Der Vorleser (DVD) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 02/2012
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Summe aller Bewertungen
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von LilithIbi
„Hannah Schmitz hat anders ausgewählt.“
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Völlig überzeugt davon, dass in der Verfilmung des Romans von Bernhard Schlink Leonardo DiCaprio mitspielen würde, wunderte ich mich am gestrigen Tage nicht wenig. Damit jedoch nicht genug ~ eben weil ich überdies davon ausging, dass es sich bei
===Der Vorleser=== um ein gelungenes Drama; sprich: einen sehenswerten Film, handeln würde. So kann frau sich also gleich zweimal irren.
Die beinahe völlig überflüssige _Rahmenhandlung spielt im Jahre 1995 und ist die des erwachsenen Michael Berg (Ralph Fiennes), der eine weibliche Bekannte aus seiner Wohnung komplementiert um sich am späteren Tage mit seiner Tochter treffen zu können. Ihr will er wohl seine Geschichte erzählen; und so. respektive völlig hanebüchen, springt der zweistündige Film vor und zurück, ohne das man jenes im allerersten Momenten erkennen müsste. Tut man vielleicht doch, wenn man nicht gerade die Augen vor lauter Gähnerei geschlossen hält.
Im Rückblenden-Usus lernt der willige Zuschauer den 15jährigen Michael Berg (David Kross) kennen, der sich 1958 auf seinem Heimweg mehrfach übergeben muss. Hanna Schmitz (Kate Winslet), knapp 20 Jahre älter, kümmert sich um ihn ~ drei Monate später kehrt Michael mitsamt einem Blumenstrauß in ihre Wohnung zurück, um sich zu bedanken.
Jaha, und wie er sich bedankt!
Die durchaus vorhandene Romantik des Vorlesens verpufft durch den eher missratenen Versuch, Pornokram pietätvoll zu kredenzen. Jene Szenerien wirken oftmals eher unbeholfen-grotesk; vor allem durch Hannah's stete Titulierung „Jungchen“ nebst ihrem Regieanweisungen wird dem Zuschauer das Fremdschämen leicht gemacht.
Schnell ist erkennbar, dass Hannah äußerlich so kalt agiert, wie sie innerlich zu sein scheint ~ ihre Aussage
„Du bedeutest mir nicht genug, um mich kränken zu können“
haut gewissermaßen rein, zerbombt sich allerdings durch die vorangegangene Dialog-Patzigkeit doch wieder selbst. Klar ist, dass Hannah die Spielregeln bestimmt und Michael erst langsam versucht, auch seinen Kopf durchzusetzen. Blöd nur, dass er eines schönen Tages in die Liebeshütte zurückkehrt und die gute Hannah spurlos verschwunden ist.
Erst Jahre später soll er sie wieder sehen ~ als Jurastudent trifft er sie zufällig im Rahmen ihrer Verhandlung wieder: Hannah wird wegen ihrer Tätigkeit als KZ-Wärterin angeklagt, die sie unmittelbar nach ihrem Verschwinden angetreten hat.
===Näheres zur Umsetzung===
Wie schon gesagt, der Film konnte mich nur schwerlich begeistern. Platt gesagt, hätte man das Gesehene um rund eine Stunde kürzen können ~ oftmals macht sich eine Langamtigkeit breit, die umso fataler ist, desto klarer die damit verbundenen Aussagen versucht worden. Es scheint stellenweise so, als wäre der Zuschauer an sich völlig unterschätzt worden ~ man erkennt recht früh, mit welchem „Problem“ Hannah zu kämpfen hat, zu vertuschen versucht, so dass der vermeintliche „wuha“ Effekt so gut wie nicht gegeben ist.
Interessant zwar, Michaels Reaktion auf Hannah zu betrachten, doch so richtig auskäsen wollten sich die Macher hier scheinbar auch nicht. „Der Vorleser“ plätschert somit völlig ohne Sinn und Ziel vor sich hin, um schlussendlich lediglich einen Kreislauf des Schweigens zu repräsentieren.
Hätte man an dieser Stelle den Abspann eingeläutet, so wäre es durchaus schön und gut gewesen... aber nix ist. Obschon man das filmische Ende erwartet, findet eine erneute Wendung innerhalb der Geschichte statt, die zwar einerseits irgendwo als romantisch anzusiedeln ist, gleichzeitig jedoch eher die Skepsis in mir nährte.
Darüber hinaus ärgerte ich mich ein wenig (bis ganz viel) über jenen Michael, der im Grunde den gleichen Fehler machte wie Hannah im Bezug auf die Anklageschrift gegen sie: nicht einzugreifen. Hannah wird u.a. für den Tod von mindestens 300 Juden verantwortlich gemacht, weil sie jene in einer abgeschlossenen Kirche verbrennen ließ ~ sie tat nichts, als zuzusehen. Genauso nun Michael vor Gericht... beide hätten die Chance gehabt, in den Verlauf der Geschichte einzugreifen, beide jedoch schwiegen und hielten sich somit an irgendwelche Vorschriften, die vermutlich nur vor ihnen selbst gerechtfertigt waren.
~ Wie gesagt, als Kurzgeschichte und bis lediglich zu dieser Stelle wäre der Film durchaus ein nachdenkenswertes Stück gewesen ~ dank der eher überlangen Einleitung jedoch und den immer wiederkehrenden Längen nebst dem nicht minder schnöden Fortgang stellte sich bei mir der Usus ein, zigfach auf die Uhr zu schielen.
Wirklich beeindruckend ist hier fast ausschließlich Kate Winslet, die die Figur der Hannah Schmitz in all ihren Altersstufen spielt, während in Bezug auf Michael zwei Darsteller verpflichtet wurden. Überzeugend wirkt Kate allemale, ihre Gesichtsausdrücke beherrscht sie perfekt, um damit die unterschiedlichsten Stimmlagen zu repräsentieren. Das Mitgefühl, welches der Zuschauer an diversen Stellen empfinden könnte, wird dank Hannahs Kühle und Sturheit regelrecht ausgebremst ~ in eben jener Rolle hätte man sich keine überzeugendere Darstellerin wünschen können. Fakt ist, dass Kate Winslet alle anderen Darsteller förmlich an die Wand spielt.
Weniger beeindruckend hingegen der Usus, dass „Der Vorleser“ sich viel zu oft selbst in seinem Erzählfluss unterbricht, mehr Fragen aufwirft als er je wird beantworten können. Es mag nur bedingt interessant sein, was das einstige Kopulationspaar eigentlich sonst noch so getrieben hat ~ doch stetig lediglich mit den Momenten konfrontiert zu werden, wie zumindest einer der beiden nackisch vor die Kamera tanzt, reizt mich dann doch noch eine ganze Ecke weniger. Das gesamte Mit- und Zueinander der beiden bleibt fast völlig im Dunkeln, während man stattdessen bis zum Brechreiz wieder und wieder darauf gestoßen wird, wie toll Michael vorlesen kann.
Ein wenig skurril die Szene, in der Hannah ihren BH bügelt, ein mattes Lächeln für den Moment, in dem sie Michael in die Wanne schickt und hinter dem ohnehin fast durchsichtigen Vorhang zu seinem nackten Körper hinüberlinst... mehr Spaß macht der Film dann allerdings nicht.
===Summa summarum=== Obschon die Gefängnis-Momente sowie das „danach“ ansatzweise unter die Haut gehen, läuft bei „Der Vorleser“ einfach viel zu viel schief, um mich zu einem positiven Urteil verleiten zu lassen.
Grottenschlecht ist das Ganze nu nicht, einmal ansehen reicht allerdings absolut. Fans der Romanvorlage können aufgrund der Tatsache, dass der Autor einmal durchs Bild hüpft, vielleicht noch entzückt sein ~ meine Entzückung hingegen reicht lediglich bis zu dem Punkt der Tatsache, dass mich der Film nix gekostet hat.
Zwei Sternchen für die immerhin-irgendwie-Aussage, dass der Mensch die ewig gleichen Fehler wiederholt und man trotzdem zumindest versuchen kann, Abbitte zu leisten, unabstreitbar jedoch keine wirkliche Empfehlung.
===Der Vorleser=== um ein gelungenes Drama; sprich: einen sehenswerten Film, handeln würde. So kann frau sich also gleich zweimal irren.
Die beinahe völlig überflüssige _Rahmenhandlung spielt im Jahre 1995 und ist die des erwachsenen Michael Berg (Ralph Fiennes), der eine weibliche Bekannte aus seiner Wohnung komplementiert um sich am späteren Tage mit seiner Tochter treffen zu können. Ihr will er wohl seine Geschichte erzählen; und so. respektive völlig hanebüchen, springt der zweistündige Film vor und zurück, ohne das man jenes im allerersten Momenten erkennen müsste. Tut man vielleicht doch, wenn man nicht gerade die Augen vor lauter Gähnerei geschlossen hält.
Im Rückblenden-Usus lernt der willige Zuschauer den 15jährigen Michael Berg (David Kross) kennen, der sich 1958 auf seinem Heimweg mehrfach übergeben muss. Hanna Schmitz (Kate Winslet), knapp 20 Jahre älter, kümmert sich um ihn ~ drei Monate später kehrt Michael mitsamt einem Blumenstrauß in ihre Wohnung zurück, um sich zu bedanken.
Jaha, und wie er sich bedankt!
Die durchaus vorhandene Romantik des Vorlesens verpufft durch den eher missratenen Versuch, Pornokram pietätvoll zu kredenzen. Jene Szenerien wirken oftmals eher unbeholfen-grotesk; vor allem durch Hannah's stete Titulierung „Jungchen“ nebst ihrem Regieanweisungen wird dem Zuschauer das Fremdschämen leicht gemacht.
Schnell ist erkennbar, dass Hannah äußerlich so kalt agiert, wie sie innerlich zu sein scheint ~ ihre Aussage
„Du bedeutest mir nicht genug, um mich kränken zu können“
haut gewissermaßen rein, zerbombt sich allerdings durch die vorangegangene Dialog-Patzigkeit doch wieder selbst. Klar ist, dass Hannah die Spielregeln bestimmt und Michael erst langsam versucht, auch seinen Kopf durchzusetzen. Blöd nur, dass er eines schönen Tages in die Liebeshütte zurückkehrt und die gute Hannah spurlos verschwunden ist.
Erst Jahre später soll er sie wieder sehen ~ als Jurastudent trifft er sie zufällig im Rahmen ihrer Verhandlung wieder: Hannah wird wegen ihrer Tätigkeit als KZ-Wärterin angeklagt, die sie unmittelbar nach ihrem Verschwinden angetreten hat.
===Näheres zur Umsetzung===
Wie schon gesagt, der Film konnte mich nur schwerlich begeistern. Platt gesagt, hätte man das Gesehene um rund eine Stunde kürzen können ~ oftmals macht sich eine Langamtigkeit breit, die umso fataler ist, desto klarer die damit verbundenen Aussagen versucht worden. Es scheint stellenweise so, als wäre der Zuschauer an sich völlig unterschätzt worden ~ man erkennt recht früh, mit welchem „Problem“ Hannah zu kämpfen hat, zu vertuschen versucht, so dass der vermeintliche „wuha“ Effekt so gut wie nicht gegeben ist.
Interessant zwar, Michaels Reaktion auf Hannah zu betrachten, doch so richtig auskäsen wollten sich die Macher hier scheinbar auch nicht. „Der Vorleser“ plätschert somit völlig ohne Sinn und Ziel vor sich hin, um schlussendlich lediglich einen Kreislauf des Schweigens zu repräsentieren.
Hätte man an dieser Stelle den Abspann eingeläutet, so wäre es durchaus schön und gut gewesen... aber nix ist. Obschon man das filmische Ende erwartet, findet eine erneute Wendung innerhalb der Geschichte statt, die zwar einerseits irgendwo als romantisch anzusiedeln ist, gleichzeitig jedoch eher die Skepsis in mir nährte.
Darüber hinaus ärgerte ich mich ein wenig (bis ganz viel) über jenen Michael, der im Grunde den gleichen Fehler machte wie Hannah im Bezug auf die Anklageschrift gegen sie: nicht einzugreifen. Hannah wird u.a. für den Tod von mindestens 300 Juden verantwortlich gemacht, weil sie jene in einer abgeschlossenen Kirche verbrennen ließ ~ sie tat nichts, als zuzusehen. Genauso nun Michael vor Gericht... beide hätten die Chance gehabt, in den Verlauf der Geschichte einzugreifen, beide jedoch schwiegen und hielten sich somit an irgendwelche Vorschriften, die vermutlich nur vor ihnen selbst gerechtfertigt waren.
~ Wie gesagt, als Kurzgeschichte und bis lediglich zu dieser Stelle wäre der Film durchaus ein nachdenkenswertes Stück gewesen ~ dank der eher überlangen Einleitung jedoch und den immer wiederkehrenden Längen nebst dem nicht minder schnöden Fortgang stellte sich bei mir der Usus ein, zigfach auf die Uhr zu schielen.
Wirklich beeindruckend ist hier fast ausschließlich Kate Winslet, die die Figur der Hannah Schmitz in all ihren Altersstufen spielt, während in Bezug auf Michael zwei Darsteller verpflichtet wurden. Überzeugend wirkt Kate allemale, ihre Gesichtsausdrücke beherrscht sie perfekt, um damit die unterschiedlichsten Stimmlagen zu repräsentieren. Das Mitgefühl, welches der Zuschauer an diversen Stellen empfinden könnte, wird dank Hannahs Kühle und Sturheit regelrecht ausgebremst ~ in eben jener Rolle hätte man sich keine überzeugendere Darstellerin wünschen können. Fakt ist, dass Kate Winslet alle anderen Darsteller förmlich an die Wand spielt.
Weniger beeindruckend hingegen der Usus, dass „Der Vorleser“ sich viel zu oft selbst in seinem Erzählfluss unterbricht, mehr Fragen aufwirft als er je wird beantworten können. Es mag nur bedingt interessant sein, was das einstige Kopulationspaar eigentlich sonst noch so getrieben hat ~ doch stetig lediglich mit den Momenten konfrontiert zu werden, wie zumindest einer der beiden nackisch vor die Kamera tanzt, reizt mich dann doch noch eine ganze Ecke weniger. Das gesamte Mit- und Zueinander der beiden bleibt fast völlig im Dunkeln, während man stattdessen bis zum Brechreiz wieder und wieder darauf gestoßen wird, wie toll Michael vorlesen kann.
Ein wenig skurril die Szene, in der Hannah ihren BH bügelt, ein mattes Lächeln für den Moment, in dem sie Michael in die Wanne schickt und hinter dem ohnehin fast durchsichtigen Vorhang zu seinem nackten Körper hinüberlinst... mehr Spaß macht der Film dann allerdings nicht.
===Summa summarum=== Obschon die Gefängnis-Momente sowie das „danach“ ansatzweise unter die Haut gehen, läuft bei „Der Vorleser“ einfach viel zu viel schief, um mich zu einem positiven Urteil verleiten zu lassen.
Grottenschlecht ist das Ganze nu nicht, einmal ansehen reicht allerdings absolut. Fans der Romanvorlage können aufgrund der Tatsache, dass der Autor einmal durchs Bild hüpft, vielleicht noch entzückt sein ~ meine Entzückung hingegen reicht lediglich bis zu dem Punkt der Tatsache, dass mich der Film nix gekostet hat.
Zwei Sternchen für die immerhin-irgendwie-Aussage, dass der Mensch die ewig gleichen Fehler wiederholt und man trotzdem zumindest versuchen kann, Abbitte zu leisten, unabstreitbar jedoch keine wirkliche Empfehlung.
33 Bewertungen, 5 Kommentare
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14.11.2010, 16:52 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSchöne Grüsse, Talulah
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08.11.2010, 20:33 Uhr von Lanch999
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht! LG von Lanch999 Würd mich freuen wenn du bei meinen Berichten vorbeischaust! :D
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08.11.2010, 19:11 Uhr von Jennytammy
Bewertung: sehr hilfreichKlasse Bericht! Liebe Grüße, Jenny
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08.11.2010, 17:30 Uhr von XXLALF
Bewertung: sehr hilfreichund ganz liebe grüße
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08.11.2010, 14:40 Uhr von KaTaRaGiRl
Bewertung: sehr hilfreichIch würde mich sehr über Gegenlesungen freuen. glg Laura
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