Pro:
Ganz interessant und gehört zum Pragbesuch dazu.
Kontra:
Eintrittspreis. Touristenströme ohne Ende. Schäden die durch Touristen verursacht werden. Überteuerte Preise in den Shops und im Café. Nicht rollstuhlgerecht.
Empfehlung:
Ja
oder auch das goldene Gäßchen ist ein absolutes Muß für jeden Tourist; dies ist unter den Bögen der Mauer vom Hradschin, die Burg, zu finden. Seit Mai 2002, zahlt man hier allerdings Eintritt. Der Eintrittspreis beträgt 40 Kronen (1,20 Euro). Seitdem bin ich dort auch nicht mehr gewesen, da mich der Preis abschreckt. Das man die Eintrittsgelder benutzt um die Schäden zu beheben, die durch Touristen entstehen, akzeptiere und verstehe ich zwar, aber da ich nun seit jüngster Jugend umsonst durch die goldene Gasse gelaufen bin, stört mich der Eintrittspreis jetzt doch etwas. 1,20 Euro "nur" um durch eine Gasse zu latschen ist, so gesehen, dann doch recht viel. Mal abgesehen von den wirklich überteuerten Preisen in den Lädchen und das Café.
GESCHICHTLICHES
Die Bezeichnung "goldenes Gäßchen" stammt aus einer alten Legende; man erzählte sich das Rudolf II. hier seine Alchimisten (Goldmacher) untergebracht hatte, die auf seinen Befehl hin die Staatskasse fühlen sollten, mit selbstgemachten Gold. Die Tatsachen liegen da aber ganz anders; es waren ganz einfache Arbeiterwohnungen, die zur Burg gehörten und die Burgwachen und Handwerker hatten hier ihre, zeitlich begrenzten, Unterkünfte.
Die winzigen Häuschen stammen aus dem 16. Jahrhundert und wurden direkt in und unter den Bögen der Burgmauer gebaut. In den winzigen Häuschen kann man kaum den Hintern drehen; es reichte damals für Bett, Stuhl und Tisch und einen Platz zum Kochen. Der mittelalterliche Mann war maximal 1.55 Meter groß. Am Eingang des Gäßchens steht einen Turm; der sog. weißer Turm. Dies war einst der Schuldnerturm. Am Ende vom Gäßchen steht der Daliborka-Turm. Hier war einst ein Ritter eingesperrt und Smetana hat ihm eine Oper gewidmet.
Eigentlich war das goldene Gäßchen nie etwas Besonderes; zwar latschten hier immer die Touristen ein und aus, wegen den winzigen Häuschen, aber weltberühmt wurde es erst durch Franz Kafka, der für etwa ein Jahr in Nummer 22 gewohnt hat (1916-1917). Das kleine blaue Häuschen mit "Vorgarten" ist das kleinste in der Straße. Immer wenn ich als Kind davor stand, wollte ich sehen, ob ich schon soweit gewachsen bin, daß ich die Dachkannte anfassen kann; wenn ich heute davor stehen würde, dann stecke ich sogar mit Kopf und Schultern über die Dachrinne hinaus (und das mit meine 1.73 Meter).
Kafka hat sich schnell nach einer größeren Behausung umgesehen, aber das goldene Gäßchen würde seinen ewigen Ruhm behalten durch Gustav Meyrinks "Der Golem"; sollte man übrigens mal gelesen haben, wenn man sich für die jüdische Geschichte interessiert.
MUSS MAN GESEHEN HABEN?
Tja, was gibt es noch mehr Interessantes zu sehen? Eigentlich ist das goldenen Gäßchen nichts Besonderes in dem Sinne; die Häuschen sind eben sehr alt und winzig und von der einstigen Inneneinrichtung ist nichts mehr geblieben, bis auf 2 Häuschen die nur durchs Fenster einen Einblick ins Mittelalter bieten. Die anderen Häuschen sind alle Antiquitätenshops und Souvenirläden und meist quellen die Touristen durch die Türen hinaus. Der Zugang ist übrigens nicht überall behindertengerecht und so wird man nicht mit dem Rollstuhl in den Häuschen hinein können. Eigentlich kommt man nur in 2 Häuschen mit dem Rollstuhl rein. Das gleiche gilt für Kinderwagen.
Wer sich eine komplette Führung über den Hradschin anschließt, zahlt etwa 20 Euro und dabei ist dann eine Führung durchs goldene Gäßchen eingeschlossen. Wer sich auf eigene Faust dorthin, ins Gäßchen, begibt zahlt dann 1,20 Euro nur für die Besichtigung der Zlatá Ulicka.
Wenn ich ganz ehrlich bin, empfehle ich dann die komplette Burgführung; erstens bekommt man mehr zu sehen fürs Geld und zweitens verlaufen sie sich nicht auf der Burg in den weitgelegenen Winkeln und Ecken.
Der Daloborka-Turm am Ende der Gasse, ist ein runder Turm, der bereits in Jahre 1496 als Gefängnis gebaut wurde durch Benedikt Rejt. Der Turm wurde bis 1781 auch als Gefängnis benutzt und der erste (und auch berühmteste) Häftling, war der verarmte Ritter Dalibor von Kozojedy. Der Turm ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Der weiße Turm am Anfang der Gasse ist leider nicht zu besichtigen.
FAZIT
Früher, als Kind, bin ich immer gerne im goldenen Gäßchen gewesen, aber die Zeiten haben sich geändert; überall wuseln Touristen herum, grapschen mit ihren Finger an alles herum, smeißen Zigaretten und Coladosen auf der Straße, schreiben ihre Namen auf Türen und Fenster und brechen Steine (Souvenirs) aus Häuser und Türme. Für mich ist das ein Graus und macht einen Besuch im goldenen Gäßchen eher zu einer schmerzlichen Angelegenheit. Wenn ich heute nochmal dahin gehe würde , dann würde ich immer ganz früh gehen, wenn die Souvenirläden noch zu haben und die Touristen sich noch in ihren Betten wälzen.
Für den Touristen an sich, ist das goldene Gäßchen allerdings immer eine Empfehlung wert, trotz negativer Aspekte, denn das goldene Gäßchen gehört zu jedem Pragbesuch dazu. Da muß man dann halt durch. Zum Flanieren eignet sich die Zlatá Ulicka überhaupt nicht. Man zahlt seinen Eintritt, läuft durch, besucht die Häuschen und verläßt die Gasse wieder über einer der Nebenstraßen. Wer flanieren will, der muß zum Wenzelplatz gehen.
Positiv:
Ganz interessant und gehört zum Pragbesuch dazu.
Negativ:
Eintrittspreis. Touristenströme ohne Ende. Schäden die durch Touristen verursacht werden. Überteuerte Preise in den Shops und im Café. Nicht rollstuhlgerecht.
Copyright I. M. Liska für Trivago, CIAO und YOPI. weiterlesen schließen
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