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![]() Wonach wir alle suchenein Testbericht von w.gruentjens2003-03-09 21:46:36 vom 09.03.2003 Empfehlung: jaDATEN (aus http://rhein-zeitung.de/magazin/kino/galerie/undje dersuchtseinkaetzchen/kritiksz.html.) CHACUN CHERCHE SON CHAT, F 1995 - Regie und Buch: Cédric Klapisch. Kamera: Benoît Delhomme. Schnitt: Francine Sandberg. Musik: Big Brother, Hakim, Dee Nasty, Al Green, Bonga, Freak Power u. a. Darsteller: Garance Clavel, Zinedine Soualem, Oliver Py, Renée Le Calm. Verleih: FPV. 90 Minuten. INHALT Chloé, die Hauptperson des Films, ist ein junges Mädchen, zu alt jedenfalls, um als großes Kind zu gelten, zu jung aber noch, um schon als ganz erwachsen zu gelten. So wohnt sie auch nicht mit einem Mann zusammen, mit dem sie schlafen würde, sondern sie hat als Mitbewohner ein Kätzchen und einen Homosexuellen. Als sie in Urlaub fährt, sucht sie eine Aufpasserin für das Kätzchen, aber als sie wiederkommt – so schnell vergeht auch im Film der Urlaub – ist das Kätzchen nicht mehr zu finden. Sie klebt überall Zettel „Chat perdu“ an, denn sie will ihre liebe Katze Gris-Gris zurückhaben. Und nun entwickelt sich der Inhalt des Films ganz anders als man meint: Es entsteht aus der Suche nach der Katze nicht ein Handlungsstrang, sondern es entstehen viele, oft nur kurze, oft nur Blitzlichter: Die Nachbarn werden aktiv, es wird herumtelefoniert, es werden die Daten der Katze aufgenommen, es werden überall Nachfragen gemacht, überall Tipps zum Wiederfinden von Gris-Gris gegeben. Dabei rückt allmählich Gris-Gris mehr in den Hintergrund, und es kommt zum Vorschein, worum es sich hier in Wirklichkeit handelt: Um einen Film nicht über eine Katze, sondern um ein junges Mädchen, und um ein kleines Viertel in Paris rund um die Bastille, um einen Film über das Erwachsenwerden, um das Entdecken von Liebe und Sexualität, um Nachbarschaft, um das Zusammenleben verschiedener Generationen und Kulturen – um einen Film, der uns hoffen lässt – hoffen, dass die Menschheit irgendwann einmal Glück, Frieden, Zusammenleben finden kann, nicht nur ein Kätzchen. Ihre eigene – wohl eher noch schlafende – Sexualität drängt irgendwie nun doch zur Entfaltung, aber zunächst wird sie nur in Bars dumm angemacht, vor der Bar beinahe in ein Auto gezerrt und entführt, von der Bardame schließlich nach Hause gebracht mit schließlich lesbischen Avancen – nein, nein, das alles ist es nicht. Auch ihr etwas naiver Begleiter Djamel (Zinedine Soualem), dem sie zunächst die Bisous gibt (die französischen Wangeküsschen) und der sich dann auf ein Mundküsschen Hoffnung macht, kann bei ihr nicht landen. Und als sie ihren schwulen Wohnungsgefährten (Oliver Py) fragt, ob sie mal ausnahmsweise bei ihm schlafen kann, da kann sie ihn trotzdem nicht umpolen. Und der charmante junge Mann, mit dem sie sich schließlich einlässt (Romain Duris aus Gadjo Dilo), hat schon eine Freundin, wie sich am Morgen danach herausstellt, so dass das auch nur ein One-Night-Stand war. Ob sie ihr Kätzchen wiederfindet und ob sie mit diesem Symbol auch zu ihrem Erwachsenwerden und zu einer wirklichen Liebe finden kann, das will ich nicht auch noch verraten. QUALITÄT Ich will es mal so sagen: Wenn ein mit großem Aufwand gedrehter Film wie Pearl Harbor schlecht sein kann, warum soll dann nicht ein billig gedrehter Film gut sein? Er ist nicht aufdringlich gut wie Gottes Werk und Teufels Beitrag, aber er ist dafür umso unkonstruierter; er besteht aus Dingen, die wirklich jedem von uns Tag für Tag passieren können, die also möglicherweise als langweilig empfunden werden; aber in dieser Schlichtheit ist er auch besonders ehrlich. Die Regie von Cédric Klapisch zeigt nicht so sehr perfektes Handwerk – für Perfektion war gar kein Geld da. Umso erstaunlicher ist es aber, was er mit dem wenigen Geld gemacht hat; und wenn man dann noch bedenkt, zu welchen Höchstleistungen er die vielen Laiendarsteller gebracht hat – denn die spielen wirklich so echt, dass es einem nicht wie ein Film, sondern wie eine reale Szene aus Paris vorkommt, - dann kann man nur den Hut ziehen. Auch in allen anderen Bereichen ist es so: Der Film zeigt immer, dass es an Geld gefehlt hat, und das das mit viel Hingabe, Liebe und Engagement teilweise wieder gutgemacht wird. Wenn dann die Kamerasprache des Films, die Bilder, der Ausdruck und die Eindringlichkeit noch sehr intensiv wären (wie bei Nelly und M. Arnaud), dann könnte ich einem Film, der mit Bescheidenheit arbeitet, volle 5 Sterne geben. Das wäre hier aber übertrieben. Der Film ist goldig, charmant, nett, nachdenklich, philosophisch, witzig, nicht unkünstlerisch – aber er ist kein ganz großes Filmkunstereignis; und für die Leute, die keine Kunst, sondern schlichte Unterhaltung suchen, ist er bestimmt zu langweilig. Wer aber mal einen charmanten französischen Film mit viel Herz und kleinen Fehlern sehen mag, der ist hier nicht falsch. FAZIT Klapisch hat hier mit wenig Geld einen Film gedreht, der die Suche des Menschen – jedes Menschen – nach Zuwendung, Freundschaft, Nachbarschaft, nach Liebe und Zärtlichkeit behandelt. Das Kätzchen ist zwar als Symbolfigur zunächst wichtig, tritt aber dann immer mehr zurück, und das nette junge Mädchen Chloé, das das Kätzchen verloren hat, tritt immer mehr in den Vordergrund, wobei sie aber die vielfältigsten Gestalten aus einem Paris rund um die Bastille, das hier eigentlich ein Dorf ist und in dem jeder jeden kennt, berührt. Dieses Dörfische rückt Klapisch so sehr in den Vordergrund, dass man annahmen muss, dass dies eine seiner Antworten auf die Frage nach der Suche nach Zuwendung ist: Das Nachbarschaftliche gibt Zusammenhalt – so wie auch alle Nachbarn sich an der Katzensuche beteiligen. Dies ist ein Film mit viel Charme und wenig Perfektion, ein europäischer, ein französischer Film, ganz anders als die amerikanischen, und eher an die Nouvelle Vague erinnernd als mit Blockbustern konkurrierend. Wer allerdings Animationen, Spezialeffekte, Abenteuer, Spannung, Action, Sex sucht, der wird hier nicht fündig, sondern findet stattdessen … HERZ. TERMIN: ARTE am 13. März 2003, 0:55 Uhr ... |
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Allgemeine Informationen ... und jeder sucht sein Kätzchen
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| Film / Kino-Daten Genre: Drama Filme von A-Z: U |






















