Russland: Moskau Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von LoMei
Finale in Moskau
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Die Reise nach Sibirien und Mittelasien sollte am 28. September 1990 in Moskau zu Ende gehen. Bei der Ankunft aus Samarkand auf dem Flughafen Domodedowo wurde die Uhr 1 Stunde zurückgestellt. Also war es genau Mitternacht. Die Busfahrt in die Innenstadt dauerte 1½ Stunden. Wir sahen viele einförmige und triste Stadtviertel. Bei Nacht fiel das nicht so auf. Vielleicht wurden unsere Reisezeiten auch so gelegt, dass man außerhalb der Sightseeing-Strecken immer des Nachts durch Moskau fuhr.
INHALT
1. Ein Tag in Moskau
2. Schlussbetrachtung
1. EIN TAG IN MOSKAU
So gegen 03:00 Uhr Ortszeit lagen wir im noblen Hotel „Kosmos“ in unseren Betten. Dieses Hotel wurde von französischen Architekten gebaut und zur Olympiade 1980 fertig. Es hat 3600 Betten. Unsere sehr ordentlichen Zimmer lagen im 25. Stock. Man hatte einen herrlichen Blick über die nächtliche Stadt. Ganz in der Nähe ragte das Astronautendenkmal in die Höhe. Dahinter stand noch höher, mit der Spitze in den Wolken, der über 500 m hohe Fernsehturm
Am nächsten Morgen regnete es leicht. Ab und an guckte die Sonne ein wenig durch die Wolken. Mit Reiseleiterin Ina machten wir eine Stadtrundfahrt in die Innenstadt zum Kreml. Unterwegs kamen wir an einem neu eröffneten „Mc Donald’s“ vorbei. Davor stand eine ungefähr 100 m lange Schlange. Der Rote Platz war wegen hier geplanter Filmaufnahmen gesperrt. Das Jungfrauenkloster sahen wir leider nur von außen. Es war geschlossen.
Als wir wieder beim Bus ankamen, hing der Fahrer halb unter der Radaufhängung und hatte eine Gummi-Manschette in der verschmierten Hand. Weil es wohl eine größere Sache zu sein schien, wurde ein Ersatzbus herbei telefonieret, der uns dann zu den Leninbergen brachte. Von dort hatte man einen weiten Blick über die Stadt. In der Ferne leuchteten die Kuppeln des Kreml. Wir sahen viele Brautpaare, die nach ihrer Trauung heraufgefahren waren um hier ihre Hochzeitsfotos zu machen. Hinter uns befand sich die Lomonosow-Universität. Der alte Bus war inzwischen wieder heil und holte uns ab.
Nach dem Mittagessen ging es mit der Metro noch einmal zum Kreml. Die Moskauer Metro ist ein wirkliches Erlebnis. Wir waren von der Großartigkeit der Konzeption und dem palastartigen Innenausstattung beeindruckt.
Ina machte dann eine wirklich sehr interessante und ausführliche Kreml-Führung. Sie erklärte die Ausschmückung der Kirchen mit ihren herrlichen Ikonenwänden und erläuterte die Funktion der Regierungsgebäude, über denen die Sowjetflagge wehte. Für mich sah es symbolhaft aus, dass in der gegenwärtigen Umbruchzeit der Sowjetstern mit den Kreuzen auf den strahlenden Zwiebeltürmen zu konkurrieren schien.
Der Rote Platz lag herrlich im Sonnenlicht. Die Absperrung war inzwischen fort. Vor dem Leninmausoleum war eine Wachablösung. Viele besuchten das architektonisch interessante Kaufhaus GUM. Vor fast jedem der Geschäfte sah man lange Schlangen, ganz egal, ob es um den Kauf von Schuhen, Kleidern, Schmuck oder Lebensmitteln ging. Die Metro brachte uns wieder ins Hotel zurück.
Am Abend wurde ein Besuch im Moskauer Staatszirkus angeboten. Alle, die daran teilnahmen, waren hell begeistert.
Am Morgen darauf ging es in aller Frühe zum Flughafen. Dort erwartete uns der gedeckte Frühstückstisch. Der Tee war wieder einmal knapp, aber die Zoll- und Passformalitäten wurden sehr schnell abgewickelt. Die Maschine nach Frankfurt startete pünktlich und der Flug war angenehm.
2. SCHLUSSBETRACHTUNG
Der Rest der Studienreise ist schnell erzählt. Landen in Frankfurt, Bustransport vom Rollfeld zum Flughafengebäude, Pass- und Zollkontrolle und dann langes Warten auf die Koffer. Als jeder sein Gepäck hatte, sammelten wir uns vor dem Flughafen und bestiegen den von der Volkshochschule Landau georderten Reisebus.
Das letzte Mal saßen wir in der gewohnten Sitzordnung und sausten auf der Autobahn nach Süden. Es fiel auf, dass der Bus nicht ruckelte und schlingerte. Es gingen die Bilder der letzten Tage durch den Kopf. Einige waren hell und klar und manche schon etwas verblasst. Sibirien war wieder sehr weit und das bunte Treiben in den Oasenstädten Usbekistans auch.
Die goldenen Kuppeln der zu Museen umfunktionierten Moskauer Kirchen überstrahlten mit ihren Kreuzen die rote Fahne mit dem fünfzackigen Stern. Wir erlebten ein Land der Kontraste: die sibirische Taiga in der Pracht der Herbstfarben, den in schneebedeckte Gebirge eingebetteten Baikalsee, die Flugplätze mit den vielen schlanken Flugzeugen der Aeroflot, die vielen Stunden über den Wolken, das Warten auf den Flugplätzen, die uns manchmal peinliche Bevorzugung als touristische Gäste des Landes, die Hotels mit ihren großartigen Fassaden und Eingangshallen und ihren oftmals bescheidenen Sanitäreinrichtungen, die Organisation von Intourist, die oft unvorhersehbare für uns unverständliche Änderungen des Programms vornahm, den aufopfernden Einsatz unserer Reiseleiterin Ina, die sich erfolgreich abmühte, jede Situation zu retten und wo immer es möglich war zu verbessern.
Wir hatten Dolmetscher, die durch gute Beherrschung der deutschen Sprache und ein großes Wissen bestachen. Einige z.B. in Alma Ata und ganz besonders in Taschkent drückten ihre Distanz zum Sowjetsystem offen aus und erläuterten neben den wirklich vorhandenen Errungenschaften auch die offen zutage tretenden Schwachstellen. Andere spielten die negativen Seiten gerne herunter und gaben sehr systemtreue Erklärungen ab. Kritische Fragen, die nicht direkt zum Thema gehörten oder das Hinterfragen von sozialistischen Erfolgsdarstellungen führte zu Verunsicherungen. Man merkte deutlich, dass Perestroika und Glasnost nicht überall verarbeitet worden waren und dass sich ein Wertewandel vollzog, der nicht alle Teile der Bevölkerung gleichzeitig erfasste.
In Mittelasien waren wir fasziniert von der Andersartigkeit des Landes, der Architektur und der Menschen. Das war nicht Russland, sondern ein orientalisches Land. Das hörte man schon beim Besteigen des Busses in Alma Ata, als aus dem Lautsprecher orientalische Musik ertönte. Die Männer standen nicht an den Straßenecken beieinander, sondern sie hockten im Kreis, um sich so zu unterhalten. Sie blieben unter sich und die Frauen mit den Kindern auch. Die Kleidung entsprach der jeweiligen Landestradition. Die Männer trugen die typische Tjubeteka auf dem Kopf und die Frauen ihre bunten Kleider. Wir bewunderten alte Moscheen, Medresen und überkuppelte Basare. Wir gingen durch die alten Wohnviertel mit ihren Lehmhäusern, die nach außen meist fensterlos sind und wo man das Leben der Großfamilie in den Innenhöfen mehr ahnen kann.
Ganz besonders beeindruckte die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen, die sich freuten, wenn sie uns als Deutsche erkannten und dann durch Zeichen zu verstehen gaben, dass die Spannungen der Vergangenheit ihre Bedeutung verlieren und dass eine Zeit des Miteinander vor uns liegt.
Ich kann eine solche Reise jedem sehr empfehlen.
Allerdings weiß ich nicht, ob man heute vielleicht wegen der Nähe zu den Kampfhandlungen in Afghanistan eine Einschränkung machen muss.
INHALT
1. Ein Tag in Moskau
2. Schlussbetrachtung
1. EIN TAG IN MOSKAU
So gegen 03:00 Uhr Ortszeit lagen wir im noblen Hotel „Kosmos“ in unseren Betten. Dieses Hotel wurde von französischen Architekten gebaut und zur Olympiade 1980 fertig. Es hat 3600 Betten. Unsere sehr ordentlichen Zimmer lagen im 25. Stock. Man hatte einen herrlichen Blick über die nächtliche Stadt. Ganz in der Nähe ragte das Astronautendenkmal in die Höhe. Dahinter stand noch höher, mit der Spitze in den Wolken, der über 500 m hohe Fernsehturm
Am nächsten Morgen regnete es leicht. Ab und an guckte die Sonne ein wenig durch die Wolken. Mit Reiseleiterin Ina machten wir eine Stadtrundfahrt in die Innenstadt zum Kreml. Unterwegs kamen wir an einem neu eröffneten „Mc Donald’s“ vorbei. Davor stand eine ungefähr 100 m lange Schlange. Der Rote Platz war wegen hier geplanter Filmaufnahmen gesperrt. Das Jungfrauenkloster sahen wir leider nur von außen. Es war geschlossen.
Als wir wieder beim Bus ankamen, hing der Fahrer halb unter der Radaufhängung und hatte eine Gummi-Manschette in der verschmierten Hand. Weil es wohl eine größere Sache zu sein schien, wurde ein Ersatzbus herbei telefonieret, der uns dann zu den Leninbergen brachte. Von dort hatte man einen weiten Blick über die Stadt. In der Ferne leuchteten die Kuppeln des Kreml. Wir sahen viele Brautpaare, die nach ihrer Trauung heraufgefahren waren um hier ihre Hochzeitsfotos zu machen. Hinter uns befand sich die Lomonosow-Universität. Der alte Bus war inzwischen wieder heil und holte uns ab.
Nach dem Mittagessen ging es mit der Metro noch einmal zum Kreml. Die Moskauer Metro ist ein wirkliches Erlebnis. Wir waren von der Großartigkeit der Konzeption und dem palastartigen Innenausstattung beeindruckt.
Ina machte dann eine wirklich sehr interessante und ausführliche Kreml-Führung. Sie erklärte die Ausschmückung der Kirchen mit ihren herrlichen Ikonenwänden und erläuterte die Funktion der Regierungsgebäude, über denen die Sowjetflagge wehte. Für mich sah es symbolhaft aus, dass in der gegenwärtigen Umbruchzeit der Sowjetstern mit den Kreuzen auf den strahlenden Zwiebeltürmen zu konkurrieren schien.
Der Rote Platz lag herrlich im Sonnenlicht. Die Absperrung war inzwischen fort. Vor dem Leninmausoleum war eine Wachablösung. Viele besuchten das architektonisch interessante Kaufhaus GUM. Vor fast jedem der Geschäfte sah man lange Schlangen, ganz egal, ob es um den Kauf von Schuhen, Kleidern, Schmuck oder Lebensmitteln ging. Die Metro brachte uns wieder ins Hotel zurück.
Am Abend wurde ein Besuch im Moskauer Staatszirkus angeboten. Alle, die daran teilnahmen, waren hell begeistert.
Am Morgen darauf ging es in aller Frühe zum Flughafen. Dort erwartete uns der gedeckte Frühstückstisch. Der Tee war wieder einmal knapp, aber die Zoll- und Passformalitäten wurden sehr schnell abgewickelt. Die Maschine nach Frankfurt startete pünktlich und der Flug war angenehm.
2. SCHLUSSBETRACHTUNG
Der Rest der Studienreise ist schnell erzählt. Landen in Frankfurt, Bustransport vom Rollfeld zum Flughafengebäude, Pass- und Zollkontrolle und dann langes Warten auf die Koffer. Als jeder sein Gepäck hatte, sammelten wir uns vor dem Flughafen und bestiegen den von der Volkshochschule Landau georderten Reisebus.
Das letzte Mal saßen wir in der gewohnten Sitzordnung und sausten auf der Autobahn nach Süden. Es fiel auf, dass der Bus nicht ruckelte und schlingerte. Es gingen die Bilder der letzten Tage durch den Kopf. Einige waren hell und klar und manche schon etwas verblasst. Sibirien war wieder sehr weit und das bunte Treiben in den Oasenstädten Usbekistans auch.
Die goldenen Kuppeln der zu Museen umfunktionierten Moskauer Kirchen überstrahlten mit ihren Kreuzen die rote Fahne mit dem fünfzackigen Stern. Wir erlebten ein Land der Kontraste: die sibirische Taiga in der Pracht der Herbstfarben, den in schneebedeckte Gebirge eingebetteten Baikalsee, die Flugplätze mit den vielen schlanken Flugzeugen der Aeroflot, die vielen Stunden über den Wolken, das Warten auf den Flugplätzen, die uns manchmal peinliche Bevorzugung als touristische Gäste des Landes, die Hotels mit ihren großartigen Fassaden und Eingangshallen und ihren oftmals bescheidenen Sanitäreinrichtungen, die Organisation von Intourist, die oft unvorhersehbare für uns unverständliche Änderungen des Programms vornahm, den aufopfernden Einsatz unserer Reiseleiterin Ina, die sich erfolgreich abmühte, jede Situation zu retten und wo immer es möglich war zu verbessern.
Wir hatten Dolmetscher, die durch gute Beherrschung der deutschen Sprache und ein großes Wissen bestachen. Einige z.B. in Alma Ata und ganz besonders in Taschkent drückten ihre Distanz zum Sowjetsystem offen aus und erläuterten neben den wirklich vorhandenen Errungenschaften auch die offen zutage tretenden Schwachstellen. Andere spielten die negativen Seiten gerne herunter und gaben sehr systemtreue Erklärungen ab. Kritische Fragen, die nicht direkt zum Thema gehörten oder das Hinterfragen von sozialistischen Erfolgsdarstellungen führte zu Verunsicherungen. Man merkte deutlich, dass Perestroika und Glasnost nicht überall verarbeitet worden waren und dass sich ein Wertewandel vollzog, der nicht alle Teile der Bevölkerung gleichzeitig erfasste.
In Mittelasien waren wir fasziniert von der Andersartigkeit des Landes, der Architektur und der Menschen. Das war nicht Russland, sondern ein orientalisches Land. Das hörte man schon beim Besteigen des Busses in Alma Ata, als aus dem Lautsprecher orientalische Musik ertönte. Die Männer standen nicht an den Straßenecken beieinander, sondern sie hockten im Kreis, um sich so zu unterhalten. Sie blieben unter sich und die Frauen mit den Kindern auch. Die Kleidung entsprach der jeweiligen Landestradition. Die Männer trugen die typische Tjubeteka auf dem Kopf und die Frauen ihre bunten Kleider. Wir bewunderten alte Moscheen, Medresen und überkuppelte Basare. Wir gingen durch die alten Wohnviertel mit ihren Lehmhäusern, die nach außen meist fensterlos sind und wo man das Leben der Großfamilie in den Innenhöfen mehr ahnen kann.
Ganz besonders beeindruckte die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen, die sich freuten, wenn sie uns als Deutsche erkannten und dann durch Zeichen zu verstehen gaben, dass die Spannungen der Vergangenheit ihre Bedeutung verlieren und dass eine Zeit des Miteinander vor uns liegt.
Ich kann eine solche Reise jedem sehr empfehlen.
Allerdings weiß ich nicht, ob man heute vielleicht wegen der Nähe zu den Kampfhandlungen in Afghanistan eine Einschränkung machen muss.
20 Bewertungen, 4 Kommentare
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27.05.2002, 14:31 Uhr von Schlingel62
Bewertung: sehr hilfreichHI, mir ging es ähnlich als ich 2000 dort war, schöne Zeit noch. Gruss Schingels "alias" Linsenrainer" bei CIAO
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05.04.2002, 23:35 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichMoskau hat für mich eine besondere Bedeutung - lange vor der Zeit der Sowjetunion
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12.03.2002, 10:50 Uhr von Steinchen1
Bewertung: sehr hilfreichHammer-Bericht! Gruss, Steinchen
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11.03.2002, 19:10 Uhr von DrDuke
Bewertung: sehr hilfreichSehr schön Ausführlich und zudem noch gut gegliedert
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