Wellensittich Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Futterkosten:  sehr gering
  • Pflegeaufwand:  gering
  • Spielbereitschaft:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von teddy1978

Gefiederte Akrobaten

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Vor mehr als 150 Jahren brachte der Naturforscher John Gould die ersten Wellensittiche aus deren Heimat Australien mit nach England. Heute gehören die kleinen Papageien zu den beliebtesten Heimvögeln der Welt und so auch zu meinem kleinen „Heimzoo“.

Wer einen oder mehrere „Wellis“ halten möchte, der sollte schon auch einiges über das Leben der wilden Artgenossen des zukünftigen Haustieres wissen. Daraus lassen sich viele Rückschlüsse auf die Bedürfnisse des Tieres ziehen und wenn man dies beachtet, wird man sicher viele Jahre Freude an seinem „Bubi“ haben und einen echten Freund in ihm finden.

Die Wellensittiche kommen wie viele andere Sittich- und Papageienarten aus Australien. Dort leben sie vor allem in den Trockengebieten im Landesinneren zumeist in Eukalyptusbäumen. Als Hauptnahrungsquelle dient dort das, in der trockenen Hitze spärlich wachsende Spinifexgras. Jedoch können die Nächte dort äusserst kalt werden, so dass die Wellensittiche in der Natur meist dicht aneinandergekuschelt schlafen. Das ist aber nicht der einzige Grund dafür, dass die Sittiche immer in Schwärmen mit 20 bis 60 Tieren leben.

Wellensittiche sind ausgesprochene Schwarmvögel. Sie ordnen sich in der Kolonie gern unter, da die Gruppe ihnen Sicherheit, Geselligkeit und sogar Nahrung bietet. Die Tiere schlafen, trinken und baden gemeinsam und gehen natürlich auch gemeinsam auf Futtersuche. Wird es ihnen im Winter zu kalt, dann zieht der gesamte Schwarm geschlossen in wärmere Gefielde.

Natürliche Feinde sind vor allem Greifvögel, weshalb die Tiere auch in Gefangenschaft schnell nervös werden, wenn über ihnen ein Schatten (zum Beispiel von einer Hand) auftaucht. Der beste Schutz vor dieser Gefahr ist natürlich der Schwarm, denn viele Augen sehen mehr als zwei. Auch das in der Natur fast immer grüne Gefieder mit der gelben Zeichnung dient dem Schutz, denn so sind die Tiere in den Bäumen bestens getarnt. Hin und wieder gibt es aber auch in der Natur einmal blaue Wellensittiche, die aber aufgrund der fehlenden Tarnung schnell Opfer der Greifvögel oder Schlangen werden.

In den Jahren der Gefangenschaft, seit der Naturforscher John Gould 1840 die ersten Wellensittiche nach England brachte, hat man natürlich eine gigantische Farbenvielfalt aus den wilden grünen Sittichen gezüchtet. So gibt es heute grüne, blaue, gelbe, graue und weisse Wellis und auch viele kleine „Harlekine“.
Ich selbst mag am liebsten blaue Wellis mit gelbem Köpfchen. So sieht meine Susi aus. Bubi ist typisch blau-weiss und ein Bastler par excellence. Meine Susi ist mir aber dennoch die liebste. Sie ist leider krank. Sie hat eine chronische Kropfentzündung, die regelmässig mit Rotlicht behandelt werden muss, aber unheilbar ist. Dadurch ist sie relativ ruhig und äusserst liebenswert.

Zurück zum Thema:

Bevor man sich im Zoogeschäft oder beim Züchter vor lauter Verliebtheit so einen kleinen Gesellen ins Haus holt, sollte man natürlich einige Überlegungen treffen, damit sich der kleine dann auch wirklich wohlfühlen kann und nicht im goldenen Käfig zugrunde geht.

Zunächst sollte man beachten, dass die Tiere eben Schwarmvögel sind und daher nicht gern alleine sind. Am besten hält man zwei oder mehr Tiere zusammen, oder man sorgt dafür, dass immer Menschen, die das Tier kennt in der Nähe des Kerlchens sind. So wird der Vogel die Menschen auch als seinen Schwarm akzeptieren. Meine Wellis fühlen sich im Schwarm pudelwohl und hätten es trotzdem ganz gerne, dass wir immer dabei sind. Gehen wir weg, dann würden sie am liebsten nachflattern und da sie das nicht können, sind sie oft recht traurig und nutzen die Zeit ohne uns zum Schlafen. Dafür sind sie dann umso munterer (und lauter), wenn wir daheim sind.

Wellensittiche sind auch kein Kinderspielzeug. Meine Beiden zum Beispiel haben ziemlichen Respekt vor den hektischen schnellen und unbedachten Bewegungen von Kindern. Da die Tiere in der Natur Fluchttiere sind, sind sie dann natürlich sofort in Aufruhr und flattern wild durch die Gegend. Auch ist eine regelmässige Pflege wichtig, worauf Kinder naturgemäss nicht immer achten.

Trennt man einen Wellensittich von seinem Schwarm, wird er trauern und vielleicht sogar eingehen. Deshalb sollte man schon beim Kauf wissen, dass der Vogel 10 Jahre alt werden kann und nur schwer einen Halterwechsel übersteht. Das Tier sollte also sein ganzes Leben mit seiner Familie verbringen dürfen. Gerade auch, da nicht jeder Wellensittich die Gabe hat, Sprechen zu lernen, sollte man genau überlegen, ob dann nicht das Interesse erlischt und das Tier dann abgegeben wird. Auch Allergien werden oft zum Abgabegrund. Das lässt sich vermeiden, indem man vor dem Kauf einen Allergietest machen lässt.

Männchen und Weibchen unterscheiden sich in ihrem Wesen und ihren Fähigkeiten kaum voneinander, so dass es eigentlich keine Rolle spielt, für welches Geschlecht man sich entscheidet. Hält man allerdings zwei Vögel zusammen, sollte man sich für ein Pärchen entscheiden, da man dadurch eventuelle Rangkämpfe ausschliesst.

Ist all das geklärt, sollte man beim Kauf eigentlich nur noch darauf achten, dass einem das auserwählte Tier sympathisch ist und dass es gesund ist. Letzteres lässt sich einfach feststellen. Gesunde Tiere sind tagsüber meist munter, zwitschern vergnügt und sitzen meist auf nur einem Bein auf der Stange. Junge Vögel erkennt man an tief dunklen Augen ohne weisse Ränder.

Nun steht einer Freundschaft zu dem Vogel nichts mehr im Wege. Man sollte allerdings noch wissen, dass einzeln gehaltene Vögel meist schneller zahm werden, was bei Vögeln in Paarhaltung langwieriger ist. Beschäftigt man sich ruhig und oft mit dem Tier wird es sich schnell an den Menschen gewöhnen und oft auch schnell den Respekt verlieren.
Meine Wellis sind zwar nicht handzahm, aber trotzdem „frech wie Oskar“. Sie äussern lautstark, wenn ihnen was nicht passt (zum Beispiel, wenn früh nicht schnell genug der Käfig geöffnet wird oder das Futter mal knapp wird) oder holen sich auch schon mal ihr „Futter“ selbständig von unserem Tisch.

Wo einer von ihnen ist, da will auch der andere sein und so braucht man eigentlich auch bei Gruppenhaltung nur einen besonders mutigen Vogel aussuchen und sich besonders intensiv mit ihm beschäftigen, bis er zahm ist. So überwinden auch die anderen schnell ihre Scheu und folgen dem mutigen „Anführer“.

Besonders wenn die Tiere dann beginnen frech zu werden, drohen ihnen auch viele Gefahren. So werden heisse Herdplatten, offene Fenster oder zuschlagende Türen schnell zur tödlichen Falle. Der einladende Freiflug durchs offene Fenster ist dabei wohl am häufigsten. In unseren Breiten haben die gezüchteten Vögel in der Natur keine Chance. Sie finden kaum Nahrung, sind an die Witterung unangepasst und kennen keine natürliche Scheu vor Feinden. Fliegen sie also nicht gerade einem netten Menschen zu, sind sie verloren. Also Fenster zu, wenn die Tiere Freiflug im Zimmer bekommen.

Obwohl Wellis hervorragende Flieger sind, sollte man einen neuen Vogel nicht gleich aus dem Käfig lassen. Sie sollten vom sicheren Käfig aus ihre Umgebung kennenlernen. Dazu sollte man dem Tier im Käfig absolute Ruhe gönnen, damit es den Käfig als absolut sicheren Ort schätzen lernt. Nach einigen Wochen wird es Zeit zum ersten Freiflug. Das Tier weiss nun im Zimmer bereits Bescheid und wird nicht blind drauf losfliegen. Ausserdem weiss es, wo der Käfig steht und wird ihn jederzeit wiederfinden. Obwohl meine Vier gut fliegen und das Zimmer genauestens kennen gibt es immer mal wieder kleine Unfälle. Sie schlagen schon mal gegen die Scheibe oder die Wände. Sieht zwar zum Teil drollig aus, ist aber sehr gefährlich. Sie könnten sich dabei ernsthaft verletzen oder gar zu Tode kommen.

Wenn man all das beherzigt kann man viel Freude mit einem oder mehreren Wellis haben. Sie geben mit ihrem drolligen Wesen, ihrer Schwatzhaftigkeit, ihren oft witzigen, aber hin und wieder auch gefährlichen Einfällen (Bastellaune an Tapeten, Pflanzen...) und den kleinen Kunststückchen, die sie gern lernen (Stimmenimmitation, Umschwünge an den Stangen im Käfig...) immer wieder Anlass zu einem Lächeln. So ist mein Bubi mal fast im Colaglas ertrunken, weil er halt unbedingt wissen wollte, was in dem Glas ist. Das klingt zwar gar nicht witzig (das war es auch im ersten Moment nicht), sah aber urkomisch aus. Auch badete er mal in einem eingeweichten Nudelteller, so dass sein Gefieder am Bauch vom Ketchup rot gefärbt war. Auch das musste ich im Foto festhalten, weil es einfach herrlich aussah.

Mit einem gesunden Wellensittich im Haus ist einfach immer was los und wenn man den Vogel gut pflegt und beobachtet, wird er bald auch ein kleiner frecher Spassvogel werden, der nichts als Flausen im Kopf hat und so einen recht hohen Unterhaltungswert besitzt. Ich kann also die Haltung eines Wellensittichs nur wärmstens empfehlen.

Übrigens: Wertvolle Tips zu Haltung und Pflege gibt’s in folgenden Büchern, die ich ebenfalls nur empfehlen kann:

1. „Der Wellensittich – Mein Haustier“ (A.Wolters/U.Anders) G/U-Verlag , ISBN: 3-7742-2664-4
2. „Unser Wellensittich“ (G.A.Radtke) Franckh-Kosmos-Verlag, ISBN: 3-440-06677-0

12 Bewertungen, 4 Kommentare

  • pyromane8

    13.08.2002, 23:35 Uhr von pyromane8
    Bewertung: sehr hilfreich

    boha, ey

  • deeperspace

    28.03.2002, 00:38 Uhr von deeperspace
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein guter Bericht, habe mich mit Wellensittiche noch nie so beschäftigt... Gruß Deep

  • Tickeromi

    27.03.2002, 23:22 Uhr von Tickeromi
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr schöner und informativer Bericht. Gruß Tickeromi

  • Maeuschen21

    27.03.2002, 21:45 Uhr von Maeuschen21
    Bewertung: sehr hilfreich

    schöner bericht ;o)