Pro:
es lohnt sich als Tourist, man braucht nicht mehr nach Holland zu fahren, nette Leute, gute Luft
Kontra:
sag ich lieber nicht, sonst darf ich nicht mehr nach Hause
Empfehlung:
Ja
Vor ein paar Tagen habe ich gesehen, dass meine Geburtsstadt hier zwar als Kategorie existiert, aber noch niemand etwas darüber geschrieben hat.
Fährt etwa keiner hin, kennt niemand diese alte Schiffbauerstadt, in der es so viel zu entdecken gibt? Schade!
Darum erzähle ich euch jetzt mal ein bisschen über Papenburg.
Papenburg ist eine Kleinstadt in der nordwestlichen, äußeren Ecke Deutschlands in unmittelbarer Nähe Ostfrieslands.
Man findet sie nur ein paar Autominuten von der holländischen Grenze entfernt im sogenannten ehemaligen Armenhaus unserer Republik, dem Emsland. Respektlos wurde es noch bis vor ein paar Jahrzehnten von seinen Bewohnern "Muffrika" genannt, halt so unwegsam und bettelarm wie das Afrika in der Fantasie der einfachen Leute.
Lange Zeit hinter großen Mooren und unwegsamen Sümpfen verborgen, mit eigenwilligen Einwohnern, immer noch mit Besonderheiten in Sprache und Sitten, befindet sich die Stadt Papenburg im Wandel. Weg von einer hauptsächlich bäuerlichen Strukturierung, hin zu Unternehmertum und Tourismus, geprägt aber immer von einer urwüchsigen Natur, die sich zu einem beliebten Ferienparadies entwickelt.
So kommt es, dass in dieser Stadt Gegensätze hart aufeinander treffen.
Auf der einen Seite die alten Kirchen, Gründerhäuser und Museen, in denen die harte Arbeit der Moorkolonisten gezeigt wird und auf der anderen Seite ein moderner Hafen mit einer leistungsfähigen Werft und viele verschiedene zukunftsorientierte Industrie- und Gewerbebetriebe.
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Anreise
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Papenburg, mit seinen fast 36 000 Einwohnern liegt in Niedersachsen, genauer im Norden des zweitgrößten Landkreises Deutschlands, dem Emsland. Mit seinen 2880 Quadratkilometern ist das Emsland sogar noch etwas größer als das Saarland.
An drei Stadtgrenzen von Ostfriesland eingekeilt, ist Papenburg der südlichste Seehafen an der Küste, zusätzlich über die Bundeswasserstraße Ems an das europäische Binnenwassernetz angeschlossen.
Größere und bekanntere Städte in der Nähe sind Leer/ Ostfriesland (ca. 20 km entfernt) und Oldenburg (ca.80 km entfernt) oder Emden (ca.50 km)
Erreichen kann man Papenburg direkt über eine Anbindung an die Autobahn A31 (Nordsee-Ruhrgebiet), über die unmittelbar angrenzende A28 (Oldenburg-Bremen), sowie die A7 (Niederlande).
Mit der Deutschen Bundesbahn fährt man die Interregiostrecke Münster-Norddeich.
Und falls ein Besucher fliegend anreisen möchte, auch kein Problem: Ein Regionalflughafen Leer- Papenburg existiert auch.
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Übernachtungsmöglichkeiten und Gastronomie
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Die gibt es überall, in jeder Form und in vielen Preiskategorien.
Gute Mittelklassehotels (bis ca.200 Euro für das Doppelzimmer mit Frühstück) bis hinunter zu Pensionen (ca.30 Euro ebenfalls für ein Doppelbett mit Frühstück), Ferienhäuser, Ferienwohnungen, private Zimmer und Campingplätze. Das alles lässt keine Wünsche offen, nehme ich doch mal an.
Für mehr und detailfreudigere Informationen geht doch einfach auf: www.papenburg.de oder noch einfacher: Klickt oben!
Kulinarische Höhenflüge und exklusive Bars wird der Besucher sicherlich nirgendwo finden. Aber eine gepflegte Gastlichkeit erwartet ihn und eins hat Papenburg mit Berlin gemeinsam: Die gemütlichen Eckkneipen.
(Da empfehle ich die "Bierakademie" am Hauptkanal, direkt neben dem historischen Rathaus. Darüber ist ein kleines Café, dass wegen seiner Aussicht ganz nett ist. Auch zu erwähnen ist das "Ems-Center" mit seinen Geschäften und Kneipen.)
Bestellt doch einfach mal ein "Köppje Tee" oder den traditionellen Buchweizenpfannkuchen, der ebenfalls mit Tee zubereitet wird.
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Die Stadt und ihre Geschichte
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Der Name der Stadt geht auf die alte Wasserburg "Papenborg" zurück, die zwischen dem vom Hümmling herunterreichenden Geestrücken und den ostfriesischen Marschen auf einer riesigen Moorfläche stand.
Ein Chronist nannte sie damals "ein wild moratzig Fehn" und noch heute wird in einem alten Heimatlied dieser unfreundliche Flecken Erde besungen. "Denk Papenburg, wie klein du angefangen, als Kolonie in einem wüsten Moor" heißt es da und verweist auf die schwierige Entwicklungsgeschichte der Stadt.
Die Papenborg markierte die nördliche Grenze des ehemaligen Fürstbistums Münster gegen Ostfriesland und dem Bischof als Landesherrn gehörte sie seit 1438. Diese Burg nutzte der Bischof als Stützpunkt für seine Reisen ins Ostfriesische, das ihm zwar kirchlich unterstellt war, aber auf seine politische Unabhängigkeit pochte.
Wie man sich vorstellen kann, haben sich die Bewohner der Burg und Ostfriesen deswegen öfter in die Haare bekommen.
Als in Deutschland noch der 30jährige Krieg tobte, erkannten ein paar Leute, dass sich das Moor durchaus auch wirtschaftlich nutzen ließe.
Im Dezember 1631 kaufte so der Drost Dietrich von Velen diese Landschaft für 1500 Reichstaler.
Er warb die ersten Siedler an, die sich neben der schon verfallenen Burg niederließen und nach holländischem Vorbild begannen, Gräben durch das Moor zu ziehen. So wurde das Moor entwässert und diese Gräben dienten gleichzeitig als Transportweg für den dadurch entstehenden Torf, der eine wichtige Handelsware als Brennmaterial und Düngemittel darstellte. Jeder Siedler musste erst einmal ein Stück Kanal graben, bevor er ein Grundstück erhielt. Die Kanäle wurden weit ins Moor getrieben und von einem Hauptkanal zweigten sich bald viele Arme ab.
Daher kommt es, dass sich Papenburg flächenmäßig anders entwickelte als die meisten anderen Städte, die ja um einen Marktplatz und eine Kirche, vielleicht noch umgeben von Festungsmauern, entstanden sind. Papenburg aber wuchs entlang dieser Kanäle und kann daher kein eigentliches Stadtzentrum aufweisen. Es gibt aber die Stadtteile "Obenende" und "Untenende", in denen durch Kirchenbau ein wenig städtische Verdichtung stattfand.
Papenburg ist die älteste und größte Fehnkolonie (Moorsiedlung) Deutschlands und hat seinen ursprünglichen Charakter im Stadtbild erhalten.
Fast vierhundert Jahre später bestimmen die Kanäle immer noch das Aussehen dieser Stadt. Heute wie damals muss beim Wechsel der Straßenseite ein Kanal überquert werden, was durch die vielen Brücken aber kein Problem darstellt.
Wegen dieser vielen Brücken über den rund 40 km künstlichen Wasserstraßen wird Papenburg auch oft "Venedig des Nordens" genannt, obwohl es hier eigentlich eher aussieht wie in den Niederlanden.
Eigentlich müsste man ja sagen, die Kanäle bestimmen w i e d e r das Stadtbild, denn in den fünfziger und sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts fiel eine Menge an historischer Substanz dem Zeitgeist zum Opfer.
Es verschwanden Schleusen, Dreh- und Klappbrücken aus dem Stadtbild, die Kanäle wurden verschmälert oder ganz zugeschüttet, zugunsten der Autofahrer und einer vermeintlich besseren Infrastruktur.
Ende der siebziger Jahre kam dann die Kehrtwende in den Köpfen der Bürgerschaft: Die Kanäle sind das stadtbildprägende Element Papenburgs und somit zu erhalten! Die Rekonstruktion der "Stadtmitte" wurde mit viel Liebe und Traditionsbewusstsein vorangetrieben. So ist heute ein großer Teil wieder hergestellt und den Touristen gefällt es auch.
Ganz besonders stolz ist Papenburg auf seine Schiffbautradition. So ist in alten Dokumenten nachzulesen, dass im Jahr 1868 allein 44 (!) Schiffe unter Papenburger Flagge in Buenos Aires ankerten. Allerorten findet man Erinnerungen an die Zeit, als die tüchtigen Kapitäne mit "Windjammern" Reichtümer aus aller Welt mitbrachten, bis die Dampfschifffahrt die Segler verdrängte und Papenburg in eine schwere Wirtschaftskrise stürzte. Von den ehemals 19 Werften der Stadt ist nur eine geblieben, die Jos.-L.-Meyer-Werft. Der wichtigste Arbeitgeber der Stadt baut in seinen zwei überdachten Trockendocks (übrigens die größten, die es auf unserem Globus gibt) riesige Kreuzfahrtschiffe für Auftraggeber aus der ganzen Welt.
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Sehenswürdigkeiten
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Eigentlich ist die ganze Stadt eine einzige Attraktion.
"Schmucke Wasserstraßen schaffen ein einmaliges Stadtbild", dieser Satz findet sich in einem Prospekt des Fremdenverkehrsvereins.
Sehenswert sind z.B. auch viele historische Bauwerke und die überall in der Stadt verteilten Schiffe, die Teile des Freilichtschifffahrtmuseums (schwieriges Wort) sind. Nachgebaut nach historischen Schiffsrissen, wurden sie von den Auszubildenden der Meyer-Werft geschaffen.
Auf einem dieser Museumsschiffe, der Brigg "Friederike von Papenburg", das vor dem Rathaus im Hauptkanal ankert, kann geheiratet werden.
Eine schöne Kulisse für eine Hochzeit: In der Mitte das historische Schiff, links das Rathaus im nordischen Barock, mit der riesigen Lilie der Bourbonen aus Buchsbaum auf dem Vorplatz, und rechts der mächtige Turm von "St. Antonius", einer der schönsten neugotischen Hallenkirchen.
Und falls ihr euch jetzt fragt, wie kommt eine Lilie dorthin, hier ist die Antwort.
Papenburg ist seit der schweren Wirtschaftkrise Ende der zwanziger Jahre auch eine Stadt der Gärtner und der Gärtnereinen. Kein Schiff wurde damals mehr bereedert und allein auf der Meyer-Werft gab es bescheidenen Schiffbau.
Es waren wieder holländische Erfahrungen, die die Grundlage für einen neuen, bedeutsamen (und im wahrsten Sinne des Wortes blühenden) Wirtschaftszweig bildeten. Ein Gärtner wurde angeworben; er gründete die städtische Gärtnerei und brachte den Papenburgen die Unterglasgärtnerei bei. Ganz Europa wird inzwischen mit Gemüse und Blumen aus meiner Heimatstadt beliefert und so kommt es, dass so mancher Balkon, egal ob in Berlin oder München, sich mit Geranien aus Papenburg schmückt.
Und die Lilie? Eine der Partnerstädte der Kanalstadt ist das französische Rochefort, das eine ähnliche geschichtliche Entwicklung hatte. Die Gärtner aus Rochefort horten die größte Begoniensammlung der Welt und anlässlich einer Blumenschau im Jahr 1989 wurde dieses Lilienemblem als Zeichen der Verbundenheit der beiden Städte zuerst aus Begonien gepflanzt.
Übrigens wird diese Blumenschau, die die Stadt in ein einziges Blumenmeer verwandelt, alle zwei Jahre wiederholt. Unter dem Motto "In Papenburg, da blüht dir was" lockt die Stadt Hunderttausende von Besuchern an und verwandelt sich in für ein paar Tage in einen Ort mit mediterranem Flair. Aber leider nicht in diesem Jahr 2002.
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Spezielle Sehenswürdigkeiten
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Kru mmes Meer
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Das ist ein Naturschutzgebiet, ein noch "lebendes" Hochmoor östlich von Papenburg. Man kann dort auf unbefestigten Wegen spazieren gehen, was im Winter nicht so ganz einfach ist. Am besten ist es, der Besucher macht eine Führung mit.
Heimatmuseum Papenburg
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Die Sammlungen hier konzentrieren sich auf die Bereiche "Moor und Moorkultivierung", sowie "Schiffbau und Schifffahrt".
Ortspezifische Besonderheiten werden in der "Papenburger Küche" und der "Kapitänsstube" illustriert.
Dokumentations- und Informationszentrum Emslandlager Papenburg (DIZ)
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Das DIZ dokumentiert die nationalsozialistische Vergangenheit des Emslandes.
Zwischen den Jahren 1933 und 1945 errichteten die Nazis mehrere Konzentrationslager für Strafgefangene, politische Häftlinge und Kriegsgefangene im Moor. Unter anderem Aschendorfermoor und das bekanntere Esterwegen, in dem Carl von Ossietzky (Friedensnobelpreis 1935) inhaftiert war und dort entstand auch das Lied "Wir sind die Moorsoldaten".
Zu den authentischen Lagerstandorten werden Fahrten angeboten, viel zu sehen gibt es aber nicht mehr.
Haus Altenkamp
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Das restaurierte Gutshaus des Drosten, dem Verwalter des Emslandes, ist ein "Kleinod ersten Ranges" (O-Ton Reiseprospekt), dass für Ausstellungszwecke genutzt wird. Unterstützt werden diese hochinteressanten Ausstellungen von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin.
Außerdem befindet sich in Aschendorf das Hauptwerk der Gardine mit der Goldkante: "ADO".
Und wie der aufmerksame Leser sehen kann, leitet sich "ADO" von Aschendorf ab. Aschendorf wurde in den siebziger Jahren trotz heftigster Bürgerproteste eingemeindet und ist seitdem ein Stadtteil von Papenburg.
Von-Velen-Anlage
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Dieses kulturhistorische Fehnmuseum am Obenende ist ein Freiluftmuseum mit dem alten "Papenbörger Hus" und beherbergt auch eine historisch-ökologische Bildungsstätte. In der Anlage wird ebenfalls die Entwicklung der Fehnkolonie auf anschauliche Weise dokumentiert.
Bockwindmühle
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Di ese historische Bockwindmühle an der Wiek (so heißt einer der Kanäle, gegenüber ist übrigens das DIZ) ist die einzige, die es im Emsland noch gibt.
Sonstiges ( in Papenburg und unmittelbarer Umgebung)
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- Prüfgelände der Daimler-Chrysler AG
- Teststrecke der Transrapid- Magnetschwebebahn
- 18-Loch-Golfplatz
- Stadt- und Hafenrundfahrten
- Katamaranfahrt nach Borkum oder Helgoland (auch sehr zu empfehlen)
- Pferdesport
- Natürlich jede Menge Wassersport
- Kultur- und Freizeitzentrum "Forum Alte Werft"
- Der "Alte Turm" am Obenende, ein Nachbau des Riganer (Lettland) Leuchtturms
- Meyer-Werft-Besichtigungen
- Theater, Schützenfeste, Märkte
- "Kanal-Patent", das ist ähnlich dem Ostfriesen-Abitur
- Jede Menge Natur, insbesondere Moorlandschaften, Heide und Badeseen
- Pauschalangebote für Touristen
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Fazit und Tipps zum Schluss
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Ein Fazit kann ich eigentlich gar nicht hier abgeben, denn ich bin absolut parteiisch.
Es lohnt sich, diese Stadt zu besuchen, sei es als Tagestourist oder für mehrere Wochen.
Gerade die Vielseitigkeit der Stadt fasziniert Besucher und so mancher hat sich schon gefragt, ob er wohl noch in Deutschland ist und nicht im benachbarten Holland.
Falls ihr mal vorbeischaut, vergesst eure Fahrräder nicht oder leiht euch in Papenburg welche. Bei der guten Seeluft und dem ebenen Gelände fährt es sich eh leichter als in einer miefigen Großstadt oder einer hügeligen Gegend. Nur der stetige Wind oder ein Regenschauer könnten dieses Freizeitvergnügen etwas trüben. weiterlesen schließen
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