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Joy Fielding: Ich will Ihren Mann!
01.09.2002, 19:12 Uhr von
Angel05
Ich habe leider nur noch wenig Zeit für Yopi. Aber ich werd immer mal wieder reinschauen, was sic...5Pro:
spannend, gut geschrieben, gut zu lesen
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Nein
"Literaturkritiken" sind eigentlich nicht meine Stärke, aber in den vergangenen Wochen habe ich ein Buch gelesen, daß ich Euch gern vorstellen möchte. Denn mich hat es so gefesselt und mitgerissen, das ich dazu ein bißchen was loswerden möchte.
Bei dem Buch handelt es sich um den Joy Fielding Roman "Ich will Ihren Mann". Allein der Titel ist schon bezeichnend für ein Drama aus Beziehungsstreß und Eifersucht. Und der erwartungsfrohe Leser wird nicht enttäuscht.
Aber erstmal zum Inhalt:
Lillian Plumley hat zwei Jahre lang darum gekämpft, daß ihr jetziger Ehemann David sich von seiner Frau und seinen Kindern trennt und mit ihr ein neues Leben anfängt. Dafür hat sie eine Menge Einschränkungen hinnehmen müssen - allem voran hat sie ihren Job als Redakteurin aufgegeben. Jetzt sind sie bereits vier Jahre verheiratet, als Lilli auf einer Party mit einer Situation konfrontiert wird, die ihr Leben schlagartig verändern wird. Eine junge, bildschöne Frau namens Nicole Clark kommt während der Party auf sie zu und offenbart ihr, das sie sich ihren Mann David zu eigen machen wird.
Verunsichert durch diese Aussage kommen Lilli erstmals Zweifel, ob David ihr treu ist. Schließlich hat er ja in der Vergangenheit schonmal eine Frau verlassen, um mit einer anderen - Lillie nämlich - einen Neuanfang zu machen. Warum sollte er es also nicht wieder tun?
Die Zweifel werden bei Lilli so stark, das sie David darauf anspricht. Dabei stellt sich heraus, das Nicole eine neue Kollegin ihres Mannes ist und die beiden täglich zusammenarbeiten. Ansonsten bestreitet David jedoch jegliche Beziehung zu Nicole zu haben. Zunächst glaubt Lillie ihm auch. Im Laufe der Zeit werden ihre Zweifel jedoch immer begründeter. Sie versucht mit allem Mitteln, ihre Ehe zu retten , kann aber oft nicht über ihren Schatten springen und bringt das Thema Nicole immer wieder zur Sprache.
Sie fängt auch immer stärker an, an sich selbst zu zweifeln: Ist sie vieleicht Schuld daran, das ihr Mann sich eine andere Frau sucht? Hat sie ihn villeicht sogar erst auf die Idee gebracht, das Nicole sich für ihn interessiert, indem sie ihn darauf angesprochen hat?
Aufgrund dieser Selbstzweifel findet sie keine Ruhe mehr. David hat immer weniger Zeit für Sie, da sein Chef ermordet worden ist, und er sich verstärkt um die Anwaltskanzei kümmern muß. Es kommt wie es kommen muß: Lilli und David entfernen sich immer mehr voneinander und haben eine ganze Menge Streß.
Dabei hat Lilli nebenbei noch andere Probleme: Hat ihre Freundin Beth Weatherby tatsächlich ihren Mann - Davids Chef - ermordet? Ist Davids Tochter tatsächlich magersüchtig, und kann sie ihr hefen?
Ich denke dies beschreibt den Inhalt des Buches recht gut, ohne zuviel zu verraten. Ob David tatsächlich ein Verhältnis mit Nicole Clark hat oder ob David und Lilli wieder zusammen finden, das müßt ihr schon selbst nachlesen...
Zum Schreibstil:
Joy Fielding versteht es ausgesprochen gut, ihren Hauptcharakter Lillian Plumley in Szene zu setzten. Die gesamte Geschichte wird aus ihrer Sicht erzählt. Man kann die Gefühlsregungen geradezu mitfühlen und sich gut in Lilli hineinversetzen. Einerseits beschreibt sie das hier und heute - die Situation, in der sich Lilli aktuell befindet. Zwischendurch werden jedoch immer wieder Retrospektiven in Lillis Vergangenheit eingebunden, die ihrem Kampf um David beschreiben, als dieser noch mit seiner vorherigen Frau verheiratet war. Man bekommt sehr schnell mit, daß es viele Parallelen zwischen Lilli und Nicole gibt, nur eben zu verschiedenen Zeiten.
Die Geschichte drumherum ist so strukturiert aufgebaut, das der Leser genug Details mitbekommt, die für den Augenblick wichtig sind. Es wird aber erst ganz zum Schluß durchschaubar, welche von Lillis Problemen wie gelöst werden. Dadurch behält der Roman durchweg seine große Spannung. Er ist zudem noch so angenehm geschrieben, das man eigentlich gar nicht mehr aufhören kann, zu lesen.
Zur Autorin:
Joy Fielding stammt aus den USA und ist eine weltweit erfolgreiche Autorin mehrerer Bestseller-Romane. Sie handeln (bislang) immer von zwei Themen: Kriminalfälle oder Beziehungsdramen. In diesem Fall könnte man es sogar eine Mischung aus beidem betrachten.
Sie hatte schon während ihrer Schulzeit das ehrgeizige Ziel, Schriftstellerin zu werden. Zwischezeitlich strebte Joy Fielding auch mal eine Karriere bei Theater und Fernsehen an, war damit aber nicht so erfolgreich. Schließlich kehrte sie zum Schreiben zurück und ist heute bereits ein Inbegriff erfolgreicher Frauenliteratur.
Die Daten zum Buch:
Der Roman "Ich will Ihren Mann" ist im Knaur Verlag erschienen. Er umfasst 390 Seiten und kostet im Taschenbuchformat 7,90. EUR. Am einfachsten findet man ihn unter der ISBN 3-426-01667-2.
Mein Fazit:
Ich kann Euch diesen Roman nur empfehlen. Die Story ist spannend, gut geschrieben und nicht zu sehr aber auch nicht zu wenig anspruchsvoll. Also eine gute Abendlektüre (zumindest ist das bei mir die Zeit, zu der ich am liebsten lese...)
Vielen Dank für´s Lesen und Bewerten und bis bald... weiterlesen schließen -
Kann man ein Urteil kaufen?
Pro:
Spannende Interviews aus dem Munde des Regisseurs
Kontra:
Nichts
Empfehlung:
Nein
Wer einen von Grishams Romanen kennt und dieses Buch noch nicht gelesen hat, sollte dies schleunigst nachholen. Denn der Autor beweist hier einmal mehr, wie spannend man eine Geschichte über und um das Justizsystem der Vereinigten Staaten schreiben kann. Grisham, der zehn Jahre lang in einer eigenen Kanzlei als Anwalt, vor allem Strafverteidiger, tätig war, lässt seine Kenntnisse über das amerikanische Rechtssystem in unnachahmlicher Weise in die Geschichte einfließen.
Inhalt
Die Geschichte spielt – wie so oft bei Grisham – in Mississippi, in der Kleinstadt Biloxi an der Golfküste, die von einem Tag auf den anderen in den ganzen Vereinigten Staaten und darüber hinaus bekannt wird. Denn in Biloxi findet ein Prozess der besonderen Art statt. Celeste Wood verklagt das Tabakkonsortium »Pynex«; es geht um Produkthaftung. Denn ihr Mann Jacob war im Alter von 51 Jahren an Lungenkrebs gestorben; er hatte über dreißig Jahre geraucht, zumeist bis zu drei Schachteln pro Tag. Celeste wendet sich an den in Produkthaftungsangelegenheiten erfahrenen Anwalt Wendall Rohr, der die Sache begierig aufgreift, sich ohne Mühe die Unterstützung von Anti-Raucher-Organisationen sichert und eine formidable Gruppe von Anwälten zusammenstellt, die den Prozess wegen Schadensersatz und Schmerzensgeld vorbereiten sollen. Bisher waren solche Prozesse – insgesamt 54 an der Zahl – immer zugunsten der Tabakkonzerne ausgegangen.
Rohr hat es auf der Gegenseite mit dem gerissenen und zu allem entschlossenen Rankin Fitch zu tun, dem Beauftragten der Tabakindustrie. Fitch ist unberechenbar, lächelt nie, schläft »sogar in einem Zustand der Feindseligkeit«. Er hat die größte Kanzlei an der Golfküste beauftragt, die mit 80 Anwälten bestückte Kanzlei Whitney & Cable & White. Doch nicht nur das. Ein Schwarm von Detektiven und sonstigen Helfershelfern steht Anklage wie Verteidigung zur Verfügung. Diese haben letztlich nur eine Aufgabe: Sie sollen die auf der Geschworenenliste benannten Personen beobachten, Nachbarn befragen, ausforschen, damit sich die Anwälte ein Bild von den in Frage kommenden Geschworenen machen können, um bei der entscheidenden Auswahl der letztlich zwölf Jury-Mitgliedern möglichst viele auf die Bank zu bekommen, die in ihrem Sinne stimmen oder zumindest manipulierbar sind.
Es geht um Millionen in diesem Prozess. Und wenn Celeste Wood die Klage gewinnen sollte, käme sicherlich eine Lawine weiterer Prozesse auf die Tabakindustrie zu, die Börsenkurse kämen ins Rutschen – Fitch rechnet mit 20% Verlusten – und die Schadensersatzsummen könnten ins Unermessliche wachsen.
Ja, und dann ist dort noch einer unter den Geschworenen, Nicholas Easter, von dem weder Anklage noch Verteidigung sehr viel wissen, ein Mann, der vorgibt, eine Zeitlang Jura studiert zu haben, der offenbar gut informiert und auf den Prozess vorbereitet ist. Nicht nur er, auch andere Jury-Mitglieder fühlen sich, nachdem der Prozess mit der Vernehmung von Sachverständigen der Anklage begonnen hat, heimlich beobachtet, ja verfolgt. Richter Harkin, der in Kenntnis ähnlicher Beeinflussung von Geschworenen in vergleichbaren Verfahren, sehr viel Wert auf den Schutz der Geschworenen legt, ordnet ihre Unterbringung in einem Motel an. Doch auch das ändert nichts daran, dass einige Jury-Mitglieder ein merkwürdiges Verhalten an den Tag legen.
Aber nicht nur dies. Bei Fitch und später auch bei Rohr meldet sich eine junge Frau, die offenbar hellseherische Fähigkeiten besitzt. Sie sagt voraus, in welcher Kleidung Easter am nächsten Tag im Prozess erscheinen wird, weist Fitch nach, dass einer seiner Helfershelfer heimlich in Easters Wohnung eingedrungen und herum geschnüffelt hat, kennt Details, die eigentlich nur wenige Eingeweihte wissen können ...
Meine Meinung
Grisham legt auch in diesem Roman wieder sehr viel Wert auf eine dichte, möglichst lückenlose Beschreibung aller Umstände, die den Prozess begleiten. Seine frühere Tätigkeit als Anwalt ist sicherlich mit ein Grund dafür, wie exakt er sowohl in der Darstellung des amerikanischen Rechtssystems ist, aber auch aller Figuren, die in dem Roman eine Rolle spielen, und zwar nicht nur der Hauptfiguren, sondern auch der meisten anderen. Darin liegt eine von Grishams Stärken: Man kann sich ein gutes, oft hervorragendes Bild der Personen machen.
Seine Kenntnisse des Rechtssystems schildert der Autor nun nicht in einer Juristen oft eigenen, trocken-langweiligen, leblosen Sprache. Seine Informationen, insbesondere über das Jury-System, verbindet er mit der Praxis dieses Systems an einem konkreten Fall – und vor allem legt er den Finger in die Wunden dieses Systems. Die bestehen vor allem in der Möglichkeit der Manipulation der Jury-Mitglieder, die oft hart an die Grenzen der Legalität geht oder sie – wie in diesem Buch geschildert – überschreitet. Grisham spitzt diese Aufdeckung der negativen Seiten respektive Möglichkeiten des Jury-Systems zu, indem er in diesem Roman fragt: Kann man ein Urteil kaufen? Ist es möglich, die Mitglieder der Jury soweit zu beeinflussen bzw. unter Druck zu setzen, dass sie ein gewünschtes Urteil jenseits der Ergebnisse der Beweisaufnahme ausspricht?
Zu den Stilmitteln Grishams zählt auch (man vergleiche etwa seinen Roman »Die Jury«), dass er in einer spezifischen Weise distanziert zum Geschehen und zu den Figuren schreibt. Es scheint oft so, als habe er mit der Handlung nichts zu tun, als beobachte er Verhaltensweisen, Abläufe, Personen, mit denen er sich in keiner Weise identifiziert, als sei er ein objektiver Beobachter außerhalb und beinahe »oberhalb« aller Ereignisse. Doch diese Distanz ist nur ein (hervorragend eingesetztes) Mittel, um den Leser voll in das Geschehen zu involvieren und ihm gleichzeitig die Möglichkeit zu geben, selbst zu urteilen. Und Grisham nutzt diese Distanz, um – abseits lehrbuchmäßiger oder arroganter Pädagogik – die Dimensionen des Falls offenzulegen. Grandios!
Fazit
»Das Urteil« ist ein extrem spannender, von allerlei Wendungen geprägter Roman des Erfolgsautors mit überraschendem Ausgang und einem Thema, das fesselnder nicht abgehandelt werden könnte. Grisham gelingt es, die Schwächen eines Justizsystems und die Möglichkeiten der in diesem System handelnden Figuren plastisch zu vermitteln. Das Beziehungsgeflecht aus Recht und Gerechtigkeit, Macht und Geld überzieht Grisham nicht mit dem moralinsauren Zeigefinger oder auch nur mit der Deklamation eines ethischen Kodex hehrer Prinzipien, sondern überlässt es der Intelligenz, dem Einfühlungsvermögen und der Beurteilung des Lesers, sich ein Bild zu machen. Ein Grund mehr, warum ich diese Romane liebe.
John Grisham: Das Urteil, München 1997 (Wilhelm Heyne Verlag, Allgemeine Reihe Nr. 01/12137), 526 Seiten, 7 €, Originalausgabe: »The Runaway Jury«, New York 1996 (Verlag Bantam Doubleday Dell Publishing Group)
© Ulrich Behrens 2002
(dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in www.ciao.com unter dem Mitgliedsnamen Posdole)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-20 21:33:35 mit dem Titel John Grisham: Die Jury / Anspruchsvoll, spannend bis zum Schluss
Dass etliche der Romane von John Grisham verfilmt wurden, nimmt kaum Wunder, sind sie doch durch Spannung und ein hohes Maß sowohl an inhaltlichem Anspruch wie erzählerischer Dichte geprägt. Der 1989 erschienene Roman »Die Jury« beschäftigt sich mit dem Thema Selbstjustiz. Wenn man allerdings den Roman gelesen hat, weiß man, dass es um mehr geht: das amerikanische Justizsystem, die unterschiedliche Mentalität von Menschen in den Nord- und Südstaaten der USA, die Frage der Todesstrafe und der ungleichen Behandlung von Angeklagten aufgrund ihrer Hautfarbe.
Geschichte
Ausgangspunkt der Geschichte ist die brutale Vergewaltigung der kleinen (schwarzen) Tonya durch zwei weiße Rednecks (Ausdruck für extrem konservative, gewalttätige Menschen in den Südstaaten; ursprünglich Bezeichnung für weiße Farmer). Tonya kommt nur knapp mit dem Leben davon, ist so schwer verletzt, dass sie nie Kinder bekommen kann. Als ihr Vater Carl Lee Hailey davon erfährt, hat er nur ein Ziel vor Augen: die beiden Täter zu töten. Das erzählt er auch dem jungen Rechtsanwalt Jake Brigance, der allerdings ebensowenig wie Sheriff Ozzie Walls glaubt, dass Hailey wirklich zur Waffe greift.
Carl Lee besorgt sich bei einem ehemaligen Kriegskameraden, der inzwischen illegale Geschäfte mit Drogen, Waffen und anderem treibt, eine Schnellfeuerwaffe, versteckt sich in der Besenkammer des Gerichtsgebäudes und erschießt die beiden Täter, als sie wieder ins Gefängnis gebracht werden sollen. Dabei verletzt er auch versehentlich einen Polizisten, dem wegen der schweren Verletzungen ein Bein amputiert werden muss.
In der Kleinstadt Clanton reißen die Fronten auf. Freunde und Bekannte der beiden erschossenen Rednecks wenden sich an den längst tot geglaubten Ku-Klux-Klan; die schwarze Bevölkerung fordert Freispruch und organisiert Geldsammlungen für Hailey, der seine Verteidigung durch Brigance nicht bezahlen kann, seine Arbeit verloren und dessen Familie kaum Geld zum Leben hat. Clanton teilt sich in solche, die vollstes Verständnis für Hailey haben und andere, die seinen Tod in der Gaskammer fordern, vor allem weil er als Schwarzer zwei Weiße ermordet hat.
Für Staatsanwalt Rufus Buckley scheint die Stunde gekommen zu sein, in der er durch die Anklage gegen Carl Lee endlich vorwärtskommen kann auf dem Weg zur Wahl zum Gouverneur. Für ihn liegt der Fall so klar, dass es an einer Verurteilung zum Tode keinen Zweifel zu geben scheint. Brigance andererseits – ein grundsätzlicher Befürworter der Todesstrafe – sieht in Carl Lees Tat das, was jeder vernünftige Mann in seiner Situation getan hätte, auch er, wenn seiner kleinen Tochter so etwas angetan worden wäre.
Doch der Aufbau der Verteidigung gestaltet sich schwierig. Zum einen muss Brigance darum kämpfen, dass eine Jury zusammengestellt wird, die er von einem Schuldspruch abhalten kann, zum anderen kann er seine Verteidigung ausschließlich auf Unzurechnungsfähigkeit aufbauen. Brigance benötigt Hilfe, und die erhält er von seinem ehemaligen Chef, dem aus der Anwaltskammer vor Jahren ausgeschlossenen und alkoholabhängigen Lucien Wilbanks, einer jungen agilen Jurastudentin, die kurz vor dem Abschluss steht, aus dem Norden, Ellen Roark, und seinem Kollegen, dem Scheidungsanwalt Harry Rex Vonner, der keine Skrupel zu kennen scheint, mit allen Mitteln zu kämpfen.
Die Schwierigkeiten nehmen noch zu: Nicht nur, dass sich die NAACP, die Bürgerrechtsorganisation der Schwarzen, einmischt, um den Fall politisch auszuschlachten, indem sie u.a. Carl Lee einen von ihr ausgesuchten Staranwalt aufdrängen will. Zudem greift der Ku-Klux-Klan zur Gewalt. Und Richter Omar Noose lehnt eine Verhandlung an einem anderen Ort ab, was Brigance beantragt hatte ...
Meine Meinung
Grisham erzählt eine kompakte Geschichte mit einer derart inhaltlichen Fülle, dass Spannung bei der Lektüre dieses Romans nie ausbleibt. Trotz dieses Reichtums an Konflikten und Themen, die er anhand der Tat Haileys aufrollt, verzettelt sich die Handlung nicht in einzelnen Verästelungen. Grisham gelingt es, die einzelnen Handlungsstränge so miteinander zu verbinden, dass insgesamt ein grandioses, teilweise erschreckendes, vor allem aber dichtes und verständliches Bild der Situation in einer Kleinstadt in Mississippi entsteht.
Darüber hinaus entwirft der Autor eine differenzierte Darstellung des amerikanischen Justizsystems, das auf dem Geschworenensystem aufbaut, und seinen Problemen anhand eines derartigen Falls. Kann es eine Jury geben, die unvoreingenommen den Fall beurteilt? Welche persönlichen Mentalitäten haben in welcher Weise Einfluss auf die Entwicklung des Prozesses? Welche Interessen spielen eine Rolle? Selbstjustiz ist aus gutem Grund verboten; doch welche anderen Umstände müssen zur Beurteilung eines solchen Akts herangezogen werden? Wie reagieren die Menschen auf diese Tat in einem County, in dem die Weißen einen Anteil von über 70% an der Bevölkerung ausmachen?
Grisham zeichnet von Kapitel zu Kapitel die verschiedenen Charaktere der Beteiligten – vor allem von Carl Lee, Brigance, Noose, Ellen Roark, Harry Vonner, Buckley, Wilbanks – differenzierter, exakter, feiner. Seine Figuren beschreibt er einerseits aus der Distanz des Erzählers, der sich kein Urteil über ihr Verhalten anmaßt, einzige Ausnahme vielleicht Staatsanwalt Buckley, den Grisham als zwar intelligenten, aber eingebildeten Emporkömmling zeichnet, dem das Mitgefühl für andere gänzlich abhanden gekommen zu sein scheint. Doch andererseits ist Grisham hautnah dran, wohl auch als jemand, der sich – selbst früher Anwalt – sein Leben lang mit der Fragwürdigkeit der Todesstrafe auseinander gesetzt hat.
Spannend mit »anzusehen« ist auch, wie ganz unterschiedliche Figuren an der Verteidigung Haileys arbeiten: Brigance, der prinzipiell für die Todesstrafe ist, gegen die anwaltliche Konkurrenz großer Kanzleien bestehen muss, ein typischer weißer Südstaatler, aber kein Rassist; Ellen, die emanzipierte Kämpferin gegen die Todesstrafe, aus den Nordstaaten, intelligent, engagiert, witzig, schlagfertig, die sich durch nichts provozieren lässt; Wilbanks, dem Alkohol verfallen, oft aufbrausend, egoistisch, der aber dennoch irgendwie auf seiten der Gerechtigkeit steht und dabei meistens die Situation realistisch einschätzt; Harry Rex, viermal verheiratet, viermal geschieden, ein hinterlistiger, mit allen Wassern gewaschener Scheidungsanwalt; Sheriff Walls, der Carl Lee im Gefängnis sitzen hat, innerlich mit ihm sympathisiert ...
So entsteht ein komplexes, kompliziertes Bild einer Gesellschaft, die sich vor ein letztlich unlösbares Problem gestellt sieht: Übergibt sie Carl Lee der Gaskammer, wird ein Mann hingerichtet, der so gehandelt hat, wie fast alle anderen in seiner Situation auch gehandelt hätten. Spricht sie ihn frei, kommt dies der Legalisierung von Selbstjustiz gleich. Eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe kommt bei einem Schuldspruch aus gesetzlichen Gründen nicht in Frage.
Ein Lob auch der deutschen Übersetzung durch Andreas Brandhorst, an der ich nichts auszusetzen habe.
Fazit
Wenn ich den Roman mit der Verfilmung von Joel Schumacher (»A Time To Kill«, 1996) vergleiche, so kommt zwar einiges von der Dichte des Romans in dem Streifen zum Ausdruck. Doch die Unterschiede sind immer noch eklatant. Grisham hat die Fähigkeit, ein kompaktes Bild einer Situation, einer Gesellschaft, eines Falls und seiner Entwicklung geradezu zu zaubern. Dadurch bleibt die Spannung, wie die Geschichte ausgeht, zwar weiterhin vorhanden; aber viel interessanter und fesselnder ist, was vorher geschieht.
John Grisham: Die Jury, München 2001 (Taschenbuchausgabe, zusammen mit »Die Kammer«, Heyne Allgemeine Reihe Nr. 01/13495, 1292 Seiten), 622 Seiten, Wilhelm Heyne Verlag München, 10 €; ISBN 3-453-19928-6; dt. Erstauflage München 1992, Originaltitel: »A Time To Kill«, 1989
© Ulrich Behrens 2002
(dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in www.ciao.com unter dem Mitgliedsnamen Posdole)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-21 20:31:22 mit dem Titel Christoph Haas, Almodóvar. Kino der Leidenschaften
Wer sich für den spanischen Regisseur Pedro Almodóvar und seine Filme näher interessiert, kann in dem hervorragenden Band»Filmen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Gespräche mit Frédéric Strauss«, Frankfurt 1998, einiges über die Hintergründe des Werkes vom Regisseur selbst erfahren. Zudem gibt es ein weiteres informatives Buch, das der Germanist und Romanist Christoph Haas (der auch Beiträge zu Bruce Willis, Stanley Kubrick sowie für »Merkur« und »epd-Film« geschrieben hat) 2001 verfasst hat.
Inhalt
Haas Buch gliedert sich u.a. in fünf Abschnitte, in denen er Almodóvars Filme nach verschiedenen Themenbereichen gliedert und interpretiert. Er befasst sich darin mit allen Filmen des Regisseurs, die im Kino liefen, von »Pepi, Luci, Bom und andere Mädchen vom Haufen« (1980) bis »Alles über meine Mutter« (1999). Am Schluss des Bandes findet man eine Filmografie mit allen, auch den nicht kommerziellen Filmen aus den 70er Jahren sowie kurzen, aber prägnanten Inhaltsangaben zu allen Kinofilmen. Ein ausführliches Literaturverzeichnis erschließt weitere Quellen zum Werk Almodóvars, u.a. Internet-Adressen, Aufsätze über den Regisseur, dessen eigene Schriften, Interviews, Porträts und Drehberichte. Den Abschluss des Bandes bildet ein Titel- und Personenregister.
Der Band ist reich bebildert, vor allem mit Szenenfotos und Aufnahmen von Dreharbeiten. Die Qualität der Schwarz-Weiß-Fotos ist nicht besonders gut, aber erträglich.
In die Filminterpretationen eingeflochten sind an verschiedenen Stellen kurze Spotlights zu Schauspielern, die mehr oder weniger oft mit Almodóvar gedreht haben, u.a. zu Julieta Serrano, Carmen Maura, Antonio Banderas, Marisa Paredes, Veronica Forqué, Chus Lampreave und Rossy de Palma. Ebenso finden sich zahlreiche, beispielhafte Ausschnitte aus Dialogen.
Meine Meinung
Haas zitiert Almodóvar am Anfang mit folgenden Worten: »Ich bin in der Mancha geboren und habe da acht Jahre gelebt. Diese ersten Jahre haben mir klargemacht, dass ich die Gegend nicht liebe und da nicht leben möchte und alles, was ich im Leben täte, das Gegenteil dessen sein würde, was ich in der Mancha gesehen habe – die Art der Leute dort, zu leben, zu denken, zu sein« (S. 11). Die Mancha – das ist für Almodóvar vor allem der Inbegriff des Machismo und des mit dem Frankismus eng verbundenen Katholizismus. Aber letzterer ist für ihn nicht nur ein Phänomen der Macht, sondern Almodóvar entdeckt Affinitäten von religiöser und erotischer Ekstase, mit denen er sich vor allem in Filmen wie »Das Kloster zum heiligen Wahnsinn« und »Das Gesetz der Begierde« später auseinander setzen sollte.
Haas schildert, wie Almodóvar nach Madrid geht, dort sich fast besessen mit Filmen, Filmgeschichte, dem phantastischen Realismus lateinamerikanischer Autoren befasst, das Kleinbürgertum der Großstadt kennen lernt, vor allem aber auch die Subkultur, die in fast allen seinen Filmen eine bedeutende Rolle spielt. Die Großstadt ist für Almodóvar nicht nur der Kontrapunkt zur Mancha, zum Land, zur Provinz, zum Frankismus, zum Katholizismus und zur Enge; er »propagiert« geradezu die Großstadt in all ihren Segmenten, ihrer Differenzierung, aber nicht durch Verherrlichung, sondern in durchaus extrem analytischer Absicht.
Ist die Großstadt die räumliche, so sind die Frauen die lebendige »Waffe« in Almodóvars Filmen – die Frauen, die im Widerspruch und Widerstand gegen den Machismo über Jahrzehnte eine enge, ausgeprägte, verbindliche, fast natürlich-liebevolle Solidarität entwickelt hatten, die im Spanien nach Franco weiter lebte, auch in den Städten. Frauen, die weinen, die interessierten den Regisseur schon immer, nicht nur, dass sie weinen, sondern vor allem warum, die Geschichte, die dazu führte.
Haas kritische Würdigung des Werks Almodóvars hier wiederzugeben, ist nicht möglich. Daher nur einige Aspekte: Er macht deutlich, dass sich bestimmte Motive, Handlungsstränge, Absichten in allen Filmen wiederfinden. Almodóvar geht es um die Familie, aber nicht die klein- oder großbürgerliche Familie. Er verknüpft die Solidarität der Frauen mit der Frage, ob Familie und wie Familie in einem weiteren Sinne als in der klassischen Familie(en-Ideologie) möglich ist. Zentral – vor allem in »Alles über meine Mutter« wird dies greifbar – sind dabei die Fragen nach Festhalten- und Loslassen-Können sowie nach Verfügbarkeit und Offenheit. In »Alles über meine Mutter« verliert Manuela (Cecilia Roth) ihren Sohn, reist in ihre Vergangenheit zurück, hilft einer ihr völlig fremden Frau, Rosa (Penelope Cruz), und als die stirbt, nimmt sie deren Baby auf und kehrt nach Madrid mit ihrem neuen Sohn zurück. Dieser Weg zwischen Verlust und Gewinn ist ein Gang durch die Hölle und den Himmel.
Die filmischen Instrumente gleichen den inhaltlichen Schwerpunkten: Die Verlagerung von Handlungen aus ihren im wirklichen Leben bestehenden Zusammenhängen in ganz andere, vor allem der der Subkultur, hat weniger transzendente Bedeutung. Das »Übertriebene« dieser Translokation dient der Verdeutlichung des Geschehens:
»›Alles über meine Mutter‹ markiert eine neue, überraschende Wendung in Almodóvars Aneignung des Religiösen. In ›Das Kloster zum heiligen Wahnsinn‹ dient der Rückgriff auf die religiöse Bildlichkeit und Symbolik der Heiligsprechung säkularer Emotionen. In ›Kika‹ ist die Heldin bereits von ungewöhnlicher Bereitschaft, auf ihre Mitmenschen einzugehen, erfüllt; dazu hat sie die Fähigkeit, einen Toten zweimal zum Leben zu erwecken. In ›Alles über meine Mutter‹ triumphiert dann eine spezifische Art von Solidarität, für die es, bei aller von Almodóvar gewohnten Drastik und Komik, nur noch ein altmodisches Wort gibt: Nächstenliebe« (S. 156) – wobei ich diese Entwicklung nicht so überraschend finde wie Haas.
Die schicksalhaften Verstrickungen der bis ins Detail konstruierten Figuren Almodóvars in die Abgründe von sozialen Netzwerken, in denen ihnen der Zugang zum Leben abgeschnitten wird, ist ein zentrales Moment seiner Filme. In »Alles über meine Mutter« erzählt der Regisseur in dieser Deutlichkeit zum ersten Mal nicht nur von diesen »schrecklichen Schnitten«, sondern auch »von der Notwendigkeit, immer von neuem mit der Arbeit des Verknüpfens zu beginnen« (S. 156).
Fazit
Haas Buch ist keine populärwissenschaftliche Darstellung, aber auch keine schwer zugängliche oder gar elitäre wissenschaftliche Analyse. Voraussetzung für ein tieferes Verständnis ist sicherlich, dass man vor Lektüre des Buches zumindest ein, zwei Filme des spanischen Regisseurs gesehen hat. Haas Interpretationen vermitteln einen phantastischen Zugang zum Werk, sie sind engagiert geschrieben, zeugen von emotionaler Verbundenheit wie philosophisch-historischem Verständnis.
Ich kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen und schließe mit einem Zitat von Almodóvar, das auch Haas am Ende seiner Ausführungen anführt: »Die Sprache des Kinos besteht aus Bildern, die in die Zukunft reisen, auch wenn die Geschichten, die wir erzählen, in die Vergangenheit tauchen« (S. 162). Almodóvar ist ein Meister dieses Kinos und Haas hat sich um die Vermittlung seines Werks wirklich verdient gemacht.
Christoph Haas, Almodóvar. Kino der Leidenschaften, Hamburg / Wien 2001, Europa Verlag, ISBN 3-203-84119-3, 188 Seiten, Preis: 16,90 €
© Ulrich Behrens 2002
(dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in www.ciao.com unter dem Mitgliedsnamen Posdole)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-21 20:27:57 mit dem Titel Almodóvar: Filmen am Rande des Nervenzusammenbruchs
Im Frühjahr lief im Friedrichsbau-Kino in Freiburg eine Werkschau des spanischen Regisseurs Pedro Almodóvar mit allen seinen bisher dreizehn Kinofilmen. Almodóvar hat gerade seinen neuesten Film »Hable con ella« (englischer Titel: »Talk To Her«) fertiggestellt, der in den spanischen Kinos bereits angelaufen war und in Deutschland gerade gezeigt wird.
Um sich einen Eindruck über Almodóvars Filme zu verschaffen, die alle in engem Zusammenhang zueinander stehen, lohnt sich ein Blick in das erstmals 1994 erschienene Buch »Filmen am Rande des Nervenzusammenbruchs«, in dem alle Filme bis auf »Alles über meine Mutter« aufgenommen sind.
Das 247 Seiten starke Buch besteht ausschließlich in Interviews, die der französische Filmkritiker und Mitarbeiter von »Cahiers du Cinéma«, Frédéric Strauss, mit dem spanischen Regisseur geführt hat. Diese Interviews sind chronologisch entlang der Filme von »Pepi, Luci, Bom und andere Mädchen aus dem Haufen« (1980) bis »Live Flesh« (1997) geführt, d.h. zu jedem Film verrät Almodóvar Interessantes über das Zustandekommen der Filme, seine Ideen, die Produktionsbedingungen, die persönlichen und gesellschaftlichen, die politischen Hintergründe für den Film, die Aufnahme der Streifen in der Öffentlichkeit, seine Interpretationen, die Schauspieler, die Dreharbeiten, die formale Einordnung der Filme, die Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Ideen Almodóvars und und und. Die Gesprächsteilnehmer gehen dabei oft ins Detail, sprechen über einzelne Szenen und ihre Interpretation usw.
Ergänzt werden diese in den Jahren 1992/93, 1995 und 1997 geführten Interviews durch einen Bildteil mit Szenen aus den Filmen, eine Filmografie mit kurzen, prägnanten Inhaltsangaben sowie einem Stichwort- und Personenregister.
Meine Meinung
Das Buch (respektive die Interviews) liest sich spannend wie ein Roman. Eine komprimierte Zusammenschau der Gespräche ist in einer Besprechung unmöglich. Aber was mir nach der Lektüre des Buches und natürlich dem Genuss aller seiner Kinofilme deutlich wurde, kann ich vielleicht folgendermaßen zusammenfassen:
Kein anderer Regisseur macht Filme wie Pedro Almodóvar: Eigene Filme, eigensinnige Filme, eigenwillige Filme, eigenartige Filme. »Ich glaube, wenn alle Filmer wirklich die Filme machten, die sie machen möchten, wären sie origineller«, äußert er in dem Buch. Und genau dies trifft auf seine Arbeit zu.
Und der Zuschauer? Er kann sich diese Filme im wahrsten Sinn des Worts zu eigen machen. Almodóvars Filme haben den phantastischen Vorteil, dass sie viele Interpretationen zulassen. Almodóvar selbst äußert im Gespräch, jede Interpretation seines Werks sei legitim, auch wenn er natürlich nicht jede teile. Sein Werk regt förmlich zur Phantasie im nicht-luftleeren Raum an. Es ist witzig, spritzig, dramatisch und provokant zugleich. Es zieht an, ist Komödie und Drama in einem. Es verlagert Handlungen und Verhalten von ihrem angestammten Kontext in einen ganz anderen Zusammenhang, ohne dabei ins Absurde zu verfallen. Die Geschichten bleiben am Rande der Absurdität, überschreiten diese Grenze aber nie. Auch das machen die Gespräche mit Strauss deutlich.
Im Zentrum seiner Filme stehen zumeist Frauen, Frauen die weinen, und die Geschichte, die dazu geführt hat, dass sie weinen. Im Mittelpunkt stehen damit aber zugleich Männer, so wenig sie in diesen Filmen zumeist auch auf der Bühne erscheinen mögen. Das Leben in der La Mancha, aus der Almodóvar stammt, ist ihm ein Gräuel gewesen, das alte Spanien, das Franco-Spanien mit seiner rigiden erzkatholischen, lustfeindlichen, und nicht zuletzt eben frauenfeindlichen Mentalität.
Almodóvar zeigt in seinen Filmen die Solidarität, aber nicht die äußerliche, proklamierte, das heißt letztlich nur eine Hülle, sondern die gelebte, die aus der alten Zeit stammende, in ihr entwickelte, von Frauen entwickelte, spontane, unverblümte, kurz praktische Solidarität, die als Abwehr der Frauen gegen den Machismo entstand. Über seinen Filmen könnte auch stehen: Wie kann sie aussehen, die praktische und praktizierte Solidarität der Geschlechter in einer anderen Form der Familie als der klassischen, die dem alten System verhaftet ist. Besonders in seinem bislang letzten Film »Alles über meine Mutter« wird dies mehr als deutlich.
Almodóvars Filme machen Spaß, sind Ernst, verschaffen Lust, regen zum Denken an, sind schwierig, lassen keine Fluchtwege – kurz: sie sind phantastisch. Sie verzichten auf Verurteilung und Abwertung, sie sind bei aller Kritik eben selbst in einer zutiefst mitfühlenden Art solidarisch.
All dies ist auch Thema im Gespräch mit Strauss. Dabei ist Almodóvar keineswegs zu einem jener Regisseure geworden, die sich im Glanz ihres Erfolgs auf einen Sockel gestellt haben. Wie hieß es so schön in »Das Gesetz der Begierde«?
»Bewunderin: Ich habe alle deine Filme gesehen. Allein heute habe ich ›Das Paradigma der Muschel‹ dreimal gesehen. Um vier Uhr, um sieben und um elf.
Pablo (Filmregisseur): Hat es dir gefallen?
Bewunderin: Ja, beim zweiten Mal hat es mir gefallen, aber weniger als ›Remake‹ beim ersten Mal.
Pablo: Und ›Arschkopf‹ beim fünften Mal?
Bewunderin: Weniger als ›Remake‹ beim ersten Mal, aber mehr als ›Alitosi‹ beim dritten Mal. Und welcher von deinen Filmen ist dir selbst der liebste?
Pablo: Weißt Du, ich drehe meine Filme gern, aber hinterher kann ich sie nicht mehr ertragen«.
Fazit
Für Liebhaber der Filme Almodóvars ist das Buch fast ein Muss. Es erschließt die Gefühlswelt und die Mentalität eines Regisseurs und darüber hinaus einen Gutteil spanischer Geschichte der letzten Jahrzehnte, die in Almodóvars Filmen immer eine mehr oder wenig offene Rolle spielt.
Pedro Almodóvar: Filmen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Ein Gespräch mit Frédéric Strauss, Frankfurt am Main 1998, Verlag der Autoren, ISBN 3-88661-192-2.Titel der Originalausgabe: »Pedro Almodóvar, Conservations avec Frédéric Strauss«, Editions de l’Etoile / Cahiers du Cinéma, 1994, 1995, und 1997. Aus dem Französischen von Frieda Grafe und Enno Patalas. 247 Seiten, Preis: 20 €
© Ulrich Behrens 2002
(dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in www.ciao.com unter dem Mitgliedsnamen Posdole) weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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XXLALF, 01.12.2009, 10:43 Uhr
Bewertung: besonders wertvoll
alle achtung, wahnsinnsbericht, nicht nur in der länge, sondern auch vom inhalt. super toll und ich frage mich, wieso keiner der leser vor mir diesen bericht mit bw bewertet haben. und ganz liebe grüße
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Das etwas andere Buch von Stephen King
Pro:
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Kontra:
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Empfehlung:
Nein
Ich muß zunächst einmal sagen, daß ich mal ein riesengroßer Fan von Stephen King war und seine Bücher regelrecht verschlungen habe. Die letzten 2 oder 3 Jahre war ich aber doch manchmal enttäuscht, weil einfach nichts neues vom Stil her kam. Man wußte schon nach den ersten 10 Seiten, wie das Ende aussieht. Trotzdem kaufe ich mir nach wie vor alle Bücher, die auf den deutschen Markt kommen, so auch Mädchen von Stephen King. Ich gab die Hoffnung ja nicht auf, daß seine Romane vom Stil her wieder interessanter werden. Ich habe das Buch jetzt schon seit knapp einem Jahr Zuhause liegen, kam aber bis jetzt nicht dazu, das Buch zu lesen. Ich lese eigentlich alles und werde immer von der Familie mit Büchern eingedeckt. Auf jeden Fall war jetzt endlich Das Mädchen an der Reihe.
Nach den ersten Seiten war ich total positiv überrascht. Ich erkannte Stephen King nicht wieder. Eigentlich hat er ja so seine eigene Art Romane zu schreiben, aber das Buch tanzte zum positiven aus der Reihe. Der Stil war nicht nur spannend und fesselnd geschrieben, sondern ich konnte mich das erste mal bei einem Stephen King Buch in die Situation der Hauptperson wirklich hineinversetzten.
Aber jetzt zu der Story selbst:
Es geht um das neunjährige Mädchen Trisha, die mit Ihrer geschiedenen Mutter und dem vierzehjährigen Bruder Pete eine Waldwanderung in den USA macht.
Pete und die Mutter streiten sich die ganze Zeit und bemerken nicht, daß Trisha kurz den Weg verläßt um pinkeln zu gehen. Trisha entfernt sich immer weiter vom Weg, weil sie denkt, solange sie den Weg sieht, sehen auch andere Spaziergänger sie. Ihr wird erst eine ganze Zeit später bewußt, daß sie sich verlaufen hat. Hunger und Durst, Mückenschwärme und wilde Tiere, Einsamkeit und Dunkelheit sind nicht ihre einzigen Begleiter....
Ich möchte Euch natürlich auch nicht zuviel verraten, aber eines kann ich Euch auf jeden Fall sagen. Das Buch ist wirklich sehr spannend geschrieben und ich kann nur auch jedem nicht Stephen King Fan das Buch empfehlen. Die Sachen, die dem Mädchen passieren, sind so detailgetreu geschrieben, daß man wirklich starke Nerven haben muß.
Viel Spaß beim lesen wünscht Euch Daniela
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-12 10:37:02 mit dem Titel Dean Koontz - Stimmen der Angst
Das ich eine totale Leseratte bin, wissen sicherlich schon einige von Euch. Diesmal bin ich bei Dean Koontz - Stimmen der Angst gelandet. Das Buch ist im Genre Thriller angesiedelt. Mit 767 Seiten ist das Buch wohl nur was für ausdauernde Leser. Vor allem da das Buch zwar sehr gut, aber schwer geschrieben ist. Macht man zu lange Pause, oder hat nicht die Möglichkeit wirklich intensiv zu lesen, dass man z.B. durch seine Kinder häufiger unterbrochen oder abgelenkt wird, kommt man nicht mehr mit.
Nun aber zum Inhalt:
Ein einziger Tag zerstört das glückliche Eheleben von Martie und Dusty Rhodes. Aus heiterem Himmel überfällt Martie schreckliche Angst. Sie fürchtet sich vor Ihrem eigenen Schatten und vor Ihrem Spiegelbild. Panisch entfernt sie sämtliche scharfen Gegenstände und Messer aus dem Haus um zu verhindern, dass die grausamen Fantasien in Ihrem Kopf sie zu einem Mord treiben. Marties Ehemann Dusty Rhodes hofft auf Hilfe durch Doktor Ahriman, einem renommierten erfolgreichem Psychiater.
Aber dann muss Dusty Rhodes feststellen, dass dessen Hypnosesitzungen einem ganz anderen Zweck dienen, als der Heilung von Kranken. Dusty Rhodes ist ratlos. Welche Rolle spielt Doktor Ahriman wirklich? .....
Ich möchte Euch jetzt natürlich nicht alles verraten, aber ich kann jedem Leser dieses Buch wirklich nur empfehlen, auch wenn es sehr schwer geschrieben ist. Das Buch ist so fesselnd, das ich bis mitten in die Nacht gelesen habe. Man merkt garnicht wie schnell die Zeit vergeht. Obwohl ich behaupte, das ich eine gute und eigentlich auch schnelle Leserin bin, habe ich knapp eine Woche für das Buch gebraucht.
Da ich gerne und sehr viel lese, bin ich Mitglied bei Der Club (Bertelsmann) von dort habe ich das Buch auch für 18,00 Euro bezogen. Als Taschenbuch ist es, soweit ich weiß noch garnicht raus und kann Euch auch deswegen dafür keinen Preis nennen. Vom Preis-Leistungsverhältnis finde ich die 18,00 Euro OK.
Ich werde das Buch auf jeden Fall in einiger Zeit nochmal lesen. Stellenweise habe ich immer noch nicht so ganz die Zusammenhänge verstanden, hoffe aber, dass ich es beim zweiten Male verstehe.
Dann wünsche ich Euch viel Spaß beim lesen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-24 19:57:22 mit dem Titel Der dritte Zwilling - Ken Follet
Das ich eine totale Leseratte bin, wissen hier sicher schon einige. Jetzt bin ich mal bei Ken Follet gelandet. Bis jetzt ist es das einzige Buch, welches ich von ihm gelesen habe, aber das wird sich jetzt ändern. Für mich persönlich gehört dieses Buch zu den besseren, die ich in der letzten Zeit gelesen habe! Besonders junge Menschen können sich mit den Hauptfiguren sehr gut identifizieren. So zittert man als Leser mit ihnen bis zur letzten Seite. Spannung pur und eine schöne Liebesgeschichte sind garantiert!!! Aber nun zu der Geschichte:
Gibt es Menschen, die einander vollständig gleichen, bis in die kleinste Zelle?
Jeannie Ferrami, eine ehrgeizige junge Wissenschaftlerin, die sich mit der Entstehung kriminellen Verhaltens befaßt, stößt bei ihren Forschungen auf ein solches Paar genetischer Zwillinge. Der eine, Steve, ist ein liebenswerter, fleißiger und ehrlicher Mann, der andere sitzt als Mörder im Gefängnis. Dann wird eine junge Studentin vergewaltigt und Steve aufgrund genetischer Untersuchungen eindeutig als Täter identifiziert.
Es kann doch nicht sein, daß dieser makellose Mann schuldig sein soll. Gibt es noch einen dritten Zwilling? Hier erscheinen die wahren Bösewichte auf der Bildfläche, drei alte Kameraden aus der Nixon-Ära, die sich seit Jahrzehnten abmühen, in den USA die Rassenreinheit zu sichern. Schlimm genug, daß einer der Verschwörer Dr. Ferramis Vorgesetzter ist, aber einer der anderen hat es sogar auf das Amt des Präsidenten abgesehen. Die junge Professorin ist auf ein Geheimnis gestoßen, das sie alle ruinieren könnte. Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis unser Pärchen ganz schön Probleme bekommt.....
Dieses Buch macht einem klar, welche Gefahren unserere Zukunft bergen könnte. Genforschung ist kein Spielzeug und so ist es mit vielen anderen technischen Errungenschaften. Zudem lässt es einen darüber nachdenken, wieviel die Wissenschaft möglicherweise schon kann, es aber nicht an die Öffentlichkeit preis gibt. Wer weiss, vielleicht laufen schon richtige Clons herum?
Ich habe bei Der Club (Bertelsmann) 17,90 Euro für die gebundene Ausgabe bezahlt. Man kann aber mittlerweile auch das Taschenbuch für ca. 9,00 Euro erwerben.
Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-29 06:46:59 mit dem Titel Leon Uris - Exodus
Heute möchte ich Euch ein Buch vorstellen, welches ich bestimmt schon seit 10 Jahren besitze und schon zig mal gelesen habe. Ich kann schon garnicht mehr zählen wie oft. Ich denke so ca. einmal im Jahr, also ungefähr 10 mal gelesen.
Wahre Geschichten, so auch die Judenverfolgung haben mich schon immer fasziniert, aber das Buch hat bei weitem alles übertroffen, was ich sonst gelesen habe. Ich habe eigentlich nicht sehr nah am Wasser gebaut :-), aber bei dem Buch kommen mir jedesmal die Tränen. Aber nun zu dem Inhalt:
Leon Uris erzählt in seinem Roman Exodus die Geschichte über den langen, gefährlichen und sehr steinigen Weg zur Geburt des Staates Israel. Verpackt ist diese Geschichte in eine Liebesgeschichte zweier Menschen, die aus völlig verschiedenen Welten kommen. Auf der einen Seite die wohlbehütet aufgewachsene amerikanische Krankenschwester Kitty Fremont, der Juden eher unheimlich sind und auf der anderen Seite Ari Ben Kanaan, ein jüdischer Freiheitskämpfer des Mossad, dessen Vater ein russischer Jude ist, welcher aus seiner Heimat flüchten musste und sich zusammen mit seinem Bruder auf dem Gebiet des heutigen Israel eine neue Existenz erkämpft hat.
Kitty lässt sich von Ben Kanaan überreden, in einem jüdischen Auffanglager auf Zypern auf der Krankenstation zu arbeiten. Dort wird sie mit dem Schicksal verschiedener Juden konfrontiert. Ben Kanaan plant die Flucht von 200 Kindern aus dem Lager in das - von Engländern besetzte - Gebiet des heutigen Staates Israel.
Ob das Schiff, die Exodus es tatsächlich bis in das Gelobte Land schafft, und ob die beiden Hauptpersonen, Ari Ben Kanaan und Kitty Fremont, tatsächlich zueinander finden, solltet Ihr besser selbst herausfinden.
Wer sich für jüdische Geschichte und die des Staates Israel interessiert, sollte dieses Buch unbedingt lesen!
Leon Uris ist es mit Exodus gelungen DEN jüdischen Roman zu schreiben. Ein Buch das bewegt, aufklärt und einen verstehen lässt, was Israel als jüdischer Staat bedeutet und wie es dazu kam. Dieser Roman war niemals aktueller als heute, denn gibt er nicht nur Einblick in Israels politische Geschichte sondern auch in die Seele der Menschen die diesen Staat bis zum heutigen Tag zu dem gemacht haben was er ist.
Ich habe das Buch damals geschenkt bekommen, daher weiß ich nicht, was es damals gekostet hat. Ich habe es als gebundenes Buch. Es gibt es aber mit Sicherheit auch als Taschenbuch.
Heutzutage bestelle ich ja immer bei Der Club (Bertelsmann). Dort gibt es aber dieses Buch nicht, deswegen kann ich Euch auch keinen heutigen Preis nennen.
Ich denke aber, wer gerne liest, vor allem wahre Geschichten, den interessiert der Preis eines Buches nicht besonders. So geht es mir zumindest. Wenn mich der Inhalt interessiert, ist es mir fast egal, welcher Preis drauf steht.
Ich wünsche Euch viel Spaß beim lesen und hoffe, daß Euch das Buch genauso bewegt, wie mich.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-12 12:13:41 mit dem Titel Reader´s Digest Auswahlbücher - Bestseller Sonderband
Wie Ihr bereits wisst, bin ich eine totale Leseratte. Diesmal bin ich bei meinen Eltern im Keller über ein Buch gestolpert, welches ich Euch nur empfehlen kann. Ich glaube allerdings nicht, das es noch auf dem Markt erhältlich ist. Laut meiner Mutter lag das Buch mindestens seit 15 Jahren im Keller im Karton.
Wenn ich nicht per Zufall das Inhaltsverzeichnis gelesen hätte, hätte ich es eigentlich auf den Trödel gebracht. Vom Aussehen her ist das Buch total unscheinbar. Wie man es von alten Büchern kennt, ist das Buch im roten Hardcover mit goldener Schrift.
Aber nun zum Inhalt:
In diesem Reader´s Digest Sonderband sind 4 gekürzte Romane zusammengefasst. Würde das Wort gekürzt nicht in dem Vorwort stehen, hätte ich es gar nicht bemerkt.
Roman 1: Die Hölle im Schnee von Richard Martin Stern
Ein gnadenloser Schneesturm rast über Neumexiko. Für sechs Menschen in einer Felshöhle wird er zur Bewährungsprobe in dem erbitterten Kampf gegen die Naturgewalten……
Ein wunderschönes Drama, welches bis zur letzten Seite spannend bleibt.
Roman 2: Die Söhne des Krieges von Hans Blickensdörfer
Zwischen die Fronten geraten ist in diesem sehr menschlichen Kriegsroman gegen den Krieg eine Handvoll Deutsche und Russen 1941/1942 vor den Toren Moskaus.
Obwohl ich eigentlich weniger gerne Kriegsromane lese, hat mir dieser doch sehr gut gefallen.
Roman 3: Sieg über die Nacht von Roger Bourgeon
In den französischen Alpen spielt sich dieses Drama ab, in dem ein Blinder um die Aufnahme in die Welt der Sehenden kämpft.
Ich konnte mir vorher nicht vorstellen, wie schwer es Blinde wirklich haben. Sehr detailgetreu geschrieben.
Roman 4: Der Kunstfehler von Henry Denker
Für den mächtigen Industriellen durfte nur einer daran schuld sein, dass der ersehnte Enkel weder lachen noch spielen konnte. Im wütenden Kampf zwischen Prestige und ärztlicher Ethik droht die Existenz eines jungen Arztes zugrunde zu gehen.
Dieser Roman ist der einzige, der mir nicht ganz so gut gefiel, weil das Ende doch zu offensichtlich ist.
FAZIT:
Komplett gesehen kann ich Reader´s Digest Bücher nur empfehlen. Ich werde auf jeden Fall auf dem Trödel ein Auge offen halten.
Wenn ich das Buch benoten müsste, würde ich eine 2+ geben.
Über den Preis kann ich wie gesagt nichts sagen.
Ein vergaß ich noch. Zu jedem Roman sind mitten in der Geschichte 2 bis 4 farbige Bilder abgebildet, die eindeutige Momente der Story zeigen.
Dann wünsche ich allen Leseratten (und solchen die es werden wollen) viel Spaß beim lesen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-31 15:19:34 mit dem Titel Ken Follet - Die Säulen der Erde
Ich habe es endlich mal wieder geschafft ein Buch fertig zu lesen. Irgendwie kam ich in den letzten Tagen nicht richtig dazu. Wie Ihr wißt, verschlinge ich eigentlich jede Woche mindestens ein Buch, diesmal hat es mal etwas länger gedauert, was aber nicht an dem Buch selbst gelegen hat. So aber nun zum Inhalt:
Kurzbeschreibung
England in den Jahren 1123 - 1173. Eine Zeit blutiger Auseinandersetzungen zwischen Krone und Adel, Klerus und Volk. Der junge Prior Philip träumt von einem Zeichen des Friedens, einer gotischen Kathedrale. Doch bis dieser kühne Traum Wirklichkeit geworden ist und in Kingsbridge das großartige Gotteshaus endlich emporragt, müssen der Klosterherr, sein Baumeister Tom und die Grafentochter Aliena sich in einem Kampf auf Leben und Tod gegen ihre Widersacher behaupten.
Meine Meinung
Wow!!
Das ist das Erste, was mir zu diesem Roman einfällt. Ich hab mich ja lange gesträubt dieses Buch zu lesen. Die Kurzbeschreibung auf dem Buchrücken sagte mir eigentlich garnicht zu, außerdem war es kein Buch aus meinem Lieblingsgenre: Thriller. Auf historische Romane stehe ich eigentlich garnicht. Dennoch wagte ich es vor kurzem das Buch anzufangen. Ich mußte mich mit Gewalt dazu zwingen, es aus der Hand zu legen. Sonst hätte ich in den letzten 14 Tagen überhaupt kein Schlaf bekommen.
Zu sehr sind mir die Hauptfiguren ans Herz gewachsen und zu sehr hab ich mitgefiebert, wie sie wohl das nächste Hindernis, bzw. die nächste Intrige der zahlreichen Antagonisten meistern würden.
Das einzige Übel waren die 2-3 krassen Zeitsprünge, der letzte sogar um knapp 15 Jahre, so dass man besonders gegen Ende das Gefühl hatte, wichtige Ereignisse im Leben der Protagonisten verpasst zu haben. Außerdem kommt der Eindruck auf, Ken Follett wollte den Roman nach weit über 1000 Seiten endlich zum Abschluss bringen, auf den letzten Seiten überschlagen sich die Ereignisse auf dehnen keine Spur mehr von der detaillierten Erzählung der vorherigen Seiten zu sehen ist.
Trotzdem ist dies einer der besten Romane, die ich bisher gelesen habe und sicherlich der beste (aber auch der Erste) historische Roman.
Damit jetzt kein falscher Eindruck entsteht, ich lese nicht nur Thriller, sondern habe auch schon Romane aus sämtlichen Genres gelesen.
Fazit
Die Geschichte um den Bau der großen Kirche mit seinen interessanten Charakteren vermittelt einen bestechenden Einblick in das Geschehen jener Zeit. Ob die Tatsachen allerdings stimmen, weiß ich nicht, aber faszinierend ist das Werk allemal und somit unbedingt ein Buch erster Wahl!
Das Buch habe ich von meiner Schwiegermutter geliehen bekommen, ich weiß aber von Bertelsmann her, das das gebundene Buch 19,95 Euro kostet.
So, dann wünsche ich Euch viel Spaß beim lesen. weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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moniseiki, 11.12.2007, 15:59 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
***-SH-***-LESEN UND GELESEN WERDEN---Liebe grüße moniseiki
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Jostein Gaarder-durch einen Spiegel in einem dunklen Wort
Pro:
spannend, unterhaltsam
Kontra:
zum Ende hin etwas abfallend
Empfehlung:
Nein
Die Welt in einem anderen Licht
Wir weinen, wenn etwas traurig ist. Und wir vergießen auch gern über etwas Schöne eine Träne. Wenn etwas witzig oder hässlich ist, lachen wir. Vielleicht werden wir traurig, wenn etwas schön ist, weil wir wissen, dass es nicht von Dauer ist.
(Auszug aus: "Durch einen Spiegel in einem dunklen Wort")
Wie so viele andere, habe auch ich Jostein Gaarders "Sophies Welt" gelesen. Mich daran zurückerinnernd, stand ich mal wieder bei uns im Buchladen und wusste nicht so recht was ich als nächstes Lesen sollte: "Was klassisches? Oder doch lieber eine leichte Lektüre?" Da fiel mein Blick auf Gaarders "Durch einen Spiegel in einem dunklen Wort". Schon der Titel zog mich magisch an, ich bezahlte und machte mich auf den schnellsten Weg nach Hause (nicht ohne mir vorher noch einen Latte Macciatto besorgt zu haben).
Innerhalb kürzester Zeit nahm mich das Buch gefangen. Obwohl sehr leicht zu lesen, und somit sowohl für Kinder als auch Erwachsene empfehlenswert, büßt es nichts an seiner philosophischen Poesie ein. Gaarder gelingt es mit einfachen Wort die zauberhafte, wenngleich auch traurige Geschichte der kleinen Cecilie zu erzählen. Das sterbenskranke Mädchen liegt am Weihnachtstag in ihrem Bett, während der Rest der Familie (ihre Eltern, ihre Großeltern und ihr kleiner Bruder Lasse) alle Vorbereitungen für das große Fest treffen. Doch da erscheint ihr der kleine glatzköpfige Engel Ariel, welcher sich nur um sehr kranke Kinder kümmert, der sie zum Nachdenken über die Schöpfung, den Kosmos und die Sinne anregt und im Gegenzug alles über das Leben der Menschen wissen will. Cecilie und Ariel führen lange Gespräche, die ab und an vom „normalen“ Familienleben (soweit dies in der Situation des kleinen Mädchens möglich ist) unterbrochen werden und machen Ausflüge rund um das Haus. Cecilie hat sich sehnlichst ein paar Skier gewünscht, die sie unbedingt ausprobieren möchte und dies schafft sie nur durch Ariels Hilfe.
Gaarder betreibt, trotz seiner einfachen Worte, eine fantastische Bildmalerei, die zwar detailliert, jedoch nicht langweilig ist.
Die Gespräche zwischen Cecilie und Ariel regen zum Nachdenken an und lassen die Angst vor dem Tod schwinden. Besonders gut gefallen haben mir die Stellen, an denen Cecilie in ihr Tagebuch schreibt.
Hier werden noch mal all ihre Erkenntnisse verkürzt dargestellt.
Teilweise musste ich schmunzeln, teilweise innehalten und über das geschriebene Nachdenken, und ich kam auch nicht umhin ein paar Tränen zu vergießen.
Mehr möchte ich über dieses zauberhafte Buch gar nicht verraten...
Das Buch ist für Leser jeden Alters, obgleich es auch vom Tod handelt ist es trotz allem lebensbejahend und auch für jüngere Kinder geeignet. Und auch wenn man nicht an Gott glaubt, büßt es seine Magie nicht ein.
Mit einem Preis von 7,50€ (Weichcover) recht erschwinglich und auf jeden Fall eine lohnenswerte Anschaffung.
Wir sehen jetzt durch einen Spiegel,
in einem dunklen Wort;
dann aber von Angesicht zu Angesicht.
Jetzt erkenne ich stückweise;
dann aber werde ich erkannt,
gleichwie ich erkannt bin.
Erster Brief des Paulus an die Korinther,
13.Kapitel, Vers 12
Jostein Gaarder, „Durch einem Spiegel in einem dunklen Wort“, Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 3-423-12917-4
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-16 18:25:35 mit dem Titel Lessings Bürgerliches Trauerspiel "Emilia Galotti"
Marinelli- der heimliche Star?
Ist G.E. Lessings bürgerliches Trauerspiel „Emilia Galotti“ noch interessant und mitreißend?
Die Geschichte in Kürze: Der Prinz von Guastalla trifft zufällig auf das Bürgermädchen Emilia Galotti. Er ist vom Gedanken besessen, dieses Mädchen zu bekommen. Als er hört, dass sie den Grafen Appiani heiraten soll, gibt er seinem Kammerherrn Marinelli den Auftrag alles zu tun um dies zu verhindern. Dieser schickt zwei bezahlte Verbrecher aus, um einen Anschlag auf den Grafen zu verüben. Appiani wird getötet, Emilia und ihre Mutter von Bediensteten auf das Schloss des Prinzen gebracht und das Unheil nimmt seinen Lauf...
Lessing greift in seinem Stück ein oft bearbeitetes Motiv auf; die von Livius in „Vom Ursprung der Stadt III“ (Ab urbe condita) erzählte Legende der Römerin Virginia, die von ihrem Vater getötet wird, weil dies der einzige Weg ist, sie vor der Willkür des Decemvirn Appius Claudius zu schützen. Bei Livius ruft die Tat von Virginias Vater einen Volkaufstand hervor, in dessen Verlauf die Decemvirn zurücktreten müssen und Appius Claudius ins Gefängnis geworfen wird, wo er sich selbst tötet.
Doch anders als bei Livius lässt Odoardo, den Vater Emilias, seine Tochter zwar umbringen, verlagert das Geschehnis jedoch in einen „neutralen“ Raum. Neutral, weil es innerhalb des Lustschlosses des Prinzen (welcher Emilia begehrt) passiert, also nicht in der Öffentlichkeit. Ebenso verzichtet er auf den rein politischen Hintergrund, lässt ihn nur teilweise einfließen und konzentriert sich auf Moral und Tugend. Auch den Personen verleit Lessing viel Tiefe. Ein Jeder hat seine Rolle; Emilia Galotti – die pubertierende Tochter, Claudia Galotti – die sich nur das Beste für ihre Tochter wünschende Mutter, der um seine Tochter besorgte Vater Odoardo Galotti, der Prinz Hettore Gonzaga – der sich für verliebt haltende Herrscher und die verletzte, rebellische ehemalige Geliebte Gräfin Orsina.
Jede/r hat seine Rolle, auf die er bzw. sie jedoch nicht beschränkt ist, Facettenreichtum zeichnen die Figuren aus; niemand ist nur gut oder nur schlecht, getrieben von den eigenen Wünschen, Vorstellungen und Empfindungen agieren die Charaktere.
Doch als hätte Lessing geahnt, dass das Publikum damit nicht zufrieden wäre, hat er einen weiteren Protagonisten erschaffen: Marinelli, den genialen Schachbrettspieler im Hintergrund, der scheinbar alle Fäden in der Hand hält. Des Prinzen Kammerherr und selbsternannter Freund lässt den Leser vor Kälte erzittern, seine Machtgier lässt ihn über Leichen gehen. Fast schon pervers ist diese Figur, durch und durch böse, und somit perfekt für jeden Thriller. Die Figur des Marchese ist so eindimensional und löst trotzdem so viele Gefühle in einem aus.
Macht dies Marinelli zum heimlichen Star? Ja! Er ist zugleich die abstoßendste und doch anziehendste Person des Dramas. Während die anderen Figuren durch ihre Vielschichtigkeit und innere Zerrissenheit fast schon langweilen, möchte man zu ihm gehen, ihn anschreien, schütteln und so seine bösen Gedanken austreiben.
So stehen die Figuren fast schon im Gegensatz zu Lessings Maxime: „Auf dem Theater sollen wir nicht lernen was dieser oder jener einzelne Mensch getan hat, sondern was ein jeder Mensch von einem gewissen Charakter unter gewissen gegebenen Umständen tun werde.“ (G. E. Lessing, 19. Stück, Werke, Bd.5)
Ob es nun an den veralteten Idealen und Moralvorstellungen, den, trotz ihres Facettenreichtums, doch irgendwie langweiligen Figuren: Emilia ist, wenn im Stück mal präsent, fast schon zu nett, zu lieb und zu innerlich zerrissen zwischen Tugend und aufkeimender Leidenschaft, oder der Entfernung zum Absolutismus bzw. der Aufklärung liegt, oftmals kann man den Gedankengängen der Figuren nur schwer folgen. Einzige Ausnahme ist hier die Gräfin Orsina, die mit ihrem messerscharfen Verstand fast schon hellseherisch die Machenschaften des Doppels einfältiger Prinz und „Ich-will-alles-haben“-Marinelli aufdeckt (und Odoardo davon in Kenntnis setzt.)
Zwar ist das bürgerliche Trauerspiel eine typische Tragödie, doch geht Lessings Hamburgerische Dramentheorie hier, aus der heutigen Sicht, nicht auf. So hat man zwar Mitleid mit Emilia, jedoch fühlt man nicht mit ihr. Liegt das vielleicht an unserer heutigen fehlenden Nähe zum Konflikt zwischen Bürgertum und der damit zusammenhängenden bürgerlichen Moral und dem absolutistischen Herrscher und dessen Werteverfall und seiner politischen Macht?
Das Ende des bürgerlichen Trauerspiels ist durch die Schuldfrage ebenso offen, wie die Reaktion des Publikums. Das Stück bringt den Zuschauer zum Nachdenken, nicht zu einer Tränenflut, vielleicht verzichtete Lessing bewusst auf alles Rührselige.
Fazit: Ein Buch das man gut lesen kann, aber nicht muss.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-16 18:50:20 mit dem Titel Milan Kundera: Die Unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Die Entdeckung der Langweiligkeit
oder wie Milan Kundera mit seinem Roman "Die Unerträgliche Leichtigkeit des Seins" 301 Seiten Langatmigkeit präsentiert
~ eine Rezension ~
Als Schülerin bin ich ja gewohnt Bücher lesen zu müssen, die langweilig und bedeutungslos sind. Im besten Falle ergibt sich hinterher eine gute Note im Test oder Klausur. Umso erfreuter ist man dann, wird von der Lehrkraft mal nicht zu sogenannten Klassikern gegriffen, sondern zu einem Bestseller. Muss man sich mal nicht mit der "Gretchenfrage" auseinandersetzen, muss man sich mal nicht von irgendwelchen Liedern von irgendwelchen Glocken nerven lassen und kann Kafka mal 'nen guten Mann sein lassen.
Als ein Lichtblick am Deutsch-Horizont erscheint da Milan Kundera und sein Roman "Die Unerträgliche Leichtigkeit des Seins". "Hm, klingt philosophisch", denkt man sich, doch schon nach ein paar Seiten ist einem klar; von philosopgisch kann hier keine Rede sein - Lichtblick verschwunden.
Hier wird einem nur die unerträgliche Liebesgeschichte zweier Menschen während des Prager Frühlings präsentiert, die so gar nicht zusammenpassen und doch ohne einander nicht leben können. Klingt nach billigem Kitsch? Absolut! Und Kundera lässt sich in aller epischen Breite über den Begriff "Kitsch" und dessen Bedeutung aus. Danach dürfte jedem klar sein: "Ja, das ist Kitsch!"
Überhaupt hat man ständig das Gefühl, dass Milan Kundera beim Schreiben große Angst davor gehabt haben muss, man könne ihn missverstehen. Ständig wird der Lesefluss durch Kommentare und Erklärungen unterbrochen, Platz für eigene Ansichten und Interpretationen bleibt da kaum.
Apropos Lesefluss, einen Pluspunkt hat das Buch: es lässt sich, trotz seiner Langatmigkeit, den ewigen Autoren-Kommentierungen und nicht linearen Erzählweise, recht einfach lesen. Das war's dann auch mit den Pluspunkten.
Die Figuren bieten keinerlei Identifiaktionsmöglichkeiten. So ist Tomas ein neurotischer Don Juan für Arme, der es vorzieht in den Betten anderer Frauen herumzutollen, statt sich um das Seelenheil seiner Frau Teresa zu kümmern (und sie überhaupt nur heiratet, damit sie sich besser fühlt). Theresa hingegen ist ein provinzielles, ewig leidendes Naivchen, das sich mit den Sexabenteuern ihres Mannes, ihrem Körper und den mit beiden zusammenhängenden Albträumen quält. Erwähnenswert wären noch Sabina, eine typische Künstlerin, Tomas beste Freundin und liebste Gespielin und deren Liebhaber Franz, dessen eigentlich von Anfang an verwirkt ist. Einzige Figur zu der man wirklich bezug findet ist der Hund Karenin, der ist umso kunffiger.
Gut, das Kundera einem klar macht, dass seine Figuren fiktiv und nur aus dem Feld der Möglichkeiten entstanden sind. Solche Leute treffen? Nein danke.
Die Liebe der beiden Protagonisten Tomas und Theresa steht einzig unter dem Stern der Abhängigkeit und Treue/Untreue und ist ein ewiges voreinanderweg- und zueinanderhinlaufen. Ihr Leben ist von anfang an verwirkt, irgendwann kann man den beiden nur noch den Tod wünschen. Schade nur, dass es dann immer noch 40 Seiten bis zum Ende des Romans sind!
Fazit: Die Titelierung Bestseller als Garant für einen guten Roman? Ganz schnell vergessen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-16 19:14:01 mit dem Titel Bernhard Schlink: Der Vorleser
Das Überraschungsei der deutschen Gegenwartsliteratur
oder (mehr als) 3 gute Gründe Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“ zu lesen.
Was ein Mix aus Schokolade und Spielzeug mit einem Roman zu tun hat? Auf den ersten Blick wahrscheinlich nichts, anders jedoch, wenn man Bernhard Schlinks „Der Vorleser“ liest. Denn dieses Buch ist ebenso überraschend, überraschend spannend, überraschend anders. Und das fängt bei der Verpackung bereits an.Unscheinbar wie ein Überraschungsei der karge Titel, wer jedoch einen langweiligen Groschenroman erwartet, irrt. Schlink greift Themen auf, welche auf den ersten Blick miteinander unvereinbar scheinen: die Liebe, die Bewältigung der NS-Zeit und den Analphabetismus. Aber das sind ja gleich drei Themen auf einmal! Ja, und Schlink gelingt es sie in Einklang zu bringen. Geschickt verflechtet er in der Biografie seines fikitiven Protagonisten Michael Berg, die Liebesbeziehung mit einer reifen, zwanzig Jahren älteren Frau.Ist das Staniolpapier erstmal entfernt, arbeitet man sich genüßlich durch die Schokolade, das Buch entwickelt sich zu einem Ge(ri/s)chichtsroman. Und da plötzlich: das kleine gelbe Plastikei! Oder bei Schlink: das Ende in Form einer psychologischen Tragödie über Schuld und Aufrichtigkeit.
Mag kompliziert und verwirrend klingen, doch Bernhard Schlink schafft es zum einen durch die Aufteilung des Romans in drei Teile,zum anderen durch das Motiv des Vorlesens, welches sich kontinuierlich als roter Faden durch das Buch zieht, eine geradlinige Geschichte zu erzählen. Und diese Geradlinigkeit lässt sich auch in seinem Schreibstil wiederfinden: er benutzt eine einfache, lakonische Sprache. Fast schon panisch, meidet er Metaphern und Nebensätze und arbeitet trotzdem mit sorgfältiger Genauigkeit Szenen mit fast filmischer Präsenz heraus. Schlinks Stil ist einfach, aber extrem fesselnd.
„Der Vorleser“ ist kein lauter Roman, leise erzählt er die Odyssee Michaels vom Kind zum reifen Mann, eine Entwicklung die immer von der früheren Liebebeziehung zu der älteren Hanna überschattet wird. Diese Liebe lässt Michael nicht los und Michael lässt diese Liebe nicht los. Selbst dann nicht, als er erfährt das seine Geliebte während der Zeit des Nationalsozialismus als KZ-Aufseherin gearbeitet hat. Auch die therapeutische Niederschrift dieser Beziehung hilft ihm nicht: die Geschichte zu schreiben um sie los zu lassen, gelingt nicht.
Bernhard Schlink moralisiert nicht, er bietet keine Patentlösung an, dafür erzählt er von Dingen, die keinen Anspruch auf Freiheit und Versöhnung haben. Der Roman wirft Fragen auf, aber eines darf man nicht erwarten: eine Lösung. Mit Sicherheit bleibt aber zu sagen sagen: „Der Vorleser“ ist sozusagen das ersehnte „siebte Ei“, mit einer Überraschung am Ende, welche jedoch anders ausfällt wie vermutet.
Fazit: Was für (Schul)Kinder gut ist, kann für Erwachsene ja nicht schlecht sein!
[I]Meine Meinung
Abschließend nochmal meine Ansichten zusammengefasst. Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Er ist leicht zu lesen, was keinen Bruch mit seiner Qualität darstellt. Am Anfang war ich von der Problematik Junge liebt ältere Frau wenig begeistert,was sich aber schnell geändert hat. Da ich das Buch "Die Kaninchen von Ravensbrück" gelesen hatte, war ich mit der Problematik KZ gut vertraut, was sich als sehr hilfreich beim Charakter der Hanna herausgestellt hat.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-02 15:57:42 mit dem Titel Simply Irresistible
Phil: "Nichts ist, was es zu sein scheint. Wahrheiten sind so zerbrechlich wie die Menschen, die sie erschaffen."
Jetzt sitze ich hier, habe mir fest vorgenommen endlich den Bericht über Steinhöfels "Die Mitte der Welt" zu schreiben und irgendwie fehlen mir die Worte... Wie soll man auch ein derart wunderbares Buch beschreiben ohne typisch nichtsaussagende Phrasen zu verwenden und trotz einer merkwürdig-klingenden Geschichte es als ein Lese-Muss zu empfehlen?
~ Wie ich darauf gekommen bin ~
Gehört habe ich über das Buch bisher nur gutes. Auch der Titel sprach mich total an: "Die Mitte der Welt", klingt ja auch einfach philosophisch. Abschreckend allerdings das Lesealter, nämlich ab 14 Jahren und der männliche Protagonist. Ich mag weder diese auf Teenie-Problem-getrimmten Jugendbücher noch lese ich gern sowas über Jungs, denn damit kann ich mich kaum identifizieren.
Aber nun gut, ich stand mal wieder im Buchladen (wo ich, zum Graus meiner Freunde, schon mal Stunden verbringen kann - da erlebt man aber auch immer Geschichten...darüber könnte man auch Berichte schreiben, wie dem auch sei...) und war in Shopping-Laune (ca. 30 Tage im Monat *g*) und wollte mir ein Buch kaufen. Das Buch, welches ich eigentlich wollte, gab es natürlich nicht, da entdeckte ich "Die Mitte der Welt" im Regal. Das Cover sprang mir ins Auge (siehe oben), eine schöne schwarz-weiß-Fotografie und letztendlich war ich nun überzeugt.
~ Die Geschichte ~
Der 17jährige Phil lebt mit seiner liberalen und alles andere als kleinbürgerlichen Mutter Glass (so führt sie beispielsweise eine Liste aller Männer die sie "hatte") und seiner introvertierten Zwillingsschwester Dianne in Visible, einer riesigen alten Villa. Nicht genug, dass die Dorfgemeinschaft nicht viel von dieser Familie hält, Phil und Dianne als "Hexenkinder" verschrien sind, auch taucht in Phils eigenen Umfeld das ein oder andere Problem auf. So will er unbedingt etwas über Nummer 3 erfahren, doch behält Glass stillschweigen über seinen Vater, auch in der Beziehung zwischen Mutter und Tochter krieselt es und das Phil eine Tunte ist (so wird er von der lesbischen Freundin seiner Mutter nach einem "Schwulen-Test" tituliert) und sich in den neuen Mitschüler verliebt, macht es auch nicht leichter. Mehr mag ich gar nicht erzählen, weil es ansonsten die Spannung nehmen würde. Auch wenn die Geschichte für viele nicht so ansprechend klingen mag, sie ist einfach wunderbar erzählt. Wort-und bildreich werden Phils Eindrücke geschildert; teilweise philosophisch, aber niemals kitschig, denn Phil selbst beschreibt sein Leben, linear wird circa ein Jahr erzählt, welches immer wieder durch Zeitsprünge in die Vergangenheit unterbrochen wird. Doch endet dies keineswegs in einer wirren Geschichte, im Gegenteil, wie ein Puzzle werden die Geschehnisse verknüpft, der Zusammenhang immer klarer. Dies macht die Geschichte umso spannender, da sie sich immer wieder überraschend wendet. Letztendlich ist nicht nur Phils Leben geschildert, auch das der anderen, sehr farbigen und plastischen, Personen zeichnet sich immer klarer ab.
Das Buch beginnt mit Glass Flucht, nicht einmal 18 Jahre alt und hochschwanger, aus Amerika (Prolog) und endet mit Phils Flucht nach Amerika (Epilog).
~ Fakten ~
Autor: Andreas Steinhöfel
Titel: Die Mitte der Welt
Verlag: Fischer (www.fischer-tb.de)
Seitenzahl: 460 Seiten (Taschenbuch)
ISBN: 3-596-14496-5
Kaptelzahl: 3 Teile (insgesamt 17 Kapitel, wenn ich mich nicht verzählt habe + Pro- und Epilog)
Preis: 8,90 € (18,90 DM)
Lesealter: ab 14 Jahre
~ Der Autor ~
Andreas Steinhöfel wude 1962 in Battenberg geboren, studierte in Marbug Anglistik, Amerikanistik und Medienwissenschaften. Erl lebt als Übersetzer, Drehbuchautor, Kinderbuchautor und ezensiert regelmäßig Jugendbücher für die FAZ. Die Mitte der Welt ist sein erster Roman, der Erwachsene wie Jugendliche ansprechen wird (Klappentext).
~ Eigener Eindruck ~
Die Investition hat sich für mich absolut gelohnt; ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Meine ersten Zweifel wegen der Geschichte und dem männlichen Protagonisten waren schnell aus dem Weg geräumt, das Buch ist wirklich fantastisch und ich habe nichts, absolut nichts daran auszusetzen. Häufig ist es bei mir so, dass die Bücher die von vielen Seiten gelobt wurden, mir nicht gefallen haben, in diesem Fall nicht. Das Buch ist bildreich, poetisch, fesselnd, aber nicht auf billig-kitschige Art und auch für Erwachsene empfehlenswert.
Hier nun noch ein paar Sätze aus dem Buch, die es mir besonders getan haben:
~ Leseproben ~
* Phil *:
- "Das habe ich nie vergessen: dass man liebt, um die Kälte zu vergessen und den Winter zu vertreiben."
-"Dann, irgendwann, ohne ersichtlichen Grund, ist meine Schwester verstummt. Sie hat sich wie ein Trugbild vor meinen Augen verflüchtigt. Zu wem auch immer sie jetzt geht, er weiß mehr über sie als ich."
-Ich hätte sie gern getröstet, einen Arm um sie gelegt, schreckte aber instinktiv davor zurück. Etwas in Tereza verweigerte sich jeder Anteilnahme. Glass war für sie mehr als eine Freundin, und Liebe erschlöscht nie, sie änderte bestenfalls ihre Form.
- In mein Zimmer und die schützende Höhle meines Betts zurückgezogen, baue ich meterhohe Gedankentürme aus den immer gleichen Bausteinen, reiße sie Stück um Stück wieder ein oder sehe dabei zu, wie sich vons selbst in sich zusammenstürzen.
- Noch immer glaube ich, den Boden unter meinen Füßen schwanken zu spüren, aber ich habe keine Angst mehr davor, zu stürzen. Es ist ein schönes Gefühl. Es ist das Gefühl von Leben in Bewegung.
* Händel (der Mathematik-Lehrer) *
- " Wir glauben an einen Sinn, weil wir den Gedanken nicht ertragen können, dass alles dem blinden Zufall unterliegt. Wir glauben an Zeichen, aber glauben Sie mir, es gibt keine Zeichen. Beethoven schuf einige seiner größten Kompositionen, nachdem er ertaubt war: Bedeutende Dinge vollziehen sich im Stillen. Katastrophen ereignen sich, ohne dass sich zuvor der Himmel verdunkelt..."
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-18 13:02:33 mit dem Titel Cruel and Unusual
* Patricia Cornwell * Vergebliche Entwarnung
Um eines gleich vorweg zunehmen; ich habe das Buch im Original, also auf amerikanisch gelesen, dort heißt es auch "Cruel and Unusual" - ein Titel der mir weitaus besser gefällt, aber dazu später mehr.
~ Wie ich darauf gekommen bin ~
Ich lese gern Bücher diesen Genres (Medizin Thriller) und habe auch schon das ein oder andere Patricia Cornwell-Buch gelesen, allerdings noch keines aus der Serie um die Gerichtspathologin Kay Scarpetta. Bei uns im Buchladen habe ich dann den Band "Cruel and Unusual" entdeckt und da ich gern englischsprachige Literatur lese, einfach mal gekauft. Das Buch geriet allerdings in Vergessenheit und bei meiner letzten Aufräum-Aktion bin ich erneut darauf gestoßen und hab' vorgestern einfach mal angefangen zu lesen.
~ Die Story ~
Das Buch selbst beginnt mit einem Prolog, einer Mediatation von Ronnie Joe Waddell, der in kürze auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet werden soll. Vor 10 Jahren hat er eine Fernsehmoderatorin auf bestialische Weise ermordet. Während Dr. Kay Scarpetta auf einen Anruf wartet, der sie darüber informiert, ob sie noch am selben Abend (es ist kurz vor Weihnachten) die Obduktion vorzunehmen hat, erreicht sie ein anderer; Detective Joe Trent, der ihre Hilfe braucht. Ein 13jähriger Junge wurde ermordet, Stücke aus seinem Körper fehlen. Und damit ist Kay Scarpetta in ihrem neuen Fall, es gibt nämlich auffällige Gemeinsamkeiten zwischen diesem Fall und dem Mord der Fernsehreporterin, der 10 Jahre zurückliegt. Scarpetta findet heraus, dass sie ihren Angestellten nicht mehr Vertrauen kann (durch die Unterstützung ihrer Nichte), weitere Morde geschehen und alles scheint mit dem bereits hingerichteten Waddell zusammen zuhängen. Das ganze gipfelt darin, dass sie sich selbst vor Gericht zu verantworten hat.
Mehr möchte ich nicht verraten...
~ FAKTEN ~
Autor: Patricia Cornwell
Titel: Vergebliche Entwarnung
Originaltitel: Crime and Unusual
Preis: 7,62 € (Taschenbuch/ dt. Ausgabe)
ISBN: 3426671034
Knaur Verlag
~ Meine Meinung ~
Ich finde den deutschen Titel ja mal wieder herrlich *ironisch*, wie kommt man nur von Cruel and Unusual auf Vergebliche Entwarnung? Nach dem Lesen des Buches kann ich es mir zwar denken, so richtig schlüssig finde ich es aber nicht; da passt der Originaltitel schon besser. Außerdem ist es ganz schön schwierig - sofern man nur den Originaltitel kennt - hier die richtige Kategorie zu finden...
Aber nun zum Buch selbst...ich habe keine Ahnung um welchen Teil aus der Serie es sich hier handelt, aber auch ohne bisherige Kay Scarpetta-Erfahrungen, lässt sich das Buch gut lesen - auch auf englisch. Schwierigkeiten haben mir nur die vielen Ausdrücke aus der forensischen Medizin gemacht, was in der deutschen Ausgabe wohl recht ähnlich sein wird, wenn man da keine Ahnung hat.
Patricia Cornwell betreibt eine sehr ausgeprägte Wortmalerei, alles ist sehr bildhaft, was aber durchaus in den Roman passt. Zu Anfang gipfelt jedes Kapitel in einem Höhepunkt, also eine gut gesetzte Pointe oder einem mysteriösen Umstand, so dass ich einfach immer weiterlesen musste, weil ich wissen wollte, wie das, ich sage mal Geheimnis, lautete. Und vieles ist anders als es zu sein scheint. Dies lässt leider zum Ende hin nach. Dafür wurde ich immer neugieriger wer denn nun der Mörder ist. Spannend ist das Buch auf jeden Fall, sonst hätte ich kaum die letzten 200 Seiten gestern Nacht noch gelesen. Nun kenne ich zwar die Auflösung, aber ich muss sagen, ein bißchen enttäuscht bin ich schon; man hätte einfach mehr aus dem Stoff herausholen können. Das Buch begann wahnsinnig spannend, es konnte spekuliert werden und bis zum Ende kommt man auch wirklich nicht auf die Auflösung, aber zum Schluss fällt die Geschichte einfach ab. Aus dem vielersprechenden Anfang von Korruption, mysteriösen Umständen und im dunkeln liegenden Machenschaften, hätte man einfach ein weitaus spannenderes Ende und einen besseren Mörder stricken können, leider hat Patricia Cornwell dies nicht getan. Ich spekuliere mal auf einen weiteren Teil dieser Serie in dem sie erneut auf den Mörder trifft, was die Sache nicht besser macht.
Ein bißchen enttäuscht bin ich schon, aber ich werde garantiert wieder zu Patricia Cornwell greifen (schon allein weil ich gutes von ihr gewohnt bin) und auch zu der Kay Scarpetta-Reihe, denn spannend war dieses Buch auf jeden Fall.
~ Meine Bewertung ~
Ich empfehle das Buch auf jeden Fall, es bekommt von mir eine 1, obwohl ich vom Ende etwas enttäuscht bin, aber der Anfang ist wirklich hervorragend und insgesamt ist es sehr spannend. Beim Niveau habe ich anspruchsvoll angegeben, bedingt durch die vielen Ausdrücke der forensischen Medizin. Unterhaltend ist das Buch auf jeden Fall und ein paar humorvolle Pointen sind auch drin.
Warum der Titel im Original "Cruel and Unusual" heißt, möchte ich Euch auch nicht vorenthalten:
Gruemann, Kay Scarpettas ehemaliger Uni-Professor, sagt in einem Gespräch zu ihr:
"You can understand better, perhaps, my passionate opposition to capitol punishment, which is cruel and unusual."
Das Cruel and Unusual (grausam und ungewöhnlich) bezieht sich also auf die Todesstrafe.
~ Zum Schluss noch ein Leseauszug: ~
An jenem Montag, an dem Ronnie Joe Waddells »Gedanken« in meiner Handtasche steckten, sah ich kein Tageslicht. Es war noch dunkel gewesen, als ich morgens zur Arbeit fuhr, und es war schon wieder dunkel, als ich mich abends auf den Heimweg machte. Regentropfen blitzten im Scheinwerferlicht, und die Nacht war neblig und bitter kalt.
Während ich in meinem Wohnzimmerkamin Feuer machte, stellte ich mir Felder vor, auf denen Tomaten reiften, und einen jungen Schwarzen in dem stickigen Führerhaus eines Pick-up-Trucks. Ob er schon damals Mordgedanken hatte? Waddells »Gedanken« waren im »Richmond Times-Dispatch« abgedruckt worden, und ich hatte den Zeitungsausschnitt ins Büro mitgenommen, um ihn seiner ständig wachsenden Akte beizufügen, doch vor lauter Arbeit vergaß ich es, und so blieb der Ausschnitt in meiner Handtasche. Ich hatte ihn beim Frühstück gelesen und wieder einmal verblüfft vor dem Phänomen gestanden, daß in einem Menschen gleichzeitig Poesie und Grausamkeit wohnen konnten. Zudem war die Ausdrucksweise für einen so einfachen Mann höchst ungewöhnlich.
In den nächsten Stunden füllte ich Überweisungsformulare aus und schrieb Weihnachtskarten, während leise der Fernseher lief Wie alle anderen Bürger Virginias konnte auch ich nur aus den Medien erfahren, ob im Zusammenhang mit einer Hinrichtung alle Appelle fehlgeschlagen waren oder der Gouverneur eine Begnadigung aussprach. Die Nachrichten würden darüber entscheiden, ob ich zu Bett gehen durfte oder zum Leichenschauhaus fahren mußte.
Es war kurz vor zehn, als das Telefon klingelte. Ich erwartete meinen Stellvertreter oder einen anderen Angehörigen meines Stabes am anderen Ende der Leitung, der wie ich abrufbereit dasaß.
»Hallo«, sagte eine mir unbekannte männliche Stimme...
[ Quelle: http://www.medical-thriller.de/vergebliche_entwarnung.html] weiterlesen schließen -
Unter des Käfers Keller - Mary Willis Walker
15.06.2002, 00:44 Uhr von
IrresLicht
Die meisten meiner Berichte schreibe ich über Filme und Bücher, denn ich liebe ausgefallene Filme...Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Hätte ich nur den Titel und die Kurzbeschreibung auf dem Buchrücken gelesen, hätte ich 'Unter des Käfers Keller' wahrscheinlich eher nicht gelesen. Aber das Buch wurde mir wärmstens empfohlen und ich kannte Mary Willis Walker auch schon von einem anderen Krimi, der mich sehr gut unterhalten hatte. Also legte ich mir das Buch denn doch zu und habe es nicht bereut.
Die Autorin Mary Willis Walker schreibt zwar wirklich hervorragende Krimis - immerhin habe ich jetzt genau 50 % aller ihrer Bücher verschlungen, lol - aber noch nicht so lange, daher gibt es bisher genau 4 Titel von ihr, die es in deutscher Sprache zu kaufen gibt.
1996 - Raubtierfütterung
1996 - Der rote Schrei
2000 - Unter des Käfers Keller
2000 - Lass die Toten ruhn
Aha, denkt der aufmerksame Leser. Schreibt sie also 2 Krimis im Jahr und das im 4-Jahres-Rythmus. Da ich davon jeden 2. lese, kann ich mich also jetzt auf Anfang 2004 freuen.
Ja, da staunt der werte Leser. Logik ist schon was feines, und ich beherrsche sie .. .. jupp .. .. ich mag Krimis und ich kann Logik .. .. jawoll .. .. Logik ist der Schlüssel zu jedem Krimi .. .. .. .. .. ..
.. .. .. .. weeeiittt gefehlt, aber dazu später.
Erstmal die Handlung
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Der selbsternannte Prophet Samuel Mordecai entführt einen Schulbus mit 11 Kindern und dem Busfahrer Walter Demming. Er verschanzt sich mit seinen Sektenmitgliedern auf dem Land und hält seine Geiseln in einem Bus gefangen, der im Erdreich einer Scheune vergraben ist. Jeden Tag erscheint er vor ihnen und predigt den 'Lämmern' - wie er sie nennt - die Apocalypse und ihre wichtige Rolle dabei.
Währenddessen versucht das FBI ergebnislos, Mordecai zu Verhandlungen zu überreden und ist mit seinem Latein am Ende. Nur die Jounalistin Molly Cates ist einer Spur auf der Fährte. Allerdings kennt sie Mordecai von früher, als sie ein Interwie mit ihm führte und will weder mit ihm, noch mit der Entführung etwas zu tun haben. Als sie allerdings merkt, dass es hier nicht nur um eine Geiselnahme geht, nimmt sie Verbindung mit dem FBI auf.
Falsche Schublade, erfreuliche Erkenntnisse
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Die Geschichte beginnt mit der Vorstellung von Walter Demming, der sich mit den Kindern bereits in dem eingegrabenen Bus befindet. Das 1. Kapitel befasst sich mit der Situation unter der Erde. Es wird schnell klar, dass Walter mit Kindern nicht wirklich was zu tun haben will. Er hat nichts gegen Kinder, aber er kann mit ihnen nichts anfangen. Und ausgerechnet dieser Mann sitzt hier in diesem engen, einzelnen Raum seit sechsundvierzig Tagen mit elf Kindern gefangen und versucht die Fassung zu behalten, denn die Kinder zählen auf ihn.
Als ich soweit gelesen hatte, machte ich in Gedanken eine Schublade auf, auf der in grossen Lettern 'Psychosülze' steht und pfefferte das Buch hinein. Nicht, dass der Eindruck entsteht, dass ich Bücher mit psychologischem Hintergrund nicht mag, aber mir war grade mehr nach Entspannung und nicht so sehr nach denken beim Lesen. Ich hatte die Befürchtung, dass das Buch immer tiefer in die Ängste der Kinder eintauchen und sich im Gewirr von Gefühlen und Gedanken verfangen würde.
Aber weit daneben gepfeffert, denn schon im nächsten Kapitel wird uns die Journalistin Molly Cates vorgestellt, gefolgt von ihrem Exmann Grady, der als Polizist die Belagerung des Sektengeländes unterstütz.Wir lernen Freunde des Busfahrers Walter Demming kennen, den Sektenführer Samuel Mordecai und viele mehr.
Die Zusammenfassung auf dem Buchrücken assoziiert eine vollkommen falsche Gewichgung der Geschehnisse. Das wird leider so manchen Leser enttäuchen, doch mich hat es hoch erfreut ;-)).
Beruhigt, dass sich die Geschichte nicht ausschliesslich um die Psyche der Kinder dreht, habe ich also weitergelesen und fand in diesem Krimi Entspannung pur.
Der etwas andere Krimi
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Die meisten Krimis, die ich gelesen habe, motivieren den Leser früher oder später dazu, den Täter und die Umstände zu erraten. Die Autoren arbeiten darauf hin, dem Leser nach und nach Hinweise zukommen zu lassen, um das Verbrechen mit einer logischen Tat- und Beweisfolge zu untermalen. Nicht ganz reizlos und alt bewährt.
Aber dieser Krimi ist anders. Von Anfang an steht fest, wer die Bösen und wer die Guten sind und dem Leser bleibt auch nicht verheimlicht, wo sich die Kinder befinden und auch der Grund für ihre Entführung wird ziemlich schnell klar. 'Unter des Käfers Keller' ist deswegen ganz genau genommen auch gar kein Krimi. Das Buch beschreibt die Ereignisse, die auf die Entführung folgen und stellt die Personen vor, die an der Lösung der Situation beteiligt sind, die immer kritischer wird.
Die Frage ist nicht : wer ist hier der Mörder, sondern : schaffen es die Beteiligten, die Kinder zu retten.
Die Geschichte ist gut recherchiert, die Story lückenlos und ohne Ungereimtheiten, die hinter schönen Worten versteckt werden. Eigentlich bleibt kaum eine Frage offen und Mary Willis Walker erschlägt den Leser nicht mit Logik, sondern erzählt ihm eine spannende Geschichte.
Der Titel
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Der Titel des Buches 'Unter des Käfers Keller' ist ein Teil eines Gedichtes. Ohne zu viel zu verraten, möchte ich aus den Gedanken von Molly Cates zitieren:
"Als Kind hatte sie wiederkehrende Alpträume von gelibten Menschen gehabt, die in der schwarzen, kalten Erde begraben wurden. Es erschien ihr wie die schlimmste Verbannung, die Vertreibung in die dunkle Sphäre, unter dem Licht, unter dem Gras, unter der Erde. 'Unter des Käfers Keller' .. .. "
Der Titel erscheint erstmal ziemlich verwirrend. Aber im Laufe des Buches wird er sinnvoll und erklärt sich von selber.
Meine Meinung
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Ich kann das Buch wirklich mit ruhigem Gewissen empfehlen, es wird nie langweilig.Ich habe es in kürzester Zeit verschlugen, denn die Geschichte fesselt und das Ende ist bis kurz vor Schluss ungewiss.
Die Verteilung meiner Symphatien war nicht sehr schwierig. Die Einteilung in Gut und Böse ist ziemlich eindeutig. Es werden zwar auch bei den guten kleine negative Schwächen und Begebenheiten eingebaut, aber diese werden als menschlich und verzeihbar abgetan. So wird zum Beispiel ein Alkoholproblem von Molly Cates erwähnt, aber als vergangen und verzeihbar eingestuft. Die Figuren bleiben menschlich und real.
Mit am besten haben mir die Szenen mit dem Hund gefallen. Sie lockern die Atmosphäre ein bisschen auf und geben den Personen Molly und Grady ein bisschen zusätzliche Tiefe.
Im Grossen und Ganzen eben ein gelungenes Stück gedruckte Worte und durchaus lesenswert.
Die Zeit bis zum Anfang 2004 vertreibe ich mir jetzt mit dem 2. Buch von Mary Willis Walker, denn ich habe 'Der rote Schrei' schon hier liegen. Das bringt mich dann auch wieder zurück zur Logik, denn wenn ich dieses Buch gelesen habe, darf ich mich logischer Weise zusätzlich auch auf Ende 2004 und Walkers 6. Roman freuen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-14 09:56:20 mit dem Titel Wenn die Mäuse Katzen jagen - Patterson, James
Eigentlich habe ich immer einen kleinen Vorrat an ungelesenen Büchern zu Hause. Man weiss ja nie, wann man mal wieder zum Einkaufen kommt – ist meine beliebteste Ausrede. In Wirklichkeit bin ich süchtig nach Bücher kaufen ;-)
Auf jeden Fall gehe ich an keinem Bücherstand vorbei, ohne ihn wenigstens zu überfliegen und bei einer solchen Aktion ist mir ‚Wenn die Mäuse Katzen jagen‘ von James Patterson in die Finger geraten. Ich habe es gekauft, weil mir der Autor bekannt vorkam und weil mir die Aufmachung gefiel. Jetzt – ca. 4 Monate später – habe ich das Buch endlich gelesen.
Der Autor
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James Patterson (*1949) studierte Literatur, arbeitete in der Psychiatrie und dann in einer New Yorker Werbeagentur. Sein erster Roman ‚The Thomas Berryman Number‘ wurde erst von 31 Verlagen abgelehnt, um dann nach seinem endgültigen Erscheinen mit dem Edgar Allan Poe Award ausgezeichnet zu werden.
Bekannt wurde er durch sein Psychothriller, die inzwischen in 27 Sprachen übersetzt wurden. Seine Bücher erreichten inzwischen eine Gesamtauflage von ca. 25 Millionen und eines davon (‚..denn zum Küssen sind sie da‘) wurde verfilmt.
Neben inzwischen 10 diversen Werken, von denen aber nur sieben ins Deutsche übersetzt wurden, erschienen auch folgende Romane mit Alex Cross als Titelheld:
-- Morgen, Kinder, wird’s was geben (1993) – original Along Came A Spider (1993)
-- .. .. denn zum Küssen sind sie da (1995) – original Kiss the Girls (1995)
-- Sonne, Mond und Sterne (2001) – original Jack & Jill (1996)
-- Wenn die Mäuse Katzen jagen (1999) – original Cat & Mouse (1997)
-- original Pop! Goes the Weasel (1999)
Die Aufmachung
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Das Taschenbuch fiel mir sofort ins Auge, weil es wirklich eine sehr schöne Umschlaggestaltung aufzuweisen hat. Es ist rundherum in einem sehr schönen blau gehalten, mit einer schwarzen Katze in der unteren Hälfte. Sowohl der Buchtitel als auch der Autor sind in einer 3D-Schrift – ich würde sagen es ist Book Antiqua – nicht nur aufgedruckt, sondern in den Deckel eingeprägt. Dadurch wirkt das Buch für ein Taschenbuch verhältnismäßig edel und auffällig. Auf der Rückseite darf natürlich neben dem Klappentext die Maus nicht fehlen.
Das Buch hat 413 Seiten, ist also in nicht all zu langer Zeit zu bewältigen.
Die Story
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Polizeipsychologe Alex Cross, ein farbiger, sympathischer Doktor der Psychologie, lebt mit seiner Familie in Washington. Seine Familie besteht aus seiner alten, aber lebensfrohen Großmutter Nana und seinen beiden Kindern Jannie und Damon. Cross jagt den Serienmörder Gary Soneji, der davon besessen ist, die spektakulärsten Massenmorde der amerikanischen Geschichte zu übertreffen. Cross hat ihn bereits einmal ins Gefängnis gebracht und hofft, dies noch einmal zu schaffen.
Auch in Europa treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Der allerdings richtet seine Opfer auf bestialische Weise zu und wird in der Öffentlichkeit ‚Mr.Smith, der Außerirdische genannt. Auch in diesem Fall bitten ihn die Kollegen um Rat. Erst lehnt Cross ab, da er sowieso schon zu wenig Zeit für seine Familie hat, doch schon bald stellt sich heraus, dass er auch in diesem Fall eine Rolle zu spielen scheint.
Meine Meinung
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Um es direkt vorweg zu sagen: Das Buch ist nicht wirklich schlecht. Aber man muss es nicht unbedingt gelesen haben. Es ist nicht wirklich fesselnd und neue, revolutionäre Ideen enthält es auch nicht.
Das Malheur beginnt schon mit der Übersetzung des Titels.
Die Story handelt von der Thematik Katz-und Mausspiel. Patterson löst im Verlauf des Buches niemals auf, wer die Katze und wer die Maus ist, und schon gar nicht, wer wen jagt. So heißt das Buch im Originaltitel ‚Cat and Mouse‘, was denn auch schon falsch übersetzt wurde mit ‚Wenn die Mäuse Katzen jagen‘. Während Patterson dem Leser selber überläßt, wer nun wen jagd, nimmt die Übersetzerin dem Leser diese Entscheidung ab, und der Übersetzerin (Dietlind Kaiser) steht das wohl nicht unbedingt zu, denke ich.
Da ich das Original nicht gelesen habe, werde ich ab jetzt behaupten, der Autor selber wäre schuld ;-). Schuld zum Beispiel am Malheur mit der Person des Erzählers. Das Buch wird jeweils aus zwei Perspektiven erzählt. In der 3. Person (er ging .. ..) , wenn es um den jeweiligen Verbrecher geht – also Gary Soneji und Mr. Smith und in der 1. Person (ich ging .. ..), wenn es um den Polizisten geht – also Alex Cross. Verwirrend wird es allerdings, dass der Ich-Erzähler in der Mitte der Story wechselt. Cross pausiert sozusagen als Erzähler und Thomas Pierce übernimmt diese Rolle. Dadurch entsteht ein unheimliches Chaos an Polizist und Verbrecher, Ich und Er .. ..
.. .. auf jeden Fall hab ich bisher gedacht, das in der 1. Person dann geschrieben wird, wenn es einen Erzähler der Story gibt, der das Ganze aus seiner Sicht erzählt. Der Wechsel mag an dieser Stelle als ein stilistisches Werkzeug geplant gewesen sein, ich empfinde es nur als sehr unnötig verwirrend.
Die Charaktere in dem Buch sind ein bißchen flach. Patterson verschwendet nicht viele Wörter an die Beschreibung seiner Charakter. Die Nebenfiguren sind fast besser beschrieben, als die Hauptdarsteller. Man erhält zwar einen Einblick in das Familienleben von Cross, oder auch in seine Freundschaft zu Sampson, aber einen Einblick in die Personen selber muss man sich selber ausdenken. Das muss zwar nicht unbedingt falsch sein, aber ich empfinde das in einem so kurzen Buch als zu ablenkend von der Story.
Jetzt im Nachhinein, habe ich gelesen, dass Alex Cross in der Verfilmung von ".. .. denn zum Küssen sind sie da" von Morgan Freeman gespielt wurde. Seltsam, ich hab den symphatischen Bullen, mit der netten Familie immer als Denzil Washington vor mir gesehn, hehe.
Die Story an sich ist sehr konstruiert. Anstatt sich auf einen der beiden Serienkiller zu konzentrieren, versucht Patterson vergeblich, eine komplizierte ineinander verstrickte Geschichte zu basteln. Das hilft der Story nicht gerade dabei, Spannung zu erzeugen. Alles wirkt ein bißchen unwahr und zufällig zurecht gelegt. Nicht sehr überzeugend. Das mag anders sein, wenn man auch die anderen Cross-Romane gelesen hat. Aber diesem als Einzelwerk fehlt es an Tiefe und Charakter.
Ich würde das Buch nicht unbedingt als unspannend bezeichnen. Auf seine Art ist es sicher spannend. Allerdings zieht sich nicht ein Spannungsbogen durch das komplette Buch, sondern es sind viele, kleine Teilstrecken, die durch Spannung miteinander durchzogen werden. Leider lösen sich diese kleinen, spannenden Episoden immer zu schnell auf, weil ganz plötzlich etwas passiert und weg ist sie .. .. die Spannung.
Man zittert nicht wirklich mit, wenn schlimme Dinge passieren. Man kann sicher nicht viele Schriftsteller mit Thomas Harris vergleichen, aber Patteron ist sehr weit davon entfernt, versucht sich aber vergeblich, ähnliche Empfindungen im Leser hervor zu rufen. Seine Mörder handeln ähnlich bestialisch wie Hannibal Lecter, aber es berührt mich nicht wirklich, zu lesen, dass dem Opfer die Gesichtshaut von der Stirn bis über das Kinn gezogen wird. Patterson könnte genauso gut erzählen, wie jemand einen Apfel schält.
Aber wie Anfangs erwähnt, es ist nicht wirklich schlecht. Aber man muss es auch nicht unbedingt gelesen haben. Es unterhält, aber es fesselt nicht.
Gruß, Euer Irres Licht
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-14 22:44:31 mit dem Titel Todesmarsch - Richard Bachman aka Stephan King
Es gibt zwei Arten, dieses Buch zu lesen.
Die herkömmliche Art
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läßt uns einen spannenden Roman verschlingen, im Bestreben herauszufinden, wer den Todesmarsch gewinnt. In diesem Fall handelt es sich bei dem Buch um eine spannende Geschichte, deren Ausgang man zwar ahnt, aber die immer wieder hoffen läßt, dass unvorhersehbare Dinge geschehen. Beim ersten Lesen zwingt sich diese Art auf und man kann das Buch kaum aus der Hand legen, denn es liest sich flüssig und jeder wird wenigstens einen Geher finden, mit dem er sich entweder identifizieren kann, oder dem er wenigstens seine Sympathien schenken kann.
Aus dieser Sicht des Lesens würde ich dem Buch 4 von 5 Sternen vergeben, denn die Geschichte läßt eigentlich wenig zu wünschen übrig. Sie ist spannend, unterhaltsam, für Horrorfans fließt ausreichend Blut, für die etwas zarter besaiteten gibt es Geschichten über Freundschaft und für die oberflächlich betrachtet Hintergründigen gibt es sogar ein paar Unterhaltungen darüber, wie man sich auf solch todbringend Spiele einlassen kann. Es gibt Sympathien, Antipathien, Mitleidiges, Erfreuliches und vieles, was sich einfach in einem Rutsch lesen läßt, ohne Langeweile aufkommen zu lassen.
Kurz gesagt, man kann ‚Todesmarsch‘ lesen, sich mit seinen Freunden darüber unterhalten, über den Ausgang der Geschichte nachdenken, das Buch ins Regal stellen und zur Tagesordnung übergehen.
Die Handlung
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an Sich ist recht einfach und klingt alles andere als spektakulär.
In einer Zeit, in der die Weltbevölkerung verarmt und vor allem gelangweilt ist, in der das Militär über das Land herrscht, gibt es jedes Jahr eine Volksbelustigung, zu deren Teilnahme sich ein Großteil der männlichen Jugendlichen anmeldet. Aber nur 100 von ihnen können daran teilnehmen. Diese Auserwählten werden auf einen Marsch um Leben und Tod geschickt.
100 junge Männer laufen los und dürfen nicht stehen bleiben, egal was passiert. Es gibt kein Erbarmen, keine Ausnahmen, kein Entkommen. Wer stehen bleibt wird erschossen und es spielt keine Rolle, ob er von Wadenkrämpfen gequält wird, seine Schuhe verloren hat oder ob er sich ein Bein bricht. Wer nicht weiter läuft ist tot, denn nur ein Läufer – der, der alle anderen überlebt – kann am Ende gewinnen.
Die tiefergründige Art
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befasst sich mit den Gefühlen und den Gedanken der Geher und der Zuschauer des Spektakels. Und vor allen Dingen befasst sie sich mit den Gefühlen des Lesers.
Hier mag der Einwand laut werden, dass Bachman/King kein Psychologe ist, sondern ‚nur‘ ein Schriftsteller. Doch er ist nicht irgendein Schriftsteller, er ist der Meister des Horrors. Er beansprucht im ‚Todesmarsch‘ keine tiefenpsychologischen Erkenntnisse für sich, sondern er beschreibt die Ereignisse ausschließlich und führt uns vor Augen, wie es sein könnte .. ..
Er hält uns einen Spiegel vor und wer sich während des Lesens mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, wird bald merken, dass King uns hier weniger vorgibt, als wir anfangs glauben. Und er hinterläßt eine kaum sichtbare, aber sehr fein gezeichnete Linie des Horrors.
Anfangs scheint es so, dass den Gehern erst nach und nach klar wird, auf was sie sich da eingelassen haben. In den Regeln des Marsches steht eindeutig geschrieben, dass ausschließlich einer der Teilnehmer den Marsch überleben kann. Aber den wenigsten scheint klar zu sein, dass das gleichbedeutend ist mit der Aussage, dass 99 der Geher den Tod finden werden.
Auch dem Leser wird das, obwohl auch er die Regeln am Beginn des Buches erfährt, nur langsam bewußt. Nach und nach sterben Jungen vor unserem geistigen Auge, nur weil sie sich eine Grippe einfangen haben oder einfach keine Hoffnung mehr haben und sich auf die Strasse setzen, bis sie dort nach ihrer dritten Verwarnung erschossen werden.
Und so wie der Leser immer noch glaubt, die Handlung würde eine Wendung erfahren, glauben auch die Teilnehmer des Marsches anfangs daran, dass alles nur ein Spiel ist. Während der Tod eines Jungen am Anfang noch ein Verlust scheint und Entsetzten hervorruft, wird im Laufe des Buches jeder Schuss gleichgültiger, solange er nicht unseren Sympathieträger trifft. Das bezieht sich nicht nur auf die Geher im Buch, sondern auch auf den Leser und wer darüber näher nachdenkt, erschreckt über seine eigenen Gefühle und Gedanken.
Hoffnungslosigkeit bekommt in diesem Buch eine ganz neue Bedeutung.
Besonders erschreckend finde ich die Reaktionen der Zuschauer, die sich am Wegesrand einfinden. Und sehr bald stellt sich die Frage, was geschehen würde, wenn es einen solchen Marsch tatsächlich einmal geben sollte. Würden auch wir jubelnd am Strassenrand stehen, wenn einer der Jungen vor uns auf die Knie fällt und kurze Zeit später erschossen wird ? Schließlich sind auch wir nicht hier erschienen, um einer Gruppe Wanderer zuzusehen .. ..
Der Autor
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ist bekanntlich Stephen King, der den ‚Todesmarsch‘ unter dem Pseudonym Richard Bachman verlegte, um den Markt in den 70er Jahren nicht mit King-Schockern zu überschwemmen. Allerdings wurde schneller als geplant bekannt, wer sich hinter dem Namen verbarg und so wurde auch der ‚Todesmarsch‘ sehr schnell ein großer Erfolg.
Anders als bei den Büchern, die King unter seinem richtigen Namen herausgab, haben die Bachman-Bücher alle eines gemeinsam, sie kommen viel schneller zur Sache. Während King-Bücher allesamt eine relativ lange Einleitungsphase haben, in denen die Personen vorgestellt werden, um die es in der folgenden Geschichte geht, kommt King in seinen Bachman-Büchern schnell zur Sache und treibt die Handlung voran. Die Protagonisten lernt man im Laufe der Handlung kennen.
Das macht übrigens den ‚Todesmarsch‘ auch interessant für Leser, denen King zu langatmig schreibt.
Die Vision
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die hinter der Geschichte an Sich steht, ist in greifbarere Nähe gerückt, als wir es uns einzugestehen wagen. Zu gerne würde ich Stephen King einmal fragen, ob er sich jemals hätte träumen lassen, wie dicht die Menschheit schon zu seinen Lebzeiten an diese Form der Unterhaltung herangekommen ist.
Wie weit sind wir noch von einem Todesmarsch entfernt, wenn wir uns vor unseren Fernsehern versammeln, um Menschen beim Abnehmen zuzusehen, oder wenn wir zum Telefonhörer greifen um an der Abstimmung teilzunehmen, darüber ob jemand ein Haus verläßt, in dem er hofft sich bis zum Ende der Show exhibitionieren zu können ?
Oh, ich weiss, ich übertreibe .. ..
Aber andererseits schrieb King dieses Buch, als sich Fernsehshows größtenteils noch auf Frage- und Antwortspielchen beschränkten und er dachte ebenfalls mit größter Wahrscheinlichkeit, dass er masslos übertreibt, wenn er ein Spiel erfindet, in dem Zuschauer die Spieler beim Leiden anfeuern.
An dieser Stelle stellt sich allerdings die Frage: Hat er es erfunden, oder hatte er ein historisches Vorbild ?
Mein Eindruck
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verstärkt sich mit jedem Lesen von ‚Todesmarsch‘, dass es nicht darum geht, dass die ‚Verlierer‘ getötet werden und wer den Marsch verliert. Egal, wie man zu den Darstellern steht, es werden immer auch einige den Tod finden, denen man das Leben gegönnt hätte.
Es geht viel mehr darum, dass jeder Leser für sich die Grenze ergründet. Keiner wird für sich eine endgültige Entscheidung treffen können, wie weit er gehen würde (weder als Teilnehmer, noch als Zuschauer), denn schließlich ist es ein sehr großer Unterschied, ob ich mir das Unvorstellbare vorstelle, oder ob ich es erlebe.
Genau so ergeht es den Gehern in der Geschichte und Bachman/King schafft es sehr erdrückend, den Leser in die Geschichte zu ziehen und mitleiden zu lassen. Er macht sehr deutlich, wie sich das Bewußtsein nur schrittweise mit den Tatsachen abfindet, bis sie vor Überflutung der Gefühle dann irgendwann an Bedeutung verlieren.
Es ist schon erschreckend, wie weit unsere Vorstellungskraft reichen kann .. .. weiterlesen schließen -
Marcel Reich-Ranicki - Mein Leben
Pro:
Grass knüpft mit diesem Roman nahtlos an seine vorhergehenden Leistungen an und alle die ihn vorher mochten werden ihn nun lieben!!!
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Marcel Reich-Ranicki ist ohne Zweifel der Kritikerpapst in der deutschen Literaturlandschaft.
Es gibt keinen anderen dessen Wort ein solches Gewicht hat wie das des MRR (Anmerkung : werde diese Abkürzung für den Namen Marcel Reich-Ranicki im weiteren Verlauf noch häufiger verwenden) und niemand vermag es selbst durch Verrisse den Umsatz eines Buches in ungeahnte Höhen schnellen zu lassen.
Doch eine Biographie zu schreiben ist etwas völlig Ungewohntes für MRR gewesen und ihm mit großer Wahrscheinlichkeit nicht sehr leicht gefallen. Er hat das Schreiben dieses Buches jahrelang vor sich hergeschoben und musste sich von Freunden und Bekannten nahezu überreden lassen seine Lebensgeschichte niederzuschreiben.
Kommen wir nun zum eigentlichen Buch.
Die Autobiographie von MRR trägt den Titel "Mein Leben" und ist im Jahre 2000 sowohl als Hardcover als auch als Taschenbuch im DTV Verlag erschienen.
Es umfasst 565 Seiten, die allerdings äußerst lesenswert sind.
Zum Inhalt ist Folgendes zu sagen :
MRR bringt mit diesem Buch den Menschen seine Lebensgeschichte nahe.
Ich möchte den inhaltlichen Teil meines Berichtes mit einer kurzen Biographie über den Autor beginnen :
Biographie des MRR :
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1920 : Geburt in der polnischen Kleinstadt Wloclawek an der Weichsel
1929 : Umzug mit seinen Eltern nach Berlin
1938 : konnte noch das Abitur ablegen, wurde aber am 28.Oktober 1938 nach Polen ausgewiesen
1940 : Anfang des Lebens im Warschauer Ghetto (in der Verwaltung als Übersetzer tätig)
1943 : Flucht aus dem Ghetto, überlebte den Holocaust im Untergrund. Reich-Ranickis Eltern und sein Bruder wurden von Nazis ermordet.
seit Juli 1958 : sesshaft in Deutschland, schrieb als Kritiker jahrelang für "Die Welt" und die "FAZ"
1980er : In dieser Zeit machte er sich durch "Das Literarische Quartett" auch in Reihen der weniger Literaturinteressierten Bevölkerung einen Namen und wir seit jeher als der beste deutsche Kritiker gefeiert (wohl oftmals auch gehasst!!).
Diese und noch einige mehr Erlebnisse gibt MRR in seiner Biographie wieder. Er zieht den Leser durch seinen ungewöhnlichen Schreibstil regelrecht in seinen Bann. Doch bei einem solchen Lebenslauf ist der Leser geradezu verpflichtet dem Autor Respekt zu zollen. MRR hat das Nazi-Regime trotz ständiger Todesangst und Bedrohung seines Lebens überlebt und sich nie unterkriegen lassen. Er lag schon oftmals am Boden, doch er ist immer wieder aufgestanden.
Ich sage es ganz offen, solche Menschen bewundere ich einfach. Trotz aller Irrungen und Wirrungen hat er letztendlich doch seinen Weg gemacht und sich im Land seiner damaligen potientiellen Mörder durchsetzen können, was man auch dem positiven Wandel der deutschen Mentalität zu verdanken hat.
Dieses Buch ist nicht nur eine einfache Biographie, es ist mehr als das. Es ist ein Meisterwerk, dass die Menschen mitreisst und auch Gefühle in jedem einzelnen weckt.
Man kann mit diesem Buch auf eine Reise durch die deutsche Geschichte gehen und somit in die Welt des MRR eintauchen.
Ich kann dieses Buch wirklich jedem ans Herz legen, da es voll von Emotionen ist und auch bei Leuten, denen MRR bislang noch nichts bedeutet große Überzeugungsarbeit leisten kann.
In diesem Sinne
Euer Kampfkoloss
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-11 20:06:40 mit dem Titel Günter Grass - Im Krebsgang
Vor einigen Monaten kam mir zu Ohren, dass der neue Grass-Roman (in diesem Falle eine Novelle) erscheinen solle. Da ich seinen Schreibstil schon immer sehr genossen habe konnte ich es mir auch diesmal nicht entgehen lassen mir das Buch zuzulegen.
Doch kommen wir zu dem bislang noch namenlosen Werk.
Es trägt den Titel "Im Krebsgang" und ist in allen bekannten Buchhandlungen für 18 Euro erhältlich.
Zu der Thematik wäre an dieser Stelle folgendes zu sagen :
Das Buch handelt von der größten Katastrophe in der Geschichte der Seefahrt. Am 30. Januar 1945 lief das Schiff "Wilhem Gustloff" mit 6.100 Flüchtlingen an Bord aus Gotenhafen aus und wurde vor Stolpermünde von einem sowjetischen U-Boot mit drei Torpedos versenkt. In dieser Nacht kamen mehr als 5.000 Menschen ums Leben.
In seinem Buch lässt Grass den Ich-Erzähler Paul Pokriefke die Geschichte erzählen, die er so oft von seiner Mutter zu hören bekam. Denn Paul Pokriefke wurde während des Untergangs geboren und überlebte mit seiner Mutter.
Zudem werden die Lebenswege von David Frankfurter, Wilhelm Gustloff, Tulla und Konrad Pokriefke sowie dem Kommandanten des sowjetischen U-Bootes durchleuchtet.
Um dem Buch nicht die Spannung zu nehmen werde ich auf diese hier jetzt nicht weiter eingehen, sondern hoffe den interessiert Leser auch so zu einer Lektüre dieses Meisterwerkes zu bewegen.
Doch kommen wir zu etwas völlig Anderem :
Ich möchte Günter Grass an dieser Stelle ein Lob aussprechen. Sein Schreibstil ist einfach unwiderstehlich und bringt mich immer wieder dazu seine Bücher auch nach wiederholtem Lesen interessant und einfach schön zu finden.
Zudem muss man erwähnen, dass sich mit Grass endlich einer an diese Thematik herantraut, die so viele Jahre totgeschwiegen und unter den Teppich gekehrt wurde.
Es geht hier ja gar nicht um eine Neudiskussion der Schuldfrage, denn jeder Mensch weiss, dass die Deutschen den 2. Weltkrieg begonnen haben und auch an dem schlimmen Unheil den erdrückenden Anteil hatten.
Jedoch gab es auch unschuldige deutsche Opfer zu beklagen, was man an diesem schrecklichen Beispiel sehen kann. Dieses Unglück ist bis heute die größte Schiffskatastrophe der Welt (ja, sogar noch weit vor der Titanic) und ich finde es nur allzu richtig, dass den Leuten die Gelegenheit geboten wird sich auf eine so ansprechende Art und Weise mit diesem Thema zu befassen.
Denn eins ist allen klar :
"Es hört nicht auf, nie hört das auf!"
In diesem Sinne
Euer Kampfkoloss weiterlesen schließen -
Könnte diese Kleine ein lebendiger Todbringer sein???
10.06.2002, 14:27 Uhr von
SeeHummel
Strahlefräulein mit Büchersucht und Hörspielwahnsinn - jaaa, das könnt ich sein *g* ach ja und ne...Pro:
Spannung bis zum Schluß
Kontra:
für mich persönlich nichts
Empfehlung:
Nein
Eingefleischte King Fans wissen ja bereits, dass Stephen King eine Vorliebe für Telekinese und andere unerklärliche psychische Kräfte hat, auch in diesem Roman - Feuerkind - sollen jene Kräfte Hauptgegenstand des Erzählten sein.
Die Geschichte
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Andy McGee und Vicy Tomlinson waren beide junge Studenten, als sie sich entschlossen sich als Versuchskarnickel für ein Drogenforschungsprogramm zur Verfügung zu stellen. Was sie dazu trieb war nicht die Aussicht sich mit irgendwelchen Drogen vollpumpen zu lassen ohne das Risiko einzugehen in einer Zelle zu landen, sondern die 200 Dollar die jeder bekam der mitmachte und die die beiden dringend brauchten.
Die Droge, welche an ihnen getestet werden sollte, wurde ihnen als harmlos angepriesen, doch nach dem Test waren sich beide sicher, dass dieses Zeug alles andere als harmlos war. Um genau zu sein merkten sie schon bald, dass es sich eher um ein Gift handelte, welches die Gene desjenigen veränderte, der es gespritzt bekam. So auch bei ihnen.
Andy war nach dieser 'Behandlung' auf einmal in der Lage Menschen zu beeinflussen und ihr Gedächtnis zu manipulieren, während Vicy in der Lage war Gegenstände durch Kraft ihres Willens zu bewegen, wobei ihre Kraft nicht so ausgeprägt zu sein schien wie Andys.
Beide beendeten sie ihr Studium erfolgreich, heirateten und bekamen schon bald Nachwuchs - Charlie, ihre süße, kleine Tochter. Doch Charlie war nicht wie die anderen Babys. Geriet sie in Wut konnte es passieren, dass Teppiche, Plüschtiere oder auch Menschen die sie eigentlich liebte Feuer fingen - sie war ein Feuerkind.
Trotz dieser Umstände versuchte Andy ein relativ 'normales' Leben mit seiner Familie zu leben, wobei er immer das Gefühl hatte, dass er beobachtet wird. Dieses Gefühl wurde ihm von einem Studienfreund bestätigt, der für die McGees Nachforschungen angestellt hatte. Die Beobachter kamen von 'der Firma' und Andy versuchte seine Familie ihren Blicken zu entziehen. Diesen Schritt sollte er schon bald bereuen, denn nun machte 'die Firma' ernst. Es beginnt nach dem Mord an Vicky eine, für den Leser spannende, gnadenlose Hetzjagd auf Andy und seine Tochter, welche am Ende in einem gigantischen Flammeninferno endet.
Was aber alles für Machenschaften am Werk sind und wie die Zukunft der McGees aussieht müsst ihr selber herausfinden.
Mein Fazit
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Für mich als King Fan ist dieses Buch sowieso fantastisch, aber auch Skeptiker, welche sonst von langseitigen Einleitungen anderer King Werke abgeschreckt wurden, kann ich beruhigen. King steigt hier voll in das Geschehen ein und erzählt die Vorgeschichte erst nach und nach. Meiner Meinung nach sehr klever gemacht, denn dadurch bleibt die Geschichte bis zum Schluß spannend. Auch werden einige sicher bemerken, dass in diesem Buch viele Parallelen zu anderen King Büchern (z.B. Carrie) aber auch zu Büchern anderer Autoren gezogen werden, welche aber von King so gewollt sind. Das Buch erschien 1980 und wurde in old Germany 1984 zum ersten mal herausgebracht. Mittlerweile gibt es ein duzend Auflagen die man z.B. für den passablen Preis von 4,09 Euro (479 Seiten) erwerben kann.
Ich wünsch euch viel Spaß beim lesen.
Es grüßt euch eure Hummel weiterlesen schließen -
Stephen King "Nightmares and Dreamscapes - Alpträume" - eine Kurzgeschichtensammlung
Pro:
schöne Geschichte
Kontra:
jetzt muss ich mir auch noch den nächsten Band kaufen :O)
Empfehlung:
Nein
Hallo ihr Lieben.
Ich bin ein begeisterter "Stephen King"- Leser und möchte euch heute seine Kurzgeschichtensammlung "Nightmares and Dreamscapes - Alpträume" vorstellen.
Die Sammlung ist im Jahre 1992 von S. King zusammengestellt worden und erschien bei uns, nach der Übersetzung von Joachime Körber, 1993 im Hoffmann und Campe Verlag.
Das Buch besteht aus einem Vorwort, 24 Geschichten und einem Nachwort.
Ich möchte euch einige Geschichten, die mir am besten gefielen vorstellen:
1. Dolans Cadillac
In dieser Geschichte geht es um einen Mann der seine Frau durch einen Verbrecher namens Dolan verloren hat. Er möchte Rache und tüffelt einen Plan aus, in dem er Dolan samt seinen Auto verschwinden lassen möchte... aber wie schafft das ein Englischlehrer der Vierten Klasse?
2. Kinderschreck
Miss Sidley ist Lehrerin und hat alles unter Kontrolle, sie ist streng und merkt, ohne sich umdrehen zu müssen, was die Kinder hinter ihren Rücken anstellen. Doch niemand macht etwas hinter ihren Rücken, niemand der Kinder traut sich. Doch eines Tages begannen die Kinder sich zu verändern und Miss Sidley bekam Angst...
3. Der Nachtflieger
Richard Dees ist Reporter der "Inside View" ( ähnlich der Bild, übertriebene Geschichten, die sich aber hauptsächlich mit den Unerklärlichen Phänomenen befasst, z.B. "Familienvater brachte alle Familienmitglieder unter Einfluss eines Dämons um") und jagt einen Mörder, der sich selbst Dwight Renfield nennt, mit einem kleinen Motorflugzeug durch Amerika zieht und auf kleinen Privatflughäfen immer blutleere Opfer zurück lässt. Richard Dees sieht schon die Überschrift der nächsten Ausgabe "Reporter schnappt Dracula in Maine", aber natürlich kommt alles ganz anders...
4. Popsy
Briggs Sheridan hat bei den falschen Leuten Schulden gemacht und wenn ihm sein Leben lieb ist, muss er seinen Auftrag erfüllen. Dieser lautet kleine Kinder zu entführen und zu einem Türken am Jachthafen abzugeben. Spass macht ihn die Arbeit nicht, aber er ist seine Schulden bald los und so steht er wieder vor einem Supermarkt und wartet auf einen Jungen oder ein Mädchen, das seine Mama verloren hat. Und da steht auch schon wieder so ein kleines Kerlchen. Sheridan geht zu ihm und erfährt, dass der Kleine seinen Popsy verloren hat. Sheridan hat keine Ahnung, wer Popsy ist, aber das sollte er bald herausfinden...
5. Klapperzähne
Hogan ist ein Vertreter auf Reisen und auf dem Weg nach Hause, in einem kleinen Laden entdeckt er unter den Scherzartikeln ein Gestell aus Klapperzähnen, er will sie haben und bekommt sie auch. Trotz des aufziehenden Sturms fährt er weiter und nimmt auch noch einen Anhalter mit, ein schwerer Fehler, aber er bekommt unerwarteter Weise Hilfe...
6. Verdammt gute Band haben die hier
Mary und Clark wollten sich einen Teil von Oregon ansehen und zogen mit ihrem Auto los. Unterwegs beschloss Clark eine Abkürzung zunehmen
und natürlich verfuhren sich beide und landeten in "Rock and Roll Heaven" und dort sollten sie auch für immer bleiben oder?
7. Das Haus in der Marple Street
Auch die lieben Ausserirdischen sollen in diesem Buch zum Zuge kommen...und befreien dabei gleichzeitig eine Mutter mit vier Kindern vom Ehemann und bösem Stiefvater.
8. Der Fall des Doktors
Vierzig Jahre nach Sherlock Holmes Tod beschließt Watson eine Geschichte zu erzählen in der, Er, Watson, einen Fall vor Holmes löste.
Das waren wie gesagt nur einige Geschichten der Sammlung und ich hoffe man erkennt trotzdem die Vielfalt der Themen, die In der Sammlung steckt.
Ich jedenfalls habe jede Geschichte mit Freude und Spannung gelesen und hoffe euch wird es auch so gehen.
Angenehmes Gruseln wünscht euch eure Pauline (Carolina)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-06 14:03:01 mit dem Titel V.C. Andrews : "Dunkler Schmetterling -Die Orphan Saga"
Hallo Ihr Lieben,
viele von Euch wissen sicher schon, dass ich eine ausgesprochene Leseratte bin und an keinen Buchladen vorbei komme, ohne Stöbern zugehen. Letztens war das wieder einmal der Fall und da ich ein bischen Kleingeld in der Tasche hatte, viel mir das Stöbern umso leichter :O).
Bald hatte ich mich auch schon entschieden und zwar für:
V.C. Andrews: „Dunkler Schmetterling – Die Orphan-Saga“
„Dunkler Schmetterling“ ist der erste Teil der Saga und ist 1998 im deutschen Buchhandel erschienen. Ich besitze die Taschenbuchausgabe vom September 2001 für 8, 69€ , welche vom Blanvalet – Verlag herausgegeben wurde. Übersetzt ins deutsche hatte sie übrigens Susanne Althoetmar-Smarczyk, aber genug der Einzelheiten, das lässt sich auch im Buch nachlesen!;O)
Kommen wir doch lieber gleich zur Sache…äh… zum Inhalt.
Das Buch ist in vier Geschichten unterteilt: Dunkler Schmetterling, Geliebte Crystal, Spiegel der Schatten und Haus der Tränen.
In jedem dieser Geschichten geht es um junge Mädchen die von ihren Eltern verlassen wurden und als Waisen auf wuchsen, beziehungsweise durch familäre Umstände in Pflegefamilien kamen.
Dunkler Schmetterling:
Celine und Sanford Delorice wollten ein Mädchen adoptieren. Celine sitzt seit einem Autounfall im Rollstuhl und mußte ihre Karriere als Primaballerina aufgeben und auch ihren Wunsch nach eigenen Kindern. Sie entschieden sich für das elfjährige kleine und zierliche Mädchen Janet und nahmen sie sofort aus dem Waisenhaus mit. Janet war sehr glücklich und wollte alles tun um ihre neuen Eltern glücklich zu machen und so fügte sie sich auch dem Wunsch Ballett zu lernen, doch perfekt war sie nicht und die Bessenheit ihrer neuen Mutter ängstigte sie bald….
Geliebte Chrystal:
Chrystal ist ein kluges Mädchen und schon 14 Jahre alt, als von einer Familie erstmal in Pflege genommen wird. Ihre neuen Eltern, die sie auch adoptieren wollten, waren Thelma und Karl Morris, beide schon etwas älter, aber nette Leute. Chrystal war überglücklich über die Chance die sich ihr bot und hoffte, dass alles gutgehen würde.
Karl befasste sich am liebsten mit Zahlen und Thelma schaute amliebsten Seifenopern. Chrystal lernte bald, dass eine Familie zuhaben und mit ihr zu leben nicht einfach ist, doch bald hatte sie sich eingewöhnt und gewann in der Nachbarschaft ein paar Freunde….
Spiegel der Schatten:
Brooke ist 12 Jahre alt und eine kleine Schönheit, ohne sich selbst dessen deutlich bewußt zu sein, bis zu den Moment als Pamela und Peter Thompson ins Waisenhaus kamen und sie adoptieren wollten. Die Thompsons waren eine gesellschaftlich hochangesehene Familie und Brooke fühlte sich wie in ein Märchen versetzt. Doch die ersten Schatten zeigten sich als Pamela sich immer mehr darauf versteifte sie zu einen Modepüppchen machen zu wollen und ihr vorschrieb, was sie zu essen, was sie zu tragen, wie sie zu gehen und wie sie zu lächeln hatte, kurz um sie sollte alles so machen, wie Pamela es wollte. In der neuen Schule gewann sie bald Freunde, besonders weil sie sportliuch sehr begabt war und nach ihrem ersten Sieg bei einem Softballspiel als Helden gefeiert wurde. Pamela passte aber die sportlichen Aktivitäten überhaupt nicht, da es die Figur und die Haut ruinierte…
Haus der Tränen:
Die 12-jährige Raven wohnt mit ihrer alkoholkranken Mutter in einem Einraumappartment und versorgt sich und ihre Mutter alleine. Sie ist äußerst selbstständig und gerät desöfteren in Streit mit ihrer Mutter. Als diese jedoch verhaftet wird und zur einer Entziehungskur geschickt wird, muß Raven bei ihren Onkel und seiner Familie einziehen. Ihr Onkel behandelt sie als Dienstboten und Abschaum, der erzogen werden müßte, auch seine Tochter macht Raven das Leben zur Hölle und Raven betet, dass ihre Mutter keine Dummheiten macht, doch diese läuft davon und lässt Raven bei ihren Onkel zurück, der bald sein wahres Gesicht zeigt. Raven erkennt bald, dass sie jetzt schlimmer dran ist, wie vorher…
In jeder einzelnen Geschichte geht es um das Erwachsen werden und um zerstörte Hoffnungen. Auch erwachende Sexualität spielt eine Rolle und jedem Mädchen wird klar, dass sie nur auf sich selbst bauen können und mit dieser Einstellung landen alle vier Mädchen in einem neuen Waisenhaus, wo sie sich anfreunden.
Wie es mit den „Vier Waisen“, wie sie sich selbst nannten weitergeht, erfährt man Folgeroman „Das Netz im Dunkeln“ ( auf den ich schon sehr gespannt bin ;O)).
V.C. Andrews hat in diesem Buch sehr eindrucksvoll und spannend das Leben von vier unterschiedlichen Persönlichkeiten aufgegriffen und eindringlich beschrieben, wie die Mädchen sich behaupteten und trotz ihrer Entäuschung und trotz ihres grausamen bisherigen Lebens ihren Weg fanden und man hofft als Leser, dass sie den Rest ihres Lebens ohne weitere Entäuschung und weiter mit Mut und Enschlossenheit bestehen, doch das findet man erst im nächsten Teil heraus…
Viel Spass beim Lesen wünscht Euch Pauline (Carolina) weiterlesen schließen -
Der Welt den Rücken (Elke Heidenreich)
30.05.2002, 20:12 Uhr von
LeaofRafiki
Ich lebe mit acht Katzen (2 blaue Somali-Mädchen, 1 Somali-variant Kastrat, 1 Aby-variant-Mädchen...Pro:
teils sehr schöne Liebesgeschichten
Kontra:
in der Mitte etwas fade
Empfehlung:
Nein
Bislang war mir Elke Heidenreich eher als die Metzergsgattin "Else Stratmann" ein Begriff, jedenfalls solange, bis eine nette Frau mir ihr neuestes Werk auslieh. Ein Buch mit sieben, nein nicht Siegeln, sondern Kurzgeschichten, die sich häppchenweise am Stück abends vor'm Ofen lesen ließen.
Tja, und so lag es nu da, das gute Stück, funkelnagelneu zu Weihnachten erhalten und schon in fremden Händen. Liebesgeschichten sollten es sein, auf dem Cover ein Paar in Umarmung, die Frau mit weitzurückgebogenem Kopf, offenem Mund und roten Haaren, der Mann nur von hinten zu sehen, seinen bloßen Oberkörper geschmückt mit einer Tätowierung: einem von einem Pfeil durchbohrten Herz. Ob die Frau vor Lust oder Schmerz schreit, bleibt der Phantasie des Betrachters überlassen. Doch der Titel paßt zum Bild: "Der Welt den Rücken".
Eines abends begann ich dann tatsächlich mit dem Lesen und es entwickelte sich schnell eine Haßliebe zwischen diesem Buch und mir, bedingt durch
die erste Geschichte DIE SCHÖNSTEN JAHRE:
Schon die ersten Seiten zogen mich an und stießen mich ab zugleich. "Sie sah mir zu, wie ich mit den Gardinen auf der Leiter stand, gab Anweisungen, rügte: "Du machst sie mit deinen Pfoten ja gleich wieder dreckig", oder fand, daß ich die Azaleen ganzfalsch zurückgeschnitten hätte. Sie bedankte sich auch nie, konnte es nicht einmal über sich bringen, "das hast du gut gemacht, Nina" zu sagen. Das hatte sie nie gekonnt. Bei uns zu Hause wurde nicht gelobt." Die klassische Tragödie zwischen Mutter und Tochter... Ich wollte mich doch bei einem guten Buch entspannen, nicht meine eigene Geschichte mit meiner Mutter gespiegelt bekommen! So legte ich das Buch wieder aus der Hand, nur um es einige Tage später wieder vorzunehmen.
Ich quälte mich durch deren beider Quälerei. Diese typischen, verhärteten Mißverständnisse, wohl kaum zwei Menschen kennen einander so gut, daß sie treffsicher die wunden Punkte beim anderen erwischen wie Mutter und Tochter. Sei es der falsche Wein, die falschen Gesprächsthemen, die unweigerlich zu Streit führen, das falsche Weihnachtsgeschenk, die unbeachtet im Schrank ein trostloses Dasein fristen, oder oder oder...
Doch dann nimmt die Geschichte eine überraschende Wendung.
Nina, frisch verliebt in Flora, will diese in Italien besuchen und Mutter will mit! Sie, also Nina, flüchtet sich in Ausflüchte, aus Sorge was ihre Mutter "dazu" sagen würde, sie, die Mutter hingegen, erfindet Erpressungsversuche en masse und es kommt, wie es kommen muß: kurz darauf fahren die beiden Frauen los.
Im Auto, ohne Fluchtmöglichkeit, entspannt sich wider Erwarten die Stimmung, die beiden Frauen kommen nach Jahrzehnten das erste Mal ins Gespräch, tasten sich an alte Wunden und zu der Musik von Schubert passiert das Wunder: "Schön, mal mit dir so zu reisen". Ich konnte mich nicht erinnern, wann sie jemals so etwas Nettes zu mir gesagt hat." (S.31)
Nina erfährt viel über das Leben als alleinerziehende Mutter in den letzten Kriegsjahren und danach, über die Geschwister ihres Vaters einschließlich Tante Karla, die in einer Bombennacht Hebamme bei ihrer Geburt gespielt hat. "Als wir weiterfuhren, hätte ich ihr beinahe von Flora erzählt. Ich hätte so gern einfach darüber gesprochen, daß ich eine Frau liebte und ob das überhaupt möglich war nach einer so langen Ehe, nach zwei Söhnen, nach zahllosen Affären. Aber ich sagte natürlich nichts, denn das war nun wirklich ein Thema, daß man mit meiner Mutter nicht besprechen konnte. Dachte ich." (S.33)
Sie bringen die Reise hinter sich, Nina kann ein Aufeinandertreffen von ihrer Mutter mit ihrer angeblichen Arbeitskollegin Flora auf dem Mailänder Flughafen nicht verhindern, es verläuft glimpflich. "Als wir sie endlich zu ihrem Abflugsteig brachten, gab sie uns beiden einen Klaps und sagte keck: "Macht's gut, ihr zwei!".
Zwei Jahre später stirbt sie, die Mutter und ihr Nachlass birgt, mehr will ich nicht verraten, eine Überraschung.
Diese erste Geschichte, muß ich zugeben, hat mich am meisten gepackt, wie erwähnt, anfangs eher negativ, dann konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen, so warm und herzlich ist sie geschrieben, mit augenzwinkerndem Humor ob der schnippischen Rituale der beiden Frauen.
Die zweite Geschichte trägt den Titel: SILBERHOCHZEIT
In ihr wird gefeiert, geredet und gestritten und am Ende "gab es zwei Trennungen und einen, der vielleicht bald sterben würde." (S.45) Hier wirft Elke Heidenreich den Scheinwerfer auf eingespielte Verhaltensweisen von Paaren, den Umgang von Menschen mit unglaublichen Offenbarungen und der stillen Erkenntnis, daß das Leben mehr zu bieten hat, wenn jeder für sich selbst verantwortlich handelt, seinen eigenen Weg geht. "Letztlich war das Leben ein Rätsel, ein Geheimnis, es war irgendwie unauffindbar, und Glück, dachte Alma, Glück, da hat Jonathan recht, Glück ist Sonne auf der Hoteltapete." (S.75)
Nun, ich will niemanden mit den Inhaltsangaben der restlichen Geschichten langweilen, selber lesen macht klug, aber ein Wort noch zur letzten, der dem Buch den Titel gebenden
DER WELT DEN RÜCKEN
Hier spannt Elke Heidenreich einen Bogen über dreissig Jahre zwischen zwei Begegnungen derselben zwei Menschen, einem Mann und einer Frau, die in wechselnden Rollen einander Lehrer und Retter sind. Was sie als junges Mädchen von erfahren hat, kann sie ihm als erfahrene Frau zurückgeben - dies ist so wunderschön geschrieben, daß es mich genauso nachhaltig beeindruckte wie die Anfangsgeschichte des Buches. "Dann stieg sie in ihr Taxi, sagte: "Zum Bahnhof!" und sah sich nicht mehr nach Heinrich um, der vor seiner Haustür stand, die Tüte mit dem Anzug in der Hand, und ihr nachwinkte, ein alter, aber aufrechter und selbstbewußter, ein immer noch schöner Mann. Er glitzerte wieder, wie Franziska das nannte." (S.190)
Die Liebesgeschichten sind so warm, mit Charme und Witz erzählt, "von den (großen) Verlusten und (kleinen) Triumphen (Klappentext) so einfühlsam, daß ich mir dieses Buch selber kaufen werde, auch wenn ich den Mittelteil eher überflogen habe. Dies will nichts bedeuten, einem anderen Leser werden andere Geschichten ans Herz wachsen... Sie haben mir Appetit gemacht, mich neugierig gemacht auf die anderen Erzählbände von Elke Heidenreich, wie mir diese Lektüre bekommen ist, werde ich beizeiten berichten.
Zur Autorin:
Elke Heidenreich ist 1943 geboren, war Moderatorin verschiedener Talkshows im Fernsehen, las über zehn Jahre die"Metzersgattin Else Stratmann" im Hörfunk, schrieb siebzehn Jahre lang die Brigitte-Kolumne und hat etliche Bücher veröffentlicht, u.a. auch Nero Corleone (1995), die Geschichte eines italienischen Katers.
ElkeHeidenreich
Der Welt den Rücken
Carl Hanser Verlag 2000
ISBN 3-446-20052-5
© LeaofRafiki 30.05.2002
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ACHTUNG FAKERSCHUTZ: Ich poste meine Berichte lieber selber und unter gleichem Nick bei regelmäßig bei Ciao, häufig bei Dooyoo seltener bei Ecomments, so gut wie gar nicht mehr bei Hitwin und ab und an doch wieder bei Yopi *grins* weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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"Der Sommermörder" (Nicci French)
17.05.2002, 19:53 Uhr von
kaffeetrinkerin
Ich liebe Bücher über alles, und zwar Bücher jeden Genres - deshalb führe ich mit meinem Mann zus...Pro:
gute Story, durchgehend spannend, sehr an der Geschichte orientiert
Kontra:
viel zu schnell zuende
Empfehlung:
Nein
"Der Sommermörder" ist der Krimi, auf den ich lange gewartet habe.
Dieses Buch schlägt alles, was ich bisher gelesen habe, und das ist wirklich eine ganze Menge.
Dabei ist es jedoch enorm schwierig, ein wenig Inhalt preiszugeben, ohne Entscheidendes zu verraten.
Sollte der Bericht also etwas kurz erscheinen, dann nur, weil ich nichts vorweg nehmen möchte.
Kurz gesagt:
Ein Frauenmörder geht um in London. Kein gewöhnlicher Mörder.
Er sucht sich seine Opfer sorgfältig aus und beobachtet sie, ohne dass sie es merken. Bis er sie besser kennt als der eigene Ehemann oder sogar sie selbst.
Und die Polizei unternimmt verzweifelte Versuche, den Opfern zu helfen, ohne recht zu wissen, wie. Er erscheint sogar unbemerkt in einer vollkommen überwachten Wohnung.
Der Krimi ist quasi aufgeteilt.Alles ist in der Ichform geschrieben, dabei erzählen aber Opfer und Täter von sich, so dass der Leser in der Lage ist, sich in die wirklich verschiedenen Charakter hineinzuversetzen. Mehr noch, man versucht ständig, auf des Erzählers Seite zu sein, seiner Meinung zu sein.
An der Schriftart erkennt man, wer erzählt, Opfer oder Täter.
Und dabei hat man so viele Ansatzpunkte für Verdächtigungen, dass man die polizei schon fast bedauert.
Die Spannung bleibt also von Anfang bis Ende erhalten, wobei die Autorin die verschiedenen Frauen sogar in verschiedenen Schreibstilen von sich berichten läßt, je nachdem, wie diese Frau ist.
Nur eines noch will ich vom Inhalt verraten:
Ein Opfer ist das falsche Ziel: Es wehrt sich clever.....
Nicci French hat dieses Werk fesselnd und zum Teil sogar mit einem Schuss Humor verfasst, eine Freude, es zu lesen.
Es lässt einen nicht mehr los!
PS Für Preisversessene: 17,90 € bei Club Bertelsmann
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-17 17:53:18 mit dem Titel Frank Schätzings "Tod und Teufel"
Diesmal beschreibe ich einen Roman ganz anderer Art: einen stilechten Krimi aus dem Mittelalter.
Vorab sei gesagt: ich bin kritisiert worden, weil ich zuwenig Worteüber den Ausgang "meiner" Geschichten verliere. Dies wird allerdings so bleiben, da ich zum Lesen bewegen will.
In einem Theaterstück von Agatha Christie mussten wir Besucher am Ende alle aufstehen und laut schwören, dass wir niemandem verraten, wer der Mörder ist. Daran will ich mich auch in Zukunft halten....
Der Roman "Tod und Teufel" spielt im 14. Jahrhundert in Köln.
Der Autor Frank Schätzing bindet viele Tatsachen ein, so dass sich die ganze Geschichte wirklich so ereignet haben könnte.
Die Erzählung dreht sich um den armen Dieb Jacob, der sich als Bettler und Tagedieb mehr recht als schlecht durchs Leben schlägt.
Eines Tages will er wieder mal Äpfel aus reichem Garten stehlen, der sich genau gegenüber des unvollendeten Kölner Doms befindet.
Als ersich gerade nach den größten Früchten streckt, bemerkt er den Dombaumeister Gerhard. Jacob versteckt sich schnell in den Zweigen.
Doch plötzlich erscheint eine weitere, dunkle und große Gestalt auf den Gerüsten. Ehe Jacob Luft holen kann, wird er Zeuge eines Mordes - der Dombaumeister wird in die Tiefe gestoßen.
Zu allem Übel bricht nun auch noch der Ast, auf dem Jacob sass, er fällt genau auf den Domhof.
Als er bei dem sterbenden Garhard niederkniet, flüstert dieser ihm seine letzten Worte ins Ohr.
Das wiederum sieht der Mörder, und nun beginnt eine gnadenlose Hetzjagd auf Jacob, der die letzten Worte auf keinem Fall jemandem weitersagen soll.
Und plötzlich sterben alle, mit denen Jacob nach diesem Ereignis in Berührung kam, sein Bettlerfreund, weil der Jacobs Mantel trug und verwechselt wurde, Jacobs Bettfreundin, ein paar Taugenichtse...
Aber Jacob findet Freunde: die hilfsbereite Richmodis, die ein bisschen in ihn verliebt ist, ihr Vater, ein Handwerker und dessen Schwager, ein Dekant, helfen Jacob und decken dabei eine unerhörte Intrige auf, an dessen Ende eine weit grössere Tat stehen soll, der Tod des Dombaumeisters war nur Nebeneffekt....
So ganz nebenbei erfährt der Leser aber auch noch recht viel über die damalige Lebensweise, Kleinnigkeiten, aber auch grosse Ereignisse versteht man so viel besser.
Die Verstrickungen der Päpste und warum es Kreutzzüge gab ebenso wie die Geschichte Kölns und deren Bürger.
Und wer hat schon gewusst, dass die Huren damals dem Henker unterstanden....
Alles in allem ein wunderbar spannender Krimi, der niemals abhebt und deren Ereignisse tatsächlich so gewesen sein können. Der Dombaumeister Gerhard fiel tatsächlich unter misteriösen Umständen vom Gerüst.
Wer allerdings wirklich Teufel und Dämonen erwartet, wird wohl enttäuscht werden.
Ich jedenfalls war das keineswegs, deshalb mein Urteil: unbedingt lesen!
Preis: 10 € (beim Club Bertelsmann) weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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