Pro:
spannend
Kontra:
unrealistisch, kitschig, unsauber recherchiert
Empfehlung:
Nein
Donna W. Cross – Die Päpstin
Das Buch beruht auf Thesen nach denen es im 9. Jahrhundert einer Frau namens Johanna gelungen sein soll, als Mann verkleidet das höchste Amt der Kirche zu erreichen. Historiker halten diese Thesen für sehr fragwürdig, Donna Cross unterstützt sie jedoch und vertritt die Ansicht, dass Johann Anglicus existent war und im 17. Jahrhundert von der Katholischen Kirche aus den Geschichtsbüchern entfernt wurde und an ihrer statt ein erfundener Papst eingesetzt wurde. Da nur sehr wenig über das Leben Johannas bekannt ist sind große Teile des Romans von der Autorin erfunden und beruhen nicht auf Tatsachen. Ob man nun glaubt dass es eine Päpstin gab oder nicht spielt letztendlich keine große Rolle beim Lesen dieses Buchs. Ich habe diesmal die Leseprobe mit in meine Meinung eingebaut, da ich anhand dieser erklären will was mir an diesem Buch gefällt und was mich stört.
Die Autorin
Über Donna Woolfolk Cross lässt sich selbst im Internet nur wenig finden. Sie wurde in den 40er Jahren in New York geboren. Vor ihrem ersten Roman „Die Päpstin“ hat einige Sachbücher veröffentlicht.
Allgemeines
Erstausgabe: 1996
Originaltitel: Pope Joan
Ca. 550 Seiten
Preis: 10 Euro
ISBN: 3746614007
Inhalt
Johanna wird 814 in Ingelheim als Tochter eines Dorfpriesters und einer Heidin geboren. Schon als Kind verhält sie sich untypisch in ihrer Rolle als Mädchen, so ist sie sehr wissbegierig und will sich nicht damit abfinden, dass Frauen Bildung versagt wird. Durch die Hilfe ihres Bruder gelingt es ihr heimlich Lesen, Schreiben, die Grundlagen des Christentums und einige Fremdsprachen zu erlernen. In Aeskulapius findet sie einen Lehrer der sie unterstützt und dafür sorgt, dass als erstes Mädchen auf die Domschule gehen kann. Sie lebt während dieser Zeit bei dem Ritter Gerold, in den sie sich unsterblich verliebt und der sie ihr Leben lang begleiten wird. Johannas setzt nachdem sie die Domschule verlassen musste ihren Weg unbeirrt fort und tritt als Johannes Anglicus in das Kloster zu Fulda ein wo sie durch ihre überdurchschnittlichen Fähigkeiten auffällt. Viele Jahre später geht sie nach Rom wo sie in das höchste Amt der Katholischen Kirche aufsteigen wird.
Meine Meinung und Leseprobe
Zunächst zu den positiven Aspekten. Das Buch ist sicherlich sehr spannend, anschaulich und lebendig geschrieben und wird selten langatmig. Ich persönlich habe es in zwei Tagen gelesen und hatte nie das Gefühl mich zum weiterlesen zwingen zu müssen.
Leseprobe:
[gleich am Anfang des Buchs, die Geburt von Johanna]
Es war am siebenundzwanzigsten Tag des Wintarmanoth im Jahre unseres Herren 814, im härtesten Winter seit Menschengedenken.
Hrotrud, die Hebamme des Dorfes Ingelheim, kämpfte sich durch den Schnee zum Haus des Dorfpriesters. Eine Windböe fegte zwischen den Bäumen hindurch, krallte ihre eisigen Finger in Hrotruds Körper und drang durch die Löcher und Flicken ihrer dünnen Wollkleidung. Der Waldweg war von hohen Schneewehen bedeckt; bei jedem Schritt sank Hrotrud fast bis zu den Knien ein. Eine Schneekruste hatte sich über ihren Brauen und Lidern gebildet; immer wieder wischte sie sich übers Gesicht, um den Weg sehen zu können. Die Hände und Füße schmerzten ihr vor Kälte, obwohl sie mehrere Stofflappen darumgewickelt hatte.
Leider mach allein die Spannung noch kein gutes Buch. Es gibt unzählige Aspekte die mich förmlich erschaudern ließen.
Da ist zum einen die rührende Liebesgeschichte zwischen Johanna und Gernot. Das ist Kitsch pur. Sie verlieben sich unsterblich, aber Gernot gibt der Liebe natürlich zunächst nicht nach, da er meint es würde Johanna schaden. Edel von ihm nicht wahr?
Leseprobe:
Johanna blickte ihn benommen an. „Du ... willst mich nicht?“ Sie senkte den Kopf, bevor er antworten konnte. Sanft umfasste Gerold ihr Kinn und zwang sie, ihm in die Augen zu schauen. „Ich will dich mehr, als ich je eine Frau gewollt habe.“ „Dann verstehe ich nicht, weshalb...“ „Gütiger Himmel, Johann. Ich bin ein Mann, mit allen Begierden eines Mannes. Du solltest mich nicht reizen und es uns beiden unnötig schwer machen.“ Seine Stimme hörte sich beinahe zornig an. Als er die Tränen in ihren Augen glitzern sah, wurde sein Tonfall sanfter. „Was möchtest du denn, Johanna? Dass ich dich zu meiner Geliebten mache? Ich würde dich hier und jetzt lieben, wenn ich wüsste, dass es dich glücklich macht ... und es dir Glück bringt. Aber es würde deinen Untergang heraufbeschwören. Siehst du das denn nicht?“
Das ist Kitsch a la Groschenroman der untersten Kategorie. Gernot der edelmütige und natürlich unglücklich verheiratete Mann verliebt sich in die sehr junge Johanna.
Damit kommen wir auch schon zum nächsten Kritikpunkt. Gernots Frau ist eiskalt, sie liebt ihn in keiner Weise sondern hat ihn nur seines Standes wegen geheiratet. Donna Cross betreibt in diesem Werk schwarz-weiß Malerei die wirklich sehr platt ist. Es gibt die guten wie Aeskulapius, die sind aber auch uneingeschränkt gut ohne Fehl und Tadel, und es gibt die bösen wie Gernots Ehefrau oder Johannas Lehrer Odo, diese Personen sind so böse, dass sie sicher nie ein gutes Werk tun würde. Die Autorin versteht sich nicht darauf facettenreiche Individuen zu beschreiben sondern entwickelt einfache, durchschaubare Charaktere.
Und gleich noch ein Kritikpunkt. Die Welt ist ein Dorf und alles ist ein Zufall. Gernot überlebt als einziger eine Schlacht, Johann als einzige einen Überfall der Normannen. Gernot ist überhaupt erst in diese Schlacht gezogen, da er bei seinem Geplänkel mit Johanna ganz zufällig von deren bösen Lehrer Odo beobachtet wurde (und das mitten im Wald, aber des Lehrers Esel hat rumgezickt und ihn zufällig dahin geführt, mein Gott Zufälle gibts). Wie das Schicksal es so will treffen sich beide ganz zufällig Jahre später in Rom wieder (das ihre Liebe sofort wieder entfacht brauch ich wohl nicht zu erwähnen). Die Welt ist heute noch nicht so klein, dass man sich ständig zufällig irgendwo tausende von Kilometern entfernt trifft und im 9. Jahrhundert waren die Wege noch viel weiter aufgrund mangelnden Transportmittel. Es ist sehr einfallslos von der Autorin eine solche Masse unglaublich Zufälle zu bringen und man sieht, dass sie wohl keine guten Ideen hatte um einen schlüssigen Strang durch den Roman zu ziehen.
Einen Kritikpunkt habe ich noch. Die geschichtlichen Gegebenheiten in diesem Buch sind haarsträubend. Ich bin kein Geschichtsfreak aber hier springen sogar mich die Fehler schon auf jeder zweiten Seite an. Johanna isst zum Beispiel gerne Maisfladen, was fällt hier auf? Richtig, Mais kommt aus Amerika und das wiederum wurde erst ein paar Jährchen später entdeckt.
Noch was. Das es laut Cross den Frauen zu dieser Zeit ach so schlecht ging gibt es ihm Roman natürlich auch zahlreiche Hexenverbrennungen. Hexenverfolgung im 9. Jahrhundert? Spätes Mittelalter würde wohl besser passen eher noch Neuzeit.
Ich könnte noch ganze Massen solcher Beispiele aufzählen z.B. das Spinnrad und stricken war auch noch nicht erfunden. Donna Cross hätte sich wirklich die Mühe machen sollen für ihren Roman ordentlich zu recherchieren bevor sie ihn als „Historischen Roman“ bezeichnet.
Fazit
Ein Fazit fällt mir bei diesem Buch recht schwer. Es hat einen ganz guten Unterhaltungswert und ich habe bestimmt schon schlechtere Bücher gelesen aber es gibt einfach zu viele Kritikpunkte. Die Bewertung mit zwei Sternen gibt es dafür, dass es eben nicht das schlechteste aller Bücher (ich besitze ein so schlechtes Buch, da trau ich mich nicht mal mehr das Cover anzuschauen weil ich mich sonst aufregen muss ;-) ist und weil es den Leser schon fesselt. Eine Kaufempfehlung gibt es von mir aber definitiv nicht.
Ich hoffe mein Bericht hat euch gefallen, ich freue mich auch immer über Kommentare (auch Kritik, dürft gerne ehrlich sein) und natürlich Bewertungen.
Geschrieben für Yopi, CIAO und dooyoo weiterlesen schließen
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