Pro:
sehr unterhaltsam und gut aufgebaut, recht schnell gelesen
Kontra:
leider etwas zu schnell gelesen
Empfehlung:
Ja
... also dieser Russe in Berlin ist bestimmt nicht langweilig. ;-) Der Titel ist übrigens einer von einem Kapitel in diesem Buch...
Heute möchte ich euch mal wieder von einem Buch berichten, diesmal geht es um "Russendisko" von Wladimir Kaminer. Also, dann fang ich gleich mal mit dem Bericht an, viel zu erzählen gibt es ja nicht. *g*
WIE ICH ZU DEM BUCH KAM:
*********************************************************
Gleich mal eins vorweg: Dieses Buch gehört nicht mir, sondern meiner Schwester. Und gerade durch diese bin ich auf dieses Buch gekommen, weil sie mir so oft davon vorgeschwärmt hat. Oft genug bin ich mit ihr in eine Buchhandlung gegangen, bis sie es sich schließlich gekauft hat. Mittlerweile hat sie auch mehrere Bücher von Wladimir Kaminer, nur mal so nebenbei bemerkt.
ALLGEMEINE INFORMATIONEN / DAS AUSSEHEN:
************************************************************************
Das Aussehen ist schnell beschrieben: Der Hintergrund des Buches ist blau. Vorne steht der Name des Autors in weiß und darunter der des Buches in rot. Weiter unten findet man einen roten Stern, der für den Kommunismus in Russland steht. Hinten findet man einen kleinen Textausschnitt und eine kurze Inhaltsangabe. Klingt zwar alles recht einfach, aber das reicht mir auch. Nun zu den Informationen:
-ISBN: 3-442-54175-1
-Preis: 7,90€ (bekommt man mittlerweile bestimmt günstiger)
-Format: Taschenbuch
-erschienen beim Wilhelm Goldmann Verlag
-192 Seiten (also nicht wirklich viel)
-im Juli 2002 erschienen
-erstmals 2000 veröffentlicht
ÜBER DEN AUTOR:
***************************************************
Da es in dem Buch selbst eine Kurzbiografie von Wladimir Kaminer gibt, werde ich von dieser einige Teile entnehmen:
Wladimir Kaminer wurde 1967 in Moskau geboren und absolvierte eine Ausbildung zum Toningenieur für Theater und Rundfunk. Anschließend studierte er Dramaturgie am Moskauer Theaterinstitut. Seit 1990 lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin.
WORUM GEHT'S IN DEM BUCH?
**************************************************************
Das Buch ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die von Wladimir Kaminers Leben handeln. Oft werden auch Geschichten von Bekannten von ihm erzählt. Das ganze handelt kurz nach dem Mauerfall, als Kaminer nach Deutschland einwandert. Hierzu zieht er von Moskau nach Berlin, genauer: Nach Westberlin. Nun wird in 50 Kurzgeschichten eben erzählt, was er dort alles so erlebt. Wie zum Beispiel, als er sich eine Wohnung sucht und anfängt, zu arbeiten. Dies alles ist recht detailliert beschrieben und dadurch äußerst interessant. Es werden auch Geschichten erzählt, die Menschen in seinem Umfeld passiert sind, jede Geschichte hat eine Länge von ungefähr 2-4 Seiten.
EINE (KLEINE) KOSTPROBE:
***************************************************
Diesmal zitiere ich sogar ein bisschen, und zwar meine persönliche Lieblingsgeschichte, weil ich hier doch ziemlich lachen musste:
Berliner Porträts (S.168-170):
Ein Freund kam zu mir und fragte, ob ich nicht zufällig einen Kosmetikchirurgen kennen würde und wie teuer eine kosmetische Operation kommen könnte. Er wolle sich ein neues Gesicht verpassen lassen. Ich wunderte mich, denn bisher war Sascha immer mit seinem Äußeren zufrieden gewesen. Ich empfahl ihm stattdessen einen Kinderpsychiater, den ich zufällig vor kurzem kennen gelernt hatte und erklärte ihm, das Einzige, was er an seinem Gesicht ändern solle, sei der Ausdruck - es wirke so tragisch. Sascha wurde wütend, weil ich sein Problem nicht ernst nahm und erzählte mir, was man ihm angetan hatte.
Seine neue Freundin schleppte ihn ständig zu irgendwelchen Partys. Einmal waren sie zu einer Vernissage eingeladen, es war die Ausstellungseröffnung einer Galerie in Mitte. Sascha wäre an dem Tag lieber zu Hause vor dem Fernseher geblieben, und dann wäre das alles auch gar nicht passiert. Der Raum war mit neugierigem Publikum brechend voll, es herrschte eine feierliche Stimmung. Der Künstler stellte sich persönlich vor. Alle tranken Wein und unterhielten sich über Kunst. Die Bilder - oder waren es Fotos? Daran konnte sich Sascha nicht mehr erinnern, nur dass sie deutlich die Homosexualität des Autors betonten. Es waren Schwänze, Hunderte von Schwänzen, die von allen Wänden freundlich winkten. Etwas angetrunken ließ sich Sascha auf ein mehrstündiges Gespräch mit dem Autor über Kunst ein obwohl er als ausgebildeter Elektriker eigentlich keine Ahnung davon hatte. Vom Wein beraucht, interpretierte Sascha sogar einen Artikel aus dem Focus, eine Kulturbilanz des vergangenen Jahres, den er ausschnittweise beim Friseur gelesen hatte. Der Künstler hörte ihm aufmerksam zu und sagte Dinge wie: "Sie erzählen sehr interessant", "Sie haben einen frischen Blick" und "Wir müssen uns unbedingt näher kennen lernen". Dabei fasste er Sascha mehrmals zwischen die Beine. Am nächsten Tag war bereits alles wieder vergessen.
Wenig später kam Saschas Freundin zu ihm und platzte fast vor Lachen. Sie hatte gerade mit ihrer Freundin im Café Historia am Kollwitzplatz Kakao getrunken und sich dort die neu bemalte Decke angesehen. Plötzlich hatte sie mitten auf dem Gemälde ihren Sascha entdeckt. Er war als Zeus verkleidet und schaute sie mit freiem Oberkörper frech von oben an. Das Gemälde stammte vom Schwanz-Künstler, der seinen Lebensunterhalt als Kneipen-Maler verdiente. Saschas Freundin war davon überzeugt, dass der Künstler sich richtig heftig in Sascha verknallt hatte und nun durch seine schöpferische Arbeit versuchte, seine Gefühle zu sublimieren.
In der darauf folgenden Woche zog Sascha durch etliche Kneipen in seiner Nachbarschaft und entdeckte immer wieder sein Porträt: In einem mexikanischen Restaurant fand er sich als freundliche Kaktee mit Sombrero und eine Flasche Tequila in der Hand abgebildet, die ägyptische Königin an der Wand einer Szenekneipe hätte seine Zwillingsschwester sein können, und in einer neu eröffneten Sushi-Bar war er ein trauriger Fisch. Die Ähnlichkeit war tatsächlich frappierend. Am Ende wurde Sascha fast paranoid. Ihm schien, als würden alle Leute auf der Straße ihn erkennen und mit dem Finger auf ihn zeigen: Kuck mal, da läuft der Fisch aus der Sushi-Bar. Selbst der mindestens zehn Jahre alte Drache an der Eingangstür des China-Restaurants gegenüber hatte auf einmal etwas Saschaartiges in seinem Gesichtsausdruck.
Ein anderer an seiner Stelle hätte sich geschmeichelt gefühlt, doch meinen Freund stürzte es in eine tiefe Krise. Ich empfahl ihm, mit dem Künstler offen über sein Problem zu sprechen. Zuerst weigerte sich Sascha, doch dann überlegte er es sich anders. Nach einem zunächst von gegenseitigen Vorwürfen bestimmten Gespräch einigten sich die beiden Männer: Keine weiteren Sascha-Porträts in den Bezirken Prenzlauer Berg, Mitte und Friedrichshain.
MEINE MEINUNG:
***************************************************
Also wie man hier schon sehen (oder lesen) konnte, sind die Geschichten durchaus amüsant. Ich habe das Buch immer in der Schule gelesen (keine Angst, nur während den Hohlstunden) und konnte mein Lachen kaum unterdrücken. Das Buch ist sehr leicht zu lesen und daher auch schnell durchgelesen, leider etwas zu schnell. Jedoch ist es eine leichte Lektüre und für zwischendurch einfach nur prima.
Die Geschichten selbst sind natürlich sehr interessant, da sie Anekdoten aus dem Leben des Autors sind. Und da das Ganze so unterhaltsam und locker beschrieben wird, macht es richtig Spaß, dieses Buch zu lesen. Die Aufteilung der Kapitel finde ich auch sehr gut, dadurch ist jede Geschichte nicht zu lang und trotzdem weiß man, worum es geht. Außerdem macht es das Lesen einfacher.
Negativ anzusehen wäre auch der Preis, da dieses Buch eben sehr schnell durchgelesen ist, ist der Preis von knapp 8€ recht hoch, aber darüber kann man hinwegsehen, weil einem wirklich etwas geboten wird. Tja, was soll ich noch schreiben... der Schreibstil von Wladimir Kaminer gefällt mir wirklich sehr gut, da er alles einfach so runterschreibt, wie er denkt und nicht noch alles umändert, dass es auch ja nicht zu... einfach ist.
Selbst die Aufmachung finde ich persönlich gelungen, auch wenn das Buch ziemlich langweilig aussieht, aber dennoch ist es ansprechend. Halt schön einfach, das gefällt mir. *g* Okay, mehr gibt es nicht zu erzählen.
LESEN ODER LIEBER NICHT (FAZIT)?
***********************************************************************
Natürlich lesen! Dieses Buch ist sehr einfach und schnell zu lesen und super unterhaltsam. Ich empfehle es dringend, allerdings sollte man aufpassen, dass man das Buch nicht in der Öffentlichkeit liest, außer man will durch sein Gekicher Aufmerksamkeit erregen. *lach* Negativ an diesem Buch ist nur die Tatsache, dass es sehr schnell gelesen ist und relativ teuer. Aber über den Preis kann man (wie schon gesagt) hinwegsehen.
Ich hoffe, euch reichen die Informationen. Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung. Vielen Dank fürs Durchlesen!!!!!
P.S.: Dieser Bericht wurde schon bei Ciao veröffentlicht!!! weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben