Pro:
Ein Toller Job mit vielen Leuten die man auch Jahre später immer wieder trifft und sich sogar Freundschaften entwickeln
Kontra:
Hat nicht jeder Job etwas "negatives"?
Na also... :-)
Empfehlung:
Ja
Hallo zusammen
Heute habe ich mir mal vorgenommen meinen Job zu beschreiben, was ziemlich aufwendig wird, aber was solls:-)
Berufsvoraussetzungen:
Als Mindestvoraussetzung wird ein Hauptschulabschluß mit abgeschlossener Berufsausbildung verlangt.
Dazu sollte man die Fahrerlaubnisklassen A (Motorrad), B (PKW bis 3,5t) und C/E (LKW bis 40,0t incl. Anhänger) besitzen.
Und was ganz wichtig ist, man kann die Ausbildung so frühzeitig anfangen, das man mit 22 Jahren bereits Fahrlehrer/in ist.
Im weiteren muß man für die Klasse B /BE für 3 Jahre eine gewisse Fahrleistung nachweisen - entweder durch den Nachweis der Fahrzeuganmeldungen oder auch durch beglaubigte Nachweise z.B. durch Arbeitgeber.
Bei der zuständigen Behörde muß ein Antrag gestellt werden, um erstmal Fahrlehrer werden zu dürfen.
Dann noch der Gang zum Amtsarzt und zum Augenarzt die jeweils ein Gutachten erstellen, dazu noch ein polizeiliches Führungszeugnis und los gehts.
Wenn der Antrag durch die Behörde genehmigt wurde kann die schulische Ausbildung beginnen
Wer sich zu diesem Schritt entscheiden sollte muß sich vorab dringend informieren wie die einzelnen Schulen sind.
Es gibt deutliche Unterschiede, die sich bei den Durchfallquoten bemerkbar machen.
Unterrichtsstoff:
Stundenzahl im Lernbereich I. Verkehrsverhalten 280 Stunden
Fahrer 80 Stunden
Fahrverhalten 40 Stunden
Straßenverkehr 160 Stunden
Lernbereich II. Recht 70 Stunden
Lernbereich III. Technik 90 Stunden
Lernbereich IV. Umweltschutz 10 Stunden
Lernbereich V. Fahren 15 Stunden Praktisch!
Lernbereich VI. Verkehrspädagogik 23 Stunden
Ziele und Inhalte der Fahrschülerausbildung 135 Stunden
Unterrichtsmethoden 60 Stunden
Fahrschulwesen 40 Stunden
Lernbereich VII. Auswertung der Erfahrungen aus der praktischen Ausbildung 70 Stunden
Entspricht 770 Gesamtstunden
Die Ausbildungsinhalte sind ungefähr folgendermaßen ausgesplittet:
- Welche Vorschriften und Regeln im Straßenverkehr zu beachten sind
- Wie Kraftfahrzeuge aufgebaut sind und funktionieren, z.B. Motoren, Aggregate und Antriebe
- Wie Fahrunterricht geplant, gestaltet und analysiert wird
-Wie man rücksichts- und verantwortungsvolles Fahrverhalten vermittelt
- Wie man das Fahrverhalten des Fahrschülers/der Fahrschülerin beobachtet
- Welche Arten von Aufbauten und Anhängern es gibt, was beim Zusammenstellen von Zügen zu beachten ist
- Wie Kraftfahrzeuge und -teile bedient, gepflegt und gewartet werden
- Wie beim Führen eines Fahrzeuges Energie gespart werden kann
- Wie das eigene Fahrverhalten zu erklären und zu reflektieren ist
- Das Kraftfahrzeug vorschriftsmäßig, sicher und umweltschonend zu fahren und die eigene Fahrweise und -fertigkeiten zu vervollkommnen
- Wie das Rechtssystem gegliedert ist
-Welche Anforderungen das Fahrlehrergesetz beinhaltet
-Wie das Fahrschulwesen organisiert ist
Diese Aufzählung hat keinerlei Anspruch auf Vollzähligkeit und dient als Beispiel der weitreichenden Ausbildung.
Während der schulischen Ausbildung werden zwischen dem 2.und 3. Monat vom Fahrlehreranwärter wie er nun heißt, eine praktische Fahrprüfung abgelegt, die mit Solofahrzeug und mit Anhänger zu absolvieren ist.
Diese Fahrprüfung entscheidet darüber ob man mit dem lehrgang weitermachen kann oder nicht, denn wer ein drittes mal durchfallen sollte, wird für 5 Jahre für die Fahrlehrerprüfung gesperrt!
Hat man nun also den Praktischen Teil erfüllt und die schulische Ausbildung ist soweit beendet muß man vor einem Prüfungsauschuss eine Schriftliche Prüfung über 5 Stunden Dauer absolvieren in der 5 Themen behandelt werden müssen.
Ein Thema ist Pädagogik, ein weiteres Technik und zwei weitere dann Recht.
Die Themen werden durch einen Prüfungsauschuss vorgegeben und müssen in dieser Zeit möglichst vollständig bearbeitet werden - mit eventuellen Zeichnungen und / oder Skizzen.
Ist auch dies geschehen kann man kurz aufatmen, denn in der Regel wird eine 30 MinütigeMündliche Prüfung gut vier Wochen später vor dem Prüfungsausschuss stattfinden.
Hier sitzt ein Jurist als Vorsitzender, ein Fahrlehrer, ein Pädagoge und ein Ingeneur, die nun jeder Zeit haben einen zu befragen.
Wer seinen Stoff kann hat keinen Grund zu schwitzen, doch das ist leichter gesagt als getan.
Wenn diese Prüfung auch geschafft wurde bekommt man ihn endlich:
Den heiß ersehnten Fahrlehrerschein - allerdings noch nicht ganz!
Dieser ist weiß und auf Probe wenn man so möchte.
Jetzt kommt Teil zwei der Ausbildung, nämlich die Ausbildung in der sogenannten Ausbildungsfahrschule:
Ausbildungsfahrschule ist eine Fahrschule, die einen Fahrlehreranwärter ausbilden d a r f.
Dazu muß ein Fahrlehrer dort einen besondere Schulung mitmachen und natürlich erstmal selber genügend Erfahrung mit der Ausbildung von Fahrschülern haben.
Nun bleibt man 4,5 Monate in der Fahrschule und bekommt hoffentlich alles beigebracht was man als Fahrlehrer wissen sollte und können muß.
Jetzt gehts an Eingemachte, denn nun plant man erstmal unter "Aufsicht" Unterrichte, die nunmal 90 Minuten dauern sollen, informativ aber nicht langweilig und trocken werden sollen.
Zu Anfang schon recht anstrengend aber durchaus machbar.
Jetzt bleibt der Ausbildungsfahrlehrer -hoffentlich - zum Unterricht und macht sich Notizen, damit amn hinterher besprechen kann, was man lassen kann, was man besser ändert und was gar nicht gut war.
Und da ist es wirklich sinnvoll sich eine echt gute Fahrschule zu suchen, denn hier läuft man Gefahr eine zu erwischen die nur eine Billige Kraft brauchen.
Parallel dazu wird natürlich auch die praktische Fahrstunde gegeben, wobei erst einmal der Anwärter bei anderen insbesondere beim Ausbildungsfahrlehrer mitfährt um sich einmal Fahrstunden anzusehen, am besten mit den geleichen Fahrschülern, um Erfolge beim lernen zu beobachten.
Nun sind also auch diese 4,5 Monate vorüber, man hat Fahrschüler ausgebildet, Unterrichte erteilt und auch schon eine Menge Fahrschüler zur Prüfung vorgestellt, eine Menge Spaß gehabt aber auch Frust geschoben.
Alles in allem, es geht zur n ä c h st e n Prüfung!
Die nächste und entscheidende Prüfung hat was, denn jetzt kommt die Entscheidung ob es endlich den unbefristeten Fahrlehrerschein gibt...In Gelb!!!
Der Prüfungsausschuss schickt in der Regel zwei Prüfer in die Fahrschule und sieht sich eine praktische Fahrstunde an und anschließend den Unterricht, allerdings nur 45 Minuten.
Der Ausschuss besteht hier aus dem Pädagogen und dem Fahrlehrer, was durchaus Sinn macht.
Ist das auch gut gelaufen ist es vollbracht...alle Mühe und Schweiß haben sich gelohnt, jede freie investierte Minute hat sich ausgezahlt.
Nun geht das Fahrlehrerleben los...ein Job wie andere auch nur mit ganz besonderen Belastungen, die niemand richtig sieht.
DER ALLTAG:
Wer seinen Abschluß hinbekommen hat und "gut" ist wird ganz sicher eine Anstellung bekommen und fest übernommen.
Andererseits lohnt es sich nämlich nicht für eine Ausbildungsfahrschule, einen Anwärter zu nehmen, denn es geht eine ganze Menge Zeit dabei drauf die letzlich auch Geld kostet.
Hat man also seine Anstellung wird man alles alleine machen müssen, vorausgesetzt natürlich, man arbeitet schon selbstständig und muß nicht noch alles wieder erzählt bekommen :-)
Man plant mit den Fahrschülern selbstständig die Ausbildungsstunden, macht sich um jeden einzelnen Gedanken wie es weitergehen soll was die Fahrausbildung angeht.
In schwierigen Fällen muß man schon mal sehr einfallsreich sein, aber es ist alles möglich.
Unterrichte für den Theorieunterricht planen gehört natürlich auch dazu genauso wie ein wenig" Papierkram" wie Anforderungen von Prüfterminen in Theorie und Praxis, dazu natürlich auch die Beachtung der gesetzlichen Regelungen.
ARBEITSZEIT:
Hier ist die Arbeitszeit sehr unterschiedlich, aber durchaus für jeden planbar, auch wenn man sich an die Fahrschüler hält denen man einiges ermöglichen möchte.
In der Regel darf man als Fahrlehrer 495 Minuten praktischen Unterricht geben, also fahren.
105 Minuten darf man dann noch für Unterricht und andere Tätigkeiten ansetzen, wobei für Unterricht nach der Fahrschülerausbildungsordnung 90 Minuten anfallen.
Somit wird maximal eine Höchstarbeitszeit von 10 Zeitstunden erreicht.
Und das ist doch ganz normal wie ich finde.
Natürlich ist es auch manchmal ungünstig, wenn man bei Dunkelheit fahren muß, aber das ist reine Planungssache und durchaus lösbar, denn man kann sich ja seine Zeit selber frei einteilen.
Demnach kann ich an Tagen mit sogenannten "Nachtfahrten" Mittags anfangen und dann meine 11 Fahrstunden erledigen...Kein Problem.
Regelarbeitszeit ist Montag bis Samstag, doch wer seine Fahrstunden am Freitag "voll" hat muß Samstags nicht arbeiten.
Man muß eben rechnen ob es sich finanziell lohnt so viele Stunden zu machen.
Ich kenne keinen Kollegen der Montag bis Samstag seine 11 Fahrstunden macht und noch wenigstens zwei Mal die Woche Unterricht erteilt.
Das wären nämlich schon ohne Theorieunterricht 49,5 Zeitstunden.
Voraussetzungen für den Job an sich:
Neigung zu pädagogisch-anleitender Tätigkeit
Interesse an Technik
Neigung zu pädagogisch-anleitender Tätigkeit
(Fach Verkehrspädagogik, Vermitteln der Verkehrspraxis in der Ausbildungsfahrschule)
Interesse an Technik
(Funktionsweise und Aufbau von Kraftfahrzeugen)
Interesse an Rechtskunde und Rechtsanwendung
(Strassenverkehrsgesetze, Zulassungsordnung)
- Gutes allgemeines intellektuelles Leistungsvermögen
(Unterricht)
(Bezugsgruppe: Personen mit Hauptschulabschluss)
-Gute Koordination von Wahrnehmung und motorischer (Mehrextremitäten-)Reaktion in komplexen, sich rasch verändernden Situationen
(Beobachten der Verkehrssituation)
- Gutes mündliches Ausdrucksvermögen
(Erklären, Anweisen)
(Bezugsgruppe: Personen mit Hauptschulabschluss)
-Gutes räumliches Orientierungsvermögen
(Orientierung während der Fahrstunden)
- Durchschnittliches allgemeines intellektuelles Leistungsvermögen
(Bezugsgruppe: Personen mit Hauptschulabschluss)
-Durchschnittliche Wahrnehmungs- und Bearbeitungsgeschwindigkeit
(z.B. Erfassen von Gesetzestexten)
Bezugsgruppe: Personen mit Hauptschulabschluss)
- Gute Koordination von Wahrnehmung und motorischer (Mehrextremitäten-)Reaktion in komplexen, sich rasch verändernden Situationen
(in der Ausbildungsfahrschule: Beobachten der Verkehrssituation während der Fahrstunden, rasches Eingreifen bei Fehlern des Schülers)
Bezugsgruppe: Personen mit Hauptschulabschluss)
- Gut-durchschnittliches räumliches Orientierungsvermögen
(Während der Ausbildungsfahrstunden: Wissen um die Straßenführung oder in welchem Teil der Stadt man sich gerade befindet)
(Bezugsgruppe: Personen mit Hauptschulabschluss)
-Gut-durchschnittliche Merkfähigkeit und Gedächtnis
(Straßenverkehrsgesetz, beim Umgang mit Fahrschülern vor allem Gedächtnis für Namen und Leistungsstand des Einzelnen)
(Bezugsgruppe: Personen mit Hauptschulabschluss)
- Gut-durchschnittliche sprachliche Fähigkeiten (Sprach- und Textverständnis, mündliches und schriftliches Ausdrucksvermögen, Sprachgedächtnis, sprachlicher Einfallsreichtum)
(mündliche und schriftliche Abschlussprüfung, dem Schüler seine Stärken, aber auch Fehler und deren Vermeidung erklären)
(Bezugsgruppe: Personen mit Hauptschulabschluss)
-Pädagogische Befähigung
(Fach Verkehrspädagogik: Gestaltung des Fahrunterrichts; in der Ausbildungsfahrschule: Motivieren der Schüler
VERDIENSTMÖGLICHKEITEN:
Hier trifft der Spruch" Jeder ist seines Glückes Schmied" voll zu, denn ein "Guter" Fahrlehrer wird ganz sicher einen angemessenen Lohn verlangen und auch bekommen.
Und gut ist ein Fahrlehrer erst dann, wenn Fahrschüler Dich weiterempfehlen und gerne mit Dir fahren.
Denn hier gilt ganz klar, das die Chemie zwischen dem Fahrschüler und dem Fahrlehrer stimmen muß.
Ist das Okay, gibts auch einen heidenspaß im Auto, versprochen!
Nun noch ein Nachwort
Jeder der diesen Job machen möchte sei eines vorab deutlich gemacht:
Es ist nicht so wie manche immer glauben- einfach cool mit Sonnenbrille rechts sitzen, dumme Sprüche machen und aus dem Fenster gucken.
Sicher gehts nicht nur todernst im Auto zu, das ist auch sehr gut so, denn das ganze soll auch Spaß machen.
Aber es gibt auch Menschen die nicht wirklich talentiert sind was das Autofahren betrifft und es kostet Mühe und Schweiß, diese lieben Menschen dazu zu bringen alles zu tun was man von ihnen möchte.
Egal sag ich, der Job ist es wert!
Ich hoffe jetzt mal nichts vergessen zu haben, sollte es dennoch so sein fragt mir gerne ein Loch in den Bauch, ich bitte mal darum. weiterlesen schließen
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