Tower of London Testbericht


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- Information & Kundenservice:
- Familientauglichkeit:
- Behindertenfreundlichkeit:
- Empfehlenswert:
Erfahrungsbericht von dottigross_juliaa
Hier rollten Köpfe...
Pro:
Sehr interessant | Sehenswert | unterhaltsame Führung | ein Highlight Londons
Kontra:
Hoher Eintrittspreis
Empfehlung:
Ja
Zu den Pflichtbesuchen eines London-Reisenden gehören sicherlich die St. Paul’s Cathedrale, der Big Ben und das London Eye, das Wachsfigurenkabinett und die Wachablösung sowie der Tower of London. Wer aber nur - so wie wir - zwei Tage Zeit hat, muss sich sehr einschränken und entscheiden, was ihm wichtig ist. Auf unserer Sightseeingtour durfte der Tower nicht fehlen...
Geschichtliches in Kürze
+++++++++++++++++++
Ich will euch nicht mit Geschichtlichem langweilen. Interessierte können diese Informationen aus jedem Reiseführer entnehmen. Ich möchte nur kurz erwähnen, was mir besonders in Erinnerung geblieben ist.
William the Conqueror - von dem wird jeder schon einmal im Englischunterricht gehört haben - soll 1066 an der heutigen Stelle des Tower of London ein Holzfort gebaut haben. Schon elf Jahre später begann er, die hölzerne Anlage in eine steinerne Festung umzuwandeln. Im 13. und 14. Jhd. beendete Edward I - mit Hilfe Henry III - die Bauarbeiten seines Vorfahrens. Später vervollständigte Edward I den inneren Mauerring und baute einen zweiten, äußeren Mauerring dazu.
Im Tower of London wurden viele Gräueltaten begangen. So wurden nicht nur zahlreiche Königinnen hingerichtet, sondern auch Rivalen und Tronfolger heimtückisch ermordet. Zum Beispiel wurden die beiden Skelette von Edwards Söhnen Eduard V und Richard - den Herzog von York - unter der Treppe des Bloody Towers gefunden. Wer sich für die Geschichte interessiert, sollte den Filmklassiker *Richard III* aus dem Jahre 1955 mit Laurence Olivier ansehen oder vielleicht mal Shakespeares *Richard III* lesen.
Wie kommt man hin?
+++++++++++++++++
Wir hatten ein Tagesticket für 4.30 Pfund gelöst und fuhren von unserem Hotel aus mit der U-Bahn nach *Tower Hill*. Von dort aus sind es ungefähr noch 10 Minuten zu Fuß. Wer mit dem Bus fahren möchte, kann die Linien 15, 25, 42, 78, 100 und D1 nehmen.
Die Führung
++++++++++
Wir waren Ende November 2004 in London und der Andrang vor dem Kassenhäuschen war nicht sehr groß. Wir bezahlten das Eintrittsgeld von 13,50 Pfund pro Person, was ich schon recht teuer fand. Aber eigentlich ist das ein *normaler* Preis für Londoner Verhältnisse. Ich rechnete damit, dass wir ca. zwei Stunden im Tower verbringen würden.... Doch wie sollte ich mich irren!!!
Der Himmel war zwar bewölkt, aber glücklicherweise regnete es nicht. Wir hatten also ideales Besichtigungswetter. Bei heißem Sommerwetter möchte ich den Tower wirklich nicht besuchen. Wir gingen auf den Eingang zu und öffneten schon einmal die Rucksäcke. Vor dem Tor standen Aufseher, die sämtliche Taschen nach gefährlichen Gegenständen durchsuchten.
Wir hatten uns nicht erkundigt, ob es deutsche Führungen und/oder Audioguides gibt. Im Internet habe ich jedoch gelesen, dass es solche *Tonbandführer* gibt. Wir sahen jedoch ein paar Japaner mit Kopfhörer und nehme an, dass sie dieses Angebot nutzten. Was sie kosten, weiß ich jedoch nicht.
Gleich hinter dem Tor beginnen in regelmäßigen Abständen englischsprachige, kostenlose Führungen, die ca. eine Stunde dauern. Wir schlossen uns einer solchen (ziemlich großen) Gruppe an. Die meisten waren aus Amerika, ein paar Wenige aus England und Schottland. Wir waren - so merkte ich bald - die einzigen, die nur schlechtes Englisch sprachen. Da ich schon einschlägige Erfahrungen in Amerika gemacht hatte, verschwiegen wir, dass wir Deutsche sind. Meist nehmen die Tourführer dies nämlich zum Anlass, um die sprachlichen Schwierigkeiten auszunützen und einen vor der ganzen Gruppe zum Clown zu machen.
Obwohl mein Englisch wirklich zu wünschen übrig lässt, hatte ich sprachlich keine Schwierigkeiten. Ich würde sagen, dass ich 95 Prozent verstand. Da unser Tourguide viele lustige Anekdoten einfließen ließ, gab es auch viel zu lachen. Mein Freund lachte sicherheitshalber schon mal mit, auch wenn er mir hinterher beichtete, dass er nur Bruchteile verstanden hatte. Ich hoffe, ich konnte euch damit einen kleinen Hinweis liefern, wie verständlich die englischsprachige Führung durch den Tower of London ist.
Paul - unser Tourführer - stellte sich kurz vor und erklärte, dass man mindestens 22 Jahre in der Armee gedient haben muss, ein höheres Rangabzeichen und einen guten Leumund besitzen muss, um diesen Job ausüben zu dürfen. Irgendwie kam mir das seltsam vor. Im Grund ist Paul ein besserer Touristguide - so etwas machen bei uns Studenten. Doch ich merkte bald, dass einem eine militärische Ausbildung in diesem Beruf viel nützen kann. So sprach Paul sehr deutlich und auch extrem laut, so dass auch der Letzte in der hintersten Reihe jedes Wort verstehen konnte. Außerdem stellte er - rein durch sein Auftreten - eine sehr imposante Autoritätsperson dar, die keine Störung oder Disziplinlosigkeit duldete. So war es während seines Vortrags mucksmäuschen still und niemand wagte es, sich schlecht zu benehmen.
Während der Führung besichtigt man den Platz vor dem Queen’s House, das Tower Green, die Chapel Royal of St. Peter ad Vincula und den Außenbereich des Bloody Tower, in dem angeblich die beiden Söhne Edwards IV ermordet wurden. Diese Sehenswürdigkeiten stellen nur einen Bruchteil dessen dar, was der Tourist im Tower sehen kann. Aber durch die unterhaltsame und nette Art, wie der Tourguide die Geschichte dem Interessierten näher bringt, ist die Führung wirklich ein Erlebnis. Ich empfehle jedem, eine solche Führung mitzumachen.
Unser Alleingang
+++++++++++++
Um es gleich vorne weg zu nehmen. Nicht - wie vermutet - zwei Stunden waren wir im Tower unterwegs, sondern ganze sechs Stunden!!! Wir fanden immer wieder einen Turm oder ein Gebäude, das wir noch nicht betreten hatten und so zog sich unsere Besichtigung bis in den späten Nachmittag hin.
Was sollte man gesehen haben? Nun, ein Highlight sind sicherlich die Kronjuwelen, die sich in den Waterloo Barracks befinden. Bevor man den Ausstellungsraum betritt, wird man durch mehrere kleine Kinoräume geschleust, in den in einer Endlosschleife ein paar Kurzfilme gezeigt werden. Darin werden die einzelnen Juwelen und Schmuckstücke näher beschrieben.
Der nächste Raum, in dem diese wertvollen Steine hinter dicken schusssicherem Glas liegen, wird nachts durch dicke Stahltüren gesichert. Überall sind Kameras installiert und Wachen registrieren jede Bewegung. Die Besucher stellen sich auf ein langsames Laufband, dass sie an den Juwelen vorbeifahren lässt. So entsteht kein Stau und kein Gedränge vor den Vitrinen. Man kann natürlich gerne ein zweites oder drittes Mal *mitfahren*, um die edelen Steine mehrmals zu betrachten. Für mich hatte Schmuck noch nie eine Bedeutung. So tat ich mir auch schwer, den enormen Wert dieser Gegenstände zu realisieren. Aber ich denke, dass der größte Diamant der Welt nicht nur einen materiellen Wert besitzt, sondern auch ein Prestigeobjekt ist. Stellt euch vor, welch Aufruhr entstehen würde, wenn dieser große Stein abhanden kommen würde.
Interessanter fand ich die Rittervorführung, die - so glaube ich, mich zu erinnern - im Salt Tower stattfand. Ein junger Mann wurde von seiner Helferin in eine Ritterrüstung gesteckt. Das sah gar nicht so einfach aus. Das hohe Gewicht der einzelnen Teile und die raffinierte Befestigung derselben (Schnüre, Noppen etc.) verlangten schon einiges an Kraft und Fingerspitzengefühl. Ungefähr 30 kg wiegt der komplette Brustteil einer Ritterrüstung. Der Vortrag hat mir wirklich gut gefallen und dank der deutlichen Aussprache des *Ritters* verstand ich auch das meiste. Das *Ritterfräulein* sprach jedoch etwas undeutlich, so dass ich vieles nicht übersetzen konnte.
Die Geschichte des Tower Green faszinierte mich sehr. Es ist der öffentliche Hinrichtungsplatz vor der Chapel Royal of St. Peter ad Vincula. Nur Wenigen wurde das zweifelhafte *Privileg* zuteil, dort enthauptet zu werden. So war ich zum Beispiel von der Geschichte von Anna Boleyn begeistert, die den Augenblick des Todes - mit einem stumpfen Beil enthauptet zu werden - noch etwas in die Länge ziehen wollte, indem sie ein lautes Gebet sprach und noch eine Rede halten wollte. Der König befahl dem Henker jedoch, dem *Schauspiel* mit einem überraschenden Hieb ein Ende zu machen. Es heißt - von dem Schlag überrascht - rollten die Augen der Königin noch eine knappe Minute weiter. Ob es sich hierbei nur um eine Horrorgeschichte handelt, weiß ich jedoch nicht.
Im *White House*, dass den riesigen Innenhof der Festung dominiert, befindet sich über mehrere Etagen eine hübsche Ausstellung. Zwischen dem dicken, alten Gemäuer mit den urigen Holzbalken stehen riesige Ritterrüstungen, Waffen, Kleidung und andere Utensilien aus dem täglichen Leben eines Ritters. So kann man unter anderem die - schon damals recht moderne - Toilette besichtigen. Der steinerne *Trog* führte direkt durch die Außenmauer hinaus ins Freie. Nun, ich kann mir lebhaft vorstellen, wie die Sauerei aus ca. 15 Meter Höhe hinab fiel und unten auf der Wiese aufkam.
Im Reiseführer wird auf die Ritterrüstung Henrys VIII hingewiesen. Der gute Mann war wohl sehr von seiner *Männlichkeit* überzeugt, denn die demonstrative Wölbung im Lendenbereich der Rüstung ist übertrieben groß geraten.
Auf der großen Wiese unterhalb des White House stehen mehrere Vogelkäfige. Dort *residieren* die traditionellen sechs schwarze Raben. Im Moment sind es jedoch sieben Raben - inkl. einem *Ersatzvogel*! Es wird behauptet, dass - sobald es keine sechs Raben mehr im Tower gibt - das britische Empire zugrunde geht. Damit das nicht geschieht, werden den Raben die Flügel gestutzt, so dass sie nicht wegfliegen können. Im Internet habe ich gelesen, dass die Tiere jedoch so gut gefüttert werden (Kekse in Blut getränkt etc.), dass sie gar keine Lust verspüren, auszubüchsen. Es soll jedoch schon vorgekommen sein, dass ein Vogel von einem Wachhund gerissen wurde. Deshalb gibt es wohl auch den *Ersatzvogel*.
Es gibt noch viel, viel mehr im Tower of London zu sehen, doch würde es zu weit führen, dies hier alles genau zu beschreiben. Ich habe euch von den Sehenswürdigkeiten berichtet, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind, weil sie mir besonders gut gefallen haben. Desweiteren könnt ihr noch folgende Gebäude inkl. ihrer Ausstellungen besichtigen: Traiter’s Gate, Bell Tower, Bloody Tower, Wakefield Tower, Lanthorn Tower, Broad Arrow Tower, Constable Tower, Martin Tower, Fusiliers’ Museum etc.
Sonstiges
++++++++
Für Gehbehinderte oder sogar Rollstuhlfahrer ist der Tower of London nur bedingt geeignet. Es gibt viele Gebäude und Türme, die nur über steile und enge Steintreppen verfügen, so dass man die Ausstellungsräume nicht mit einem Rollstuhl erreichen kann. Zwar sind teilweise Holzrampen installiert, aber gerade bei den Türmen fragte ich mich manchmal, wie ein Gehbehinderter dort hinauf kommen soll.
Ob die Anlage *kindgerecht* ist, kann ich nicht beurteilen. Für größere Kinder ist sicherlich etwas dabei, was interessant ist (Ritterrüstungen etc.), aber ich denke, dass es auch recht anstrengend für sie werden kann. Ich habe in der ganzen Festung keine einzige Möglichkeit gesehen, etwas zu essen oder zu trinken zu kaufen. Vielleicht habe ich es übersehen, aber soweit ich weiß, gab es dort wirklich kein einziges Kiosk oder Ähnliches. Wir hatten etwas zu trinken und ein paar Kekse dabei, was uns als kleine Stärkung diente. Leider gibt es nur wenig Sitzmöglichkeiten und die wenigen Parkbänke werden im Sommer wohl sehr begehrt sein.
Einen Souvenier-Shop haben wir in der Nähe des Martin Towers gesehen. Dort gab es unter anderem Videos, Postkarten, Bücher u.Ä. Ich fand alles ziemlich kitschig und habe mich deshalb nicht nach den Preisen erkundigt. Irgendwo (ich glaube, in der Nähe von *New Armouries*) gab es nochmals einen größeren Laden, in dem es unter anderem Kaffeetassen, T-Shirts, Teegeschirr, Kaffee u.v.m. zu kaufen gab.
Toiletten sind vorhanden. Im November war nicht viel los, so dass man nicht anstehen brauchte. Außerdem waren die WC’s recht sauber und Toilettenpapier war ausreichend vorhanden.
Preise/Öffnungszeiten
++++++++++++++++++
Pro Person (Erwachsener) haben wir 13,50 Pfund bezahlt. Kinder zahlen 9.- Pfund. Studenten und Senioren ab 60 Jahre bekommen verbilligte Eintrittskarten für 10,50 Pfund. Die Familie mit zwei Erwachsenen und drei Kindern zahlt 37,50 Pfund. Weiter Informationen findet ihr unter www.hrp.org.uk.
Vom 1. März bis 31. Oktober kann man den Tower von Dienstag bis Samstag von 9 bis 18 Uhr besichtigen. Sonntags und montags von 10 bis 18 Uhr. Der letzte Eintritt ist um 17 Uhr. Während der Wintermonate (1. November bis 28. Februar) ist der Tower of London dienstags bis samstags von 9 bis 17 Uhr und am Sonntag/Montag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Hier ist der letzte Eintritt um eine Stunde auf 16 Uhr vorverlegt. Ob der Tower auch an Feiertagen zugänglich ist, weiß ich nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass er z.B. am 1. Mai geschlossen ist. Sicherheitshalber sollte man sich vor Ort informieren, falls man an einem Feiertag eine Besichtigungstour plant.
Fazit
++++
Obwohl wir nur zwei volle Tage in London waren und unsere Zeit deshalb knapp bemessen war, bin ich froh, dass wir den Tower of London besichtigt haben. Es war wirklich ein Highlight unseres London-Trips. Die 13,50 Pfund (ca. 20 EUR) finde ich zwar teuer, aber ich würde sie jederzeit wieder bezahlen. Ich empfehle jedem, die englischsprachige Führung mitzumachen. Sie ist sehr unterhaltsam und informativ. Wer interessante Informationen zum Tower sucht, wird auch unter http://www.netzwelt.de/ fündig.
Der Tower of London bekommt von mir volle Punktzahl: 5 Sterne
In diesem Sinne... alles bleibt anders... Eure Dotti.
Geschichtliches in Kürze
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Ich will euch nicht mit Geschichtlichem langweilen. Interessierte können diese Informationen aus jedem Reiseführer entnehmen. Ich möchte nur kurz erwähnen, was mir besonders in Erinnerung geblieben ist.
William the Conqueror - von dem wird jeder schon einmal im Englischunterricht gehört haben - soll 1066 an der heutigen Stelle des Tower of London ein Holzfort gebaut haben. Schon elf Jahre später begann er, die hölzerne Anlage in eine steinerne Festung umzuwandeln. Im 13. und 14. Jhd. beendete Edward I - mit Hilfe Henry III - die Bauarbeiten seines Vorfahrens. Später vervollständigte Edward I den inneren Mauerring und baute einen zweiten, äußeren Mauerring dazu.
Im Tower of London wurden viele Gräueltaten begangen. So wurden nicht nur zahlreiche Königinnen hingerichtet, sondern auch Rivalen und Tronfolger heimtückisch ermordet. Zum Beispiel wurden die beiden Skelette von Edwards Söhnen Eduard V und Richard - den Herzog von York - unter der Treppe des Bloody Towers gefunden. Wer sich für die Geschichte interessiert, sollte den Filmklassiker *Richard III* aus dem Jahre 1955 mit Laurence Olivier ansehen oder vielleicht mal Shakespeares *Richard III* lesen.
Wie kommt man hin?
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Wir hatten ein Tagesticket für 4.30 Pfund gelöst und fuhren von unserem Hotel aus mit der U-Bahn nach *Tower Hill*. Von dort aus sind es ungefähr noch 10 Minuten zu Fuß. Wer mit dem Bus fahren möchte, kann die Linien 15, 25, 42, 78, 100 und D1 nehmen.
Die Führung
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Wir waren Ende November 2004 in London und der Andrang vor dem Kassenhäuschen war nicht sehr groß. Wir bezahlten das Eintrittsgeld von 13,50 Pfund pro Person, was ich schon recht teuer fand. Aber eigentlich ist das ein *normaler* Preis für Londoner Verhältnisse. Ich rechnete damit, dass wir ca. zwei Stunden im Tower verbringen würden.... Doch wie sollte ich mich irren!!!
Der Himmel war zwar bewölkt, aber glücklicherweise regnete es nicht. Wir hatten also ideales Besichtigungswetter. Bei heißem Sommerwetter möchte ich den Tower wirklich nicht besuchen. Wir gingen auf den Eingang zu und öffneten schon einmal die Rucksäcke. Vor dem Tor standen Aufseher, die sämtliche Taschen nach gefährlichen Gegenständen durchsuchten.
Wir hatten uns nicht erkundigt, ob es deutsche Führungen und/oder Audioguides gibt. Im Internet habe ich jedoch gelesen, dass es solche *Tonbandführer* gibt. Wir sahen jedoch ein paar Japaner mit Kopfhörer und nehme an, dass sie dieses Angebot nutzten. Was sie kosten, weiß ich jedoch nicht.
Gleich hinter dem Tor beginnen in regelmäßigen Abständen englischsprachige, kostenlose Führungen, die ca. eine Stunde dauern. Wir schlossen uns einer solchen (ziemlich großen) Gruppe an. Die meisten waren aus Amerika, ein paar Wenige aus England und Schottland. Wir waren - so merkte ich bald - die einzigen, die nur schlechtes Englisch sprachen. Da ich schon einschlägige Erfahrungen in Amerika gemacht hatte, verschwiegen wir, dass wir Deutsche sind. Meist nehmen die Tourführer dies nämlich zum Anlass, um die sprachlichen Schwierigkeiten auszunützen und einen vor der ganzen Gruppe zum Clown zu machen.
Obwohl mein Englisch wirklich zu wünschen übrig lässt, hatte ich sprachlich keine Schwierigkeiten. Ich würde sagen, dass ich 95 Prozent verstand. Da unser Tourguide viele lustige Anekdoten einfließen ließ, gab es auch viel zu lachen. Mein Freund lachte sicherheitshalber schon mal mit, auch wenn er mir hinterher beichtete, dass er nur Bruchteile verstanden hatte. Ich hoffe, ich konnte euch damit einen kleinen Hinweis liefern, wie verständlich die englischsprachige Führung durch den Tower of London ist.
Paul - unser Tourführer - stellte sich kurz vor und erklärte, dass man mindestens 22 Jahre in der Armee gedient haben muss, ein höheres Rangabzeichen und einen guten Leumund besitzen muss, um diesen Job ausüben zu dürfen. Irgendwie kam mir das seltsam vor. Im Grund ist Paul ein besserer Touristguide - so etwas machen bei uns Studenten. Doch ich merkte bald, dass einem eine militärische Ausbildung in diesem Beruf viel nützen kann. So sprach Paul sehr deutlich und auch extrem laut, so dass auch der Letzte in der hintersten Reihe jedes Wort verstehen konnte. Außerdem stellte er - rein durch sein Auftreten - eine sehr imposante Autoritätsperson dar, die keine Störung oder Disziplinlosigkeit duldete. So war es während seines Vortrags mucksmäuschen still und niemand wagte es, sich schlecht zu benehmen.
Während der Führung besichtigt man den Platz vor dem Queen’s House, das Tower Green, die Chapel Royal of St. Peter ad Vincula und den Außenbereich des Bloody Tower, in dem angeblich die beiden Söhne Edwards IV ermordet wurden. Diese Sehenswürdigkeiten stellen nur einen Bruchteil dessen dar, was der Tourist im Tower sehen kann. Aber durch die unterhaltsame und nette Art, wie der Tourguide die Geschichte dem Interessierten näher bringt, ist die Führung wirklich ein Erlebnis. Ich empfehle jedem, eine solche Führung mitzumachen.
Unser Alleingang
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Um es gleich vorne weg zu nehmen. Nicht - wie vermutet - zwei Stunden waren wir im Tower unterwegs, sondern ganze sechs Stunden!!! Wir fanden immer wieder einen Turm oder ein Gebäude, das wir noch nicht betreten hatten und so zog sich unsere Besichtigung bis in den späten Nachmittag hin.
Was sollte man gesehen haben? Nun, ein Highlight sind sicherlich die Kronjuwelen, die sich in den Waterloo Barracks befinden. Bevor man den Ausstellungsraum betritt, wird man durch mehrere kleine Kinoräume geschleust, in den in einer Endlosschleife ein paar Kurzfilme gezeigt werden. Darin werden die einzelnen Juwelen und Schmuckstücke näher beschrieben.
Der nächste Raum, in dem diese wertvollen Steine hinter dicken schusssicherem Glas liegen, wird nachts durch dicke Stahltüren gesichert. Überall sind Kameras installiert und Wachen registrieren jede Bewegung. Die Besucher stellen sich auf ein langsames Laufband, dass sie an den Juwelen vorbeifahren lässt. So entsteht kein Stau und kein Gedränge vor den Vitrinen. Man kann natürlich gerne ein zweites oder drittes Mal *mitfahren*, um die edelen Steine mehrmals zu betrachten. Für mich hatte Schmuck noch nie eine Bedeutung. So tat ich mir auch schwer, den enormen Wert dieser Gegenstände zu realisieren. Aber ich denke, dass der größte Diamant der Welt nicht nur einen materiellen Wert besitzt, sondern auch ein Prestigeobjekt ist. Stellt euch vor, welch Aufruhr entstehen würde, wenn dieser große Stein abhanden kommen würde.
Interessanter fand ich die Rittervorführung, die - so glaube ich, mich zu erinnern - im Salt Tower stattfand. Ein junger Mann wurde von seiner Helferin in eine Ritterrüstung gesteckt. Das sah gar nicht so einfach aus. Das hohe Gewicht der einzelnen Teile und die raffinierte Befestigung derselben (Schnüre, Noppen etc.) verlangten schon einiges an Kraft und Fingerspitzengefühl. Ungefähr 30 kg wiegt der komplette Brustteil einer Ritterrüstung. Der Vortrag hat mir wirklich gut gefallen und dank der deutlichen Aussprache des *Ritters* verstand ich auch das meiste. Das *Ritterfräulein* sprach jedoch etwas undeutlich, so dass ich vieles nicht übersetzen konnte.
Die Geschichte des Tower Green faszinierte mich sehr. Es ist der öffentliche Hinrichtungsplatz vor der Chapel Royal of St. Peter ad Vincula. Nur Wenigen wurde das zweifelhafte *Privileg* zuteil, dort enthauptet zu werden. So war ich zum Beispiel von der Geschichte von Anna Boleyn begeistert, die den Augenblick des Todes - mit einem stumpfen Beil enthauptet zu werden - noch etwas in die Länge ziehen wollte, indem sie ein lautes Gebet sprach und noch eine Rede halten wollte. Der König befahl dem Henker jedoch, dem *Schauspiel* mit einem überraschenden Hieb ein Ende zu machen. Es heißt - von dem Schlag überrascht - rollten die Augen der Königin noch eine knappe Minute weiter. Ob es sich hierbei nur um eine Horrorgeschichte handelt, weiß ich jedoch nicht.
Im *White House*, dass den riesigen Innenhof der Festung dominiert, befindet sich über mehrere Etagen eine hübsche Ausstellung. Zwischen dem dicken, alten Gemäuer mit den urigen Holzbalken stehen riesige Ritterrüstungen, Waffen, Kleidung und andere Utensilien aus dem täglichen Leben eines Ritters. So kann man unter anderem die - schon damals recht moderne - Toilette besichtigen. Der steinerne *Trog* führte direkt durch die Außenmauer hinaus ins Freie. Nun, ich kann mir lebhaft vorstellen, wie die Sauerei aus ca. 15 Meter Höhe hinab fiel und unten auf der Wiese aufkam.
Im Reiseführer wird auf die Ritterrüstung Henrys VIII hingewiesen. Der gute Mann war wohl sehr von seiner *Männlichkeit* überzeugt, denn die demonstrative Wölbung im Lendenbereich der Rüstung ist übertrieben groß geraten.
Auf der großen Wiese unterhalb des White House stehen mehrere Vogelkäfige. Dort *residieren* die traditionellen sechs schwarze Raben. Im Moment sind es jedoch sieben Raben - inkl. einem *Ersatzvogel*! Es wird behauptet, dass - sobald es keine sechs Raben mehr im Tower gibt - das britische Empire zugrunde geht. Damit das nicht geschieht, werden den Raben die Flügel gestutzt, so dass sie nicht wegfliegen können. Im Internet habe ich gelesen, dass die Tiere jedoch so gut gefüttert werden (Kekse in Blut getränkt etc.), dass sie gar keine Lust verspüren, auszubüchsen. Es soll jedoch schon vorgekommen sein, dass ein Vogel von einem Wachhund gerissen wurde. Deshalb gibt es wohl auch den *Ersatzvogel*.
Es gibt noch viel, viel mehr im Tower of London zu sehen, doch würde es zu weit führen, dies hier alles genau zu beschreiben. Ich habe euch von den Sehenswürdigkeiten berichtet, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind, weil sie mir besonders gut gefallen haben. Desweiteren könnt ihr noch folgende Gebäude inkl. ihrer Ausstellungen besichtigen: Traiter’s Gate, Bell Tower, Bloody Tower, Wakefield Tower, Lanthorn Tower, Broad Arrow Tower, Constable Tower, Martin Tower, Fusiliers’ Museum etc.
Sonstiges
++++++++
Für Gehbehinderte oder sogar Rollstuhlfahrer ist der Tower of London nur bedingt geeignet. Es gibt viele Gebäude und Türme, die nur über steile und enge Steintreppen verfügen, so dass man die Ausstellungsräume nicht mit einem Rollstuhl erreichen kann. Zwar sind teilweise Holzrampen installiert, aber gerade bei den Türmen fragte ich mich manchmal, wie ein Gehbehinderter dort hinauf kommen soll.
Ob die Anlage *kindgerecht* ist, kann ich nicht beurteilen. Für größere Kinder ist sicherlich etwas dabei, was interessant ist (Ritterrüstungen etc.), aber ich denke, dass es auch recht anstrengend für sie werden kann. Ich habe in der ganzen Festung keine einzige Möglichkeit gesehen, etwas zu essen oder zu trinken zu kaufen. Vielleicht habe ich es übersehen, aber soweit ich weiß, gab es dort wirklich kein einziges Kiosk oder Ähnliches. Wir hatten etwas zu trinken und ein paar Kekse dabei, was uns als kleine Stärkung diente. Leider gibt es nur wenig Sitzmöglichkeiten und die wenigen Parkbänke werden im Sommer wohl sehr begehrt sein.
Einen Souvenier-Shop haben wir in der Nähe des Martin Towers gesehen. Dort gab es unter anderem Videos, Postkarten, Bücher u.Ä. Ich fand alles ziemlich kitschig und habe mich deshalb nicht nach den Preisen erkundigt. Irgendwo (ich glaube, in der Nähe von *New Armouries*) gab es nochmals einen größeren Laden, in dem es unter anderem Kaffeetassen, T-Shirts, Teegeschirr, Kaffee u.v.m. zu kaufen gab.
Toiletten sind vorhanden. Im November war nicht viel los, so dass man nicht anstehen brauchte. Außerdem waren die WC’s recht sauber und Toilettenpapier war ausreichend vorhanden.
Preise/Öffnungszeiten
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Pro Person (Erwachsener) haben wir 13,50 Pfund bezahlt. Kinder zahlen 9.- Pfund. Studenten und Senioren ab 60 Jahre bekommen verbilligte Eintrittskarten für 10,50 Pfund. Die Familie mit zwei Erwachsenen und drei Kindern zahlt 37,50 Pfund. Weiter Informationen findet ihr unter www.hrp.org.uk.
Vom 1. März bis 31. Oktober kann man den Tower von Dienstag bis Samstag von 9 bis 18 Uhr besichtigen. Sonntags und montags von 10 bis 18 Uhr. Der letzte Eintritt ist um 17 Uhr. Während der Wintermonate (1. November bis 28. Februar) ist der Tower of London dienstags bis samstags von 9 bis 17 Uhr und am Sonntag/Montag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Hier ist der letzte Eintritt um eine Stunde auf 16 Uhr vorverlegt. Ob der Tower auch an Feiertagen zugänglich ist, weiß ich nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass er z.B. am 1. Mai geschlossen ist. Sicherheitshalber sollte man sich vor Ort informieren, falls man an einem Feiertag eine Besichtigungstour plant.
Fazit
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Obwohl wir nur zwei volle Tage in London waren und unsere Zeit deshalb knapp bemessen war, bin ich froh, dass wir den Tower of London besichtigt haben. Es war wirklich ein Highlight unseres London-Trips. Die 13,50 Pfund (ca. 20 EUR) finde ich zwar teuer, aber ich würde sie jederzeit wieder bezahlen. Ich empfehle jedem, die englischsprachige Führung mitzumachen. Sie ist sehr unterhaltsam und informativ. Wer interessante Informationen zum Tower sucht, wird auch unter http://www.netzwelt.de/ fündig.
Der Tower of London bekommt von mir volle Punktzahl: 5 Sterne
In diesem Sinne... alles bleibt anders... Eure Dotti.
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