keinem sagen, was das heißt. Die Ärzte waren sich einig – ich hatte Krebs. Daran ließen sie nicht einen einzigen Zweifel und machten mir das auch unmissverständlich klar.
Und so suchten sie nun durch alle möglichen Untersuchungen nach Metastasen im ganzen Körper, obwohl es dafür nicht einen einzigen Anhaltspunkt gab. – Meine Schilddrüsenwerte waren erst wenige Tage vor dem Krankenhausaufenthalt kontrolliert worden und völlig in Ordnung. Ebenso unauffällig waren Schilddrüsenpunktion und Ultraschall, einschließlich Zintigrafie. – Trotzdem machten die Ärzte auf Panik und höchste Alarmstufe. Sie versetzen mich und auch meine nächsten Angehörigen in riesengroße Ängste und unbeschreibbares psychisches Leid. Jeder aus meiner Familie war fix und fertig, mit den Nerven völlig am Boden zerstört. Die Ärzte ließen uns keinen einzigen Hoffnungsschimmer und keinen Halt.
Als ich dann depressiv wurde, taten sie ganz erstaunt und konnten absolut nicht verstehen, daß mir die Tränen liefen. Da müsse ich durch und mich zusammenreißen, so ihre Antwort. Jeder „normale Mensch“ könne das. Also war ich nicht normal und besonders wehleidig, ... – Gehörte ich womöglich also in eine geschlossene Anstalt? War ich irr oder gar auch gravierend psychisch krank? ... -

Das Ende auf der Inneren sah dann so aus, daß mich die Ärzte erpressten. Sie suchten nicht nach dem tatsächlichen Erreger meiner Krankheit, statt dessen meldeten sie mich sofort zur OP an. Erst danach waren sie bereit dazu, meiner Erkrankung nachzugehen und weiterführende Untersuchungen zu veranlassen.

Nachdem ich 8 Tage in der Inneren gelegen hatte, durfte ich nun auf die Chirurgie wechseln und wurde dort von einen Tag auf den anderen operiert.
Hier auf der Station war der Umgangston nicht besser. Im Gegenteil: Ich hatte das Gefühl, in der Hand von „Fleischern“ gelandet zu sein. Mein zuständiger Arzt wurde regelrecht unverschämt und ließ mich gar nicht erst zu Wort kommen. Auch hier gab es nicht ein einziges vertrauensvolles Gespräch zwischen Arzt und Patient, kein einziges Wort zu mitgebrachten Befunden und anstehenden medizinisch wirklich zwingend notwendigen Maßnahmen.
Obwohl die Voruntersuchungen so positiv für mich ausgefallen waren und sich kein einziger Anhaltspunkt für Krebs ergab, redeten auch dort nur die Ärzte davon, mir die gesamte Schilddrüse und dazu auch noch alle Lymphknoten rechts und links am Hals entfernen zu wollen. Dann hätte ich einen riesengroßen Schnitt und müsste zunächst für einige Zeit auf die Intensivstation. Dann sehe man weiter.
Wie viel Angst und unzählige schlaflose Nächte ich hatte, muß ich sicherlich nicht näher beschreiben.
Glücklicherweise war der Schnellschnitt des Gewebes bereits im OP negativ, d. h. es ließ sich keine einzige Krebszelle finden. Der entgültige histologische Befund wurde 1 Woche später innerhalb des Klinikums nachgereicht. Trotzdem beharrten die Ärzte weiterhin darauf: Ich habe Krebs ohne Zweifel. Mindestens eine, wenn nicht sogar mehrere Zellen seien bösartig. Der Schnellschnitt sei ebenso wie die Punktion der Schilddrüse nicht aussagefähig und mit einer hohen Fehlerquote behaftet.
Der histologische Befund bestätigte letztendlich alle anderen Gewebeuntersuchungen, die im Vorfeld gemacht worden waren – kein Karzinom, nicht eine einzige „verdächtige“ oder „undefinierbare“ Zelle.

In weiteren 8 Tagen auf der Chirurgischen Station bin ich erneut durch die „Hölle“ gegangen.
Am schlimmsten war für mich die Situation direkt nach der OP, wo ich total hilflos und auf andere Hilfe angewiesen war. Diese Hilfe, geschweige denn jede Art von anderer Zuwendung habe ich auch hier nicht bekommen.
Die Narkose ist mir sehr schlecht bekommen, am nächsten Tag fühlte ich mich wie sterben. Trotz frischer Wunde musste ich mich über mehrere Stunden übergeben. Mir war unwahrscheinlich übel, ich hatte massive Magenprobleme, Schmerzen ohne Ende und mein Kreislauf spielte völlig verrückt. In diesem Zustand haben mich die Schwestern der Station einfach liegen lassen - ohne Gegenmaßnahmen und entsprechender Medikamente - und nicht einen einzigen Arzt geholt. Auch hier wieder kam nur die labidare Antwort, das sei so üblich nach einer OP. Da müsse ich durch und mich eben zusammenreißen. Ich solle mich nicht wie eine Mimose aufführen und mich entsprechend meines Alters benehmen.
Der Stationsarzt herrschte mich später an: Ich sei ein völlig gesunder Mensch und mir fehle gar nichts.

Die Chirurgie ist im Operativen Zentrum untergebracht. Dieses Gebäude ist neu und erst seit ca. 1 Jahr in Betrieb. Ein hochmodernes Haus, dennoch in seinem Erscheinungsbild sehr steril und nicht gerade „patientenfreundlich“. Das Gefühl von Behaglichkeit, Atmosphäre oder einfach nur nach einer Form von einem neuen Zuhause kommt auch hier nicht auf – aber das wäre wohl für eine Klinik zuviel verlangt. Weiße Wände, skurile – um nicht zu sagen abartige – Wandgemälde sind bezeichnend.
Ich habe hier in einem 2-Bett-Zimmer gelegen, mit einem eigenen WC-/Waschraum. Auf der Station gab es aber auch Einzelzimmer. Mehr als 2 Betten gab es nicht pro Zimmer.
Ich lag zusammen mit einer Frau von 93 Jahren. Diese war völlig blind und hörte auch schlecht. Da sich die Schwestern fast gar nicht um die Frau kümmerten, habe ich hier also „Krankenschwester“ gespielt und mich rege um sie gekümmert. Das ist mir mit frischer OP nicht gerade leicht gefallen. Trotzdem habe ich es gern getan. Denn andere Menschen, besonders Hilfebedürftige brauchen unsere Zuwendung und Aufmerksamkeit. Das ist für mich selbstverständlich und steht für mich völlig außer Frage. Wenn sich also das Personal nicht kümmert, dann muß eben ich es tun. ... - Ich war für sie da, wenn sie Alpträume hatte, habe sie im Bett aufgerichtet und ihr das Lager hergerichtet, ihr das Gefühl gegeben nicht allein und umsorgt zu sein, etc. ... . Wenn ich nicht gewesen wäre, dann hätte die alte Dame in meinem Zimmer auch ihre Medikamente nicht bekommen. Ich musste die Krankenschwestern daran erinnern. –

In was für einer Welt leben wir nur? Ich finde dafür keine Worte. Zum Glück bin ich nun wieder zu Hause und auf dem Weg der Besserung, wenn auch die eigentliche Ursache meiner Erkrankung weiterhin so völlig im Dunkeln bleibt. Auch in der Chirurgie hat sich niemand für meine schlechten Blutwerte interessiert. Auch hier ist nicht eine einzige Blutuntersuchung veranlasst worden. Jetzt geht also die Suche weiter ... .

Wer diese Geschichte liest, wird sie kaum glauben können. Leider aber ist sie pure Realität und kein Märchen!
Deshalb kann ich nur jedem von Euch empfehlen, um die Uniklinik in Leipzig einen großen Bogen zu machen und sich lieber in ein anderes Krankenhaus einweisen zu lassen.

Von einer anderen Ärztin habe ich zwischenzeitlich gehört, daß ich kein Einzelfall für schlechte – um nicht zu sagen saumäßige – Behandlung im Uniklinikum bin.
Ein schlechter Führungsstil, Missstimmungen unter den Mitarbeitern über unterschiedliche und ungerechte Bezahlungen, nicht einheitliche Verträge für alle sondern Übervorteilung einzelner Personen, usw. ... sorgen für schlechte Stimmung und ein miserables „Betriebsklima“.
Leider sind die Patienten die Betroffenen, die Leidtragenden – gerade diejenigen, die so dringend persönlichen Zuspruch, Sensibilität und Stabilität, positives Denken und dringend einen Halt in ihrer schweren Zeit brauchen.

Abschließend möchte ich Euch ermuntern, Eure Erfahrung mit Krankenhäusern öffentlich kundzutun. Und vielleicht habt Ihr ja ein ganz persönliches „Erfolgsrezept“ entwickelt, welches Euch über so manche schwere Stunde hinweg geholfen hat. Dann scheut nicht davor, gerade das aufzuschreiben! Ich denke, diese Eure Erfahrungen und Erkundung neuer Wege aus dem Leid heraus könnten für andere Betroffene sehr hilfreiche Anregungen sein.
Allen Anregungen und aller Anteilnahme sei im voraus recht herzlich gedankt!

Für jeden Leser an dieser Stelle eine stabile Gesundheit, viele glückliche Stunden und häufiges Lachen! Den Kranken und Genesenden unter Euch die besten Wünsche für die schnelle Rückkehr aller geistigen und körperlichen Fitness! Trotz aller Dunkelheit, Ignoranz und Ungerechtigkeiten auf dieser Welt – irgendwo kommt doch ein „kleines“ Licht daher und auch ein bisschen Menschlichkeit ...

Kathrin

13 Bewertungen, 1 Kommentar

  • antjeeule

    30.12.2004, 17:16 Uhr von antjeeule
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hallo Kathrin, das ist ja wirklich ein Alptraum, den du da leider real erlebt hast. Wie konnte es passieren, dass man dich trotz so wenig gesicherter Diagnose operieren konnte? Du hast doch bestimmt deine Einwilligung per Unterschrift kundtun müsse