Pro:
facettenreiche Stadt, gute Möglichkeiten zum Einkaufen, Erholen, Weggehen ...
Kontra:
Großstadt mit entsprechenden Nachteilen, viel Verkehr
Empfehlung:
Ja
Antalya – wer an diese Stadt an der türkischen Riviera denkt, kennt normalerweise hier genau ein Gebäude: Den Flughafen. Denn wer in der Südtürkei seinen Urlaub verbringen möchte, hat gute Chancen, an diesem Airport zu landen und hier per Bus zu seinem Urlaubsort – zum Beispiel Alanya, Kemer oder Side – weiterbefördert zu werden. Auch für mich war Antalya viele Jahre lang nichts anderes als ein Lande-Platz – bis ich über das Internet eine türkische Brieffreundin fand, die nach einem guten Jahr der Korrespondenz mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter aus dem Landesinneren nach Antalya zog. Schon als der Umzug geplant wurde, war in ihren Briefen der Wortlaut immer der gleiche: „Steffi, wenn du wieder in der Türkei bist, musst du uns unbedingt in Antalya besuchen kommen!“
Von diesem Angebot habe ich inzwischen schon zweimal Gebrauch gemacht – zuletzt bei unserem Türkei-Urlaub im vergangenen November, als wir für zwei Tage unser Hotel in Alanya verließen, um uns von Bilge und Müjdat verwöhnen zu lassen. Allein durch diese Tatsache war es uns vergönnt, die Großstadt Antalya auf eine ganz andere Art und Weise zu erleben – abseits von der touristischen Massen-Abfertigung zu Gast in einer türkischen Familie, die uns Seiten der Stadt zeigte, die wir ohne sie wohl auf gar keinen Fall kennen gelernt hätten. Aus diesem Grund dürft ihr von mir hier keine 08/15-Reiseführer-Abhandlung erwarten – sondern bekommt einen sehr persönlichen Bericht darüber, wie ich die Stadt Antalya für mich entdeckt habe.
*** Die Anreise ***
Der erste Weg, um nach Antalya zu kommen, ist natürlich der per Flugzeug von Deutschland. Hier landet man am Flughafen von Antalya, der ca. zehn Kilometer außerhalb am Ostrand der Stadt liegt. Wenn man einen Pauschalurlaub gebucht hat, wird man direkt hinter dem Ausgang hier im Normalfall direkt von seinem Reiseleiter in Empfang genommen, der einen in den richtigen Bus in die Ferienorte setzt – so dass man eigentlich nicht verloren gehen kann. Ist man Individualtourist und möchte nach Antalya City, ist ein Taxi der beste Weg. Taxifahren ist in der Türkei generell nicht so teuer, und die Fahrtkosten bis zum Yachthafen dürften zwischen acht und zehn Euro betragen. Mit öffentlichen Bussen ist der Flughafen Antalya nicht so gut zu erreichen. Zwar fahren auch die Überlandbusse nach Antalya, allerdings müsste man sich hier auf dem Weg zum Flughafen schon an der Hauptstraße absetzen lassen und den Rest mit dem Taxi zurücklegen (was aber erst mal gefunden werden muss). Möchte man in die andere Richtung, kann man sich vom Flughafen mit dem Taxi auch nach Akzu fahren und an einem Lebensmittelgeschäft absetzen lassen – die Fahrer halten hier gerne dann die Überlandbusse zur Weiterfahrt an. Dazu empfiehlt es sich aber, den einen oder anderen Satz der türkischen Sprache zu beherrschen.
Will man wie wir von Alanya die 120 Kilometer lange Strecke nach Antalya zurücklegen, ist der Überlandbus als Verkehrsmittel die erste Wahl. Das Bussystem in der Türkei ist nicht nur hervorragend, sondern auch preisgünstig, die Fahrt kostet für die einfache Fahrt im Normalfall kaum mehr als vier Euro pro Person. Die Busse sind von innen nicht nur klimatisiert, man findet hier auch sehr bequeme Sitze vor und bekommt etwas zu trinken. So ein Service fehlt in Deutschland eindeutig. Zwar halten die Busse auf Wunsch auch mitten in der Pampa, ich würde euch aber empfehlen, direkt zum Otogar in Antalya zu fahren – dem offiziellen Busbahnhof, der so modern ist, dass er ebenfalls eher an ein Flughafen-Terminal erinnert. Von dort erreicht man Antalya City entweder mit dem Dolmus oder mit dem Taxi (ca. 5 Euro pro Strecke, vorher aushandeln) – oder man lässt sich wie wir dort direkt abholen ...
*** Erste Impressionen ***
Wer Antalya aus der Luft wahrnimmt, der sieht zuerst die anonyme Großstadt, deren Bebauung zu einem großen Teil aus Hochhäusern bzw. den „türkischen Einheitsbauten“ besteht. Dabei handelt es sich um größere Mietsblöcke, meistens in Würfelform und ohne Keller. Auf den Straßen tobt der dichte Verkehr – wer nicht selbst ein sehr geübter Autofahrer ist, der sollte von dem Experiment des Selberfahrens besser Abstand nehmen. Die Straßen sind gesäumt von diversen Geschäften, vielen Lebensmittelläden etc. – und auf den Gehwegen tobt das Leben – Großstadt eben.
Nicht vergessen werden darf, dass Antalya eine Millionenstadt ist – mit den entsprechenden Gegensätzen. Es gibt extrem luxuriöse Viertel, die einen vergessen lassen, dass man sich gerade im Orient befindet – und eher ärmlichere Stadtzüge. Die Wohnung unserer Freunde im Zentrum von Antalya repräsentierte dabei den Prototyp typisch türkischer Wohnungen – groß (über 80 Quadratmeter), drei Zimmer – und eher spärlich eingerichtet, wenige Möbel, viele Sitzgelegenheiten, viele Teppiche. Auch mit einem speziellen Bestandteil von türkischen Wohnungen durften wir Bekanntschaft machen: Dem Stehklo! Und ich muss sagen, dass mich dies schon vor einige Herausforderungen stellte, denn wenn man diese Art der Toilette nicht gewohnt ist, muss man sich darauf erst einmal mental einlassen ...
Beeindruckend an Antalya ist auf jeden Fall die Tatsache, dass die Stadt direkt am Meer liegt – und hier das Leben pulsiert. Weggehen, lecker Essen, Shopping – hier ist wirklich alles möglich.
*** Auf Entdeckungstour ***
Nachdem wir von Bilge und Müjdat erst einmal mit einer Menge leckerem türkischen Essen verwöhnt wurden, starteten wir am Abend zu einer ersten Besichtigungstour durch die Stadt. Unser erstes Ziel: Ein Shoppingcenter im Westteil der Stadt – geführt von der aus der Schweiz bekannten Supermarktkette „Migros“, die auch in der Türkei zahlreiche Niederlassungen hat. Da zum Zeitpunkt unseres Besuches gerade der Fastenmonat „Ramazan“ (Ramadan wird er nur hier in Deutschland genannt und eigentlich ist die Bezeichnung „Ramadan“ auch nicht richtig) stattfand, bei dem die gläubigen Türken bis zum Sonnenuntergang weder etwas essen noch trinken, herrschte jetzt hier am Abend Hochstimmung. So stellte es zunächst schon einmal eine Herausforderung dar, bis wir in diesem riesigen Shoppingcenter überhaupt einen Parkplatz gefunden hatten, doch kurze Zeit später konnten wir uns schon ins Getümmel stürzen. Gewöhnungsbedürftig war die Tatsache, dass am Eingang des Shopping-Centers große Metalldetektoren angebracht waren, die es zunächst einmal zu passieren galt – die Angst vor Terroranschlägen ist hier allgegenwärtig. Im Inneren des Shoppingcenters blieb mir dann erst einmal der Mund offen stehen: Marmor und purer Luxus, so weit man schauen konnte, exklusive Boutiquen und Geschäfte – allerdings auch mit den gleichen Preisen, die man hier in Deutschland findet. Eine Aufführung der tanzenden Derwische hatten wir hier leider verpasst – allerdings gab es auch noch an anderen Stellen des Centers Folklore- und Tanzaufführungen. In solchen Centern merkt man, wie westlich die Türkei bereits orientiert ist – und dass der Wunsch eines Beitritts in die EU eigentlich gar nicht so abwegig ist, wie man vielleicht meinen mag ...
Nachdem sich Müjdat davon vergewissert hatte, dass wir wirklich noch nicht müde waren, brachen wir anschließend auf zu einer weiteren Besichtigungsstation – zum großen Beach-Park, einem der Vorzeige-Areale in Antalya. Direkt am Kiesstrand erstreckt sich hier ein riesiges Areal aus Discotheken, Kneipen und Restaurants, die erahnen ließen, dass hier im Sommer die ganze Nacht lang eine riesige Party gefeiert wird. Bei unserem Besuch im November war es im Beachpark still, fast schien es uns, als wären wir die einzigen Besucher. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass man den Park im Sommer nicht verlässt, bevor die Sonne wieder aufgeht ...
Nachdem wir die Wohnung wieder erreicht und ich anhand eines Kinderbuches, dass ich der kleinen Pelin - der Tochter von Bilge - geschenkt hatte, noch auf der Schnelle die türkischen Vokabeln für verschiedene Tiere beigebracht bekam (domuz heißt Schwein, kiddi Katze ...) und Bilge und Müjad noch ein spätes Abendessen einnahmen (im Ramazan isst man abends spät noch einmal etwas und dann gegen fünf Uhr am Morgen, bevor die Sonne dann aufgeht), waren wir dann doch froh, endlich ins Bett sinken zu können. ... Denn auch der nächste Tag versprach ein volles Programm ...
*** Sightseeing-Highlights ***
Der Tag fing gleich gut an – mit einem hervorragenden türkischen Frühstück, frischen Tomaten und Gurken und absolut köstlichen „Cigar böregi“ (kleinen frittierten Teigröllchen mit Schafskäse gefüllt), die Bilge für uns extra frisch zubereitet hatte. Danach ging es dann nach unten zum Auto, denn unsere nächste Station war der Yachthafen in Antalya. Hier hatte ich mich mit Bilge und Müjdat bereits bei meinem kurzen Besuch im Jahr davor getroffen, denn der Yachthafen liegt mitten in der City von Antalya direkt am Rande der Altstadt – umsäumt vom Felsen und mit einem wunderschönen Blick auf das offene Meer. Wer den absolut sehenswerten Yachthafen von Antalya schon einmal auf einer Postkarte gesehen hat: Direkt dahinter befindet sich der „Saat Kulesi“, der große Uhrenturm, der mit das Bild dieses Hafens prägt. Rund um den Hafen befinden sich Treppen, über die man in die höheren Bereiche gelangt. Hier gibt es sehr schöne Teegärten und Restaurants, die geradezu zu einer Pause einladen.
Direkt hinter dem Yachthafen von Antalya befindet sich die Altstadt. Schmale Gässchen und heimelige Geschäfte zeichnen diese aus. Allerdings musste ich feststellen, dass der Tourismus diesen Teil der Stadt voll und ganz im Griff hat. Hier wurden wir – trotz unserer türkischen Begleitung – regelmäßig auf deutsch angesprochen, außerdem wurde versucht, uns Bootsfahrten anzudrehen. Leider nimmt dieses Geschäftsgebaren meines Erachtens einen Teil der Magie dieser schönen Region weg.
Nachdem wir noch ein Stück der Fußgängerzone des modernen Antalyas passiert hatten (diese schließt sich oberhalb der Hauptstraße an die Altstadt an), nahmen wir wieder Platz im Auto, um Antalya zu verlassen und mit unseren Freunden nach Kemer zu fahren. Dieser Ort ist auch vom Tourismus sehr entschlossen und würde einen eigenen Bericht verdienen, denn mit Antalya selbst hat er wenig zu tun.
Wer noch mehr von Antalya entdecken möchte, dem empfehle ich zum Beispiel einen Besuch der Düden-Wasserfälle am Rande der Stadt. Diese sind zwar nicht allzu gigantisch, allerdings beeindruckender als das schmale Rinnsal, was Touristen bei einem Besuch im 50 Kilometer entfernten Manavgat präsentiert wird.
Das alte Antalya wird vom neuen Antalya im übrigen durch das so genannte Hadrianstor getrennt. Wer durch die Altstadt bummelt, der kommt auch hier zwangsläufig vorbei.
*** Essen und Trinken ***
Restaurants für Touristen gibt es in Antalya natürlich reichlich. Genau so, wie es in Antalya auch große Hotels und Strände gibt. Viel schöner jedoch kann man hier essen und trinken, wenn man von Einheimischen gezeigt bekommt, wo sie gerne essen gehen. So wurden wir am Abend unseres zweiten Antalya-Tages, kurz vor unserer Rückfahrt nach Antalya, in ein versteckt liegendes original türkisches Restaurant eingeladen, um dort mit Bilge und Müjdat den „Iftar“ zu begehen, das festliche Essen nach einem Fastentag bei Sonnenuntergang. Obwohl das Restaurant auf den ersten Blick eher an einen Wartesaal erinnerte, war der Besuch dort ein echtes Erlebnis: Ohne Reservierung hätte man hier keinen Platz bekommen und als einzige Deutsche unter zahlreichen Türken durften wir mit dabei sein, wie in großen Fernsehern die ins Meer sinkende Sonne gezeigt wird und dann alle gemeinschaftlich mit dem Essen beginnen. Zum Essen selbst ist zu sagen, dass man diese Genüsse, die man dort präsentiert bekommt, wohl niemals direkt in einer Touristenregion findet. Das Essen war vor allem sehr scharf, es gab köstliche kleine Vorspeisen und Salate – und darunter auch manche, die ich bislang noch nie probiert hatte, die Möglichkeit aber hier nutzte. Nur bei einem speziellen türkischen Gemüsesaft auf Rote-Beete-Basis streikte ich dann doch – doch das war auch das einzige, was mir so gar nicht schmeckte.
Beeindruckend sind in solchen Restaurants, in die sich normalerweise nie ein Deutscher verirrt, die Preise: Obwohl wir zu viert dort gegessen und getrunken hatten –und das nicht zu knapp – betrug der Gesamtbetrag der Rechnung umgerechnet weniger als 20 Euro, die Hauptgerichte bewegten sich zwischen 3 und 5 Euro und waren hervorragend.
Bereits bei meinem ersten Besuch in Antalya war ich von den beiden in ein ähnliches Restaurant geführt worden, wo ein ebenso leckeres Essen auf mich gewartet hatte. Es lohnt sich in Antalya also, die touristischen Pfade zu verlassen – und ruhig mal Restaurants in den Seitenstraßen zu probieren. Zwar werdet ihr hier niemanden finden, der deutsch spricht – aber mit Händen und Füßen bzw. den Abbildungen auf der Speisekarte kann man sich ebenso gut verständigen. Nur Mut!
Nach dem Abendessen brachten uns Bilge und Müjdat dann noch zum Bus zurück nach Alanya – obwohl die beiden es gar nicht gerne sahen, dass wir nach zwei Tagen – voll von vielen Eindrücken - schon zurückfahren wollten. Wäre es nach ihnen gegangen, hätten sie uns noch mindestens zwei weitere Tage hofiert und bekocht – und wir hätten wohl noch mehr Insider-Geheimnisse von Antalya kennen gelernt.
Übrigens ist es empfehlenswert, auf dem Weg zurück zum Busbahnhof sich entweder wie wir dorthin fahren zu lassen – oder ein Taxi zu nehmen. Eine Dolmus-Verbindung existiert zwar auch zum Otogar – aber bei meinem ersten Antalya-Besuch war es für mich ein Erlebnis der ganz eigenen Art, als der Mini-Bus plötzlich die Hauptstraße verließ und lange Zeit durch verlorene Dörfchen am Stadtrand fuhr ... Damals fiel mir nicht nur ein Stein, sondern ein riesiger Felsblock vom Herzen, als wir nach ca. 55 Minuten Fahrt (für eine Strecke, die eigentlich nur ein paar Kilometer umfasst) dann doch den Busbahnhof erreichten ...
*** Zusammenfassung und Fazit ***
Antalya ist auf jeden Fall eine beeindruckende Stadt voller Gegensätze. Zwar würde ich direkt hier keinen Urlaub machen wollen, da ich die kleineren Orte entlang der Küste dann doch vorziehe, aber für einen ein- oder mehrtägigen Besuch ist Antalya auf jeden Fall zu empfehlen. Hier gibt es alles, was man sich im Urlaub wünscht: Tolle Einkaufsmöglichkeiten, Strände, Nachtleben und Köstlichkeiten zum Essen und Trinken – und genau diese zahlreichen Facetten haben es einfach verdient, dass man sich näher auf sie einlässt und die Stadt Schritt für Schritt kennen lernt.
Wenn wir das nächste Mal in der Türkei sind und Bilge und Müjdat uns wieder einladen – die Chance auf einen weiteren Antalya-Besuch inklusive Führung abseits der Touristen-Pfade werden wir uns mit Sicherheit nicht entgehen lassen.
stefbl, 22. Februar 2004
(Erstveröfentlichung bei ciao am19. Februar 2004 ) weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben