Pro:
ultraspannend und sehr gut geschrieben
Kontra:
man muß vorher "Cupido" gelesen haben, um "Morpheus" besser zu verstehen
Empfehlung:
Ja
Im Februar 2008 habe ich "Cupido" gelesen. Das ist ein so heftiger Thriller, der selbst mir unruhige Nächte bescherte. Doch es stand für mich dennoch fest, daß ich auch den Folgeroman lesen werde. Das habe ich nun getan:
"Morpheus"
von
Jilliane Hoffman
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Infos zur Autorin
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Jilliane Hoffman wurde 1967 in Long Island (USA) geboren.
Sie arbeitete als stellvertretende Staatsanwältin und juristische Beraterin in Florida. Sie unterrichtete Spezialeinheiten der Polizei auf dem Gebiet der Drogenfahnndung und des Organisierten Verbrechens.
Heute lebt Jilliane Hoffman mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Fort Lauderdale.
"Cupido" war ihr erster Roman, dem "Morpheus" und "Vater unser" folgten.
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Infos zum Buch
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Erschienen ist "Morpheus" bereits 2005 unter dem Originaltitel "The Last Witness". In Deutschland wurde dieser Thriller im November 2006 veröffentlicht.
Ich bin im Besitz der bereits 10. Auflage, die Im Januar 2008 beim Rowohlt Taschenbuch Verlag unter der ISBN 978-3-499-23691-4 erschienen ist. Dieses 400-seitige Taschenbuch kostet 9,90 €.
Morpheus ist in der griechischen Mythologie der Gott des Traumes. In manchen Sagen wird er auch als Gott des Todes bezeichnet. Sein Vater ist der Gott des Schlafes.
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Klappentext
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Es ist zurück. Es lebt. Es tötet.
Ein Serienmörder, der korrupte Cops umbringt.
Eine Staatsanwältin mit einem dunklen Geheimnis.
Ein Monster, das im Todestrakt auf den Tag der Rache wartet…
Drei Jahre ist es her, dass die Cupido-Morde ganz Florida in Atem hielten. Jetzt schlägt das Grauen wieder zu. Kann C.J. Larson ihm noch einmal entkommen?
(Anmerkung: Aus Chloe Larson wurde C.J. Townshend. Der Name C.J. Larson ist somit ein Fehler.)
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Was bisher in "Cupido" geschah
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Da es sich bei "Morpheus" um einen Thriller handelt, der direkt auf "Cupido" folgt und auch mit den Geschehnissen in diesem Buch direkt zusammenhängt, ist vorab eine kleine Zusammenfassung zu "Cupido" unvermeidbar, da man sonst den Inhalt von "Morpheus" an mancher Stelle nicht direkt nachvollziehen und verstehen kann:
Chloe Larson wird als junge Frau unvorstellbar brutal vergewaltigt und kommt nur knapp mit dem Leben davon. Sie zieht von New York nach Miami und ändert ihren Namen in C.J. Townshend. Als Staatsanwältin ist sie sehr ehrgeizig und erfolgreich, bis ihr eines Tages der angebliche Serienmörder Cupido im Gerichtssaal gegenübersitzt. In ihm erkennt sie jedoch ihren einstigen Vergewaltiger.
C.J. weiß, daß es sich bei dem Angeklagten nicht um den Serienmörder handelt, sondern um einen Mann, der nicht nur sie, sondern landesweit zig Frauen auf brutalste Art und Weise vergewaltigt hat, wozu es allerdings keine konkreten Beweise gibt. So will sie nun auf Biegen und Brechen diesen Mann der Cupido-Morde wegen verurteilen lassen, was ihr auch gelingt, allerdings nicht ohne Beweismittel zu manipulieren. Dabei gibt es natürlich auch einige Mitwisser.
Dem richtigen Cupido steht C.J. am Ende des Buches gegenüber, kann ihn aber in letzter Sekunde tödlich verletzen. Daß dieser Jemand Cupido war, bleibt jedoch ein Geheimnis.
Wichtig zu wissen ist auch, daß die Polizei den angeblichen Cupido eines ominösen Anrufes wegen mit seinem Auto anhielt, in dessen Kofferraum sich eine herzlose Leiche befand. Eine Durchsuchung aufgrund dessen ist rechtswidrig. Doch da sich auf den Fund der Kofferraumleiche die gesamte Anklage aufbaut, muß schon hier geschummelt werden…
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Was in "Morpheus" geschieht
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Drei Jahre nach dem Cupido-Prozeß beginnt in Miami das Grauen erneut. Polizisten werden ermordet und mehr als übel zugerichtet. Korrupte Cops, wie sich alsbald herausstellt. Doch C.J. ahnt, daß dies nur Zufall ist, denn die ermordeten Cops sind Mitwisser, was die Beweismanipulation des Cupido-Prozesses betrifft.
C.J. ereilen, wie damals schon, schlaflose Nächte. Wer könnte Interesse daran haben, Zeugen, die Cupido entlasten könnten, aus dem Weg zu räumen? Steht sie selbst auch auf seiner Liste? Und was ist mit der damaligen Verteidigerin Cupido´s?
Ist Morpheus der Anrufer von damals und der Mörder von heute? Und wer ist Morpheus?
Und dann erfährt C.J., daß Cupido gerade jetzt einen Antrag auf Berufung stellt. Als neues Beweismittel will er eine Tonbandaufzeichnung mit dem anonymen Anruf von damals vorlegen. Dieses Tonband hatte seine Verteidigerin damals bewußt nicht dem Gericht vorgelegt…
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Meine Meinung
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Wie unschwer aus den beiden inhaltlichen Zusammenfassungen zu erkennen ist, sollte man "Morpheus" erst lesen, wenn man "Cupido" bereits gelesen hat. Es werden zwar immer wieder Einzelheiten von damals eingeschoben und erklärt, was aber mehr dazu dient, Vergessenes wieder ins Gedächtnis zu rufen, als daß man sich ein Gesamtbild davon machen könnte, was wirklich in "Cupido" geschah. Man muß "Cupido" gelesen haben, um C.J.´s Gedanken und Verhalten und auch ihre Ängste, die in "Morpheus" beschrieben werden, zu verstehen und vor allem, um mit ihr zu sympathisieren. Erst dann kann man auch verstehen, wie sie sich jeweils bei dem Fund der getöteten Cops fühlt. Man kann sehr gut nachvollziehen, wie ihr vor Angst die Luft wegbleibt. Hat man "Cupido" nicht gelesen, könnte man eher denken: Geschieht ihr ganz recht! Das kommt eben davon, wenn man das Gesetz in die Hand nimmt und Beweise manipuliert. Doch wenn man so denkt, dann hat das Buch seinen Sinn verloren.
C.J. macht sich nicht nur ihre Gedanken wegen der jüngsten Cop-Morde, sie denkt ständig auch an damals. Wo war eine Lücke? Was hatte sie übersehen? Mit jedem neuen ermordeten Cop gibt es einen Zeugen weniger. Doch dann sind alle Mitwisser tot, nur sie selbst noch nicht.
Man kann als Leser nicht erahnen, wer Morpheus ist. Jilliane Hoffman lenkt einen zwar bei einem der Polizisten-Morde in die Richtung, daß es selbst ein Cop sein muß, aber wer, das blieb mir bis zum Schluß verborgen. Umso schockierender empfand ich dann die Szene, als C.J. Morpheus gegenübersteht und seine Identität Preis gegeben wird. Wird sie mit dem Leben davon kommen? Denn einen dritten Teil gibt es ja bisher nicht.
Hinzu kommt, daß Cupido Berufung eingelegt hat. C.J. muß ihrem einstigen Vergewaltiger wieder einmal mehr gegenüberstehen, was zu großen psychischen Anspannungen führt. Sie fürchtet einen Freispruch und sucht nun nach Wegen, den Richter, der den Antrag zur Berufung ablehnen oder annehmen kann, zu überzeugen. Wird ihr eine Ablehnung gelingen oder steht ihr wieder ein zermürbender Prozeß bevor, dessen Ausgang ungewiß ist?
Da kommen einem beim Lesen sämtliche "Cupido"-Details wieder ins Gedächtnis. Wut, Haß, Verzweiflung machen sich in einem breit. Die gleichen Gefühle, die ich damals schon beim Lesen hatte, ereilten mich diesmal erneut, so daß ich mal wieder unruhige Nächte hatte.
Spannungsgeladen und fesselnd ist dieser Thriller, der einen zu keiner Zeit kalt läßt. Er ist sogar nervenaufreibend und sogar nervenzerreißend. Denn wieder einmal stellt sich die Frage, ob die Gesetze der Gerechtigkeit Genüge tun, oder ob es nicht dringend einer oder mehrerer Änderungen bedarf, damit nicht Täter, sondern mehr die Opfer geschützt werden. Das gilt sowohl für die hier beschriebenen amerikanischen Verhältnisse, als auch für die unseren hier in Deutschland. Gleichzeitig befaßt man sich mit der Frage, in wie weit man Manipulation von Beweisen verhindern kann (außer mit Geld). Wenn man dabei an bestimmte Verbrechen denkt, sollte man diese Gedanken nicht vertiefen, man würde sonst verrückt.
Ja, "Morpheus" nimmt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite ganz in seinen Besitz. Man taucht in eine unheimlich grausige und brutale Welt ein, die einem regelrecht Angst macht, weil hier gezeigt wird, weshalb das Gute manchmal gezwungen ist, böse zu sein, um andere Menschen vor dem wirklich Bösen zu schützen. Ergriffen liest man sich durch das flüssig geschriebene Buch und beäugt auch traurig, wie sich die Beziehung zwischen C.J. und dem Polizisten Falconetti dem Ende neigt, da die neusten Ereignisse Schatten über ihre zarte Liebe werfen.
"Morpheus" ist blutig und brutal. Genaustens werden hier die furchtbar zugerichteten Leichen beschrieben. Da muß man wahrlich starke Nerven beim Lesen haben. Noch schlimmer empfand ich jedoch den psychischen Aspekt, der viel schlimmer wiegt, als der direkte Kontakt mit Brutalität. Enorm, wie sich das nicht nur anhand der Hauptfigur des Thrillers C.J. miterleben läßt, denn es überträgt sich auch auf den Leser. Und zwar nicht zu knapp.
"Morpheus" bekommt zum Ende hin ein Gesicht und einen Namen. Er wird dingfest gemacht, doch was ihn erwartet wird nur vage angedeutet. Hingegen ist man schon fast beruhigt, als man erfährt, daß es für Cupidos Todesstrafe nun endlich einen Termin gibt. Doch auf der allerletzten Seite, im allerletzten Satz, erfährt man, daß er einen neuen Prozeß bekommt.
Hierzu kann man sich nun selbst seine Gedanken machen. Denn immerhin kann man sich ja mit wichtigen Informationen auch freikaufen. Wird Morpheus Cupido helfen, um sich selbst zu helfen? Man mag nicht dran denken, was passiert, wenn beide je wieder auf freien Fuß kommen. Und so schreit es förmlich nach einem dritten Teil, der einen doch endlich einmal beruhigt. Welcher Gott darf dann wohl als Buchtitel herhalten? Nemesis? Moros? Oder Ker? Man darf gespannt sein…
Ich jedenfalls empfehle "Morpheus" ungeschränkt allen, denen "Cupido" schon zugesagt hat. Wer beide Bücher noch nicht kennt, aber starke Nerven hat, dem empfehle ich beide. Und zwar mit 5 Sternen.
( Mein Bericht erschien bereits auf Ciao am 23. April 2008 ) weiterlesen schließen
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