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Tests und Erfahrungsberichte
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Die Dunkelheit
04.04.2003, 18:51 Uhr von
s.maki
Hi, ich bin Sebastian.. und wie ihr seht neu hier. Bin ein bißchen mit dieser Plattform vertraut,...3Pro:
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Kontra:
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Empfehlung:
Nein
Hier eine Kurzgeschichte, die auf unsere Sinneswahrnehmung abstellt.
... Sie war doch wach und bei Bewusstsein, doch alles um sie herum war so dunkel. War es denn schon so spät? Sonst konnte sie doch in der Dunkelheit trotzdem schwache Umrisse erkennen.
Warum jetzt nicht?
Sie konnte die Augen nicht geschlossen haben, sie spürte doch, wie sich ihre Augenlieder bewegten, sie nahm doch das sanfte Kneifen Ihrer Lieder war.
Diese Dunkelheit.
Es war still, sehr, richtig unheimlich still.
Diese Ruhe, hatte sie sich nicht schon lange mal danach gesehnt? Doch jetzt war diese Ruhe, diese nichtssagende Stille nur noch beängstigend. Sie spürte, wie ein kalter Schauer ihr den Rücken herunter huschte. Wie sie dieses Gefühl hasste. Und so machtlos, nichts vermochte es diesen Schauer auf dem Weg vom Nacken runter bis zu den Lenden zu stoppen. Immer wenn etwas nicht stimmte und sie ihr Gefühl vor etwas warnen wollte, verspürte sie diesen Schauer. Diesen Schauer der die Haut unkontrolliert zum vibrieren brachte.
Was war geschehen, wo war sie denn nur?
Sie lag, das spürte sie, auf einem weichen und nach Frühling duftendem Untergrund, der leicht nachgab, wenn sie sich bewegte. Doch so ist es, dachte sie sich, es ließ nur den einen Schluss zu, es müsste ein Bett sein. Doch ganz sicher ein Bett. Oder? Doch keine Zweifel, dies war ein Bett, doch nicht ihr Bett, viel zu weich, ihres war viel härter. Doch was für ein Bett?
Okay ein Bett, doch wo stand dieses Bett, alles war so still. Sie fing an Ihre Umgebung zu ertasten, ganz vorsichtig und nur langsam steifend.
Diese Dunkelheit ließ sie nicht ruhig tastend suchend fühlen, Unbehagen begleitete sie bei jedem Millimeter, den sie sich mit ihren Händen vor wagte. Doch es hielt sie nicht ab, weiter zu forschen.
Sie fühlte in ihrer rechten Hand etwas weiches, Flauschiges, was man gern auf der Haut fühlt, was beim Zusammendrücken der Hand weich und sanft in die Fingerzwischenräume drückte.
Sie war sich sicher, es war eine decke, die ihr ein warmes und sicheres Gefühl in dieser Schwärze gab. Doch konnte sie sich denn überhaupt sicher sein?
Sie konnte sich eine keine Zeit in ihrem Leben erinnern, in der Sie so Hilflos gewesen ist.
Sie horchte auf, auf einmal schien die Ruhe, diese Stille nicht mehr so ruhig, sie hörte, nein vorerst meinte sie unruhige, hektische Stimmen, doch nur Phrasen, keine Sätze zu verstehen. Immer deutlich vernahm sie einen Geräuschspegel, der ihr von Sekunde zu Sekunde lauter vorkam. Stimmen, doch nur Phrasen, keine ganzen Sätze, ja es fiel ihr sogar schwer, ganze Wörter aus dem Lärm, ja inzwischen war es fast wie Lärm, herauszufiltern.
Sie versuchte zu lauschen, ihre Ohren zu spitzen, was für ein dämlicher Spruch schoss ihr durch den Kopf, sie versuchte zu erkennen, was sie hörte. Was war das? Ein Röhren, ein Rauschen, ja sie hörte Motorengeräusche. Sie schreckte auf, ein Hupen riss sie aus ihrer angespannten Konzentration. Ja genau, sie erkannte dieses Geräuschemischmasch, ja genau sie hörte Autos fahren, richtig sie lauschte dem Straßenverkehr. Doch warum war er ihr vorerst so fremd?
Oft war sie schon, doch doch sie erinnerte sich, schon auf einer in gleicher Form belebten, von Hektik geprägten Straße zu Fuß voller innerlichem Drang, ja fast Zwang gelaufen.
Doch jetzt erst, in diesem so hilflosen Moment, wo sie nichts außer ihrer Neugier drängelte oder gar hetzte, bemerkte sie diese lauten, schrillen, aufeinander, durcheinander und unharmonisch folgenden Töne.
Plötzlich sah sie vor sich wieder diese Hektik, die vielen Menschen, in diesem Moment verstand sie endlich was ein inneres Auge ist. Die Bilder verschwanden jedoch so schnell wie sie gekommen waren.
Die Geräusche waren für einen Moment, für einen kaum fassbaren Augenblick zu Bildern geworden.
Jetzt merkte sie erst, dass ihr die Dunkelheit fast entgangen wäre, dass sie diese ja fast vergessen hatte. Es fiel ihr schwer sich vom Straßenlärm fern zu halten, doch je länger sie sich auf das Lauschen konzentrierte, je länger sie sich an Ihren einzigen momentan vorhandenen Freund in dieser Dunkelheit klammerte, desto feiner und eindeutiger wurde, was sie hörte. Wie einen Freund, den man von mal zu mal besser kennerlernt.
Doch woher kam dieser doch noch fremder Freund, woher vermochte Freund sie rufen? Kam er von rechts, von links? Sie wusste es nicht. Wo war denn hier kurzfristiger Freund, warum gibt er ihr keine Hilfe.
In der Dunkelheit verlor sie die Orientierung.
„Da“, ihr stockte fast der Atem, sie wollte das soeben Gehörte nicht übertönen, oder gar verschrecken. Es sollte doch wiedergehren. Es erklang wieder, ja fast rhythmisch. Klack_____, klack____, klack____,... Zwar sehr gedämpft, doch es war definitiv viel näher als der Straßenlärm, da war sie sich sicher, oder? Doch, doch, keine Zweifel. Was vernahm ihr Sinn, oder spielte die Dunkelheit ihr bereits ein Streich? Nein kein Zweifel, da war es wieder nur viel schneller, klack, klack, klack,..... und wieder wird es stiller nur der Straßenlärm pulsiert in ja fast doch schon harmonischer Weise. Da wieder, ja genau, ihr wurde bewusst, ja es war der Rhythmus von Schritten, mal schnell, mal langsam, aber es waren Schritten, ganz sicher, sie musste sich sicher sein. Doch so stumpf, so gedämpft, wie hinter einer unsichtbaren Wand, doch war hier durch die Finsternis nicht alles unsichtbar?
Sie lauschte, krampfhaft die Schritte vom Straßenlärm herausfilternd versuchte sie genau zu verfolgen was die Schritte taten. Immer deutlicher wurden sie, mal schnell und klirrend, manchmal auch langsam und schlürfend.
Die Schritte gehörten nicht zu einer Person, da war sie sich ganz sicher, es mussten zwei oder mehrere Personen sein. Doch je sicherer sie in der Wahrnehmung wurde, desto größer wurde ihre innerliche Unruhe, die Finsternis umhüllte sie ja noch immer.
Nicht desto trotz packte sie die Neugier, wer war da draußen, da der glirrente Schritt, der viel öfters erklang als die anderen, so meinte sie zumindest. Wem mag er gehören, wer mag sich dahinter verbergen?
Sie wusste nicht warum, doch unweigerlich stellte sie sich eine zierliche Frau auf hochhackigen Schuhen vor, jung, vielleicht Mitte Zwanzig, noch in der Blühte ihres Lebens, mit langen blonden Haaren zu einem Zopf geflochten und einem strengen Blick, der jedoch ihr weiches und zartes Inneres nicht verbergen konnte. Plötzlich stockte sie, den wen sie vor sich sah, war ihr eigenes vergessenes Angesicht. wer da wirklich war, dies vermochte ihr die Dunkelheit nicht verraten. wer da wirklich lief, blieb ihr verborgen.
„Pzzt“ sich selber innerlich denkend sagend, obwohl ihr im selben Augenblick bewusst wurde, wie absurd dieses in Ihre Kindheit zurück versetzende Verhalten war. Doch lausch doch lieber, ihr Gedanken schweiget doch, da war doch was. Wo? Doch sie vernahm richtig, eine Stimme, aus der selben Richtung wie die Schritte. Da war jemand, nun stand fest, ja unumstößlich klammerte sie sich an den Gedanken, dass da jemand ist. „Schrei doch, schrei!“
„Nein lieber nicht, erst noch lauschen....“
Krampfhaft versuchend jeden noch so leisen Laut ja nicht zu verpassen, verweilte sie in völliger Starre.
Doch alles klang so stumpf, die Hektik der Straße drängte sich unweigerlich wieder auf. Nein, sie wollte sich auf die Stimmen konzentrieren, diese Stimmen irgendwo da draußen in der Finsternis.
Sie zuckte zusammen, fast herzschlagartig verfiel sie in Panik. Ein lautes Klopfen, schallend und derb, dreimal, ein leichtes Klirren, ein Ring der auf Holz schlug?
„Guten Morgen!“ so freundlich sanft und doch so grausam laut.
Diese Stemme so furchtbar laut, so stechend hoch, doch nicht böswillig, diese Stimme, die sie aus der Konzentration, doch nicht aus der Dunkelheit riss.
........
Danke fürs Lesen, bewerten und kommentieren.
Mit lieben Grüßen
Sebastian
Zur Bewertung, was soll man da nur geben?
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-04-04 16:50:18 mit dem Titel Zwiespalt (2.Teil der Kurzgeschichte)
Hier die Fortsetzung (bzw. Ergänzung) zu meiner ersten Kurzgeschichte:
......
Er kam gerade aus der Schule. Ein eigentlich ganz normaler Tag.
Gerade war er eingeschult wurden und nun saß er also jeden Tag in der Schule. Nicht das es ihn stören würde, schließlich war es ja sehr spannend. Täglich lernte er neue Buchstaben kennen und fing gerade an kleine Setzte zu lesen.
Es machte ihn stolz, wenn ihn die Lehrerin lobte und er einen Satz richtig vorgelesen hatte. Mathe mochte er nicht so gern, wollte sich jetzt auch darüber keine Gedanken machen.
Der kurze Weg von der Schule bis nach Hause war schnell überwunden und er stand vor seinem Haus, wo er und seine Mom wohnten.
Seit Papa ausgezogen ist, kommt ihm das Haus so unendlich groß vor. Doch daran wollte er nicht nachdenken, Papa ist eben nur noch am Wochenende da.
Erst mal rein, was trinken und dann schnell die Hausaufgaben machen, den vorher dürfte er sich ja nicht mit seinen Freunden treffen. Also beeilen, damit Mama nichts dagegen hat.
Er freute sich schon darauf Mama zu erzählen, was er heute alles gelernt hatte. Sie war stets zu Hause, wenn er aus der Schule kam. Meistens gab es auch direkt Mittag, nur manchmal, wenn sie viel im Büro zutun hatte, kam sie was später nach Hause und somit musste er aufs Mittagessen noch etwas warten. Na ja war nicht schlimm für ihn, er war ja schon groß und ging schließlich auch schon zur Schule, so dass er auch ein paar Minuten aufs Essen warten konnte.
Er klingelte, gleich würde ihm seine Mom die Tür aufmachen.
Mmh, scheint als sei sie beschäftigt, er klingelte noch mal. Wartete....
Jetzt musste er doch seinen Schlüssel herauskramen. Mama hatte den Schlüssel ihm zur Sicherheit gegeben, falls sie doch mal später aus dem Büro kommen sollte.
Doch bisher war dies noch nie der Fall.
Er schloss auf, ging hinein und versicherte sich, dass er die Tür auch hinter sich ordentlich geschlossen hatte. Alles in Ordnung.
Na dann setze ich mich direkt an die Hausaufgaben, „dann bin ich vielleicht schon fertig wenn Mama kommt“. Lieber zuerst Deutsch, da musste er nur ein Bild beschreiben, hier könnte er die neuen Worte einbauen, die er heute gelernt hatte.
Aber da war ja noch Mathe, damit wartete er lieber auf seine Mama, die konnte alles, vor allem Mathe erklären.
Nach dem er mit seiner Deutschhausaufgabe fertig war, wunderte er sich schon, dass seine Mama doch nicht zurück war.
Er überlegte, grübelte, was er noch mal machen sollte, was hat Mama noch mal gesagt, was er tun soll, wenn sie doch mal später kommen sollte?
Ach ja, erst mal im Büro anrufen. Er ging zu seinem Merkbrettchen in der Küche. Mama hatte es eigens für ihn in die Küche gehangen, auch tief genug, dass er dran kam. Ach da war ja die Nummer von Mamas Büro. Er ging zum Telefon und nahm es. Er tippte eifrig die Nummern, es läutete, und läutete.
Es läutete noch immer und keiner ging ran, eigentlich wollte er auflegen, doch was dann?
Er war noch nie in der Situation, dass Mama nicht zu Hause war und auch im Büro nicht zu erreichen. Was sollte er den dann machen, wenn er Mama nicht erreicht?
In diesem Moment erhalte eine Stimme im Telefon. „Marketingabteilung, was kann ich für sie tun?“
„Mir meine Mutter geben, was sonst“, dachte er. „Mmmh, ich hätte gern Frau Laweltel gesprochen“, wie komisch sich das für ihn anhörte seine Mama mit Namen anzusprechen.
„Nein, die ist schon weg.“
Wie schon weg? Nicht im Büro? Nicht zu Hause?
Was den jetzt?
„Danke“, verwirrt legte er auf, stand nachdenklich da und suchte nach Erklärung.
Was sollte er den jetzt machen?
Sein Tagesablauf war bisher doch so sicher strukturiert. Er kam nach Hause, entweder nahm er das Mittag zu sich, was Mama ihm gekocht hatte oder machte erst die Aufgaben aus der Schule, wenn Mama noch nicht so weit war.
Doch nun?
Sollte er selber kochen?
Nein, wie denn auch. Er wusste doch nicht was und vor allem nicht wie.
Er könnte den Tisch fertig machen?
Ja genau, Mama wird gleich kommen, dann freut sie sich.
Also los, hatte er ja schon manchmal gemacht.
Zufrieden stand er vor seinem vollendeten Werk, doch Mama war noch immer nicht zurück.
Gleich wird sie sicher kommen.
Was könnte sie den aufgehalten haben?
Mama hätte ruhig Bescheid sagen können. Ach ja der Anrufbeantworter, warum hat er daran nicht sofort gedacht?
Moment, wie war das noch mal?
Ja hier drücken, ja genau mit dieser Taste kann er die eingegangenen Anrufe hören.
Doch nichts... Kein Anruf eingegangen.
Jetzt nicht nervös werden, Du bist schon groß.
Aber verdammt noch mal wo bleibt Mama. Sie sollte ja schnell kommen.
Wie konnte sie ihn so lange warten lassen. Er konnte sich an keinen Zeitpunkt erinnern, an dem er jemals auf seine Mutter so lange warten musste.
Sollte er mal bei seiner Tante anrufen?
Vielleicht ist sie ja bei ihr schnell vorbei gefahren und hat sich mit Ihr verquatscht. Dies konnten die beiden nämlich gut.
Doch wo war noch mal die Nummer?
Ach in der Schublade des Telefonschränkchens.
Aber was sag´ ich den?
Hört sich ja blöd an, wenn er anruft, bloß weil er mal allein ist.
Nee, er ist doch schon groß. Warte lieber noch was.
Doch eigentlich ist sie ja schon lange weg.
Unsicherheit machte sich bei ihm breit, die ihm das Gefühl der Hilflosigkeit vermittelte.
Die Gedanken verwirrten sich und alles wurde geistig so unübersichtlich....
Aus seinen Gedanken riss ihn die Klingel der Tür.
Mama? Warum klingelt sie den?
Sie hat doch einen Schlüssel?
Er stand auf und ging zur Tür. Auf halben Weg machte er jedoch Halt.
Nein, Mama konnte es nicht sein, sie klingelt doch nicht, oder doch?
Erst mal schauen, ob es Mama ist.
Bedrückt von Unsicherheit wollte er lieber doch vorher schauen, wer da klingelt. Er ging zum Küchenfenster und wagte einen Blick auf den Türbereich, den er von hier aus sehr gut einsehen konnte.
Sehr behutsam schlich er sich auf leisen Sollen zum Fenster. Kurz vor ihm machte er halt, ging in die gebückte Haltung, die er, wie er meinte vom vielem Indianerspielen mit seinen Freunden, schon perfekt drauf hatte.
Am Fenster angekommen, versuchte er behutsam sich zu heben, um ja nur ganz knapp über dem unterem Fensterbrett hervorzusehen.
Da klingelte es noch mal, er schreckte so dermaßen zurück, dass er sich nicht mehr sicher sein konnte, unentdeckt am Küchenfenster zu sein. Doch er musste es weiter versuchen, einen Einblick zu erhaschen.
Völlig losgelöst von Sinn und Zweck der ganzen Aktion, sah er jetzt nur noch seine „Missionen“ vor Augen: Unerkannt den bisher Unerkannten zu erkennen!
Was er sah er nun?
Ernüchterung machte sich breit, als er das Ergebnis seiner Mission erblickte.
Ein Mann in normaler Kleidung, stand vor der Tür. Er wartete...
Sah aus wie sein Onkel, hatte zumindest den gleichen rundlichen Bauch wie er. Außerdem trug er die gleichen, spießigen Klamotten wie sein Onkel.
Als er nochmals schellte, kamen ihm Zweifel auf.
Was den nun?
Sollte er ihm öffnen?
Doch Mama sagte immer, dass er fremden Leuten nicht die Tür öffnen sollte, doch was nun?
Sollte er weiterhin warten bis Mama sich endlich melden würde?
Mal hören, was der Fremde wollte, schließlich gibt es ja die Türsprechanlage.....
(kleiner Hinweis:
Diese Kurzgeschichte steht im Zusammenhang mit meiner ersten Kurzgeschichte, zu viel will ich aber auch nicht verraten, nur soviel: Perspektivendifferenz)
Hoffe Euch gefällt dieser Teil
(Mal sehen wie es „weitergeht“).
Mit lieben Grüßen
Euer Sebastian (s.maki)
Andere Teile
(bisher veröffentlich:)
- die Dunkelheit (Teil 1)
- Verzweiflung (Teil 3)
- ...
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-04-04 16:51:38 mit dem Titel Verzweiflung (3.Teil der Kurzgeschichten von mir)
Hier der dritte Teil, bzw. die dritte Perspektive meiner Kurzgeschichte:
...
Er saß noch immer auf seinem Sitz, oder besser wieder.
Dieser Sitz, der ihm zuvor immer so sicher vor kam.
Dieser Sitz, der ihm wie ein treuer Thron war. Herrscher, ja so fühlte er sich manchmal auf ihm. Er war der Meinung alles kontrollieren zu können, die Macht der Fehlerfreiheit 100 %ig inne zu haben. Sicherheit war sein steter Begleiter.
Doch was war nun?
Was war passiert?
Er versuchte alles zu rekapitulieren, doch er versagte kläglich.
Alles an der er denken konnte war diese Frau, wie sie da lag. Ständig dieses Bild vor Augen. Sie wirkte so unberührt, so zart.
Und er, was hatte er getan? Wie konnte das passieren?
War er nicht immer diesbezüglich ein Vorbild? Nichts hatte er sich zuvor zu Schulden kommen lassen. War er den jetzt so unverantwortlich, war er inzwischen schon zu alt.
Mein Gott, eine Brille, aber sonst war er doch fit?
Was konnte er nur tun? Er war schuldig! Er hatte es vermasselt!
Und plötzlich war es ihm klar, er ist diesmal einer derjenigen gewesen, über die er sich selbst immer so aufregte, wenn er mal wieder von solch ähnlichen Ereignissen in der Zeitung las, im Radio davon hörte oder es gar im Fernsehen sah.
Er war so ein Idiot! Wie konnte er die Kontrolle verlieren, wie konnte ihm die im sichergeglaubte Macht entrissen werden? Wie?, Gott verdammt noch mal wie?
Tränen liefen ihm übers Gesicht, verzweifelt, innerlich schreiend, nach Luft haschend versuchte er sich zu beruhigen. Es gelang ihm nicht.
Er versagte kläglich, ständig das Bild vor Augen, diese paar Sekunden, diese Sekunden, in dem er so viel zerstörte.
So langsam begriff er was er angerichtet hatte, es ging alles so schnell. Verdammt schnell.
Doch wie, was hatte er falsch gemacht?
Alles denken half ihm nicht weiter, ständig das Bild in seinem Kopf. Dieses Bild, wie sie da so lag. Verdammt er war Schuld.
Nur mal einmal nicht aufgepasst, er war schuld.
Ihm, der doch so sicher war, dem nie ein Fehler unterlief, zwanzig Jahre schon nicht. Und jetzt hatte er mit dieser grausamen Folge versagt.
Sie versuchten ihr noch zu helfen, luden sie rasch ein und fuhren weg. Nur er blieb zurück.
Da waren noch die. Die, die ihm so sehr das Gefühl gaben, dass er schuld war. Aber sie hatten ja recht, er war ja auch schuld.
Die ganzen Fragen, die er ihnen beantworten musste. Nur eine fiel ihm jetzt noch ein, obwohl er sie erst gerade beantwortet hatte. Nur ein Frage fiel ihm ein noch ein: „Wie ist es passiert“
Verdammt noch mal, wenn er dies nur selber wüsste.
Sie versuchten ihn zu beruhigen. Ihn zu beruhigen, „dies gelang ihnen sehr gut“.
Natürlich am besten, in dem sie ihm Fragen stellten, auf die er selbst keine Antworten kannte.
Was ist mit ihr?
Gott, bitte helft ihr. Was ist wenn sie es nicht schafft?
Wieder dieses Bild, was sich in seinem Kopf einbrande. Ihm schien, als würde es alles andere aus seinem Geist löschen. Er schloss die Augen und wieder sah er es vor sich.
„Wir haben ihre Frau informieren lassen, sie kommt und holt sie ab.“
Was, wie?
Seine Frau, ja gut. Irgendwie musste er ja nach Haus kommen. Bloß weg von hier.
Hier wollte er auf keinen Fall bleiben. Er hatte das Gefühl, je länger er sich hier aufhielt, desto schwere wurde dieses Gefühl. Es schien ihn innerlich schon fast zu erdrücken.
Ja er wollte weg, weg von diesem Ort.
Wie ein kleines Kind hoffte er dadurch dem geschaffenem Unheil dadurch zu entkommen. Doch er wusste, dass was geschehen war konnte er nicht wieder gut machen.
Im grausamen Rhythmus wiederholen sich die quälenden Gedanken, dieses Bild, die Wut auf sich selbst, die Hilflosigkeit. Dieses Gefühl die Sicherheit und Macht verloren zu haben. Oder hat er sie den überhaupt je besessen?
Eine Hand berührte seine Schulter, er blickte auf.
Tränen zwangen sich ihm auf. Der Schmerz, die Wut, die Verzweiflung, die Ohnmacht, alles floss in vielen kleinen Tränen aus ihm. Doch es war als würde ein Fluss durch eine Nadelöse fließen wollen.
Seine Frau, nahm die Hand von seiner Schulter und legte sie ihm auf sein lichte werdendes Haar.
Er fühlte sich vor ihr noch nie so schwach, so hilflos und ohnmächtig.
War er nicht stets sicher und kontrolliert?
Alles schien in diesem Moment so weit weg, fast als wäre es nie da gewesen.
Wieder dieses Bild vom Geschehenen......
So ich hoffe Ihr bekommt die Kombination zu den anderen Geschichten (Teil 1 und 2) so langsam hin.
Wenn nicht geduldet Euch noch was, der vierte Teil wird sicherlich folgen............
(Versprochen)
Mit lieben Grüßen
Euer Sebastian
P.S.: Freue mich natürlich über all´ diejenigen, die mir etwas hinterlassen.
Die Übersicht:
(bisher veröffentlicht:)
- die Dunkelheit (Teil 1)
- Zwiespalt (Teil 2)
- Verzweiflung (dieser Teil)
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Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?
Pro:
s. Text
Kontra:
s. Text
Empfehlung:
Nein
Rammstein dröhnt aus den Boxen. Im Raum schwebt ein Gemisch aus Salbei, Eucalyptus, Vanille-Räucherstäbchen und kaltem Zigarttenqualm. Eine Kerze ist angezündet und verleiht dem Raum einen Touch vom Geheimnisvollen. Ich liege auf meinem Sofa und lasse die Stimmung auf mich wirken. Meine Wohnung sieht wieder einmal aus wie Chaos mit so vielen CD´s und Plastiktüten und Illustrierten und schmutzigen Socken und Tellern, dass ich den Fußboden nicht mehr sehen kann. Allmählich glaube ich, dass mit mir ernsthaft etwas nicht stimmt. Ich komme mir vor wie eine Montagsproduktion; so, als wäre ich völlig vermurkst vom Fließband gestiegen und meine Eltern mich besser reklamieren sollen. Aber das ist ewig her...
Was ich spüre, ist das Beängstigende des Erwachsensein, des Alleinseins in diesem riesengroßen Loft. Ich bin mir sicher, dass es keinen Fluchtweg gibt, dass ich nicht mal gehen kann ohne zu stolpern und hinzufallen und ich weiß, dass ich aus diesem Chaos raus will. Keiner wird mich jemals lieben, ich werde alleine leben und sterben, ich werde nirgendwohin gehen, ich werde nichts sein. Nichts wird gut werden. Die Verheißung, dass nach der Depression etwas Wunderbares beginnt, für das es sich lohnt, den Selbstmord zu überleben wird nicht in Erfüllung gehen. Alles nur ein großer Beschiss................
Scheiße, was ist denn jetzt los. Es ist doch noch dunkel draußen. Ich hasse es, wenn ich mitten in der Nacht aufwache. Dreh dich noch mal rum und penn wieder ein ... denk ich.
- `Wach auf!´
Was ist denn jetzt... hier ist doch keiner. Ach egal. Hallos hat man ab und zu.
- `Wach auf!´
Mensch, was soll das?? Ich schau auf die Uhr. 2 Uhr nachts. Ich taumel ins Wohnzimmer. Auf dem Tisch brennt ne Kerze und eine schwarze Gestalt sitzt auf dem Sessel und schaut zu mir hoch. Spinn ich jetzt total oder was?
- `Wie lange willst du dein beschissenes Leben weiterführen? Was bist du denn? Eine Tusse, die nichts auf die Reihe kriegt. Du baust nur Scheiße! Wer will denn noch was mit dir zu tun haben?´
Er redet weiter auf mich ein. Er beschimpft mich. Er macht alles schlecht, was ich mache, worauf ich stolz war... Ich bin fertig, kann nichts sagen, höre ihm zu. Wer ist das? Was läuft hier? Bin ich im falschen Film? Ich falle auf die Knie, fange an zu schreien er soll aufhören! HÖR AUF!!!!!!!!!!!!!!!
Ich schlag um mich, während er weiterredet. Er redet ruhig und ich schrei ihn an, er soll seine verdammte Klappe halten. Ich liege auf dem Boden meiner Wohnung. Ganz allein. Ich bin schweißgebadet und draußen fangen die Vögel an zu zwitschern.
Ein ganz normaler Tag beginnt für ganz normale Leute. Leute, die für das ganz normale Leben geboren sind. Keine großen Probleme außer vielleicht, wie sie ihre Hypothekenraten abbezahlen und wer ihre Waschmaschine repariert oder wer in der nächsten nervtötenden Gameshow gewinnt. Und oberflächlich sind sie auch noch... Das nenne ich Probleme!
Der Kerzenhalter steht neben mir, ein kleiner Kerzenstummel ist noch vorhanden und ist jeden Moment soweit zu verglühen. Ich halte eine Karte in meiner Hand. Es ist eine Tarot-Karte. Darauf ist ein Schimmel zu sehen. Auf dem Zaumzeug sind Totenköpfe abgebildet. Der Reiter ist in einer schwarzen Ritterrüstung. Das Gesicht des Reiters ist ein Totenschädel. Die Karte "Tod"!!
Mein Wecker klingelt wie verrückt und ich öffne die Augen. Meine Wohnung ist still abgesehen von dem Getöse meines Weckers. Ich richte mich auf. Die Karte liegt neben mir. Ich versuche mich zu erinnern, was passiert war...! Aber ich kann mich nicht erinnern. Ich kann es nicht. Warum liegt die Karte neben mir? Warum bin ich von Schweiß und Tränen durchnäßt?
Ich stehe auf, lasse Wasser in die Badewanne laufen und lege mich hinein. Das Wasser umspült meinen durchgeschwitzten Körper und die Kälte des Wassers läßt mich wieder einigermaßen klar sehen. Ich trockne mich ab, zieh mein schwarzes, langes Kleid an und stecke mir meine nassen Haare hoch. Als ich in den Spiegel schaue erschrecke ich. Ich sehe nicht mich. Ich sehe eine total angespannte, nervöse, kleine Tussi, die am ganzen Leib zittert... Ich brauch ne Zigarette!
Im Wohnzimmer liegt mein Buch auf dem Boden, daneben mein Füller. Ich zünde mir ne Zigarette an und nehme das Buch in die Hand. Dieses Buch ist das Einzige, worin ich meine Gedanken niederschreibe, ob ich Leid oder Kummer habe oder einfach nur sorgenfrei bin (was aber selten vorkommt). Meine Gedichte sind meine Schätze. Ich schlage das Buch auf und fang an zu blättern. Auf den letzten beschriebenen Seiten finde ich ein Gedicht, obwohl ich mich nicht entsinnen kann, wann und wo ich dieses geschrieben habe:
Gute Gründe gibt es nicht
wenn man sagt:
"Ich wär am liebsten TOT!"
Keiner kann sagen,
dass es normal ist,
wenn man sich umbringt.
Ich würde am liebsten aufhören,
meinen letzten Vorhang fallen lassen,
einfach ein Ende setzen.
Ich weine, obwohl ich nicht weiß warum!
Warum weine ich?
Weil ich nicht das habe, was ich will?
Weil ich nirgends akzeptiert werde?
Weil das Leben beschissen ist?
Meine Traurigkeit überspiele ich
mit einem Lächeln.
Meine Traurigkeit überspiele ich
mit meiner gestellten guten Laune.
Ich muss erst mit mir fertig werden
bevor ich neu anfangen kann zu leben,
aber ich werde nicht mit mir fertig.
Der Hass und die Liebe
sollten im Gleichgewicht sein.
Der Hass besiegt in mir die Liebe.
Der Hass auf mich
und meinen Mitmenschen.
Wieder weine ich!
Tue ich mir selber leid?
Habe ich Mitleid?
Ja, ich habe Mitleid mit mir.
Weil ich nicht anders kann.
Keiner kann mir helfen,
wenn ich mir nicht helfen lassen will.
Meine Sehnsucht nach dem Tod
ist schon viel zu groß.
Ich will noch eine faire Chance,
in der ich geliebt und akzeptiert werde
wie ich bin.
Ich habe das Gedicht signiert. Darunter ist klein geschrieben:
Schwarzer Mann, der Du mich in den Wahnsinn treibst.
Ich kann dir nicht ewig widerstehen
auch wenn ich es versuche....
Meine Trauer über mich selbst
und meine Sehnsucht nach Dir
wird irgendwann meine Willenskraft brechen
und mich zu dir bringen!
Ich nehme die Tarot-Karte in die Hand. Der "Tod" bedeutet nichts schlechtes, er bedeutet Veränderung. Vielleicht soll mir das ganze sagen, dass ich mein Leben ändern muss, bevor ich wieder glücklich sein kann. Wenn es das überhaupt für mich gibt. weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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frankensteins, 08.01.2009, 16:39 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
super geschrieben, macht sehr nachdenklich lg
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blackangel63, 18.08.2008, 22:12 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
LiEbE GrUeSsE uNd EiNeN sChOeNeN aBeNd WuEnScHe IcH dIr..AnJa
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Der Stern
Pro:
Hoffnung
Kontra:
Hoffnung
Empfehlung:
Nein
Einsam und alleine steht er am Himmel. Die anderen Sterne haben ihn schon längst verlassen im Kampf gegen die Wolken. Nur noch er kämpft gegen die graublauen Nachtwolken an. Aber er weiß, auch er wird von ihnen geschluckt werden, so wie alle anderen vor ihm.
Er sieht wie ihm eine junge Frau bei seinem Kampf zusieht, und sieht auch, dass sie ihm Kraft wünscht, alle Kraft, die er brauchen wird. Dabei braucht sie doch die Kraft, sieht sie denn nicht, dass er schon lange erloschen ist? Er ist mittlerweile unwichtig, andere haben seinen Platz schon längst eingenommen, aber das kann sie noch nicht wissen.
Sie schaut zu ihm auf, er ist weg. Jetzt ist sie ganz alleine mit ihren Gedanken, die sie jede Nacht um den Schlaf bringen. Die Gedanken beginnen zu rasen, zu rotieren, werden immer schlimmer, das Herz schnürt sich ihr zu, bis am Ende nur noch eine große Frage im leeren, nur von den Straßenlaternen erleuchteten Raum steht:
WARUM???
Warum ist sie nicht glücklich? Es gibt unzählige Menschen, die sie lieben und die sie liebt. Sie ist gesund, hat eigentlich alles was man sich nur wünscht, na gut, fast alles, aber andere sind auch ohne glücklich. Warum also sie nicht?
Sie denkt an ihren kleinen Sonnenschein, der wahrscheinlich gerade seine Eltern um den Schlaf bringt. Da, da ist er wieder, der Stern, nur ganz kurz, die nächste Wolke fällt schon wieder über ihn her.
So wie über sie wieder die Frage nach dem Warum herfällt. Sie fühlt sich dem allem nicht mehr gewachsen, wie es wirklich in ihr aussieht, weiß eigentlich keiner. Dass sie jede Nacht mit dem Gedanken einschläft nicht mehr aufwachen zu wollen, nur um am nächsten Morgen, doch wieder vom Wecker aus dem Schlaf geklingelt zu werden. Verdammt! Warum kann sie nicht einfach weiterschlafen, weiterschlafen, bis alles vorbei ist, so wie Schneewittchen. Das wäre doch nicht schlecht, einfach nur schlafen, und irgendwann von nem Prinzen wachgeküsst zu werden.
Warum kann das Leben gleichzeitig so grausam und so liebevoll sein? Der Stern sieht ihr wieder zu, zwar wolkenverschleiert, aber er schaut ihr zu, sieht wie sie eine Szene aus ihrem Lieblingsfilm nachflüstert: „wissen sie was das ist? Das ist mein Herz. Es ist gebrochen. Können sie es fühlen?“
Er fühlt es, würde ihr gerne sein ganzes Licht schenken, sie ist doch gar nicht alleine. Er ist doch bei ihr! Er sieht wie sie sich mit Tränen in den Augen herumwälzt und endlich versucht Schlaf zu finden. Er weiß, sie wird es nicht, sie wird noch lange wachliegen und über ihr Glück im Unglück nachdenken.
Schlägt sie den richtigen Weg ein? Tut sie das Richtige? Er sieht ihr die Qualen an, aber sie muss ihren Weg alleine finden, dabei kann er ihr nicht helfen, dazu fehlt ihm die Kraft. Aber er weiß sie hat die Kraft dazu und wird das alles überstehen, sie wird wieder aufstehen, und sie wird den richtigen Weg finden. Egal wie, egal wann und egal wo!
Sie denkt an ihn, und überlegt sich, dass sie eigentlich beide den gleichen Kampf kämpfen, den ums Überleben. Da meldet sich bei ihr wieder das schlechte Gewissen, sie kämpft ihn nicht, den Kampf ums Überleben, den kämpft gerade eine andere, ihr sehr liebe Person. Und es ist nahezu vorprogrammiert, dass sie ihn verlieren wird. Heilungschancen gleich Null.
Sie sagt ihm, dass er seine Kraft nicht an sie schicken soll, sondern an jene die sie wirklich brauchen. Sie kommt auch ohne seine Kraft klar. Aber er hat sie schon seit längerem beobachtet, weiß ganz genau, dass wenn er sie jetzt verlässt, sie sich wieder unendlich alleine in der Welt fühlen wird. Deshalb bleibt er bei ihr, wenn auch nur ganz schwach zu sehen.
Sie steht auf, sucht den Mond, mit dem hat sie schon oft geredet, ihm ihre Wünsche offenbart, mit ihm geschimpft wenn was nicht so geklappt hat, wie es klappen sollte. Sie ist ein kleines Mondmädchen. Aber heute nacht, heute nacht ist sie sein Sternenmädchen, denkt er sich.
Er flüstert ihr zu, dass der Mond heute nicht hier ist, dass sie ihren Kampf heute nur mit ihm kämpfen kann. Aber er wird ihr treu zur Seite stehen, so wie viele andere auch.
Sie schickt einen Fluch zu ihm hoch. Was bringen ihr die vielen, wenn sie den Einen, den sie gerne hätte nicht haben kann??? Ja, verdammt, sie wird geliebt, sie wird auch bewundert, aber welche große Schwester wird das nicht von der Kleinen? Klar, ihre Familie liebt sie, aber ist das nicht selbstverständlich? Das war doch schon immer so, und das wird doch auch immer so sein! Oder etwa nicht?
Es tut ihr leid, er weiß es, und er ist ihr auch nicht böse. Wie gerne würde er sie jetzt in den Arm nehmen, und ihr so Kraft geben. Er weiß wie sehr sie das braucht, aber es sind so verflixt viele Lichtjahre zwischen den beiden.
Er sagt ihr, dass sie versuchen soll, jetzt zu schlafen, morgen würde ein anstrengender Tag werden, und im Schlaf muss sie an nichts denken. Er würde auf sie aufpassen, und auch wenn sie ihn nicht sähe, er wäre immer bei ihr. Aber er sieht, wie sie Tränen in den Augen stehen hat, weiß, das sie vor 4 Uhr wohl nicht an Schlaf zu denken braucht. Aber er kann ihr nicht mehr helfen.
Ihr war nicht mehr zu helfen. weiterlesen schließen -
Das kleine Schaf
06.01.2003, 10:05 Uhr von
Rhodenberg
...............Willkommen in meinem Profil............. Was kann man zu mir sagen. Tja, Ich bi...Pro:
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Kontra:
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Empfehlung:
Nein
Es war einmal ein kleines Schaf das lebte in ihrer kleinen Welt. Sie wusste Ihr fehlte irgendetwas, doch was ? Sie fühlte sich so allein. Also machte sich auf die Suche nach jemanden der Ihr das Leben verschönern sollte. Sie war noch gar nicht lange unterwegs da traf sie den Wolf welcher Sie anhielt und sie fragte was Sie denn so alleine hier machte.
Mein lieber Wolf ich suche einen Partner der mich respektiert und beschützt, außerdem soll
er mich des Nachts wärmen und er muss mich lieb haben sagte das Schaf.
Der Wolf freute sich über so ein naives Schaf und er versprach ihr das Gewünschte und er und
das Schaf gingen in seinen kleinen Bau. Das Schaf war glücklich, endlich hatte sie jemanden gefunden der sie beschützte, respektierte und wärmte. Sie kuschelte sich an den Wolf und schlief glücklich und behütet ein.
Doch durch die Kälte der Nacht erwachte das Schaf. Die wärme des Wolfes fehlte Ihr. Als sie aufsah bemerkte das Schaf das der Wolf sie gerade fressen wollte. So schnell es ging flüchtete das Schaf und verschwand in den dunklen Wald wo es sich zitternd unter einem Busch versteckte. Der Wolf hatte Sie betrogen und benutzt. Sie fühlte sich schmutzig doch alles waschen half nicht um den Geruch des Wolfes los zu werden. Sie schlief traurig und unter Tränen ein.
Am nächsten Morgen ging Sie weiter. Es war ein warmer Tag und so vergaß sie die Angst für
Einen Augenblick. An einem Bach abseits des Weges sah sie einen großen Auflauf vieler Tiere. In der Mitte stand ein wunderschöner Pfau und spiegelte sein Gefieder in der Oberfläche des Wassers. Das Schaf sah dem Pfau eine Weile zu und nach einiger Zeit
fasste sie den Mut den Pfau anzusprechen. Sie dachte sich das ein so schönes Tier nicht schlecht sein konnte. Sie erzählte dem Pfau das Sie einen schönen Gefährten suchte der sie in der Nacht wärmte und Sie lieb hat.
Der Pfau schwor dem Schaf ewige Liebe und ein tolles Leben und das Schaf glaubte ihm.
Sie verbrachten wunderschöne Tage zusammen doch wärmen wollte der Pfau das Schaf nicht
Da er Angst um seine schönen Federn hatte. Nach wenigen Tagen war der Pfau gegangen, da das Schaf ihm zu langweilig geworden war. Das Schaf war traurig und es weinte viele Tage und wollte für immer alleine sein.
Da kam ein Esel des Weges und hörte das Schaf weinen. Er ging zu dem Schaft und schenkte dem Schaf seine Aufmerksamkeit und sein Vertrauen. Es war das wertvollste was das Schaf je bekommen hatte. Doch das Schaf hatte Angst wieder enttäuscht zu werden und so schickte es den Esel fort.
In der Nacht sah der Esel wie das Schaf fror und er legte sich zum Schaf um es zu wärmen.
Das ging viele Tage so und das Schaf merkte das sie nun nicht mehr fror. Sie fasste Vertrauen und erzählte dem Esel von Ihrer Begegnung mit dem Wolf und dem Pfau. Der Esel hörte dem Schaf lange zu und gab ihr seinen Respekt und seine Wärme. Nach langer Zeit hatte das Schaf allen Kummer vergessen und viele neue Freunde gefunden. Der Esel wärmte sie immer noch und er liebte sie wirklich.
Doch das Schaf hatte den Esel satt er war träge und plump und jemand der lange gewärmt wurde vergisst die Kälte. Sie sagte dem Esel das sie ihm nicht mehr liebte und ging zu Ihren
Neuen Freunden. Sie hatte die Wärme und die Liebe des Esels vergessen denn es schien ihr alles so normal. Der Esel trauerte und er schrieb einen Brief für das Schaf.:
Mein liebes Schaf,
viele Freunde und Spaß sind wichtig, aber gab ich dir nicht die Wärme und die Liebe die du brauchtest? Ich bin nur ein plumper, langsamer Esel aber ich versuchte immer mein Bestes für Dich.
Ich habe versucht dich glücklich zu machen und dir die schweren Lasten zu tragen.
Nun sag mir mein Schaf was hast Du vermisst das Du mich einfach verlassen hast.
Doch das Schaf hatte am Tage so viel Spaß mit ihren neuen Freunden und vergaß den Brief.
Erst in der kalten Nacht in Ihrer Hölle erinnerte sie sich an den Brief und als sie ihn lass wurde Ihr Kalt und sie erkannte das der große Esel recht hatte. Sie suchte den Esel überall doch der Esel war weg. Das Schaf war wieder allein, denn die Freunde blieben nicht ewig.
Nun mein liebes Schaf wer ist hier der wahre Esel weiterlesen schließen -
Mein erstes, selbsterdachtes Märchen
27.12.2002, 12:59 Uhr von
Just_Chriss
Hallo auch :) So viel Mühe ich mir da auch gebe, ich kann mich einfach nicht kurzfassen. Und...Pro:
öh... ist selbgeschrieben? ^^
Kontra:
gilt das noch als Kurzgeschichte?
Empfehlung:
Nein
Eigentlich sollte das mal ein Märchen für meine Nachhilfeschülerin werden (9 Jahre, entmutigte Leghastenikerin), aber irgendwie, na ja... gefällt mir von meinen Geschichten am wenigsten, denn als Märchen ist es wohl zu lahm und "moralisch" und wenig effektvoll, und als nicht Märchen teilweise zu... schlicht? Weiß nicht so recht.
Aber ich habe einige Zeit dafür gebraucht, es zu schreiben hat auch Spaß gemacht, und auch wenn ich die Geschichte selbst nicht für großartig halte, finde ich sie doch irgendwie ganz nett :)
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Sheilas Prüfung
Sheila war außer sich vor Wut. Sie schaute nicht links und schaute nicht rechts als sie durch den Wald lief. Das sie nicht gegen einen der Bäume rannte war mehr dem Zufall zu verdanken, als dass sie wirklich zeitig auswich. So war es keine Überraschung, als eine Wurzel das kleine Mädchen zu Fall brachte. Selbst wenn das Stück Holz nicht mit Laub bedeckt und zusätzlich knallrot angestrichen gewesen wäre, Sheila hätte sie nicht gesehen.
Wie ein kleines Häufchen Elend lag sie nun auf dem weichen Waldboden, das Gesicht im Laub verborgen. Der süßlich-muffige Geruch von Pilzen, Moos und toten Blättern drang in ihre Nase. Ein heftiges Niesen unterbrach ihr Weinen. Sie mochte weder den Geschmack noch den Duft von Pilzen . Unwillig setzte Sheila sich auf, zog die Knie an ihren Körper und umfasste ihre Beine. Sie schniefte leise. Ihre dunklen, schweren Haare zeigten wirr in alle Himmelsrichtungen, so wie immer; nur einige lockige Strähnen klebten diesmal in ihrem Gesicht und verdeckten die rotgeschwollenen Augen. Sheila hatte die Lippen hart zusammengekniffen, ihre Wangen waren nass und schmutzig und mit ihren verquollenen Augen sah sie mehr aus wie eine jener Teichkröten, als wie das kleine Mädchen, dass sie eigentlich war.
Ein leichter Wind suchte sanft seinen Weg durch die alten Baumriesen und umwehte Sheila kühl und stetig. Langsam erlosch die brennende Wut in ihr, nur Enttäuschung und Traurigkeit glommen weiter in ihrem Herzen. Sie hob ihren linken Arm und wischte sich mit dem Ärmel ihres neuen Hemdes Tränen, Erde und ein paar Ameisen aus dem Gesicht.
"Gemein! Sie sind alle so gemein!" verzweifelt ballte sie ihre kleine Hand und schlug mit der Hand auf den weichen Boden.
"Ich bin nicht dumm... Das ist nicht wahr." Erneut schlang sie die dünnen Arme um ihre Beine und stütze sich mit dem Kinn auf den Knien ab. Wieder musste sie schluchzen, als sie noch einmal über die vergangene Stunde nachdachte.
Bevor sie anfing, zu rennen, hatten Sheila und die anderen jungen Mädchen der 4. Klasse der höheren Schule für junge Magierinnen sich im oberen Stockwerk der alten Eiche versammelt.
Fräulein Ludkara, stellvertretende Direktorin der Schule und zugleich Lehrerin für angewandte Alchemie hatte ihnen als heutige Prüfung zur Aufgabe gemacht, aus einigen Metallen und Kräutern einen Spruch zu mixen, der es Regnen lassen würde. Keine von den jungen Schülerinnen fand dies besonders schwer. Es war eine Hausaufgabe gewesen, sich mit eben jenen Kräutern und Metallarten zu beschäftigen, so dass ein kleines Gewitter keine große Herausforderung war.
Sheila hatte die Hausaufgabe vergessen. Sie versagte als Einzige.
Hätte sie zugegeben, dass sie nicht gelernt hatte, hätte die Direktorin sie ernsthaft getadelt und ihre Eltern angerufen. Sheila hatte bereits drei Mal das Üben vergessen.
Dumm war sie ja nicht, nur ein wenig schusselig. Und ihre Eltern waren so streng.
Es war nur natürlich. Ihre Mutter war eine außergewöhnliche Hexe und ihr Vater ein bekannter Magier. So war es kein Wunder, dass alle nur das Beste von Sheila, Tochter so herausragender Eltern, erwarteten. Nun war Sheila nicht unbegabt oder schlecht, aber halt nicht hochbegabt. Und sie ließ sich viel zu leicht und viel zu gern ablenken.
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So war sie am Vortag so mit Träumen beschäftigt, dass sie das Lernen einfach vergessen hatte.
Ein weißer Schmetterling war immer wieder an ihrem Fenster vorbeigeflogen, und ihre Augen verfolgten ihn eine ganze Weile. Als der schöne Falter längst auf einem Löwenzahn am anderen Ende des Gartens saß, erlebten Sheilas Gedanken eine aufregende Reise über die sieben Weltmeere und durch gefährliche Dschungel und heiße Wüsten der Erde. Sie kehrte erst nach Hause zurück, als das Hausmädchen sie zum Essen rief.
Also stand Sheila heute nun vor den 12 anderen Junghexen; und mixte, unter den strengen Augen der Ludkara, hilflos verschiedene Kräuter und Eisen und Silber und eine Prise Gold zusammen, in der Hoffnung, der Zufall würde ihr helfen. Natürlich ging es schief, wie jedes Mal, wenn sie nervös wurde und versuchte, mit der Macht der Verzweiflung eine Aufgabe zu lösen, anstatt nachzudenken.
Das Gelächter der Mädchen traf sie mehr als jeder Tadel und jeder Besuch bei den Eltern das jemals gekonnt hätte. Mit einem gehässigen Lächeln schaute die Lehrerin auf Sheila herab.
"Dumm. Dumm und unbegabt. Jede Erdkröte hätte wäre eine begabtere Hexe als Du. Du bist eine Schande für die ganze Schule. Deine armen Eltern." Das Fräulein Ludkara mochte Sheila nicht. Die ältliche Lehrerin war neidisch auf das Können der Eltern. Sie selbst war eine mittelmäßige Zauberin, und es machte ihr Freude, das Kind zu demütigen. Aber das wusste Sheila nicht, wie hätte sie die Gedanken der Frau auch erahnen konnten - Gedankenlesen war erst Thema in der 6. Klasse.
So stand sie da, unglücklich. Selbst Belstar, die sie für ihre beste Freundin hielt, krümmte sich vor Lachen - das tat weh. Und die Worte der Lehrerin schmerzten nicht nur so stark, dass ihr übel wurde, sie machten sie auch wütend.
"Ich werde nicht weinen! Nicht vor Euch!" Mit viel Mühe schaffte sie es, die aufsteigenden Tränen zu unterdrücken, aber in ihrem Zorn fegte sie all die Zauberutensilien vom Tisch. Laut polternd fielen kleine Flaschen, Schachteln, Steine und Glaskästchen zu Boden. Die zerbrechlichen Materialien zerbarsten sofort in tausend kleine Stückchen. Eine Totenstille herrschte daraufhin, welches erst wenige Sekunden später von einem perplexen Schnauben Ludkaras unterbrochen wurde. Dieses Geräusch war für Sheila das Startsignal. Ohne weiter nachzudenken stürmte sie zur Tür und war auch schon verschwunden. Als sie die anderen nicht mehr anblicken musste, ließ sie ihren Tränen freien Lauf. Bald hatte sie sowohl Schulgebäude als auch Gelände verlassen, und ohne Ziel rannte sie in den Wald hinein.
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"Soll'n mich doch in Ruhe lassen..." Sheila hatte aufgehört, zu weinen, aber ihre Stimme zitterte immer noch ein wenig. Sie hatte mittlerweile eine ganze Zeit schweigend dagesessen.
Allmählich wurde ihr kühl. Mit einem Ruck stand sie auf und ging langsam weiter. Sie hatte nicht vor, zurückzugehen. Nicht, weil sie trotzig war -ihr kam es einfach gar nicht in den Sinn, weder wieder zu der Schule zurückzukehren, noch nach Hause zu ihren Eltern.
Gerade jetzt hatte sie nur die vergangene Situation vor Augen, und dachte darüber nach, was sie so fühlte.
"Warum kann ich nichts machen, wie ich will... ich will nicht mehr lernen..."
Sie empfand großes Mitleid für sich selbst, keiner verstand sie, keiner sah sie, wie sie war. Alle waren gemein, alle verlangten nur von ihr, keiner sah, wer sie war.
Sie folgte dem Rascheln, welches sie vor wenigen Sekunden gehört hatte. Es war nicht weit von ihr entfernt, doch drang nicht viel Licht durch die Baumkronen, so dass sie nicht allzu weit sehen konnte. Sie sah nach unten, vielleicht könnte sie so irgendwelche Spuren erkennen.
Spurenlesen, darin war sie sehr gut. Überhaupt kannte sie sich gut mit Tieren des Waldes aus.
Langsam beschleunigte sie ihren Gang, um der Ursache des Geräusches näher zu kommen. Kaum hörbare Geräusche, keine Spuren, das könnte vielleicht bedeuten, dass einer der selten gewordenen magischen Waldbewohnern in der Nähe war, vielleicht ein Einhorn, oder ein Pan. Insgeheim hoffte Sheila sogar auf eine Waldnymphe, eine Dryade, aber diese feenartigen Naturgeister hatte hier schon seit Jahrzehnten keiner mehr gesehen. Alle anderen hier in der Gegend heimischen Wesen hatte Sheila schon mal in Natura betrachten können, des wegen wäre eine Dryade eben was Besonderes gewesen. Und Sheila sehnte sich nach etwas Besonderem, wenn sie es selbst schon nicht war und das Leben immer langweiliger und unangenehmer wurde.
Als sie kurz etwas Weißes aufblitzen sah, machte sich wieder die altbekannte Enttäuschung in ihr breit. Also wohl nur ein Einhorn. Trotzdem folgte sie dem sagenhaften Wesen, ein Einhorn, das war doch besser als gar nichts, und im Grunde mochte sie diese würdevollen, Pferden auf den ersten Blick so ähnlichen Erscheinungen. Mit nur wenigen Metern Abstand trottete sie dem Einhorn hinterher. Es würde sie sowieso längst bemerkt haben, und da es nicht verschwand, schien es sich an Sheilas Gegenwart nicht zu stören.
Das Mädchen fragte sich derweil selbst ab, über das, was sie über Einhörner wusste.
Das vor ihr hatte ein Fell wie Schnee, aber eher wie welcher, der bereits zu Boden gefallen war, also war es mindestens zwei Jahrhunderte alt; die Farbe der Jüngeren war wie jene Flocken, die noch in der Luft tanzten. 200 Jahre war auch noch nicht sehr alt, versprach aber schon ein gewissen Maß an Weisheit und solide Kenntnisse der Magie. Noch ein bis zwei hundert Jahre, und die Zauber dieses Einhornes würden denen der meisten menschlichen Magiern weit überlegen sein. Für gewöhnlich setzten Einhörner ihre Fähigkeiten für den Schutz und Erhalt ihres Lebensraumes ein, in den meisten Fällen waren dies Wälder, unabhängig der Größe, sehr selten richteten sie Schaden an. Ob es jemals zu einem wirklich Kampf gab, auch unter Einhörnern selbst, war historisch nicht belegt, jene wenigen Geschichten, die Sheila darüber kannte, hatten eher den Charakter von Legenden.
Aber es war schon vorgekommen, dass einzelne Einhörner Menschen geholfen hatten.
Fälle, in denen armen Leuten zu Reichtümern verholfen wurde, oder aus alten Greisen wieder junge Burschen wurden, waren alberne Gerüchte und Wunschdenken, aber es gab erwiesene Geschichten, in denen zu unrecht Verurteilten oder Beschuldigten dank eines Einhornes Gerechtigkeit wiederfahren war oder bei Todkranken Schmerzen gelindert wurden.
Sogar eine verarmte Bergarbeiterwitwe, Mutter von 7 kleinwüchsigen Kindern, war vor etwa hundert Jahren bekannt geworden, als sie durch die Magie eines alten Einhornes von ihrer Blindheit geheilt wurde, so dass sie dann in der Lage gewesen war, ihre Söhne zu ernähren und so gut es ging in der Arbeit des Vaters zu unterweisen.
Sheila hatte für Rührung fast geweint, als sie diese Geschichte in Fabelkunde durchgenommen hatten, doch sie war auch ein wenig empört darüber, warum das Wesen nicht auch gleich die Kinder geheilt hatte oder dem Ehemann das Leben wiedergab.
"Meine liebe Sheila", hatte ihr Lehrer geantwortet, "jeder hat sein Schicksal mit in die Wiege gelegt bekommen, und es liegt an jedem selbst, das Beste daraus zu machen. Das war die Aufgabe der Kinder, nicht die des Einhornes. Es hat lediglich den Kindern etwas geholfen, in dem er ihnen durch ihre Mutter eine faire Chance gab, einen Weg zu finden, für alles andere waren sie selbst verantwortlich, und die Geschichte bewies, es war die richtige Entscheidung. Und nicht immer ist ein Makel wirklich ein Makel"
Sheila hatte verstanden, aber ganz zufrieden war sie trotzdem nicht.
Das Mädchen hielt in ihren Gedanken und Schritten inne, als das Einhorn vor ihr an einem Baum stehen blieb, um mit aller Vorsicht einige Blätter von den jungen Zweigen zu pflücken.
Sheilas Körper straffte sich, als sie einen Entschluss fasste. Mit eiligen Schritten steuerte sie auf das Einhorn zu.
"Du, Einhorn", sprach sie es mit trotziger Stimme an, eigentlich wohl wissend, dass dies nicht von dem nötigen Respekt zollte. "Ich will, dass Du mir hilfst. Bestrafe meine Lehrerin und sorge dafür, dass meine Eltern mich nicht mehr zu der Schule zwingen." Sofort wurde ihr bewusst, wie unsinnig und albern diese Forderung war. Hatte sie die letzte Stunde nachgedacht, so hatte sie jetzt ohne zu denken gesprochen. Im Nachhinein wollte sie aber vor dem weisen Tier keine Schwäche zeigen, und so streckte sie entschlossen ihr Kinn hervor und nickte trotzig, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. So stand sie da.
Als das Einhorn seine kleine Mahlzeit verzehrt hatte, drehte es sich zu dem kleinen Mädchen um, dem diese zitternde, viel zu hohe Stimme gehörte. Als es die kleine, schmutzige Person mit den zerrissenen Kleidern und wirren Locken ansah, stieß es ein kurzes, lautes Geräusch aus, welches in Sheilas Ohren wie das Echo von einer Mischung aus Wiehern und Lachen klang, das von tausend glasklaren Kristallspiegeln zurückgeworfen wurde. Unwillkürlich wich Sheila einen Schritt zurück, obwohl das Geräusch weder unangenehm noch unfreundlich war. Der Blick des Einhornes verriet sowohl Mitleid wie Belustigung.
"Wofür hältst du mich, kleines Hexchen, für einen Djinn? Und noch wichtiger", fuhr es mit seiner klaren, silbernen Stimme fort, "wofür hältst du DICH? Für den Meister eines Djinnes? Glaubst Du, so viel Macht zu besitzen, ein Wesen wie mich oder meinesgleichen zu befehligen?"
Sheilas blasses Gesicht wurde mit einem Schlag rot wie die scharlachfarbenen Rosen in dem Garten ihrer Eltern. Obwohl sie so einfältig und kindisch geredet hatte, verstand sie den Spott in den Worten des Einhornes. Natürlich war es kein Djinn, einer jener Luftgeister, die sich gerne einen Spaß daraus machten, Menschen zu dienen; und wenn sie, Sheila, genug Macht besitzen würde, über ein Einhorn zu herrschen, damit es sich wie ein Djinn verhielt, würde sie kaum die Kräfte eines Einhornes oder eines Djinnes brauchen, um ihren eigenen Willen zu bekommen.
"Ich sehe, Du verstehst." Wieder gab das Einhorn sein Lachen von sich.
"Du bist nicht so dumm, wie Du Dich verhältst, darum gewähre ich Dir das Geschenk des Zuhörens. Aber beginne sogleich und fahre ohne Umschweife fort."
Verblüfft starrte Sheila das Einhorn an. Sicherlich hatte sie nicht wirklich daran geglaubt, etwas von ihm fordern zu können, aber das sie von ihm dazu aufgefordert werden würde, von sich zu erzählen, damit hatte sie nie gerechnet. Wo sollte sie nur beginnen? Was überhaupt war es wert, dieser weisen Kreatur davon zu berichten?
Da sie es nicht wusste, war eines so gut wie das andere. Also berichtete sie dem schweigend zuhörenden Fabeltier, wer sie war. Sheila, 10 Jahre alt, Tochter großer Zauberer. Sie berichtete von diesem Morgen, an dem alles schief gelaufen war. Und als sie erst einmal angefangen hatte, zu erzählen, fiel es ihr so leicht, dass sie immer weiter redete. Bald hatte sie alles von sich gegeben, was ihre kleine Seele die letzten Wochen und Monate so beschäftigt hatte – die Schule, ihre Unlust am Lernen, die Erwartungen ihrer Eltern und die der Lehrer, die Ratschläge, Tadel und Ermahnungen, die sie nicht mehr hören konnte, die Vorschriften und Vorgaben, die sie nicht mehr lernen wollte.
Als Sheila geendet hatte, hatte bereits die Dämmerung eingesetzt. War es vorher schon nicht sonderlich hell hier gewesen, so war es jetzt duster. Sheila verstummte. Das Einhorn hatte sie an keiner Stelle unterbrochen, und auch jetzt betrachtete es Sheila, ohne ein Wort zu sagen.
Es vergingen einige Minuten, in denen die Beiden sich so ansahen. Rotgeweinte blickten in ruhige, unergründliche Augen, aus denen Wissen und eine ruhige Kraft strahlte.
Sheila wurde langsam unruhig. Sie erwartete irgendeine Reaktion, Verständnis, Trost, oder auch Kritik und Zurechtweisung, irgend etwas, alles wäre ihr angenehmer als dieses Schweigen.
"Was... was sagst Du nun, Einhorn?" fragte Sheila, und fing beinahe wieder an, zu weinen.
"Die sind doch alle so gemein! Sag mir, was ich tun soll!"
Mit ruhiger Stimme antwortete das Einhorn ihr.
"Nein. Das werde ich Dir nicht sagen. Und weißt Du, warum nicht?"
Sheila schüttelte den Kopf. "Nein, sag es mir." flüsterte sie. "Bitte..."
"Du hast mir eben erzählt, was Du nicht kannst und was Du nicht willst. Aber ich weiß nicht, was Du willst. Weißt Du es?"
Regungslos stand Sheila da. Sie begann zu überlegen. Richtig, sie hatte nicht gesagt, was sie will, und wirklich, sie wusste es selbst nicht genau. Oder doch? Ja, das Einhorn hatte recht. Wie sollte einer wissen, was sie tun sollte, wenn sie nicht einmal wusste, was sie überhaupt wollte! Sie setzte sich auf einen umgestürzten Baumstamm und betrachtete das Einhorn.
Als sie sprach, redete sie eigentlich mehr mit sich selbst, aber das Geschenk des Zuhörens schien ihr immer noch zu gehören, denn das Einhorn lauschte wieder ihren Worten.
"Was will ich... ich will... ich will..." Sheila runzelte die Stirn und versuchte, sich zu konzentrieren. "Ich will... Dinge tun, die ich kann! Zauber sprechen, die ich beherrsche, und nicht erst mühsam lernen muss! Ich will zwar nicht wie meine Eltern sein, aber ich will das sein, was ich bin, etwas, das zu mir passt. Ich will zwar keine gewaltige Magierin oder Hexe sein, ich brauch nicht von aller Welt geachtet zu werden, ich will auf mich selbst stolz sein, ich will, dass meine Eltern und Freunde stolz auf das sind, was ich bin. Das reicht mir. Ich will nicht an dem ganzen Erdball rumzaubern, mir würde ein Wald wie dieser schon reichen.
Ich will nicht über Elemente und Gezeiten herrschen, aber ich will das können, was es braucht, meine kleine Welt gut zu machen, und zu verstehen. Wie eine..." plötzlich wurde ihr klar, wie sie sein wollte.
"Wie eine einfache, kleine Waldhexe. Eine, die mit den Tieren spricht, die Bäume heilt und sich auf Kräuter und Pflanzen versteht." Sie schluckte. Der Gedanke kam ihr nun, da sie ihn ausgesprochen hatte, so verwegen vor.
Alle Vorzeichen hatten bedeutet, dass Großes aus ihr werden sollte. Eine einfache, kleine, eingeschränkte Waldhexe, daran hätte nie einer im Traum gedacht. Und doch, dies war das, was sie im Moment wirklich wollte. Sie war sich sicher, es entsprach auch dem, was sie wirklich gut konnte.
"Einhorn," wandte sie sich mit zaghafter Stimme an ihre Zuhörerin. "kannst Du mir helfen? Der Wunsch ist doch bescheiden..."
Ernst blickte das Wesen sie an.
"Sheila, kleine Hexe. Ich weiß, Du hast verstanden, dass es nicht an mir ist, Deine Wünsche zu erfüllen. Tu es selbst, und tu dafür, was nötig ist. Vielleicht wird eine Waldhexe aus Dir, vielleicht mehr, vielleicht weniger.
Lege ein Korn in die Erde, und er keimt, es trinkt, es wächst, es streckt sich, es durchbricht, so klein es auch ist, die Erde, in der es liegt. Dies ist harte Arbeit, und doch kann bisher keiner sagen, wird es ein Grashalm, wird es eine Blume, wird es eine mächtige Eiche. Was immer es sein wird, vorher steht das Werden, und das ist nicht einfach, und doch muss es sein. Und was immer aus dem Werden erblüht, es ist das Richtige."
Sheila nickte. Ja, so wird es wohl stimmen, sie kann nicht einfach den Teil überspringen, der sie zu dem machen sollte, was sie sein wollte. Sie musste zwar nichts Gewaltiges werden, aber sie musste erst einmal weit genug kommen, um überhaupt etwas zu werden. Niemand konnte ihr das abnehmen, so sehr sie es sich auch gewünscht hatte. Also würde sie zurück müssen, sich der Schule, den Lehrern und ihren Eltern stellen, und wenn sie erst einmal etwas war, könnte sie immer noch überlegen, mehr zu werden, oder ob sie zufrieden sein würde.
"Schade, dass das Einhorn mir dabei nicht helfen wird." dachte Sheila.
Später einmal würde sie erkennen, wie sehr das Einhorn ihr bereits geholfen hatte, und das ohne große Magie und Zauberei. Später einmal, sobald Sheila die Hexe aller Wälder sein würde, würde sie so manches eingesehen haben und andere unterweisen können. Aber bis dahin war es noch ein langer Weg und Sheila hatte noch Zeit bis dahin. Jetzt war sie noch dabei, den Weg zu finden.
Heute war Sheila zufrieden mit ihrer Erkenntnis darüber, dass sich die Schwierigkeiten, die sie im Moment hatte, auf jeden Fall einmal lohnen würden, schließlich hatte sie ihr Ziel nicht zu hoch gesteckt.
Es war nun fast stockdunkel, Zeit also, endlich nach Hause zu gehen und das Beste aus dem, was war, zu machen. Sheila drehte sich um, aber oh je, sie wusste nicht mehr, in welche Richtung sie zu gehen hatte. Zu tief war sie dem Einhorn in den Wald gefolgt, hier kannte sie sich nicht mehr aus.
"Nicht in Panik geraten", schalt sie sich selbst, "eine zukünftige Waldhexe hat schließlich keine Angst vor Wäldern!" Sie wandte sich also wieder um, aber das Einhorn war nicht mehr zu sehen.
"Einhorn! Bitte hilf mir! Wie komme ich wieder dahin zurück, wo ich jetzt hingehöre?"
Aus dem dunklen hörte sie eine Stimme wie aus großer Ferne.
"Schließe Deine Augen ganz fest und sag mir, was Du siehst."
Sheila kniff ihre Augen zusammen und beschrieb das Bild, dass sie sah.
"Einen Tisch... ein Fenster... einen weißen Schmetterling...."
"Dann kehre dorthin zurück."
Der kühle Wind verschwand, die Luft wurde wärmer und... stickig.
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Als ich die Augen öffnete, schlug ein kleiner Kohlweißling fröhlich seine Kapriolen vor der Fensterscheibe. Ich schaute ihm noch ein wenig zu, da war er auch schon von dannen geflattert. Wie schön wäre es, ihm jetzt folgen zu können. Leise seufzte ich, als ich widerwillige meinen Blick von der Scheibe löste und mich wieder über den Tisch beugte. Ich versuchte, Träumereien und andere Gedanken aus meinem Kopf zu verbannen und konzentrierte mich.
Doch so sehr ich an meinem Kugelschreiber knabberte, er schmeckte weder besser dadurch noch fiel mir auch nur der Ansatz einer Lösung ein. Ich schielte auf meine Armbanduhr. Seit gut zehn Minuten sitze ich nun über dieser Mathearbeit, ohne eine Zahl geschrieben zu haben, während die Hände meiner Mitschüler nur so über das Papier zu fliegen schienen. Sicherlich täuschte das, aber es kam mir so vor. Das war wohl wieder nichts, wäre ja nicht die erste 5 in Mathe, der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und ich auch. Aber auch alte Gewohnheiten können lästig sein, besonders, wenn in wenigen Monaten das Abitur ansteht.
In meinem Kopf suchte ich nach den Formeln, die ich eigentlich hätte können sollen, im Moment wäre ich schon mit Fragmenten zufrieden gewesen. Resigniert stellte ich fest, dass die einzigen Fragmente, die ich fand, Zeilen eines Liedes wahren, welches ich heute morgen im Bus mit meinem Walkman gehört hatte -
-When the last eagle flies
Over the last crumbling mountain
And the last lion roars
At the last dusty fountain... -
Ein schönes Lied, ohne Zweifel, nur passte es jetzt gar nicht und half mir leider kein bisschen weiter.
Mein nächster Seufzer veranlasste meinen Vordermann dazu, sich kurz umzudrehen und mir mitleidig zuzugrinsen. Noch 25 Minuten bis Ablauf der Zeit. Ungeduldig pochte ich mit der Spitze meines Stiftes auf die Tischplatte. 25 Minuten, Herrgottnochmal, ich kann doch nicht fast eine halbe Stunde früher diese Arbeit abgeben! Schon gar nicht als Erste, er würde sie dann gleich korrigieren, wie peinlich. Ich lehnte mich zurück und schaute wieder nach draußen. Langsam fing ich an, es zu bereuen, mich erst gestern Abend mit den Formeln beschäftigt zu haben, noch dazu so oberflächlich. Gewohnheit eben.
"Hm, selbst wenn, ich hätte eh nix kapiert, also, was soll's..." Und Vektoren im drei-dimensionalen Raum würde ich sowieso nie wieder brauchen, dafür würde ich schon sorgen, schließlich will ich kein Professor der Mathematik oder ähnlich Abgehobenes werden.
Ich schob den Stuhl zurück, stand auf und gab die halbfertige Arbeit ab. Bildete ich mir das ein, oder schaute der Kerl mich hämisch an? Egal, ich verließ den Raum und ging zum Bäcker.
Wieder hatte ich nichts gelernt weiterlesen schließen -
Wenn mein Solarium mit mir spricht
25.11.2002, 22:56 Uhr von
suwesmile
Ich liebe Gummibärchen, gelungene Kurzgeschichten, Humor, Ironie. Ich mag neues, interessantes un...Pro:
Schlaf-Feen???? ;)
Kontra:
Schlaf-Feen???? ;)
Empfehlung:
Nein
Das Solarium, das mich als treue Stammkundin kennt, wurde modernisiert. Es gibt neue Geräte hieß es da. Ich betrete den Laden und werde durch die Kabinen geführt, entscheide mich für ein Gerät, das dem alten, dem ich bislang vertraute, sehr ähnlich sein soll und lasse mir die Funktionen erklären.
Wunderbar. Schön viel Platz. Und ich kann vorher einstellen, welche Bräune mir vorschwebt. "Testen Sie man erst die mittlere Stufe. Wenn es nicht so richtig ist, dann nehmen wir das nächste mal die intensivere." wird mir empfohlen.
"Ah, Moment!" rufe ich noch, bevor ich mich in der Kabine einschließe. "Ich hätte gerne noch einen Kopfhörer zum Musik hören."
"Den gibt es nicht mehr."sagt die nette Mitarbeiterin. "Ist jetzt alles integriert. Nur bei diesem Gerät glaube ich, noch nicht. Habe ich zwar noch nicht selber darunter gelegen, aber..." derweil krabbelt sie in dem Gerät herum. "... aber nächste Woche ist das denn wohl auch drin." Na gut, denn ohne Musik. Werde ich auch überstehen.
Ich lege mich in dieses Monstrum. Natürlich habe ich zuerst ausprobiert, dass die Klappe nicht ganz zu fällt. Egal wie viel Platz da drin ist, auch wenn ich in dem Ding fast stehen könnte. Ein Spalt Luft muss frei bleiben.
Über mir funkeln Armaturen. Rote Knöpfe mit eindeutigen Bildern. Ein rotierender Ventilator zum Beispiel für die Luftzufuhr. Alles in Griffnähe. Ich muss mich nur ein ganz klein wenig strecken.
Schutzbrille habe ich natürlich auf der Nase. Dumm nur, dass ich durch die getönten Minifenster der Brille das rote Licht der Schalter kaum noch erkennen kann. Muss ich denn doch die Brille vorsichtig zur Seite schieben.
Ich versuche, den Startknopf zu betätigen. Bis ich den roten Pfeil auf rotem Untergrund einordnen kann, vergeht so einige Zeit. Plötzlich spricht eine Stimme zu mir: "Sie haben das Gerät manuell betätigt. Die automatische Startfähigkeit wurde somit nicht aktiviert." Aha.
Bin leicht irritiert. Immerhin bin ich im Solarium noch nie angesprochen worden. Das Gerät springt an und im selben Moment auch das Radio, das eigentlich gar nicht da ist. Im Verzeihen bin ich manchmal großzügig. So rege ich mich nicht weiter auf, freue mich an der Musikberieselung. Läuft auch grad keine Werbung oder Nachrichten auf dem Sender.
Mir wird schnell sehr warm. Und das auf mittlerer Stufe, geht es mir durch den Kopf. Ist ja merkwürdig. Da fällt mir auf, dass ich den Ventilator gar nicht angestellt habe! Ich ertappe blind den Knopf.
Da! Schon wieder die Stimme: "Sie haben die Luftzufuhr betätigt!"Ja, habe ich, denke ich kleinlaut. "Auf Plus, eine Stufe höher."höre ich weiter. Ich drücke noch einmal. Wieder höre ich: "Auf Plus, eine Stufe höher." Dann... Ruhe... Sekunden vergehen. Ich warte. Vielleicht kommt ja nun die Aufforderung die Rettungsweste anzulegen. Abrupt setzt die Musik wieder ein.
Ich zucke kurz zusammen.
Es ist immer noch zu warm. Ich tappe wieder nach dem Schalter. Damit mir aber nicht wieder der ganze Spruch des "Sie haben die Luftzufuhr betätigt. Auf Plus eine Stufe höher." entgegendröhnt, tippe ich schnell drei mal hintereinander auf den Knopf. Es kommt ein: "Sie haben die Luft... Sie haben die Luft... Sie haben die Luft..." und denn fast übergangslos wieder Musik. Toll! Man muss also nur schnell genug sein. Dann klappt das. Habe hier ja auch nicht endlos Zeit. 17 Minuten. Und ich weiß nicht, wie viel davon schon rum ist. Die Uhr über mir kann ich nicht erkennen. Auch rote Zahlen. Und die Brille auf meinen Augen schluckt das Rot immer noch sehr gut.
Man könnte fast sagen, dass ich nun entspannt liege. Ich streiche vorsichtig an meinen Beinen entlang. Mh, müsste ich auch mal wieder rasieren, denke ich so.
Mir fällt das Gespräch ein, das ich Tage zuvor mit einer Freundin führte. Ging um das Enthaaren. Dass Frauen aber auch immer soviel tun und machen müssen, um gut aus zu sehen, bzw. ihr gutes Aussehen auch zu pflegen.
Das mit dem Bräunen geht ja noch. Immerhin tut es nicht weh, man wird nur voll gequasselt. Aber das mit der Haarentfernung... Kennen Sie das? Ich habe das mal ausprobiert. Mit dem Wachs. Ist guuut!! Aber entschuldigt die Schmerzen auch nur, weil man Wochen ins Land ziehen lassen kann, bevor man nacharbeiten muss.
Wenn das man nur die Haare an den Beinen wären! Aber gibt ja noch mehr. Ich denke da so an das Schwimmbad, und dass mein neuer Bikini ganz schön knapp geschnitten ist. Sieht doch blöd aus, wenn er meine Figur vorteilhaft zur Geltung bringt und bei den Haaren keine Ausnahme macht. Da denn allerdings weniger vorteilhaft, sondern nur zur Geltung.
Wie gesagt, eine Freundin erzählte: "Wachs! Gar kein Thema. Alles sieht danach gut aus und du hast vier Wochen lang Ruhe."Na, toll! Für wie tapfer werde ich eigentlich gehalten? Scheinbar mehr, als ich mir jemals vorstellen konnte, rüber zu bringen.
Oder unter den Armen!? Ich schaudere! Tack, Wachs drauf, Klebepflaster drauf. Und dann? UH!!! Ne! Ich würde die restlichen Tage meines Lebens mit dem weißen Heftstreifen unter den Armen herumlaufen. Das tut doch weh!
"Aber du musst dir mal die Vorteile bewusst machen!" redete sie weiter. Mir egal, dachte ich mir. Da denk ich gar nicht weiter drüber nach.
Flupp! Macht es plötzlich, duster. Ich schrecke zusammen. Und schon wieder: Eine Stimme spricht: "Die Bräunungszeit ist beendet. Sie wurde automatisch nach 17 Minuten abgestellt. Wir hoffen, sie hatten einen angenehmen Aufenthalt. Besuchen Sie uns bald wieder."
Irritiert ist gar kein Ausdruck. Ich stehle mich, noch bevor die Stimme ihren Redefluss beendet, zu meinen Klamotten und sehe mich um. Werde ich vielleicht doch beobachtet? So ganz unbekleidet? Na, gebräunt bin ich ja.
Aber stellen Sie sich man vor, ich hätte die dusseligen Heftpflaster unter den Armen!
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-16 22:10:26 mit dem Titel Marktforschung - Voll dabei
Geld ist immer knapp und als mich letztens so ein Marktforschungsinstitut anrief, sagte ich spontan zu. 50,- Euro für ein paar Fragen beantworten..... warum nicht? Es ging um eine Befragung zum Verkauf von Bier in Dosen an der Tankstelle. Da bringt eine Brauerei eine Bierflasche aus Kunststoff auf den Markt. Jetzt geht es um die Forschung, ob Bier in Plastik ankommt, ob es sich neben anderen Biersorten in Dosen behaupten kann und was die Vor- und Nachteile so einer Flasche sind. Ich soll mich also an einen riesigen Konferenztisch setzen und warten. Der Interviewer kommt gleich, heisst es. Ich sitze da ganz alleine im Raum. Schon kommt der nette junge Mann, schiebt eine Flasche Bier zu mir über den Tisch, setzt sich und meint: "Trinken" "Bitte? Ich dachte, ich soll hier ein paar Fragen beantworten und mir nicht einen hinter die Binde kippen. Nee, der meint das ernst. Also, Bierflasche auf.... und? Gar nicht so einfach, viel zu weich das Plastik. Ordentlich mit der Hand zugedrückt, am Schraubverschluß abgerutscht und schon schnackelt die Flasche das erste mal zurück zum Absender über den Tisch. Ähem! "Kann ich es nochmal probieren?" "Ja, klar, die Flasche kommt frisch aus dem Kühlschrank, ist ein bisschen glitschig, entschuldigen Sie bitte." Na macht nichts. Neuer Versuch, diesmal Flasche abgewischt und ein Papiertuch um den Verschluß gelegt.. und ordentlich drücken, fest umdrehen, den Verschluß natürlich, und schon läuft das Bier mir über den Ärmel und auf die Hose. Scheisse! Soviel schon mal zu den Nachteilen. "Und nun trinken Sie bitte und beantworten Sie die Fragen auf diesem Bogen." "Wie? Beides gleichzeitig?" "Nein, nein. Erst trinken Sie, dann beantworten Sie. Ok?" Habe verstanden. Skoll! Und die Fragen beantwortet. Und? Richtig, nächste Flasche auf den Tisch, rüber geschoben und "Wie schmeckt Ihnen dieses Bier? Und was sagen Sie zu dieser Flasche?" "Jooh, kipp ich auch weg, kein Problem." Fragen beantwortet. Wieder das nächste Bier auf dem Tisch. Puuh, habe nicht gedacht, dass das hier eine praktische Übung in Tankstellentrinken wird, ach! Hau weg die Scheisse! Fragen nicht mehr soooo ganz einfach beantwortet. Vorteile des Biertrinkens? Grins.... "Kost ja nix, prost!"
Dann stellt er so zehn Flaschen nebeneinander auf den Tisch.... "Sie wollen doch nicht etwa? Oder?" "Nein, nein. Welche gefällt Ihnen am besten, welche fällt Ihnen auf?" Joah, ischa nun nich mähr scho einfach, nee! Aber, isch jeb mein Beschtes, ups. Holsten knallt am dollsten!" lallt es aus mir heraus. Der Test gefällt mir langsam. "Darf ich Sie nun in einen anderen Raum bitten, wir haben da noch einen anderen Test aufgebaut." "Kein Problem. Durch welche Tür ist es?" "Nehmen Sie einfach die einzige." Peinlich, peinlich. Dann führen Sie mich am besten mal nach nebenan. Boooar hab ich einen sitzen, aber werde ja dafür bezahlt! So, letzte Hürde, letzter Schluck, 50,- Euro in der Tasche und lustig vor die Tür.
Es ist jetzt 18 Uhr, stehe mitten in der Stadt mit 50,- Euro in der Tasche, stinke nach Bier auf der Hose und bin stink besoffen. Paah, leicht verdientes Geld, rülps, geiler Job gewäsen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-17 21:47:35 mit dem Titel Festiger im Haar - wahre Begebenheiten
Es gibt so Dinge, die will ich einfach mal loswerden. Sagen wir mal so: ich schreibe lediglich mal auf, was mich so in letzter Zeit beflügelt hat. Wenn ich jetzt 'beflügelt' schreibe, dann versuche ich schlicht und ergreifend ein Verniedlichungsform zu finden, um nicht ausfallend zu werden, okay?
Da kamen mir die Tage so zwei kleine Wesen entgegen, die ich in die Kategorie: ‚kenn ich irgendwoher, halten sich des öfteren in meiner Wohnung auf’ einordnete. Die Haare der beiden waren trocken, aber merkwürdig anzusehen. Es dauerte etwas, bis ich begriff, dass Haarfestiger auf ihren Häuptern klebte. Massenhaft und gut verteilt. Okay, okay, ich kann mir schließlich eine neue Tube von dem Zeug kaufen und kurzerhand das Problem der kleinen Wesen mit der Dusche lösen.
Doch was ist mit einer Tapete, die samt Isolierung zielgenau kaputt geschnitten wird? Und was machen die hyperteuren feuchten Domestostücher in der Schreibtischschublade eines kleinen Mädchens??? Mmh??! Sie lagern dort zum trocknen!
Sind ja nur ein paar klitzekleine Begebenheiten. Erlebe ich so dann und wann mal. Ha! Und letztens der Sprühkopf meines Deodorants : abmontiert und zweidrittel des Inhalts im Zimmer verteilt. Kann man gar nicht gegen an lüften. Und wenn meine Stimme daraufhin überreagiert, ist das mit dem offenen Fenster auch nicht so prall...
Sprechen wir man gar nicht von den diversen Kaugummis, die sorgfältig in
den Teppich gedrückt werden. Immer schön darauf bedacht, dass unterschiedliche Stellen als Klebepunkt verwendet werden, damit Abwechslung ins Spiel kommt.
Mal ehrlich, bin ich etwa pingelig? Habe keinen Sinn für Kinderhumor? Oder
besser ausgedrückt: dafür, dass Kinder sich "entwickeln" müssen und sollen;
und die Welt entdecken wichtig für sie ist? Mag ja alles sein, aber immer
auf meine Kosten!
Von den diversen Penatencreme-Veranstaltungen will ich ja gar nicht
sprechen! ... haben sie schon einmal versucht, das weiße Zeug aus den Haaren
zu bekommen? Das sollten sie einmal in der Werbung bringen! Wenn ein
Shampoo es auf Anhieb schafft, dagegen erfolgreich einzuwirken, das wäre d e r
Renner!
Kleine Mädchen und vorpubertäre Ansätze... fängt schon im ganz zarten
Kindesalter an. Da möchte zum Beispiel der Lippenstift ausprobiert werden! Er wird
um, nicht auf, die Lippen geschmiert. Und weil es eben so schön
schmiert, wird das restliche Zimmer gleich mitdekoriert. Zum Schluss
denn noch ordentlich den Reststummel Lippenstift fest in den Behälter gedrückt,
damit auch wirklich nichts mehr damit anzufangen ist, was auf den
ursprünglichen Sinn eines Lippenstiftes zurückzuführen ist.
Wenn ich denn daraufhin die restlichen Kosmetikartikel kindersicher verschließe, der Drang nach mehr aber nicht zu bremsen ist, denn wird statt Nagellack der dicke Edding 3000 verwendet. Natürlich der schwarze. Ist ja in! Und der hält! Vor allem so rund um den Fingernagel...
Sind ja nicht nur der Schönheitswahn und die Entdeckungslust. Nein, mitunter langweilen sie sich, solch kleine Wesen. Gaaaaanz gefährlich. Da ist doch so eine Kleiderstange, die harmlos in der Gegend herumsteht, um die frisch gebügelten Blazer, Kommunionskleidchen und diversen hochfeinen, empfindlichen Blusen aus dem zu engen Schrank fern zu halten, hervorragend dafür geeignet, um sich auch kreativ zu entwickeln. Wer ist am fingerfertigsten, und welche Ärmel passen farblich so gut zueinander, dass man sie fest miteinander verknoten muss? Schließlich braucht auch eine Mutter was zu tun, und bügelt natürlich gerne alles noch einmal... sofern sie alles wieder auseinander bekommt.
Ich hör schon wieder auf, sonst fallen mir noch die Slipeinlagen ein, die letztens an der Wand klebten. Weil da eben so ein leicht abziehbarer Klebestreifen dran ist.
Kinderleicht...
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-17 23:02:39 mit dem Titel Funkenflug - ein rasanter Urlaub
Es gibt so Tage, da läuft irgendwie nichts so, wie ich mir das vorstelle. Das ist an sich schon übel aber noch übler finde ich, wenn mich so ein Tag im Urlaub erwischt. Nehmen wir mal meinen letzten Urlaub.
Wetter klasse, Strand herrlich weiß und das Meer.... einfach schön. Die Zeit zieht an mir vorüber, angefüllt mit Erholung, Spaß und Sonnenschein. Und so trifft es mich auch nicht all zu hart, als am zehnten Tag sich das Wetter nicht so urlaubsmäßig zeigt, wie ich es erwarte. Ich bin zwar ein Gewohnheitstier, kann mich aber auch unheimlich flexibel zeigen. Und so bleibe ich an diesem Morgen ganz spontan im Bett und beschließe, Wetter, Wetter sein zu lassen, mir ein Buch vor die Nase zu klemmen und zwischendurch ein Nickerchen einzulegen.
Ich lasse mich durch nichts stören. Wirklich durch nichts. Kein Radio dudelt, nicht einmal das Meeresrauschen dringt an meine Ohren und Frühstücksgelüste werden unterdrückt.
Ich beschäftige mich ausgiebig mit meinem Nichtstun....als es unangenehm pocht. Nein, nicht in meinem Kopf, von wegen der Abend vorher war süffig - nein es pocht an der Tür. Finde ich überhaupt nicht gut. Und ehrlich gesagt, es nervt. Nun wäre es ja ganz einfach dem Pochen ein Ende zu setzen. Ich müsste lediglich aufstehen und die Tür öffnen. Da es sich aber nur um das Zimmermädchen handeln kann, nehme ich es ihr nicht weiter übel. Sie will ja nur ihren Job tun. Irgendwann hört es auf und ich schlummere noch einmal ein.
Da klingelt plötzlich das Telefon. Wer hat diese Apparate nur erfunden, frage ich mich. Ich habe Urlaub!! Brummelig nehme ich den Hörer ab, weil sogar mir klar ist, dass das Klingeln somit schneller abgestellt wird. Die Rezeption. Na, klasse Hotel, denke ich, die sorgen sich um mich, weil ich noch nicht gefrühstückt habe. Schon setze ich mit meiner Bestellung an, da werde ich unterbrochen. Ob Senora nicht gedenkt, heute ab zu reisen. Die Frage als solche finde ich einfach nur unverschämt. Ich stelle unmissverständlich klar, dass mein Urlaub noch nicht zu Ende ist, und übermorgen kann das Zimmer gerne wieder belegt werden, füge ich noch großzügig hinzu. Ich höre eine Entschuldigung und lege zufrieden auf.
Doch irgendwie lässt es sich nicht mehr so ruhig herum gammeln. Nur, um dem Tag einen Sinn zu geben, stehe ich auf und suche das Ticket heraus. Ich lächele und suche siegessicher das Abflugdatum. Muss ich eigentlich noch berichten, dass mir sämtliche Gesichtszüge etwas unschön entgleiten?
In diesem Moment wird mir schlagartig bewusst, eine Zehn-Tage-Reise, statt der gewohnten Zwei-Wochen-Tour gebucht zu haben. Ich schlucke ...und schlucke noch heftiger, als mein Blick auf die Uhrzeit des Abflugs fällt; überlege blitzschnell, ob es möglich sei, in so jungen Jahren einen Herzinfarkt zu bekommen. Zwei Stunden bis zum Abflug!!!!!
Ich schaue mich in meinem Zimmer um. Das sieht eigentlich aus wie immer, wenn ich im Urlaub bin. Sämtliche Klamotten flächendeckend verteilt, das Bad zeigt, dass es permanent benutzt wird, und...
...na ja, innerhalb der nächsten fünfzehn Minuten stelle nicht nur einen Rekord im Packen auf, sondern auch darin, das Zimmer schneller auf zu räumen, als es mir jemals zu Hause möglich schien. Ich stopfe alles in meine Reisetasche, hechte zur Rezeption und verlange sofort ein Taxi. Das kommt denn auch ziemlich schnell. Es dauert gut eine Stunde Fahrzeit bis zum Flughafen. Allerdings nur unter der Bedingung mindestens 160 Stundenkilometer zu fahren und einer Motivationsvariante von umgerechnet 50,- Euro Trinkgeld.
Ich rase ins Flughafengebäude, erhalte meine Platzkarte und sprinte weiter ins Flugzeug. Erleichtert lasse ich mich auf meinen Sitz fallen. Na, das ist ja noch einmal gut gegangen. Eigentlich schade, den Urlaub so abrupt zu beenden,.... und dann, kurz bevor das Flugzeug beschleunigt, schießt mir noch durch den Kopf: wie ein Funken so schnell bin ich hierher gedüst, aber sind wir nicht zu zweit in den Urlaub geflogen........?????
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-18 13:41:53 mit dem Titel Außerirdische
Ein UFO, und das am frühen Morgen schoss es mir durch den Kopf. UFO? Hä? Denken Sie... na ja: Es dröhnte, es hämmerte, ich konnte es nicht einordnen. Ich fühlte mich bedrohte; eine unbekannte Macht. Was war das? Es schrillte und ich kam langsam zu mir. Öffnete meine Augen. Wurde ich entführt? Wo war ich?
Mein Wecker. Es war nur mein Wecker, der mich so grausam aus den Tiefen der schönsten Träume riss. Und das gnadenlos. Also ehrlich! Manchmal finde ich ihn einfach unverschämt. Ist ja man nicht so, dass ich grundsätzlich Schwierigkeiten hätte, morgens aus den Federn zu kommen. Aber mitunter habe ich das Gefühl, eine unbekannte Macht hat einfach die Zeit verkürzt und lässt mich schier verzweifeln, weil mein Körper, meine Augen mein ganzes ICH nicht darauf eingestellt sind, sich dieser unmöglichen Uhrzeit anzupassen.
Nun gut, ich will nicht übertreiben, und sicherlich kann so manch einer nachvollziehen, was mich manchmal an Außerirdische glauben lässt. Doch was ist, wenn sie mich permanent verfolgen? Zum Beispiel mein Toaster. Ich stecke ein harmloses Toast hinein, um es leicht zu rösten und mittels Einstellung den bräunlichen Ton zu programmieren, der mir vorschwebt. Und was passiert? Entweder es kommt blass zum Vorschein oder hüpft mir aggressiv und tiefschwarz entgegen. Dabei lasse ich den Regulierungsknopf immer auf der gleichen Stufe! Ist doch nicht normal! Nun will ich nichts davon hören, dass evtl. der Toaster hin ist. Habe ich erst ausgetauscht, gar nicht lange her! Und? neuer Toaster = gleiches Dilemma.
Oh nein! Ich bin nicht technisch unbegabt. So schwierig kann es ja wohl nicht sein, so einen ollen Toast zum Frühstück schmackhaft hinzubekommen. Außer... es ist ein außerirdischer Toaster. Ja! Hat sich mit meinem Wecker verbündet. Wollen mich fertig machen die zwei. Aber nicht mit mir! Ich habe dem Wecker getrotzt und bin aufgestanden. Und ich habe meinen Hunger gestillt... mit was für einem Toast auch immer!
Der Tag ist meiner, er kann nur besser werden. So denke ich mir und mit einem Lächeln auf den Lippen und einer Portion Optimismus, soweit es die frühen Morgenstunden zulassen, trete ich ihm entgegen. Dem Tag.
Doch ich habe die Rechnung ohne die Außerirdischen gemacht. Wenn die nämlich einmal beschlossen haben, einen zu verfolgen, mich zu verfolgen, dann ziehen die das konsequent durch. Und erzählen Sie mir nicht, das gibt es nicht! So ein Blödsinn! Warum dann bitteschön, lässt der Akku meiner elektrischen Zahnbürste genau dann nach, wenn ich den Mund voll Zahnpasta habe? Obwohl das Biest, der Akku, die ganze Nacht auf dem Ladegerät steckte? Hm? Und mein Fön? Pufft nur, bevor ich einen unangenehmen Geruch wahrnehme, der mich ganz schnell die heiße Luft abstellen lässt.
Kann ich ja noch froh sein, dass die Dusche sich wohl in einem Streik gegen Außerirdische befand und mir ihr warmes Wasser nicht verwehrte. Muss man sich mal vorstellen: Alles an einem einzigen ganz frühen Morgen und ich lächele immer noch. Sollen sie mich doch mal, die Außerirdischen! Mit mir nicht! Es ist schließlich nicht Freitag, der 13.!
Mit einem trotzigen Blick in den Augen stolziere ich zur Arbeit. Da können sie mir nichts. Vorsichtig öffne ich die Bürotür, schaue zu meinem Schreibtisch. Na also! Alles wie immer. Harmlos lungern ein paar unbearbeitete Akten neben meinem Computer und ich beschließe den Trotz zu verdrängen, lasse mich auf den Stuhl gleiten und den Tag weiter angehen. Und es geht! Als ich Feierabend habe, atme ich tief durch, grinse gehässig und weiß, sie sind arbeitsscheu, die Außerirdischen. Da lassen sie mich in Ruhe. Ha!
Ich bewege mich behände Richtung Ausgang der Firma, als mir jemand den Teppich unter den Füssen wegreißt. Was heißt hier jemand? Außerirdische! Sie sind da! Sie verfolgen mich noch immer. Haben doch tatsächlich gewartet, bis ich mich in Sicherheit wähnte. Auch wenn die nette Frau am Empfang meinte, dass es wahrlich unmöglich sei, bei diesem nassen Wetter, so rutschunsichere Matten an die Tür zu legen. Sie weiß ja nicht, dass die Außerirdischen mich heute verfolgen. Sie haben mich auserkoren! Oh, mein Gott!
Hastig schlage ich den Weg nach Hause ein. Was ist, wenn sie dort schon auf mich lauern? Hämisch grinsend in Wartestellung. Sie wollen mich fertig machen! Nein! Nicht mit mir! Wie gesagt. So schaue ich nicht einfach unbedarft und nebenbei in meinen Briefkasten. Geduckt schleiche ich mich vorsichtig ran, stecke meinen Briefkastenschlüssel ganz langsam in das kleine Schloss... und schon fällt mir die Klappe des Kastens mit einem Ruck entgegen, klemmt mir den einen Finger ein und ein Außerirdischer pfeffert mir die Briefe und Reklamesendungen um die Ohren. Dieser gemeine Fiesling hat sich auch noch mit dem Wind verbündet. Meine Post flattert durch die Gegend, ich haste hinterher und als ihnen, den Außerirdischen, das Spiel zu langweilig wird, landet alles in einer großen Pfütze.
‚Verdammte Scheiße!’ schreie ich aus vollem Hals.
Mein Nachbar schaut aus der Tür, schüttelt den Kopf und murmelt etwas vor sich hin. Hört sich an, nach: ‚Die von nebenan spinnt schon wieder rum.’ und will wieder ins Haus gehen. Das finde ich gemein! ‚Das sind die Außerirdischen!’ rufe ich. ‚Sie verfolgen mich schon den ganzen Tag! Ich weiß nicht wie ich sie loswerden soll!’
‚Martha!’ höre ich ihn seine Frau rufen. ‚Das musst du dir mal ansehen.’
Schnell verschwinde ich in meiner Wohnung. Knalle die Tür hinter mir zu, lehne mich heftig atmend von innen gegen sie. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Ich muss sie loswerden. Hektisch blicke ich um mich. Nichts zu sehen. Ich schleiche in jeden Raum. In meinem Schlafzimmer kann ich meinen Wecker nicht entdecken. Sie haben ihn mitgenommen! Entführt! Einen einst harmlosen Wecker. Für 5,99 Euro mal vor Jahren bei Aldi gekauft. Oh nein, wie furchtbar.
Ich stutze. Was wollen die Außerirdischen mit meinem Wecker? Lösegeld erpressen? Mich jeden Morgen fertig machen, weil sie die Macht nun über mich haben? Ich hetze in die Küche. Auch mein Toaster ist weg. Sie wollen mich wahrhaftig verhungern lassen, schießt es mir durch den Kopf. Mein Blick irrt weiter herum. Ich raufe mir die Haare. Da kommt mir der Gedanke, dass die Außerirdischen wahrscheinlich auch meinen Fön mitgenommen haben. Damit sie ihn jeden Morgen, wenn ich mir die Haare zu fönen gedenke, soweit präparieren können, dass mir von dem unangenehm angebrannten Geruch ganz schwindelig wird und sie mich so langsam in ihre Gewalt bekommen. Nein! Nein! murmele ich immer wieder verzweifelt vor mich hin. Ich bin nicht mehr in der Lage aufrecht zu gehen, knie mich hin und robbe auf allen vieren durch meine Wohnung Richtung Tür. Ich muss hier raus. Ich muss die Leute warnen. Und ich werde mir einen anti-außerirdischen Toaster und einen anti-außerirdischen Wecker und einen anti-außerirdischen Fön kaufen. Dann werde ich mich hinter der Wohnungstür verschanzen, ihnen auflauern und sie mit ihren eigenen Waffen schlagen. ‚Ha! Ha!’ gröle ich vor mich hin. Sehe mich schon vollends ausgerüstet und bewaffnet sie überraschend zur Strecke bringend, als mich die Klingel auffahren lässt.
‚Oh Gott’, entfährt es mir ein weiteres mal. Sie sind schneller als ich, sie haben meine Gedanken gelesen, wissen, dass ich mich von ihnen nicht fertig machen lassen will und nun klingeln sie hier und fahren schweres Geschütz auf.
Ich rappele mich auf, versuche mein Haar ein wenig zu richten, streiche mir über mein Gesicht, setze den trotzigsten und willensstärksten Blick auf, der mir gelingt; reiße die Tür auf. Vor mir steht der Hausmeister. Und wieder: ‚Oh Gott!’ sage ich. Und denke blitzschnell: ‚Auch ihn haben sie bestimmt für sich vereinnahmt.’
‚Meine Jüte, Frau Schaluppe...’ sagt er zu mir. „Sie sehen aber jar nich jut aus. Dat Wetter, wa? Dat Pieselwetter macht einen ja auch janz schon mürbe. Wollte ihnen nur kurz Bescheid jeben, dat wir die Nacht nen Stromausfall hatten. Jetzt spinnt die janze Elektrik. Denken se sich ma nix dabei, wenn was nich janz so hinhaut heute. Wollte den Schaden reparieren. Bin noch nicht dazu jekommen. Aber morgen früh läuft dat alles wieder. Denn machen ses mal jut. Tschüüß.“
Ich schließe völlig fertig die Tür. Sinke in mich zusammen. Mein Blick fällt zur Ablage auf der Kommode. Dort liegen Wecker, Toaster, Fön. Hatte ich heute morgen dort abgelegt.
Ich glaube, mein hysterisches Lachen muss selbst bis zu Martha durchgedrungen sein.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-02 14:49:57 mit dem Titel Ein toller Tag
Ein toller Tag
"Nu komm schon, Trude, trau dich!" Herbert winkte seiner Gattin zu. Sie war skeptisch. Was sollte das denn? Ihr Herbert hatte sich einfach so mir-nix-dir-nix ein Auto ausgeliehen. Sollte eine Überraschung sein. Er kam nach Hause, trat in die Küche und meinte, es wäre Zeit, mal etwas verrücktes zu unternehmen. Nun ist die Tatsache an sich, sich ein Auto auszuleihen um damit den ganzen Tag in der Gegend herum zu fahren nichts besonderes. Für Herbert aber schon. Und für Trude erst recht. Beide waren nicht mehr die Jüngsten, teilten sich ihren Alltag miteinander und mieden jede Art von Aufregung. Will heißen: es gab weder Hochs noch Tiefs in ihrem Leben.
Und nun das. Trude sträubte sich. Das war etwas, das sie nicht einordnen konnte. Mit dem Küchentuch in der Hand strich sie nervös über den Tisch, dann sich wieder über die Stirn. Herbert stand strahlend vor ihr und fand, dass "das überhaupt die genialste Idee sei, die er jemals gehabt hatte." Er schob Trude aus der Küche, bugsierte sie umständlich ins Schlafzimmer, öffnete ihren Kleiderschrank und sagte: "Los, Trude, zieh dir was flottes an!" Trude klappte der Unterkiefer herunter. Sie schaute an sich herunter, dann in den Spiegel, der neben dem Schrank hing. Dort blickte ihr ein etwas aus der Form geratener Frauenköper entgegen. Mächtiger Busen, eine wogende Hüfte, kurze dicke Beine und mindestens drei Taillen, so sehr sie sich auch streckte.
Trude lächelte gequält. "Herbert!" setzte sie an. "Was meinst du denn was sich in diesem Schrank hier befinden sollte, das mich flott aussehen lässt?"
Herbert schlug sich auf die Oberschenkel, er lachte. "Du hast recht! Nichts kann dich flotter machen, als dein Küchentuch in der Hand!" scherzte er. Trude verzog ihr Gesicht. Er aber nahm sie am Arm und schaute ihr liebevoll in die Augen. "Komm! Dann haben wir wenigstens ein Ziel. Wenn du meinst, du hast hier nichts flottes anzuziehen, dann fahren wir los und kaufen wir dir etwas!"
Und bevor sie sich eine Antwort überlegen konnte, schob er sie aus dem Schlafzimmer hinaus. Nach draußen vor das Haus. "Schau!" meinte Herbert. "Wie findest du ihn?"
Sie standen vor einem metallic grün glänzendem überdimensional großen Geländewagen; riesige Räder, eine Ladefläche, auf der man wahrscheinlich eine ganze Herde Tiere unterbringen konnte.
Wäre Trudes Unterkiefer in der Lage gewesen, noch weiter herunter zu klappen, hätte er es sicher getan. So aber hing er da unten, sehr weit unten, und Trude sagte gar nichts mehr. Sie schaute ihren Herbert an. Der nickte, machte eine einladende Handbewegung und öffnete galant die Beifahrertür. "Bitte einsteigen." flötete er.
Unschlüssig drehte sich Trude vor der geöffneten Tür. Sie schaute zum Sitz, der sich ungefähr in der Höhe ihrer Hüfte befand. "Wie soll ich denn da reinkommen?" Herbert umfasste ihre breiten Hüften und meinte: "Ich helfe dir." Trude griff nach einer Halterung, die an der Tür befestigt war und versuchte sich hoch zu ziehen. Herbert schob sie von hinten, wurde puterrot im Gesicht und ächzte verstohlen. Er drehte sich, stemmte seinen Rücken gegen ihr Hinterteil, wurde noch roter im Gesicht, ächzte nun hemmungslos und schob, als ginge es um sein Leben. "Hepp!" rief er mit letzter Kraft und Trude war im Wagen. Zwar nicht gerade in optimaler Sitzposition, sie hing bäuchlings über dem Polster, aber immerhin war sie drin. Schnell schlug Herbert die Tür zu und lief um den großen Wagen herum. Behände schwang er sich auf den Fahrersitz, griff Trude unter die Unterarme und zerrte sie weiter ins Wageninnere. Sie schlug mit der Stirn auf die Kupplung, stöhnte und wollte schon zu einem Fluch ansetzen, als Herbert ihr zurief: "Du machst das richtig klasse! Ich bin stolz auf dich."
Nehmen wir es als Motivation, die Trude gerade jetzt nötig hatte, jedenfalls schaffte sie es, sich aufrecht hin zu setzen und einen Blick durch die Frontscheibe zu werfen. "Boh!" entfuhr es ihr ganz ungewohnt, "ist das... also das ist ja..." "Geil!" rief Herbert. "Ich meinte hoch." Trude versuchte einen missbilligenden Blick aufzusetzen, schmunzelte aber dann und meinte: "Jo! Es ist geil! Fahren wir jetzt los?"
"Ach Trude," lachte Herbert, während er den Zündschlüssel drehte, "jetzt weiß ich auch wieder, warum ich dich vor 35 Jahren geheiratet habe."
Trude versuchte in einem Anflug von Kessheit die Beine übereinander zu schlagen. Sie stieß mit ihrem Knie gegen das Handschuhfach und zog ruckartig ihr Bein zurück. Herbert schaute kurz zur Seite. Er achtete auf die Straße, in die er gerade abbog, tätschelte dabei Trudes Bein. Nun war das gerade jenes, welches anfing leicht an zu schwellen. Trude litt schon Jahre unter Wasseransammlungen und der kurze Stoß trug schon ein wenig dazu bei, ihre gute Laune kurzfristig zu drosseln. Sie schob Herberts Hand weg, versuchte tapfer zu lächeln und schaute sich im Auto um.
"Was ist denn das hier?" Sie zeigte auf einen kleinen roten Hebel. "Oh. Der ist zum... Halt! Stop! Warte!" Da hatte ihn Trude auch schon in der Hand. "Sorry, ich wollte ihn nicht abreißen. Habe doch wohl auf meine alten Tage noch mehr Power, als ich dachte. Was passiert denn jetzt?" Herberts Mine verdüsterte sich ein wenig. Das Verdeck, eine einmalige Sonderausstattung des Geländewagens und absoluter Prototyp, fing an leicht zu surren und sich sachte zu öffnen. "Wow!" rief Trude. "Ist das ein Cabrio?" Sie staunte. Aber nur kurzfristig. Ihre Haare wirbelten auf, der Wind blies ihr ins Gesicht und sie kniff ihre Augen zusammen. Sie waren inzwischen auf der Schnellstraße, etwa bei Tempo 150. "Mach das wieder zu!" schrie sie. "Ich fliege sonst weg!" Leichte Hysterie schwang in ihrer Stimme mit.
"Das geht nicht!" schrie Herbert zurück. "Du hast den Hebel in der Hand. Versuche, ihn wieder anzubringen, sonst bleibt das Verdeck offen." "Ich?!" Trude schaute auf den Hebel in ihrer Hand. Sie wusste nicht was sie machen sollte. Aber sie begriff, dass sie verantwortlich zeichnete für die ungewollte und heftige Frischluftzufuhr.
Mit der Zunge im Mundwinkel griff sie zur Mittelkonsole, dort wo kurz zuvor noch der Hebel steckte. Mühsam rückte sie ein Stück weiter nach vorne. Sie tastete mit ihren dicklichen Fingern an der Konsole entlang, fühlte ein Loch und versuchte, den Hebel dort hinein zu stecken. Es "ploppte" ein wenig dann rutschte der Hebel zwischen die Sitze. Trudes Finger steckte noch in dem Loch. "Herbert! Halt sofort an!" "Was ist denn Trude? Funktioniert das nicht mit dem Hebel? Dann lass es eben. Fahren wir halt offen."
"Mein Finger! Herbert! Dieser Scheiß Hebel interessiert mich nicht. Ich will meinen Finger wieder haben." Sie schluchzte auf. Das war zuviel. Herbert schaute kurz zur Seite, zu Trude, dann wieder nach vorne, konzentrierte sich auf die Straße. "Ich kann jetzt hier nicht anhalten."
"Herbert!" Trude saß immer noch leicht nach vorne gebeugt, ihren Finger im Loch, die Haare flatterten unschön im Wind, Tränen liefen ihr die Wangen hinunter. Herbert hielt das große Lenkrad mit der linken Hand, mit der rechten griff er zu Trudes Arm und zog daran. "Au!" "Ruhig." sprach er, den Blick weiter auf die Straße gerichtet. "Ganz ruhig, Trude. Du darfst dich nur nicht aufregen. Dann haben wir deinen Finger gleich wieder raus."
"Ich rege mich aber auf!" Herbert zog weiter, Trude schrie und als Herbert nicht weiter wusste, ihm das Schreien aber anfing zu stören, da buffte er ihr einfach unsanft in die Seite. Trude hielt kurz inne, holte Luft und siehe da, der Finger löste sich, sie zog ihn hinaus, setzte sich wieder zurück und ein äußerst grimmiges Gesicht auf.
"Schlimm?" fragte Herbert vorsichtig. "Lass mich in Ruhe!" fauchte Trude. "Ich will sofort wieder nach Hause. Was für eine dusselige Idee von dir mit diesem gefährlichen Auto zu fahren!" Sie verschränkte die Arme vor ihrer Brust.
Schweigend fuhren sie weiter. Trudes Haare wirbelten heftig, Herbert demonstrierte gute Laune. "Schau! Da vorne ist eine Tankstelle. Da halten wir an. Du machst dich wieder flott und ich erkundige mich nach dem nächsten Laden, da kannst du dir dann etwas aussuchen. Zum Anziehen." "Mmh." grummelte Trude immer noch, aber nicht mehr gar zu grimmig. "Und was ist mit dem Verdeck?"
"Ich werde gleich, wenn wir anhalten, den Hebel unter den Sitzen hervor holen und ihn wieder befestigen. Keine Sorge!" Er lächelte und fand immer noch, dass es ein prima Tag sei.
Das mit dem Hebel war Fehlanzeige, zwar fand Herbert ihn wieder, er steckte ihn auch in das Loch, doch dass das Verdeck sich schloss, blieb ein frommer Wunsch.
Herbert ließ sich seine gute Laune nicht verderben. "Es ist unser Hochzeitstag, Trude! Das Wetter ist fantastisch, die Sonne scheint und komm, ich helfe dir, wieder in das tolle Auto zu steigen."
Beim letzten Satz entglitt ihm das Lächeln denn doch ein wenig, zugegeben. Doch Herbert war Herbert. Er hievte seine Hilde ins Auto.
Kaum waren sie wieder auf der Schnellstraße, zog sich der Himmel zu, verdüsterte sich und ... Regenguss ist, - glaube ich -, gar kein Ausdruck. Es war also mehr nötig, als Trude flotte Sachen zu kaufen. So oder so.
Machen wir es kurz:
Zielstrebig steuerte Herbert eine Werkstatt an, um zu erfahren, dass das Trockenlegen des Wagens ein paar Tage in Anspruch nehmen würde und eine Vorauszahlung speziell des Hebels und des Verdecks wegen keine Ausnahme sei.
Nachmittags, in einer sehr teuren Boutique, wenn seine Trude strahlend aus der Kabine kam, um ihm die neuen Sachen vorzuführen, hielt er sich noch relativ wacker. Später meißelte sich ein leicht säuerliches Lächeln in sein Gesicht, als Trude ihm entzückt im Nobel-Schuhladen an der Kasse drei große Kartons in die Arme legte. Und die Stunden, die Trude sich im Frisiersalon gönnte, starrte er nur noch stumpf vor sich hin. Seine Scheckkarte zückte er schon automatisch.
Als sie gegen Abend mit dem Taxi in das Hotel fuhren, das er auf Bitten von Trude buchte, war der "prima Tag", in die Kategorie gerutscht: Tage, die man aus seinem Leben streicht.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-06 14:51:46 mit dem Titel Heiß gemacht
Es war wirklich kein schöner Anblick, wie Rene da so lag. Seine Augen schauten verwundert, sie waren groß aufgerissen und brachten das blau gut zur Geltung. Nur, dass es in diesem Moment unwichtig schien. Seine dunkel blonden Haare waren zerzaust. So, als ob ihm jemand in seinem Schopf herum gewühlt hätte. Das helle T-Shirt harmonierte hervorragend mit der schwarzen Jeans. Alles in allem konnte man behaupten das Wort ordentlich passte zu Rene.
Was das Gesamtbild störte, war die Tatsache, dass er sich nicht bewegen konnte und Model hätte stehen können für eine perfekte Leiche. Nur das Blut an seinen Händen wirkte abstoßend.
Gesa ging langsam um ihn herum, besah ihn sich von allen Seiten, hob den Zettel auf, der neben ihm lag, nickte zufrieden mit dem Kopf, drehte sich um und ging. Sie konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.
Diese Ära ihres Lebens war zu Ende.
Es war ein sonniger Sonntagmorgen, an dem Rene gut gelaunt in die Küche ging und sich einen Kaffee aufsetzte. Er war mit sich und der Welt zufrieden. Niemand störte ihn, er hatte sich ein kleines Reich geschaffen, in dem er lebte. An sich war er ausgeglichen. Allerdings nur, wenn er es auch wollte. An manchen Tagen musste er einfach leiden. Selbstmitleid. Oh ja, darin war er ganz perfekt. Ein langes Training lag hinter ihm. Ja, so konnte man es wohl nennen. Ging es ihm zu gut, dann legte er sich eine Pseudo-Depression zu und litt. Er litt, so gut konnte man wahrscheinlich nicht einmal in Hölle leiden. Alles, was zu einem ausgereiftem Selbstmitleid dazu gehörte trat auf. Tränen natürlich, sich Wunden hinzufügen, sentimentale Musik, sich ins Bett verkrümeln, um sich die Decke über den Kopf zu ziehen... aber nicht ganz... schließlich konnte das Telefon klingeln... und da war es die perfekte Abrundung, wenn man jemanden mitteilen konnte, wie schlecht es einem ging und deshalb nicht in der Lage sei, zu telefonieren.
An besonders intensiven Tagen des Selbstmitleids musste natürlich noch eine halbe Flasche Whiskey herhalten. Nur eine halbe, denn er wollte ja nicht übertreiben und sparsam war er in gewisser Hinsicht auch.
Es kam so, wie es kommen musste. Seine Selbstmitleidtage reichten ihm nicht mehr aus. Was tun? Da lief ihm Gesa über den Weg. Sie hatte eine gute Figur, war nett und hatte eine ansprechende Art. Kurz: fast etwas fürs Herz. Aber eben nur fast. Denn Rene hatte einen Plan.
Er umgarnte sie, schmeichelte ihr, machte Komplimente, gaukelte ihr tiefste Liebe vor. Sie war eine Frau, die mitten im Leben stand und nicht so einfach zu täuschen. Doch letztendlich siegte sein Charme. Sie verliebte sich und war glücklich, wie lange nicht mehr. Wieder einmal perfekt. Er spielte seine Rolle hervorragend. Sie für sich zu gewinnen war ein gefährliches Spiel. Er musste aufpassen, durfte sich keine Fehler erlauben.
Es gingen drei Monate ins Land, bis er sich sicher war, dass sie an die große Liebe glaubte. Das war es, was er wollte. Nun konnte er anfangen an ihr herum zu mäkeln, hielt Verabredungen nicht ein und zeigte sich plötzlich unsicher, ob er lieben könnte.
Stolz durchflutete ihn, wenn er darüber nachdachte, dass er dabei sehr geschickt vorging. Denn die ganze Dosis verabreichte er nicht. Stückchenweise ließ er sie leiden, stieß sie zurück und immer, wenn er meinte, nun würde sie aufgeben, dann holte er seine Rolle hervor, sendete Liebessignale vom feinsten, schickte ihr einen Brief, in dem er seine Liebe schwor, rief an, um ihre Stimme zu hören.
Und dann setzte er den Todesstoß. Auf einem Hoch, das, genährt von Hoffnung, sie glauben ließ, es würde letztendlich eine große Liebe werden, die voller Harmonie stecken könnte, da wurde er kalt.
Ein kurzer Anruf nur genügte. Mit einer Stimme aus Eis sagte er ihr, dass er wütend wäre, weil sie einfach nicht wahrhaben wollte, dass er nichts von ihr wollte. Er fragte, warum sie den Brief, geschrieben von vor drei Wochen, nicht beantwortet hätte. Schließlich stände da ja klar und deutlich, dass es vorbei wäre. Ein verächtlicher Laut noch kam aus dem Telefonhörer, dann war die "Sache" für ihn beendet.
Gesa war zunächst am Boden zerstört. Hilflosigkeit und Wut vermischten sich mit ihren Tränen. Sie hatte jemanden kennen gelernt, den es gar nicht gab. Ganz langsam formten sich die Erinnerungen zusammen. Nun, nachdem ihr Kopf klarer wurde, begriff sie, dass sie ein Spielzeug gewesen war.
Sie, die nie damit gerechnet hatte, dass ihr so etwas passieren könnte, war so perfekt hinein gezogen worden in dieses grausame Spiel, dass sie die Kulissen zu spät erkannte.
Es war fatal. Die Tatsache nämlich, dass Rene sich ausgerechnet Gesa ausgesucht hatte. Er, der stolz darauf war, seine Intelligenz für grausame Akte zu benutzen, hatte etwas ganz entscheidendes übersehen.
Gesa war die falsche Person in dem Stück. Er hätte eben genauer recherchieren sollen. So wiegte er sich in Sicherheit und genoss seine wieder gewonnene Zufriedenheit. Selbstverständlich leistete er sich weiterhin seine Selbstmitleidtage, die nun natürlich im Freundes- und Familienkreis noch besser ankamen. Der arme verlassene Mensch, der leider an die falsche Frau geraten war. Tja, man passte eben nicht zusammen, was wirklich schwer wiegte.
Gesa ließ ihm Zeit. Sehr lange. Geduld gehörte dazu. Sie wartete ein Jahr, bis sie der Meinung war, dass der richtige Zeitpunkt bevor stand. Er ließ sich so genau berechnen in seiner Art. Das war das hervorragende an ihm. Sich nicht berechnen lassen wollen, und somit berechenbarer zu sein, als er wusste.
Sie schickte das Päckchen mit der Post. Es war handlich, hübsch verpackt und ohne Absender. Sie beobachtete ihn heimlich, als er es abholte, ging ihm nach und betätigte, als er durch den einsamen Park den Weg nach Hause einschlug, einen Minisender. Das Päckchen in seinen Händen gab ein leises Klingeln von sich. Sie schmunzelte, als sie sein verwundertes Gesicht sah.
Auf das Klingeln folgte eine Stimme. Der kleine Rekorder in dem Päckchen funktionierte. Die Stimme forderte ihn auf, nach zu schauen. Wies auf den Inhalt hin. Das technische lag ihm schon immer am Herzen und dieses Päckchen weckte seine Neugierde. Er wollte wissen, welche Überraschung ihn da erwartete, setzte sich auf eine Bank, löste vorsichtig die Klebestreifen an den Seiten und öffnete den Deckel. Ein Blatt Papier lag oben auf. Mit den Worten: "Du hast dir die Finger an mir verbrannt. Gesa."
Sie konnte sehen, wie er belustigt den Zettel zur Seite legte und mit beiden Händen nach dem eingepackten Rekorder griff. Auf diesen Moment hatte sie lange genug gewartet. Sie zitterte noch nicht einmal dabei, als sie einen weiteren Knopf an ihrem Minisender betätigte.
Kein lauter Knall, mehr ein Zischen ein anfangs leichtes Kribbeln in den Händen, er begriff nur langsam den Stromschlag; dann schoss eine Stichflamme hervor. Ungläubig schaute er auf seine blutigen Hände, dann nach oben, genau in ihre Augen. Er erhob sich, taumelte auf sie zu und fiel nach hinten.
Er würde überleben. Aber sich ewig an sie erinnern müssen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-09 21:06:55 mit dem Titel Ungeliebt
Hannas äußerliche Erscheinung war chic. Gepflegt, selbstbewusst, unaufdringlich. Durch ihre freundliche Art kam auch niemand auf den Gedanken ihr Arroganz oder dergleichen anzudichten. Sie versuchte gut zu sein, soweit möglich alles richtig zu machen und im Grunde ihres Herzen sehnte sie sich danach sich an einer starken Schulter anlehnen zu dürfen. Nicht, dass sie darunter litt, ihr Leben alleine zu meistern. Oh nein. Das wahrlich nicht. Nur von allen so eingeschätzt zu werden, dass ihr nichts fehlte, das belastete sie mitunter. Phasenweise kam es ganz stark durch. Dann lag sie in ihrem Bett. Abends. Abgekämpft und ausgepowert. Dann, wie gesagt, kam es mitunter ganz heftig über sie. Sie lag da, weinte, schluchzte und war froh, alleine zu sein.
Dann wieder kam die Zeit, die eigentlich überwiegte. Fröhlichkeit, Ausgelassenheit, Mut, Optimismus und viel viel Lachen. So mochte sie sich selbst am liebsten. Und das war ihr Sinn. Ihr Lebenssinn: Sei gut drauf und versuche, das Leben zu genießen.
Sie erreichte ein relativ beachtliches Alter. Ihr Tod kam sanft und sie hatte das Gefühl, der Lebenshauch glitt ihr vorsichtig von der Hand. Sie lächelte, schloss die Augen und die Ära Hanna war vorbei.
Ein langes Leben, in dem scheinbar alles in Ordnung war. Nun war der Nachlass zu ordnen. Es fanden sich Angehörige ein. Sie stritten sich. Nicht unbedingt um ein eventuell vorhandenes Erbe. Vielmehr hatte niemand so richtig Lust, ihren spärlichen Haushalt aufzulösen. Die Erwartung, dass sich etwas wertvolles darunter befand, war mehr als gering.
Schließlich tauchte eine alte Freundin auf. Ella. Sie übernahm die "Auflösung". Man zeigte sich dankbar, ging und vergaß. Die alte Freundin wusste, dass das ganze Leben, das Leben von Hanna, dessen Reste sie nun wegzuräumen die Aufgabe hatte, zum größten Teil in niedergeschriebenen Gedanken vor ihr lag.
Ella war verunsichert. Inwieweit durfte, sollte sie sich der "Privatsphäre" widmen? Doch um der guten alten Zeiten willen, schaute sie alles gründlich durch. Es waren unendlich viele schriftlich festgehaltene Gedanken, deren Erlebtes beeindruckte.
Viel Leid, viel Entbehrung und nie das, was sich Hanna erhofft hatte. Wenn andere von Reichtum träumten, so stach hier heraus, dass bis zum Tode daran geglaubt hatte, dass sie geliebt werden würde. Doch das schien Hanna nie vergönnt zu sein. Und das schlimmste daran war, dass sie nie verstanden hatte, warum dem so war. Wieder und wieder hatte sie rekonstruiert, was sie gemacht, gesagt, getan hatte. Ihr ganzes Leben lang. Sicherlich war nicht immer alles richtig, aber etwas schwerwiegendes war nicht dabei. Und dabei hatte sie so gehofft, dass ein einziges mal jemand, der sie aufrichtig liebt, ihr auch gesagt hätte, dass dem so ist.
Hannas letzter Tagebucheintrag lautete: Ich weiß, dass ich sehr bald die Augen für immer schließen werde. Ich habe vieles geschafft und erreicht in meinem Leben. Schwierigkeiten und Hürden gemeistert. Aber nie hat mich jemand geliebt und mir das voller Überzeugung geradeaus in die Augen schauend gesagt. Das finde ich bedauerlich. Führt mich aber zu der Erkenntnis, dass ich nun einmal nicht liebenswert war. Warum auch immer. Werde ich es in dem anderen Leben, das folgt, nachdem ich nicht mehr auf Erden weile, erfahren? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, wenn nicht, dann sollte es eben nicht so sein.
Da wünschte ich mir, ich könnte an die Wiederauferstehung glauben und versuchen etwas besser zu machen. Denn tue einem Menschen alles Böse an. Er schafft es, damit klar zu kommen. Aber lass ihn sterben, ohne jemals von Herzen geliebt zu werden. Ohne, dass es ihm jemals gesagt wurde, dann hat er etwas falsch gemacht oder alles. Was auch immer.
Ella schloss Hannas Tagebuch. Sie hatte ihre Freundin geliebt. Es ihr auch gesagt. Aber sie wusste, das war es nicht, worum es Hanna ging.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-18 21:23:42 mit dem Titel Zu wenig Zeit - (Kassensyndrom?)
Eigentlich gehe ich gerne einkaufen. So auf einen Samstag herum bummeln. Mit Zeit und evtl. noch Geld im Portemonnaie, zwischendurch einen Kaffee schlürfen, Leute treffen. Das ist doch toll! Nur leider meistens Utopie.
Ehrlich gesagt, laufen meine "normalen" Einkaufstouren ganz anders ab. Immer unter Zeitdruck, weil Kind kommt aus der Schule oder ein Zahnarzttermin steht bevor. Unterwegs nur rote Ampeln, Einkaufszettel vergessen und Kühlschrank wieder mal leer, aber der Rest der Familie möchte ja etwas zu Mittag essen. Dann rase ich zum Supermarkt, der auf meiner Laufstrecke liegt, freue mich, wenn ich auf Anhieb einen Parkplatz kriege. Und meistens stehe ich atemlos vorm Einkaufswagen, friemele den Chip in denselbigen, damit ich starten kann.
Irgendwann kam für mich der Zeitpunkt, da stand ich, beide Hände am Griff des Einkaufswagens, mein Herz bubberte vor lauter Hektik, und dachte: Nö! Das kann es nicht sein. Shit auf wenig Zeit. Ich möchte in Ruhe einkaufen. Die Zeit nehme ich mir jetzt einfach und so schlenderte ich gemütlich durch die Gänge. Ich überlegte vor fast jedem Artikel, ob ich den brauche oder ob der wohl nicht auf meiner Einkaufsliste, die zuhause auf dem Küchentisch lag, steht. Es tat gut. Ich wurde immer ruhiger und kam mir schon fast gelassen vor.
So denn stellte ich mich mit meinem reichlich gefüllten Wagen an der Schlange der Kasse an. Es war eine lange Schlange. Doch ich hatte mir vorgenommen, Zeit zu haben und träumte vor mich hin. Bewunderte die Blumen, die vor dem Kassenlaufband in großen Wassereimern prächtig anzusehen waren und wurde plötzlich heftig in die Seite gebufft. "He! Mach hin hier! Das Warenband ist frei. Pack die Waren drauf!" Unerhört, dachte ich. Doch ich kam wieder in die Realität. Vor mir schaufelte eine Frau mit hochrotem Gesicht ihre Einkaufsbeute aufs Band. Die Sachen flitzten bei der Kassiererin über den Scanner, dass es pausenlos piepte. So denn flitzte die Frau um ihren großen Einkaufswagen herum, um rechtzeitig am anderen Ende des Laufbandes die Waren aufzufangen und zurück in den Wagen zu bugsieren. In wahrer Rekordzeit. Mir wurde ganz schwindelig beim zusehen. Doch ich stellte fest, dass das Stück zwischen Scanner und Ende des Laufbandes sehr kurz war. Sie musste sich also so beeilen.
Aber nicht mit mir, beschloss ich. Ich lasse mich nicht mehr hetzen. Ich atmete tief durch, ignorierte den Seitenbuffer hinter mir und legte meine Einkäufe in aller Seelenruhe auf das Band. War ein geiles Gefühl die Blicke der anderen Leute zu ignorieren und ganz konzentriert auf jede Tüte und jede Verpackung meines Wageninhalts zu starren. Die Kassiererin trommelte nervös mit ihren Fingern auf dem Kassendeckel herum. Ich schaute sie harmlos zwischendurch an und konzentrierte mich weiter auf mein Tun. Eine Tüte nehmen, auf das Band legen, wieder umdrehen, eine Packung nehmen, auf das Band legen, wieder umdrehen, eine Flasche nehmen, auf das Band legen. Die erste Tüte erreichte endlich die Kasse und schwupp eingescannt, es piepte, zack zum Ende des Bandes. Ich hatte meinen Wagen nicht annähernd bis zur Hälfte geleert. Das Gemurmel um mich herum wurde lauter, meine Ignoranz entschlossener. Die Waren am Ende stapelten sich bedenklich hoch. Aus dem Augenwinkel heraus konnte ich das beobachten und dachte mir so: na, bezahlt habe ich noch nicht, die soll es wagen, meine Sachen am Ende herunter fallen zu lassen. Denn stoppte das Gepiepe vom Scanner abrupt. Kein Platz mehr zum Stapeln. Aber ich stapelte noch. Eine Tüte nehmen, auf das Band legen, wieder umdrehen, eine Packung nehmen, auf das Band legen, wieder umdrehen. ..
Ich ließ mich nicht hetzen. Ich schaute hoch und lächelte der Kassiererin breit ins Gesicht. "Schönes Wetter heute. Hat noch gar nicht geregnet." Setzte ich an. Sie schaute grimmig zurück, deutete mit ihrer linken Hand zum anderen Ende des Laufbandes. Ich ging behutsam um meinen Wagen herum, zog ihn ein Stück hinter mir her und begann in aller Seelenruhe, meine Sachen wieder in den Wagen zu legen. Das schwere zuerst. Dann die leichten Sachen obenauf. Das gefrorene in eine Ecke, die Knabbersachen in die andere, damit ich das mit System in meine Einkaufstüten sortieren konnte.
Das gab natürlich ein wenig durcheinander. Da die Waren an sich ja schon kaum Platz hatten und ich nun "mit System" einpackte, wurde der Stapel auch nicht kleiner, das Ende des Laufbandes aber auch nicht länger. Es verging eine ganze Weile, bis ich alles verstaut hatte. Der bitterböse Blick der Kassiererin, von den übrigen Kunden schaute ich niemanden so direkt an, traf mich denn doch. Meine sensible Ader kam ganz heftig zum Vorschein. Ich schluckte.
Aber ich fand es toll, so ruhig zu sein. Nachdem ich bezahlt hatte, zog ich meinen Wagen ein wenig von der Kasse weg und schaute mich um. Boh, was für eine Hektik. Die Leute mussten wohl meine Ruhezeit wieder aufarbeiten. Mensch Leute, macht langsam, dachte ich mir.
Ein paar Tage später betrat ich wieder den Laden. Ich ging wiederum gemütlich durch die Gänge und murmelte vor mich hin: "Ich lasse mich nicht hetzten!" Schließlich muss man sich mal überlegen, wie oft ich die Sachen hin- und herpacke! Vom Regal in den Wagen, vom Wagen auf das Laufband, vom Laufband wieder in den Wagen, vom Wagen in die Tüten, die Tüten in das Auto. Vom Auto die Tüten in das Haus. Im Haus jedes einzelne Teil wieder auspacken. Das ersetzt doch jedes Krafttraining. Wenn ich allein bedenke, wie oft ich den sechs-mal-1 ½ Liter-Pack Mineralwasser kaufe! Das sind Gewichte!
Als ich jedenfalls diesen Tag am Ende der Schlange auftauchte, die übrigens dieses mal gar nicht sooo lang war, wie beim letzten mal, sah ich das entsetzte Gesicht der Kassiererin, sie hatte wohl immer mittags Dienst, und denn hörte ich ein schrilles Klingeln. Sofort öffnete sich eine Tür hinter mir, eine Frau schoss heraus und zur anderen Kasse und alle Kunden stoben mit Hast hinüber. Ich schüttelte verwundert den Kopf. Was die das so eilig haben! Nun gut, als ich meinen Einkauf bezahlte, war die lange Schlange an der anderen Kasse bereits verschwunden. Ich zuckte mit den Schultern.
So behielt ich es bei. Den ganzen Tag Hektik und keine Zeit, beim Einkaufen machte ich eine Erholungspause ohne Stress. Das Knurren der Kassiererin beeindruckte mich überhaupt nicht und außerdem hatte ich mich so daran gewöhnt, dass ich immer zur gleichen ging. Ich grüßte freundlich und lächelte, sie knurrte.
Und dann eines schönen Tages, ich schaute wieder dösend die Blumenpracht vor der Kasse an, klingelte mein Handy. Ich erschrak. Was ist denn nun los? Meine Tochter stand zuhause vor der Tür. Sie hatte den Schlüssel vergessen und war völlig aufgelöst. Ich konnte nicht aus ihr heraus bekommen, was passiert war, hatte aber das Gefühl, dass ich schleunigst nach Hause sollte. Flugs packte ich die Sachen auf das Laufband und hechtete zum Ende desselbigen. Die Kassiererin staunte, dann lächelte sie mich breit an und meinte: "Schönes Wetter heute. Es hat noch gar nicht geregnet." Ich knurrte. In aller Seelenruhe zog sie eine Ware nach der anderen über den Scanner. Es piepte. Ich trommelte nervös mit den Fingern auf dem Ende des Laufbandes herum. Konnte die nicht ein bisschen schneller machen? Ich habe keine Zeit! "Oh." Meinte sie plötzlich. "Ich glaube, die Kassenrolle ist zuende. Moment, ich schalte auf Zwischensumme, dann geht es gleich weiter." Das durfte ja wohl nicht wahr sein. Sie entnahm –muss ich erwähnen in aller Seelenruhe? - die Rolle und schaute sie verwundert an. "Die ist ja noch fast voll. Warum hakt sie denn?" Sprach sie vor sich hin. "Was machen wir denn da?" "Wechseln oder weiter probieren." Zischte ich. "Ich habe es eilig!" "Ach!" Kam es. "Das tut mir aber leid. Warten Sie, ich frage nur meine Kollegin, ob sie mir einen Rat geben kann." Sie stand auf und verschwand.
"So etwas gibt es doch nicht!" Rief ich verzweifelt. Ich konnte auch nicht raus aus dem Laden. Der halbe Einkauf lagerte bereits im Wagen, natürlich unbezahlt und ich trippelte nervös von einem Fuß auf den anderen.
Nach einer mir endlos erscheinenden Zeit kam die Frau wieder, eine neue Rolle in der Hand, sie lächelte immer noch breit, und steckte sie umständlich in die Stelle, wo sie hingehörte. Was soll ich lange erzählen, ich befand mich um einiges länger an der Kasse als zu meinen besten Erholungszeiten.
Fazit: Da der Laden immer noch auf meiner Laufstrecke liegt, kaufe ich immer noch da ein. Wie läuft es ab? Nun, mal lächele ich und "meine Kassiererin" knurrt.
Meistens jedoch, muss ich ja zugeben, lächelt s i e und ich knurre.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-21 13:07:31 mit dem Titel Sockenschuss mit Mücke
Normalerweise stimmt mich das immer traurig, wenn der Sommer vorüber geht und der Herbst da ist. Ich mag den Sommer. Und dass er dieses mal mit erheblichen Regenfällen durchsetzt war und mitunter auch ganz schön kalt, mag ja stimmen, aber eines war er: hell. Nun werden die Tage wieder so ratzfatz kurz. Und so früh dunkel!!!
Aber! Ich hätte es ja nie für möglich gehalten: das ist mir dies mal scheiß egal. Ich freue mich auf den Herbst. Den kühlen dunklen Herbst. Wirklich! Dieser Sommer hat sich nämlich, so sehe ich das, von seiner übelsten Seite gezeigt. So kenne ich ihn gar nicht. Er kann zu heiß sein, er kann zu nass sein, er kann zu kurz sein, er kann zu windig sein... alles schon gehabt und mit einem na ja... schon in Ordnung abgetan. Und? Was regt mich dieses mal so auf?
Die Mücken! Übel, wirklich übel. Nicht nur, dass sich wohl alle Mücken dieser Erde grundsätzlich bei mir zuhause allabendlich ein Stelldichein geben, sie haben es sich auch noch zur Lebensaufgabe gemacht, mich rigoros zu zerstechen.
Und –das muss man sich mal vorstellen- sie sind Fetischisten, die Mücken. Fußfetischisten. Anfangs dachte ich ja noch: läufst du eben nicht mehr barfuss herum. Doch bei 30° im Schatten? Oder nachts. Wer schläft denn da mit langer Hose und Socken? Da kommt wohl der Ausspruch des Sockenschusses her. Aber, das nur nebenbei.
Meine Füße, bedeckt mit lauter hässlichen, roten, juckenden Flecken, teils mit Bläschen durchsetzt. Bah! Und denn, als ich meinen Blick dort hinwerfe, wo sich meine ansonsten wohlgeformten Fußgelenke befinden, muss ich feststellen, dass sie nicht mehr existieren! Einfach weg, verschwunden, nicht mehr zu sehen. Statt der Fußgelenke sehe ich dort eine unförmige angeschwollenen Masse, die immer dicker wird.
Das finde ich nicht gut.
Zu diesem Zeitpunkt muss ich eigentlich los, da ich eine Verabredung habe. Aber diese angeschwollenen Füße ärgern mich und jucken fürchterlich, und sie hindern mich außerdem daran, ein normales Paar Schuhe darüber zu ziehen. So denke ich mir: fährst du eben bei der Apotheke vorbei und holst dir was zum drauf schmieren. Dann geht das wieder weg. Bestimmt.
Doch der Apotheker schüttelt nur den Kopf und meint: "Ich verkaufe Ihnen nichts. Gehen Sie man lieber zum Arzt. Das sieht ja furchtbar aus!" Na toll! Will ich das hören? Ich bin zeitknapp und werde leicht säuerlich. Jetzt noch stundenlang im Wartezimmer einer Praxis sitzen ist nun das letzte was ich so in Planung habe. Doch kaum habe ich meine Füße zwecks Anschauung auf die Theke der Anmeldung gelegt, werde ich sogleich ins Sprechzimmer weiter geleitet. "Oops!" entfleucht es mir. Der Doktor kommt und verschreibt mir heftige Gegenmittel gegen meine Allergie.
Echt schwer gebeutelt humpele ich zurück zur Apotheke und denn nach Hause. Nix mehr mit meiner Verabredung. Die Aussage: "Fuß hochlegen, kühlen, einsalben und Tropfen nehmen, sonst droht Krankenhaus." hat mich kleinlaut gemacht.
Muss ich noch erwähnen, dass das Wochenende vor der Tür steht? So ein Mist! Ich bringe also meine freien Tage in fuß-hoch-lagernder Haltung hinter mich. Und ich leide! Vor Schmerzen und vor Wut. "Diese Viecher sollte man ausrotten. Wer hat die bloß erfunden?" fluche ich drei Tage vor mich hin. "Vielleicht gibt es die ja nur, damit Spinnen etwas zu fressen haben.", denke ich und allein deswegen lasse ich die eine fette, die vor mir über den Boden kriecht, am Leben. Und nicht, wie manch einer denken mag, weil ich mich vor ihnen ekele.
Und nun freue ich mich auf den Herbst. Ohne Mücken! Meine Füße nehmen langsam wieder eine Form an, mit der ich mich anfreunden kann. Meine Verabredung kann ich zwar gänzlich aus meinem Terminplan streichen, aber ich versuche positiv zu denken:
Der Herbst ist gar nicht schlecht, er wird mir gefallen. Dunkel ist schön.
Und wenn ich nun mit Socken schlafe, dann stimmen wenigstens die Temperaturen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-19 23:26:29 mit dem Titel Das Gebiss
Diese kleine Geschichte ist ein Kurz-Sketch, den ich vor kurzem schrieb um ihn anschließend mit jemand zusammen vorzutragen, als Einlage. Kam sehr gut an.
Das Gebiss
Das Telefon klingelte. Erwin nahm den Hörer ab. "Schlurf?!"
"Hier ist die Zahnarztpraxis Dr. Wurzel. Dr. Wurzel am Apparat. Herr Erwin Schlurf?"
"Ja." kam es langsam
"Hören Sie, Herr Schlurf, wir haben heute in unserem Briefkasten ein Gebiss gefunden. Vermissen Sie Ihres?"
"Nein. Ich weiß ja wo meins ist." nuschelte Erwin in den Hörer.
"So, ich denke, ich weiß auch wo Ihres ist. Nämlich hier bei mir in der Praxis. Es liegt vor mir. Und ich bin der Meinung, so geht das nicht."
"Aber Sie wollten sich doch meine Zähne anschauen." meinte Erwin. "Wo ist das Problem?"
"Sicher wollte ich mir Ihre Zähne anschauen, aber doch nicht nur ihr Gebiss, Herr Schlurf!"
"Na, mehr Zähne habe ich aber nicht."
"Herr Schlurf... wenn Sie einen Termin bei mir haben, dann gehe ich davon aus, dass Sie auch erscheinen, und nicht nur Ihr Gebiss." Dr. Wurzel wurde ungehalten.
"Nun regen Sie sich doch nicht so auf. Morgen hole ich mir meine Beißer wieder ab und denn ist doch gut."
"Herr Schlurf! Ich habe Ihnen schon beim letzten Mal gesagt, dass das so nicht funktioniert."
"Ich weiß, und da bin ich denn ja auch vorbei gekommen. Wollen Sie mich jetzt schon wieder sehen?"
"Herr Schlurf!" Dr. Wurzels Stimme wurde bedrohlich leise. "Nachdem wir letztes mal Ihre Zähne eine gute Woche hier beherbergt haben, Sie letztendlich in meiner Praxis auftauchten, da habe ich Ihnen ganz genau erklärt, warum Sie beide – Sie und ihr Gebiss - gemeinsam kommen sollten."
"Ach, und dieses mal wieder?" fragte Erwin verwundert.
"Ich fasse es nicht! Wenn Sie morgen früh um 8 Uhr nicht hier sind..."
"Dann?" wollte Erwin wissen.
"Dann... dann... können Sie sich ihre Zähne sonst wo hin stecken!“
"Aber Sie schauen Sie sich doch vorher an..."
"Herr Schlurf! Treiben Sie mich nicht in den Wahnsinn!"
"Aber nein." meinte Erwin, "Ich will Ihnen doch nur die Arbeit erleichtern. Sie können mein Gebiss in Ruhe anschauen, wenn Sie zwischendurch mal Zeit haben und ich brauche nicht so lange im Wartezimmer zu warten. Wissen Sie...“
"Herr Schlurf!" Dr. Wurzel schrie durch den Hörer. Erwin hielt ihn etwas ab vom Ohr, dann, als nur noch ein Keuchen kam, nahm er das Gespräch wieder auf.
"Wissen Sie..." redete er einfach weiter. "Das ist doch der einzige Vorteil, wenn man Gebissträger ist, man kann sein Ersatzteil abgeben, wenn es nötig ist."
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-23 22:48:35 mit dem Titel Makellos
"Oh Engelchen, mein Engelchen.... komm her zu mir...." sprach der Spiegel zu der Feder, die langsam auf ihn zuschwebte. "Dir kann nichts passieren. Komm nur her, sieh, hier kannst du deine ganze Schönheit betrachten. Ich werde sie dir zeigen. Sei frei und fühle einfach so, wie du meinst."
Die Feder war wunderschön. Sie leuchtete in einem fast unbeschreibbar schönen blau. Zarte Tupfen glitzerten silbern im Sonnenlicht. Sie wusste, dass sie sich sehen lassen konnte. Aber sie wusste auch, dass sie einen kleinen Fehler hatte. Ein winziger schwarzer Punkt zerstörte das Gesamtbild. Sie musste sich sehr geschickt drehen, damit er nicht auffiel. Durch ihr graziöses Schweben lenkte sie gekonnt von zu genauen Blicken ab.
Behutsam und sehr zurückhaltend schwebte sie auf den Spiegel zu. Eine große Verlockung... sich zu betrachten und der Ruf des selbigen klang so süß.
Hinter dem großen Spiegel, der am Wege stand, war nichts. Verloren wirkte er, einsam und doch aufrecht und selbstbewusst. Es war die Mischung, die ihn anziehend machte. Kaum jemand konnte ihm widerstehen. Jeder schaute ihn an, sich an.... und er war in der Lage sich von seiner besten Seite zu zeigen. Dass hinter seiner dünnen Oberfläche der Geist der Zerstörung inne wohnte, das machte ihm nichts. Er war so und redete sich ein, dass es so sein musste.
"Ich bewundere deine Schönheit." Sprach er zu der Feder, die sich hingebungsvoll vor ihm drehte. Sich von allen Seiten betrachtete und weiterhin darauf achtete, den dunklen Fleck zu verbergen.
Er aber wollte alles sehen. Jeder hat einen Fehler. Das wusste er und ich werde ihn finden. Sie kann nicht perfekt sein. Es machte nichts, dass gewisse Fehler nicht schlimm sind. Er bemerkte ihr Unwohlsein, das sie zu verbergen suchte. Es war nicht einfach für ihn. Eine Herausforderung... er musste Zeit investieren.
Da sie aber schon fast wieder am wegschweben war, musste er sich etwas einfallen lassen. "Komm, Schöne..... bleibe... Lange habe ich nicht so etwas Vollendetes wie dich gesehen." Geschmeichelt drehte sich die Feder noch einmal. Da sah sie ihren schwarzen Fleck im Spiegel blitzen. Kurz nur, aber sie sackte in sich zusammen. Nein, das wollte sie nicht sehen. Verzweifelt drehte si weiterlesen schließen -
Bin ich ein Assi ?
Pro:
spannend
Kontra:
Herzklopfen
Empfehlung:
Nein
Ich bin ein Assi. Heute habe ich es erfahren. Auch das ich kiffe. Das wusste ich überhaupt noch nicht. Aber ein geschultes Sanitäterauge bemerkt das gleich.
Was war passiert?
Meine Nichte sollte heute bei mir übernachten, weil sie dann schneller am nächsten Morgen zum Wandertag fahren kann. Denn der Treffpunkt ist bei mir um die Ecke. Und sie wohnt bei ihrem Pflegevater ungefähr 1 Stunde von Treffpunkt entfernt.
Also holte ich sie in Hellersdorf gegen 14.00 Uhr ab. Dann fuhr ich sie zum Frisör. Dieser befindet sich ca. 15 min mit der Straßenbahn in meiner Nähe. Ich selber fuhr erstmal nach Hause und machte etwas in der Wohnung. Gegen 17.00 Uhr kam sie zu mir. Da es ein heißer Tag gewesen war, und ich etwas gegen mein Übergewicht und mein kaputtes Knie machen wollte, sagte ich, "Komm fahren wir schnell noch 1 Stunde zu schwimmen." Das ist gesundheitsfördernd und trainiert mein Knie, welches einen großen Knorpelschaden hat.
Nun hat die Sache mit dem schwimmen aber einen Haken.
Ich bin in letzter Zeit fast täglich geschwommen. In der Schwimmhalle wäre das recht teuer. Das chemische Wasser dort, mag ich auch nicht. Wegen meines Asthmaproblems. Außerdem besitze ich 3 wunderschöne Hunde, die abends auch noch gassigehen wollen.
Deswegen fahre ich zu einem Kiessee (Arkenberge) in der Nähe. Dort befindet sich auch das offizielle Hundeauslaufgebiet im Norden Berlins. Weiter wegfahren wollte ich nicht, weil meine Nichte ja am Donnerstag wieder in die Schule muss. Wir wollten nur schnell hinfahren, kurz schwimmen. Und danach wieder nach Hause zum Abendbrot. Wir packten also meine Hunde in den Kombi und fuhren los.
Meine Bekannte schloss sich uns an. Sie nahm ihren 6 jährigen Sohn Florian mit.
Dieser ist Diabetiker Typ 1.
Also bedeutet dass um 18.00 Uhr erst einmal für ihn; Blutzucker messen und danach etwas essen.
Ich zog mich gleich aus. Sprang ins Wasser und drehte meine Schwimmrunden. Bewegte das Knie im Wasser, damit es beweglicher und kräftiger wird. Florian musste noch warten mit dem baden.
Meine Bekannte und meine Nichte alberten etwas am Strand herum, wie junge Leute das eben machen.
Dann gingen sie ins Wasser. Meine Nichte hatte Schwimmflossen an, genau wie ich, weil uns beiden tauchen Spaß macht. Außerdem kann ich mit diesen Flossen schneller ans Ufer schwimmen, falls etwas mit den Hunden ist. Die Hunde spielten am Strand.
Ganz schnell passierte das Unglück.
Meine Nichte stürzte im Wasser und schrie auf. Da sie schnell schreit und klagt, dachte ich mir erst einmal gar nichts dabei. Ich schwamm auf sie zu, weil ich im tiefen Wasser war. Meine Bekannte ging auch zu ihr.
Dann sahen wir das Unglück. Irgendwie war sie mit dem oberen Fußspan unglücklich auf einen scharfen Stein gefallen. Die Wunde war ungefähr 4 cm lang und ca. 2 cm tief. Später erfuhren wir, dass 5 mm tiefer die Sehne lag. Die Wunde blutete etwas und klaffte weit auseinander. Ich hielt meine Nichte im flachen Wasser fest. Sie lag im Wasser und weinte. Meine Bekannte holte ihr Handy und rief sofort einen Notdienst an.
Dann trugen wir meine Nichte aus dem Wasser. Legte sie auf die Handtücher. Lagerten den Fuß auf Florians Schwimmreifen.
Der tiefe Riss blutete, aber nicht besorgniserregend.
Meine Bekannte lief mit Badeanzug zu meinem Auto um auf den Notdienst zu warten. Ich zog mich im Eiltempo an. Tröstet nebenbei und lagerte meine Nichte bequem. Am Anfang war sie recht laut und weinend. Dann wurde sie ruhig und glitt in einen Schockzustand.
Florian aß auf. Zog sich dann an. Danach hielt er meine beiden kleinsten Hunde (Shelties)an der Leine fest. Mein großer alter Collie machte auf Befehl am Strand "Platz".
Meine Nichte wurde immer apathischer und ich forderte sie zum reden auf. Dann wurde ihr kalt. Wir hatten ihr schon das nasse Oberteil ausgezogen und ihren Pullover übergezogen. Die Hose wollte ich ihr nicht anziehen, weil sie diese im Krankenhaus sowieso hätte ausziehen müssen. Das hätte noch mehr Schmerzen bereitet.
Ich legte ihr meine Weste um die Schulter. und nahm sie in den Arm. Redete die ganze Zeit auf sie ein.
Nach kurzer Zeit kamen die Sanitäter. Ich erklärte die Situation und sagte, das meine Nichte im Schockzustand sei. Das, ihr Kreislauf drohte schlappzumachen. Ein
Blutdruckmessgerät war aber nicht vorhanden. Ein Sanitäter maß Puls und sagte, der wäre normal. Sie sollte dann loslaufen. Das ging aber nicht. Sie holten einen Tragestuhl und nahmen sie mit. In der Zwischenzeit hatte ich ihrem Pflegevater Bescheid gegeben. Er fuhr gleich mit der Krankenkarte aus Hellersdorf los.
Wir nahmen unsere Sachen, die Hunde und fuhren zum Krankenhaus "Buch" hinterher. Mein Bruder war schon da und meine Nichte auch.
Aber dann kam der Hammer. Mein Bruder kam aus der Aufnahme. Wir hatten gewartet und wollten eigentlich mehr, moralisch Beistand geben.
Er sagte uns das die Sanitäter uns für bekifft gehalten hatten und meine Nichte auf Drogen untersucht würde. Weil sie ja ganz eindeutig mit Drogen voll gepumpt war.
Nun muss man wissen, dass ich weder, jemals geraucht, Drogen angefasst habe und Alkohol nur an Feiertagen trinke. Denn ich bin strikt gegen dieses Zeug.
Ehrlich gesagt, weiß ich als 40 jährige Ossifrau auch gar nicht, wo ich das Zeug herbekommen könnte. Vielleicht ist das peinlich, aber es ist eben so. Solche Sachen haben mich nie interessiert. Ich bin zwar bekennender Schokoholiker. Aber soweit ich weiß, gehört Schokolade nicht zu den Drogen.
Und nun dieses. Ich war entsetzt. Die Aufnahme sagte, dass der See berüchtigt sei, für Waffenhandel, Messerstecherei und Drogenhandel. Das ständig, Leute von dort in die Aufnahme kämen.
Jetzt habe ich folgendes Problem. Da ich nur für 1 - 2 Stunden zum schwimmen dorthin fahre, habe ich davon noch nie etwas bemerkt. Weil ich auch noch mit 3 Hunden dort bin und nur am Tage, hat mich dort auch noch nie einer angemacht. Es wurde mal nach der Hunderasse gefragt, Ok. Einmal tauchte ich nach einem verlorenen Kinderschuh und holte ihn für die Nachbarn wieder raus. Aber das war’s schon.
Ein befreundete Polizist, geht auf mein anraten auch dort mit seinem Hund baden, weil Hunde dort erlaubt sind. Das Gelände ist zwar hässlich, weil jeder seinen Müll liegen lässt. Aber das ganze Hundeauslaufgebiet dort sieht so aus.
Wir nehmen unseren Müll jedes Mal wieder mit heim.
Der Müll scheint da schon ewig zu liegen. Erst heute habe ich mitbekommen, dass die Polizei dort auch Streife fährt. Seit ungefähr 15 Jahre kenne ich diesen See. Noch nie ist etwas passiert.
Und da vorverurteilt man uns als Junkies. Eine 40 jährige mit 24 Berufsjahren. Eine 24 Mutter eines 6 jährigen Sohnes.
Bin ich nun ein Assi, weil ich 1,60 groß bin, 90 Kg wiege und mir 3 Hunde halte? Obwohl ich 3 ehrenamtliche Posten bekleide, die anständige Menschen nicht machen würden, weil es keine Kohle bringt.
Weil meine Bekannte nicht gerade gut aussah, nach unserer Badeaction. Weil ich nicht im Anzug unterwegs war, sondern in alten Jeans und T-Shirt? Weil meine Bekannte mit einem Spritzenset im Krankenhaus hantieren musste um wieder den Blutzuckergehalt von Florian zu messen?
Florian hatte auch einen kleinen Schock erlitten und sein Blutzuckergehalt stieg an. Um uns beide zu beruhigen, ging meine Bekannte eine rauchen und ich plünderte den Schokoautomaten. Florian schenkte ich gleich ein Harry Potter Stickerbuch, das noch im Auto lag: Weil er so vernünftig reagiert hatte.
Sie hatten meinem Bruder gesagt, was sie von uns hielten, weil wir dort baden waren. Auch andere Schwimmer sehe ich an solchen Seen. Die kommen, ziehen sich um, schwimmen ihre Bahnen und gehen wieder. Genau wie wir. Sind das, nun auch alles Assis?
Werden wir nur nach unserem Äußeren beurteilt?
Dürfen wir keine Badeseen mehr besuchen, wenn sie einen schlechten Ruf haben? Dürfte jetzt keiner mehr in den Bundestag gehen, nach den vielen kriminellen Machenschaften unserer Abgeordneten? Oder ist das etwas anderes, weil diese in Schlips und Anzug auftreten?
Ich sehe, ja vollkommen ein, das sie in Zweifelsfällen einen Drogentest machen. Das ist notwenig Damit habe ich kein Problem. Aber nachdem sie alle diese Äußerungen über uns verlauten hatten lassen. Ließen sie es sein. Da machten sie keinen Test. Warum??? Wir hatten uns ruhig verhalten, nicht eingemischt, wir 3 warteten nur. Warteten auf einen Drogentest, der dann abgesagt wurde. Dafür ließ man meine Nichte dann erstmal in der Aufnahme liegen. Mein Hinweis an die Sanitäter, wegen einem Kreislaufkollaps oder Schock wurde gar nicht ernst genommen. Warum habe ich die „1. Hilfe“ deswegen, vor kurzem wiederholt?
Unsere ruhiges tröstende Handeln wurde als bekifft abgeurteilt. Mein Versuch, meine Nichte nicht ohnmächtig werden zu lassen und sie aufzumuntern, waren wahrscheinlich nur die Redensarten einer Bekifften. Na Klasse.
Im Krankenhaus, ist sie dann ohnmächtig geworden. Mein Bruder wies die Ärzte darauf hin.
Diese hatten seine Andeutungen, dass ihr Kreislauf nicht der stabilste war, nicht ernst genommen. Genau wie sie den vereiterten Arm des Vaters meiner Bekannten vor Jahren als Simulation verurteilt hatten. Heute hat er eine 30 cm lange Narbe am Arm. Der Knochen war vereitert gewesen.
Sie gaben ihm die geschockte 15 jährige ohne ein Röntgen mit nach Hause. Morgen wird der Krankenwagen kommen und sie nach Hellersdorf in die Unfallklinik bringen. Ich hoffe, diese werden helfen ohne vorher ein solches Urteil abzugeben.
Nun meine Fragen:
Soll ich jetzt nicht mehr zum See fahren, weil es gefährlich sein könnte. Gefährlich wie jede meiner Autofahrten. Ich pendelte 6 Jahre lang auf Deutschlands gefährlichsten Autobahnen (in Brandenburg) umher, wegen meines Jobs.
Und, bin ich nun ein Assi, wegen meiner Hunde und meiner Figur.
Genau wie es eine Ärztin in Maria Heinsuchung auf einen Op Bogen schrieb: „Unregelmäßige Lebensführung“. Als ich fragte, was das solle, sagte sie:
1. Sie haben Übergewicht (hat Herr Kohl auch)
2. Sie haben Asthma (Das haben heute viele)
3. Sie sind ein Single (Oh je, Da gibt es auch ne Menge davon)
Was denkt ihr darüber?
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-04 03:06:21 mit dem Titel Mein Fund
Also wage ich mich hiermit an meine erste Erzählung.
Dieses passierte mir vor ungefähr 5 Jahren. Damals war ich ein sogenannter Pendler. Ich arbeitete 5 Tage in Elsterwerda. Nur am Wochenende befand ich mich Zuhause in Berlin. Beide Orte liegen 200 Km auseinander.
Meine beiden Hunde pendelten immer mit. Ich hatte in Elsterwerda ein Bauerhaus gemietet. Mit den Hunden durchstreifte ich nach der Arbeit die Gegend. Wie man es so macht, wenn man irgendwo ganz neu hingezogen ist.
Eines Tages fuhr ich mit meinem Auto die Landstraße entlang. An eienr geeigneten Stelle hielt ich an und stromerte mit den beiden Hunden in das Stückchen Restwald am Wegesrand. Mein Sheltie brachte mir ein Stöckchen nach dem anderen. Welches ich immer wieder wegwerfen mußte für ihn. Das war seine Leidenschaft. Mein junger Collie stromerte in meiner Nähe durch das Gebüsch. Mit einmal hielt er an und rührte sich nicht von der Stelle.
Vor ihm auf dem Boden lang etwas. Er war davor stehengeblieben und beobachtete etwas. Nun wurde auch ich aufmerksam. Also ging ich zu ihm. Vor seiner Schnauze lag ein junger Greifvogel. Wahrscheinlich war er aus dem Nest gefallen. Auch ich begann, das anscheinend tote Tier zu beobachten. Jedenfalls sah es sehr tot aus. Aufmerksam betrachtet ich den Boden um das Tier. Ich sah Ameisen die auf dem Greifvogel rumkrabbelten. Armer Vogel dachte ich. Er war noch ganz plüschig. Seine Deckfedern waren noch nicht entwickelt.
Neben ihm lagen 3 tote Mäuse und tote Käfer.
Hoppla dachte ich. Was machen die Mäuse hier?
Und ganz plötzlich glaubte ich Halluzinationen zu haben. Der Vogel hatte mit den Augen gezwinkert. Ich glaubte nicht richtig gesehen zu haben. Mittlerweile kamen so blödsinnige Gedanken, wie: "Eigentlich könnte man ihn mitnehmen. Er ist eh tot."
Aber da war es wieder, dieses Zwinkern. Er war nicht tot. Er stellte sich tot. So wie es wilde Jungtiere bei Gefahr machen.
Glücklicherweise muß ich sagen, das ich keine Jagdhunde habe. Meine Hunde rührten das Tier nicht an. Auch beschnupperten sie es nicht. Der Collie sah richtig ehrfürchtig aus. Als wüßte er, was für ein schönes Tier der Vogel werden würde, wenn er ausgewachsen war.
Aber dann kamen SIE. Die blöden Gedanken eines Stadtmenschen, "Ich muß ihm helfen!" Ich ging zum Auto zurück, um eine Decke zu holen. Einwickeln wollte ich das Tier und mitnehmen. Zum Tierarzt. Oder zu einem Tierpark. Schließlich lag er da mutterseelenallein im Wald. ohne Eltern. Er würde verhungern.
Beim Auto angekommen, nahmen meine Gedanken wieder klare Formen an. Wie blöd ich war. Das Tier war sicher aus dem Nest gefallen. Die Elterntiere schienen es am Boden zu füttern. Darauf deuteten die toten Mäuse am Boden. Typisch Stadtmensch. Ich muß sagen, das ich eine Kinderarbeitsgruppe im Tierpark Berlin leite. Also bin ich in Sachen natur etwas bewandert. Aber sogar bei mir, setzte der Verstand in diesem Augenblick aus. Mein Herz sagte mir, "Du mußt helfen:"
ABER:
Wildtiere gehören in den Wald. Gefundene Jungtiere läßt man liegen.
Man berührt sie nicht. Die Elterntiere sind sicher auf Futtersuche. Denn sie haben dort ja keinen Supermarkt. Ich Blöde. Natürlich, ich habe es gelernt. Aber beinahe hätte ich einen rießigen Fehler gemacht. Glücklicherweise hatten wir uns das Tier blóß angesehen und in Ruhe gelassen. Glücklicherweise hatte ich mich doch noch richtig verhalten. Ich warf noch einen Blick auf den am Boden kauernden Greifvogel. Wahrscheinlich war es ein Habicht gewesen. Denn die Bauern berichteten von Habichten die ihre Hühner holten.
Dann verließen meine Hunde und ich den Wald. Ich hoffe, der Greifvogel ist gut gefüttert worden und groß geworden. Niemand kann einen Greifvogel so gut aufziehen, wie seine eigenen Eltern.
Ich hoffe, er schwebt heute noch am Himmel und klaut den Bauern ein paar Hühner.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-13 21:21:38 mit dem Titel Herzklopfen kostenlos
Da sitze ich eben so im Internet und vertreibe mir die Zeit. Plötzlich kommt mein Bruder hereingelaufen und sagt, das mußt du sehen. Und jetzt erst bemerke ich meinen fehler, ich habe was verpaßt. Da sitzt ein Typ bei Günther Jauch im Fernsehen und löst ohne Joker eine Frage nach der anderen. Ganz locker. So nebenbei.
Der ist zahnarzt und Opernsänger vom Beruf. Eine kuriose Mischung, denke ich.
Ich renne hinüber ins Wohnzimmer. Das muß ich sehen.
Da kommt die vorletzte Frage.
"Welcher Verteidigungsminister trat nicht wegen einer Affäre zurück?
Da stehen 4 Namen. O Gott, ich weiß ja gar nichts.
Franz Josef Strauß, ja den kenne ich. Ohje, Wörner? Ich habe keine Ahnung.
Er sagt seine Meinung. Danach nimmt er den Publikumsjoker. Jetzt hat er einen Fehler gemacht denke ich. Denn er hat dsa Publikum mit seiner Meinung beeinflußt.
Und richtig. Das Publikum ist keine große Hilfe. Er nimmt den 50 : 50 Joker. Da hat er auch Pech. Dieser löscht seinen Favoriten weg.
Er ruft seinen Freund an.
Der weiß es aber auch nicht.
Nun sind alle 3 Joker weg, mit einem Male.
Er sagt, es ist ein guter Tag zum zocken. Seine Frau schließt schon die Augen. Und er tippt auf Strauß.
Und jetzt kommt der Augenblick, wo ich Jauch zum Mond schießen könnte. Er redet drum herum. Spannt alle auf die Folter und schaltet um zur Werbung.
In dieser Pause habe ich begonnen diesen Bericht zu schreiben.
Mein Bruder schreit, "Es geht gleich weiter!".
Seine Pflegetochter sagt ganz lässig, "Da kommt gerade ein geiler Film, ich schalte mal kurz um."
Nix da mit umschalten. Sie wird doch nicht. 2 Kehlen brüllen vereint los: Wehe du tust das!!!!!
Wir schauen wieder gebannt auf den Bildschirm. Der PC läuft noch.
Und, was ist hat er gewonnen. Hat er Glück gehabt? Dieser Strahlemann, der so selbstsicher aussieht.
Nein, er hat falsch geraten. Seine Frau sieht vollkommen enttäuscht aus. Aber ich denke: "Für 16000" Euro könte ich mir ein neues Auto leisten".
Ich ging mit erhöhten Blutdruck wieder zum PC und schreibe das Ende auf. weiterlesen schließen -
Zwei Kurzgeschichten
Pro:
xxx
Kontra:
xxx
Empfehlung:
Nein
Liebe Yopi-Mitglieder,
heute will ich mal von meinen Erfahrungsberichten abschweifen und euch zwei Kurzgeschichten präsentieren. Diese stammen aus meiner Feder, denn solche Geschichten zu schreiben, ist ein großes Hobby von mir. Ich habe bereits sehr viele veröffentlicht. Viel Spaß beim Lesen.
###### Die Kaufhausdiebin ######
Sonja schob langsam und unauffällig die kleine Schachtel unter ihre Jacke und ging zielstrebig dem Ausgang des Kaufhauses entgegen, als ihr jemand von hinten auf die Schulter tippte ... Sonja erschrak. Erwischt, dachte sie und überlegte schon, wie sie sich herausreden sollte. "Hallo Sonja", hörte sie eine Stimme, die ihr merkwürdig vertraut vorkam. Sie drehte sich um, und sah ihren alten Schulfreund Klaus.
Sie lächelte ihn etwas gequält an. Ausgerechnet der muss mich erwischen, fuhr es ihr durch den Kopf. Au, au, das macht die Sache doch etwas komplizierter. Zu ihrem Erstaunen lächelte er sie aber auch an. Vielleicht hat er mich gar nicht erwischt überlegte Sonja weiter. "Mensch Sonja, wir haben uns ja eine kleine Ewigkeit nicht gesehen", sagte Klaus in herzlichem Tonfall, "wie wärs, wollen wir einen Kaffee trinken gehen, hier ist gleich ein Restaurant." Sonja antwortete erleichtert "au ja, wir können ja etwas plaudern".
Sonja fiel ein Stein vom Herzen als sie die Kaufhauseingangstür durchschritten hatten und ihnen anscheinend niemand folgte. Sie gingen in ein Restaurant auf der anderen Straßenseite. Klaus bestellte zwei Kaffee. Sie sprachen über alte Zeiten. Sonja fragte ihn beiläufig "und was machst du beruflich?". "Ich arbeite als Kaufhausdedektiv", gab Klaus zur Antwort. Sonja liess vor Schreck beinah die Kaffeetasse fallen. Es verschlug ihr die Sprache. "Ich hab schon gesehen, dass dir vorhin etwas unter die Jacke gerutscht ist", unterbrach Klaus die Stille.
Sonja merkte, wie ihr das Blut in den Kopf schoss. An Ausreden war nicht mehr zu denken. "Hast du denn das nötig?" fragte Klaus. Sonja senkte ihren Blick und schüttelte den Kopf. "Es kommt halt manchmal über mich" gab sie leise von sich, "irgendwie brauche ich den Kick". Klaus sah sie lange an und nahm dann ihre Hand. "Lass dir von einem Arzt helfen" gab er ihr zu verstehen, "sonst wird das mal böse enden. Gib mir die Schachtel, ich werde sie nachher unauffällig zurückbringen und dann Schwamm über die Sache." Sonja drückte seine Hand und nickte heftig. Sie tranken ihren Kaffee aus und verabschiedeten sich.
###### Schreck am Abend ######
Manfred war sich sicher, daß er die Wohnungstüre verschlossen hatte als er am Morgen das Haus verließ - und doch stand sie bei seiner Heimkehr sperrangelweit offen ...
Verdutzt und mit weit offen stehendem Mund blieb er stehen. Einbrecher---schoss es ihm durch den Kopf. Mensch, vielleicht sind die noch in der Wohnung, dachte er. Vorsichtig schlich er sich zur Tür. Klick machte es und das Treppenhauslicht ging aus. Manfred fluchte leise vor sich hin. Ausgerechnet jetzt muss das dumme Licht ausgehen. Es war stockfinster. Vorsichtig tastete er sich die Treppenhauswand entlang. Rrrrrring machte es. Er zuckte zusammen. Sein Herz raste.
Manfred konnte sich selbst ohrfeigen. Er war doch tatsächlich mit seiner Hand an den Klingeltaster geraten. Erst jetzt kam ihm die Idee, dass er ja ein Feuerzeug in seiner Jackentasche hatte. Er holte es heraus und zündete es an. Wieder erschrak er, aber es war nur sein eigener Schatten, der da an der Wand zu sehen war. Zögernd betrat er die Wohnung.
Durch das Flackern der Feuerzeugflamme sah alles gespenstisch aus. Wäre ich bloss in meiner alten Wohnung geblieben dachte er, da war ihm jedenfalls jahrelang so etwas nicht passiert.
Irgendwie wirkte der Eingangsbereich der Wohnung verändert. Plötzlich ging eine Tür auf und greller Lichtschein kam ihm entgegen und da stand eine Frau in der Tür. Sie sah ihn und fing furchtbar an zu schreien. Manfred liess vor Schreck das Feuerzeug fallen.
"Raus hier sie Unhold", kreischte die Frau, die offensichtlich ihre Stimme wiedergefunden hatte.Manfred zitterte am ganzen Körper. Aber langsam dämmerte es ihm, das war gar nicht seine Wohnung, er war offensichtlich eine Etage tiefer als erwartet. "Tschuldigung, ich bin ihr neuer Nachbar", gab er kleinlaut von sich, "ich wollte mich nur mal vorstellen". "Ach so", kam es jetzt freundlich zurück, "na dann mal rein in die gute Stube".
Artig folgte er der Aufforderung und nahm auf dem angebotenen Stuhl platz. "Sie haben ihre Tür offengelassen", begann er das Gespräch. "Ja, ja, mein Mann ist nur mal kurz Zigarretten holen", gab sie lachend zur Antwort, " das Haus hier ist sicher, hier braucht man keine Angst zu haben".
Dann begann sie zu plappern wie ein aufgezogener Osterhase. Manfred nickte immer nur aber in Gedanken war er bei sich und seiner übertriebenen Angst. Ein Glück, dass die das nicht mitbekommen hat, schoss es ihm durch den Kopf, und dann betrat auch schon ihr Mann die Wohnung.
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Ich hoffe, die Geschichten haben euch gefallen.
Euer rsdcberlin weiterlesen schließen -
Das Mädchen und das Meer
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Ein Strand. Die untergehende Sonne spiegelt ihr letztes Licht in den Wellen des Meeres.
Der Strand ist menschenleer. Nur ein paar Möwen ziehen ihre Kreise.
Weit draußen sieht man ein Schiff, es scheint sich immer weiter zu entfernen...
Der Wind streicht ihr die Haare ins Gesicht. Ein Mädchen. Auf den ersten Blick ist sie nicht zu erkennen. Denn sie ist Eins mit dem, was sie umgibt.
Sie träumt. Wovon kann keiner sagen. Vielleicht von einem Leben ohne Leid und Schmerz; Vielleicht aber auch von ihm.
Er, der ihr soviel bedeutet.
Er gab ihr den Grund zu leben. Er war – und ist – mehr für sie, als Worte es beschreiben könnten. Sie liebt ihn.
Doch nun ist der Sturm in ihr. Die Verwirrung. Das Chaos.
Er vertraut ihr nicht! Er.
Hat sie nicht gezeigt, wie sehr sie ihn liebte? Das es nie wieder einen anderen geben sollte für sie!
War er es nicht, der ihr sagte, das Liebe und Vertrauen das wichtigste sein. Das man glauben sollte. Er.
Sie hatte ihm nur die Wahrheit gesagt. Niemals würde sie ihn belügen.
Und er!?
Warum? Warum tat er das? Sie liebte ihn doch.
All diese Fragen und diese Leere... Und sie wurde Eins mit dem, was sie umgab... und als die Sonne aufging, war dort wo sie gesessen hatte, eine leere Hülle. Denn ihre Seele – gefüllt mit Liebe – war bei ihm.
Die Möwen zogen ihre Kreise.
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Diese kleine Geschichte habe ich 1992 geschrieben.
Wer mehr lesen möchte kann ja gerne mal auf meiner HP vorbei schauen :o)
http://www.beepworld3.de/members23/rattehamburg/
Lieben Gruß
die Ratte aus Hamburg :o)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-08 23:11:48 mit dem Titel IRRE!
IRRE!
Ich lief, rannte, schoss an den Häuserwänden vorbei. Irr suchten meine Augen nach einem Ziel, nach dem Weg, nach dem nächsten Schritt.
Eine steinalte grässliche Frau die sich in meinen Weg stellte sprang schreiend zur Seite, keifte unverständliches Gebissgesabber und schwang ihre Handtasche durch die Luft. SCHNAUZE! SONST FRESSE!
Ich rannte weiter. Mein Herz hatte aufgehört zu schlagen, meine Wangen glühten, ich schnaufte, schwitzte, aber ich konnte ihn nicht verlieren. Lass mich in Frieden!
Zitternd brach ich zusammen, spürte den Asphalt unter meinen Knien, roch die Abgase der Stadt, fühlte ihre gnadenlose Hitze.
Eine Hand griff nach meiner Schulter und wollte mich stützen...
FASS MICH NICHT AN! Verdammtes Arschloch! Was glaubst Du was Du hier tust? Kümmere Dich um Deinen eigenen Scheiß. ICH STERBE ALLEINE!
Ich erhob mich und ging weiter.
Im Gehen klopfte ich mir den Staub vom Mantel, richtete meine Haare.
SCHEISSE!
Ich hatte Hunger und betrat einen Supermarkt.
Gelangweilt schlenderte ich durch die Reihen bis ich gefunden hatte was ich suchte. Fisch! Ich wollte Fisch. Rollmops.
Die ekeligen, schleimigen, zusammengerollten, mit Teer und Blei verseuchten, glitschigen, silber in Öl glänzenden toten Tiere. Ja die sollten es sein.
Sie passten zu meiner Stimmung. Dazu brauchte ich Schlagsahne und Erdbeeren.
Ich suchte alles zusammen, nahm mir auf dem Weg zur Kasse noch ein Bier mit und bezahlte um mich auf den Weg in den Park zu machen.
An einer Bank hielt ich an und setzte mich. Breitete den Inhalt meiner Einkaufstüte neben mir aus und verteilte den Fisch im Erdbeerbecher um anschließend die Sprühsahne drüber zu sprühen. Lecker!
Ich rückte mich zurecht und tauchte dann mit den Fingern tief in den Becher um das ergriffene zum Mund zu führen. Köstlich!
Ein Spatz landete neben der Bank auf der ich saß und bettelte. Ich warf ihm ein Stückchen Fisch zu und er verschlang es gierig... Es dauerte einen Moment dann brach er tot in sich zusammen. MISTVIEH!
Die Reststoffe sowie die Verpackung meines Abendessens entsorgte ich in dem dafür vorgesehenen Müllbehälter. – Ja, ich hatte es gelernt.
Leerte noch schnell den Inhalt der Bierdose und entsorgte auch sie.
In der Ferne sah ich eine Art Pavillon. Was auch immer es sah gemütlich aus und stand am Wasser. Nett! Dahin würde sie gehen. Es passte nicht zu meiner Stimmung.
JA LEIDE!
Mein Handy klingelte das Zeichen einer SMS Mitteilung.
Ich fingerte es aus der Tasche und drückte die Tasten der Sperre.
1 Kurzmitteilung eingegangen.
Das gelbe Licht des Displays blendete meine Augen, hatte ich nicht in der letzten Woche noch den Gedanken gehabt es einzuschicken. Blau.
Was für eine Unendlichkeit lag hinter mir?
Ich versuchte die Zeit zu fassen und das Geschehene zu verarbeiten.
Einfach nur zu begreifen was passiert ist.
„Werden sie einer der ersten Kunden bei unserem Shop des Monats und gewinnen sie einen von 500 Gutscheinen über 100 €uro! Wählen Sie...“
WERBUNG!
Wer hatte das jetzt schon wieder bezahlt? Ich weil der Anbieter, welche dumme Sau das auch immer sein sollte über einen Ausländischen Anbieter seine SMS verschickt. Oder tatsächlich nur ein lieb gemeinter Rat eines lieben Menschen der sich über gewinnende Menschen freut?
Ich löschte sie und verstaute mein 5210 wieder in meiner Bauchtasche.
Am Nachmittag wollte ich zuhause sein, denn ich hätte mir die Talkshow mit Arabella gerne angeschaut die das Thema hatte: Krank? Oder kann man Dir noch helfen? – Arabella setzt sich für Dich ein.
Immer wieder konnte ich mir diesen MIST anschauen.
Zum Teil war es auch recht lustig. Zum Beispiel an den Tagen wo sich biedere Hausfrauen darum bemühten ihre von den Jahren und der Geburt mehrerer Babys, Spühlmittel und dem Schleppen von schweren Einkauftüten geschundenen Körpern in topmodische Klamotten zu zwängen. Nur um in ihren Ehemännern die seit Jahren nur noch geschlossene Badezimmertüren und Küchenschürzen gesehen hat noch einmal einige Minuten an das Feuer zu erinnern das vor 38 Jahren mal in ihnen gebrannt hat. Im Laufe der Jahre war es mehr zu einem verzweifelten Glimmen geworden noch einmal auf die alten Tage was ändern zu müssen.
Ja ich mochte Talkshows!
Auch wenn die Nachbarstochter mal wieder die Grenze des Minirocks gesprengt hatte, darum der Dorfpfarrer einen hoch bekommen hat und sich an der Hündin des Bäckers vergangen. Und durch einen dummen Zufall ist nun auch noch die Nonne schwanger und es wird vermutet das die Hündin in Wirklichkeit ein Rüde ist.
Der Moderator liest nun das Testergebnis vor. Aber zuerst... DIE WERBUNG!
Nun war es schon kurz vorm Dämmern und ich irrte immer noch durch die Straßen.
Es hatte jetzt richtig zu regnen begonnen und ich erinnerte mich an den Satz der mir vor Jahren aus der Feder gerutscht war:
„Und meine Tränen sollen die Regentropfen sein, die den Weg tränken auf dem Du gehst.“ oder so ähnlich...
Ja, damals hatte ich noch einen Sinn für Romantik gehabt. Damals kannte ich den Schmerz noch nicht. HEUTE war mein Herz gebrochen und...
IRRE! SCHEIß AUF DEIN HERZ!
Ich zieh die Waffe aus meiner Tasche und ziele auf einen Ast an dem ein letztes Blatt hängt, der Sturm hatte seinen Spaß mit diesem Kind von Mutter Erde gehabt.
Klick.
Nichts geschieht.
Kugeln. Ich hatte die Kugeln vergessen.
Ein Lachen stößt an mein Ohr. Ein Kichern.
Hatte ich Dir nicht gesagt das Du verschwinden sollst!
„Entschuldigen Sie wie spät ist es?“
UHRZEIT?
Nee nä. Ich ignoriere ihn und geh weiter.
ARSCHLOCH!
Ich musste Ruhe finden. Ficken. Meinen Sinn abgeben.
Ich geh nachhause.
Tür, Telefon, Licht, schnell noch mal ins Bad, eine CD eingeschmissen, da klingelte es auch schon an der Tür. Dunkel sollte er sein hatte ich gesagt. Groß, schlank und helle Augen, längeres Haar. Ich öffne die Tür und lehne mich verführerisch in meinen Strapsen in der Tür. Ja, das war es was ich mir vorgestellt hatte.
„Komm rein!“
Er schließt die Tür hinter sich.
Ich lege mich aufs Bett und zünde die Kerzen an. Zieh die Bo unter dem Bett hervor und stopfe mir einen Kopf.
„Ausziehen!“ sage ich.
Er folgt. Verführerisch räkelt er sich im Takt der Musik und schwingt seine Hüften.
Zieht sich langsam aus und streckt mir seinen knackigen Hintern entgegen.
„Wie ist Dein Name?“ fragt ich.
„Nenn mich wie Du willst...“
Er steht vor mir, nackt bis auf den knappen String der vermuten lässt das es eine angenehme Nummer werden wird.
„Zieh ihn aus!“ sage ich.
Er zieht ihn aus und setzt sich neben mich auf das Bett.
Ich rauche meinen Kopf und biete ihm auch einen an, dankend lehnt er ab.
Entspannt sinke ich in die Kissen und er beginnt meinen Körper zu erkunden.
FICKEN!
Er ist wie ein Gott, wie ein Engel. Ich kenne ihn und vertraue ihm. Lasse mich fallen und ergebe mich seinem Willen. Ich lasse ab von allem irdischen, lasse meinen Sinnen freien Weg. Lasse los.
Wundervolle Gefühle steigen in mir auf, konzentrieren sich auf seine Berührungen.
Fühle die Liebe, die Sanftheit, sie Wärme.
Spüre den Schmerz, die Härte, die Kälte.
ICH LIEBE DICH!
Ich drehe den Schlüssel in der Haustür und geh ins Bad.
Lass Wasser in die Wanne und kippe irgendein blaues Zeug hinein. Es schäumt.
Vom Bett hole ich die Kerzen und stelle die neben den Wasserhahn.
Ich steig ins heiße Wasser und entspannte mich. Das leise tropfen des Hahnes ist das einzige Geräusch.
IRRE!
Ich weiß das es an der Zeit ist es zu beenden.
Ich schließ die Augen und entspanne meine Muskeln.
Verzeih mir...
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-10 13:28:02 mit dem Titel Engel
Vorsichtig öffnete sie das Fenster. Der Rahmen knarrte leise und als es aufschwang um still klirrend an die Jalousie zu stoßen, sie kletterte hinein.
Stockdunkel war es im Zimmer, nur das Licht des Mondes schenkte einen Schimmer Licht der Umrisse erkennen lies.
Als ihre Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten machte sie einen Schritt weiter in den Raum hinein und stieß gegen etwas schweres großes das auf dem Boden stand – sie tastete, es war der Aktenkoffer. Sie machte einen Schritt über ihn hinweg und horchte. Zu ihrer Linken hörte sie das leise Rauschen des PC ´ s, rechts sein leises Atmen...
Sie trat an sein Bett. Das fahle Licht das durch das Fenster am Kopfende fiel schimmerte bleich auf seiner Haut und verlieh ihm ein unwirkliches mystisches Aussehen. Er war wunderschön!
Sie lies sich auf dem Bettrand nieder und strich sanft durch sein Haar. Die Berührung erschütterte ihren Körper und stach in ihr Herz und hinterlies einen süßen Schmerz.
Sie liebte ihn noch immer!
Friedlich lag er da vor ihr, tief in seinen Träumen versunken, schlafend.
Es tat ihr so leid! All das Leid das sie ihm angetan hatte, den Kummer den sie bereitet hatte, die Lügen, das gebrochene Vertrauen. Ihre Schuld wog so schwer.
Sie war hier um ihre Schuld zu sühnen, sich zu entschuldigen und seinen Teil der Schuld zu hören.
Sie schloss ihn in ihre Arme, fest, er merkte es nicht.
Tief drang sie in seine Gedanken ein, schlich sich in seinen Traum und trat zu ihm.
Erstaunt blickte er sie an! „Was machst Du denn hier?“
„Ich wollte bei Dir sein...!“
Er zeigte ihr seine Welt. Sie sprachen über die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft. Er erzählte, sie schwieg.
Sie zog ihm jedes Wort von seinen Lippen, folgte dem Schein seiner Augen, versank darin, Wärme.
Sie sprach ihr Bedauern aus, weinte Tränen der Schuld die sich zu Flüssen ergossen um zu Meeren zu werden.
Er hielt sie, nahm ihr all die Schuld, verzog jedes Wort in dem Moment in dem sie es sprach. Er vergaß, er glaubte und er vertraute.
Sie schöpften aus der Kraft die sie in ihrer Zeit geschaffen hatten. All die Momente, die Stunden des Glücks, die Worte die Kraft gesprochen hatten, die Sehnsucht, die Leidenschaft des vergangenen halben Jahres, die Wolken auf denen sie gegangen waren, die Schlösser die sie gebaut hatten, die Welten die geschaffen wurden.
Der Moment in dem er aufgehört hatte an sie zu glauben, der Moment in der er das Vertrauen verloren hatte, der Moment in dem sie ihm den Anlass dazu gegeben hatte.
Sie mussten sich nun trennen...
Noch eine Umarmung, nicht endend wollender Moment der Angst los lassen zu müssen.
Ein letzter Kuss, süchtig machende Ewigkeit, der in süßem Schmerz das Herz bricht wenn man das Ende erkennt.
Ein letzter Blick, hat die Welt jemals so viel Schmerz gesehen.
„Leb wohl!“
„Ich liebe Dich!“
„Verzeih mir...“
...
Sie entlies ihn aus ihrer Umarmung und richtete sich auf.
Es war heller geworden und das Licht des Mondes begann den Kampf gegen die ersten Strahlen der Sonne. Es regnete leicht und ein Regenbogen stand am Himmel, prächtig in seinen Farben, noch von Mondlicht getränkt...
Sie küsste seine Stirn – Sehnsucht!
... Leb wohl!
Sie stand auf und ging zum Fenster, stieg hinaus und schloss es leise hinter sich. Tränen.
Ein Schritt...
Er erwacht.
„Engel?“
Sie schloss die Augen, Schmerz!
„Engel, bist Du da?“
„Verzeih.“
Sie betritt den Schein des Regenbogens und verschwindet als der Tag anbricht... weiterlesen schließen -
Heimweg
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Ich stieg langsam aus dem Bus von der Arbeit. Ich arbeitete in einem Café. Heute musste ich mittags arbeiten, also war es noch recht früh. Jetzt nur noch 5 Minuten laufen und ich war zu Hause.
Ich holte die Zigaretten aus der Jackentasche und zündete eine an. „Kannst du mir mal Feuer geben?“, fragte mich da jemand. Ich drehte mich um und sah Jonas , er war mit mir in einer Grundschulklasse. „Natürlich“, antwortete ich und gab ihm Feuer. „Danke“, sagte er und drehte sich wieder ohne ein weiteres Wort um. Ich setzte ebenfalls meinen Weg fort
.
Vorbei am kleinen Lebensmittelladen und dem verwahrlosten Haus, in dem wir früher immer „Geisterjäger“ gespielt haben. Und da war dann auch schon der Bolzplatz, Austragungsplatz vieler Fußballspiele. Auch heute war er wieder besetzt. Ein paar Jugendliche waren dort. Ich blieb am Zaun stehen und sah ihnen ein wenig zu. Unter ihnen erkannte ich auch Frederik, mit dem ich mal ein prima Stürmerduo abgab. Er schoss gerade ein Tor und lief zu seinen Teamkollegen, klatschte mit ihnen ab und lachte mit ihnen. Danach griff er gleich einen Gegenspieler an und grätschte ihn um, half ihm aber sofort wieder auf.
In diesem Augenblick knallte der Ball genau vor mir gegen den Zaun. Ich zuckte kurz zusammen und die Zigarette fiel mir aus der Hand. Genau in eine Pfütze, nicht mehr zu gebrauchen. Als ich wieder aufblickte, stand Frederik vor mir, bückte sich gerade nach dem Ball. Ich nickte ihm zu. Er drehte sich um und warf den Ball zurück. Dabei traf er eine Taube, die in diesem Moment dort lang flog. Es kümmerte ihn nicht.
Ich zündete mir eine neue Zigarette an und ging weiter. Nach weiteren 100 m kramte ich nach meinen Schlüsseln. Ich hörte schon die Bauarbeiter, die die Straße ausbesserten, genau vor meiner Wohnung. Bei Tag hieß das unerträglichen Lärm, abends Kinder, die dort spielten. Die halbaufgerauchte Zigarette warf ich in den schmalen Spalt zwischen den Häusern, dahin, wo sie keiner sieht. Meine Hand zitterte, als ich die Tür öffnete. Ich sah im Briefkasten nach, fand aber nur Rechnungen und Prospekte. Noch ein paar Stufen und ich war vor meiner Wohnungstür.
Ich schloss auf und ging hinein, direkt in die Küche und zum Kühlschrank. Eine Schüssel Frosties sollte erst mal reichen. Ich setze mich ins „Wohnzimmer“ und schaltete den Fernseher ein. Ich zappte lange, bis ich mich schließlich dazu entschloss, den Fernseher wieder auszuschalten. Die Schüssel brachte ich in die Küche zurück. Zurück im Wohnzimmer griff ich wahllos nach einer CD, legte sie ein und drückte auf Random. Es kam „Herrliche Jahre“ von den Ärzten. Ich öffnete mein Fenster, setze mich auf die Fensterbank und sah den Bauarbeitern zu. Sie legten gerade die neuen Pflastersteine für den Bürgersteig. So saß ich da, und schließlich erklangen die ersten Töne von „The Kid’s aren’t Alright“. Die Bauarbeiter packten ihre Lunchpakete aus, tauschten Essen aus, machten Witze. Es folgte „The Unforgiven“ von Metallica und die Arbeiter nahmen mit einem Schulterklaps ihre Arbeit wieder auf. Als „Atwa“ von System of a Down anfing, ärgerten sie sich über Zigarette, die auf den frisch gepflasterten Bürgersteig fiel. Und schließlich kam wieder Metallica, „Fade to Black“. Der Polier griff sich kurz in den Nacken, um den ersten Regentropfen wegzuwischen. weiterlesen schließen
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