Jagd auf Roter Oktober (DVD) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 03/2010
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Erfahrungsbericht von wildheart
Gefährliche Auswüchse des Kalten Krieges
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Nach dem gleichnamigen Roman von Tom Clancy und dem Drehbuch von Larry Ferguson und Donald Stewart drehte John McTiernan (zuletzt »Rollerball«, 2002) diesen noch ganz dem Kalten Krieg verhafteten Spionage-Thriller im Jahr 1990.
Inhalt
Das U-Boot »Roter Oktober« ist das Flaggschiff der sowjetischen Flotte, auf dem neuesten technologischen Stand, ausgestattet mit einem fast geräuschlosen Antriebssystem, so dass der Feind kaum dazu in der Lage ist, das U-Boot zu orten. Kapitän Marko Ramius (Sean Connery) erhält 1986 den Auftrag, von Polijarnij aus die Jungfernfahrt des mit Atomraketen bestückten Prototyps der Typhoon-Klasse gen Polarmeer anzutreten. Doch Ramius nimmt nicht den befohlenen Kurs, sondern steuert direkt auf die Vereinigten Staaten zu. Weder die Sowjets, noch die Amerikaner wissen genau, was Ramius vor hat. Die Sowjets schicken ihre gesamte Flotte, um »Roter Oktober«, wenn notwendig zu versenken. Auf der anderen Seite erhält der Strategieexperte der CIA, Jack Ryan (Alec Baldwin), Bilder des neuen U-Boots zugespielt, mit denen er zunächst nicht viel anfangen kann. Ein von ihm zugezogener Experte schlussfolgert, dass der lautlose Antrieb das Boot zu einer optimalen Erstschlagswaffe macht.
Während die Sowjets zu der Überzeugung gelangen, dass Ramius überlaufen will, grübeln die amerikanischen Experten in einer Krisensitzung darüber nach, ob es sich um einen geplanten Angriff oder eine Übung der Sowjets handelt. Man muss also gleichzeitig alle Schritte einleiten, um die »Rote Oktober« zu orten und möglicherweise zu zerstören, geht aber das Risiko ein, selbst einen schweren internationalen bewaffneten Konflikt mit Atomwaffen auszulösen, falls es sich lediglich um ein Manöver handelt. Und die Sowjets? Wie sollen sie dem Weltfeind Nr. 1 erklären, dass man ein U-Boot »verloren« hat? Was soll man den US-Behörden überhaupt erklären? Botschafter Andrei Lysenko (Joss Ackland) gerät zwischen den Fronten ins Schwitzen.
Doch dann bringt Jack Ryan eine weitere Möglichkeit ins Spiel: Was, wenn Ramius zu den USA überlaufen will und gar kein Angriff geplant ist? Was, wenn die Besatzung davon gar nichts ahnt? Wie sind die Verhältnisse an Bord? Wenn Ramius überlaufen will: Wie bringt man die Besatzung dazu, das U-Boot zu verlassen? Und wie schützt man Ramius vor der Verfolgung durch die sowjetische Flotte? Und nicht zuletzt: Wie soll Ryan seine Vorgesetzten davon überzeugen, diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen? Ryan begibt sich in den Nordatlantik, um mehr in Erfahrung zu bringen ...
Inszenierung
McTiernans U-Boot-Drama lebt sowohl von der Handlung selbst, einer Geschichte, die während des Kalten Kriegs durchaus hätte passieren können, als auch von der feinfühligen Art, in der Sean Connery und Alec Baldwin als (gegenüber allen anderen Akteuren) herausragende Figuren diese Handlung vorantreiben. Auch die Spezialeffekte, Unterwasseraufnahmen und die Kameraführung überzeugen durch Realistik und Nervenkitzel. Die Flucht der »Roten Oktober« vor den Torpedos der sowjetischen Jäger z.B. hätte kaum spannender inszeniert werden können.
Mancher wird sich fragen, ob nach Ende des Kalten Krieges und der Machtübernahme Gorbatschows in der Sowjetunion ein solcher Streifen noch realistisch sein mag. Wir wissen allerdings alle, dass der Besitz von Atomwaffen und anderen Massenvernichtungsmitteln in den Händen vieler Staaten auch heute noch ein potentielles Risiko der Vernichtung weiter Landstriche und von Millionen von Menschen bedeutet. Der Ausbruch entsprechender Konflikte bzw. deren Zuspitzung stellen nach wie vor eine Gefahr dar, die man nicht unterschätzen sollte.
McTiernans Streifen lotet einen solchen Konflikt, ausgelöst durch den Widerstand eines U-Boot-Kommandanten gegen die Erstschlagsstrategie einer der beiden »Supermächte«, bis zum Extrem aus. Niemand könnte mit Sicherheit sagen, dass ein ähnlicher Vorgang in der Realität nicht zu einer atomaren Katastrophe führen könnte. Was im Film allerdings nicht thematisiert wird – und da verbleibt McTiernan selbst in der Zeit des Kalten Krieges –: Auch die USA hatten eine Erstschlagsstrategie und entwickelten jahrelang entsprechende Konzepte, die Blockauseinandersetzung zu ihren Gunsten zu entscheiden.
In der Kuba-Krise Anfang der 60er Jahre, die in letzter Sekunde durch die »Tauben« auf beiden Seiten beigelegt werden konnte, schlitterte die Welt gerade noch einmal an einem neuerlichen Weltkrieg – mit einem möglichen Einsatz atomarer Waffen – vorbei. Solche Ereignisse und die nach wie vor – auch in den Händen von Machthabern in der sog. »Dritten Welt« – vorhandenen Nuklearwaffen aller Art machen die Aktualität des Streifens deutlich.
Die politischen Hintergründe, die Entwicklung der verschiedenen Strategien des Kalten Krieges auf beiden Seiten, von der Erstschlagsstrategie bis zur flexible response und anderem, kommen in »Jagd auf Roter Oktober« allerdings viel zu kurz. Dazu gehört auch die Erfahrung, dass politische und militärische Strategien ab einem gewissen Zeitpunkt ihrer Verfolgung zur Normalität werden und eine gewisse, nicht zu unterschätzende Eigendynamik entfalten. Die Ausarbeitung einer Strategie der Entspannungspolitik, einer Politik vertrauensbildender Maßnahmen usw. war u.a. auch deswegen mit erheblichen Schwierigkeiten behaftet, weil es genug Leute auf beiden Seiten gab, die ihre Position im Rahmen der vertrauten politischen und militärischen Konzepte nicht aufgeben wollten, weil sie sozusagen mit diesen Konzepten »groß geworden« und von ihnen absolut überzeugt waren.
Schauspieler
Zu nennen sind hier eigentlich lediglich Sean Connery, der den erfahrenen, mit allen Wassern gewaschenen sowjetischen U-Boot-Kapitän, der seine eigenen Leute bzw. die politischen Verhältnisse in seinem Land mehr als gut einzuschätzen weiß, souverän zu spielen versteht, und Alec Baldwin als CIA-Mann, der aus dem Gros seiner Kollegen durch eine vordergründig naive Weise herausragt, der für die anderen geradezu unrealistische Annahmen äußert, sich aber als äußerst intelligenter und alle Möglichkeiten in Betracht ziehender Fuchs herausstellt.
Die anderen Schauspieler, teilweise mit großem Namen, sind beinahe nicht mehr als Beiwerk zum Spiel zwischen Baldwin und Connery.
Fazit
Ein spannender, auch technisch gelungener Streifen, immer noch hoch brisant, wenn auch mit einer mal wieder etwas zu positiven Selbstdarstellung der US-Verhältnisse. Auch die Musik von Basil Poledouris unterstreicht übrigens die aus heutiger Sicht zumindest fast psychopathologisch anmutenden Auswüchse der politischen Mentalität des Kalten Krieges.
Jagd auf »Roter Oktober«
(The Hunt for Red October)
USA 1990, 134 Minuten
Regie: John McTiernan
Hauptdarsteller: Sean Connery (Kapitän Marko Ramius), Alec Baldwin (Jack Ryan), Scott Glenn (Kommandant Bart Mancuso), Sam Neill (Kapitän Vasily Borodin), James Earl Jones (Admiral James Greer), Joss Ackland (Botschafter Andrei Lysenko), Richard Jordan (Jeffrey Pelt, Nationaler Sicherheitsberater), Peter Firth (Ivan Putin, Politischer Offizier), Tim Curry (Dr. Petrov), Courtney B. Vance (Matrose Jones), Stellan Skarsgård (Kapitän Tupolev), Jeffrey Jones (Skip Tyler), Timothy Carhart (Bill Steiner)
© Ulrich Behrens 2002
(dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in www.ciao.com unter dem Mitgliedsnamen Posdole)
Inhalt
Das U-Boot »Roter Oktober« ist das Flaggschiff der sowjetischen Flotte, auf dem neuesten technologischen Stand, ausgestattet mit einem fast geräuschlosen Antriebssystem, so dass der Feind kaum dazu in der Lage ist, das U-Boot zu orten. Kapitän Marko Ramius (Sean Connery) erhält 1986 den Auftrag, von Polijarnij aus die Jungfernfahrt des mit Atomraketen bestückten Prototyps der Typhoon-Klasse gen Polarmeer anzutreten. Doch Ramius nimmt nicht den befohlenen Kurs, sondern steuert direkt auf die Vereinigten Staaten zu. Weder die Sowjets, noch die Amerikaner wissen genau, was Ramius vor hat. Die Sowjets schicken ihre gesamte Flotte, um »Roter Oktober«, wenn notwendig zu versenken. Auf der anderen Seite erhält der Strategieexperte der CIA, Jack Ryan (Alec Baldwin), Bilder des neuen U-Boots zugespielt, mit denen er zunächst nicht viel anfangen kann. Ein von ihm zugezogener Experte schlussfolgert, dass der lautlose Antrieb das Boot zu einer optimalen Erstschlagswaffe macht.
Während die Sowjets zu der Überzeugung gelangen, dass Ramius überlaufen will, grübeln die amerikanischen Experten in einer Krisensitzung darüber nach, ob es sich um einen geplanten Angriff oder eine Übung der Sowjets handelt. Man muss also gleichzeitig alle Schritte einleiten, um die »Rote Oktober« zu orten und möglicherweise zu zerstören, geht aber das Risiko ein, selbst einen schweren internationalen bewaffneten Konflikt mit Atomwaffen auszulösen, falls es sich lediglich um ein Manöver handelt. Und die Sowjets? Wie sollen sie dem Weltfeind Nr. 1 erklären, dass man ein U-Boot »verloren« hat? Was soll man den US-Behörden überhaupt erklären? Botschafter Andrei Lysenko (Joss Ackland) gerät zwischen den Fronten ins Schwitzen.
Doch dann bringt Jack Ryan eine weitere Möglichkeit ins Spiel: Was, wenn Ramius zu den USA überlaufen will und gar kein Angriff geplant ist? Was, wenn die Besatzung davon gar nichts ahnt? Wie sind die Verhältnisse an Bord? Wenn Ramius überlaufen will: Wie bringt man die Besatzung dazu, das U-Boot zu verlassen? Und wie schützt man Ramius vor der Verfolgung durch die sowjetische Flotte? Und nicht zuletzt: Wie soll Ryan seine Vorgesetzten davon überzeugen, diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen? Ryan begibt sich in den Nordatlantik, um mehr in Erfahrung zu bringen ...
Inszenierung
McTiernans U-Boot-Drama lebt sowohl von der Handlung selbst, einer Geschichte, die während des Kalten Kriegs durchaus hätte passieren können, als auch von der feinfühligen Art, in der Sean Connery und Alec Baldwin als (gegenüber allen anderen Akteuren) herausragende Figuren diese Handlung vorantreiben. Auch die Spezialeffekte, Unterwasseraufnahmen und die Kameraführung überzeugen durch Realistik und Nervenkitzel. Die Flucht der »Roten Oktober« vor den Torpedos der sowjetischen Jäger z.B. hätte kaum spannender inszeniert werden können.
Mancher wird sich fragen, ob nach Ende des Kalten Krieges und der Machtübernahme Gorbatschows in der Sowjetunion ein solcher Streifen noch realistisch sein mag. Wir wissen allerdings alle, dass der Besitz von Atomwaffen und anderen Massenvernichtungsmitteln in den Händen vieler Staaten auch heute noch ein potentielles Risiko der Vernichtung weiter Landstriche und von Millionen von Menschen bedeutet. Der Ausbruch entsprechender Konflikte bzw. deren Zuspitzung stellen nach wie vor eine Gefahr dar, die man nicht unterschätzen sollte.
McTiernans Streifen lotet einen solchen Konflikt, ausgelöst durch den Widerstand eines U-Boot-Kommandanten gegen die Erstschlagsstrategie einer der beiden »Supermächte«, bis zum Extrem aus. Niemand könnte mit Sicherheit sagen, dass ein ähnlicher Vorgang in der Realität nicht zu einer atomaren Katastrophe führen könnte. Was im Film allerdings nicht thematisiert wird – und da verbleibt McTiernan selbst in der Zeit des Kalten Krieges –: Auch die USA hatten eine Erstschlagsstrategie und entwickelten jahrelang entsprechende Konzepte, die Blockauseinandersetzung zu ihren Gunsten zu entscheiden.
In der Kuba-Krise Anfang der 60er Jahre, die in letzter Sekunde durch die »Tauben« auf beiden Seiten beigelegt werden konnte, schlitterte die Welt gerade noch einmal an einem neuerlichen Weltkrieg – mit einem möglichen Einsatz atomarer Waffen – vorbei. Solche Ereignisse und die nach wie vor – auch in den Händen von Machthabern in der sog. »Dritten Welt« – vorhandenen Nuklearwaffen aller Art machen die Aktualität des Streifens deutlich.
Die politischen Hintergründe, die Entwicklung der verschiedenen Strategien des Kalten Krieges auf beiden Seiten, von der Erstschlagsstrategie bis zur flexible response und anderem, kommen in »Jagd auf Roter Oktober« allerdings viel zu kurz. Dazu gehört auch die Erfahrung, dass politische und militärische Strategien ab einem gewissen Zeitpunkt ihrer Verfolgung zur Normalität werden und eine gewisse, nicht zu unterschätzende Eigendynamik entfalten. Die Ausarbeitung einer Strategie der Entspannungspolitik, einer Politik vertrauensbildender Maßnahmen usw. war u.a. auch deswegen mit erheblichen Schwierigkeiten behaftet, weil es genug Leute auf beiden Seiten gab, die ihre Position im Rahmen der vertrauten politischen und militärischen Konzepte nicht aufgeben wollten, weil sie sozusagen mit diesen Konzepten »groß geworden« und von ihnen absolut überzeugt waren.
Schauspieler
Zu nennen sind hier eigentlich lediglich Sean Connery, der den erfahrenen, mit allen Wassern gewaschenen sowjetischen U-Boot-Kapitän, der seine eigenen Leute bzw. die politischen Verhältnisse in seinem Land mehr als gut einzuschätzen weiß, souverän zu spielen versteht, und Alec Baldwin als CIA-Mann, der aus dem Gros seiner Kollegen durch eine vordergründig naive Weise herausragt, der für die anderen geradezu unrealistische Annahmen äußert, sich aber als äußerst intelligenter und alle Möglichkeiten in Betracht ziehender Fuchs herausstellt.
Die anderen Schauspieler, teilweise mit großem Namen, sind beinahe nicht mehr als Beiwerk zum Spiel zwischen Baldwin und Connery.
Fazit
Ein spannender, auch technisch gelungener Streifen, immer noch hoch brisant, wenn auch mit einer mal wieder etwas zu positiven Selbstdarstellung der US-Verhältnisse. Auch die Musik von Basil Poledouris unterstreicht übrigens die aus heutiger Sicht zumindest fast psychopathologisch anmutenden Auswüchse der politischen Mentalität des Kalten Krieges.
Jagd auf »Roter Oktober«
(The Hunt for Red October)
USA 1990, 134 Minuten
Regie: John McTiernan
Hauptdarsteller: Sean Connery (Kapitän Marko Ramius), Alec Baldwin (Jack Ryan), Scott Glenn (Kommandant Bart Mancuso), Sam Neill (Kapitän Vasily Borodin), James Earl Jones (Admiral James Greer), Joss Ackland (Botschafter Andrei Lysenko), Richard Jordan (Jeffrey Pelt, Nationaler Sicherheitsberater), Peter Firth (Ivan Putin, Politischer Offizier), Tim Curry (Dr. Petrov), Courtney B. Vance (Matrose Jones), Stellan Skarsgård (Kapitän Tupolev), Jeffrey Jones (Skip Tyler), Timothy Carhart (Bill Steiner)
© Ulrich Behrens 2002
(dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in www.ciao.com unter dem Mitgliedsnamen Posdole)
24 Bewertungen, 4 Kommentare
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02.08.2010, 11:48 Uhr von XXLALF
Bewertung: besonders wertvollden film hab ich schon des öfteren im fernsehen gesehen, jedoch eine dvd würde ich mir nicht zulegen. nicht dass der film keine spannung erzeugt, vielmehr stört mich daran, wie du schon erwähnt hast, die etwas zu positiven selbstdarstellungen der US-verhältnisse. super bericht, bw und ganz liebe grüße
-
17.01.2009, 16:40 Uhr von frankensteins
Bewertung: sehr hilfreichganz liebe Grüße Werner
-
29.09.2007, 21:49 Uhr von Puenktchen3844
Bewertung: sehr hilfreichEin ausführlicher Bericht. LG
-
15.12.2006, 12:25 Uhr von Sayenna
Bewertung: sehr hilfreichsh & Kuss :-)
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