Brot & Co Testbericht

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  • Arbeits- und Zeitaufwand:  niedrig
  • Kosten:  niedrig

Erfahrungsbericht von Bea_im_Netz

Die meisten Gründe, ein Brot zu backen, sind weiblich.

5
  • Arbeits- und Zeitaufwand:  niedrig
  • Kosten:  niedrig
  • Geeignet für:  festlich & feierlich

Pro:

Macht Spaß, gelingt leicht, ist lecker.

Kontra:

?

Empfehlung:

Ja

Da Tarotlegungen hungrig machen und außerdem das Backen von Brot ebenso eine wahrhaftige Notwendigkeit wie eine gute Metapher für Fürsorglichkeit ist, möchte ich Euch heute ein paar Gedanken dazu mitteilen.

Der Bericht gliedert sich in 3 Teile:
1.) Meditation über das Brotbacken
2.) Persönliche Erfahrungen mit der Besiegbarkeit des Hefeteigs
3.) Mein ultimatives Partybrotrezept

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1.
Die meisten Gründe, ein Brot zu backen, sind weiblich…

Wenn früher eine Frau ein Brot gebacken hat, dann tat sie es einfach aus Notwendigkeit. Zum Überleben. Sie tat es auf die gleiche Art wie schon ihre Mutter und ihre Großmutter vor ihr. Vielleicht, wenn sie besondere Lust hatte, veränderte sie das Rezept, würzte das Brot. Wahrscheinlich tat sie das nur zu besonderen festlichen Anlässen. Das alltägliche Brot buk sie nicht zum Vergnügen, sondern neben zahllosen anderen Pflichten, die das Überleben der Familie sicherten.

Wenn gestern eine Frau ein Brot buk, dann tat sie das vermutlich, um sicher zu sein vor ungebetenen Zutaten. Vielleicht hat eins ihrer Kinder eine Weizenallergie und sie mühte sich mit Sauerteig und schwerem, dunklen Vollkornroggenmehl.

Wenn ich heute ein Brot backe, dann tue ich das zur Beruhigung. Ich beruhige meine flatternden Hände, denn ich habe einen Mann. Er mag die Fürsorglichkeit und Wärme, die selbstgebackenes Brot ausstrahlt. Und ich muß ihn beruhigen, denn ich habe den ganzen Tag nur an meine Arbeit gedacht. Ich hatte keine Muße für lange Küsse und keine Ruhe für gemütliches Kaffetrinken am Sonntagnachmittag. Stolz auf meine Arbeit, meinen Elan und meine Freude daran, ist er trotzdem nicht gern so unwichtig. Wenn ich heute ein Brot backe, tue ich heimlich Buße.

Wenn ich morgen ein Brot backe, dann tue ich das wahrscheinlich, weil meine Mutter so gern gebacken hat. Ganz entspannt stand sie am Küchentisch, ohne Kochbuch, ganz versunken in die Freude, Mehl und Zucker allein zu beherrschen. Manchmal hat sie dabei leise gesummt, und gelächelt hat sie, wenn ihre kräftigen Finger den Teig kneteten. Ich kann nie so viel Kuchen essen, wie ich sie vermisse. Darum backe ich morgen Brot.

Wenn übermorgen eine Frau ein Brot backt, dann tut sie das hoffentlich aus Freude. Weil es ihr Spaß macht, den klebrigen Teig aufgehen zu sehen. Weil sie den Geruch seit ihrer Kindheit liebt. Weil Brot ihr ein Geschenk ist. © SBJ 1997

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2.
Persönliche Erfahrungen mit der Besiegbarkeit des Hefeteigs

Früher, damals, hatte ich unglaubliche Ehrfurcht vor HEFETEIG. Was war da nicht alles zu beachten: Die richtige Hefe, die richtige Reihenfolge im Zusammenquirlen der Zutaten (Mehlhäufchen auf Arbeitsplatte, Beule in Mitte machen, Hefe, wohltemperiertes Wasser und Zucker vorsichtig zum Vorteig rühren, ja das Häufchen nicht zerstören - bei meiner angeborenen Ungeduld ein Ding der Unmöglichkeit - nach abgezirkelten 20 Minuten GEHzeit den Vorteig mit dem Resthäufchen zum Teig verquirlen, das Ganze gut durchkneten - klebt aber elendiglich an allem - es dann noch einmal zugedeckt 1 Stunde im Warmen gehen lassen... wieder durchkneten unn dann... und dann endlich zu einem wohlgeformten Laib runden und diesen sodann backen), natürlich die perfekte Temperatur, keine störende Bewegung in der Luft durch neugieriges Gucken \"Na, ist er schon aufgegangen?\".
Unglaubliche Mühsal für ein dann im besten Fall verkrumpeltes aus der Form geratenes Backwerk. Das war meine Sache nicht. Also versagte ich mir die oben beschriebenen Duft- und Fürsorgeerlebnisse, die fanden halt nur bei meinem literarischen Ich statt.

Eines Tages trat dann eine in Bezug auf Hefe vollkommen unbesorgte Freundin in mein Bäckerinnenleben und lachte bloß - lauthals. Ich solle mich mal nicht so haben, Hefe sei ganz leicht zu besiegen. Sie verriet mir zwei grundlegende Geheimnisse - ordentlich kneten und viel Feuchtigkeit - und damit begann mein komentenhafter Aufstieg zur Brotbäckerin.
Nach einem zögerlichen geglückten Versuch gab´s kein Halten mehr - es macht nämlich viel mehr Spaß, ein selbstgebackenes Toastbrot zu essen, eigene Kräutervariationen zum Abendbrot zu haben, als immer dieses fade, dröge Standardbrot aus dem Supermarkt (das ich natürlich trotzdem immer noch esse, allein schon aus Zeitgründen).
Inzwischen ist der perfekte Hefeteig für mich zur leichtlösbaren Aufgabe geworden - als Linkshänderin mach ich ihn quasi \"mit links\".

Hier also meine Sorglosmethode im Einzelnen:

Alle trockenen Zutaten werden in eine große Rührschüssel geworfen, auch die Hefe (Trockenhefe oder der Würfel leicht zerkrümelt).

Damit die Hefe aufgehen kann, braucht sie Wachstumshilfen in Form von Zucker und Wasser (dessen Temperatur nicht eiskalt/kochend sein sollte, ansonsten aber eher egal ist). Meist nehme ich mehr Wasser, als im rezept vorgesehen ist, das hängt von der Mehlsorte ab und ist beim Kneten des Teiges absolut leicht feststellbar - macht einfach so lange in kleinen Dosen mehr Wasser dazu, bis das Ergebnis ein einladend freundlichweicher leicht zäher Teig ist.
Heimliche Ergänzung des Feuchtanteils ist ein bißchen Öl und manchmal ein Ei, für Toastbrot zum Beispiel.

Der ordentlich durchgeknetete Teig (auf jeden Fall mit den spiraligen Knetstäben des Mixers - sonst geht der Mixer an der Mächtigkeit der Klebekräfte zugrunde) kommt in die Form (nach gusto gefettet oder mit Dauerbackfolie ausgelegt), wird dabei noch einmal sanft mit Wasser bestrichen (dadurch läßt er sich leichter in der Form verteilen und geht besser auf), verschwindet im kalten Ofen und bleibt dort einfach eine Stunde kurzfristig vergessen stehen.
Dann den Ofen auf die im Rezept festgelegte Temperatur heizen und die Backzeit einstellen.
In den letzten 10 Minuten der Backzeit sollte das Brot frei gebacken werden, d.h. ohne die Form - das macht eine feinere Kruste.
Auskühlen lassen bei leicht geöffneter Ofentür - und genießen!

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3. Mein ultimatives Partybrotrezept

Seit ich meine Patchworkfamilie habe, ist die Häufigkeit von Parties, Konfirmationen, Weihnachts- und anderen Jahreszeitenfeiern in meinem Leben um ca. 3000% angestiegen - kein Wunder bei 3 Stiefkindern in allen Größen und unserem Wunsch, den erheblichen Streß einer Lebensänderung durch Scheidung der Eltern, mich als neue Lebenspartnerin ihres Vaters und einen unterirdisch häßlichen 7 Jahre andauernden Scheidungsprozeß (ja, manche Ehefrauen sind nicht nett und fürsorglich), dadurch abzumildern, daß wir das Leben dennoch feiern, würdigen, gemeinsam gestalten in der kurzen Zeit, die wir zu fünft verbringen dürfen (100 Tage/Jahr).

Neben vielen anderen neuen Feierritualen gehört ein Brot von Anfang an mit dazu, weil es generationsübergreifend hitverdächtig gut schmeckt, vor allem mit Tomatenbutter, aber auch in allen Varianten, die Garten- und andere Feste eben so zulassen.

Am Wochenende wird eine neue Testerin dieses berühmte Tomatenbrot kosten - unser Ältester hat uns nämlich gerade rechtzeitig vor dem \"Sommerferienfest\" seine aktuelle Liebste vorgestellt. Was richtig Wichtiges für seine 16 Lenze - die 7 Vorgängerinnen waren so kurzlebig, daß wir sie nicht einmal zu Gesicht bekommen haben.
Ich muß also einen guten Eindruck hinterlassen, will ich ihn nicht blamieren...

Man verfahre also nach oben geschilderter Sorglosmethode und fülle den Brotteig in eine Kranzform - das ergibt fast unendlich viele handlich kleine Schnittchen:

• 500 g Mehl (nach gusto, bloß kein Roggenmehl)
• 1 Teelöffel Salz
• ein halber Würfel Hefe
• mindestens 50 g kleingeschnittene Oliven, mit Paprika gefüllt
• mindestens 200 g kleingeschnittene getrocknete, in Öl eingelegte Tomaten (die müssen nicht großartig abtropfen, sondern ein bißchen Öl darf/soll mit in den Teig, s.o.)
• Oregano + Rosmarin nach Belieben
• 350 ml Wasser (oder mehr, s.o.)

Gut durchkneten, ab in die Form (mithilfe von etwas Wasser geht´s leichter), im kalten Ofen vergessen - ach nein, gehen lassen natürlich, und nach einer Stunde den Ofen auf 200 Grad Celsius heizen, das Brot 50 min. backen.

Der geschnittene Brotkranz läßt sich prima auf einem großen Holzbrett/Teller dekorieren, in der Mitte kann praktischerweise gleich die selbstgemachte Kräuterbutter stehen... dauert erfahrungsgemäß nicht lange, dann ist alles ratzeputz weg!

© SBJ, 2005

44 Bewertungen, 6 Kommentare

  • anonym

    20.05.2006, 01:50 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Lieben Gruss, Manuela :o)

  • Cicila

    11.11.2005, 17:49 Uhr von Cicila
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich mag selbstgebackenes Brot sehr gerne, am liebsten noch recht warm ;-) <br/>LG Cicila

  • Whiteghost

    23.09.2005, 19:51 Uhr von Whiteghost
    Bewertung: sehr hilfreich

    Bei diesem Bericht wächst in mir das Verlangen nach einem lecker selbstgebackenen Brot. - Mfg, Whiteghost

  • Flute

    08.09.2005, 14:45 Uhr von Flute
    Bewertung: sehr hilfreich

    auch selbst Brot, nur wenn ich mal keine Zeit habe kaufe ich mal solche Chemie. Ein kleiner Tipp, wenn du das Brot aus der Form nimmst um es fertig zu backen, mach es vorher einmal nass, aber nicht zu doll, es darf nicht einweichen. So bekommt es eine sch

  • campino

    04.08.2005, 15:58 Uhr von campino
    Bewertung: sehr hilfreich

    Es hat richtig Freude gemacht, Deinen Bericht zu lesen. Liebe Grüße, Andrea

  • marina71

    04.08.2005, 15:48 Uhr von marina71
    Bewertung: sehr hilfreich

    einfach super! humorvoll und informativ