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Tests und Erfahrungsberichte
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Sam McBratney, Anita Jeram : "Weißt Du eigentlich, wie lieb ich Dich hab?"
28.03.2003, 19:51 Uhr von
Tinitus
<< Ich kann nicht leben ohne: The Original Mini Cooper (*Rover*) <<< my Dream !!!! >>>5Pro:
Ein sehr schönes Buch... ...eindrucksvoller, einfacher und liebenswerter kann man die Unmöglichkeit "Liebe" zu beziffern nicht darstellen und am Ende gelingt es doch!
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Die schönste Liebeserklärung !!!
Weißt Du eigentlich wie lieb ich Dich habe...
Wer kennt die Situation nicht, in dem man dem anderen sagen möchte, wieviel er einem bedeutet, man aber keine Worte dafür findet....
Genau davon handelt auch diese Buch:
Der kleine Hase möchte dem großen Hasen gerne mitteilen, wie lieb er ihn hat: Und dann beginnt zwischen den beiden ein Wettstreit, in dem jeder den anderen Übertrumpfen möchte...
Der große Hase kann seine Arme eben weiter auseinanderbreiten - und er kann auch größer hüpfen... Der kleine Hase ist schon ganz verzweifelt, weil er es nicht schafft, dem großen Hasen genügend zu zeigen, wie sehr er ihn liebt... Als ihm dann schon fast vor Müdigkeit die Augen zufallen kommt ihm die rettende Idee:
Bis zum Mond hat er den großen Hasen lieb - und als der kleine Hase dann schläft, stellt der große Hase fest: "Bis zum Mond und wieder zurück haben wir uns lieb...".
Für sie beide ist diese Strecke nämlich unvorstellbar lang und entspricht damit in etwa dem Gefühl, das beide ausdrücken wollen.
Die Autorinnen Sam McBratney & Anita Jeram schaffen es in diesem Buch jeden Leser wieder in seine Kinderzeit zu versetzen.
Wer wollte nicht immer den anderen Übertrumpfen, und ihn "mehr lieb" haben. Und, obwohl das Buch wohl an Kinder gerichtet ist, wird es auch jedem Verliebten ein Lächeln entlocken.
Wie kann man schöner sagen: Ich liebe Dich? Das Buch ist sicherlich für jedes Alter ein Genuß.
Das Buch ist einfach wunderschön - auch die Zeichnungen sind niedlich und entzückend.
Ich jedenfalls habe das Buch meinem Freund geschenkt, mit diesem Buch konnte ich ihm beweisen und auch zeigen wie Lieb ich ihn habe!
Ich denke es hat eine Bedeutung für Ihn, denn er hat erkannt was das Buch eigentlich aussagen will.
Das Buch kann sehr hilfreich sein, wenn man seine Liebe zum anderen nicht mehr in Worte fassen kann, es kann das schönste Geschenk sein - das man einem Menschen machen kann
Autorinnen: Sam McBratney & Anita Jeram
Sprache: Deutsch
Erscheinungsdatum: 1994
Mini-Taschenbuch - Sauerländer, Ffm.
ISBN: 3794144023
Euro: 5,00 €
Taschenbuch - Sauerländer, Ffm.
ISBN: 3794142179
Euro: 6,00 €
Gebundene Ausgabe - Sauerländer
Erscheinungsdatum: 1994
ISBN: 3794137752
Euro: 15,80 €
liebe Grüße
Tini weiterlesen schließen -
Das Lazaruskind von Robert Mawson ... ein Buch das sehr nachdenklich macht!
19.03.2003, 23:04 Uhr von
Prisca
Ich schreibe z.Z. unter anderen Sean Astin Film (-und Co) Berichte, um euch diesen tollen Schausp...Pro:
geschichtlich sehr interessant
Kontra:
als Roman für mich eher oberflächlich
Empfehlung:
Nein
Wäre ich jetzt Heinz Erhard, würde ich sagen: Und noch´n Gedicht!
Aber ich bin ja nicht Heinz Erhard, ich bin´s nur, Prisca! Und darum an dieser Stelle: Und noch´n Buch! ( Sorry, wenn ich euch augenblicklich mit Buch Beschreibungen zuschütte, mir ist so danach! Und ich schreibe eigentlich immer nur, wonach mir gerade ist!)
Heute soll es um ein ganz besonderes Buch gehen.
DAS LAZARUSKIND
von Robert Mawson. Noch nie gehört?! Dann habt ihr was verpasst, ehrlich.
Vielleicht kann ich euch ja ein wenig neugierig machen, auf das zweite Buch dieses eher unbekannten Autors. Die Ausgabe die ich vorliegen habe, stammt vom Bertelsmann Club. Es war eine Club Premiere ( das heißt, dieses Buch wurde erstmals in Deutschland im Club veröffentlicht) – inzwischen kann man es aber auch ganz normal im Buchhandel kaufen.
Angesprochen hat mich eigentlich das Titelbild. (Übrigens ein anderes, als das oben abgebildetete) Es ist ganz in blau gehalten. Oben rechts kann man ein Mädchengesicht erkennen, unten links steht ein kleiner Junge halb im Wasser. Der untere Teil ist unterlegt von eben diesem Wasser, der obere Teil von einer (hm!?) Sonnenuhr. In schlichten, gelben Buchstaben kann man den Titel des Buchs lesen ( Das Lazaruskind) und kleiner ( in weiß) Robert Mawson.
Da ich ja von Natur aus geizig bin, was meinen Lesestoff betrifft, habe ich es natürlich nicht im Club erstanden sondern gewartet, bis ich es für (damals) 9,-- DM (INCL. Porto) als gebundene Ausgabe ersteigern konnte. Heute gibt es das Buch häufig schon für 1,-- bis 2,-- Euro zu ersteigern.
Jetzt zum Inhalt des Buches:
Ein kleines Mädchen (Frankie) und ihr Bruder (Ben) sind mit einer Freundin auf den Weg zur Schule. Ben läuft vor ( Was die Mädchen wieder zu trödeln haben!), um sich noch schnell einen Comic zu kaufen – und da geschieht das Unglaubliche. Die beiden Mädchen wollen ihm über eine belebte Straße folgen, achten nicht auf den Verkehr, werden von einem LKW erfasst. Die kleine Isabelle ist sofort tot, Frankie kann wiederbelebt werden, erlangt aber ihr Bewusstsein nicht zurück.
Ben zieht sich voller Schuldgefühle in sich zurück, der Vater der beiden fühlt sich hilflos und ebenfalls schuldig ( er hatte seine Frau kurz vor dem Unfall betrogen, woraufhin diese ihn aus dem Haus warf. Nur deshalb waren die beiden Kinder, die sonst immer von ihm zur Schule gebracht wurden, diesmal allein), die Mutter klammert sich verzweifelt an die Hoffnung, das Frankie wieder aufwacht.
Es vergeht eine lange Zeit, die Ärzte machen den Eltern keine Hoffnung für Frankie und Ben zieht sich immer mehr zurück. Eine Psychologin rät, Frankie sterben zu lassen – dann könnte wenigstens Ben den Verlust seiner Schwester verarbeiten und wieder ins Leben zurückfinden. Die Mutter wehrt sich verzweifelt – der Vater erkundigt sich. Doch was er erfährt, lässt auch ihn erschrocken zurück. Es gibt ein Gesetz, das aktive Sterbehilfe verbietet. Frankie dürfte also z.B. nicht durch eine erhöhte Dosis Medikamente erlöst werden. Als passiv geduldet würde es aber, im Falle einer zusätzlichen Infektion den geschwächten Körper nicht mit Medikamenten zu heilen – ODER das absetzen der künstlichen Ernährung! Das würde bedeuten, Frankie müsste verhungern, oder langsam an einer Krankheit sterben, die man nicht behandelt. Beides für ihre Eltern undenkbar!
Szenenwechsel!
Elizabeth ( Lizzie) musste als Kind den Tod ihres Bruders mit ansehen. Unbewusst entwickelt sie den Entschluss, später Kindern in seiner Situation zu helfen. Sie wird Ärztin – setzt sich besonders für Komapatienten ein. Eines Tages gelingt es ihr tatsächlich, einen bereits aufgegebenen Patienten wieder „ zu erwecken“ , ihn in ein normales Leben zurückzuholen. Die Presse ist begeistert, sie bekommt viele Anfragen von Menschen in ähnlicher Situation.
Aber kann sie ihnen helfen?
Sie gründet eine Komaklinik – ein umstrittenes Projekt, das von Beginn an von der Schulmedizin nicht gern gesehen wird und das ständig mit finanziellen Problemen zu kämpfen hat. Trotzdem verbucht sie Erfolge – sie kann einige Kinder heilen, manche nur teilweise „zurückholen“, so das sie stark behindert bleiben – und einige Patienten sterben auch. Das ruft trauernde Angehörige auf den Plan, die einen Schuldigen suchen – und die Presse. Es wird an die Öffentlichkeit gezerrt: Die Methoden, mit denen Lizzie versucht, die Kinder zu erreichen, sind sehr „eigenwillig“ – Hypnose und Drogen sind noch die harmlosen – sie arbeitet auch mit Elektroschocks, mit Methoden, für die es noch nicht mal einen Namen gibt. Lizzie gibt offen zu: ich arbeite auf einem völlig neues Gebiet – teilweise muss ich experimentieren. Das ruft schließlich den Staatsanwalt auf den Plan...eine Schließung ihrer Klinik wird angedroht
In dieser angespannten Situation laufen die beiden Geschichten zusammen. Frankies Eltern haben von Lizzis Erfolgen gehört – und Lizzie erklärt sich bereit, ihnen zu helfen .....
Mehr werde ich euch auf keinen Fall verraten, sonst ist die Spannung aus dem Buch. Obwohl, dieser Roman lebt nicht unbedingt von Spannung. Er ist ergreifend, traurig, macht sehr nachdenklich...und ist doch niemals kitschig!
Er ist teilweise geschrieben aus der Sicht von Frankies Eltern, teilweise aus der Sicht von Lizzie. Es ist immer gleichbleibend ruhig, selbst die spannenden Stellen sind nicht so sehr auf Sensation aus, sondern sind eher traurig. Natürlich fragt man sich als Leser: Wie geht es denn nun weiter? Was wird aus den Kindern? Was wird aus Lizzie? Was wird aus ihrer Arbeit? Wer nun glaubt, das Ende vorhersehen zu können, den muss ich enttäuschen.
Natürlich macht man sich ein Bild, wie der Roman ausgehen KÖNNTE. Ich weiß nicht, ob es euch schließlich so gehen wird wie mir: Für mich war das Ende dann doch eine Überraschung – genauso still und ruhig, traurig und doch voller Hoffnung – so, wie das ganze Buch.
Was mir an dem Buch besonders gefallen hat ist die Realitätsnähe. Die ganzen Gefühle, die ganzen Gedanken der Menschen – Verzweifelung, Mut, Hoffnung.... das alles beschreibt Robert Mawson so lebendig, das man glaubt, es mit realen Personen zu tun zu haben. Er beschreibt sogar die Gedanken, die Traumwelt von Komapatienten – und das auf eine Art, die man nicht Frage stellen mag. Ich weiß nicht, ob es solche Koma-Kliniken gibt ( jedenfalls habe ich noch nichts davon gehört), aber man kann sich vorstellen, das es dann so laufen würde.
Mein Fazit:
410 Seiten, die sich auf jeden Fall lohnen, wenn man mal was ganz anderes lesen will als immer nur Grusel und Krimi und Herzschmerz.
(diese Meinung wurde bereits vor einiger Zeit unter dem Namen Prisca (1960) in aneren Meinungsforen eingestellt!)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-19 22:04:00 mit dem Titel Insel der Verlorenen / Colleen McCullough ...
Vor einiger Zeit habe ich den neusten Roman von Colleen McCullough ersteigert. Er hat den Titel
INSEL DER VERLORENEN
und ist als Clubpremiere im Bertelsmann Club erstmals in Deutschland erschienen. Inzwischen ist es aber auch schon normal über den Buchhandel zu beziehen.
Gebundene Ausgabe
Sehr schön gestalteter Schutzumschlag
Ca. 600 Seiten
24,90 Euro neu bei Amazon
Wie der Klappentext verrät, handelt es sich bei diesem Roman um einen sehr persönlichen. Denn er beschreibt die Geschichte eines direkten Vorfahren des australischen Ehemannes von C. McCullough. Ob er deshalb aber auch einer ihrer besten Romane geworden ist? Lest einfach weiter, dann werdet ihr meine Meinung dazu erfahren!
Zunächst einmal kurz zum Inhalt:
Richard Morgan lebt im 18. Jahrhundert in Bristol. Er ist ein ruhiger, sensibler Mann – sehr zum Leidwesen seines Vaters, der in Bristol eine Kneipe betreibt. Würde der es doch viel lieber sehen, wenn Richard sich wie ein Mann benimmt, Stärke zeigt, Gefühle versteckt. Doch Richard steht offen zu seinen Gefühlen, liebt seine Frau und seine Kinder. Der Tod seiner kleinen Tochter trifft ihn schwer. Trotzdem steht er seinen Mann, geht einer geregelten Arbeit nach – leider nicht in der Kneipe seines Vaters, obwohl er dort immer noch lebt.
Das Schicksal schlägt erneut zu. Erst verliert er seine Frau durch einen Schlaganfall, dann verschwindet sein Sohn auf mysteriöse Weise. Richard verliert den Halt – er lässt sich mit einer Prostituierten ein – gerät schließlich in eine finstere Intrige. Plötzlich findet er sich im Gefängnis wieder (die Zustände sind katastrophal – nur mit Hilfe eines Verwandten, der als Apotheker bewandert ist, kann er überleben)
Richard ist unschuldig, doch als er vor Gericht nicht einmal aussagen darf ist sein Schicksal besiegelt. Er wird zu vielen Jahren Zwangsarbeit verurteilt für ein Verbrechen, das er gar nicht begangen hat.
Im Gefängnis beginnt er sich zu verändern. Auf seine ruhige, besonnene Art sammelt er einige andere Gefangene um sich und unmerklich wird er zu ihrem Sprecher und Anführer. Als es schließlich zur Deportation kommt, gelingt es ihm, das sie alle gemeinsam verschifft werden.
Verschifft auf einem ehemaligen Sklavenschiff – nach Australien soll es gehen – ein damals noch unbekannter Kontinent – gerade erst entdeckt. Die Sträflinge sollen ihn nutzbar machen für England...
Diese Stelle im Buch findet man ungefähr auf Seite 250 ( also ungefähr das erste Drittel. Mehr möchte ich euch auch gar nicht über den Inhalt verraten, dann braucht ihr das Buch ja nicht mehr zu lesen!
Müsst ihr es denn überhaupt lesen?! Ich werde euch mal meine Eindrücke zu dem Buch schildern. Schon von Beginn an war ich ein wenig enttäuscht. Die Inhaltsangabe versprach einen leichten, aber spannenden Roman – ein bisschen Abenteuer, ein bisschen Romantik und das alles geschickt verknüpft mit etwas historischer Geschichte.
Ich hatte aber von Anfang an das Problem, so richtig mit der Handlung mitzugehen. Nicht, das das Buch schlecht geschrieben wäre. Im Gegenteil. Der Stil ist einfach und verständlich – man kann das Buch auch aus der Hand legen und nach einer Woche weiterlesen, ohne den Faden zu verlieren. Was hat mich also gestört?
Na ja, der ganze Roman erinnert mich ein wenig an ein interessantes Geschichtsbuch. Man bekommt wirklich ein sehr genaues Bild vom Bristol der damaligen Zeit. Wie haben die Leute gelebt, wie haben sie gearbeitet, mit welchen Krankheiten hatten sie kämpfen? Wie liefen die Gerichtsverfahren damals ab, wie fielen die Urteile aus? Wie wurden Sträflinge behandelt und wie war das bei der Deportation? .....
Alles sehr anschaulich und lebendig geschrieben – man sieht das Leben damals richtig vor sich. Und genau diese Art der Schilderungen war für mich der Grund, das Buch überhaupt zu Ende zu lesen. Es war interessant, das alles zu erfahren, ich gebe es zu.
Allerdings wollte ich ja eigentlich kein Geschichtsbuch lesen, sondern einen unterhaltsamen Roman. Und genau da scheint das Buch für mich zu versagen. Wenn ich einen Roman lese, dann möchte ich in der Handlung versinken – ich möchte alles gemeinsam mit den Hauptpersonen erleben. Die Figuren in einem guten Roman werden für mich lebendig, ich lache und leide mit ihnen.
Und in: Insel der Verlorenen? ! Nichts! Ich konnte während der ganzen Zeit keine Beziehung zu Richard aufbauen. Er war für mich eine Person, die mich durch ein interessantes Kapitel der Weltgeschichte leitet – nicht weniger, aber auch nicht mehr! Er hat für mich niemals wirklich existiert – ich habe seine Trauer nicht nachempfinden können, als er seine Frau und seinen Sohn verliert – ich konnte nicht ängstlich Mitfiebern, als er zum ersten Mal das schreckliche Sklavenschiff betritt, das ihn nach Australien bringt.
Auch die anderen Personen im Roman erscheinen mir blass und unpersönlich – jederzeit austauschbar – fast noch unwichtiger als Richard selbst.
Ich frage mich, woran es liegen mag, das dieser Roman so unpersönlich auf mich wirkt! C. McCullough kann doch ganz anders! Ich denke da an die „Dornenvögel“, ein Roman, der auch in Australien spielt. Vielleicht geschichtlich nicht so korrekt und intensiv – aber die Geschichte lebt! Was habe ich bei diesem Roman geheult! Was habe ich mit Maggi und Pater Ralph gehofft und gelitten...
Vielleicht liegt es daran, das sie in diesem Fall ja keinen fiktiven Roman schreibt, sondern die reale Geschichte eines Menschen, der gelebt hat. Vielleicht hat sie deshalb besonders viel Wert auf historische Korrektheit gelegt ... und dabei vergessen, ihren Figuren Leben einzuhauchen! Ich kann es nicht mal genau sagen.
Mein Fazit:
Auf mich wirkt dieses Buch wie ein spannendes, interessantes Geschichtsbuch, nicht wie ein Roman. Und damit komme ich mit der Bewertung mal wieder in Schwierigkeiten ( warum gibt es bloß kein Mittelding zwischen empfehlenswert und nicht empfehlenswert???) . Da es als Roman gedacht ist, werde ich es wohl auch als Roman bewerten: also mittlere Bewertung und nicht empfehlenswert. An dieser Stelle möchte ich euch allerdings raten: Trotz des nicht empfehlenswert solltet ihr euch das Buch vielleicht mal ausleihen und anlesen. Vielleicht empfindet ihr das Ganze ja ganz anders. Wie gesagt, es ist schon interessant geschrieben – nur, für mich lebt der Roman nicht! weiterlesen schließen -
Manchette, Jean-Patrick "Fatal"
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Ort: Frankreich
Zeit: 1970er
Autor: Manchette, Jean-Patrick
Verlag: Distel Literatur, Heilbronn
Erschienen: 01.01.2001
ISBN: 3923208472
Typ: Taschenbuch
Dieser nur 148 Seiten lange Roman ist ein Feuerwerk, dessen rasante Handlung den Leser kaum zu Atem kommen lässt.
Wir begleiten Aimée auf Schritt und Tritt, sehen erstaunt ihren Handlungen zu, ohne zunächst über ihre Beweggründe Bescheid zu wissen. Dabei wären wir für eine Erklärung dankbar, schließlich knallt Aimée schon auf der vierten Seite einen Jäger ab.
Wir folgen ihr im rasanten Tempo bis sie in der Kleinstadt Blèville ihr Lager aufschlägt. Dort macht sie auf einem Cocktail-Empfang die Bekanntschaft mit der höheren Gesellschaftsschicht. Deren verlogene Harmonie wird gnadenlos entlarvt und der verdeckte Hass und Neid aufgedeckt. Aimée schürt das Ganze noch. Sie hat erkannt, dass sie mit der verlogenen Heuchelei der Bourgeoisie gute Geschäfte machen kann.
Der Roman endet – wie jedes Feuerwerk – in einem großen Finale, dass jedoch anderes ausgeht, als von Aimée geplant. Dabei war sie doch bisher absolut präzise und professionell.
Dieses Buch sei allen ans Herz gelegt, die schwarzen Humor, hinterlistige Intrigen und knappen Schreibstil mögen.
Verlagsinfo:
"Haltet Eure Stadt sauber" - lautet das oberste Gebot in Bléville, der Stadt des Geldes. Aimée, die Killerin, befolgt die Aufforderung auf ihre Weise. Sie kratzt an der Fassade der Provinzidylle und legt "einen Sumpf von unsauberen Geschäften, Korruption und Intrigen frei. Als vertuscht werden soll, daß ein Säugling und eine alte Frau an einem Produkt der einflußreichen örtlichen Lebensmittelfabrikaten gestorben sind, beginnt Aimée mit ihrer «Aufräumaktion". Sie schließt mit den einzelnen Honoratioren getrennte "Verträge" und spielt sie gegeneinander aus. Es kommt zum blutigen Show-down.
Mit diesem Buch wendet sich Manchette "an die sinnlichen und und philosophischen Frauen", wie er am Schluß des Buches schreibt. Die zierliche und attraktive Aimée ist die erste Killerin in der Geschichte des "roman noir": Allein, professionell, selbstsicher, unbeirrbar triumphiert sie gegen die Männer in einer Männergesellschaft und schlägt sie mit deren Waffen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-18 21:08:48 mit dem Titel Moret, Xavier "Das Leben war schneller"
Ort: Spanien; Barcelona
Zeit: 1990er
Autor: Moret, Xavier
Verlag: dtv, München
Erschienen: 01.07.2001
ISBN: 3423242582
Typ: Taschenbuch
Dieser Roman von Xavier Moret hat auf den ersten Blick wenig mit einem Kriminalroman zu tun. Erst ab der Mitte des Buches beginnt die Geschichte eine kriminalistische Note zu bekommen. Der Autor spielt mit dem Genre auf solch leichte und humorvolle Art und Weise, dass es eine Wonne ist, es zu lesen. Bevor es aber zu dieser Entwicklung kommt, hat uns Moret in seiner lockeren und witzigen Erzählweise in seine geliebte Altstadt Barcelonas entführt und übriggebliebene Hippies, Barkeeper, Filmsternchen und lächerliche Yuppies vorgestellt.
Die Hauptfigur Max Reira bezeichnet sich selbst als einer der übriggebliebenen Hippies. Er ist ein erfolgloser Schriftsteller, der in der Altstadt am Placa Reial lebt und von alten Zeiten träumt, als er und viele andere noch an ein gerechtes und freies Leben glaubten. Inmitten seiner Träumereien platzt ein Anruf seines alten Schulkollegen Pau Gispert, den Max schon zu Schulzeiten aus tiefsten Herzen verabscheute. Gispert bietet ihm einen sehr gut bezahlten Job als Drehbuchautor einer Fernsehserie an. Bedingung ist allerdings, dass nach zwei Wochen schon erste Ergebnisse vorliegen müssen. Max hat angesichts seiner permanenten Geldnöte gar keine andere Wahl als diesen Job anzunehmen. Es ist ihm aber völlig schleierhaft, warum er dieses Angebot bekommen hat. Gispert nennt ihn zwar einen alten Freund, Max kann sich aber nur an Prügelszenen in der Schule erinnern und außerdem hat er von Fernsehen nicht die geringste Ahnung (nicht mal als Konsument dieses Mediums).
Hier prallen zwei Welten aufeinander: der sympathische Loser und der reiche Emporkömmling. Max durchstreift die Welt des Fernsehens mit all seinen aufgeblasenen Typen, die ihre Wichtigkeit daran messen, wie viele Telefonnummern sie in ihren Handys gespeichert haben und wie viele Termine sie in ihrem elektronischen Terminkalender vorweisen können. Diese satirische Beschreibungen sind absolut köstlich und es verwundert nicht, dass Max die neue Entwicklung in seinem Leben mit furchtbaren Albträumen bezahlen muss. So träumt er von einer Drehszene, in der ein politischer Korrektor so lange an einer Verhaftungsszene herumkritisiert, bis der Polizist völlig verdreht aber politcal correct den Verdächtigten stellt.
Die Geschichte gewinnt an Tempo und Themen, es ereignen sich kleinere und größere Katastrophen in Max näherem Umfeld: Liebeskummer, Trennungen, skrupellose Bauspekulationen und schließlich der Tod einer Nachbarin. Sie ist einer der vielen Drogenopfer, deren Zahl in letzter Zeit in Barcelona auffallend gestiegen ist. Max glaubt jedoch, dass sie ermordet wurde und ist wegen der Untätigkeit der Polizei entsetzt. Andererseits hat er mit denen natürlich sehr wenig am Hut und forscht gemeinsam mit seinem Freund Roc selbst ein wenig nach.
Es ist klar, dass es bei dem geborenen Losertyp nicht alles glatt läuft und dass es vor dem Finale zu einigen Rippenbrüchen kommt. Der Roman ist ebenso rasant wie unterhaltsam und eine Liebeserklärung an Barcelona (vielleicht eher an ein Barcelona, das so nicht mehr existiert).
Das Buch ist mit der Illustration von Nazario Luque sehr auffallend und passend gestaltet. Jeder Kapitelanfang zeigt einen Auszug aus dem Eingangsbild, das prima zu dem Roman passt.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-19 16:38:46 mit dem Titel Marcy, Jean "Eiskaltes Blond"
Ort: USA, Deutschland
Zeit: 1990er
Autor: Marcy, Jean
Verlag: Argument, Hamburg
Erschienen: 01.01.2001
ISBN: 3886198634
Typ: Taschenbuch
Vivian Rudder suchte bei Police Detectiv Sarah Lindstrom Zuflucht vor ihrer gewalttätigen Geliebten. Statt Schutz zu erfahren, wird sie aber brutal ermordet. Nach der Entdeckung der toten Freundin in ihrem eigenen Bett ruft Lindstrom die Privatdetektivin Meg Darcy um Hilfe. Diese verzehrt sich gerade vor Liebe zu der unterkühlten schönen Polizistin und ist trotz Zurückweisung wild entschlossen, Lindstrom zu beschützen und den Fall aufzuklären. Diese ausführlichen Beschreibungen von Beziehungskisten und Liebeskummer sind häufig in Romanen mit lesbischen Heldinnen zu finden. Oftmals werden die Nebenaspekte eines Krimis überhöht dargestellt, wirken aufgezwungen und langweilig.
Doch in diesem Roman geht die Geschichte spannend weiter und die Teile werden schlüssig zusammengeführt. Noch während der Motivsuche (war es die brutale Geliebte oder der Ex-Ehemann) kommt Meg der entsetzliche Gedanke, dass Vivian vielleicht nur aus Versehen umgebracht wurde und eigentlich ihre heißgeliebte Sarah das Opfer sein sollte. Und tatsächlich Sarah erhält Drohungen, die diesen Verdacht verstärken und nun nimmt sie auch die Megs Hilfe an.
Der Krimi ist eine klassische Detektivstory, in der es reichlich Verdächtige aus dem Privatleben der Toten und dem Berufsleben der Polizistin gibt. Die Verbindung der ermittelnden Privatdetektiv und der Polizistin als potentielles Opfer ist eine interessante Krimivariante, weil dadurch Elemente einer Polizei- und Privatdetektivgeschichte miteinander verknüpft werden. Die Beziehung der beiden zueinander ist das Rückgrat, das die Geschichte zusammenhält.
Der Roman ist spannend und gut erzählt, leider ist das Ende abrupt und erscheint unzureichend ausgearbeitet. Die Kriminalgeschichte wird schludrig und ohne hinreichende Erklärung hastig zu Ende erzählt, um dann wieder der Liebesgeschichte Raum zu widmen.
Am Rande:
Hinter dem Pseudonym Jean Marcy verbergen sich Jean Hutchison und Marcy Jacobs, die seit mehreren Jahren ein Paar sind. Beim Lesen sind mir ein paar Ungereimtheiten aufgefallen, die vielleicht damit zu erklären sind, dass diesen Buch nicht aus einer Feder stammt.
Auf Seite 119 freut sich Meg, dass Sarah noch weiß, wie sie ihren Kaffee mag ("Der Kaffee dampfte und mit dem ersten Schluck merkte ich, dass sie nicht vergessen hatte, wie ich ihn mochte"). Kurze Zeit später wird folgender Dialog wiedergegeben, der im absoluten Widerspruch dazu steht: "Ist der Kaffee für mich?"... "Vielleicht. Ich habe nur Milch hineingetan. Ich vergesse immer, was du magst." (S. 139)
Nach dem die beiden Frauen gemeinsam gegessen haben ("Zehn Minuten später aßen wir zum ersten Mal seit Tagen ein richtiges Abendessen." S. 109) und sie durch einen Anruf aufgeschreckt werden, trennen sich ihre Wege und Meg fährt nach Hause, um dort ihrem Mitbewohner folgenden Vorschlag zu machen: "Mir ist kalt und ich sterbe vor Hunger. Könntest du etwas zu essen machen, während ich schnell eine heiße Dusche nehme" (S. 112). Endlich mal wird unstillbarer Appetit ausgelebt und nur am Rande erwähnt ohne dies großartig als Esssucht zu thematisieren ;-)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-19 16:42:33 mit dem Titel Milne, John "Nicht tot zu kriegen"
Ort: Großbritannien; England; London
Autor: Milne, John
Verlag: Rotbuch, Hamburg
Erschienen: 01.10.2001
ISBN: 3434540210
Typ: Taschenbuch
Es geht schon mit der titelgrafik los: gekonnt kindlich gehalten (andere sprechen von naiv), erkennt jeder sofort den traumwagen der sechziger jahre, einen jaguar E-type. und stimmig geht es in milnes traurig-schauriger ballade vom dahinfließen der zeit, vom aussterben der werte, vom sterben der familien und vom städtebaulichen ausrotten ganzer stadtviertel weiter: stimmig für london die schilderung der südlich der themse gelegenen arbeiterviertel, stimmig die milieuschilderung einfacher, ehrlicher leute und einfacher, kleiner bis mittelschwerer ganoven, und, vor allem für anhänger von vorurteilen besonders wichtig: stimmig der allgegenwärtige, trübe londoner sprühregen in kalten wintermonaten. da fehlt nur noch der kleine querverweis auf die ganz bösen buben jener zeit - die gebrüder kray, und schon ist man mitten drin in der geschichte, und zwar im doppelten sinn des wortes.
zum einen beschreibt der ich-erzähler, milnes serienheld jim jenner, als privatdetektiv in london schon von hause aus eine seltenheit (auch ohne das amputierte unterbein), seine jugend ohne mutter, aber mit einem strengem, gesetzesfürchtigen vater und einem nicht ganz so gesetzesfürchtigen älteren bruder. dieser hängt sich an die rockschöße eines in besagtem jaguar fahrenden ganoven, überlebt aber nicht lange genug, um wirklich als gangster groß herauszukommen. mit lakonischen worten und einem ironischen unterton erinnert jim jenner an seine amerikansichen vorbilder der "harten schule" (marlowe, archer et.al.), seine körperbehinderung an den "anderen" südlondoner ex-cop und privatdetektiv, nick sharman (serienfigur von mark timlin, ebenfalls mit gehbehinderung - durch einen schuss in den fuß! jenner hat seinen fuß durch eine bombe verloren). an einer stelle wird jenner sogar von seiner auftraggeberin im aktuellen (scheidungs)fall darauf angesprochen, ob er denn zu jenen privatdetektiven gehöre, die bis zum bitteren ende weiterermitteln und die wahrheit suchen, ohne rücksicht auf geldgeber oder ausgang der geschichte. seit seinem zweiten fall (jenner sucht nach einer vermißten tochter) scheint es mit jenner bergab zu gehen, jetzt läßt er sich schon auf scheidungsfälle ein, sein helfershelfer ist ein unerträglicher maulheld, er fährt eine uralte karre und muß sich von seiner ex-frau (polizistin) einen karrieregeilen "nachfolger" (ebenfalls polizist) vorstellen lassen. bezeichnend für den grundton der geschichte ist der ort der begegnung: die bar "l´étoile", die früher einmal "the star" geheißen hat und auf den sozialen wandel in diesem viertel der millionenstadt hinweist. nicht, daß man sich im "étoile" heutzutage nicht genauso betrinken könnte wie früher im "star". der roman gerät etwas aus den fugen, so wie jenner der fall aus den händen zu gleiten droht, weil immer wieder geschichten aus den sechziger jahren den fortgang der aktuellen geschichte, die ende der neunziger spielt, zu überholen droht. und das ist der einzige schwerwiegende mangel an dieser modernen geschichte vom antihelden ohne zukunft, ohne nennenswerte vergangenheit. ansonsten ist john milnes fünftes abenteuer mit jim jenner, der bevorzugt whisky von der insel islay (nämlich bowmore!) trinkt und die gesellschaftliche stellung verschiedener figuren an ihrem schuhwerk ableitet, eine packend und schnell voranschreitende geschichte, hart, brutal, zynisch, und typisch "police procedural" der englischen schule. ein paar unglaubwürdigkeiten (muß judy ex-jenner ausgerechent jenen polizisten heiraten wollen, dessen untergebener der mann ist, der bei jenners freundin einbricht und die wohnung nach fotos durchwühlt, die jenner im banksafe hat?)kann man verzeihen, doch insgesamt eine in sich stimmige geschichte. jmd
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-19 16:47:13 mit dem Titel Manchette, Jean-Patrick "Blutprinzessin"
Ort: Frankreich / Kuba
Zeit: 1950er
Autor: Manchette, Jean-Patrick
Verlag: Distel Literatur, Heilbronn
Erschienen: 01.01.2001
ISBN: 3923208499
Typ: Taschenbuch
Dieser posthum erschienene Roman von Jean-Patrick Manchette ist wie seine anderen Werke von einem rasanten Tempo geprägt. Schon nach drei Seiten geht das Gemetzel los. Eine missglückte Entführung, bei der sich die Verbrecher gegenseitig abknallen, bildet den Beginn der Story. Das Anfangstempo wird eine Weile beibehalten, es werden in Zeitsprüngen und Ortswechsel viele Figuren in die Geschichte eingebracht. Der Roman umfasst die Zeitspanne kurz nach dem 2. Weltkrieg bis zur Mitte der 50er Jahre und verknüpft die Handlung mit Zeitgeschichte, wie etwa den Aufstand in Ungarn oder die Algerienkrise. Der Stil ist einem Spionageroman nachempfunden, denn die Handlung ist international, die Figuren spielen ein doppeltes Spiel und viele Statisten tauchen auf. Manchette spielt mit diesem Genre, wenn er etwa den Tagesablauf der Protagonistin Ivory Pearl in ihrem einsamen Unterschlupf auf Kuba mit genauen Uhrzeitangaben verbindet, was fern jeglicher Zivilisation absolut irrelevant scheint.
In Berlin der Nachkriegszeit lernt die noch minderjährige Ivory Pearl den britischen Offizier Samuel Farakhan kennen. Sie ist als Waise mit den alliierten Truppen nach Berlin gekommen. Farakhan kümmert sich um Ivory und bringt sie in einem Internat in der Schweiz unter. Sie wird Fotoreporterin und wie schon damals in Berlin, fotografiert sie Kriegsschauplätze. Jedes Jahr am Neujahrstag treffen sich Ivory und Farakhan wieder. Dieses Mal ist Ivory völlig entnervt und Farakhan schlägt ihr vor, sich in der Einsamkeit Kubas von ihrem Job zu erholen. Dort lebt sie im Zelt und fotografiert Tiere. Sie lebt spartanisch und geht bei Bedarf in das mehrere Tagesmärsche entfernte Dorf, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Etwas merkwürdig an der Beschreibung dieses Einsiedlerlebens ist das mobile Fotolabor, das neben der restlichen Ausstattung ziemlich absurd wirkt. Nach einer gewissen Zeit fühlt sich Ivory beobachtet und in ihrer Abwesenheit wurde ihr Zelt durchsucht. Also legt sie sich auf die Lauer. Nun beginnen die Fäden im Hintergrund deutlicher in Erscheinung zu treten. Was auch immer im Hochland in Kuba passiert, die Entscheidung darüber liegt nicht in der Hand von Ivory. Geschickt verknüpft Manchette die Geschichte um die Fotoreporterin mit politischen Intrigen und Spionagetätigkeiten.
Der Roman war ursprünglich als Zyklus geplant und Manchette wollte darin von den 50er Jahren beginnend die politische Zeitgeschichte verarbeiten. Leider konnte er sein Vorhaben nicht mehr vollenden, denn Manchette starb 1995, bevor er diesen ersten Roman des Zyklus vollenden konnte. Der Roman unterscheidet sich durch seine internationalen Schauplätze von seinen vorherigen Romanen, die ausschließlich in Frankreich spielen. Sehr gut möglich, dass sich damit Manchette einem größeren Publikum erschlossen hätte. Unverändert ist aber auch in „Blutprinzessin“ sein unverkennbarer Stil: kurz und prägnant, auf das Wesentliche reduziert.
Dem unvollendeten Roman sind nach den Arbeitsnotizen des Autors die Fortsetzung und Ausgang der Geschichte angefügt. Wer noch nie Manchette gelesen hat, sollte nicht unbedingt mit diesem unvollendeten Werk beginnen. Wer aber Manchette bereits kennt, sollte sich davon nicht abschrecken lassen, auch wenn die Notizen am Ende sehr trocken aneinander gereiht werden, wird doch zumindest das Ende erzählt. weiterlesen schließen -
Marlo Morgan oder Der Traum vom besseren Menschen
Pro:
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Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
"Die Babys werden in einem Zustand emotionalen Friedens geboren. Was mit ihren Sinnen geschieht, ist mit Gefühlen verbunden. Wenn wir älter werden, können wir zum Beispiel das Geräusch von Adlerschwingen hören und uns dabei wohl fühlen oder fürchten, je nachdem, wie unsere Erfahrungen mit einem Adler waren oder was wir darüber glauben. Als Medizinmann weiß ich, dass die Menschen, wenn sie sich dessen bewusst sind, gesünder leben können und als Kluger Mann weiß ich, dass Wissen sie befähigt, mehr Ewigkeitslicht in diese menschliche Zeit zu tragen."...
Nicht jedes Buch ist so ein Glücksgriff wie "Weißer Oleander" von Janet Fitch, auf das ich gestern mein Loblied geschrieben habe. Und nicht jedes Buch geht so gut weiter wie es anfängt. In letztere Kategorie möchte ich den Roman Traumreisende von Marlo Morgan einordnen - die Geschichte einer jungen Aborigines, die gleich nach der Geburt ihrer Mutter weggenommen wird und als Erwachsene schließlich versucht die Wurzeln ihres Volkes wieder zu finden...
Story:
Beatrice Lake und ihr Zwillingsbruder Geoff werden in den 30er Jahren
unseres Jahrhunderts irgendwo im Australischen Outback geboren. Doch sie verbringen nur eine einzige Nacht mit ihrer Mutter, bis sie in einer britischen Siedlung ihrer Mutter weggenommen werden. Sie werden getrennt. Beatrice wächst in einem Waisenhaus auf, Geoff fast unbeachtet auf einer Farm. Der Junge kommt später zu Pflegeeltern in die USA, läuft schließlich weg, wird alkoholabhängig und kriminell, bis er schließlich wegen eines undurchsichtigen Mordes zum Tode verurteilt wird. Nach der Abschaffung der Todesstrafe wird die Strafe in lebenslänglich umgewandelt. Beatrice dagegen bleibt sehr lange im Waisenhaus, wird misshandelt und gequält. Später nimmt sie Jobs als Haushälterin an. Doch ihre Wurzeln holen sie ein. Nie hat man ihr die Wahrheit gesagt was aus ihrer Mutter geworden ist oder ihr etwas über ihre Herkunft erzählt. Dennoch fasst sie den Entschluss mehr über ihre Wurzeln herauszufinden und schließt sich letztendlich einer Gruppe Aborigines an, die noch frei nach den Bräuchen und dem Glauben ihres Volkes in der Wildnis leben. In den vielen Jahren dieses neuen Lebens findet Beatrice zu sich zu sich selbst.
Meinung:
Wie schon eingangs erwähnt, wollte mich dieser Roman nicht so recht bewegen. Am Anfang habe ich mich sofort festgelesen. In kurzen, einfachen, abwechslungsreichen Sätzen geschrieben, ist die Geschichte der Trennung der Kinder, ihr getrenntes Aufwachsen und Geoffs Sozialer Abstieg wirklich spannend, rührt einen beinahe zu Tränen und das, ohne kitschig zu sein wie in einem Schnulzenroman.
Doch irgendwie war für mich etwa ab der Mitte des Buches, als Beatrice sich den Aborigines anschließt und ihr bisheriges Leben vollkommen für ein besitzloses Leben aufgibt, der Wurm drin. Die Autorin macht hier ganz klar einen Schnitt in der Geschichte, um dem Leser nun einen detaillierten Einblick in das Leben und den Glauben der australischen Ureinwohner zu geben. Irgendwie schafft sie es jedoch nicht, gleichzeitig noch eine spannende Geschichte weiterzuerzählen und dabei den Leser in die Welt der Aborigines zu entführen. Ich habe allgemein eigentlich ein großes Interesse an anderen Völkern, ihren Geschichten und Philosophien, aber dafür, dass ich hier einen Roman lese und kein Buch über fremde Religionen wird man hier fast erschlagen von der Fülle an Gedanken und Lebensweisheiten. Sobald Beatrice der Gemeinschaft der Aborigines beitritt, besteht das Buch nur noch
aus den Lebensgrundsätzen dieses Volkes, alle Stammesmitglieder tun nichtsanderes mehr als davon zu erzählen warum sie was wie tun. Irgendwie ist das total ermüdend. Was aus Geoff wird, der im ersten Teil des Buches eine ebenso große Rolle spielt wie Beatrice, wird völlig untergraben und bleibt für große Strecken des weiteren Romans unbeachtet. Es geht nur noch nach dem Motto weiter: Beatrice hört eine weise Geschichte und wird wieder ein Stück mehr wie ihre Vorfahren. Sie zweifelt an nichts, nimmt alles einfach an. Und das lässt den Roman unglaubwürdig erscheinen. Würde denn jemand, der zwanzig Jahre in einer bestimmten Weise aufgewachsen und geformt worden ist, so vollkommen widerspruchslos eine neue, um 180° andere Lebensweise annehmen? Möglich ist das, natürlich. Doch es passt nicht zu dem
starken Charakter, den Marlo Morgan in den ersten Kapiteln aus Beatrice
werden ließ.
Überdeutlich wird die Liebe der Autorin zu den australischen Ureinwohnern spürbar. Sie will dem Leser alles wiedergeben was sie weiß, alles über ihre Lebensweise, ihre Weisheit und Güte, ihren Respekt dem Leben gegenüber, ihre Verbindung und Verehrung der Erde, des Universums und alles Existierenden.
Es gibt hochinteressante Kapitel, die einen zum Nachdenken bringen oder
einen die weißen Eroberer früherer Jahrzehnte hassen lässt, doch leider verliert sich die Autorin in ihrer Leidenschaft für das Volk des Outback immer wieder in lange Litaneien darüber wie die Menschen sein sollten. Was die Aborigines glauben, wird als das einzig wahre hingestellt. Schon ihre Bezeichnung als "Wahre Menschen" im Gegensatz zu den "Veränderten" lässt die Autorin in meinem Kopf irgendwie als Missionarin erscheinen, die der Welt eine neue alte Religion zu Füßen legen will. Und wahrscheinlich ist es das, was mich an dem Roman letztendlich so gestört hat. In der von ihr beschriebenen Lebensweise der australischen Ureinwohner liegt zweifellos eine große Wahrheit und ein Verantwortungsbewusstsein für die Erde und das Leben, das in der heutigen Zeit ein riesiger Rettungsanker wäre. Aber alles andere stattdessen zu verurteilen, erscheint mir der falsche Weg. Die
Aborigines werden als unfehlbare Menschen dargestellt, die niemals etwas schlechtes tun, niemals mit einer Situation umgehen können, niemals etwas schlechtes tun. Menschen, die alles wissen, alles verstanden haben? Auch diese Darstellung eines perfekten Volkes wird irgendwann unglaubwürdig und es wird schwer sich mit jenen Menschen in Morgans Werk zu identifizieren.
Die Autorin schafft es auch nicht mehr in ihrem Roman noch eine Spannung aufzubauen oder den Leser mit ihrer Hauptfigur mitfiebern zu lassen.
Aber vielleicht hat Marlo Morgan auch nur eine Art von Menschen schaffen wollen, wie sie diese Welt brauchen würde. Menschen, die die Natur akzeptieren und in und mit ihr leben, sich gegenseitig schätzen. Menschen, die nicht ohne Grund töten und andere abschlachten, Tiergattungen ausrotten und sich ewig in arm und reich unterscheiden. Dem, der sich einmal in einer solchen Welt bewegen möchte, kann ich Traumfänger durchaus empfehlen.
Das Buch erschien erstmals 1998 unter dem Titel "Message from Forever" (der mir wesentlich passender erscheint als die deutsche Übersetzung). Meine Ausgabe stammt aus dem Verlag Goldmann und kostete 8,50 Euro. weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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Gesammelte Vorurteile
11.03.2003, 19:19 Uhr von
Anachronistin
Weltoffene Realistin mit gelegentlichen Tendenzen zum Negativdenken - was immer das bedeuten mag.Pro:
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Kontra:
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Empfehlung:
Ja
Gesammelte Vorurteile
Heute möchte ich einen Autor vorstellen, der wohl in Amerika etabliert, in Deutschland jedoch kaum bekannt ist. Ich entdeckte Henry Louis Mencken vor längerer Zeit, als mir einige Zitate von ihm in die Hände fielen. Wer ihn da wo zitierte, weiß ich nicht mehr zu sagen. Jedoch ist dies auch nicht weiter von Belang, denn jene Worte des Amerikaners genügten, um meine Aufmerksamkeit zu wecken.
Mich amüsierten Menckens Worte, die Trockenheit und Geradlinigkeit seiner Sprache, und nicht zuletzt seine schier gnadenlose Ehrlichkeit. Ich wollte mehr von ihm bzw. über ihn wissen, und wünschte mir eines seiner Bücher zu Weihnachten.
In „Gesammelte Vorurteile“ scheint H. L. Mencken mit allem aufzuräumen, was er als aufräumenswert erachtet. Und dabei nimmt er sich so wichtig, dass er ein Buch daraus macht. So beschreibt er etwa verschiedene Menschentypen, derer er gute 19 kennt! Zunächst mag es nicht weiter verwundern, Mencken wäre nicht der Erste, der sich mit Menschentypen auseinandersetzt. Wendet man sich jedoch seiner konkretisierten Aufschlüsselung zu, ahnt man bereits Fürchterliches. Es ist einfach zu herrlich, daher möchte ich sie an dieser Stelle nennen: Der Romantiker, der Skeptiker, der Gläubige, der Schaffer, der Arzt, der Wissenschaftler, der Geschäftsmann, der König, der Metaphysiker, der Durchschnittsmensch, der Wahrheitssucher, der Verwandte, der angeheiratete Verwandte, der Freund, der Philosoph, der Altruist, der Ikonoklast, der Junggeselle und der ewige Mann – sie alle werden mehr oder weniger tiefgreifend von Mencken beleuchtet.
Doch mit den Menschentypen ist es nicht genug, denn Mencken beschäftigt sich im vorgestellten Buch u. a. auch mit dem weiblichen Verstand und mit den Frauen als Realpolitikern. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Ich war selbst, wie der Titel des Buches verheißt, bei diesem Kapitel voller Vorurteil. Doch ich wurde überrascht, wie gut die Frauen bei Mencken wegkommen.
In „Gesammelte Vorurteile“ werden auch Regierungstheorien nicht verschont, so ist „Demokratie“ in Menckens Aufzeichnungen eine „verzehrende Seuche“, weiter schreibt er, „Sie ist so unbeschreiblich töricht und deshalb unvergleichlich amüsant.“ Er untersucht des weiteren, ob „Gemeinheit“ eventuelle ein unverzichtbares Merkmal einer jeden Regierungsform sein müsste.
Doch eine Provokation folgt auf die nächste, wenn Mencken voller Spott zwei Seiten zum Thema Todesstrafe veröffentlicht, um im Anschluss noch schnell einige Worte über „das Erhängen“ und „den Selbstmord“ verliert. – Man liebt ihn auf der einen Seite und ist mindestens erstaunt auf der nächsten, vielleicht hasst man ihn auch mal für drei Seiten.
Mal überschlug ich mich herzlich lachend beim Lesen, fand mich selbst zwischen den Zeilen, und mal fragte ich mich, warum ich dieses Buch lesen würde. – Ich habe keine Antwort finden können. Aber ich kann wohl sagen, dass sich alle Aufregung um das Buch gelohnt hat.
Mencken bindet uns auf die Nase, was wir auch schon mal ähnlich dachten, oder auch nicht. Schlussendlich spielt es keine Rolle, ob man seine Ergüsse und Meinungen über „Gott und die Welt“ teilen will oder nicht. Dieses Buch verlangt nach dem Genuss seines temperamentvollen Stils, der plakativ, populistisch und provokant daherkommt, und sich selbst zum Narren hält. – Mencken selbst würde dies selbstredend bestreiten, wohl aber mit einem Augenzwinkern.
Henry Louis Mencken lebte übrigens von 1880 bis 1956 in Amerika.
Schließlich möchte ich Euch nicht verschonen mit meinen Lieblingszitaten von Mencken.
1. „Das Gewissen ist eine Schwiegermutter, deren Besuch nie endet.“ und
2. „Ein Pessimist ist ein Mensch, der sofort nach dem Sarg Ausschau hält, wenn er Blumen gerochen hat.“
Henry Louis Mencken (2000): Gesammelte Vorurteile
Insel Verlag
Preis: 17,80 €
ISBN: 345817040-5 weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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sascha6525, 14.03.2006, 00:41 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
freu mich über Gegenlesungen. <br/>sh, Sascha6525
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Spannendes SF-Jugendabenteuer
Pro:
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Kontra:
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Empfehlung:
Ja
Eine spannende Mischung aus Detektivthriller, Familiensaga und Abenteuerexpedition - so kommt der Startband einer neuen Science Fiction-Trilogie von Altmeisterin Julian May daher. Die Mischung funktioniert, doch überfordert das Buch den jugendlichen Leser in keinster Weise. Wahrscheinlich unterfordert er sogar die meisten erwachsenen Leser.
Die Autorin
Julian May genießt unter den alteingesessenen Science Fiction-Autorinnen höchstes Ansehen. Sie ist nicht nur eine ausgezeichnete Schriftstellerin, die souverän ihr Handwerk versteht, sondern hat auch eine Menge Ahnung von dem, was sie an wissenschaftlichem Hintergrund in ihre Bücher hineinpackt.
Bei uns ist ihre komplette Pliozän-Saga bei Heyne erschienen, doch in den USA hat sie weitere vier Bände um die Familie Remillard veröffentlicht, die die Hauptrolle in der Pliozän-Saga spielt: mächtige Anwender von Psi-Kräften wie Telepathie, Telekinese und Zweitem Gesicht. Diese farbige Vorzeit-Opera hat mich endgültig für die Science Fiction begeistert.
Und so überrascht es nicht, dass auch der vorliegende Roman der Auftakt zu einer Familien-Saga ist. Die Fortsetzungen heißen "Die Schulter des Orion" und "Der Sagittarius-Wirbel". Sie sollen 2002/2003 erscheinen.
Handlung
Helmut Icicle ('Eiszapfen') lebt mehr schlecht als recht als Käptn in einem idyllischen Aussteigerparadies auf einem abgelegenen Touristenplaneten am Rande der von Menschen besiedelten Galaxis. Eines Tages wendet sich jedoch sein Schicksal. Nach einer Touristen-Fahrt mit seinem Tauchboot kehrt er nach Hause zurück, nur um mit ansehen zu müssen, wie selbiges Zuhause im Schlund eines Seeungeheuers der übelriechendsten Sorte verschwindet. Helly kommt die Sache jedoch spanisch vor und findet heraus, dass das Ungeheuer eigentlich ihn selbst hatte verschlingen sollen: ein Mordanschlag. Aber warum?
Natürlich ist Käptn Helly kein hundsgewöhnlicher Zeitgenosse, sonst würde sich ja eine Geschichte über ihn kaum lohnen. In Wahrheit heißt er Asahel Frost, ist der jüngste Spross einer Konzernfamilie und obendrein noch ein Ex-Polizist. Durch eine fiese Intrige der Konkurrenz seines Konzernhauses verlor Asahel 'Helly' seine Bürgerrechte und wurde zum Ausgestoßenen.
Dank seiner Kombinationsgabe hat er bald herausgefunden, wer es auf ihn ab gesehen hatte: einer seiner Passagiere! Diesem Elgar Bronson jagt er in der schnittigen Raumjacht seines besten Freundes Mimo nach, nimmt auch Bronson gefangen - bis er sein blaues Wunder erlebt: Ein Raumschiff der Haluk-Alienrasse taucht aus dem Hyperraum auf und befreit Bronson. Auf einem Kometen ausgesetzt, kommt Helly dem Tode schon ziemlich nahe: Die radioaktive Strahlung des sich erwärmenden Haarsterns hat ihm beinahe den Garaus gemacht.
Nun ist Helly natürlich mächtig sauer. Und da er weiß, dass im seinem Konzernhaus, der Rampart Starcorp, etwas oberfaul ist, lässt er sich von seinem verknöcherten Vater Simon nur mit Generalvollmacht und bei höchster Geheimhaltung anheuern. Schon bald muss er zu seinem Leidwesen erfahren, dass das einzige seiner Geschwister, Schester Eve, verschwunden ist, wahrscheinlich entführt.
Nachdem er dem Verwaltungsrat von Rampart gehörig seine Bedingungen diktiert hat, eröffnet er die Untersuchung der mysteriösen Ereignisse, denen er und Eve auf die Spur gekommen sind: Offenbar haben die feindseligen Haluk mit der Konkurrenz Ramparts, Galapharma, gemeinsame Sache gemacht.
Auf dem Planeten Cravat, auf dem Eve verschwand, begibt sich Helly mit einigen Gefährten in den Dschungel, um dem Rätsel auf den Grund zu gehen. Hier wird ein viruserzeugtes Molekül (ein 'Vektor') erzeugt, mit dem sich das Erbgut verändern lässt - und Helly schwant Übles, was die Haluk damit vorhaben.
Mein Eindruck
Gekonnt führt die Autorin den Leser in ein neues Universum ein, das der von Menschen besiedelte Gebiet am Rande der Galaxis. Vom Touristenplanet geht es zu den Kometen hinaus, dann zu der Hauptwelt des Rampart-Konzern, schließlich weiter zum ersten ernsthaften Einsatz, auf einer Dschungelwelt namens Cravat. Die Erde, die zu dieser Zeit immer noch existiert, wird wohl für die späteren Bände aufbewahrt. Sie steht im Mittelpunkt der geschilderten Wirtschaftskriege.
Während die Handlung recht konventionell ist und die Ansprüche an einen Abenteuerroman erfüllt, ist doch die Charakterbeschreibung der meisten Hauptpersonen etwas ungewöhnlich: Sie könnte von Shakespeare stammen. Helly kann man noch gut verstehen: Er ist der Prinz in der Verbannung, sein Vater der strenge, verbitterte König Lear. Eve ist die entführte Prinzessin, und des Prinzen Liebste zunächst höchst spröde, später jedoch ihm umso mehr zugetan. Der Schurke steckt voller Überraschungen, mit Helfern in den Reihen 'König Lears'. Er setzt dem edlen Prinzen bei seiner Befreiungsaktion gehörig zu. Doch es gibt auch verblendete Wissenschaftler, die es gut mit den Alien meinen und sich von diesen blenden und korrumpieren ließen, bis zur Selbstaufgabe.
Man merkt schon nach wenigen Seiten, dass in diesem Roman eine Menge Ironie steckt. Allein schon die Idee, Hellys Haus auffressen zu lassen, ist köstlich. "My home is my castle" heißt es nicht umsonst in angelsächsischen Landen, und dieses Verbrechen muss gesühnt werden. Dass Helly dabei vom Regen in die Traufe kommt, ist nicht weiter überraschend: Er ist zu unerfahren und draufgängerisch, daher braucht er die richtigen Freunde. Käptn Mimo ist der beste Freund, doch leider agiert er nicht ganz auf der legalen Seite des Gesetzes. Er ist Schmuggler und erinnert so an Humphrey Bogarts schöne Florida-Ballade "Key West". Die Ortsnamen erinnern an Lewis Carrols Nonsens-Dichtung "Jabberwocky".
Dass romantische Liebe & Sex in diesem Cocktail aus ironisch verwendeten Themen und Motiven nicht fehlen dürfen, freut sicher so manchen jugendlichen Leser. Etwas ungewöhnlich ist hingegen der Umstand, dass Helly hin und wieder einen Blackout hat und sich in seine Kindheit und Jugend zurückversetzt fühlt. Diese Rückblende kommen recht unvermittelt - so etwas habe ich schon eine ganze Weile nicht mehr gelesen. (Ein weiteres Indiz dafür, wie gewöhnlich und normgerecht amerikanische Science Fiction inzwischen geworden ist.)
Die Übersetzung
Die deutsche Übersetzung ist erstaunlich ansprechend. Sie schwankt zwischen literarischer Sprache und normaler deutscher Umgangssprache, so dass ie ohne weiteres verständlich ist und sich leicht lesen lässt. Das große, für Omas geeignete Schriftbild tut ein Übriges.
Unterm Strich
Ein flott und manchmal sogar amüsant zu lesendes Abenteuer für junge und jung gebliebene Science Fiction-Leser, das aber keine höheren Ansprüche stellt, es sei denn an die Kombinationsgabe angehender Detektive und Gentechniker.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Perseus Spur, 1998; Bastei-Lübbe 2001, Nr. 24294, Bergisch Gladbach; 540 Seiten, DM 16,90/8,45 EU, aus dem US-Englischen übertragen von Ulf Ritgen; ISBN 3-404-24294-7
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-20 11:44:34 mit dem Titel Patricia McKillip: *Das Lied des Basilisken*: Poetische Fantasy
Diese Fantasy ist die wunderbar erzählte Geschichte eines Vergeltung für erlittenes Unrecht, eine Geschichte von Erlösung und Befreiung. Der Stil ist literarisch, die Bilder poetisch und komisch, der Schauplatz erinnert an die italienische Renaissance und den hohen Norden.
Dieses Buch sowie "Schatten über Ombria" wird der amerikanischen Autorin hoffentlich endlich den deutschen Durchbruch als eine der bedeutendsten Fantasyautorinnen bescheren.
Handlung
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Der Roman beginnt mit einem echten Schocker. Ich zitiere den Verlag: "Schwarzer Rauch steht über dem zerstörten Schloß des Hauses Tourmalyne. Die Leibgarde liegt hingemetzelt vor der Tür zum Großen Saal. Ein Anblick der Verwüstung. Da regt sich etwas in der Asche des geborstenen Kamins - ein Kind. Die Männer, die es finden, nehmen es in ihre Obhut. Sie nennen es Rook, den Raben, wegen seiner ungewöhnlichen schwarzen Augen." Rook hat alle Erinnerung an den Überfall verloren, bei dem seine Familie ausgelöscht und sein Besitz zerstört wurden. Erst als er ein bestimmtes Musikinstrument spielt, kommt die Erinnerung wieder, daran und an den feurigen, starren Blick des Basilisken.
Vier Jahrhunderte lang herrschte das Haus Tournalyne über die mauernumringte Stadt Berylon, bis das rivalisierende Haus Pellior, das von einem Fürsten, den man nach seinem Wappentier den "Basilisken" nannte, sich erhob und die drei anderen Häuser angriff, um die Stadt zu übernehmen. Als einziger Nachkomme der Tourmalynes überlebt Rook das Massaker an seiner Familie. Damit der Angreifer mit den magischen Kräften ihn nicht findet, verwandelt er alle seine Gedanken zu Asche, denn in Asche hat er sich versteckt.
Nach seiner Rettung nennt er sich Caladrius, nach jenem Vogel, der am Sterbebett eines Königs singt. Er wird zur Insel Luly gebracht, einer entfernten Bardenschule in den Ländern des Nordens, am Rand der Welt. Dort verbringt er 37 Jahre, und mit der schönen Sirina hat er einen Sohn, Hollis.
Rook lernt auf der Bardeninsel die Magie der Musik: Eine bestimmte Tonfolge gespielt auf einer bestimmten Flöte läßt das Getreide wachsen, eine andere vermag Wunden zu heilen. Und eine unscheinbare Knochenflöte bringt, wenn sie gespielt wird, den Tod. Die Harfe meidet er, denn sie bringt Erinnerungen zurück. Doch ohne Harfe kann er kein Barde werden, nur Lehrer.
Doch als ein Abkömmling der Tourmalyne nach Luly kommt, um die unterstellte Mgie eines Barden zu erlangen, wird in Caladrius' Mauer des Vergessens eine Bresche geschlagen. Als er in die Wildnis reist, träumt er von Feuer, erinnert sich an seine geheime Identität: Er sieht wieder, wie die Schlächter des Basilisken den Palast seines Vaters überfallen, wie sie Feuer legen und die Schätze plündern. Sein Entschluß steht fest: Er wird den machtgeilen Fürsten mit dem Basilisken im Wappen töten, er wird seine Eltern rächen, er wird die stumme Flöte ihr Todeslied singen lassen.
(Die Darstellung dieses Entschlusses erfolgt sehr poetisch: die Vision eines mythischen Untiers, das wie ein Drache aussieht und zu Caldrius sagt, es werde stets bei ihm sein, besonders dann, wenn er die Feuerbeinflöte spielt.)
Seine Geschichte wird abwechselnd mit der Giulias und ihres Freundes Justin erzählt. Die beiden leben in Berylon, gehören aber der Seite der im Grunde arbeitenden Rebellen an. Giulia unterrichtet an der übrig gebliebenen Musikschule der Tourmalyne und bereitet bei Hofe die Geburtagsoper des Fürsten vor.
Bei Hofe geht es zu wie während der italienischen Renaissance, mit allen Gefahren, die dort für Ruf, Leib und Leben besteht. Der Basilisk ist kein gnädiger Tyrann, und seine Tochter Luna beherrscht die Schliche von Magie und Gift ebenso gut wie er. Ihr Spion Brio kommt Caladrius schließlich auf die Schliche.
Als Caladrius in Berylon eintrifft, folgt ihm Hollis, der sich dem Untergrund anschließt. Caladrius wird Bibliothekar bei Hofe. Doch verliebt sich die egozentrische Tochter des Fürsten in ihn: Nur für ihn will sie in der Oper singen. Diese Szenen sind die komischsten des ganzen Buches. Denn natürlich kann Damiet und wählt Musik nach der Farbe ihrer Kleider aus ("das malvenfarbene Lied").
Als er von einer befreundeten Adligen einer Feuerbeinflöte erhält, hat Caladrius alles, um bei der Aufführung der ebenso lächerlichen wie verhängnisvollen Oper seinen Anschlag auszuführen. Doch er hat weder mit den Rebellen, noch mit Brio und seinem Sohn gerechnet. Es kommt alles ganz anders als geplant.
Mein Eindruck
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Obwohl diese Geschichte wie so oft bei McKillip eine Geschichte von Vergeltung ist, geht es doch im wesentlichen nicht darum, sondern um Liebe, Verwandlung und Macht. Diese Macht ist die Kraft von Erinnerung, Hass, Vergebung, der Familie, der eigenen Identität und immer wieder die Kraft der Musik. Dies deutet ja bereits der Titel an.
Das Leitmotiv
Musik ist das zentrale Leitmotiv der Geschichte: die mystische Musik der Barden von Luly, die Musik des Meeres und der übrigen Welt, die wilde Musik der Hinterland-Wildnis, die wohlgeordnete, höfische Musik der Magister von Berylon. Nur der Basilisk und seine Tochter machen keine Musik: Sie ordnen sie an.
Musik versetzt Caladrius in die Lage, seine Vergangenheit zu vergessen und weckt dann wieder seine Erinnerung. Sie ist die Form der Rache, die er wählt (die Knochenflöte). Musik ist die reinste Form des Gefühlsausdrucks: Im ganzen Buch drücken die Figuren ihren Kummer, ihre Sehnsucht, ihre unerwiderte Liebe durch das bäuerliche Saiteninstrument des Picochets aus, das als Instrument der wilden Hinterlande mit den Kräften der Erde verbunden ist - sehr unhöfisch. Als die dämliche Damiet es spielt, erregt sie damit erheblichen Anstoß.
Caladrius' Reise im Namen von Vergeltung und Erlösung ist - obwohl er es nicht weiß - auch eine Queste, um endlich jener Barde zu werden, zu dem er bestimmt war: Er muss lediglich die seelische Kraft freisetzen, die durch bitteren Verlust und die Furcht vor dem Basilisken weggesperrt worden war.
Der Erzählstil
Gleich auf den ersten Seiten fällt dem Leser der bemerkenswerte Erzählstil auf, den die Autorin einsetzt. Sie erzielt damit ganz bestimmte Wirkungen. Diese Prosa singt, als wäre sie Poesie - oder Musik. Die Vergleiche sind keine Vergleiche mehr, sondern Gleichsetzungen: Metaphern. Caladrius ist nicht wie ein Vogel, sondern ist dies. Sein Rachedurst ist nicht wie ein wildes Tier, es ist wahrhaftig ein Monster. Seine Erinnerungen sind in Raben verkörpert, sein Kummer in Asche. Nur in diesen Metaphern wird uns sein Innenleben enthüllt - dies gilt in gleichem Maße für viele weitere Figuren, aber für ihn am häufigsten und intensivsten.
Diese intensive Wortmusik kann mehr als einmal übertrieben wirken und lässt viel an Zwischentönen anklingen. Sie beschreibt weniger, sondern evoziert mehr. Da dies viel Platz für Deutung lässt, kann bzw. sollte man eine komplexe Szene durchaus mehrmals lesen, so etwa, als Caladrius schließlich auf den Spion Brio stößt. Der Dialog der beiden ist auf den ersten Blick mehr als seltsam, denn Logik spielt hierbei eine untergeordnete Rolle. Lücken und Sprünge zeigen sich, die der Leser auszufüllen hat.
Anders als im realistischen psychologischen Roman werden die Ereignisse außerhalb der Figuren erzählt, doch besonders Naturmotive machen deren Innenleben deutlich. (Und natürlich Musik.) Dieser etwas distanziert erscheindende Stil fiel mir immer wieder auf. Manche Szenen mit den Rebellen lassen sich wie Filmszenen betrachten. Andere Szenen wiederum eröffnen einen kurzen Blick auf das Gefühlsleben, dass es einem das Herz umdreht. Andere wiederum veranlassen einen zum Loslachen, besonders Szenen mit der gräßlichen Damiet, die ihre Lehrerin Giulia zur Verzweiflung treibt.
Zwei Bedeutungsschichten
Der Eindruck könnte entstehen, als sei "Lied für den Basilisken" anstrengende Lektüre. Das Gegenteil ist der Fall. Die lebhafte Schönheit der Beschreibungen, die ungewöhnliche Poesie in den Handlungen der detailliert charakterisierten Figuren und ihren Szenen, die Spannung, die im Anschlag auf das Leben des Fürsten liegt - all dies verleitet zu einer geradezu gierigen, angespannten Leseweise, als könnte man sich an dieser Geschichte betrinken: die Freude am Märchen.
Ich nenne dies die obere Schicht des Buches, die leicht zugängliche Schicht. Darunter liegt, wie bereits angedeutet, eine weitere Schicht: ein dichtes Geflecht von Symbolen, Leitmotiven und Querverweisen. Ein einfaches Beispiel ist die Szene, in der der Spion Brio den Magister Caladrius verfolgt, dann aber plötzlich von Raben angegriffen wird und verschwinden muss. Beide Figuren zeigen sich nicht als das, was sie in Wahrheit sind. Auch die Raben sind, wie wir nun wissen, nicht einfach nur Raben - sie sind Caladrius' Symbole für die Erinnerung an das gestürzte Haus Tourmalyne und Vorboten seiner Rache. Wie mag er sie wohl herbeigerufen haben? Natürlich mit einer magischen Flöte.
Die Fantasy von McKillip hat also durchaus literarische Qualitäten. Es würde sich lohnen, sie näher unter die Lupe zu nehmen, denn es gibt vieles darin zu entdecken, das den Entdecker bereichert.
Die Autorin
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Die 1948, einem Schaltjahr, geborene Patricia McKillip hat 1975 den World Fantasy Award für ihren wundervollen Roman "Die vergessenen Tiere von Eld" (dt. bei Heyne) erhalten, 1980 den Locus Award für "Der Harfner im Wind" (Band 3 der Erdzauber-Trilogie).
Neben der Erdzauber-Trilogie ist noch "Die Königin der Träume" (Heyne), "Winterrose" und "Schatten über Ombria" (Klett-Cotta) als neuestes Buch auf deutsch erschienen. Bei Bastei-Lübbe erschienen zwei schmale Romane, die Duologie "Das Herz des Schwans": "Die Zauberin und der Schwan" (1991; Nr. 20282) sowie "Der Prinz und der Feuervogel" (1993; Nr. 20294).
McKillip lebt in Roxbury im US-Bundesstaat New York.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Song for the basilisk, 1998; Klett-Cotta 2001, Stuttgart; 318 Seiten, 20,00 EU, aus dem US-Englischen übertragen von Hans J. Schütz; ISBN 3-608-93221-6
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-29 13:02:49 mit dem Titel Patricia McKillip: *Schatten über Ombria*: Sprachgewaltiger Fantasyroman
Der König ist tot, lang lebe der König - doch wie lange noch? Unter dem wachsenden Schatten der zaubermächtigen Regentin muss der junge Thronerbe überleben, oder die Stadt wird untergehen. Die Freunde, die Kyel lieben, beschließen ihn unter Lebensgefahr zu retten, doch sie haben nicht mit der Macht der Regentin gerechnet.
Die Autorin Patricia McKillip zählt mittlerweile zu den wichtigsten Fantasyautorinnen der Gegenwart, sie wird bereits auf eine Stufe mit Ursula K. Le Guin (Erdsee-Zyklus) gestellt.
Handlung
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Die Handlung hat keine Hauptfigur, mit der sich der Leser identifizieren könnte - das ist eines der Mankos dieses Buches. In "Das Lied des Basilisken" gab es einen Musiker, dessen Kunst zugleich Magie war, und wir folgten seinem Werdegang und schlussendlichen Erfolg. In "Schatten über Ombria" entwickeln sich mehrere Figuren, und wir sind gezwungen, uns ihre Erlebnisse und ihr Zusammenspiel einzuprägen. Aber auch die Stadt Ombria selbst spielt eine eminent wichtige Rolle. Die Handlung erstreckt sich über mehrere Monate.
Da alle positiven wie negativen Wechselwirkungen in diesem Buch auf gegensätzlichen Paaren aufgebaut sind, versuche ich die Figuren in zwei Lager einzuordnen.
Die Geschichte beginnt zünftig mit einer Verstoßung aus dem Stand der Unschuld und des Wohlbefindens: Lydea, die Tochter eines Schankwirts, war jahrelang die geliebte Konkubine des nun sterbenden Fürsten von Ombria, Royce. Noch während während Royce Greve auf dem Sterbelager liegt, verstößt die boshafte neue Regentin Domina Perle, genannt die Schwarze Perle, Lydea aus dem Palast. Man sagt, die Regentin wisse mit Gift und schwarzer Magie umzugehen...
Lydea muss in ihrer schönen Kleidung, in ihren teuren Schuhen durch die verkommenen Gassen des düsteren Hafenviertels außerhalb des Palastes fliehen. Nur weil ihr jemand hilft, sich zu verstecken, entkommt sie Banditen und Dieben, um sich schließlich bei ihrem Vater als Scheuermagd und Schankmädchen zu verdingen. So schnell kann's gehen.
Doch geholfen wurde ihr von einem ganz besonderen Mädchen: Mag ist der "Wachsling", das möglicherweise aus Wachs geformte Dienstmädchen, einer weiteren mächtigen Zauberin, Faey. Doch Faey ist wie Domina Perle keineswegs menschlich. Die heilkundige Hexe scheint in einer anderen Dimension Ombrias zu leben, zumindest in der Unterstadt. Hier gibt es Geister, viele Schatten und nutzbare Magie. Faey lässt sich die Nutzung ihrer Magie gut bezahlen. Und so kommt es, dass sie eines Tages einen Auftrag Domina Perles annimmt: Sie soll den unerwünschten Neffen des mittlerweile verstorbenen Fürsten vergiften. Sie muss sich also in die Staatsangelegenheiten einmischen.
Dieser Neffe, Ducon, ist ein Bastard, der wie ein Albino aussieht und offenbar, wie Mag, die Fähigkeit besitzt, beide Seiten Ombrias zu sehen: die des Lichts und die der Schatten, die des Palasts und die der Unterstadt, wo die Geister leben (darunter auch sein verstorbener Vater). Ursprünglich als Erzieher des Nachfolgers des Fürsten, des neunjährigen Kyel Greve angestellt, streunt Ducon Greve zunehmend durch die Gassen und Schänken des düsteren Hafenviertels, um den Zugang zu Unterstadt zu finden. Dabei zeichnet er unablässig, was er sieht. Diese Zeichenkohle ist es, die Faey vergiftet. Ducon gerät ins Delirium, bis er schließlich zusammenbricht und in die Unterstadt stürzt.
Es ist nur Mag zu verdanken, dass Ducon nicht getötet wird. Denn sie hat inzwischen von ihrer Freundin Lydea erfahren, dass Ducon die letzte Hoffnung Ombrias auf Rettung ist, denn die Hexe im Palast will Kyel Greve ebenso töten wie Ducon, um danach Alleinherrscherin (und Piratin) zu sein.
Nun kann Mag, die an Tochterstelle adoptierte Dienstmagd, Faey (die eigentlich unparteiisch bleiben will) davon abhalten, Ducon zu töten. Vielmehr beschließen Mag, Lydea und Ducon, unter Lebensgefahr in den Palast zurückzukehren, um den kleinen Kyel Greve zu retten und die Regentin zu stürzen. (Man sieht, sie alle haben sich mittlerweile gewaltig verändert.) Von der mächtigen Zauberin maskiert, wagen sie es, direkt unter der Nase der Schwarzen Perle gegen sie zu intrigieren und Kyel Mut zu machen.
Das kann natürlich nicht lange gutgehen. Als Mag der Regentin in die Hände fällt, muss Faey reagieren. Ihr Gegenangriff erschüttert die Grundmauern des Palastes und verändert die gespaltene Stadt für immer. Was mit einer Verstoßung begann, endet mit einer Wiedergeburt.
Mein Eindruck
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Drei Symbole
McKillip ist viel zu sehr Künstlerin, um es für nötig zu halten, irgendetwas davon lgisch zu erklären. Stattdessen beobachtet sie lediglich, dringt dabei aber in eine Tiefe vor, die anderen AutorInnen des Fantasy-Genres verwehrt zu sein scheint (eine Ausnahme gibt: Ursula K. Le Guin). Das bedeutet, dass sich der junge oder erwachsene Leser seinen eigenen Reim auf die Gründe des Geschehens machen muss. Hier spielt Logik des Verstandes keine Rolle, sondern vielmehr ein Ursache-Wirkung-Prinzip, das auf der Wechselwirkung von Emotionen beruht.
Wie schon angedeutet, spielen Dualismen eine große Rolle. Die zentralen Metaphern dafür sind der Spiegel, das Zeichnen und Passagen.
A) Spiegel
Wie mit Monitoren überwacht Domina ("die Herrin") Perle mit Hilfe zahlreicher Zauberspiegel ihr Herrschaftsgebiet. Statt Schönheit zu reflektieren, dienen ihre Spiegel nur ihrer Machtausübung. Domina und die Spiegel sind Teil des Schattens, der über Ombria liegt. Doch ihr Blick reicht nicht bis in die Unterstadt der Geister, wo die Zauberin Faey herrscht und Mag sich versteckt. Hier, im Zwielicht der Geister und der Magie, erwächst eine Gegenkraft zu Dominas Herrschaft. (McKillip beschreibt Ombria, als handelte es sich um eine menschliche Figur, mit allen Schichten und Aspekten.)
B) Zeichnungen
Ducons Zeichnungen sind eine weitere wichtige Metapher. Wie der Fotograf in Antonionis "Blow-up" ist er besessen vom Gesehenen, denn sein Blick dringt tiefer als das Auge gewöhnlicher Menschen. Ducon gelingt der Durchbruch zur Geisterdimension. Schließlich sind seine Zeichnungen nicht mehr tot, sondern können auf magische Weise - im Zwischenreich des Möglichen - das Gezeichnete zum Leben erwecken, so etwa seinen Vater. Dieser ist eine Verbindung mit der Vergangenheit, die Ombria einen weiteren Aspekt hinzufügt: Die Stadt entwickelt sich in wiederkehrenden Zyklen, die Untergang und Wiedergeburt durchlaufen. Das Herrschergeschlecht Greve pflanzt sich daher nicht linear und ungebrochen fort, sondern weitverzweigt in obskuren Verästelungen: Ducon ist eine davon, doch die vielversprechendste.
C) Passagen
Durchgänge sind das dritte zentrale Symbol. Neben dem Durchbruch zur Unterstadt sind hier vor allem Lydeas Verstoßung aus der Palasttür aufzuführen und die unzähligen Geheimtüren im ausgedehnten Palast. Wie in einem italienischen Renaissancepalast gehen Diener und Intriganten durch unsichtbare Tapetentüren ein und aus, um ihre Herrschaft oder ihre Mitverschwörer zu treffen. Es handelt sich um einen Palast im Palast, eine Schachtel in einer größeren Schachtel und so weiter. Das erinnerte mich an Mervyn Peakes Schloss Gormenghast.
Nach Royces Tod machen sich auch die Ex-Minister und Ducons Vettern Hoffnungen auf den Thron, doch zuvor muss der junge Erbe sterben. Daher spielt Ducon (und später Lydea und Mag) ein riskantes Doppelspiel mit Kyles Gegnern: Prompt werden Attentate auf ihn verübt.
Kurz vor Schluss führt eine Tür in das verhängnisvolle Schlafzimmer der Schwarzen Perle. In diesem Zentrum der Schwarzen Magie erwartet die angekettete Mag und und Ducon Greve ihr Schicksal.
Dieser Raum hat sein Gegenstück in Faeys Haus. Hier wird betäubender Tee serviert und Gift gebraut, Geister sprechen, und magische Amulette finden sich in seinen Winkeln. Es es wichtig, daran zu denken, dass die Bewohnerin dieses Hauses kein Mensch ist, sondern ein Wesen, das älter ist als Ombria selbst. Wir erfahren nicht, was Faey ist, genau wie so vieles andere der Erforschung durch die Vorstellungskraft überlassen bleibt.
Dass diese dualen Konflikte sich am Schluss nicht alle in Wohlgefallen auflösen, dürfte einleuchten. Der Sieg des Guten ist wieder einmal bittersüß und überschattet von Opfern.
Die Sprache
Der Ton dieser Handlung und für diese Art von zwielichtiger Welt ist nicht der von Allerwelts-Fantasy à la Raymond Feist oder Robert Jordan (obwohl die auch ihre Qualitäten haben). Die Sprache nähert sich vielmehr dem Gothic Horror eines Edgar Allan Poe an, nur dass dessen Melodramatik fehlt. Wer "The Cask of Amontillado" oder "Morella" und "Ligeia" gelesen hat, weiß, wovon ich rede.
McKillips Prosa ist an Poesie geschult und führt so zuweilen zu ungewöhnlichen Fügungen, um eine Empfindung oder eine Figur zu beschreiben. Sie ermöglicht sogar leise Ironie. Dies ist keine anspruchslose Sprache, wie man sich denken kann. Tatsächlich konnte ich daher immer nur wenige Kapitel (alle sind zwischen 9 und 12 Seiten lang) auf einmal lesen. Ich brauchte zwei Monate für das 300-Seiten-Buch.
Die Sprache lebt in der deutschen Fassung natürlich von den Qualitäten des Übersetzers. Hans J. Schütz hat Tad Williams, H.P. Lovecraft und Peter S. Beagle übersetzt (neben vielen anderen). Er macht seine Sache sehr gut. Nur an manchen Stellen erschienen mir seine Fügungen und Wortwahl als zu gestelzt, zu geschraubt und mitunter antiquiert, aber das trifft wohl auch auf McKillips Sprache zu. Genervt haben mich lediglich seine vielen Tippfehler. Offenbar spart Klett-Cotta nun auch am Korrektor, um den Preis niedrig halten zu können: Dieses Buch kostet 2 Euro weniger als das bessere "Lied des Basilisken".
Die Autorin
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Die am 29.2.1948, einem Schaltjahr, geborene Patricia McKillip hat 1975 den World Fantasy Award für ihren wundervollen Roman "Die vergessenen Tiere von Eld" (dt. bei Heyne) erhalten, 1980 den Locus Award für "Der Harfner im Wind" (Band 3 der Erdzauber-Trilogie).
Neben der Erdzauber-Trilogie sind noch "Die Königin der Träume" (Heyne), "Winterrose" und "Das Lied des Basilisken" (Klett-Cotta) auf deutsch erschienen. Bei Bastei-Lübbe erschienen zwei schmale Romane, die Duologie "Das Herz des Schwans": "Die Zauberin und der Schwan" (1991; Nr. 20282) sowie "Der Prinz und der Feuervogel" (1993; Nr. 20294).
McKillip lebt in Roxbury im US-Bundesstaat New York.
Unterm Strich
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Für diesen Fantasyroman mit Gothic-Horror-Elementen sollte man sich Zeit nehmen und ihn notfalls zweimal lesen. McKillip gelingt es, aus einer bedrückenden Atmosphäre heraus Gefühle der Hoffnung entstehen zu lassen, die zu Aktionen werden. Die Geschichte Ombrias ist eine zyklische Geschichte von Verstoßung, ständiger Bedrohung und Wiedergeburt. Die (anspruchsvolle) Sprache ist der Magie der Handlung ebenbürtig, ermöglicht sie im Grunde erst. Doch dass der Handlung eine Hauptfigur fehlt und sie auf drei bis fünf Figuren verteilt ist, macht es nicht einfach, ihr zu folgen. Auch auf die Druckfehler hätte ich verzichten können.
Das Buch eignet sich für Freunde guter phantasievoller Geschichten ab etwa 14 Jahren, die durchaus mal auf Action verzichten können.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Ombria in shadow, 2002; Klett-Cotta 3/2002, Stuttgart; 298 Seiten, EU 18,00, aus dem US-Englischen übertragen von Hans J. Schütz; ISBN 3-608-93201-1
Mehr Info: www.klett-cotta.de/hobbitpresse (ohne Gewähr)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-04 12:00:57 mit dem Titel Patricia McKillip: *Das Lied des Basilisken*: Ein Lied von Rache und Erlösung
Diese Fantasy ist die wunderbar erzählte Geschichte eines Vergeltung für erlittenes Unrecht, eine Geschichte von Erlösung und Befreiung. Der Stil ist literarisch, die Bilder poetisch und komisch, der Schauplatz erinnert an die italienische Renaissance und den hohen Norden.
Dieses Buch sowie "Schatten über Ombria" wird der amerikanischen Autorin hoffentlich endlich den deutschen Durchbruch als eine der bedeutendsten Fantasyautorinnen bescheren.
Handlung
Der Roman beginnt mit einem echten Schocker. Ich zitiere den Verlag: "Schwarzer Rauch steht über dem zerstörten Schloß des Hauses Tourmalyne. Die Leibgarde liegt hingemetzelt vor der Tür zum Großen Saal. Ein Anblick der Verwüstung. Da regt sich etwas in der Asche des geborstenen Kamins - ein Kind. Die Männer, die es finden, nehmen es in ihre Obhut. Sie nennen es Rook, den Raben, wegen seiner ungewöhnlichen schwarzen Augen." Rook hat alle Erinnerung an den Überfall verloren, bei dem seine Familie ausgelöscht und sein Besitz zerstört wurden. Erst als er ein bestimmtes Musikinstrument spielt, kommt die Erinnerung wieder, daran und an den feurigen, starren Blick des Basilisken.
Vier Jahrhunderte lang herrschte das Haus Tournalyne über die mauernumringte Stadt Berylon, bis das rivalisierende Haus Pellior, das von einem Fürsten, den man nach seinem Wappentier den "Basilisken" nannte, sich erhob und die drei anderen Häuser angriff, um die Stadt zu übernehmen. Als einziger Nachkomme der Tourmalynes überlebt Rook das Massaker an seiner Familie. Damit der Angreifer mit den magischen Kräften ihn nicht findet, verwandelt er alle seine Gedanken zu Asche, denn in Asche hat er sich versteckt.
Nach seiner Rettung nennt er sich Caladrius, nach jenem Vogel, der am Sterbebett eines Königs singt. Er wird zur Insel Luly gebracht, einer entfernten Bardenschule in den Ländern des Nordens, am Rand der Welt. Dort verbringt er 37 Jahre, und mit der schönen Sirina hat er einen Sohn, Hollis.
Rook lernt auf der Bardeninsel die Magie der Musik: Eine bestimmte Tonfolge, gespielt auf einer bestimmten Flöte, läßt das Getreide wachsen, eine andere vermag Wunden zu heilen. Und eine unscheinbare Knochenflöte bringt, wenn sie gespielt wird, den Tod. Die Harfe meidet er, denn sie bringt Erinnerungen zurück. Doch ohne Harfe kann er kein Barde werden, nur Lehrer.
Als ein Abkömmling der Tourmalyne nach Luly kommt, um die unterstellte Mgie eines Barden zu erlangen, wird in Caladrius' Mauer des Vergessens eine Bresche geschlagen. Als er in die Wildnis reist, träumt er von Feuer, erinnert sich an seine geheime Identität: Er sieht wieder, wie die Schlächter des Basilisken den Palast seines Vaters überfallen, wie sie Feuer legen und die Schätze plündern. Sein Entschluß steht fest: Er wird den machtgeilen Fürsten mit dem Basilisken im Wappen töten, er wird seine Eltern rächen, er wird die stumme Flöte ihr Todeslied singen lassen.
(Die Darstellung dieses Entschlusses erfolgt sehr poetisch: die Vision eines mythischen Untiers, das wie ein Drache aussieht und zu Caldrius sagt, es werde stets bei ihm sein, besonders dann, wenn er die Feuerbeinflöte spielt.)
Seine Geschichte wird abwechselnd mit der Giulias und ihres Freundes Justin erzählt. Die beiden leben in Berylon, gehören aber der Seite der im Untergrund wirkenden Rebellen an. Giulia unterrichtet an der übrig gebliebenen Musikschule der Tourmalyne und bereitet bei Hofe die Geburtagsoper des Fürsten vor.
Bei Hofe geht es zu wie während der italienischen Renaissance, mit allen Gefahren, die dort für Ruf, Leib und Leben besteht. Der "Basilisk" ist kein gnädiger Tyrann, und seine Tochter Luna beherrscht die Schliche von Magie und Gift ebenso gut wie er. Ihr Spion Brio kommt Caladrius schließlich auf die Schliche.
Als Caladrius in Berylon eintrifft, folgt ihm Hollis, der sich den Rebellen anschließt. Caladrius wird Bibliothekar bei Hofe. Dort verliebt sich die egozentrische Tochter des Fürsten in ihn: Nur für ihn will sie in der Oper singen. Diese Szenen sind die komischsten des ganzen Buches. Denn natürlich kann Damiet nicht singen und wählt Musik vielmehr nach der Farbe ihrer Kleider aus ("das malvenfarbene Lied").
Als er von einer befreundeten Adligen eine Feuerbeinflöte erhält, hat Caladrius alles, um bei der Aufführung der ebenso lächerlichen wie verhängnisvollen Oper seinen Anschlag auszuführen. Doch er hat weder mit den Rebellen, noch mit Brio und seinem Sohn gerechnet. Es kommt alles ganz anders als geplant.
Mein Eindruck
Obwohl diese Geschichte wie so oft bei McKillip eine Geschichte von Vergeltung ist, geht es doch im wesentlichen nicht darum, sondern um Liebe, Verwandlung und Macht. Diese Macht ist die Kraft von Erinnerung, Hass, Vergebung, der Familie, der eigenen Identität und immer wieder die Kraft der Musik. Dies deutet ja bereits der Titel an.
Das Leitmotiv
Musik ist das zentrale Leitmotiv der Geschichte: die mystische Musik der Barden von Luly, die Musik des Meeres und der übrigen Welt, die wilde Musik der Hinterland-Wildnis, die wohlgeordnete, höfische Musik der Magister von Berylon. Nur der Basilisk und seine Tochter machen keine Musik: Sie ordnen sie an.
Musik versetzt Caladrius in die Lage, seine Vergangenheit zu vergessen und weckt dann wieder seine Erinnerung. Sie ist die Form der Rache, die er wählt (die Knochenflöte). Musik ist die reinste Form des Gefühlsausdrucks: Im ganzen Buch drücken die Figuren ihren Kummer, ihre Sehnsucht, ihre unerwiderte Liebe durch das bäuerliche Saiteninstrument des Picochets aus, das als Instrument der wilden Hinterlande mit den Kräften der Erde verbunden ist - sehr unhöfisch. Als die dämliche Damiet es spielt, erregt sie damit erheblichen Anstoß.
Caladrius' Reise im Namen von Vergeltung und Erlösung ist - obwohl er es nicht weiß - auch eine Queste, um endlich jener Barde zu werden, zu dem er bestimmt war: Er muss lediglich die seelische Kraft freisetzen, die durch bitteren Verlust und die Furcht vor dem Basilisken weggesperrt worden war.
Der Erzählstil
Gleich auf den ersten Seiten fällt dem Leser der bemerkenswerte Erzählstil auf, den die Autorin einsetzt. Sie erzielt damit ganz bestimmte Wirkungen. Diese Prosa singt, als wäre sie Poesie - oder Musik. Die Vergleiche sind keine Vergleiche mehr, sondern Gleichsetzungen: Metaphern. Caladrius ist nicht wie ein Vogel, sondern ist dies. Sein Rachedurst ist nicht wie ein wildes Tier, es ist wahrhaftig ein Monster. Seine Erinnerungen sind in Raben verkörpert, sein Kummer in Asche. Nur in diesen Metaphern wird uns sein Innenleben enthüllt - dies gilt in gleichem Maße für viele weitere Figuren, aber für ihn am häufigsten und intensivsten.
Diese intensive Wortmusik kann mehr als einmal übertrieben wirken und lässt viel an Zwischentönen anklingen. Sie beschreibt weniger, sondern evoziert vielmehr. Da dies viel Platz für Deutung lässt, kann bzw. sollte man eine komplexe Szene durchaus mehrmals lesen, so etwa, als Caladrius schließlich auf den Spion Brio stößt. Der Dialog der beiden ist auf den ersten Blick mehr als seltsam, denn Logik spielt hierbei eine untergeordnete Rolle. Lücken und Sprünge zeigen sich, die der Leser auszufüllen hat.
Anders als im realistischen psychologischen Roman werden die Ereignisse außerhalb der Figuren erzählt, doch besonders Naturmotive machen deren Innenleben deutlich. (Und natürlich Musik.) Dieser etwas distanziert erscheinende Stil fiel mir immer wieder auf. Manche Szenen mit den Rebellen lassen sich wie Filmszenen betrachten (z.B. wie "Wem die Stunde schlägt"). Andere Szenen wiederum eröffnen einen kurzen Blick auf das Gefühlsleben, dass es einem das Herz umdreht. Andere wiederum veranlassen einen zum Loslachen, besonders Szenen mit der gräßlichen Damiet, die ihre Lehrerin Giulia zur Verzweiflung treibt.
Zwei Bedeutungsschichten
Der Eindruck könnte entstehen, als sei "Lied für den Basilisken" anstrengende Lektüre. Das Gegenteil ist der Fall. Die lebhafte Schönheit der Beschreibungen, die ungewöhnliche Poesie in den Handlungen der detailliert charakterisierten Figuren und ihren Szenen, die Spannung, die im Anschlag auf das Leben des Fürsten liegt - all dies verleitet zu einer geradezu gierigen, angespannten Leseweise, als könnte man sich an dieser Geschichte betrinken: die Freude am Märchen.
Ich nenne dies die obere Schicht des Buches, die leicht zugängliche Schicht. Darunter liegt, wie bereits angedeutet, eine weitere Schicht: ein dichtes Geflecht von Symbolen, Leitmotiven und Querverweisen. Ein einfaches Beispiel ist die Szene, in der der Spion Brio den Magister Caladrius verfolgt, dann aber plötzlich von Raben angegriffen wird und verschwinden muss. Beide Figuren zeigen sich nicht als das, was sie in Wahrheit sind. Auch die Raben sind, wie wir nun wissen, nicht einfach nur Raben - sie sind Caladrius' Symbole für die Erinnerung an das gestürzte Haus Tourmalyne und Vorboten seiner Rache. Wie mag er sie wohl herbeigerufen haben? Natürlich mit einer magischen Flöte.
Die Fantasy von McKillip hat also durchaus literarische Qualitäten. Es würde sich lohnen, sie näher unter die Lupe zu nehmen, denn es gibt vieles darin zu entdecken, das den Entdecker bereichert.
Unterm Strich
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Eine Fantasy abseits der Trampelpfade von Tolkien- und Pratchett-Epigonen, weit weg von Serienkost. Man muss sich dafür ein wenig Zeit nehmen, aber die Mühe lohnt sich. Am ehesten ist McKillip mit dem (hierzulande völlig unbekannten) Kanadier Charles de Lint ("Grünmantel") zu vergleichen.
Die Autorin
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Die am 29.2.1948, einem Schaltjahr, geborene Patricia McKillip hat 1975 den World Fantasy Award für ihren wundervollen Roman "Die vergessenen Tiere von Eld" (dt. bei Heyne) erhalten, 1980 den Locus Award für "Der Harfner im Wind" (Band 3 der Erdzauber-Trilogie).
Neben der Erdzauber-Trilogie ist noch "Die Königin der Träume" (Heyne), "Winterrose" und "Schatten über Ombria" (Klett-Cotta) als neuestes Buch auf deutsch erschienen. Bei Bastei-Lübbe erschienen zwei schmale Romane, die Duologie "Das Herz des Schwans": "Die Zauberin und der Schwan" (1991; Nr. 20282) sowie "Der Prinz und der Feuervogel" (1993; Nr. 20294).
McKillip lebt in Roxbury im US-Bundesstaat New York.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Song for the basilisk, 1998; Klett-Cotta 2001, Stuttgart; 318 Seiten, 20,00 EU, aus dem US-Englischen übertragen von Hans J. Schütz; ISBN 3-608-93221-6
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-12 10:19:42 mit dem Titel Henry Miller: *Stille Tage in Clichy*: Schräge Abenteuer
Dieser Klassiker der erotischen Literatur ist zugleich ein idealer, kurzweiliger Einstieg in Millers Werk. "Clichy" entstand 1940 und wurde 1956 überarbeitet.
Doch die erotischen Abenteuer, die Millers 'alter ego' Joey erzählt, ereignen sich vor dem Hintergrund des Paris der dreißiger Jahre. Ein Abstecher in das deutschsprachige und –gesinnte Luxemburg vermittelt einen Einblick in den aufkommenden Antisemitismus jenseits der französischen Grenzen.
Handlung
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Ein durchgehender Handlungsfaden ist in diesem nur 130 Seiten langen Text nicht zu finden, vielmehr wird die Form durch Episoden bestimmt. Derer gibt es etliche, und praktisch drehen sich um Frauen beziehungsweise Mädchen.
Der Schriftsteller Joey lebt schon etwa ein halbes Dutzend Jahre in der Seine-Metropole. Mit seinem Freund Carl, der ebenfalls schreibt, aber angestellt ist, teilt er sich eine bescheidene Wohnung außerhalb der Stadtmauern von Paris, hinter dem Montmartre, sowie eine stets leere Speisekammer (Kühlschränke waren noch nicht erfunden). Die Ebbe im Portemonnaie ist ein Dauerzustand bei Joey, aber das hindert ihn nicht daran, einer der hübschen Huren am Montmarte sein letztes Geld zu schenken – er hat eben ein goldenes Herz, der Gute!
Das zeigt sich besonderes, als er Mara kennenlernt. Sie ist "sein Typ", wie Carl sagt, und erinnert ihn an eine verflossene Geliebte, Christine. Mara ist keineswegs aufdringlich, obwohl sie eine Professionelle ist, vielmehr scheint sie eher viel zu ehrlich und bescheiden für ihren Beruf zu sein, erkennt Joey. Miller porträtiert die Figur der Mara auf eindringliche Weise, was schließlich in der schmerzlichen Trennung Joeys von ihr deutlich wird.
Wesentlich lustiger und verrückter geht es im ersten Teil des Kurzromans zu. Da ist etwa die somnambule Tagträumerin, die sich für die Indianerprinzessin Pocahontas hält. Oder die zwei Mädchen, die zu Joey in die Badewanne steigen, um dort Rot- und Weißwein zu trinken. Leider kann es sich der besoffene Joey nicht verkneifen, seine Blase zu entleeren. Das hingegen finden die beiden Mädchen "unethisch" und verabschieden sich unter wütendem Protest – vor allem aber wohl wegen der leeren Taschen von Joey und Carl.
Natürlich hat die freie Liebe in Paris auch ihre Risiken. So fängt sich Carl mehrmals den Tripper ein, liefert sich einmal sogar mit Verdacht auf Syphilis ins Krankenhaus ein. Noch gefährlicher als Infektionen sind jedoch die Tücken des Gesetzes, das es Männern verbietet, sich mit Minderjährigen einzulassen. Der leichtsinnige Carl kommt deshalb beinahe ins Gefängnis. Und nur der respekt der Franzosen vor Dichtern und Philosophen rettet ihn. Dies ist eine der komischsten Szenen des Buches.
Auch Luxemburg hat seine Reize. Das findet das dynamische Duo heraus, als es das Land der Grande Nation erkundet und für einen Tag verlässt. Allerdings stoßen die beiden neben bildhübschen Café-Sängerinnen auch auf antisemitische Restaurantbesitzer: "Dieses Haus ist judenfrei" heißt es da stolz auf einer Visitenkarte. Joey, der sehr gut Deutsch spricht,weil es von dem Ungarn Carl gelernt hat, bekommt schier einen Tobsuchtsanfall und muss hinausgezerrt werden. Ansonsten hat er aber nichts gegen die deutsche Kultur. Im Gegenteil: Er singt offenbar gerne deutsche Lieder. Das war natürlich vor dem Kriegsausbruch. 1940 schrieb Miller diesen Roman in New York City.
Mein Eindruck
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Mit "Stille Tage in Clichy" ist hervorragend bedient, wer sich noch nicht auf die längeren Romane Millers wie etwa "Wendekreis des Steinbocks" einlassen will oder wer mit reiner Brotarbeit wie dem posthum veröffentlichten "Opus Pistorum" nichts anfangen kann. "Clichy" verströmt den Duft von Unschuld, Geilheit und Frühling. Die erotischen Szenen gehören zu den komischsten im ganzen Genre. Doch auch die ernsten Seiten fehlen nicht, wie die Episode mit Mara zeigt.
Hervorragend wiedergegeben hat dieses Flair die unkonventionelle dänische Verfilmung aus den siebziger Jahren. Der in schwarz-weiß gedrehte Film wartet mit Sprechblasen über den Köpfen der Darsteller auf. Natürlich stehen in diesen Blasen sehr eindeutige Wörter und Begriffe. Die Musik von Woodstock-Barde Country Joe Mcdonald ("Fish Cheer") passt hervorragend zu dem Bohemien-Ambiente in Clichy. Die spätere Farbverfilmung verblasst paradoxerweise demgegenüber. Der Regisseur hat sich dabei offensichtlich Scheuklappen angelegt.
Wir können froh sein, dass dieses wunderbare Buch Mitte der sechziger Jahre von der Zensur freigegeben wurde, nachdem es bereits 1956 in Paris erstveröffentlicht worden war – wo sonst?
Michael Matzer © 2002ff
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-06 16:37:31 mit dem Titel Vonda McIntyre: *Die Traumschlange*: Spannende SF-Fantasy für Frauen
In ferner Zukunft, einige Jahre nach einem atomaren Holocaust, leben die Menschen in Stämmen in der Wüste oder zusammengedrängt in den Ruinen der Städte. Ärzte wandern von ihrem Zentrum aus, um zu helfen.
Die junge Heilpraktikantin Schlange kuriert mit Hilfe von manipuliertem Schlangengift Verletzte und Todkranke, oft erfolgreich, machmal kommt sie auch zu spät. Sie kämpft gegen Fremdenangst und Ignoranz, dabei wird ihre Traumschlange getötet, mit der sie die Patienten beruhigt.
Doch die Heiler können die Traumschlangen, die von frmden Welten stammen, nicht selnst züchten, sondern müssen sie in der alten Stadt kaufen. Dort jedoch wird Schlange abgewiesen.
Auf ihrer Reise adoptiert sie ein junges Mädchen, Melissa, das sehr unter erlittenen Verbrennungen leidet. Sie will Melissa zur Heilerin ausbilden und nimmt sie auf ihre Suche mit. Ein junger Mann verliebt sich in sie und folgt ihrer Spur.
In den Ruinen einer Bunkerfestung findet sie schließlich Traumschlangen in rauhen Mengen, doch deren Besitzer, ein gigantischer Albino, haßt alle Heiler und hält sich Leute als Sklaven, die vom Gift der Traumschlangen abhängig geworden sind.
Er wirft Schlange und ihre Adoptivtochter in eine Grube voller Traumschlangen. Hier entdeckt sie das geheimnis der Fremdwesen. Beide geraten in Lebensgefahr, doch Schlange gelingt es zu entkommen und Melissa mit knapper Not zu retten.
Zu guter Letzt taucht auch ihr junger Freund auf und gibt den beiden Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft zu dritt. Drei ist die magische Zahl in diesem Buch - auch Traumschlangen vermehren sich nur zu dritt.
Mein Eindruck
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Das Buch ist nicht nur eine gelungene Synthese aus Science Fiction- und Fantasy-Elementen, sondern zugleich eine einfühlsame Studie einer jungen Frau, die im wesentlichen auf sich allein gestellt das Leben in einer lebensfeindlich gewordenen Welt meistert. Die Autorin macht weder den Fehler, eine problemlose Idylle zu schildern, noch zeigt sie die Heilerin als besser funktionerenden Mann. Vielmehr wird hier eine im Grunde realistische Geschichte im Fantasy-Gewand erzählt, und die Heldin bewältigt ihre Schweirigkeiten aus sich selbst heraus, durch Einsatz ihrer besonderen Fähigkeiten als Frau, als Mensch.
Zu der Zeit seiner Entstehung Anfang der siebziger Jahre dürfte die Schilderung von Ehegemeinschaften aus drei Mitglieder und von Dörfern, in der Familien aufgrund von Adoption zustandekommen, für einiges Aufsehen gesorgt haben. Auch die Themen Kindesmißbrauch und Vergewaltigung dürften hier zum ersten Mal in der SF aufgetaucht sein. Die Basis- Story dieses Romans fehlt daher in kaum einer feministischen SF-Anthologie.
Die Autorin
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Die 1948 geborene Autorin erhielt 1973 für die Novelle, die die Grundlage dieses Romans bildet, den Nebula Award, und für den 1978 erschienenen Roman die zwei wichtigsten Preise der Science Fiction. Bei uns wurde sie mit dem Starfarer-Zyklus bekannt und der historischen Fantasy "Am Hofe des Sonnenkönigs" (Bastei-Lübbe, 1999).
Unterm Strich
Dieser Kombination aus SF und Fantasy eignet sich für aufgeschlossene LeserInnen beider Genres. Es ist spannend und bietet dennoch genug Stoff, um zum Nachdenken anzuregen. Schade, dass es nicht mehr von solchen guten Büchern gibt.
Michael Matzer © 1999/2002ff
Info: Dreamsnake, 1978; Bastei-Lübbe 1999, Bergisch Gladbach; 446 Seiten, aus dem US-Englischen übertragen von Horst Pukallus; ISBN 3-404-24263-7
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-14 19:33:35 mit dem Titel P. Melo: *Ich töte, du stirbst*: Brasilianischer Psychothriller
Die vernachlässigte Ehefrau Rita verdächtigt ihren Mann, ein berüchtigter Frauenmörder zu sein. Ist sie das nächste Opfer? - Ein pedantischer Bankangestellter will seine Nachbarin killen, muss sie aber zuerst verführen: ein todbringender Don Juan. Ist er der gesuchte Frauenmörder? - Zwei Episoden um Psychosen bilden diesen kriminell guten Roman einer Brasilianerin.
"Ich töte, du stirbst" ist Patricia Melos erster Roman und erschien 1994. Nach "O Matador" und "Wer lügt gewinnt" ist dies der dritte von Klett-Cotta verlegte Roman Melos.
Die Autorin
Patricia Melo wurde bis in zwölf Sprachen übersetzt und 1998 für "O matador" mit dem Deutschen Krimi-Preis ausgezeichnet. 2001 erhielt sie den begehrten Premio Jabuti ihres Heimatlandes.
Die Übersetzerin
Barabara Mesquita, 1959 in Bremen geboren, ist Dolmetscherin und Übersetzerin für Portugiesisch und Spanisch. Sie hat u.a. Luis Verissimo und Juan Manuel de Prada ins Deutsche übertragen. Ihre Arbeit an "Ich töte, du stirbst" ist einfach makellos.
2 Handlungen
Erster Teil
Die Hauptfigur und Ich-Erzählerin des 1. Teils ist die junge Brasilianerin Rita. Sie sucht ein Polizeirevier auf, um dem Beamten zu berichten, sie vermute, ihr eigener Gatte sei der berüchtigte Frauenmörder des Stadtteils Lapa. Sie fürchte um ihr Leben. Das macht den Beamten erst einmal skeptisch.
Und uns auch, denn Rita, die vernachlässigte Gattin, die den ganzen Tag im Fernsehen amerikanische Krimiklassiker anschaut (diese Szenen verschwimmen mit der Realität), schnüffelt ihrem Männe, Rubem Marcondes, hinterher. Rubem ist Fernsehproduzent, und tatsächlich scheint ihn ein Geheimnis zu umgeben.
Auf ihren Beschattungsfahrten entdeckt Rita, wie ihr Angetrauter andere Frauen trifft, attraktive Blondinen gar, in Cafés und Bars. Ihre Paranoia wächst: landet sie demnächst bald beim alten Eisen? Doch Rubem streitet natürlich alles als Einbildung und Unsinn ab. Rita zweifelt an ihrem Verstand.
Dann findet sie, ganz die Paranoikerin, in einem geheimen Versteck im Keller mehrere mysteriöse Ampullen: Darin befindet sich Aqua Toffana (vgl. O-Titel), jenes tückisch wirkende Gift aus der Renaissance, das so langsam tötet, dass es zwei Jahre (!) dauert, bis das Opfer verendet.
Der Polizeibeamte ist weiterhin skeptisch: Ist Rita nicht doch nur eine durchgeknallte Psychopathin? Wenig später wird die Leiche einer jungen Frau in Lapa gefunden, das sechste Opfer: Rita.
Zweiter Teil
Auch am Geisteszustand der zweiten Hauptfigur und Ich-Erzählers des Romans gibt uns reichlich Anlass, ernsthaft an seiner geistigen Gesundheit zu zweifeln. Der unscheinbare, aber höchst penible Bankangestellte - er hat täglich nur Formulare abzustempeln, sonst nichts - und Vater zweier Kinder ist relativ besessen von Hemdkragen. Sie müssen a) von seiner Frau korrekt gebügelt sein und b) korrekt sitzen. Nur wenn sie richtig gebügelt sind, verleihen sie dem jeweiligen Träger jene lässige Eleganz (meint er).
In seine Alpträume mischen sich Bilder Stich- und Schneidewerkzeugen: Messer, Stichel, Dolche. Auch Revolver. Sein Hass richtet sich gegen seine etwas betagte Nachbarin Célia, eine gut erhaltene Vier- oder Fünfzigerin. Er schickt ihr Karten, Blumen. Irgendwie muss er ihr ja näherkommen. So nahe, dass er sie in ihrer badewanne ertränken kann. Denn das ist der trick: Den Mord so aussehen zu lassen wie einen Unfall: Das Badewasser läuft ihr in den Mund, ein Reflex hindert sie an der Gegenwehr, Affe tot.
Sein Wunschtraum geht in Erfüllung (oder ist alles nur Einbildung?): Er zerstückelt Célias Leiche und versenkt die Müllbeutel vor der Küste. Ha, wie soll man ihm nun auf die Spur kommen? Nie im Leben. Doch als ihm niemand verdächtigende Fragen stellt, wird er unruhig. Eines Morgens liest er die Zeitung: Der Frauenmörder von Lapa hat ein sechstes Opfer gefordert. Unverzüglich meldet er sich auf dem Kommissariat und gesteht: Ich bin der, den ihr sucht. Der Kommissar schaut ihn erschrocken an.
Mein Eindruck
Patricia Melos Geschichten erinnern an die Mördergeständnisse in Edgar Allan Poes Geschichten "Die scharze Katze" und "Das geschwätzige Herz": Der Mörder (?) empfindet mehr Einbildungen, leidet unter einer (imaginären?) Tat und stellt sich schließlich: entweder , wie bei Poe und Melo #2, dem Arm der Gerechtigkeit oder, wie bei Melo #1, dem unausweichlichen Schicksal.
Das Thema der beiden Novellen, die den Roman "Ich töte, du stirbst" ausmachen, ist in jedem Fall Gewalt: sei sie nun real oder "nur" eingebildet. Die Erzählweise ist brillant, vielseitig, schier atemlos dahinjagend in ihrer Paranoia. (Ich habe den Roman komplett an 1 Tag gelesen.)
"Paranoia me destroya"
Woher kommt er, dieser Verfolgungswahn? Er hat viele Quellen. Die vernächlässigte Rita erfindet sich einen Mörder nach dem Vorbild der amerikanischen Krimis. Sie findet ihr höhere Bedeutung als Opfer, eine Opfer von derart durchtriebener Mordlust und Tücke, das sie sozusagen die Krönung aller Opfer darstellt.
Auch der Bankangestellte stilisiert sich zu höherer Bedeutung: Direkte Einwirkung auf die Umwelt, nicht mehr nur denken, stempeln wie ein kleines Rädchen in der Maschine, nein, ein Mord muss her. Als ob eine solche Tat zum Heldentum tauge. So kommt man in die Zeitung. Berühmt oder berüchtigt - wo liegt da heutzutage der Unterschied?
In Washington, D.C., spielt heute einer Gott, indem er wahllos Menschen abknallt. Terror oder ultimativer Horror (bei Rita) als Vergegenwärtigung des verschwindenden, anonymen Individuums. "Selbsternannte Götter", wie Gert Heidenreich sie nennt, sind vielleicht die Agonie im Kampf des Einzelnen um Selbstbehauptung: Träume von Gift, Dolchen, Messern, Revolvern überschwemmen, freigelassen von den visuellen Medien, das Bewusstsein der Massen. Der Mörder und sein Opfer als Doppelheldenpaar. Für 15 Minuten Ruhm.
Unterm Strich
Melo ist eine Entdeckung, nicht nur in Sachen Einfallsreichtum und Aussage des Inhalts, sondern auch in literarischer Hinsicht. So rasant und dennoch unter die Haut gehend erlebt man heute selten eine Erzählung. Das Thema sorgt ebenso wie seine brillante Umsetzung für wohlige Schauder beim Leser.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Aqua Toffana, 1994; Klett-Cotta 2002, Stuttgart; 150 Seiten, aus dem Brasilianischen übertragen von Barbara Mesquita; EU 16,00; ISBN 3-608-93559-2
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-01-07 11:33:08 mit dem Titel M. Niemi: *Populärmusik aus Vittula*: Rock 'n' Roll am Polarkreis
Die Rock 'n' Roll Music hält in den 60er Jahren Einzug in dem verschlafenen nordschwedischen Hinterwäldlernest Vittula. Der Erzähler Matti und seine seltsamer Freund Niila sorgen dafür, dass die neuen Töne aus England auch Anklang finden. Noch viele weitere Abenteuer bilden das Panorama des Lebens, das dieser Roman vor dem Leser ausbreitet.
Der Autor
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Mikael Niemi, Jahrgang 1959, ist der Autor zweier Gedichtsammlungen und einer Reihe von Kinder- und Jugendbüchern. "Populärmusik" aus Vittula ist sein lange erwarteter erster Roman für Erwachsene und wurde vielfach preisgekrönt, darunter auch mit dem Augustpreis, dem wichtigsten Literaturpreis Schwedens. Das Buch wurde über eine halbe Million Mal verkauft.
Handlung
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Das Buch beginnt auf einem 5400 Meter hoch gelegenen Bergpass in Nepal, wo unserem Helden beim Versuch, den Göttern zu danken, Lippen und Zunge an einer metallenen Gebetstafel festfrieren. Was tun, wenn Nacht und Sturm nahen? - Der Erzähler gerät ständig in solche Situationen. Und nur ungewöhnlichste Methoden können ihn retten.
Der Roman erzählt die ziemlich abgefahrene Geschichte zweier pubertierender Jungen in den sechziger Jahren. Matti und sein schweigsamer Freund Niila (er gehört zu einer Sektenfamilie) wachsen fernab der wirklichen Welt, im äußersten Norden Schwedens, an der Grenze zu Finnland auf - dort wohnen aus Stockholmer Sicht wirklich nur Hinterwäldler. Tatsächlich aber macht auch der Fortschritt vor Vittula nicht Halt: Das Dorf hat jetzt eine Asphaltstraße.
Das dynamische Duo erlebt Familientragik, Abenteuerreisen (sie kommen sogar bis Frankfurt/M.), Sex, viel Natur etc. Aber eigentlich haben sie schon früh nichts anderes im Kopf, als sich von diesem merkwürdigen Ort wegzu träumen. Eines Tages hält der Rock 'n' Roll Einzug im kleinen Hinterwäldlertal Tornedal - und ihre Zeit ist gekommen.
Matti und Niila haben den Song " Rock 'n' Roll Music" von den Beatles gehört und kennen nur eine Mission: Diese Art von Musik selbst zu machen. Unterstützt von ihrem Musiklehrer brechen sie mit ihren ersten Auftritten die herzen der Mädchen - und darauf kommt es ihrer Ansicht beim Rock 'n' Roll vor allem an. Holgeri steuert Gitarrensoli à la Jimi Hendrix bei, und Erkki malträtiert die Trommeln und Becken.
Seine musikalische Karriere bildet aber nicht den Hauptteil des Buches. Es sind noch viele andere Aspekte des ländlichen Lebens in Nordschweden eingefangen. Immer wieder tauchen die Alten auf, die sich noch an die 20er und 30er Jahre sowie an die Kriege in Finnland erinnern. Sogar ein aus dem 2. Weltkrieg übrig gebliebener Deutscher taucht auf und schreibt ein. Matti befreit ihn von einer Rattenplage - mit höchst unkonventionellen Mitteln
Immer wieder gibt es Familienfeste, auf denen die unterschiedlichsten Ansichten aus den einzelnen Stadtvierteln und Regionen der Privinz Norrbotten aufeinandertreffen - und regelmäßig im Trinkwettstreit beigelegt werden. Das sind dann die weniger schönen Seiten des Buches, aber offenbar für Schweden die lustigsten.
Mein Eindruck
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Die schwedischen Kritiker haben sich offenbar vor Begeisterung überschlagen, nachdem sie dieses Buch gelesen hatten. Und der deutsche Verlag zögert natürlich nicht, sämtliche Begeisterungsstürme zu kolportieren. Doch der deutsche Leser sollte selbst urteilen.
Mich selbst hat das Buch nur zum Schmunzeln und Lächeln gebracht, aber keineswegs Glücksgefühle bei mir ausgelöst. Viele der erzählten begebenheiten sind durchaus traurig oder verweisen auf bedauerliche Zustände, so etwa auf gewalttätige Zustände in Niilas Elternhaus, die damit enden, dass die Söhne ihren Vater Isak fast zu Tode prügeln und treten. Ist das vielleicht lustig? Wohl eher nicht. Ich habe bereits die grotesken Saufgelage zitiert: Dabei sterben drei alte Männer an Alkoholvergiftung. Wirklich sehr witzig.
Doch was sich für das Buch sagen lässt, sind die Begeisterung für die Ereignisse in der Natur sowie die zärtliche und genaue Menschenzeichnung. Zu den genau beobachteten Naturereignissen gehören etwa das eindrucksvolle Brechen des Eises spät im Frühling, die romantische Mitternachtssonne und die vielfältigen Blumen und Vögel. Dabei schreckt der Autor auch nicht vor dem poetischen Gebracuh der Sprache zurück.
Die zärtlich beschriebenen Menschen: Da ist natürlich zunächst Niila selbst, der ein ebenso verschlossener wie ungewöhnlicher Junge ist, und seine sektiererische Familie. Aber da ist auch Mattis eigener Vater, der seinen Sohn bei einer längeren Saunasitzung vom Jungen zum Mann befördert, indem er ihm die Geschichte der Familie und der blutigen Fehden, die sie mit anderen Clans führt, überliefert. Nun sieht Matti seinen Platz in der Welt. So schnell kann's gehen.
Schade eigentlich, dass das Buch nicht wieder mit der Szene auf dem nepalesischen Bergpass endet. Der Verdacht liegt nahe, dass die Fortsetzung bereits in Arbeit ist: Mattis und Niilas Lebensweg ist ja erst bis zum 15. Lebensjahr erzählt. Viel muss noch kommen.
Unterm Strich
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Ein vielfach amüsantes, aber auch groteskes Buch, das durchaus an Jugendromane wie etwa "Die Blechtrommel" erinnert. Dem Erzähler gelten Schreckliches und Wundervolles in seiner Unschuld gleich viel. Ob dem Leser nun zum Lachen oder zum Weinen zumute ist, ganz gleich: Es ist eine interessante Erfahrung, so viele ungewöhnliche Dinge vom Leben der Menschen am Polarkreis zu erfahren.
Die Übersetzung
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Die Übersetzerin Christel Hildebrandt mag ja im Schwedischen sehr bewandert sein, doch mit dem Deutschen scheint sie noch so ihre Probleme zu haben. Oder waren dies alles Flüchtigkeitsfehler? Statt "Kaulquappen" schreibt sie "Kaulquallen" (S. 93), statt prestigeträchtig" bevorzugt sie "prestigevoll" (S. 238). Seltsamer sind da schon die falschen Bezüge vom Possessivpronomen auf sein Substantiv: "die Gegend ... seine blutigen Familienfehden" (207/08) und "Die Wolkenbank ergoss seinen schaurigen Inhalt über uns" (173). Offensichtlich war bei diesem doch nicht ganz billigen Buch kein wachsamer Lektor am Werke, wie er zumindest über Machwerke von Michael Crichton (Blessing-Verlag) wacht.
Viele direkte Zitate aus dem Schwedischen sind nicht übersetzt worden, und etliche Begriffe aus dem Fachjargon wurden für wert befunden, in einer Fußnote erklärt zu werden. Begriffe wie "Wuhne" (Eisloch) muss man selbst im Duden nachschlagen. Der nächste Niemi sollte sorgfältiger ediert werden.
Michael Matzer (c) 2003ff
Info: Populärmusik från Vittula, 2000; BTB-Verlag 08/2002, München; 304 Seiten, aus dem Schwedischen von Christel Hildebrandt, EU 19,90, ISBN 3-442-75071-1
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-01-20 22:42:29 mit dem Titel E. McGregor: *Das Eiskind*: Kombi aus *Lazaruskind* und Expeditionsbericht
Das Schicksal eines an einer Knochenmarkskrankheit leidenden Kindes ist auf vielschichtige Weise mit dem Schicksal der verhängnisvollen Expedition John Franklins verknüpft, der 1845 bis 1848 die Nordwestpassage durch die Arktis suchte. Ein spannender und sehr bewegender Roman, der Geschichtsdoku und Schicksalsdrama kombiniert.
Die Autorin
Elizabeth McGregor wurde in Warwickshire, Südwestengland, geboren und lebt heute mit ihrer Tochter in Dorchester. Für "Das Eiskind" recherchierte sie u.a. am "Scott Polar Research Institute" in Cambridge. Für ihre Kurzgeschichten und ihre psychologischen Krimis wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Website zum Roman: www.theicechild.com (ohne Gewähr).
Handlung
Der Roman besteht aus drei Erzählsträngen. In der Gegenwart stehen eine junge Journalistin, ein Archäologe und eine Eisbärin im Vordergrund. Dazwischen geschaltet sind längere Rückblenden auf die Jahre 1845 bis 1848, auf die verhängnisvolle Expedition John Franklins, die die Nordwestpassage erschließen sollte und im Eis spurlos verschwand.
Doch zunächst zur Gegenwart. Die englische Journalistin Jo Harper, 27 Jahre jung, hätte es beinahe abgelehnt, eine Reportage über einen der berühmtesten Archäologen, den Briten Douglas Marshall, zu schreiben. Er hat sich gerade in Grönland das Bein gebrochen. Auf einem Kriegsschiff, das ihn zurückbringt , begegnen sich Jo und Doug zum ersten Mal. Ihre Reportage macht ihn noch bekannter.
Er arbeitet seit Jahren an einem Forschungsprojekt über die legendäre Franklin-Expedition. In der Zeit seiner Genesung lernen sie sich näher kennen. Er steht kurz vor der Scheidung von seiner Frau Alicia, von der er schon fünf Jahre getrennt lebt. Nicht alles steht zum besten in der Familie Marshall. Auch sein John, der sich ebenfalls für die Franklin-Expedition interessiert, lehnt Doug ab - er will ihn nämlich übertrumpfen und so dafür bestrafen, dass er ihn als Kind ständig vernächlässigte.
Als Jo von Doug ein Kind erwartet, wollen die beiden heiraten, doch bei dem Versuch, sich am Hochzeitstag auf Jos Bitte hin mit John zu versöhnen, geraten die beiden Männer auf die eisglatte Straße, auf der ein junger Autofahrer nicht mehr rechtzeitig bremsen kann.
John überlebt, doch sein Vater nicht. Jos Kind Sam wächst als Waise auf. Er ist ihr Trost in ihrem Unglück, bis sich herausstellt, dass Sam unheilbar krank ist (es gab schon früh im Buch Verweise auf Leukämie). Und dass sein Halbbruder John seine einzige Rettung sein könnte.
Doch John weilt im ewigen Eis: auf den Spuren der Franklin-Expedition, denn er will um jeden Preis die ehrgeizige Mission seines Vaters erfüllen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, bei dem nicht nur Sam, sondern auch John sein Leben verlieren könnte.--
Kurze Einschübe erzählen vom Leben einer bemerkenswerten Eisbärin, die von den Fotografen und Biologin schlicht "Die Schwimmerin" genannt wird: Sie schwimmt eben gut. Aber nicht blindlings kreuz und quer durch die Arktis. Sie folgt den Spuren der Franklin-Expedition.
Und so wird die Bärin zum Bindeglied zu der dritten Erzählebene: die Schilderung des verhängnisvollen Verlaufs jener zunächst stolzen viktorianischen Expedition, die die Nordwestpassage nach Indien finden sol weiterlesen schließen -
Mein Namensgeber!!!
Pro:
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Kontra:
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Empfehlung:
Ja
Ich möchte heute endlich mal über mein Lieblingsbuch und Namensgeber berichten. Die Rede ist von dem "Schattenesser" von Kai Meyer.
Wer ist eigentlich Kai Meyer?
Der Name gibt zwar nicht viel her, aber er ist bislang der Schriftsteller, von dem ich die bisher gelesenen Bücher wirklich klasse fand. Ohne Ausnahme. Er ist geboren 1969, studierte Film und Theater, arbeitete als Journalist und seit 1995 als freier Schriftsteller. Mit seiner Familie lebt er am Rande der Eifel. Er hat unter anderem "Die Alchimistin" , "Das Gelübde", "Der Rattenzauber" und "Das Haus des Daedalus" veröffentlicht. Für das Buch "Der Schattenesser" hat Kai Meyer sehr genau recherchiert und benennt im Nachwort auch sämtliche Personen, die ihm dabei geholfen haben und erklärt geschichtliche Hintergründe des Inhalts.
Die Story:
Sarai lebt mit ihrem Vater im Prag 1620. Sie leidet wie alle anderen unter der Belagerung im Dreißigjährigen Krieg, den Plünderung, Morden, Brandschatzung und Vergewaltigung sind an der Tagesordnung. Als sie eines Tages von ihrem Freund und Lehrer Casius, ein Alchimist, nach Hause kommt, findet sie ihren Vater schwer verletzt in einem Stuhl sitzend. Ein Messer steckt in seinem Oberkörper und er bittet sie unter röcheln, dass sie das Messer entfernen soll. Als sie dies wiederwillig tut, stirbt er. Als Casius davon erfährt, eilt er zu Sarai und zusammen entdecken sie, dass der Vater keinen Schatten mehr besitzt. Aber wie ist das möglich? Casius erklärt Sarai, dass das der Grund für den Selbstmord des Vaters sei. Der Schatten eines Menschen birgt seine Seele. Und ohne Seele können Menschen nicht leben. Und ihr Vater sei nicht der einzige, den es betrifft. Es tauchen immer mehr Menschen ohne Schatten auf. Gemeinsam beschließen sie, der Sache auf den Grund zu gehen.
Bevor sie aber die entgültige Erklärung für diese Vorfälle finden, werden sie vor viele Rätsel gestellt. Woher kommen die Hühnerfrauen? Wer ist die Baba Jaga, die in ihrem auf Hühnerbeinen stehenden Hexenhaus lebt? Was haben sie mit dem Schattenesser zu tun? Und was hat den sagenumwobenen Gollem gewegt?
Als Sarai eines Tages wie vorherbestimmt auf Leander Nadeltanz, dem Besitzer eines Schattentheaters trifft, klärt sich langsam der Nebel um das Rätsel....
MEINUNG
Ich bin hin und hergerissen von dem Buch. Und ich bin gleichzeitig schockiert und fasziniert. In "Der Schattenesser" geht es ja auch um ein kirchliches Thema vermischt mit Aberglauben, Spannung und historischem Hintergrund. Und Kai Meyer schreibt diesen Roman so, dass man von Anfang bis Ende gefesselt wird. Man kann sich in die Romangestalten sehr gut hineinversetzen, ihre Gedanken sind nachvollziehbar und realistisch.
Offiziell wurde das Buch als historischer Roman angeboten, aber meiner Ansicht nach ist es doch mehr ein phantastischer Roman, da zwar viele historische Fakten enthalten sind, aber es eher ein tragisches Märchen ist. Unheimlich und mystisch.
Insgesamt ist das Buch sehr gut. Ich wollte es beim Lesen nur ungerne weglegen, aber leider hat man ja auch noch andere Dinge zu tun außer Bücher lesen.
Meiner Meinung nach ist das Buch aber nicht für schwache Nerven geeignet, denn es gibt einige sehr grausame Stellen. Sowohl eben durch die historischen Geschehnisse, als auch um durch das mystische Thema.
FAZIT
"Der Schattenesser" von Kai Meyer ist ein sehr lesenswertes Buch. Es ist ein phantastischer Roman, in dem Alpträume Wirklichkeit werden und gleichzeitig auch eine historische Beschreibung des dreizigjährigen Krieges im alten Prag. Das Buch umfasst 366 sehr lesenswerte Seiten, ist im Heyne-Verlag erschienen und hat mich damals als Taschenbuchausgabe 12,90 DM gekostet. Den Euro-Preis habe ich leider nicht genau, aber man wird wohl ca. 6 - 7 € hinlegen müssen.
Ich hoffe, Euch hat der Bericht gefallen...
Liebe Grüße
Eure Schattenesserin ;-) weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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blackangel63, 18.08.2008, 22:17 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
LiEbE GrUeSsE uNd EiNeN sChOeNeN aBeNd WuEnScHe IcH dIr..AnJa
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Von Nafftifftoffen und Berghutzen.....
Pro:
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Kontra:
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Empfehlung:
Ja
Als ob euch nicht auch brennend interessieren würde was Tratschwellen, Zwergpiraten, Stollentrolle, Finsterbergmaden oder Naftifftoffen sind!
Oder was es wohl mit den randalierenden Bergzwergen , der kulinarischen Insel oder der gefangenen Fata Morgana auf sich hat!
Was passiert alles auf einem Kontinent in denen Rettungsdrachen ( schon etwas alterschwach ) leben und Intelligenz eine ansteckende Krankheit ist?
Tja, dann solltet ihr euch schnellstmöglich eine ganz ruhige Ecke Suchen und das als Taschenbuch erhältliche 700 Seiten starke (12,50 €)
DIE 13 ½ LEBEN DES KÄPT´N BLAUBÄR
vornehmen
Was ? Käpt´n Blaubär? Das ist ein Märchen und für Kinder!
Quatsch!
Zunächst sollte einem mal Name des Autors aufmerksam machen!
WALTER MOERS
Buchautor, Comiczeichner und bekannt geworden als Schöpfer des „kleinen Arschlochs“ und natürlich auch Käpt´n Blaubär.
Nach den 13 ½ Leben des Käpt´n Blaubär ist nun auch Ensel und Krete Im Goldmannverlag erschienen, allerdings zur Zeit erst nur als gebundenes Buch erhältlich !
Zurück zur Geschichte!!!
Ein Blaubär hat 27 Leben, von 13 1/2 erzählt uns Walter Moers , von den anderen nicht da ein Bär auch seine dunklen Seiten haben muss.
Wie er geboren wurde weiss er selber nicht ,das erste was der kleine blaue Bär mitbekommt ist das er in einer Nussschale auf einem der riesigen Ozeanen treibt. Dies hätte sicher nicht nur der Beginn sondern auch das Ende seines ersten Lebens sein können, wenn seine Nussschale nicht von den Zwergpiraten geentert worden wäre kurz bevor er diem Malmström zum Opfer gefallen worden wäre! Zwergpiraten sind so klein das sie ihr Leben damit verbringen Seemannsgarn zu spinnen ,gegenseitig anzugeben wie viele Boote und Schiffe sie versenkt und wie viele Seeleute sie über Bord gejagt haben ...( natürlich ist nix davon wahr da sie so klein sind das niemand sie wahrnimmt!)
Leider wird unser kleiner Bär mit der Zeit zu groß für das Zwergpiratenschiff das bereits droht unterzugehen , und so verlässt er das Schiff und muss ab diesem Zeitpunkt viele viele Abenteuer erleben .
Natürlich darf man nach vielen bestandenen Abenteuern und einem großen Showdown auf ein Happyend hoffen :o)
EIN MÄRCHEN?
Ja ,ein totales! Allerdings so verworren und verrückt das selbst ich als sehr realitätsliebende Person immer wider gespannt war welche Verrücktheiten als nächstes kommen.
Geschrieben in einer einerseits sehr einfachen Sprache die auch jedes 10jährige Kind versteht aber dennoch mit sehr viel Esprit und Witz. Man merkt das Herr Moers sich sehr viel Gedanken insgesamt um das Land Zamonien und um jede einzelne Figur gemacht hat.
Jede noch so merkwürdige Gestalt im Buch ist im
LEXIKON DER ERKLÄRUNGSBEDÜRFTIGEN WUNDER , DASEINSFORMEN UND PHÄNOMENEN ZAMONIENS UND UMGEBUNG
Sehr detailliert beschrieben. Dieses Lexikon hat natürlich der Lehrer des Käpt´n Blaubär Dr. Nachtigaller aus der Nachtschule vor langer Zeit einmal geschrieben . Dr. Nachtigaller , eine merkwürdige Person die Intelligenz wie einen Virus überträgt, die sich von Dunkelheit ernährt und 7 nach außen wachsende Gehirne am Kopf hat.
FAZIT
Selten hab ich ein 700 Seiten-Wälzer in so kurzer Zeit verschlungen ! Sicherlich sind auch die vielen sehr witzigen Illustrationen schuld das man sehr schnell voran kommt, aber sicher auch die wirklich fesselnde Schreibweise und der Witz des Geschichte. Ich denke das Kinder ab 10 Jahren bereits viel Spaß an diesem Buch haben denn es ist und bleibt ein Märchen ! Ein Märchen das aber auch Erwachsene jeglichen alter sicher vollends begeistern kann! Einmal Lesen ohne Gewaltverherrlichung ohne Realität ...einfach mal zuspinnen lassen ;o)...
PRÄDIKAT SEHR EMPFEHLENSWERT
meint Nikolina und wünscht euch noch einen schönen Tag.....
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-04 13:09:05 mit dem Titel Eine Reise durch Zamonien
Nachdem mich vor einiger Zeit Walter Moers bereits mit Käptn Blaubär auf die Reise durch Zamonien geschickte , war ich natürlich angesteckt von der Sucht nach MEHR! Nun war es endlich soweit ich erstand , und das weder bei Ebay noch sonst wo vergünstigt, sondern ganz regulär das Taschenbuch
ENSEL UND KRETE
Für etwa 10 €, erschienen im Golmann Verlag. Die ISBN-Nummer für alle Interessierten lautet : 3-442-45017-5.
Das Cover ist siehr ( im Nachhinein betrachtet ) wie eine Baumrinde aus, aus denen zwei kleine Ferhnhachen ängstlich schauen.
ENSEL UND KRETE??
Erinnern uns die Namen nicht eindeutig an das Märchen in denen sich zwei Kinder in einem großen dunklen Wald verlaufen und dort auf eine Hexe treffen??? So könnte man meinen, und die Eigentliche Geschichte in diesem Buch ähnelt auch sehr, denn auch hier gibt es einen großen Wald, eine Hexe und diese besagten zwei Kinder.
ABER MAL VON ANFANG AN
Genau genommen schließt dieses Buch direkt an das Werk „Die 13 ½ Leben des Käptn Blaubär an .Käptn Blaubär ist nun einer von vielen Buntbären ,die „den großen Wald“ in das Größte Touristikzentrum Zamoniens verwandelt haben. Bevölkert und organisiert von Buntbären, kann man hier als NICHTzwielichtige Gestalt einen erholsamen Urlaub verleben. Einige strenge Regeln sind zu beachten, so zum Beispiel das niemand die erschlossenen Wege verlässt.
Das ENSEL UND KRETE aber genau dies getan haben ,erstaunt doch jetzt nicht viele, denn Kinder sind von Geburt an sehr neugierig auf alles Verbotene. Im Verlauf der Geschichte treffen wir natürlich alte Bekannte aus „Die 13 ½ Leben.....“ wieder. Am liebsten natürlich die wirklich richtig Zwielichtigen Gestalten wie der Stollentroll, oder aber die Waldspinnenhexe.
Wer jetzt aber glaubt hier geht die Geschichte so märchenhaft wie im Märchen weiter, der täuscht sich gewaltig. Im Gegensatz zu „die 13 ½ Leben...“ würde ich dieses Buch keinesfalls einem 10jährigen in die Hand drücken . Denn Ensel und Krete erleben wirklich schaurige Dinge mit ziemlich schaurigen Gestalten .
Erzählt wird uns das ganze nicht von Walter Moers ( der übersetzt bloß) sondern von Hildegunst von Mythenmetz, einer der größten Schriftsteller Zamoniens. Dieser beglückt uns in diesem Buch mit einer neue schrifstellerische Technik:
Die Mythemetzische Abschweifung!
Was das ist? Der Schriftsteller ergreift immer wieder im Verlauf der Geschichte das Wort und palavert über Dinge die ihm gerade in den Sinn kommen. So muss sich der Leser an einer ganz besonderen Stelle 2 ½ Seiten lang das Wort BRUMMLI lesen ,weil es Herrn Mythenmetz gerade so gefällt, des weiteren beginnt er an einer nicht minder spannenden Stelle eine gähnend langweilige Geschichte über ein Graubrot zu erzählen, das in einer Bäckerei so vor sich hintrocknet.
Typisch ist auch hier ,das er die Protagonisten –sprich ENSEL UND KRETE- dauernd kritisiert in den Dingen die sie tun.
PROF. DR. ABDUL NACHTIGALLER,LEXIKON FÜR ERKLÄRUNGSBEDÜRFTIGE WUNDER, DASEINSFORMEN UND PHÄNOMENE ZAMONIENS UND UMGEBUNG
Selbst wer den Blaubären nicht gelesen hat, steht auch hier bei all den merkwürdigen Gestalten nicht wie ein Trottel da. Immer wieder wird genau am unteren Ende der Seiten was es mit den einzelnen Daseinsformen auf sich hat.
SCHWACHSINN??
Ja total, aber eben intelligenter Schwachsinn bei dem man aus dem Staunen absolut nicht heraus kommt. Kaum ein anderer Autor hat so viel Einfallsreichtum und kann sogar eine so Realitätsliebenden Person wie ich es bin fesseln wie kein anderer. Dieses Buch knüpft hervorragend an „Die 13 ½ Leben...“ an und steht diesem in der Spannung und Kreativität in nichts nach. Klar, Käptn Blaubär fehlt enorm, aber Ensel und Krete sind ein hervorragender sympathischer Ersatz.
MÄRCHEN??
Die frage hatte ich oben schon mal gestellt, ich denke es ist wichtig zu erwähnen das dieses Buch nicht ganz so niedlich und kinderfreundlich ist wie „Die 13 ½ Leben...“. All die kreativen Einfälle die dort auf niedliche Berghutzen oder Gimpel gefallen sind ,werden hier zu bösartigen Laubwölfen, oder Waldspinnenhexen die einem nichts gutes wollen.
FAZIT
Wie Käptn Blaubär auch ein MUSS für jeden der ein bisschen Satire mag. Mit viel Intelligenz, einem wahnsinnigen Einfallsreichtum, enormer Kurzweiligkeit und den dementsprechend witzigen Illustrationen kann ich euch dieses Buch nur wärmstens ans herz legen. Vergebe deswegen auch die volle Sternchenreihe.
ÜBRIGENS
gibt es ENSEL UND KRETE auch als Hörbuch , komplett gelesen von Dirk Bach. Und wer mehr Interesse hat oder an Prof. Dr. Abdul Nachtigallers Abendschule teilnehmen möchte der sollte mal bei www.zamonien.de vorbeisurfen
Grüße aus Zamonien
Nikolina
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-29 09:59:48 mit dem Titel Das Lazaruskind / Robert Mawson
Eigentlich ist ein Buch über Komapatienten wohl nicht so das was man sich in tristen Novembertagen als Lektüre aussuchen sollte. Trotzdem hab ich mich herangewagt und bin ehrlich gesagt jetzt etwas zweigespaltener Meinung.
DAS BUCH
DAS LAZARUSKIND von ROBERT MAWSON
Erste Taschenbuchausgabe im Jahr 2000
Originalausgabe 1998
Das Taschenbuch kostet um die 8 Euro, aber wie immer natürlich kann man es auch günstiger bei Ebay oder aber auch als gebrauchtes TB bei Amazon.de erwerben.
ISBN: 3-442-44678-3
DER AUTOR
Robert Mawson ist wohl ehr unbekannt, zumindest habe ich vorher noch nichts von ihm gehört. Laut Buch wollte er wohl schon immer Schriftsteller werden musste sich aber aus Geldmangel mit anderen Berufen über Wasser halten. Er arbeitete als Journalist, Werbetexter, Redakteur und über 10 Jahre lang als Redakteur. Schliesslich lieh er sich das Geld um sein Buch „“Das Lazaruskind“ endlich zu veröffentlichen!
DIE STORY
Wie immer ging der 12jährige Ben mit seiner 7jährigen Schwester Frankie und deren Freundin Isabell morgens zur Schule. An diesem morgen kommt es allerdings zu einem schrecklichen Unfall , die beiden kleinen Mädchen werden von einem LKW auf einer vielbefahrenen Straße erfasst. Ben steht am Straßenrand und sieht alles mit an .Keiner beachtet ihn, und als die beiden Mädchen längst ins Krankenhaus gefahren wurden und die Strasse wieder gereinigt war steht Ben immer noch und starrt auf die Stelle. Frankie fällt ins Koma, Isabell stirbt.
Die Eltern der beiden Leben zu diesem Zeitpunkt in Trennung, was sich sicherlich nicht positiv auf die Gesamtsituation auswirkt. Ben beginnt sich in seinen Schuldgefühlen zu vergraben und bekommt graue Haare. Nun steht nicht nur Frankie deren Situation unverändert ist im Mittelpunkt sondern auch Ben, der sich immer weiter zurückzieht und die Dramatik irgendwann mit einem Selbstmordversuch klarmacht.
Die Familie lässt natürlich nichts unversucht um Frankie und Ben zu helfen, und so stößt Alison Heywood auf das „Perlmann- Institute“ in Amerika.
Hier kommt eine weitere Protagonistin ins Spiel, nämlich Elizabeth Chase, eine Ärztin die all ihre Energie darauf verwendet Kindern die ins Koma gefallen sind zu helfen. Als 16jährige muss sie mit ansehen wie ihr kleiner Bruder unter einer Eisdecke auf einem See verschwindet , daraufhin eine halbe Stunde keinen Sauerstoff bekommt und aufgrund dessen permanent vegetativ ist , wie es die Ärzte nennen. Niemand versucht ihm damals wirklich zu helfen, und als er von den Ärzten aufgegeben wird schwört sich Elizabeth das sie solchen Kindern helfen wird.
Viel Dramatik Drumherum , letztendlich kommen Elizabeth und Frankie doch zusammen und mit Hilfe von Ben versucht Elizabeth „in das dunkle Paradies auf dem Grunde unseres Seins „ (O-Ton des Autors) vorzufringen.
EINE KLARE LINIE.....
Insgesamt ist die Story sehr schlüssig und klar, wenn, ja wenn nicht 1000 kleine unwichtige Details andauernd zum tragen kommen. Der Autor befasst sich zu oft nicht mit den wichtigen Dingen im Buch sondern gibt jeder noch so nebensächlichen Figur eine weitere hochdramatische Geschichte. Diese Story sollte völlig reichen um ein 414 seitiges Buch zu füllen , statt dessen füllen meiner Meinung nach viele sehr überdrehte unwichtige Dinge die Seiten.
Ein Beispiel...
Lizzie Chase schaffte es Gary Perlmann der als ebenfalls vegetativ galt in die Realität zurückzuholen. Daraufhin eröffnet sie eine Klinik, das Perlmann-Institute. Das ihre Methode umstritten ist und natürlich nicht immer von Erfolg gekrönt wird dürfte klar sein. Nun wird ihr irgendwann ein Ermittler auf den Hals gehetzt , die beiden verlieben sich natürlich und auch er hat dramatisches erlebt. Vor sechs Jahren ist seine damalige Lebensgefährtin von einem LKW totgefahren worden, und seither hat er keine Frau mehr eingeladen....
Gääähn..
Um es vielleicht mal ein wenig deutlicher zu machen ,in diesem Buch passieren mehr Dinge als in einer Soap Opera, aber auf die wesentlichen Dinge kommt der Autor eigentlich erst zum Schluss. Eigentlich ist für jeden was dabei, Arztserie, Liebesschnulzen ( gleich in zweifacher Ausführung), Politthriller und natürlich auch das Drama .
SCHREIBSTIL
Der Autor hat eine klare und detaillierte Schreibweise. Leider legt er auf die falschen Details oft zu viel wert. ( Warum muss der Leser wissen wo genau sich die Eltern der Kinder beim Sex belecken...oder ist das typisch Mann???? ) Aber dementsprechend sensibel beschreibt er ja auch die Gefühle derer bezüglich der Kinder und natürlich auch die Gefühle von Ben werden sehr deutlich .
MEINE MEINUNG UND EMPFEHLUNG
Also die Hauptgeschichte um die kleine Komapatientin ist insgesamt wie gesagt sehr schlüssig. Das genaue Krankheitsbild und das Umgehen der Familie mit dieser Situation wird sehr schön rübergebracht. Auch ein Laie versteht was genau mit Frankie passiert ist und welche Maßnahmen ergriffen werden und ergriffen werden dürfen. Die Geschichte um Frankie und Ben halte ich aufgrund dessen als sehr empfehlenswert .
Die anderen zig Geschichtchen sind meiner Meinung nach völlig überflüssig. Vielleicht wäre die Story etwas ruhiger wenn die eine oder andere Dramatik weggelassen würde. Wie gesagt macht es das Buch für meinen Geschmack zu soap-mäßig und lenkt vom eigentlichen Thema ab.
LESEN ODER NICHT, DAS IST HIER DIE FRAGE
Ich würde das Buch in keinem Fall als schlecht bezeichnen, dennoch würde ich dazu tendieren aus den oben genannten Gründen doch immerhin 2 Sternchen abzuziehen. Eine Gewissheit hat der Leser, es wird sicherlich nicht langweilig !
Zusammengefasst spreche ich eine Empfehlung vergebe aber nur 3 Sternchen!
Viele Grüße Nikolina
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-01-09 14:11:12 mit dem Titel Oh, so stupid....
„Stupid white man“...Diese provokante Überschrift gepaart mit einem leuchtend roten Cover hielt ich als Aufforderung in meinem Stöberbuchladen meines Vertrauens doch einmal näher hinzusehen. Bis dato hatte ich von Herrn Michael Moore nie etwas gehört. Dennoch weckte die ( im nachhinein sehr seichten ) Klappentexte und Empfehlungen verschiedener Kritiker doch mein Interesse.
MICHAEL MOORE
Bereits in meinem vorrangegangen Bericht über seinen Film „Bowling for Columbine“ hatte ich erwähnt das er bereits optisch ein absoluter Durchschnitts-Ami - mit seiner Basecap, seinen Jeans und seinen ungefähr 50 kg zuviel auf den Rippen – ist.1954 wurde er geboren und wurde Dokumentarfilmemacher. Seinen Film „Roger & me“ kenne ich nicht aber „Bowling for Columbine“ ist ja wie erwähnt gerade in einigen unserer Programmkinos zu bestaunen. Ebenfalls ist er Fernsehmoderator und Schriftsteller.
DAS BUCH
. Moore zeigt sehr anklagend, sehr sarkastisch was in der amerikanischen Gesellschaft schief läuft. Jeder bekommt sein Fett weg und ganz oben steht natürlich der derzeitige US-Präsi George W. Bush.
Ich gebe ganz offen zu das Politik , Wahlen und dergleichen nicht wirklich zu meinen Lieblings- Interessen-Gebieten gehören. Im ersten Teil des Buches schlüsselt Moore die Genauen Details der letzten Präsidentenwahl in Amerika auf. George sagte irgendwann einmal : „hey, jeder von euch kann Präsident werden!!“ , ja , George, das kann jeder! Wenn jeder Vertraute im Ministerium hat, Connections im Senat und die halbe Verwandtschaft hohe politische Stellungen haben und dich zum Präsi machen wollen , um welchen Preis auch immer. Unglaubliche Beweise kommen ans Tageslicht und lassen den US –Präsidenten in meinen Augen nur noch als lächerliche Gestalt erscheinen.
Darauf folgt ein offener Brief von Michael Moore an George W. Bush. Darin deklariert er ihn zu einem legasthenischen , alkoholsüchtigen und unfähigen Verbrecher. Dies ist mein eigentliches Lieblingskapitel. Er schafft es George genau diese Dinge an den Kopf zu werfen ohne ihn tatsächlich anzugreifen. Eine Gratwanderung und ein Geniestreich ausgeklügelter Sprache wie man ihn wirklich selten erlebt !
„Der Wirtschaft geht es schlecht!“...deswegen Massenentlassungen ,deswegen gibt’s keine anständigen Versicherungen etc. Die Machthaber und oberen Firmenbosse bescheißen uns wo sie nur können und wirtschaften all das zu viele Geld lieber in ihre eigene Tasche anstatt ein paar Arbeitnehmer mehr einzustellen.
Wer hat Angst vorm schwarzen Mann ?? Eigentlich jeder, zumindest in Amerika. Nur werden die Verbrechen der schwarzen breitgetreten. Warum klagt niemand an wenn ein Herr Bruce Springsteen singt :“Ich tötete alles was meinem Weg kreuzte/ ich kann nicht sagen das mir das ,was wir getan haben leid tut!“ Hätte diesen Text ein schwarzer Rapper gesungen wäre er womöglich gelyncht worden.
Satire pur sind in diesem Kapitel die Überlebenstipps für schwarze und natürlich auch die für den weissen um bei schwarzen beliebt zu sein :o)...
In ¾ aller Schulen sind bruchfällige Gebäude, die dringend saniert werden müssten. Kaum eine Schule hat einen eigenen PC geschweige denn einen Rektor zu beginn eines Schuljahres. Ein Lehrer bekommt als Berufseinsteiger um die 30000 Doller PRO JAHR Gehalt und da wundert man sich warum diesen Beruf niemand mehr ausüben will. Die Regierung macht allerdings die Lehrer für schlechte Bildung verantwortlich und kürzt unterdessen schön weiter ihren Etat für Bildungseinrichtungen etc.
Das Resultat : Sage und schreibe 44 Millionen Amerikanische Bürger sind nicht imstande einen text zu lesen und zu verstehen der auf dem Niveau einer vierten Klasse liegt.
Umweltschutz scheint für die Amis ein wahres Fremdwort zu sein . In einer Zeit bei der unsere Benzinpreise horrende ansteigen und unsere Autos immer weniger verbrauchen, scheint in Amerika alles wieder rückläufig zu werden. Vor ein paar Jahren verbrauchten die Autos in Amerika im Schnitt um die 10 Liter, Heute zutage sind es bereits wieder 11 Liter Durchschnitt! Verkehrte Welt. Auch dass das ach so saubere New Yorker Trinkwasser aus einem Reservoir direkt an einem Highway stammt und auf diesem Wasser-Reservoir Sportboote fahren dürfte doch einige Fragen aufwerfen ...
Des weiteren befasst er sich mit der Ausrottung des Mannes. Tja, es werden eben immer weniger Männer geboren und hier gibt Michael Moore ein par Überlebensregeln wie ein Mann seine Frau überleben kann :o)
Leider Gottes glauben die Amis in ihrem wahnsinnigen Patriotismus immer noch das sie die Nummer eins in der Welt sind. Michael Moore der sich selbst als jemand darstellt der sein Land liebt geht allerdings etwas kritischer an diese These heran .Nummer eins sind sie sicher im Pro Kopf Energieverbrauch , oder Todesopfer durch Schüsse... aber worin denn bloß noch?
FAZIT
Ein geniales Werk...
Wieder schafft es Michael Moore zu kritisieren ohne direkt anzugreifen. Erstellt die Dinge ganz klar dar gibt aber eigentlich nur ganz kleine Denkanstöße. Mit sehr viel Witz , Sarkasmus und bitterer Realität hat er ein Buch geschrieben welches nicht nur die Amerikanische Gesellschaft sondern eigentlich die gesamte Gesellschaft der Industriestaaten in Frage stellt. Mein Bild über Amerika wankt gewaltig. Man kann nur hoffen das er genügend Menschen aufrüttelt und diese begreifen das die Politiker vorwiegend um ihr eigenes Wohl besorgt sind und das dort ein Mann auf dem Präsidentenhocker sitzt der NUR durch Vitamin B von allen Seiten dorthin gekommen ist. Vielleicht erkenn man dann das ein so großes Land mit eigentlich so viel Vorbild-Charakter haben sollte und auch könnte in sehr vielerlei Hinsicht den größten Müll verzapft, und das auf dem Rücken der Bevölkerung.
Das Buch ist selbst für politisch sehr uninteressierte wie mich *g* trotzdem sehr verständlich geschrieben. Der Amerikaner der so kritisch und schonungslos über sein Land herzieht, und dabei den Humor nicht verliert verdient eigentlich einen Orden.
STUPID WHITE MAN / Eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush
329 Seiten
PIPER VERLAG
12 Euro
ISBN 3-492-04517-0
MEINE EMPFEHLUNG
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Viele grüße Nikolina weiterlesen schließen -
In einem tiefen dunklen Wald ... Paul Maar
15.12.2002, 00:55 Uhr von
Rioja
Also ... ich jetzt über mich ... ;-)) ... ist ja nicht so ganz einfach. Beruflich schreibe ich .....Pro:
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Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Wer jetzt denkt, er wird mit einem Krimi oder Ähnlichem konfrontiert, den muss ich eines Besseren belehren: Das ist ein Buch für Kinder!
HALT! Jetzt nicht aufhören zu lesen, denn dieses Buch ist etwas GANZ Besonderes: es ist ein Buch für Kinder, Jugendliche und jugendliche Erwachsene und auch ältere Erwachsene, die Spaß daran haben, es den anderen Altersgruppen vorzulesen.
Gerade das Vorlesen bringt bei diesem Buch einen riesigen Spaß:
"Früher gab es viele Könige. SEHR viele Könige. Und da jeder König ein Königreich hatte, gab es auch viele Länder. SEHR viele Länger. Kein Wunder, dass manche kaum größer waren als ein Badezimmerteppich. Die Wälder damals waren finster. SEHR FINSTER!"
Wer Spaß daran, betont und dramatisch vorzulesen, findet in Paul Maar seinen Meister.
Henriette-Rosalinde-Audora - Prinzessin von Beruf - will einen mutigen und schönen Mann. Eigentlich spricht ja nichts dagegen, aber wie ihn finden????? Da das Frollein Prinzessin aber nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, hat sie eine glänzende Idee: "Ich lasse mich von einem Untier entführen!"
Jau, jetzt gilt es nur noch, die besorgten Eltern zu überzeugen und schon kann das brave Kind in den Wald gebracht werden, um von dort aus in die Hände des Monsters zu fallen. Aber weit gefehlt, denn Henriette-Rosalinde-Audora besteht darauf, dass das Untier zahm ist. Tja, und dann ist da noch die Frage zu klären, ob der Prinz, der sie rettet, dann auch noch aus "Gutem Haus" ist?!?!?! Die Eltern sind doch sehr in Sorge.
Aber die Prinzessin hat Glück und trifft auf ein Ungeheuer, dass Vollvegetarier ist. Bleibt nur zu klären, woher der tapfere Prinz kommt.
"Prinzen sind immer aus gutem Haus!" ... die Meinung der Königin, also Prinzesschens Mutter. Nun ja, der Vater hat da so seine Zweifel und überhaupt darf der Kerl nicht aus dem Norden kommen. Denn alles, was nördlich der Grenze haust, ist sowieso irgend minderbemittelt.
Weit gefehlt!
Das Buch ist humorvoll geschrieben. Besitzt auch für Erwachsene - wie bereits erwähnt - einen hohen Unterhaltungswert und bringt anwesende Zuhörer immer wieder zum Lachen. Paul Maar´s Sprache ist unverwechselbar und seine Charaktere sprühen vor Witz und Naivität.
Die zauberhaft gezeichneten Bilder stammen von Verena Ballhaus, die damit die Figürlichkeit der Protagonisten unterstreicht.
Erschienen ist das Buch im Oetinger Verlag unter der ISBN 3-7891-4221-2
Als Vorlesebuch ist es übrigens schon für die Kleinsten (ca. 2-3 Jahre) geeignet. Sie amüsieren sich köstlich und als ich es vorgelesen habe, habe ich die verschiedenen Personen "Rollen" übernehmen lassen. Wirklich ein Spaß, der selten mit Kinderliteratur erreicht wird. weiterlesen schließen -
Val McDermid - Die Erfinder des Todes
Pro:
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Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
"Ich werde sie abschreiben, werde ihre Namen mit Blut schreiben und laut und klar meine Botschaft hören lassen. Sie sind selbst verantwortlich für ihr Unglück, das werde ich sagen. Lebe nach dem Wort, stirb nach dem Wort." (1)
Dr. Fiona Cameron ist Profilerin und Kit Martin, ihr Lebensgefährte, ein berühmter Thrillerautor. Fiona hilft manchmal der Londoner Polizei und Scottland Yard bei der Aufdeckung von Serientätern und Kit ist damit beschäftigt, seinen Lesern möglichst detailliert die Grausamkeiten, welcher sich seine Protagonisten bedienen (ebenfalls Serientäter), zu liefern, was ihm letztendlich manchen Preis und eine Verfilmung eingebracht hatte.
Der befreundete Kriminalbeamte Steve Preston bittet Fiona wieder in einem Fall, in dem er nicht weiterkommt, um Hilfe. Sie zögert, hatte sie doch mit der Met (Metropolitian Police) ihre Probleme, da deren Mitglieder ihre Arbeit nicht anerkannten. Sie schlägt ihm also die Bitte ab, lässt sich aber erweichen, sich die Akten nochmals anzusehen. Gleichzeitig bekommt sie eine Email aus Spanien, wo sie ebenfalls um Hilfe gebeten wird, weil man vermutet, dass dort ein Serientäter Touristen umbringt.
Und dann wird ein berühmter Schriftsteller und Thrillerautor auf bestialische Weise getötet, andere Autoren erhalten anonyme Morddrohungen und dem ersten Mord folgt bald ein zweiter und dann ein dritter. Und jedes Mal hat der Mörder, man ist sich mittlerweile sicher, dass es sich um einen Serientäter handelt, seine Opfer auf die gleiche Weise umgebracht, wie jeder der Autoren es jeweils in seinem erfolgreichstem Buch beschrieben hatte.
"Susannah war ebenso verwirrt wie von schrecklicher Angst ergriffen und starrte ungläubig, als er die Manschette eines Blutdruckmessgerätes um ihren Oberarm legte und aufpumpte. Dann ging er hinaus. Sie erkannte das Gerät, mit dem er zurückkam. Sie war jahrelang Blutspenderin gewesen. >, protestierte sie, als er eine Vene suchte und mit der Nadel hineinstach. >, sagte er ruhig, genau so ruhig wie eine der Schwestern im Blutspendezentrum.
Fassungslos und starr vor Schrecken beobachtete sie, wie ihr Blut anfing durch den Schlauch in einen Behälter zu fliessen. > schrie sie ihn an.
>, sagte er, setzte sich auf den Rand der Badewanne und wartete.
Susannah starte ihn an. >
> Er stand auf und ging langsam aus dem Badezimmer hinaus.
> fragte sie schwach.
Er drehte sich um und lächelte. Und wie normal sein Lächeln war, das machte es zu dem Erschreckensten, was sie je gesehen hatte.
> " (S 322). (2)
Alles sprach dafür, dass auch Kit Martin auf der Liste des Täters stand. Fiona bekam es mit der Angst zu tun, eine Angst die weder Kit noch Steve ganz teilten und als sich nach dem dritten Mord auf einer Pressekonferenz ein Mann öffentlich selber dieser drei Morde bezichtigte schien sich die Anspannung zu lösen. Alle waren erleichtert, ausser dass es eine Polizistin stutzig machte, dass der Geständigte keine Details erzählte, die die Polizei nicht schon wusste und im übrigen auch öffentlich bekannt waren. Denn - als alle dachten, dass der Alptraum vorbei sei, fing es erst richtig an.
Val McDermid hat hier selber einen furiosen Thriller geschrieben, und lässt ihren Serientäter die Mitglieder ihrer eigenen Zunft gleich reihenweise umbringen.
Das Buch ist sehr spannend geschrieben, wenn auch stelleweise etwas verwirrend, denn gleich zu Anfang entwickeln sich nacheinander drei völlig verschiedene Handlungsstränge, einmal die Sache in Spanien, welcher sie sich auch vor Ort annimmt, dann die Vergewaltigungen und der eine Mord in London und schliesslich die Tatsache, dass es ein Killer offensichtlich auf Thrillerautoren abgesehen hat. Fiona immer mittendrin, beteiligt, einmal mehr, einmal weniger emotional, und immer wieder kommt die Geschichte ihrer Schwester an die Oberfläche, welche ebenfalls vor jahren auch einem Serientäter zum Opfer fiel, ein Fall, der nie aufgeklärt wurde und verständlicherweise sehr belastend für Fiona ist.
All diese Handlungsstränge laufen irgendwie nebeneinander her und es wird uns ziemlich schnell klar, dass sie nie zusammenlaufen werden, dass wir quasi dreieinhalb Krimis in einem serviert bekommen und nun sehen können, ob dies überhaupt verdaulich ist für uns Leser. Denn dies ist nicht das einzige, was das Buch ungewöhnlich und stellenweise etwas anstrengend macht, zudem werden häppchenweise entweder Ausschnitte aus den Büchern der schon ermordeten oder noch zu ermordenden Autoren oder aus dem Tagebuch des Täters dazwischengeworfen, ohne Erklärung, ohne Vorwarnung. Der Leser ist also gezwungen, ständig zwischen den Ebenen zu switchen, multitasking. Im Grunde ist es aber so, dass wir wissen wollen, wie es weiter geht, ob der Täter sich auch an Kit Martin ranmacht und wenn ja, gelingt es ihm? Dann wirken diese Einschübe oder das wechseln zum anderen Handlungsstrang eher lästig. Der Spanienfall ist dann zwar irgendwann abgeschlossen, aber es wird nie ersichtlich, was er mit dem Rest der Geschichte je zu tun hatte. Einzig Fionas Arbeitsweise mit einem ausgeklügelten Computerprogramm wird uns auf diese Weise näher gebracht.
Gegen Ende des Buches bahnt sich ein Drama an, welches zwar erwartet werden konnte, aber so gut beschrieben ist, dass einem als Leser schier der Atem stockt. Der Täter allerdings bleibt bis zum Schluss unerkannt und ist auch für erprobte Krimileser eine Überraschung. Nicht im negativem Sinne, denn am Ende wirkt alles nachvollziehbar.
Irgendwann unterwegs, so etwa ab dem ersten Drittel fängt die Geschichte an süchtig zu machen und es wird immer schwerer, das Buch zwischendurch wegzulegen.
Abgesehen von den verschiedenen Ebenen ist der Stil sehr flüssig zu lesen und ab der Mitte des Buches steigt die Spannung mehr und mehr. das Finale ist schlüssig und spannend, obwohl das Buch am Schluss, als es nur noch um Leben und Tod geht, abzusacken droht. Es ist, als würde die Spannung nachlassen in dem Moment, wo das Leben der Protagonisten bedroht wird. Vielleicht wurde der leser etwas zu lange darauf vorbereitet. Manche Stellen im Buch sind recht brutal, vorallem die Auszüge aus den Büchern der Ermordeten, um wiederzugeben, was der Täter nachstellt. Und dann natürlich auch die Auszüge aus dem Tagebuch des Täters, welches die ganze Kälte und Brutalität der Geschichte zwar nicht wiedergibt, aber genügend andeutet und teilweise auch beschreibt.
Val Mc Dermid führt uns so auch auf die psychische Ebene des Täters und nach und nach werden uns seine Motive klar und das Ausmass seines Wahnsinns.
Val McDermid wuchs in Schottland auf und lebt heute in Manchester. Wie die Opfer ihres Romans gehört auch sie zu den profiliertesten Spannungsautoren: Seit sie mit "Das Lied der Sirenen" 1995 den Gold Dagger Award gewann, widmed sich die ehemalige Literaturdozentin und langjährige Journalistin nur noch dem psychologischen Nervenkitzel. (3)
(1) Zitat: Buchumschlag
(2) Ein Auszug aus dem Buch einer der bedrohten Autoren
(3) Zitat: Klapptext
Originaltitel: Killing the Shadows
Deutsch von Doris Styron
Thriller. Droemer, 541 Seiten, ISBN: 3426195674
Erschienen. 2000 unter dem Titel "Killing the Shadows"
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-22 19:32:25 mit dem Titel Yannick Murphy - Jenseits der Sümpfe
Yannick Murphy beschreibt in ihrem Erstlingswerk das Leben ihrer Mutter. Diese kam in Shanghai als Tochter einer Französin und eines Chinesen, Marcelle und Yeu, in den dreissiger Jahren des vorherigen Jahrhunderts zur Welt. Gerade zu dem Zeitpunkt, als die Japaner begannen, vehement Richtung China zu expandierten.
So ist denn auch der Ruf "die Japaner, die Japaner, die Japaner!" eine der frühesten Kindheitserinnerungen Tian's. Als 1937 der offene Krieg ausbrach, brachen die Japaner auch ins Leben des kleinen Mädchens ein.
Tian, ihre Mutter und ihre chinesische Amah (ihr Kindermädchen) wurden von den Besatzern in ein Gefangenenlager in Kantum (im Süden des heutigen Vietnams) interniert. Ihr Vater hielt sich derweil in der Nähe in den Bergen bei den Montagnards (einem der unzähligen Bergvölker) versteckt.
Und hier beginnt eigentlich der Roman, Tian lebt im Lager mit andren Frauen in Hütten oder Baracken, die Männer sind eingesperrt und werden verhört. Beim Verhör eines Franzosen wird Tian gerufen, um zu dolmetschen, durch ihre Mutter beherrscht sie die französische Sprache. Tian sieht, wie die Gefangenen gefoltert und misshandelt werden, sieht das mit ihren Kinderaugen und denkt sich aus, was ein herausgestochener Augapfel, der - weggeworfen - davon schwimmt, alles sehen kann.
Tian's Schwester wird geboren und seltsamerweise Poulet genannt, das französische Wort für Hühnchen. Poulet ist ganz gelb im Gesicht bei der Geburt und die Amah bittet die Japaner um etwas Milch "Als meine Amah nach Milch fragte, schnitten sie ihr ein Loch ins Bein. Schau, was der Säbel angerichtet hat, sagte sie, und nahm meine Faust und steckte sie in das Loch in ihrem Bein. Ich rollte meine Faust auf ihrem Knochen hin und her." (S9/10)
Dies war das erste Mal, dass ich das Buch weglegte und einige Tage nicht mehr anrührte, erinnerst du dich? Ich erzählte dir davon, dass das Buch schreckliche Szenen darin hatte und ich nicht weiterlesen mochte, mich damit überfordert fühlte, auch mit der Art, wie sie beschrieben wurden, so fast heiter, so schmerzfrei, als wäre es ganz normal, dass Löcher in Beine geschnitten werden, dass Augäpfel Flüsse hinuntertreiben und nachts dann die Sterne sehen können. Und du sagtest dann, dass wohl diese Art, diese schrecklichen Dinge nur zu erwähnen, sie aber nicht aufzuarbeiten, es letztendlich dann dem Leser überlassen, sich damit umso mehr zu beschäftigen. Ich denke, du hast recht damit.
Nach einigen Tagen las ich dann doch weiter, und es war nicht mehr so schrecklich, die Autorin ging mit solchen Momenten sehr sparsam um, und vielleicht gewöhnte ich mich auch etwas daran.
Das Buch beschreibt das Leben im Lager, wie die Amah Tian ein Tuch fest um die Brust band, damit die Japaner den sich entwickelnden weiblichen Körper nicht wahrnahmen, Yeu, Tian's Vater wird von den Japanern gefangen genommen, Marcelle vergeht schier vor Sehnsucht nach ihm und ist eifersüchtig auf seine Träume. "Wann immer es ging, legte sich meine Mutter neben dem Loch, in dem mein Vater gefangen sass, auf den Boden. Was sie sagte, konnte ich nicht hören, aber ich sah, wie ihre Lippen sich bewegten. Ich dachte mir, dass sie mit ihm von früher sprach, vom Meer und von unseren Zuhause in Shanghai oder von unseren deutschen Schäferhunden oder den Spielen, die er mit Männern aus dem Club gespielt hatte. Ich stellte mir vor, wie er da unten schwitzend im Dreck sass und Mutter unentweg auf ihn einredete.
Als die Japaner sie von meinem Vater wegtrieben, sah ich, dass ihr rosa Rock völlig verdreckt war, Flecken in Form von Kontinenten bedeckten ihn wie eine Weltkarte. Ich versuchte, den Schmutz wegzuwischen, aber ich konnte Mutter nicht sauberkriegen. Beim Abendessen färbten sich die Reisbällchen in ihren Fingern braun." (S 73)
1945, als die Japaner kapitulierten, wurden Tian, ihre Mutter, ihr Vater und die anderen Gefangenen durch die Allierten und Chinesen befreit, und nach einer langen, beschwerlichen Reise (etwa 400 Kilometer zu Fuss) erreichten sie Saigon. Dort fanden sie Unterschlupf bei Verwandten einer ehemaligen Mitgefangenen, Herr und Frau Han. Tian erlebte dort viel lustiges und auch seltsames, aber anscheinend fand sie selber es nie seltsam, auch nicht, dass das Pferd von Madame Han sich lieber in deren Schlafzimmer im ersten Stock des Hauses als auf der Weide aufhielt.
Tian ist mittlerweile ein Teenager und dolmetscht wieder, diesmal für die Franzosen und die Gefangenen sind Vietnamesen, die wiederrum auf das brutalste misshandelt werden, und das jeweils in Anwesenheit des Mädchens.
Irgendwann wurde es dann brenzlig in Saigon, die Viet- minh's begannen sich gegen Franzosen und sonstige Ausländer aufzulehnen und sie anzugreifen, und Tian, ihre Mutter und das Kindermädchen fliehen mit dem Zug nach Shanghai, eine lange, anstrengende Zugfahrt, die sich über mehrere Tage hinzieht, während die Fenster der Wagons komplett mit Brettern zugenagelt sind, sodass kein Licht ins Innere dringt.
In Shanghai angekommen wurden die Reisenden von Soldaten angwiesen, ihre Augen vor dem Aussteigen zu bedecken, um sie vor dem hellen und ungewohnten Tageslicht zu schützen.
Die Reise der Frauen sollte später noch weiter gehen, ersteinmal Tian, weil ihre Mutter mit Thypus im Krankenhaus liegt, und dann auch Marcelle und ihre Amah, fliegen nach Biarritz in Frankreich zum Bruder Marcelle's.
Es ist ein sehr eindrückliches Buch, ein schwerer Stoff, schwer im Sinne von belastend, in leichter, fast beschwingter Weise erzählt, so wie eigentlich nur jemand erzählen kann, der die Geschichte wie in diesem Fall stellvertretend niederschreibt. Die gewählte Ich-Form, wo sie ihre Mutter selber sprechen lässt, macht das Ganze um so eindrücklicher und ebenso eindringlicher. Es ist ein ungewöhnliches Buch in seiner Sprachgewalt und seiner Klarheit, das uns die Welt Tians mit Kinderaugen sehen lässt, kraftvoll, spannend und üppig nannte es die New York Times.
So wurde dann auch Yannick Murphy's Debüt gefeiert und mit Marguerite Duras' großem Indochina-Roman "Der Liebhaber" verglichen.
Yannick Murphy selber wurde 1962 in New York geboren als Tocher eines Amerikaners und Ihrer eurasischen Mutter (Tian lernte in Frankreich einen Amerikaner kennen und heiratete diesen später) und schrieb nach ihrem Roman "Jenseits der Sümpfe" diverse Erzählungen und Drehbücher.
Erschienen ist das Buch im Original 1997 unter dem Titel "The Sea of Trees" bei Houghton Mifflin in Boston und New York.
Die Deutsche Ausgabe wurde übersetzt von Susanne Hornfeck, erschien im Piper Verlag
285 Seiten
ISBN3-89029-115-5
Im Buchhandel in Deutschland ist es vergriffen, ausser bei zweitausendundeins (zweitausendundeins.de), da gibts das Buch noch für 'nen Appel und 'n Ei (ungefähr 4 €, soweit ich mich erinnere, für die gebundene Ausgabe), ansonsten auf dem secound-hand Bücher-Markt von Amazon.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-12-08 16:47:42 mit dem Titel Michael Moore - Stupid White Men - Eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush
Das Grauen hat einen Namen
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Vergessen Sie "Freitag der 13." und "Es", vergessen Sie was Sie sowieso schon alles zu wissen glaubten über die Vereinigten Staaten von Amerkia (USA), es ist nichts, aber auch wirklich nichts gegen die Realität, das Grauen hat einen Namen, Baby Bush. Nein, nicht eines der Kinder von George W. Bush ist hier gemeint, sondern seines Vaters Sohn, himselfe.
Und selbst dann, wenn wir alles wissen oder zu wissen glauben über Junior, so ist das auch nur ein Teil des Ganzen, er ist nur der gegenwärtige Häuptling einer offensichtlich völlig durchgeknallten und moralisch vollkommen versauten Nation, die sich wohlbemerkt als die weltweite Nummer 1. betrachtet. Zu recht, wie Michael Moore bekräftigt, was er mit nicht enden wollenden Beispielen untermauert. Aber dazu später mehr, Grauen muss man häppchenweise vermitteln, ansonsten könnte der Mensch implodieren (1), nicht wahr? Also immer schön Stückchen für Stückchen.
Junior
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Wir schreiben das Jahr 2000 nach C. Ein Mann, den die meisten Amerikaner (Ausländer dürfen ja nicht wählen) nicht gewählt haben, sitzt im weissen Haus. "Für die meisten jedoch war der Spass an jenem Abend zu Ende, als wir erfuhren, dass Pluto kein Planet ist und das Leben, wie wir es kannten, mit einem Mal so fern und befremdlich war wie der Ausdruck in den Augen des neuen 'Präsidenten'."
Willkommen im Alptraum des 21. Jahrhunderts!
Nicht nur Ausländer wurden von den Wahlen ausgeschlossen (was irgendwie noch nachvollziehbar ist) sondern auch, und wen wundert es, ausgerechnet in Florida, Vorbestrafte. Das ist ok, sagen Sie? Ja, aber - und nun kommts - die meisten Vorbestraften in Florida sind schwarz, 31% der Schwarzen sind aus diesem Grund nicht wahlberechtigt, 90% der Schwarzen wählen die Demokraten, diejenigen, die in Florida kurz vor den Wahlen dieses neue Gesetz erlassen hatten, sind Republikaner. Auf diese Weise hatten sich die Republikaner auf elegante Weise einiger 1000 Wähler der Gegenseite entledigt, wohlwissend, wie knapp es für Junior ausgehen könnte und wie ausschlaggebend der Staat Florida für das Ergebnis sein wird. George W. Bush erhielt offiziell im Staate Florida 537 Stimmen mehr als Al Gore. All die anderen Manipulationen mit Wahlzetteln, unidentifizierten Briefwählern und Wahlzetteln, die tausende von Juden dazu brachten, ausgerechnet die Pat Buchanan zu wählen, obwohl sie eigentlich die Demokraten meinten (2), taten ihr übriges, um diese Wahl zur grössten Farce der letzten Jahrzehnte zu machen. Bananenrepublik USA.
Seine ersten Amtshandlungen waren, die Umweltgesetze Clinton's rückgängig zu machen, die dieser nach 8 Jahren Amtszeit! in den letzten Wochen auf einmal noch verabschiedete, so zum Beispiel das Gesetz zur Reduzierung von Arsen im Trinkwasser (wer braucht das denn, Bush's Privathaus ist nach den neusten ökologischen Gesichtspunkten erstellt worden mit sauberem Wasser und niedrigstem Stromverbrauch) oder die Reduktion der schädlichen Abgase von Kraftfahrzeugen.
Lieber George
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"George, kannst du lesen und schreiben wir ein normaler Erwachsener? Wie viele andere auch habe ich den Eindruck, dass du leider praktisch ein Analphabet bist. Das ist keine Schande." Nein, wirklich nicht, aber die Frage sollte erlaubt sein, wenn es sich um den Mann handelt, der den Finger am roten Knopf hat. Wie soll dieser Mann die ganzen Papiere lesen können, die ihm vorgelegt werden, wo es um Krieg und Frieden geht, welche die atomaren Geheimnisse der grössten Nation des Planeten enthalten? (Nun, um die Position zu Krieg und Frieden brauchen wir uns keine weiteren Sorgen zu machen, der Weg ist klar, jeder der Juniors Vater je auf die Hühneraugen getreten ist, bekommt nun, was er verdient.)
Aber dafür hat ein Präsident ja seine Berater, die lesen ihm die Papiere vor (nach deren Aussage) und erklären es ihm dann auch noch. Wie gut, dass der wichtigste Mann der Welt so hilfsbereite Leute um sich hat!
"Du hast dich bereit erklärt (in einem Interview), zur Verteidigung Taiwans 'zu tun, was immer nötig ist' und sogar vorgeschlagen, auf der Insel Truppen zu stationieren. Auweia George! Die ganze Welt flippte aus, im Handumdrehen war überall höchste Alarmstufe." (3)
Und so geht es weiter im Buch, Michael Moore rechnet schonungslos ab mit George Bush, hält ihm seinen Alkoholismus vor und fragt, wie dies im Einklang zu bringen sei mit der Rolle des Oberbefehlshaber der mächtigsten Armee der Welt.
"Wir werden alle Feuerkraft brauchen, die wir haben, wenn du versehentlich befiehlst, 'die Russen zu vernichten' obwohl du eigentlich nur deine Gäste auffordern wolltest, den russischen Kaviar zu vernichten."
Es ist erschreckend, dieses Buch, das Kapitel "Lieber George" welches ein offener Brief an G.W. Bush ist, in dem er knallhart abrechnet mit dem aktuellen Präsidenten, seiner sprichwörtlichen Dummheit und der daraus resultierenden Unberechenbarkeit. Eigentlich können wir froh sein, dass bis jetzt noch nicht mehr passiert ist. Das haben wir und die Amerikaner aber weniger Bush zu verdanken, als seinen Beratern, deren Marionette er zu sein scheint, allen voran der erzkonservative Politik-Veterane Cheney. Man mag darüber nachdenken, was passiert, wenn dieser alte Mann von einem seiner diversen Herzinfarkte tatsächlich hingerafft wird. Nicht schade um ihn (meiner Meinung nach), er ist ein Lobbyist der übelsten Sorte, in eigener Sache, und für Amerikas Grosskonzerne, allen voran AT&T, Enron und ExxonMobil, aber wenigstens hat er Bush im Griff. Was wäre das kleinere Übel? ein George Bush, der nicht ferngesteuert wird oder ein George Bush, der an Cheney's Leine zappelt? Beide Optionen sind gleichermassen unappetitlich, und spiegeln nur wieder was wir alle längst wissen, Politik ist wie eine stinkende Fäkaliengrube, egal, wer gerade den Staffettenstab in der Hand hält, beim einen klebt etwas mehr, beim anderen etwas weniger Dreck daran. Seien wir doch mal ehrlich, wir können uns bei Wahlen nicht mehr für das Gute und Beste entscheiden, das Gute und Beste steht nie zur Debatte, ist keine Option, wir versuchen nur, das Übel möglichst klein zu halten, sodass der Gestank uns nicht zu oft erreicht, und nicht einmal das gelingt uns. Dann bleibt am Ende nur noch die Hoffnung, nicht daran zu ersticken. Also, denken Sie daran, immer schön nach Luft (wenn möglich Frischluft) schnappen!
Das Lesen
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Das Buch fängt rasant an und geht auch so weiter, atemlos, schnell, Michael Moore reiht Fakten an Fakten, spart nicht mit Spott, der wird ohne Rücksicht auf Verluste über George und seine Kumpels ausgeschüttet, Satire vom allerfeinsten, noch mehr Satire geht nicht. Und wir wissen, wieviel Wahres in Satire steckt. Hier ist es nicht nur Satire, sondern Mr. Moore versorgt den Leser mit Informationen erster Güte, auch wenn wir uns anschliessend sämtlicher Illusionen beraubt sehen, die wir so hoffnungsvoll und blauäugig aufrecht erhalten hatten. Nicht nur mit George Bush räumt Michael Moore auf, sondern gleich mit den ganzen Vereinigten Staaten von Amerika, eine moralisch verottete Gesellschaft, die es zulässt, dass Grosskonzerne wie Coca Cola, Pepsi und Mc Donalds sich Verkaufsexklusivrechte für amerikanische Schulen sichern, dass dabei die Kids immer dicker werden und ausserdem unter Mangelerscheinungen wie einst die Seeleute leiden (nein, kein Scorbut, aber zuwenig Kalzium) sind dann Kollerteralschäden der amerikanischen Wirtschaft. Man(n) muss eben Prioritäten setzen. Nicht Bush's Verdienst ist der Gewinnzuwachs der Zuckerwasserhersteller, diese Entwicklung begann schon Anfangs der 90er, also unter Clinton. Und wenn wir es bis dato nicht wussten, jetzt, nach dem lesen, bekommen wir wenigstens eine Ahnung davon, dass Clinton keinen Deut besser war (na ja, vielleicht einen kleinen Deut, Sie erinnern sich, das kleinere Übel) sondern nur ganz einfach viel charmanter als Junior. Also, wenn schon stinkende Jauche, dann bitte mit einem freundlichen Lächeln. All die Dinge, die Clinton noch schnell vor Ende seiner Amtszeit verabschiedete, und die Georgie wie ein kleiner trotziger Junge als erstes wieder über Bord schmiss, all dies hätte Clinton zum Beispiel Jahre vorher schon verabschieden können. Hätte er vor acht Jahren schon ein Gesetz zur Senkung des Gehalts von Arsen im Trinkwasser verabschiedet, wäre Bush wohl kaum so dreist gewesen, dieses wieder rückgängig zu machen.
Und zu Letzt kommt die ganze Nation dran, Moore schreibt, dass es zum Beispiel nur 6 Staaten weltweit gibt, die unter-18jährige zum Tode verurteilt und hinrichtet, nein China ist nicht dabei, dafür aber Iran, Nigeria, Pakistan, Saudiarabien und Jemen - und last but not least - USA. Letztere schrecken auch nicht davor zurück, geistig Behinderte zu exekutieren, wenn man glaubt, ihnen eine Straftat nachweisen zu können. Der Autor führt weiter akribisch an, wieviele Todesurteile in den USA verhängt und ausgeführt wurden, Texas ist der traurige Spitzenreiter, aber das wissen wir bereits und ausserdem, weiviele davon unschuldig verurteilt wurden und wenn sie Pech hatten, auch exekutiert wurden. Wie zynisch eine Gesellschaft doch ist, die von sich behauptet, ihre Mitglieder vor Verbrechern schützen zu wollen, was ihr ja nur ansatzweise gelingt, denn immerhin verhindert sie die meisten Verbrechen nicht, sondern sammelt nach vollbrachter Tat die Täter ein, und auch gleich noch eine ganze Menge unbescholtene Bürger einsperrt und verurteilt, wer schützt jene vor der Gesellschaft? In 70% von 4578 überprüften Todesurteilen wurden gravierende Verfahrensfehler aufgedeckt. In zwei von drei Wiederaufnahmeverfahren wurde das Todesurteil aufgehoben, die gesamte Fehlurteilrate betrug 68%. Möglicherweise ist als farbiger, armer Amerikaner das Risiko, unschuldig verhaftet, angeklagt und verurteilt zu werden höher als die Gefahr, einem gewöhnlichen Verbrechen durch einen anderen Bürger zum Opfer zu fallen. Dies ist aber nur eine Mutmassung von mir selber.
Das Buch ist dicht gespickt, und was ich hier beschrieben habe, ist gerade Mal die Spitze, sind weniger als 10%, wahrscheinlich viel weniger. Es ist amüsant zu lesen, am besten hat mir das mit den Truppen stationieren in Taiwan gefallen und manches Mal habe ich an anderer Stelle schallend gelacht. das Buch ist aber nicht nur lustig, wie meine Beispiele unschwer erkennen lassen, allzuoft bleibt uns das Lachen buchstäblich im Halse stecken. Moore schreibt meist rasant, gibt Anleitungen für den friedlichen Widerstand und empfiehlt Überlebensstrategien für Männer "...das statische Bundesamt bestätigt, dass die Geburtszahlen für männliche Babys in den Vereinigten Staaten seit 1990 jedes Jahr sinken! Dazu kommt noch, dass die Lebenserwartung der Frauen immer weiter steigt....", für Schwarze, für Weisse, Tips zum bezinsparen und wie kommt man an sauberes Trinkwasser. Diese Hinweise, Anleitungen, Tips sind speziell gekennzeichnet, in grau hinterlegten Kästchen und wenn sie sich über mehr als eine Buchseite ausbreiten wird auch freundlicherweise unten angemerkt: "geht noch weiter". Ich denke mal, Moore hat das Buch versucht so zu schreiben, dass es wenigstens ein paar Amerikaner verstehen, möglicherweise sogar Junior, wenn man ihm das schön langsam vorliest. Ich würde zu gerne sein Gesicht sehen und seine Kommentare hören bei dieser Gelegenheit.
Für mich ist Michael Moores "stupide white man" eines jener: "muss man gelesen haben". Und wenn auch nur, um endlich mitreden zu können.
Michael Moore hat ein Buch geschrieben, dass seit Monaten auf sämtlichen Bestseller-Listen Amerikas steht.
BBC Newsnights: Ein unglaublich satirischer Witz, grossartige Recherche, Leidenschaft aus dem Geiste Jonathan Swifts; ein echtes Meisterwerk.
Michael Moore
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Und für jene, die ihre Lachmuskeln ohne das Buch strapazieren wollen (oder sowohl als auch) empfehle ich folgende Adresse: www.loq12.at/freakynews/ story460.ihtml
Links zu Michael Moore: www.michaelmoore.com/
(1) Implosion [lateinisch] plötzliches Eindrücken der Wände eines hohlen Körpers durch den äußeren Druck (Luftdruck);
(2) Die Palm Beach Post schätzt, dass über 3000 überwiegend ältere jüdische den Wahlzettel versehentlich an der falschen Stelle markierten und wider Willen für den ewigen Rechtsaussen Pat Buchanan stimmten statt für Al Gore. Der Grund dafür waren die manchenorts eingesetzten sogenannten Schmetterlingswahlzettel, die allerdings zur Abwechslung von den Demokraten unters Volk gebracht wurden, ein klassisches Eigentor und sicherlich ohne böswillige Absicht, sondern einfach nur schlichte Dummheit.
(3) Junior hat wohl übersehen, dass Taiwan zur Volksrepublik China gehört
(4) vollständig und ungekürzt übernommen von www.wdr.de/tv/kulturweltspiegel/20021110/4.html
ISBN 3-492-04517-0
4. Auflage 2002
Michael Moore 2001
Piper Verlag
Paperback
12€
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-12-13 20:32:58 mit dem Titel Henning Mankell - Mörder ohne Gesicht
Langeweile und kaltes Wetter
Zitat: "Ich habe nie in meinem Leben daran gedacht, einen Kriminalroman um seiner selbst willen zu schreiben", sagt Mankell. "Ich sehe mich in einer sehr alten Tradition, die den Spiegel des Verbrechens nutzt, um die Gesellschaft zu betrachten."
Genau das ist aber mein Problem mit dem Buch, aber ich greife vor.
Irgendwo in Schweden in einem kleinen Dorf wird ein altes Ehepaar auf seinem Hof brutal ermordert. Die Polizei ist ratlos denn es deutet alles darauf hin dass die Ermordeten auch gefoltert wurden. Keiner hat eine Erklärung dafür und dass die ermordete Frau kurz vor ihrem Tode noch das Wort "Ausländer" flüsterte bringt die Ermittler zunächst keinen Schritt weiter.
Kurt Wallander ist Mankells Ermittler, er entspricht dem Klischee eines Polizisten der geschieden ist, seine fast erwachsene Tochter nicht versteht und ansonsten ein eher tristes Dasein fristet. Einzig sein Beruf ist was ihm ab und zu noch ein Erfolgserlebnis beschehrt.
Kurt Wallander wird mit den Ermittlungen in diesem Fall betraut und macht sich an die überaus schwierige Aufgabe ein Motiv für den bestialischen Mord an einem scheinbar harm- und mittellosem Ehepaar zu finden.
Seine Suche führt ihn zu einem Asylantenheim, zu einem alten Bekannten der Pferde hält und zu Banken in der nahen Stadt.
Leider fand ich dieses Buch nur mässig spannend und bin etwas irritiert ob der vielen Lorbeeren die dieses Buch erhalten hat, immerhin 1991 eine Auszeichnung der Schwedischen Akademie für Kriminalliteratur.
Die ersten 60 Seiten sind so wie ich einen Krimi erwarte, spannend und relativ flüssig geschrieben. Danach artet die Geschichte aber aus in die Bechreibung der schwedischen Gesellschaft, was durchaus auch spannend sein hätte können, aber in diesem Zusammenhang langweilt die Beschreibung derselben und ich fragte mich immer wieder wann es denn nun endlich weitergeht. Ich wollte nicht über Asylproblematik in Schweden informiert werden und auch nicht über die Probleme die diese Gesellschaft ansonsten mit sich herumschleppt. Nicht in solchem Ausmass wie es Mankell in diesem und offenbar auch in seinen anderen Krimis beschreibt.
Das ewig kalte Wetter und der vielzitierte Schnee in diesem Buch machen die Geschichte auch nicht besser, im Gegenteil, das Wetter wird zu oft bemüht um eine Atmosphäre aufkommen zulassen die aber nie wirklich glaubwürdig beim Leser ankommt. Und wenn doch ist es schlicht deprimierend.
Auch Kurt Wallander empfand ich als eine eher unspektakuläre Figur, ebenfalls langweilig und die Bechreibung seiner wenigen privaten Kontakte zu langatmig. Eine Verbundenheit mit dieser Figur zeigte sich während des Lesens zu keiner Zeit, sie bleibt fern fremd.
Der Spannungsbogen fiel stark ab schon nach etwa 60/70 Seiten und alleine die Hoffnung dass denn doch noch was kommen müsse hielt mich bei der Stange, ausserdem wollte ich natürlich wissen, wer die beiden Alten denn nun ins Jenseits befördert hat.
Aber auch der Schluss ist wenig spektakulär, eher banal, so wie es die Mörder auch sind und deren Motiv ebenfalls.
Im Nachhinein stellten sich die Handlungsstränge als wenig logisch und ständig unterbrochen dar und werden auch am Schluss nicht nachvollziehbar zusammengeführt, es bleibt ein Fragezeichen nach dem letzten Satz, es bleibt die Frage: "....und was sollte das Ganze jetzt?".
Ich wurde ziemlich enttäuscht von diesem Buch, vielleicht waren aber auch nur meine Erwartungen zu hoch nach der positiven Presse und der Begeisterung landauf landab für Mankell und seinen Wallander.
Was die lahme Story etwas wett macht ist der Erzählstil Mankells, seine Sprache welche erkennen lässt, dass er mit Worten durchaus umgehen kann. Dies stimmte mich dann wieder etwas versönlich und ich gebe dem Krimi ein knappes durchschnittlich. Es animiert mich aber nicht, noch einmal ein Buch von Mankell zu lesen, zumindestens keinen Wallander-Krimi mehr, von denen er einige zu Papier gebracht hat.
das Taschenbuch gibts für 18,50 ISBN: 3423202327
die gebundene Ausgabe für 39,80 ISBN: 3552051600 weiterlesen schließen
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