Mehr zum Thema Rezensionen & Literaturkritik Testberichte
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Tests und Erfahrungsberichte
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Walters, Minette: Dunkle Kammern
19.09.2002, 12:57 Uhr von
frorgy
Hallo, um euch Anregungen für lange regnerische Herbstabende zu geben, werde ich immer mal wieder...4Pro:
subjektiver Blick auf Geschichte
Kontra:
Inhalt leidet unter Konzept
Empfehlung:
Nein
Gefangen im eigenen Gedächtnis
Eine junge Frau ist mit ihrem Auto gegen einen Betonpfosten gerast, der mitten in offener Landschaft stand. Ganz offensichtlich ein Selbstmordversuch, zumal sich schnell herausstellt, daß ihr Verlobter vor kurzem die Verlobung gelöst hat. Die Frau überlebt, behauptet allerdings, sich nicht an die letzten Wochen erinnern zu können. Sie wird in eine Klinik eingeliefert, wo sie umfassend ärztlich betreut wird. Doch schon nach kurzer Zeit kommen der Polizei und dem behandelnden Arzt erhebliche Zweifel an der Selbstmord-Theorie. Die Frau ist eine erfolgreiche Fotografin, erwartet nach dem Tod ihres Vaters ein Millionenerbe, und schließlich ist sie keineswegs traurig über den Verlust ihres Verlobten.
Die Polizei versucht, die Angelegenheit zu klären, der Arzt versucht, das Vertrauen seiner Patientin zu gewinnen und ihr zu helfen, ihr Vater versucht, sich und seine Familie zu schützen. Und die Fotografin selbst? Welche Rolle spielt sie wirklich? Ist die Amnesie nur vorgetäuscht? Denn auch in ihrer Vergangenheit finden sich dunkle Punkte...
Minette Walters gelingt es, ein spannendes Netz aus mysteriösen Einzelheiten zu flechten, in dem der Leser bald selbst gefangen ist. Zwar bringt er der Fotografin und ihrem Arzt schnell Sympathien entgegen, doch die Zweifel an ihrer Unschuld mehren sich mit der Erkenntnis, daß sie mehr über ihre eigene Vergangenheit weiß, als sie zugibt. Der Roman führt den Leser aus verschiedenen Perspektiven immer tiefer in das Leben der Hauptfiguren hinein. Schlaglichtartig werden die dunklen Kammern, in denen die Fotografin durch ihren Gedächtnisschwund gefangen ist, erhellt.
Schwächen hat dieser stilsicher geschriebene Roman eigentlich wenige, vielleicht werden einige der ausgelegten Fährten etwas zu offensichtlich als frühzeitig Holzwege deutlich.
Minette Walters Roman "Dunkle Kammern" garantiert spannende, manchmal auch etwas beklemmende Unterhaltung. Empfehlenswert.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-16 09:44:08 mit dem Titel Gaarder, Jostein, Sofies Welt
Philosophie für Grundschüler
Da hat ein Lehrer sein zugegebenermaßen beeindruckendes didaktisches Konzept zu einem Buch verarbeitet, und es wurde ein Bestseller daraus. Endlich kann man sich Platon, Aristoteles und Kant noch kurz zwischen Tagesschau und Tatort reinziehen - aber kann man dies wirklich? Meiner Ansicht nach nein. Denn die großen Philosophen verlangen nun einmal danach, daß man ihre Gedanken (zugegebenermaßen mühsam) nachvollzieht, sie lassen sich nicht in ein Fast-Food-Programm quetschen. Genau dies aber macht Gaarder. Er zieht einen oder zwei Grundgedanken aus ihren Werken heraus und erklärt sie in anschaulicher Weise. Doch damit werden tausend andere Gedanken, die ebenso wesentlich sind, ausgeblendet, das vielschichtige Werk der Philosophen auf eine Dimension reduziert.
Die Rahmenhandlung ist denkbar einfach: Ein zunächst Unbekannter (Gaarders alter ego) macht ein Mädchen durch anonyme Briefe neugierig aufs Philosophieren und befriedigt ihre Neugier dann häppchenweise mit schmalen Ausschnitten aus der Philosophiegeschichte.
So kann man versuchen, jemandem "philosophisch denken" beizubringen - und das ist ja der Grundgedanke von Gaarders Konzept (Die Rahmenhandlung macht dies deutlich). Aber die Philosophen versteht man damit noch lange nicht.
(Wer sich etwas ernsthafter mit der Geschichte der Philosophie befassen will: Wilhelm Weischedels "Philosophische Hintertreppe" ist auch nicht dicker als "Sofies Welt", etwas anstrengender, aber durchaus verständlich und weit kompetenter...; oder auch, noch kürzer: Otfried Höffe, Kleine Geschichte der Philosophie)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-19 10:57:40 mit dem Titel Grass, Günter: Mein Jahrhundert
Jahrhundertwerk?
Nein, das ist es nicht geworden. Günter Grass schreibt hundert kurze Episoden, jeweils aus einer anderen Ich-Erzähler-Perspektive, die je ein Ereignis der Jahre 1900 bis 1998 zum Inhalt haben (die 99er-Episode, aus der Perspektive von Mutter Grass, ist reine Fiktion), mal aus der großen Weltpolitik, mal Szenen aus der Lokalpresse. Dabei gewinnt man als Leser den Eindruck, daß die inhaltliche Füllung der Grundidee untergeordnet wird (und so ist es auch zu erklären, daß manche Geschichten sich im nächsten Kapitel einfach fortsetzen). Die Personen, von denen erzählt wird, stammen aus allen Schichten, allen Regionen (teils wird Dialekt verwendet), allen gesellschaftlichen Bereichen. Aber gerade dabei versagt an manchen Stellen auch Grass' Sprachmächtigkeit, so in dem gern zitierten Beispiel, als sich ein einfacher Landser "zwecks Einschiffung" im Hamburger Hafen einfindet - so redet kein einfacher Mann vom Lande!
Zum Teil lebendig geschilderte Facetten des Jahrhunderts, zum Teil gute Unterhaltung, zum Großteil aber eine echte Enttäuschung. Von einem Grass, einem der zweifellos größten Autoren des 20. Jahrhunderts, hätte ich mehr erwartet. weiterlesen schließen -
DIANA GABALDON: der magische Steinkreis. Kompendium zur Highland-Saga.
19.09.2002, 12:28 Uhr von
liskailonka
Meine Berichte findet man auf vielen Plattformen unter vielen Namen.Pro:
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Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Diana Gabaldon gewährt uns einen tiefen Einblick in ihr Autorenhirn und erläutert Hintergründe, Zusammenhänge, Fußnoten und so mehr in diesem Kompendium zur Highland-Saga; die ich übrigens auch dringend empfehlen möchte.
Auf dieses Kompendium hat jeder Fan gewartet und auch ich habe es förmlich verschlungen als ich es endlich bei www.bol.de bestellen konnte. Jeder der die 4 vorangehende Romane von Diana Gabaldon gelesen hat, wird mittlerweile genauso süchtig sein nach dieser Autorin wie ich. Deshalb war ich auch komplett aus dem Häuschen als irgendwo eine Pressemitteilung über ein kommendes Kompendium erschien.
Von dieses Buch hatte ich mir einiges erwartet und ich bin mehr als befriedigt nach dem ich es nun endlich gelesen habe. Auch wenn es kein Roman ist; das Buch ist genauso spannend und voller Witz und Humor wie die komplette Highland-Saga. Alle Fragen die in mir aufkamen, während ich die 4 Romane las, wurden in diesem Kompendium beantwortet und ich konnte sogar Leseproben finden für Teil 5 und 6 der Highland-Saga (die in Deutschland noch nicht veröffentlicht wurden).
Leseprobe 1.
Entnommen von Seite 32.
>>Stört es dich, dass ich keine Jungfrau bin?>Tja, nein>Ich schätze, wir sollten wissen, was wir tun>Wenn ich meine Post lese, dann glaube ich manchmal, dass ich keine Romane schreibe, sondern Rorschachtests.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-19 10:28:41 mit dem Titel Die Seherin von Avignon, Jeann Kalogridis.
vor einiger Zeit hatte ich mal wieder genug Webmiles auf meinem Konto, um mir etwas Nettes aussuchen zu können und dabei fiel dann meine Wahl auf dieses Buch.
***** DIE AUTORIN *****
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Jeanne Kalogridis; eine für mich bislang unbekannte Autorin, wuchs auf in Florida, Usa. Sie studierte dort amerikanische Literatur und Russisch. Danach arbeitete sie acht Jahre als Lehrerin in Washington D.C. und unterrichtete dort Englisch. Erst danach fing sie an Bücher zu schreiben; Bis jetzt schrieb sie fünf Bücher. Erst drei Scifi-Romane, dann ein Gruselroman und schließlich dieses Buch: "Die Seherin von Avignon".
Wer die Autorin kennenlernen möchte, dem kann ich ein Interview anbieten, das durchaus lesenswert ist auf der Seite: http://www.blickpunkt.net/report/kalogridis.html
***** DIE GESCHICHTE *****
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Frankreich im Jahre 1357. Überall lodern die Scheiterhäufe und die Folterknechte gehen ihre Arbeit nach; die Inquisition hat Einzug gehalten.
Die Geschichte "der Seherin von Avignon" spielt in dieser dunklen Epoche Frankreichs und Hauptschauspielplätze sind Carcassonne, Toulouse und eben Avignon; zu dem Zeitpunkt das Mittelpunkt der christlichen Kirche und Papstsitz. Leider gibt es neben der christlichen Kirche zu diesem zeitpunkt noch eine zweite Glaubensrichtung und so ist der, altrömische, Dianakult sehr beliebt. Natürlich sind die Anhänger davon beliebte Brandopfer für die allgegenwärtigen Inquisition.
In den Kerkern von Carcassonne treffen wir auf dem jungen Schreiber, und Dominikanermönch, Michelle. Er soll die dort gefangengehalten und der Gotteslästerei und Hexerei beschuldigte Äbtissin Marie Francois, ein geständnis abzwingen; sie gesteht aber nichts, erzählt dafür den jungen Mönch ihre komplette Lebensgeschichte.
Sie erzählt von ihrer Kindheit in Toulouse, als ihr weltlicher Name noch Marie Sybille war und erzählt dem Mönch von den Visonen die sie als Kind schon hatte. Auch erzählt sie ihm von ihrer geliebten Großmutter, die sie unterrichtete in Natürheilkunde und das Wissen über die Kräuter. Die Großmutter war fervente Anhängerin des Dianakults und so wurde auch Sybille darin unterrichtet.
Auch die Großmutter hat Visionen; sie sieht darin das ihre Enkelin einst eine große Seherin, Priesterin und Heilerin werden wird, aber das der Weg dorthin dunkel und schwer sein wird. Die Großmutter fällt der Inquisition zum Opfer und Sybille muß sich mitansehen, wie ihre Großmutter verbrannt wird.
Jetzt muß Sybille Entscheidungen treffen; tagelang schwirrt sie umher und traut sich nicht nach Haus, wegen den Schergen der Inquisiton. Auf ihre Wanderung wird sie durch Räuber überwältigt, schließlich aber gerettet und landet in einem Franziskanerkloster, wo sie unterrichtet wird; sie bleibt ein paar Jahre bei den Nonnen und lernt dort Lesen, Schreiben und auch vieles über Medizin.
Über die Jahre hat Sybille immer wieder Visionen von Flammen, Scheiterhaufen und von einem unbekannten, aber übermächtigen Feind. Gleichzeitig setzt sie ihre Heilkünste und -kräfte ein und wird dadurch von den Leuten als lebende Heilige verehrt; dies ist der Kirche ein Dorn im Auge und fürchtet sich für Sybille, die jetzt Äbtissin Marie Francois ist, und will an ihr ein Exempel statuieren. Sie wird verhaftet und in den Kerkern von Carcassonne geworfen.
Michelle, der Mönch, hat sich die atemberaubende Lebensbeichte von Marie Francois angehört und aufgeschrieben; er zweifelt immer mehr an die Anschuldigungen gegen Marie Francois. Nur noch wenige Stunden, dann wird der Scheiterhaufen für Marie Francios lodern. Die Priester der Inquisition verlegen die Vollstreckung des Urteils in die frühen Morgenstunden, weil sie Unruhe beim Volk vermeiden wollen. Wird es Michel gelingen Marie Sybille vor den Flammen zu retten?
***** MEINE MEINUNG *****
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Nur ganze 448 Seiten wurden benötigt um diese, sehr interessante, Geschichte zu Papier zu bringen und das ist wirklich sehr schade; die Geschichte hat dadurch an Substanz verloren. Kaum Tiefgang und es wird über vieles nur schnell hinweg geschrieben.
Hier wird viel Wert darauf gelegt mir den Roman als "historischen Roman" schmackhaft zu machen, aber es werden zuviele phantastische Elemente eingestreut; Dianakult, Zauberei, schwarze Magie, Schutzamulette und so recht kann ich die Historie, die Geschichte nicht darin erkennen.
Der Roman ist gut, ohne Zweifel, und hier und da kann man das Genre (Historischer Roman) auch erkennen, aber es wird zuviel drumrum geschrieben und so gibt es ganze Passagen, wo man sich in einem fantastischen Roman von Marion Zimmer Bradley befinden könnte. Der Roman ist weder historisch, noch komplett fantastisch und der Autorin ist der Mix der beiden Genren ganz gut gelungen, obwohl ich mir etwas anderes bei dem Buch vorgestellt hatte.
Das Buch ist empfehlenswert; trotz manch langatmige Phasen, eine recht vorhersehbaren Verlauf der Geschichte und ein ebenso vorhersehbares Ende. trotzdem muß ich auch etwas Negatives loswerden: korrekt recherchierte Mittelalterromane stellen, wie auch dieses Buch, oft die dunkele und grauenvolle Seite dieser Epoche in den Vordergrund. So kann sich der Leser, noch ehe die Hälfte der Seiten um ist, auf eine detaillierte Folterungsszene, 2-3 Menschenverbrennungen, eine fast tödliche Hausgeburt und die ausführlich beschriebene Verwüstung des Landes durch die Pest erfreuen - der Krieg folgt dann später. Da kommt doch gelegentlich die Frage auf, ob man nicht eigentlich ein Buch zu Hand genommen hat, um sich nett zu unterhalten......
***** BUCHDATEN *****
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* Die Seherin von Avignon, Jeanne Kalogridis
( The Burning Times)
* Aus dem Amerikanischen von Marion Balkenhol, Ullstein Verlag.
* Gebundene Hardcoverversion mit Schutzumschlag € 17.
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Grisham, John: Die Farm
02.09.2002, 19:06 Uhr von
Kunigunde
Ich habe unter den Nicks: Annabelle (dooyoo) und Boppa (ciao) meine hier veröffentlichten Beiträg...Pro:
ein ganz anderer Grisham und doch so gut
Kontra:
keine
Empfehlung:
Nein
Ich war auf dem Weg zu einem Treffen mit einer Freundin, jedoch mal wieder viel zu früh dran. Ich hatte alles erledigt, was ich mir vorgenommen hatte und nur so herumzutrödeln liegt mir nicht. Also führte mich mein Weg schnurstracks in den nächsten Buchladen, auf der Suche nach etwas, dass mir die Zeit vertreiben sollte. Ohne lange zu überlegen, griff ich zum neuen Grisham, zahlte und ging. Von ihm hatte ich schon lange nichts mehr gelesen, also kam es mir gerade recht und es sollte auch eine etwas anders gelagerte Geschichte sein, als man sie von ihm gewohnt ist.
Was soll ich sagen, die Zeit hat es mir vertrieben und eigentlich hätte ich keine Verabredung mehr gebraucht, um einen schönen Abend zu haben, denn die Geschichte gefiel mir auf Anhieb ziemlich gut.
Aber so ein Treffen mit einer Freundin hat ja auch was für sich...
Zum Inhalt will ich mich möglichst kurz fassen. Die Geschichte spielt in den 50er Jahren in Arkansas auf einer Baumwollfarm. Im Mittelpunkt steht der 7 jährige Luke und seine Familie. Der Alltag ist geprägt von harter Arbeit auf dem Feld beim Pflücken der Baumwolle, von den finanziellen Schwierigkeiten der Eltern und Großeltern, der Sorge um Ricky, der im Koreakrieg kämpft, Baseball und den ‚strengen’ Familienhierarchien. Trotz aller Sorgen, um eine gute Ernte und das Zusammenleben mit den Erntehelfern (Fremde aus den Bergen und Mexikaner) und schwerster körperlicher Arbeit führt Luke ein glückliches Leben und träumt davon einmal ein berühmter Baseballspieler zu werden - bis zu dem Tag, als er Zeuge eines Mordes wird, den er nicht vergessen kann, und der ihn zu einer seiner schwersten Entscheidungen zwingt. Mehr möchte ich dazu eigentlich nicht loswerden.
Es ist eine wirklich ungewöhnliche Geschichte für einen Grisham, denn es kommt kein einziger Anwalt, kein Gerichtssaal, kein Prozess und auch keine quälenden gesellschaftlichen Fragen vor darin. Grisham selbst sagt, das er einen Teil seiner Kindheit verarbeitet hat, aber auch ein Teil der Geschichten, die von seinen Eltern und Großeltern erzählt wurden. Diese Geschichten enthalten sicher einen Teil Wahrheit, aber auch immer einen Teil Verzierung, wie das so ist bei Geschichten, die immer wieder erzählt werden.
Luke ist und bleibt ein lebendiger Charakter und mit den Problemen, die ein Siebenjähriger so hat, kann man sich schnell anfreunden. Auch wenn eigentlich nicht viel passiert – schließlich wird die Zeit einer Ernteperiode abgedeckt (mit zusätzlichen Rückblicken) – passiert dennoch genug, um nie sagen zu können, dass es langweilig geworden ist. Mich hat es fasziniert, wie so ein Tag in dieser Familie funktionierte, wie selbstverständlich jedes Familienmitglied seine Rolle kannte und auch gerecht wurde, dass schon diese Tatsache allein spannend genug war, um immer weiterlesen zu müssen. Grisham ist und bleibt nun mal ein verdammt guter Erzähler, das hat er mit diesem Buch mal wieder eindeutig bewiesen. weiterlesen schließen -
Joy Fielding: Ich will Ihren Mann!
01.09.2002, 19:12 Uhr von
Angel05
Ich habe leider nur noch wenig Zeit für Yopi. Aber ich werd immer mal wieder reinschauen, was sic...Pro:
spannend, gut geschrieben, gut zu lesen
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Nein
"Literaturkritiken" sind eigentlich nicht meine Stärke, aber in den vergangenen Wochen habe ich ein Buch gelesen, daß ich Euch gern vorstellen möchte. Denn mich hat es so gefesselt und mitgerissen, das ich dazu ein bißchen was loswerden möchte.
Bei dem Buch handelt es sich um den Joy Fielding Roman "Ich will Ihren Mann". Allein der Titel ist schon bezeichnend für ein Drama aus Beziehungsstreß und Eifersucht. Und der erwartungsfrohe Leser wird nicht enttäuscht.
Aber erstmal zum Inhalt:
Lillian Plumley hat zwei Jahre lang darum gekämpft, daß ihr jetziger Ehemann David sich von seiner Frau und seinen Kindern trennt und mit ihr ein neues Leben anfängt. Dafür hat sie eine Menge Einschränkungen hinnehmen müssen - allem voran hat sie ihren Job als Redakteurin aufgegeben. Jetzt sind sie bereits vier Jahre verheiratet, als Lilli auf einer Party mit einer Situation konfrontiert wird, die ihr Leben schlagartig verändern wird. Eine junge, bildschöne Frau namens Nicole Clark kommt während der Party auf sie zu und offenbart ihr, das sie sich ihren Mann David zu eigen machen wird.
Verunsichert durch diese Aussage kommen Lilli erstmals Zweifel, ob David ihr treu ist. Schließlich hat er ja in der Vergangenheit schonmal eine Frau verlassen, um mit einer anderen - Lillie nämlich - einen Neuanfang zu machen. Warum sollte er es also nicht wieder tun?
Die Zweifel werden bei Lilli so stark, das sie David darauf anspricht. Dabei stellt sich heraus, das Nicole eine neue Kollegin ihres Mannes ist und die beiden täglich zusammenarbeiten. Ansonsten bestreitet David jedoch jegliche Beziehung zu Nicole zu haben. Zunächst glaubt Lillie ihm auch. Im Laufe der Zeit werden ihre Zweifel jedoch immer begründeter. Sie versucht mit allem Mitteln, ihre Ehe zu retten , kann aber oft nicht über ihren Schatten springen und bringt das Thema Nicole immer wieder zur Sprache.
Sie fängt auch immer stärker an, an sich selbst zu zweifeln: Ist sie vieleicht Schuld daran, das ihr Mann sich eine andere Frau sucht? Hat sie ihn villeicht sogar erst auf die Idee gebracht, das Nicole sich für ihn interessiert, indem sie ihn darauf angesprochen hat?
Aufgrund dieser Selbstzweifel findet sie keine Ruhe mehr. David hat immer weniger Zeit für Sie, da sein Chef ermordet worden ist, und er sich verstärkt um die Anwaltskanzei kümmern muß. Es kommt wie es kommen muß: Lilli und David entfernen sich immer mehr voneinander und haben eine ganze Menge Streß.
Dabei hat Lilli nebenbei noch andere Probleme: Hat ihre Freundin Beth Weatherby tatsächlich ihren Mann - Davids Chef - ermordet? Ist Davids Tochter tatsächlich magersüchtig, und kann sie ihr hefen?
Ich denke dies beschreibt den Inhalt des Buches recht gut, ohne zuviel zu verraten. Ob David tatsächlich ein Verhältnis mit Nicole Clark hat oder ob David und Lilli wieder zusammen finden, das müßt ihr schon selbst nachlesen...
Zum Schreibstil:
Joy Fielding versteht es ausgesprochen gut, ihren Hauptcharakter Lillian Plumley in Szene zu setzten. Die gesamte Geschichte wird aus ihrer Sicht erzählt. Man kann die Gefühlsregungen geradezu mitfühlen und sich gut in Lilli hineinversetzen. Einerseits beschreibt sie das hier und heute - die Situation, in der sich Lilli aktuell befindet. Zwischendurch werden jedoch immer wieder Retrospektiven in Lillis Vergangenheit eingebunden, die ihrem Kampf um David beschreiben, als dieser noch mit seiner vorherigen Frau verheiratet war. Man bekommt sehr schnell mit, daß es viele Parallelen zwischen Lilli und Nicole gibt, nur eben zu verschiedenen Zeiten.
Die Geschichte drumherum ist so strukturiert aufgebaut, das der Leser genug Details mitbekommt, die für den Augenblick wichtig sind. Es wird aber erst ganz zum Schluß durchschaubar, welche von Lillis Problemen wie gelöst werden. Dadurch behält der Roman durchweg seine große Spannung. Er ist zudem noch so angenehm geschrieben, das man eigentlich gar nicht mehr aufhören kann, zu lesen.
Zur Autorin:
Joy Fielding stammt aus den USA und ist eine weltweit erfolgreiche Autorin mehrerer Bestseller-Romane. Sie handeln (bislang) immer von zwei Themen: Kriminalfälle oder Beziehungsdramen. In diesem Fall könnte man es sogar eine Mischung aus beidem betrachten.
Sie hatte schon während ihrer Schulzeit das ehrgeizige Ziel, Schriftstellerin zu werden. Zwischezeitlich strebte Joy Fielding auch mal eine Karriere bei Theater und Fernsehen an, war damit aber nicht so erfolgreich. Schließlich kehrte sie zum Schreiben zurück und ist heute bereits ein Inbegriff erfolgreicher Frauenliteratur.
Die Daten zum Buch:
Der Roman "Ich will Ihren Mann" ist im Knaur Verlag erschienen. Er umfasst 390 Seiten und kostet im Taschenbuchformat 7,90. EUR. Am einfachsten findet man ihn unter der ISBN 3-426-01667-2.
Mein Fazit:
Ich kann Euch diesen Roman nur empfehlen. Die Story ist spannend, gut geschrieben und nicht zu sehr aber auch nicht zu wenig anspruchsvoll. Also eine gute Abendlektüre (zumindest ist das bei mir die Zeit, zu der ich am liebsten lese...)
Vielen Dank für´s Lesen und Bewerten und bis bald... weiterlesen schließen -
Generation Golf- Florian Illies
Pro:
siehe Text...
Kontra:
...dito...
Empfehlung:
Nein
Hallo ihr Lieben,
nein, ich glaube nicht, dass dieses Buch ein Skandal ist, so wie es eine Zeitung geschrieben hat. Ich glaube auch nicht, dass es die meisten Leser besonders skandalös finden. Es ist einfach nur wahr.
Generation Golf.
Eine Selbstanalyse.
Florian Illies beschreibt genau die Menschen, die das Privileg haben, zwischen 1970 und 1982 geboren zu sein. Schade. Gehöre ich als 1983geborene unwiderruflich nicht dazu? Ich kann es mir nicht vorstellen...wo doch auch ich mit Werbungen wie „Aus Raider wir jetzt Twix“ und Alles in Obi“ aufgewachsen bin. Und auch ich habe mit Playmobil und Barbies gespielt.
Ist es überhaupt so erstrebenswert, zu dieser Generation zu gehören?
Zu einer Generation, die sich nach Aussage das Autor nur über ihr Auto definiert? Mein einziger Schnittpunkt mit diesem Wagen war die Fahrschule. Und auch ich muss sagen: Nicht schlecht...aber auch nicht mein Lebensinhalt...und jetzt fahre ich genau das Auto, was mir, sofern ich denn Mitglied der Generation Golf bin, so verhasst sein müsste: Einen Opel Astra. Omaauto. Uncool.
Aber ist es überhaupt erstrebenswert, zu dieser Generation zu gehören?
Zu einer Generation, die egoistisch nur auf das eigene Wohl bedacht ist, einen übertriebenen Körperkult pflegt und nur nach draußen geht, um sich selbst zu zeigen? Bin ich so??? Während der Lektüre dieses Buches stellt man sich zwangsläufig die Frage, ob die vom Autor beschriebene Lebensweise wirklich so zutreffend ist. Manchmal ja, manchmal nein, wobei ich versucht bin zu sagen, dass die oben genannten negativen Punkte eher nicht auf mich zutreffen...
Und ist es überhaupt erstrebenswert, zu dieser Generation zu gehören?
..mit all ihren Macken und Kanten. Revolution? Nein, schon lange nicht mehr. Die Mitglieder der Generation Golf sind sich selbst genug. Jeder hat mit sich selbst zu tun und das reicht. Was kümmert es, wenn hier und dort ein Krieg ausbricht oder ein Wald abbrennt? Solange es uns nicht betrifft. Die Generation ist ©marenmoon unpolitisch. Politik ändert doch sowieso nichts. Die da oben mit ihrem Klüngel. Wir sind unselbstständig. Bieder. Schrecklich.
Nein, das trifft nicht auf mich zu. Wage ich, zu behaupten. Oder? Natürlich interessiere ich mich für das, was passiert. Und ich gehe wählen. Was bin ich also? Unpolitisch? Die Generation Golf ist es, mal abgesehen von einer kleinen Spende für die Armen Kinder in Simbabwe zu Weihnachten, weil das bei den anderen gut aussieht. Aber sonst.
Aber ist es überhaupt erstrebenswert, zu dieser Generation zu gehören?
In diesem Punkt nicht. Aber ist die Generation überhaupt so? Was sind es denn für Menschen, die auf Demos gegen Nazi-Terror gehen? Gehören sie alle zu den Leuten über 30? Nein, gehören sie nicht.
Welche Menschen demonstrieren gegen die Globalisierung? Auch nicht ausschließlich Menschen über 30. Auch die Generation Golf wacht auf. Langsam, und nicht immer, aber sie wacht auf.
Warum soll man also nun dieses Buch lesen?
Der Autor vermittelt ein Bild davon, was seiner Meinung nach die 19-30 jährigen von heute für eine Einstellung vom Leben haben und hatten. Natürlich ist das eine subjektive, auf seine eigenen Erfahrungen beruhende Feststellung der Tatsachen und nicht immer zutreffend (siehe oben). Oft erkennt man sich und seine Kindheitserfahrungen wieder, manchmal fragt man sich, in welcher Welt man bzw. der Autor gelebt haben mag.
Die eigentliche Frage, die sich mir stellt, ist allerdings eine andere: Warum GOLF?
Natürlich ist der Golf ein Auto, welches in den Jahren zum Massenwagen fungiert ist. Trotzdem beschreibt ein Auto und alles, was damit verbunden wird, meiner Meinung nach nicht unbedingt die Kennzeichen einer Generation. ©marenmoon Auch wenn der Versuch des Autors, diese Generation zu beschreiben, eigentlich sehr gut gelungen ist, verwundern mich doch immer wieder die Passagen über den Golf, die wirken, als seinen sie nur dazu geschrieben, um den Titel des Buches zu rechtfertigen. Mit dem restlichen Inhalt des Buches lassen sie sich jedenfalls nicht vereinbaren.
Im Grunde genommen kann ich dieses Buch nur jedem empfehlen, der sich an Dinge erinnern will, die normale Menschen einfach wieder vergessen. Der Autor bringt Sprüche aus den 90er Jahren genau an den passenden Stellen und versetzt einen immer wieder selbst in Situationen, die man erlebt hat. Ich habe noch nie ein Buch gelesen, in dem ich mich und meine Umwelt so wiederfinden konnte, ohne jedoch gleichzeitig allem zuzustimmen, was Illies geschrieben hat. Es ist einfach wahr, was er schreibt und das finde ich faszinierend. Jemand hat sich mit der Zeit, in der man aufgewachsen ist und aufwächst, intensiv beschäftigt und bringt sie einem in kompakter Form zurück. Und bringt einen dazu, über sie und sich nachzudenken.
Fazit: Ein Buch, dass anders ist. Es ist keine Geschichte, kein Sachbuch, kein Roman. Es ist eine Analyse, die das ganz normale Leben von ganz normalen Menschen aufgreift und kritisch beschreibt. Empfehlenswert auch zur Selbstanalyse, denn ich bin mir sicher, dass sich jeder in irgendeiner Form in diesem Buch wiederfinden wird.
Trotzig weiter Opel Astra fahrend grüßt euch....
maren weiterlesen schließen -
Kann man ein Urteil kaufen?
Pro:
Spannende Interviews aus dem Munde des Regisseurs
Kontra:
Nichts
Empfehlung:
Nein
Wer einen von Grishams Romanen kennt und dieses Buch noch nicht gelesen hat, sollte dies schleunigst nachholen. Denn der Autor beweist hier einmal mehr, wie spannend man eine Geschichte über und um das Justizsystem der Vereinigten Staaten schreiben kann. Grisham, der zehn Jahre lang in einer eigenen Kanzlei als Anwalt, vor allem Strafverteidiger, tätig war, lässt seine Kenntnisse über das amerikanische Rechtssystem in unnachahmlicher Weise in die Geschichte einfließen.
Inhalt
Die Geschichte spielt – wie so oft bei Grisham – in Mississippi, in der Kleinstadt Biloxi an der Golfküste, die von einem Tag auf den anderen in den ganzen Vereinigten Staaten und darüber hinaus bekannt wird. Denn in Biloxi findet ein Prozess der besonderen Art statt. Celeste Wood verklagt das Tabakkonsortium »Pynex«; es geht um Produkthaftung. Denn ihr Mann Jacob war im Alter von 51 Jahren an Lungenkrebs gestorben; er hatte über dreißig Jahre geraucht, zumeist bis zu drei Schachteln pro Tag. Celeste wendet sich an den in Produkthaftungsangelegenheiten erfahrenen Anwalt Wendall Rohr, der die Sache begierig aufgreift, sich ohne Mühe die Unterstützung von Anti-Raucher-Organisationen sichert und eine formidable Gruppe von Anwälten zusammenstellt, die den Prozess wegen Schadensersatz und Schmerzensgeld vorbereiten sollen. Bisher waren solche Prozesse – insgesamt 54 an der Zahl – immer zugunsten der Tabakkonzerne ausgegangen.
Rohr hat es auf der Gegenseite mit dem gerissenen und zu allem entschlossenen Rankin Fitch zu tun, dem Beauftragten der Tabakindustrie. Fitch ist unberechenbar, lächelt nie, schläft »sogar in einem Zustand der Feindseligkeit«. Er hat die größte Kanzlei an der Golfküste beauftragt, die mit 80 Anwälten bestückte Kanzlei Whitney & Cable & White. Doch nicht nur das. Ein Schwarm von Detektiven und sonstigen Helfershelfern steht Anklage wie Verteidigung zur Verfügung. Diese haben letztlich nur eine Aufgabe: Sie sollen die auf der Geschworenenliste benannten Personen beobachten, Nachbarn befragen, ausforschen, damit sich die Anwälte ein Bild von den in Frage kommenden Geschworenen machen können, um bei der entscheidenden Auswahl der letztlich zwölf Jury-Mitgliedern möglichst viele auf die Bank zu bekommen, die in ihrem Sinne stimmen oder zumindest manipulierbar sind.
Es geht um Millionen in diesem Prozess. Und wenn Celeste Wood die Klage gewinnen sollte, käme sicherlich eine Lawine weiterer Prozesse auf die Tabakindustrie zu, die Börsenkurse kämen ins Rutschen – Fitch rechnet mit 20% Verlusten – und die Schadensersatzsummen könnten ins Unermessliche wachsen.
Ja, und dann ist dort noch einer unter den Geschworenen, Nicholas Easter, von dem weder Anklage noch Verteidigung sehr viel wissen, ein Mann, der vorgibt, eine Zeitlang Jura studiert zu haben, der offenbar gut informiert und auf den Prozess vorbereitet ist. Nicht nur er, auch andere Jury-Mitglieder fühlen sich, nachdem der Prozess mit der Vernehmung von Sachverständigen der Anklage begonnen hat, heimlich beobachtet, ja verfolgt. Richter Harkin, der in Kenntnis ähnlicher Beeinflussung von Geschworenen in vergleichbaren Verfahren, sehr viel Wert auf den Schutz der Geschworenen legt, ordnet ihre Unterbringung in einem Motel an. Doch auch das ändert nichts daran, dass einige Jury-Mitglieder ein merkwürdiges Verhalten an den Tag legen.
Aber nicht nur dies. Bei Fitch und später auch bei Rohr meldet sich eine junge Frau, die offenbar hellseherische Fähigkeiten besitzt. Sie sagt voraus, in welcher Kleidung Easter am nächsten Tag im Prozess erscheinen wird, weist Fitch nach, dass einer seiner Helfershelfer heimlich in Easters Wohnung eingedrungen und herum geschnüffelt hat, kennt Details, die eigentlich nur wenige Eingeweihte wissen können ...
Meine Meinung
Grisham legt auch in diesem Roman wieder sehr viel Wert auf eine dichte, möglichst lückenlose Beschreibung aller Umstände, die den Prozess begleiten. Seine frühere Tätigkeit als Anwalt ist sicherlich mit ein Grund dafür, wie exakt er sowohl in der Darstellung des amerikanischen Rechtssystems ist, aber auch aller Figuren, die in dem Roman eine Rolle spielen, und zwar nicht nur der Hauptfiguren, sondern auch der meisten anderen. Darin liegt eine von Grishams Stärken: Man kann sich ein gutes, oft hervorragendes Bild der Personen machen.
Seine Kenntnisse des Rechtssystems schildert der Autor nun nicht in einer Juristen oft eigenen, trocken-langweiligen, leblosen Sprache. Seine Informationen, insbesondere über das Jury-System, verbindet er mit der Praxis dieses Systems an einem konkreten Fall – und vor allem legt er den Finger in die Wunden dieses Systems. Die bestehen vor allem in der Möglichkeit der Manipulation der Jury-Mitglieder, die oft hart an die Grenzen der Legalität geht oder sie – wie in diesem Buch geschildert – überschreitet. Grisham spitzt diese Aufdeckung der negativen Seiten respektive Möglichkeiten des Jury-Systems zu, indem er in diesem Roman fragt: Kann man ein Urteil kaufen? Ist es möglich, die Mitglieder der Jury soweit zu beeinflussen bzw. unter Druck zu setzen, dass sie ein gewünschtes Urteil jenseits der Ergebnisse der Beweisaufnahme ausspricht?
Zu den Stilmitteln Grishams zählt auch (man vergleiche etwa seinen Roman »Die Jury«), dass er in einer spezifischen Weise distanziert zum Geschehen und zu den Figuren schreibt. Es scheint oft so, als habe er mit der Handlung nichts zu tun, als beobachte er Verhaltensweisen, Abläufe, Personen, mit denen er sich in keiner Weise identifiziert, als sei er ein objektiver Beobachter außerhalb und beinahe »oberhalb« aller Ereignisse. Doch diese Distanz ist nur ein (hervorragend eingesetztes) Mittel, um den Leser voll in das Geschehen zu involvieren und ihm gleichzeitig die Möglichkeit zu geben, selbst zu urteilen. Und Grisham nutzt diese Distanz, um – abseits lehrbuchmäßiger oder arroganter Pädagogik – die Dimensionen des Falls offenzulegen. Grandios!
Fazit
»Das Urteil« ist ein extrem spannender, von allerlei Wendungen geprägter Roman des Erfolgsautors mit überraschendem Ausgang und einem Thema, das fesselnder nicht abgehandelt werden könnte. Grisham gelingt es, die Schwächen eines Justizsystems und die Möglichkeiten der in diesem System handelnden Figuren plastisch zu vermitteln. Das Beziehungsgeflecht aus Recht und Gerechtigkeit, Macht und Geld überzieht Grisham nicht mit dem moralinsauren Zeigefinger oder auch nur mit der Deklamation eines ethischen Kodex hehrer Prinzipien, sondern überlässt es der Intelligenz, dem Einfühlungsvermögen und der Beurteilung des Lesers, sich ein Bild zu machen. Ein Grund mehr, warum ich diese Romane liebe.
John Grisham: Das Urteil, München 1997 (Wilhelm Heyne Verlag, Allgemeine Reihe Nr. 01/12137), 526 Seiten, 7 €, Originalausgabe: »The Runaway Jury«, New York 1996 (Verlag Bantam Doubleday Dell Publishing Group)
© Ulrich Behrens 2002
(dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in www.ciao.com unter dem Mitgliedsnamen Posdole)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-20 21:33:35 mit dem Titel John Grisham: Die Jury / Anspruchsvoll, spannend bis zum Schluss
Dass etliche der Romane von John Grisham verfilmt wurden, nimmt kaum Wunder, sind sie doch durch Spannung und ein hohes Maß sowohl an inhaltlichem Anspruch wie erzählerischer Dichte geprägt. Der 1989 erschienene Roman »Die Jury« beschäftigt sich mit dem Thema Selbstjustiz. Wenn man allerdings den Roman gelesen hat, weiß man, dass es um mehr geht: das amerikanische Justizsystem, die unterschiedliche Mentalität von Menschen in den Nord- und Südstaaten der USA, die Frage der Todesstrafe und der ungleichen Behandlung von Angeklagten aufgrund ihrer Hautfarbe.
Geschichte
Ausgangspunkt der Geschichte ist die brutale Vergewaltigung der kleinen (schwarzen) Tonya durch zwei weiße Rednecks (Ausdruck für extrem konservative, gewalttätige Menschen in den Südstaaten; ursprünglich Bezeichnung für weiße Farmer). Tonya kommt nur knapp mit dem Leben davon, ist so schwer verletzt, dass sie nie Kinder bekommen kann. Als ihr Vater Carl Lee Hailey davon erfährt, hat er nur ein Ziel vor Augen: die beiden Täter zu töten. Das erzählt er auch dem jungen Rechtsanwalt Jake Brigance, der allerdings ebensowenig wie Sheriff Ozzie Walls glaubt, dass Hailey wirklich zur Waffe greift.
Carl Lee besorgt sich bei einem ehemaligen Kriegskameraden, der inzwischen illegale Geschäfte mit Drogen, Waffen und anderem treibt, eine Schnellfeuerwaffe, versteckt sich in der Besenkammer des Gerichtsgebäudes und erschießt die beiden Täter, als sie wieder ins Gefängnis gebracht werden sollen. Dabei verletzt er auch versehentlich einen Polizisten, dem wegen der schweren Verletzungen ein Bein amputiert werden muss.
In der Kleinstadt Clanton reißen die Fronten auf. Freunde und Bekannte der beiden erschossenen Rednecks wenden sich an den längst tot geglaubten Ku-Klux-Klan; die schwarze Bevölkerung fordert Freispruch und organisiert Geldsammlungen für Hailey, der seine Verteidigung durch Brigance nicht bezahlen kann, seine Arbeit verloren und dessen Familie kaum Geld zum Leben hat. Clanton teilt sich in solche, die vollstes Verständnis für Hailey haben und andere, die seinen Tod in der Gaskammer fordern, vor allem weil er als Schwarzer zwei Weiße ermordet hat.
Für Staatsanwalt Rufus Buckley scheint die Stunde gekommen zu sein, in der er durch die Anklage gegen Carl Lee endlich vorwärtskommen kann auf dem Weg zur Wahl zum Gouverneur. Für ihn liegt der Fall so klar, dass es an einer Verurteilung zum Tode keinen Zweifel zu geben scheint. Brigance andererseits – ein grundsätzlicher Befürworter der Todesstrafe – sieht in Carl Lees Tat das, was jeder vernünftige Mann in seiner Situation getan hätte, auch er, wenn seiner kleinen Tochter so etwas angetan worden wäre.
Doch der Aufbau der Verteidigung gestaltet sich schwierig. Zum einen muss Brigance darum kämpfen, dass eine Jury zusammengestellt wird, die er von einem Schuldspruch abhalten kann, zum anderen kann er seine Verteidigung ausschließlich auf Unzurechnungsfähigkeit aufbauen. Brigance benötigt Hilfe, und die erhält er von seinem ehemaligen Chef, dem aus der Anwaltskammer vor Jahren ausgeschlossenen und alkoholabhängigen Lucien Wilbanks, einer jungen agilen Jurastudentin, die kurz vor dem Abschluss steht, aus dem Norden, Ellen Roark, und seinem Kollegen, dem Scheidungsanwalt Harry Rex Vonner, der keine Skrupel zu kennen scheint, mit allen Mitteln zu kämpfen.
Die Schwierigkeiten nehmen noch zu: Nicht nur, dass sich die NAACP, die Bürgerrechtsorganisation der Schwarzen, einmischt, um den Fall politisch auszuschlachten, indem sie u.a. Carl Lee einen von ihr ausgesuchten Staranwalt aufdrängen will. Zudem greift der Ku-Klux-Klan zur Gewalt. Und Richter Omar Noose lehnt eine Verhandlung an einem anderen Ort ab, was Brigance beantragt hatte ...
Meine Meinung
Grisham erzählt eine kompakte Geschichte mit einer derart inhaltlichen Fülle, dass Spannung bei der Lektüre dieses Romans nie ausbleibt. Trotz dieses Reichtums an Konflikten und Themen, die er anhand der Tat Haileys aufrollt, verzettelt sich die Handlung nicht in einzelnen Verästelungen. Grisham gelingt es, die einzelnen Handlungsstränge so miteinander zu verbinden, dass insgesamt ein grandioses, teilweise erschreckendes, vor allem aber dichtes und verständliches Bild der Situation in einer Kleinstadt in Mississippi entsteht.
Darüber hinaus entwirft der Autor eine differenzierte Darstellung des amerikanischen Justizsystems, das auf dem Geschworenensystem aufbaut, und seinen Problemen anhand eines derartigen Falls. Kann es eine Jury geben, die unvoreingenommen den Fall beurteilt? Welche persönlichen Mentalitäten haben in welcher Weise Einfluss auf die Entwicklung des Prozesses? Welche Interessen spielen eine Rolle? Selbstjustiz ist aus gutem Grund verboten; doch welche anderen Umstände müssen zur Beurteilung eines solchen Akts herangezogen werden? Wie reagieren die Menschen auf diese Tat in einem County, in dem die Weißen einen Anteil von über 70% an der Bevölkerung ausmachen?
Grisham zeichnet von Kapitel zu Kapitel die verschiedenen Charaktere der Beteiligten – vor allem von Carl Lee, Brigance, Noose, Ellen Roark, Harry Vonner, Buckley, Wilbanks – differenzierter, exakter, feiner. Seine Figuren beschreibt er einerseits aus der Distanz des Erzählers, der sich kein Urteil über ihr Verhalten anmaßt, einzige Ausnahme vielleicht Staatsanwalt Buckley, den Grisham als zwar intelligenten, aber eingebildeten Emporkömmling zeichnet, dem das Mitgefühl für andere gänzlich abhanden gekommen zu sein scheint. Doch andererseits ist Grisham hautnah dran, wohl auch als jemand, der sich – selbst früher Anwalt – sein Leben lang mit der Fragwürdigkeit der Todesstrafe auseinander gesetzt hat.
Spannend mit »anzusehen« ist auch, wie ganz unterschiedliche Figuren an der Verteidigung Haileys arbeiten: Brigance, der prinzipiell für die Todesstrafe ist, gegen die anwaltliche Konkurrenz großer Kanzleien bestehen muss, ein typischer weißer Südstaatler, aber kein Rassist; Ellen, die emanzipierte Kämpferin gegen die Todesstrafe, aus den Nordstaaten, intelligent, engagiert, witzig, schlagfertig, die sich durch nichts provozieren lässt; Wilbanks, dem Alkohol verfallen, oft aufbrausend, egoistisch, der aber dennoch irgendwie auf seiten der Gerechtigkeit steht und dabei meistens die Situation realistisch einschätzt; Harry Rex, viermal verheiratet, viermal geschieden, ein hinterlistiger, mit allen Wassern gewaschener Scheidungsanwalt; Sheriff Walls, der Carl Lee im Gefängnis sitzen hat, innerlich mit ihm sympathisiert ...
So entsteht ein komplexes, kompliziertes Bild einer Gesellschaft, die sich vor ein letztlich unlösbares Problem gestellt sieht: Übergibt sie Carl Lee der Gaskammer, wird ein Mann hingerichtet, der so gehandelt hat, wie fast alle anderen in seiner Situation auch gehandelt hätten. Spricht sie ihn frei, kommt dies der Legalisierung von Selbstjustiz gleich. Eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe kommt bei einem Schuldspruch aus gesetzlichen Gründen nicht in Frage.
Ein Lob auch der deutschen Übersetzung durch Andreas Brandhorst, an der ich nichts auszusetzen habe.
Fazit
Wenn ich den Roman mit der Verfilmung von Joel Schumacher (»A Time To Kill«, 1996) vergleiche, so kommt zwar einiges von der Dichte des Romans in dem Streifen zum Ausdruck. Doch die Unterschiede sind immer noch eklatant. Grisham hat die Fähigkeit, ein kompaktes Bild einer Situation, einer Gesellschaft, eines Falls und seiner Entwicklung geradezu zu zaubern. Dadurch bleibt die Spannung, wie die Geschichte ausgeht, zwar weiterhin vorhanden; aber viel interessanter und fesselnder ist, was vorher geschieht.
John Grisham: Die Jury, München 2001 (Taschenbuchausgabe, zusammen mit »Die Kammer«, Heyne Allgemeine Reihe Nr. 01/13495, 1292 Seiten), 622 Seiten, Wilhelm Heyne Verlag München, 10 €; ISBN 3-453-19928-6; dt. Erstauflage München 1992, Originaltitel: »A Time To Kill«, 1989
© Ulrich Behrens 2002
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----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-21 20:31:22 mit dem Titel Christoph Haas, Almodóvar. Kino der Leidenschaften
Wer sich für den spanischen Regisseur Pedro Almodóvar und seine Filme näher interessiert, kann in dem hervorragenden Band»Filmen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Gespräche mit Frédéric Strauss«, Frankfurt 1998, einiges über die Hintergründe des Werkes vom Regisseur selbst erfahren. Zudem gibt es ein weiteres informatives Buch, das der Germanist und Romanist Christoph Haas (der auch Beiträge zu Bruce Willis, Stanley Kubrick sowie für »Merkur« und »epd-Film« geschrieben hat) 2001 verfasst hat.
Inhalt
Haas Buch gliedert sich u.a. in fünf Abschnitte, in denen er Almodóvars Filme nach verschiedenen Themenbereichen gliedert und interpretiert. Er befasst sich darin mit allen Filmen des Regisseurs, die im Kino liefen, von »Pepi, Luci, Bom und andere Mädchen vom Haufen« (1980) bis »Alles über meine Mutter« (1999). Am Schluss des Bandes findet man eine Filmografie mit allen, auch den nicht kommerziellen Filmen aus den 70er Jahren sowie kurzen, aber prägnanten Inhaltsangaben zu allen Kinofilmen. Ein ausführliches Literaturverzeichnis erschließt weitere Quellen zum Werk Almodóvars, u.a. Internet-Adressen, Aufsätze über den Regisseur, dessen eigene Schriften, Interviews, Porträts und Drehberichte. Den Abschluss des Bandes bildet ein Titel- und Personenregister.
Der Band ist reich bebildert, vor allem mit Szenenfotos und Aufnahmen von Dreharbeiten. Die Qualität der Schwarz-Weiß-Fotos ist nicht besonders gut, aber erträglich.
In die Filminterpretationen eingeflochten sind an verschiedenen Stellen kurze Spotlights zu Schauspielern, die mehr oder weniger oft mit Almodóvar gedreht haben, u.a. zu Julieta Serrano, Carmen Maura, Antonio Banderas, Marisa Paredes, Veronica Forqué, Chus Lampreave und Rossy de Palma. Ebenso finden sich zahlreiche, beispielhafte Ausschnitte aus Dialogen.
Meine Meinung
Haas zitiert Almodóvar am Anfang mit folgenden Worten: »Ich bin in der Mancha geboren und habe da acht Jahre gelebt. Diese ersten Jahre haben mir klargemacht, dass ich die Gegend nicht liebe und da nicht leben möchte und alles, was ich im Leben täte, das Gegenteil dessen sein würde, was ich in der Mancha gesehen habe – die Art der Leute dort, zu leben, zu denken, zu sein« (S. 11). Die Mancha – das ist für Almodóvar vor allem der Inbegriff des Machismo und des mit dem Frankismus eng verbundenen Katholizismus. Aber letzterer ist für ihn nicht nur ein Phänomen der Macht, sondern Almodóvar entdeckt Affinitäten von religiöser und erotischer Ekstase, mit denen er sich vor allem in Filmen wie »Das Kloster zum heiligen Wahnsinn« und »Das Gesetz der Begierde« später auseinander setzen sollte.
Haas schildert, wie Almodóvar nach Madrid geht, dort sich fast besessen mit Filmen, Filmgeschichte, dem phantastischen Realismus lateinamerikanischer Autoren befasst, das Kleinbürgertum der Großstadt kennen lernt, vor allem aber auch die Subkultur, die in fast allen seinen Filmen eine bedeutende Rolle spielt. Die Großstadt ist für Almodóvar nicht nur der Kontrapunkt zur Mancha, zum Land, zur Provinz, zum Frankismus, zum Katholizismus und zur Enge; er »propagiert« geradezu die Großstadt in all ihren Segmenten, ihrer Differenzierung, aber nicht durch Verherrlichung, sondern in durchaus extrem analytischer Absicht.
Ist die Großstadt die räumliche, so sind die Frauen die lebendige »Waffe« in Almodóvars Filmen – die Frauen, die im Widerspruch und Widerstand gegen den Machismo über Jahrzehnte eine enge, ausgeprägte, verbindliche, fast natürlich-liebevolle Solidarität entwickelt hatten, die im Spanien nach Franco weiter lebte, auch in den Städten. Frauen, die weinen, die interessierten den Regisseur schon immer, nicht nur, dass sie weinen, sondern vor allem warum, die Geschichte, die dazu führte.
Haas kritische Würdigung des Werks Almodóvars hier wiederzugeben, ist nicht möglich. Daher nur einige Aspekte: Er macht deutlich, dass sich bestimmte Motive, Handlungsstränge, Absichten in allen Filmen wiederfinden. Almodóvar geht es um die Familie, aber nicht die klein- oder großbürgerliche Familie. Er verknüpft die Solidarität der Frauen mit der Frage, ob Familie und wie Familie in einem weiteren Sinne als in der klassischen Familie(en-Ideologie) möglich ist. Zentral – vor allem in »Alles über meine Mutter« wird dies greifbar – sind dabei die Fragen nach Festhalten- und Loslassen-Können sowie nach Verfügbarkeit und Offenheit. In »Alles über meine Mutter« verliert Manuela (Cecilia Roth) ihren Sohn, reist in ihre Vergangenheit zurück, hilft einer ihr völlig fremden Frau, Rosa (Penelope Cruz), und als die stirbt, nimmt sie deren Baby auf und kehrt nach Madrid mit ihrem neuen Sohn zurück. Dieser Weg zwischen Verlust und Gewinn ist ein Gang durch die Hölle und den Himmel.
Die filmischen Instrumente gleichen den inhaltlichen Schwerpunkten: Die Verlagerung von Handlungen aus ihren im wirklichen Leben bestehenden Zusammenhängen in ganz andere, vor allem der der Subkultur, hat weniger transzendente Bedeutung. Das »Übertriebene« dieser Translokation dient der Verdeutlichung des Geschehens:
»›Alles über meine Mutter‹ markiert eine neue, überraschende Wendung in Almodóvars Aneignung des Religiösen. In ›Das Kloster zum heiligen Wahnsinn‹ dient der Rückgriff auf die religiöse Bildlichkeit und Symbolik der Heiligsprechung säkularer Emotionen. In ›Kika‹ ist die Heldin bereits von ungewöhnlicher Bereitschaft, auf ihre Mitmenschen einzugehen, erfüllt; dazu hat sie die Fähigkeit, einen Toten zweimal zum Leben zu erwecken. In ›Alles über meine Mutter‹ triumphiert dann eine spezifische Art von Solidarität, für die es, bei aller von Almodóvar gewohnten Drastik und Komik, nur noch ein altmodisches Wort gibt: Nächstenliebe« (S. 156) – wobei ich diese Entwicklung nicht so überraschend finde wie Haas.
Die schicksalhaften Verstrickungen der bis ins Detail konstruierten Figuren Almodóvars in die Abgründe von sozialen Netzwerken, in denen ihnen der Zugang zum Leben abgeschnitten wird, ist ein zentrales Moment seiner Filme. In »Alles über meine Mutter« erzählt der Regisseur in dieser Deutlichkeit zum ersten Mal nicht nur von diesen »schrecklichen Schnitten«, sondern auch »von der Notwendigkeit, immer von neuem mit der Arbeit des Verknüpfens zu beginnen« (S. 156).
Fazit
Haas Buch ist keine populärwissenschaftliche Darstellung, aber auch keine schwer zugängliche oder gar elitäre wissenschaftliche Analyse. Voraussetzung für ein tieferes Verständnis ist sicherlich, dass man vor Lektüre des Buches zumindest ein, zwei Filme des spanischen Regisseurs gesehen hat. Haas Interpretationen vermitteln einen phantastischen Zugang zum Werk, sie sind engagiert geschrieben, zeugen von emotionaler Verbundenheit wie philosophisch-historischem Verständnis.
Ich kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen und schließe mit einem Zitat von Almodóvar, das auch Haas am Ende seiner Ausführungen anführt: »Die Sprache des Kinos besteht aus Bildern, die in die Zukunft reisen, auch wenn die Geschichten, die wir erzählen, in die Vergangenheit tauchen« (S. 162). Almodóvar ist ein Meister dieses Kinos und Haas hat sich um die Vermittlung seines Werks wirklich verdient gemacht.
Christoph Haas, Almodóvar. Kino der Leidenschaften, Hamburg / Wien 2001, Europa Verlag, ISBN 3-203-84119-3, 188 Seiten, Preis: 16,90 €
© Ulrich Behrens 2002
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----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-21 20:27:57 mit dem Titel Almodóvar: Filmen am Rande des Nervenzusammenbruchs
Im Frühjahr lief im Friedrichsbau-Kino in Freiburg eine Werkschau des spanischen Regisseurs Pedro Almodóvar mit allen seinen bisher dreizehn Kinofilmen. Almodóvar hat gerade seinen neuesten Film »Hable con ella« (englischer Titel: »Talk To Her«) fertiggestellt, der in den spanischen Kinos bereits angelaufen war und in Deutschland gerade gezeigt wird.
Um sich einen Eindruck über Almodóvars Filme zu verschaffen, die alle in engem Zusammenhang zueinander stehen, lohnt sich ein Blick in das erstmals 1994 erschienene Buch »Filmen am Rande des Nervenzusammenbruchs«, in dem alle Filme bis auf »Alles über meine Mutter« aufgenommen sind.
Das 247 Seiten starke Buch besteht ausschließlich in Interviews, die der französische Filmkritiker und Mitarbeiter von »Cahiers du Cinéma«, Frédéric Strauss, mit dem spanischen Regisseur geführt hat. Diese Interviews sind chronologisch entlang der Filme von »Pepi, Luci, Bom und andere Mädchen aus dem Haufen« (1980) bis »Live Flesh« (1997) geführt, d.h. zu jedem Film verrät Almodóvar Interessantes über das Zustandekommen der Filme, seine Ideen, die Produktionsbedingungen, die persönlichen und gesellschaftlichen, die politischen Hintergründe für den Film, die Aufnahme der Streifen in der Öffentlichkeit, seine Interpretationen, die Schauspieler, die Dreharbeiten, die formale Einordnung der Filme, die Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Ideen Almodóvars und und und. Die Gesprächsteilnehmer gehen dabei oft ins Detail, sprechen über einzelne Szenen und ihre Interpretation usw.
Ergänzt werden diese in den Jahren 1992/93, 1995 und 1997 geführten Interviews durch einen Bildteil mit Szenen aus den Filmen, eine Filmografie mit kurzen, prägnanten Inhaltsangaben sowie einem Stichwort- und Personenregister.
Meine Meinung
Das Buch (respektive die Interviews) liest sich spannend wie ein Roman. Eine komprimierte Zusammenschau der Gespräche ist in einer Besprechung unmöglich. Aber was mir nach der Lektüre des Buches und natürlich dem Genuss aller seiner Kinofilme deutlich wurde, kann ich vielleicht folgendermaßen zusammenfassen:
Kein anderer Regisseur macht Filme wie Pedro Almodóvar: Eigene Filme, eigensinnige Filme, eigenwillige Filme, eigenartige Filme. »Ich glaube, wenn alle Filmer wirklich die Filme machten, die sie machen möchten, wären sie origineller«, äußert er in dem Buch. Und genau dies trifft auf seine Arbeit zu.
Und der Zuschauer? Er kann sich diese Filme im wahrsten Sinn des Worts zu eigen machen. Almodóvars Filme haben den phantastischen Vorteil, dass sie viele Interpretationen zulassen. Almodóvar selbst äußert im Gespräch, jede Interpretation seines Werks sei legitim, auch wenn er natürlich nicht jede teile. Sein Werk regt förmlich zur Phantasie im nicht-luftleeren Raum an. Es ist witzig, spritzig, dramatisch und provokant zugleich. Es zieht an, ist Komödie und Drama in einem. Es verlagert Handlungen und Verhalten von ihrem angestammten Kontext in einen ganz anderen Zusammenhang, ohne dabei ins Absurde zu verfallen. Die Geschichten bleiben am Rande der Absurdität, überschreiten diese Grenze aber nie. Auch das machen die Gespräche mit Strauss deutlich.
Im Zentrum seiner Filme stehen zumeist Frauen, Frauen die weinen, und die Geschichte, die dazu geführt hat, dass sie weinen. Im Mittelpunkt stehen damit aber zugleich Männer, so wenig sie in diesen Filmen zumeist auch auf der Bühne erscheinen mögen. Das Leben in der La Mancha, aus der Almodóvar stammt, ist ihm ein Gräuel gewesen, das alte Spanien, das Franco-Spanien mit seiner rigiden erzkatholischen, lustfeindlichen, und nicht zuletzt eben frauenfeindlichen Mentalität.
Almodóvar zeigt in seinen Filmen die Solidarität, aber nicht die äußerliche, proklamierte, das heißt letztlich nur eine Hülle, sondern die gelebte, die aus der alten Zeit stammende, in ihr entwickelte, von Frauen entwickelte, spontane, unverblümte, kurz praktische Solidarität, die als Abwehr der Frauen gegen den Machismo entstand. Über seinen Filmen könnte auch stehen: Wie kann sie aussehen, die praktische und praktizierte Solidarität der Geschlechter in einer anderen Form der Familie als der klassischen, die dem alten System verhaftet ist. Besonders in seinem bislang letzten Film »Alles über meine Mutter« wird dies mehr als deutlich.
Almodóvars Filme machen Spaß, sind Ernst, verschaffen Lust, regen zum Denken an, sind schwierig, lassen keine Fluchtwege – kurz: sie sind phantastisch. Sie verzichten auf Verurteilung und Abwertung, sie sind bei aller Kritik eben selbst in einer zutiefst mitfühlenden Art solidarisch.
All dies ist auch Thema im Gespräch mit Strauss. Dabei ist Almodóvar keineswegs zu einem jener Regisseure geworden, die sich im Glanz ihres Erfolgs auf einen Sockel gestellt haben. Wie hieß es so schön in »Das Gesetz der Begierde«?
»Bewunderin: Ich habe alle deine Filme gesehen. Allein heute habe ich ›Das Paradigma der Muschel‹ dreimal gesehen. Um vier Uhr, um sieben und um elf.
Pablo (Filmregisseur): Hat es dir gefallen?
Bewunderin: Ja, beim zweiten Mal hat es mir gefallen, aber weniger als ›Remake‹ beim ersten Mal.
Pablo: Und ›Arschkopf‹ beim fünften Mal?
Bewunderin: Weniger als ›Remake‹ beim ersten Mal, aber mehr als ›Alitosi‹ beim dritten Mal. Und welcher von deinen Filmen ist dir selbst der liebste?
Pablo: Weißt Du, ich drehe meine Filme gern, aber hinterher kann ich sie nicht mehr ertragen«.
Fazit
Für Liebhaber der Filme Almodóvars ist das Buch fast ein Muss. Es erschließt die Gefühlswelt und die Mentalität eines Regisseurs und darüber hinaus einen Gutteil spanischer Geschichte der letzten Jahrzehnte, die in Almodóvars Filmen immer eine mehr oder wenig offene Rolle spielt.
Pedro Almodóvar: Filmen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Ein Gespräch mit Frédéric Strauss, Frankfurt am Main 1998, Verlag der Autoren, ISBN 3-88661-192-2.Titel der Originalausgabe: »Pedro Almodóvar, Conservations avec Frédéric Strauss«, Editions de l’Etoile / Cahiers du Cinéma, 1994, 1995, und 1997. Aus dem Französischen von Frieda Grafe und Enno Patalas. 247 Seiten, Preis: 20 €
© Ulrich Behrens 2002
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XXLALF, 01.12.2009, 10:43 Uhr
Bewertung: besonders wertvoll
alle achtung, wahnsinnsbericht, nicht nur in der länge, sondern auch vom inhalt. super toll und ich frage mich, wieso keiner der leser vor mir diesen bericht mit bw bewertet haben. und ganz liebe grüße
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Krimi Spannung à la Schweden: "Die falsche Fährte" (Henning Mankell)
Pro:
Spannende Story, guetr Stil
Kontra:
Umschlag / Einband
Empfehlung:
Nein
Henning Mankell ??? Wer in aller Welt ist HENNING MANKELL ? Ehrlich gesagt: Hätte mir ein Freund vor einiger Zeit nicht durch einen Zufall leihweise das Buch DIE FALSCHE FÄHRTE in die Hand gedrückt, dann wüsste ich immer noch nicht, wer oder was Henning Mankell eigentlich ist.
Aber zum Glück bin ich ja nun aufgeklärter.
Zum Beispiel weiß ich nun, dass Henning Mankell 1948 in Stockholm geboren wurde, mittlerweile in Mosambik lebt und dort seine Krimis schreibt. Früher hat er wohl auch Jugendbücher geschrieben, heute aber widmet er sich sehr erfolgreich den Kriminalromanen.
Offenbar hat er mit seiner Heimat aber nicht ganz abgeschlossen, denn seine Werke scheinen durchgängig in Schweden zu spielen.
Mittlerweile habe ich erfahren, dass Mankell sehr erfolgreich mit seinen Krimis ist, auch hier in Deutschland.
Typischerweise handeln seine Krimis immer im gleichen Ort, immer mit den gleichen Polizisten.
Die Hauptperson heißt lustigerweise KURT WALLANDER und ist Kriminaler.
Endlich mal kein Ltd. Mike Stone, kein Inspektor Gadget, kein Inspector Smith, Miller oder sonstwie.
Ein Krimi, der in schwedischer Provinz spielt und ein Kommissar namens Kurt Wallander ! So was gibt´s wahrhaftig nicht alle Tage !
Achja, eine Info noch so nebenbei:
DIE FALSCHE FÄHRTE gibt´s für 9,80 € als Taschenbuch und ist beim DTV-Verlag erschienen.
So, genug des Drumherums, jetzt zum eigentlichen Buch:
Kurt Wallander will in den Urlaub. Mit seiner angebeteten Baiba, die er offenbar in einer seiner früheren Fälle kennengelernt hat. Achja, ich sollte hier erwähnen, dass dieses Buch nicht das erste dieser Wallander-Reihe ist. Ich habe also mittendrin angefangen und trotzdem fand ich ganz einfach den Einstieg.
Urlaub. Richtig. Wallander freut sich auf seinen Urlaub.
Doch dann begeht eine junge Farbige unter heftigen Umständen Selbstmord. Eine Farbige, die niemand kennt, niemand weiß, woher sie ist.
Parallel dazu geschehen Morde, Morde an Persönlichkeiten. Die Persönlichkeiten waren nicht ganz koscher, polizeibekannt, das macht die Sache aber nicht unbedingt leichter.
Gibt es Zusammenhänge zwischen den Morden ? Evt. sogar einen Zusammenhang zu dem Selbstmord ? Oder war es gar kein Selbstmord ? Und ist evt. auch Wallanders Tochter in Gefahr ?
Henning Mankell beschreibt die Ermittlungen des Kurt Wallander detailgenau und lässt den Leser mit an seinem Leben und Beruf Teil nehmen.
Wallander ist nicht nur Polizist eines kleinen Örtchens in Schweden, nein, er ist auch Vater. Die Tochter macht ihm Sorgen...vor allem, weil keinerlei Kontakt zur Mutter besteht.
Der Leser bekommt neben den polizeilichen Ermittlungen auch Einblicke ins private des Kurt Wallander.
Auch bekommt´s der Leser mit den Kollegen des Wallander zu tun. Und diese sind auch nicht so ganz einfach. Fast so wie im wahren Leben ;-) .
Mankell hat einen spannenden und sehr packenden Schreibstil. Der Leser lechzt förmlich nach der nächsten Seite, dem nächsten Kapitel...tja, und sogar nach dem nächsten Buch.
Ich war von diesem Buch so begeistert, dass ich am Samstag gleich in den nächsten Buchladen maschierte und mir ein weiteres Buch dieser Serie kaufte.
Folgendes ist allerdings anzumerken:
Das Buch ist nicht nur spannend, nein, sondern auch detailliert. Nicht jedem Leser gefällt es zu lesen, wohin all das Blut spritzte oder wie genau die Mordwaffe ihre Aufgabe verrichtete.
Denn auch hierbei lässt Mankell keine Fragen offen.
Doch ich will ehrlich sein: Man kanns ertragen. Es geht also nicht um möglichst viel Blut in diesem Buch, nein, wahrhaftig nicht, sondern eher um detailgenaue Beschreibung. Nein, und dass auch nicht von Seite 1 bis Seite x.
Meine Meinung dazu: Ich habe da keine Probleme mit; es wird nichts übertrieben, man hat den Eindruck, dass Mankells Recherchen auch bei Leichenbeschauern stattgefunden haben.
Freunde sagten mir, dass dieses Buch für Mankell schon eines der „brutaleren“ ist. Aber bitte, wie gesagt...für mich wird eine Grenze nicht überschritten, im Fernsehen gibt´s Tag für Tag ganz andere Sachen zu sehen.
FAZIT
=====
Toll ! Einfach klasse. Der Name Henning Mankell ist mir nun ein Begriff und das wird er auch bleiben. Die Stories, der Schreibstil, die Spannung, die Leichtigkeit der Erzählung.....hier passt einfach alles !
Ich bin sicher, dass ich mir alle Fälle des Kurt Wallander zu Gemüte führen werde.
HALT:
=====
Einen Wehmutstropfen gibt es doch noch: Und zwar den Umschlag des Taschenbuches !
Farblich ist dieser zum Großteil in sattem schwarz gehalten. Ok, das geht in ordnung, aber irgendwie ist das ein Papier bzw. ist da eine Beschichtung drauf, die wirklich den noch so kleinsten Fingerabdruck hinterlässt.
Ob das kriminaltechnische Hintergründe hat ...??
Egal, jedenfalls sieht´s nicht so toll aus...
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-13 06:44:36 mit dem Titel Die Hunde von Riga / HENNING MANKELL
Im Herbst letzten Jahres wurde ich erstmalig auf HENNING MANKELL aufmerksam. Ein schwedischer Autor schreibt Erfolgskrimis?? Schon fast undenkbar..... .Ein Freund empfahl mir jedoch seinerzeit diese Lektüren und irgendwie bin ich dran hängengeblieben.
Mittlwerweile weiß ich auch, dass Henning Mankell 1948 in Stockholm geboren wurde, mittlerweile in Mosambik lebt und dort seine Krimis schreibt. Früher hat er wohl auch Jugendbücher geschrieben, heute aber widmet er sich sehr erfolgreich den Kriminalromanen.
Offenbar hat er mit seiner Heimat aber nicht ganz abgeschlossen, denn seine Werke scheinen durchgängig in Schweden zu spielen.
Henning Mankell ist mit seinen Krimis sehr erfolgreich, auch hier in Deutschland.
Typischerweise handeln seine Krimis immer im gleichen Ort, immer mit den gleichen Polizisten.
Die Hauptperson heisst lustigerweise KURT WALLANDER und ist Kriminaler. Endlich mal kein Ltd. Mike Stone, kein Inspektor Gadget, kein Inspector Smith, Miller oder sonstwie.
Ein Krimi, der in schwedischer Provinz spielt und ein Kommissar namens Kurt Wallander ! So was gibt´s wahrhaftig nicht alle Tage !
Achja, eine Info noch so nebenbei:
DIE HUNDE VON RIGA gibt´s für 9,50 € als Taschenbuch und ist beim DTV-Verlag erschienen.
So, genug des Drumherums, jetzt zum eigentlichen Buch:
Ein geheimnisvoller Anrauf geht bei der Polizei von Ystad ein: Angeblich soll am nächsten Tag ein Schlauchboot an Land getrieben werden. Mit Leichen drin.
Und genauso passiert es auch: Am nächsten Tag wird ein rotes Schlauchboot entdeckt. Und tatsächlich: Zwei Tote befinden sich auch darin.
Und nun beginnen Wallanders Ermittlungen: Wer war der Anrufer ? Wer sind die Toten ? Wo kommen Sie her ? Wer hat sie umgebracht, denn klar ist zumindest dieses: Ein Alterstod war es nicht. Die Spur führt nach Lettland. Aus Amtshilfegründen erhält Wallander einen unterstützenden Polizisten aus Riga (Lettland) zu Besuch.
Doch der Fall wird dadurch nicht einfach.
Der Gast reist zurück...........und das hat keine guten Folgen.
Jetzt macht sich Wallander auf den Weg nach Riga. Irgendwie muss der Fall doch gelöst werden.
Henning Mankell beschreibt die Ermittlungen des Kurt Wallander detailgenau und lässt den Leser mit an seinem Leben und Beruf Teil nehmen.
Wallander ist nicht nur Polizist eines kleinen Örtchens in Schweden, nein, er ist auch Vater. Die Tochter macht ihm Sorgen....vor allem, weil keinerlei Kontakt zur Mutter besteht.
Der Leser bekommt neben den polizeilichen Ermittlungen auch Einblicke ins private des Kurt Wallander.
Auch bekommt´s der Leser mit den Kollegen des Wallander zu tun. Und diese sind auch nicht so ganz einfach. Fast so wie im wahren Leben ;-) .
Mankell hat einen spannenden und sehr packenden Schreibstil. Der Leser lechzt förmlich nach der nächsten Seite, dem nächsten Kapitel....tja, und sogar nach dem nächsten Buch.
Mankell wird oft vorgeworfen, dass er zu sozialkritisch schreibt, das würde nicht in Krimis hineingehören ! Ach nein ? Wieso eigentlich nicht ? Dass in Lettland nicht alles Gold ist was glänzt sollte uns klar sein. Aber warum sollte man nicht über einen Krimi ein wenig mehr über Machenschaften in Lettland erfahren ? Wallander recherchiert gut, bevor er Passagen in seinen Romanen veröffentlich, die nicht jedermann gefallen könnten.
Politsche Ziele, Bestechungen, Kumpeleien.....das gehört zum Leben und ist daher für meinen Geschmack auch in einem Krimi gut aufgehoben.
FAZIT
Toll ! Einfach klasse. Der Name Henning Mankell ist mir nun ein Begriff und das wird er auch bleiben. Die Stories, der Schreibstil, die Spannung, die Leichtigkeit der Erzählung....hier passt einfach alles !
Ich bin sicher, dass ich mir alle Fälle des Kurt Wallander zu Gemüte führen werde.
HALT:
Einen Wehmutstropfen gibt es doch noch: Und zwar den Umschlag des Taschenbuches !
Farblich ist dieser zum Großteil in sattem schwarz gehalten. Ok, das geht in ordnung, aber irgendwie ist das ein Papier bzw. ist da eine Beschichtung drauf, die wirklich den noch so kleinsten Fingerabdruck hinterlässt.
Ob das kriminaltechnische Hintergründe hat ....??
Egal, jedenfalls sieht´s nicht so toll aus.... weiterlesen schließen -
Das etwas andere Buch von Stephen King
Pro:
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Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Ich muß zunächst einmal sagen, daß ich mal ein riesengroßer Fan von Stephen King war und seine Bücher regelrecht verschlungen habe. Die letzten 2 oder 3 Jahre war ich aber doch manchmal enttäuscht, weil einfach nichts neues vom Stil her kam. Man wußte schon nach den ersten 10 Seiten, wie das Ende aussieht. Trotzdem kaufe ich mir nach wie vor alle Bücher, die auf den deutschen Markt kommen, so auch Mädchen von Stephen King. Ich gab die Hoffnung ja nicht auf, daß seine Romane vom Stil her wieder interessanter werden. Ich habe das Buch jetzt schon seit knapp einem Jahr Zuhause liegen, kam aber bis jetzt nicht dazu, das Buch zu lesen. Ich lese eigentlich alles und werde immer von der Familie mit Büchern eingedeckt. Auf jeden Fall war jetzt endlich Das Mädchen an der Reihe.
Nach den ersten Seiten war ich total positiv überrascht. Ich erkannte Stephen King nicht wieder. Eigentlich hat er ja so seine eigene Art Romane zu schreiben, aber das Buch tanzte zum positiven aus der Reihe. Der Stil war nicht nur spannend und fesselnd geschrieben, sondern ich konnte mich das erste mal bei einem Stephen King Buch in die Situation der Hauptperson wirklich hineinversetzten.
Aber jetzt zu der Story selbst:
Es geht um das neunjährige Mädchen Trisha, die mit Ihrer geschiedenen Mutter und dem vierzehjährigen Bruder Pete eine Waldwanderung in den USA macht.
Pete und die Mutter streiten sich die ganze Zeit und bemerken nicht, daß Trisha kurz den Weg verläßt um pinkeln zu gehen. Trisha entfernt sich immer weiter vom Weg, weil sie denkt, solange sie den Weg sieht, sehen auch andere Spaziergänger sie. Ihr wird erst eine ganze Zeit später bewußt, daß sie sich verlaufen hat. Hunger und Durst, Mückenschwärme und wilde Tiere, Einsamkeit und Dunkelheit sind nicht ihre einzigen Begleiter....
Ich möchte Euch natürlich auch nicht zuviel verraten, aber eines kann ich Euch auf jeden Fall sagen. Das Buch ist wirklich sehr spannend geschrieben und ich kann nur auch jedem nicht Stephen King Fan das Buch empfehlen. Die Sachen, die dem Mädchen passieren, sind so detailgetreu geschrieben, daß man wirklich starke Nerven haben muß.
Viel Spaß beim lesen wünscht Euch Daniela
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-12 10:37:02 mit dem Titel Dean Koontz - Stimmen der Angst
Das ich eine totale Leseratte bin, wissen sicherlich schon einige von Euch. Diesmal bin ich bei Dean Koontz - Stimmen der Angst gelandet. Das Buch ist im Genre Thriller angesiedelt. Mit 767 Seiten ist das Buch wohl nur was für ausdauernde Leser. Vor allem da das Buch zwar sehr gut, aber schwer geschrieben ist. Macht man zu lange Pause, oder hat nicht die Möglichkeit wirklich intensiv zu lesen, dass man z.B. durch seine Kinder häufiger unterbrochen oder abgelenkt wird, kommt man nicht mehr mit.
Nun aber zum Inhalt:
Ein einziger Tag zerstört das glückliche Eheleben von Martie und Dusty Rhodes. Aus heiterem Himmel überfällt Martie schreckliche Angst. Sie fürchtet sich vor Ihrem eigenen Schatten und vor Ihrem Spiegelbild. Panisch entfernt sie sämtliche scharfen Gegenstände und Messer aus dem Haus um zu verhindern, dass die grausamen Fantasien in Ihrem Kopf sie zu einem Mord treiben. Marties Ehemann Dusty Rhodes hofft auf Hilfe durch Doktor Ahriman, einem renommierten erfolgreichem Psychiater.
Aber dann muss Dusty Rhodes feststellen, dass dessen Hypnosesitzungen einem ganz anderen Zweck dienen, als der Heilung von Kranken. Dusty Rhodes ist ratlos. Welche Rolle spielt Doktor Ahriman wirklich? .....
Ich möchte Euch jetzt natürlich nicht alles verraten, aber ich kann jedem Leser dieses Buch wirklich nur empfehlen, auch wenn es sehr schwer geschrieben ist. Das Buch ist so fesselnd, das ich bis mitten in die Nacht gelesen habe. Man merkt garnicht wie schnell die Zeit vergeht. Obwohl ich behaupte, das ich eine gute und eigentlich auch schnelle Leserin bin, habe ich knapp eine Woche für das Buch gebraucht.
Da ich gerne und sehr viel lese, bin ich Mitglied bei Der Club (Bertelsmann) von dort habe ich das Buch auch für 18,00 Euro bezogen. Als Taschenbuch ist es, soweit ich weiß noch garnicht raus und kann Euch auch deswegen dafür keinen Preis nennen. Vom Preis-Leistungsverhältnis finde ich die 18,00 Euro OK.
Ich werde das Buch auf jeden Fall in einiger Zeit nochmal lesen. Stellenweise habe ich immer noch nicht so ganz die Zusammenhänge verstanden, hoffe aber, dass ich es beim zweiten Male verstehe.
Dann wünsche ich Euch viel Spaß beim lesen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-24 19:57:22 mit dem Titel Der dritte Zwilling - Ken Follet
Das ich eine totale Leseratte bin, wissen hier sicher schon einige. Jetzt bin ich mal bei Ken Follet gelandet. Bis jetzt ist es das einzige Buch, welches ich von ihm gelesen habe, aber das wird sich jetzt ändern. Für mich persönlich gehört dieses Buch zu den besseren, die ich in der letzten Zeit gelesen habe! Besonders junge Menschen können sich mit den Hauptfiguren sehr gut identifizieren. So zittert man als Leser mit ihnen bis zur letzten Seite. Spannung pur und eine schöne Liebesgeschichte sind garantiert!!! Aber nun zu der Geschichte:
Gibt es Menschen, die einander vollständig gleichen, bis in die kleinste Zelle?
Jeannie Ferrami, eine ehrgeizige junge Wissenschaftlerin, die sich mit der Entstehung kriminellen Verhaltens befaßt, stößt bei ihren Forschungen auf ein solches Paar genetischer Zwillinge. Der eine, Steve, ist ein liebenswerter, fleißiger und ehrlicher Mann, der andere sitzt als Mörder im Gefängnis. Dann wird eine junge Studentin vergewaltigt und Steve aufgrund genetischer Untersuchungen eindeutig als Täter identifiziert.
Es kann doch nicht sein, daß dieser makellose Mann schuldig sein soll. Gibt es noch einen dritten Zwilling? Hier erscheinen die wahren Bösewichte auf der Bildfläche, drei alte Kameraden aus der Nixon-Ära, die sich seit Jahrzehnten abmühen, in den USA die Rassenreinheit zu sichern. Schlimm genug, daß einer der Verschwörer Dr. Ferramis Vorgesetzter ist, aber einer der anderen hat es sogar auf das Amt des Präsidenten abgesehen. Die junge Professorin ist auf ein Geheimnis gestoßen, das sie alle ruinieren könnte. Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis unser Pärchen ganz schön Probleme bekommt.....
Dieses Buch macht einem klar, welche Gefahren unserere Zukunft bergen könnte. Genforschung ist kein Spielzeug und so ist es mit vielen anderen technischen Errungenschaften. Zudem lässt es einen darüber nachdenken, wieviel die Wissenschaft möglicherweise schon kann, es aber nicht an die Öffentlichkeit preis gibt. Wer weiss, vielleicht laufen schon richtige Clons herum?
Ich habe bei Der Club (Bertelsmann) 17,90 Euro für die gebundene Ausgabe bezahlt. Man kann aber mittlerweile auch das Taschenbuch für ca. 9,00 Euro erwerben.
Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-29 06:46:59 mit dem Titel Leon Uris - Exodus
Heute möchte ich Euch ein Buch vorstellen, welches ich bestimmt schon seit 10 Jahren besitze und schon zig mal gelesen habe. Ich kann schon garnicht mehr zählen wie oft. Ich denke so ca. einmal im Jahr, also ungefähr 10 mal gelesen.
Wahre Geschichten, so auch die Judenverfolgung haben mich schon immer fasziniert, aber das Buch hat bei weitem alles übertroffen, was ich sonst gelesen habe. Ich habe eigentlich nicht sehr nah am Wasser gebaut :-), aber bei dem Buch kommen mir jedesmal die Tränen. Aber nun zu dem Inhalt:
Leon Uris erzählt in seinem Roman Exodus die Geschichte über den langen, gefährlichen und sehr steinigen Weg zur Geburt des Staates Israel. Verpackt ist diese Geschichte in eine Liebesgeschichte zweier Menschen, die aus völlig verschiedenen Welten kommen. Auf der einen Seite die wohlbehütet aufgewachsene amerikanische Krankenschwester Kitty Fremont, der Juden eher unheimlich sind und auf der anderen Seite Ari Ben Kanaan, ein jüdischer Freiheitskämpfer des Mossad, dessen Vater ein russischer Jude ist, welcher aus seiner Heimat flüchten musste und sich zusammen mit seinem Bruder auf dem Gebiet des heutigen Israel eine neue Existenz erkämpft hat.
Kitty lässt sich von Ben Kanaan überreden, in einem jüdischen Auffanglager auf Zypern auf der Krankenstation zu arbeiten. Dort wird sie mit dem Schicksal verschiedener Juden konfrontiert. Ben Kanaan plant die Flucht von 200 Kindern aus dem Lager in das - von Engländern besetzte - Gebiet des heutigen Staates Israel.
Ob das Schiff, die Exodus es tatsächlich bis in das Gelobte Land schafft, und ob die beiden Hauptpersonen, Ari Ben Kanaan und Kitty Fremont, tatsächlich zueinander finden, solltet Ihr besser selbst herausfinden.
Wer sich für jüdische Geschichte und die des Staates Israel interessiert, sollte dieses Buch unbedingt lesen!
Leon Uris ist es mit Exodus gelungen DEN jüdischen Roman zu schreiben. Ein Buch das bewegt, aufklärt und einen verstehen lässt, was Israel als jüdischer Staat bedeutet und wie es dazu kam. Dieser Roman war niemals aktueller als heute, denn gibt er nicht nur Einblick in Israels politische Geschichte sondern auch in die Seele der Menschen die diesen Staat bis zum heutigen Tag zu dem gemacht haben was er ist.
Ich habe das Buch damals geschenkt bekommen, daher weiß ich nicht, was es damals gekostet hat. Ich habe es als gebundenes Buch. Es gibt es aber mit Sicherheit auch als Taschenbuch.
Heutzutage bestelle ich ja immer bei Der Club (Bertelsmann). Dort gibt es aber dieses Buch nicht, deswegen kann ich Euch auch keinen heutigen Preis nennen.
Ich denke aber, wer gerne liest, vor allem wahre Geschichten, den interessiert der Preis eines Buches nicht besonders. So geht es mir zumindest. Wenn mich der Inhalt interessiert, ist es mir fast egal, welcher Preis drauf steht.
Ich wünsche Euch viel Spaß beim lesen und hoffe, daß Euch das Buch genauso bewegt, wie mich.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-12 12:13:41 mit dem Titel Reader´s Digest Auswahlbücher - Bestseller Sonderband
Wie Ihr bereits wisst, bin ich eine totale Leseratte. Diesmal bin ich bei meinen Eltern im Keller über ein Buch gestolpert, welches ich Euch nur empfehlen kann. Ich glaube allerdings nicht, das es noch auf dem Markt erhältlich ist. Laut meiner Mutter lag das Buch mindestens seit 15 Jahren im Keller im Karton.
Wenn ich nicht per Zufall das Inhaltsverzeichnis gelesen hätte, hätte ich es eigentlich auf den Trödel gebracht. Vom Aussehen her ist das Buch total unscheinbar. Wie man es von alten Büchern kennt, ist das Buch im roten Hardcover mit goldener Schrift.
Aber nun zum Inhalt:
In diesem Reader´s Digest Sonderband sind 4 gekürzte Romane zusammengefasst. Würde das Wort gekürzt nicht in dem Vorwort stehen, hätte ich es gar nicht bemerkt.
Roman 1: Die Hölle im Schnee von Richard Martin Stern
Ein gnadenloser Schneesturm rast über Neumexiko. Für sechs Menschen in einer Felshöhle wird er zur Bewährungsprobe in dem erbitterten Kampf gegen die Naturgewalten……
Ein wunderschönes Drama, welches bis zur letzten Seite spannend bleibt.
Roman 2: Die Söhne des Krieges von Hans Blickensdörfer
Zwischen die Fronten geraten ist in diesem sehr menschlichen Kriegsroman gegen den Krieg eine Handvoll Deutsche und Russen 1941/1942 vor den Toren Moskaus.
Obwohl ich eigentlich weniger gerne Kriegsromane lese, hat mir dieser doch sehr gut gefallen.
Roman 3: Sieg über die Nacht von Roger Bourgeon
In den französischen Alpen spielt sich dieses Drama ab, in dem ein Blinder um die Aufnahme in die Welt der Sehenden kämpft.
Ich konnte mir vorher nicht vorstellen, wie schwer es Blinde wirklich haben. Sehr detailgetreu geschrieben.
Roman 4: Der Kunstfehler von Henry Denker
Für den mächtigen Industriellen durfte nur einer daran schuld sein, dass der ersehnte Enkel weder lachen noch spielen konnte. Im wütenden Kampf zwischen Prestige und ärztlicher Ethik droht die Existenz eines jungen Arztes zugrunde zu gehen.
Dieser Roman ist der einzige, der mir nicht ganz so gut gefiel, weil das Ende doch zu offensichtlich ist.
FAZIT:
Komplett gesehen kann ich Reader´s Digest Bücher nur empfehlen. Ich werde auf jeden Fall auf dem Trödel ein Auge offen halten.
Wenn ich das Buch benoten müsste, würde ich eine 2+ geben.
Über den Preis kann ich wie gesagt nichts sagen.
Ein vergaß ich noch. Zu jedem Roman sind mitten in der Geschichte 2 bis 4 farbige Bilder abgebildet, die eindeutige Momente der Story zeigen.
Dann wünsche ich allen Leseratten (und solchen die es werden wollen) viel Spaß beim lesen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-31 15:19:34 mit dem Titel Ken Follet - Die Säulen der Erde
Ich habe es endlich mal wieder geschafft ein Buch fertig zu lesen. Irgendwie kam ich in den letzten Tagen nicht richtig dazu. Wie Ihr wißt, verschlinge ich eigentlich jede Woche mindestens ein Buch, diesmal hat es mal etwas länger gedauert, was aber nicht an dem Buch selbst gelegen hat. So aber nun zum Inhalt:
Kurzbeschreibung
England in den Jahren 1123 - 1173. Eine Zeit blutiger Auseinandersetzungen zwischen Krone und Adel, Klerus und Volk. Der junge Prior Philip träumt von einem Zeichen des Friedens, einer gotischen Kathedrale. Doch bis dieser kühne Traum Wirklichkeit geworden ist und in Kingsbridge das großartige Gotteshaus endlich emporragt, müssen der Klosterherr, sein Baumeister Tom und die Grafentochter Aliena sich in einem Kampf auf Leben und Tod gegen ihre Widersacher behaupten.
Meine Meinung
Wow!!
Das ist das Erste, was mir zu diesem Roman einfällt. Ich hab mich ja lange gesträubt dieses Buch zu lesen. Die Kurzbeschreibung auf dem Buchrücken sagte mir eigentlich garnicht zu, außerdem war es kein Buch aus meinem Lieblingsgenre: Thriller. Auf historische Romane stehe ich eigentlich garnicht. Dennoch wagte ich es vor kurzem das Buch anzufangen. Ich mußte mich mit Gewalt dazu zwingen, es aus der Hand zu legen. Sonst hätte ich in den letzten 14 Tagen überhaupt kein Schlaf bekommen.
Zu sehr sind mir die Hauptfiguren ans Herz gewachsen und zu sehr hab ich mitgefiebert, wie sie wohl das nächste Hindernis, bzw. die nächste Intrige der zahlreichen Antagonisten meistern würden.
Das einzige Übel waren die 2-3 krassen Zeitsprünge, der letzte sogar um knapp 15 Jahre, so dass man besonders gegen Ende das Gefühl hatte, wichtige Ereignisse im Leben der Protagonisten verpasst zu haben. Außerdem kommt der Eindruck auf, Ken Follett wollte den Roman nach weit über 1000 Seiten endlich zum Abschluss bringen, auf den letzten Seiten überschlagen sich die Ereignisse auf dehnen keine Spur mehr von der detaillierten Erzählung der vorherigen Seiten zu sehen ist.
Trotzdem ist dies einer der besten Romane, die ich bisher gelesen habe und sicherlich der beste (aber auch der Erste) historische Roman.
Damit jetzt kein falscher Eindruck entsteht, ich lese nicht nur Thriller, sondern habe auch schon Romane aus sämtlichen Genres gelesen.
Fazit
Die Geschichte um den Bau der großen Kirche mit seinen interessanten Charakteren vermittelt einen bestechenden Einblick in das Geschehen jener Zeit. Ob die Tatsachen allerdings stimmen, weiß ich nicht, aber faszinierend ist das Werk allemal und somit unbedingt ein Buch erster Wahl!
Das Buch habe ich von meiner Schwiegermutter geliehen bekommen, ich weiß aber von Bertelsmann her, das das gebundene Buch 19,95 Euro kostet.
So, dann wünsche ich Euch viel Spaß beim lesen. weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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moniseiki, 11.12.2007, 15:59 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
***-SH-***-LESEN UND GELESEN WERDEN---Liebe grüße moniseiki
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Jostein Gaarder-durch einen Spiegel in einem dunklen Wort
Pro:
spannend, unterhaltsam
Kontra:
zum Ende hin etwas abfallend
Empfehlung:
Nein
Die Welt in einem anderen Licht
Wir weinen, wenn etwas traurig ist. Und wir vergießen auch gern über etwas Schöne eine Träne. Wenn etwas witzig oder hässlich ist, lachen wir. Vielleicht werden wir traurig, wenn etwas schön ist, weil wir wissen, dass es nicht von Dauer ist.
(Auszug aus: "Durch einen Spiegel in einem dunklen Wort")
Wie so viele andere, habe auch ich Jostein Gaarders "Sophies Welt" gelesen. Mich daran zurückerinnernd, stand ich mal wieder bei uns im Buchladen und wusste nicht so recht was ich als nächstes Lesen sollte: "Was klassisches? Oder doch lieber eine leichte Lektüre?" Da fiel mein Blick auf Gaarders "Durch einen Spiegel in einem dunklen Wort". Schon der Titel zog mich magisch an, ich bezahlte und machte mich auf den schnellsten Weg nach Hause (nicht ohne mir vorher noch einen Latte Macciatto besorgt zu haben).
Innerhalb kürzester Zeit nahm mich das Buch gefangen. Obwohl sehr leicht zu lesen, und somit sowohl für Kinder als auch Erwachsene empfehlenswert, büßt es nichts an seiner philosophischen Poesie ein. Gaarder gelingt es mit einfachen Wort die zauberhafte, wenngleich auch traurige Geschichte der kleinen Cecilie zu erzählen. Das sterbenskranke Mädchen liegt am Weihnachtstag in ihrem Bett, während der Rest der Familie (ihre Eltern, ihre Großeltern und ihr kleiner Bruder Lasse) alle Vorbereitungen für das große Fest treffen. Doch da erscheint ihr der kleine glatzköpfige Engel Ariel, welcher sich nur um sehr kranke Kinder kümmert, der sie zum Nachdenken über die Schöpfung, den Kosmos und die Sinne anregt und im Gegenzug alles über das Leben der Menschen wissen will. Cecilie und Ariel führen lange Gespräche, die ab und an vom „normalen“ Familienleben (soweit dies in der Situation des kleinen Mädchens möglich ist) unterbrochen werden und machen Ausflüge rund um das Haus. Cecilie hat sich sehnlichst ein paar Skier gewünscht, die sie unbedingt ausprobieren möchte und dies schafft sie nur durch Ariels Hilfe.
Gaarder betreibt, trotz seiner einfachen Worte, eine fantastische Bildmalerei, die zwar detailliert, jedoch nicht langweilig ist.
Die Gespräche zwischen Cecilie und Ariel regen zum Nachdenken an und lassen die Angst vor dem Tod schwinden. Besonders gut gefallen haben mir die Stellen, an denen Cecilie in ihr Tagebuch schreibt.
Hier werden noch mal all ihre Erkenntnisse verkürzt dargestellt.
Teilweise musste ich schmunzeln, teilweise innehalten und über das geschriebene Nachdenken, und ich kam auch nicht umhin ein paar Tränen zu vergießen.
Mehr möchte ich über dieses zauberhafte Buch gar nicht verraten...
Das Buch ist für Leser jeden Alters, obgleich es auch vom Tod handelt ist es trotz allem lebensbejahend und auch für jüngere Kinder geeignet. Und auch wenn man nicht an Gott glaubt, büßt es seine Magie nicht ein.
Mit einem Preis von 7,50€ (Weichcover) recht erschwinglich und auf jeden Fall eine lohnenswerte Anschaffung.
Wir sehen jetzt durch einen Spiegel,
in einem dunklen Wort;
dann aber von Angesicht zu Angesicht.
Jetzt erkenne ich stückweise;
dann aber werde ich erkannt,
gleichwie ich erkannt bin.
Erster Brief des Paulus an die Korinther,
13.Kapitel, Vers 12
Jostein Gaarder, „Durch einem Spiegel in einem dunklen Wort“, Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 3-423-12917-4
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-16 18:25:35 mit dem Titel Lessings Bürgerliches Trauerspiel "Emilia Galotti"
Marinelli- der heimliche Star?
Ist G.E. Lessings bürgerliches Trauerspiel „Emilia Galotti“ noch interessant und mitreißend?
Die Geschichte in Kürze: Der Prinz von Guastalla trifft zufällig auf das Bürgermädchen Emilia Galotti. Er ist vom Gedanken besessen, dieses Mädchen zu bekommen. Als er hört, dass sie den Grafen Appiani heiraten soll, gibt er seinem Kammerherrn Marinelli den Auftrag alles zu tun um dies zu verhindern. Dieser schickt zwei bezahlte Verbrecher aus, um einen Anschlag auf den Grafen zu verüben. Appiani wird getötet, Emilia und ihre Mutter von Bediensteten auf das Schloss des Prinzen gebracht und das Unheil nimmt seinen Lauf...
Lessing greift in seinem Stück ein oft bearbeitetes Motiv auf; die von Livius in „Vom Ursprung der Stadt III“ (Ab urbe condita) erzählte Legende der Römerin Virginia, die von ihrem Vater getötet wird, weil dies der einzige Weg ist, sie vor der Willkür des Decemvirn Appius Claudius zu schützen. Bei Livius ruft die Tat von Virginias Vater einen Volkaufstand hervor, in dessen Verlauf die Decemvirn zurücktreten müssen und Appius Claudius ins Gefängnis geworfen wird, wo er sich selbst tötet.
Doch anders als bei Livius lässt Odoardo, den Vater Emilias, seine Tochter zwar umbringen, verlagert das Geschehnis jedoch in einen „neutralen“ Raum. Neutral, weil es innerhalb des Lustschlosses des Prinzen (welcher Emilia begehrt) passiert, also nicht in der Öffentlichkeit. Ebenso verzichtet er auf den rein politischen Hintergrund, lässt ihn nur teilweise einfließen und konzentriert sich auf Moral und Tugend. Auch den Personen verleit Lessing viel Tiefe. Ein Jeder hat seine Rolle; Emilia Galotti – die pubertierende Tochter, Claudia Galotti – die sich nur das Beste für ihre Tochter wünschende Mutter, der um seine Tochter besorgte Vater Odoardo Galotti, der Prinz Hettore Gonzaga – der sich für verliebt haltende Herrscher und die verletzte, rebellische ehemalige Geliebte Gräfin Orsina.
Jede/r hat seine Rolle, auf die er bzw. sie jedoch nicht beschränkt ist, Facettenreichtum zeichnen die Figuren aus; niemand ist nur gut oder nur schlecht, getrieben von den eigenen Wünschen, Vorstellungen und Empfindungen agieren die Charaktere.
Doch als hätte Lessing geahnt, dass das Publikum damit nicht zufrieden wäre, hat er einen weiteren Protagonisten erschaffen: Marinelli, den genialen Schachbrettspieler im Hintergrund, der scheinbar alle Fäden in der Hand hält. Des Prinzen Kammerherr und selbsternannter Freund lässt den Leser vor Kälte erzittern, seine Machtgier lässt ihn über Leichen gehen. Fast schon pervers ist diese Figur, durch und durch böse, und somit perfekt für jeden Thriller. Die Figur des Marchese ist so eindimensional und löst trotzdem so viele Gefühle in einem aus.
Macht dies Marinelli zum heimlichen Star? Ja! Er ist zugleich die abstoßendste und doch anziehendste Person des Dramas. Während die anderen Figuren durch ihre Vielschichtigkeit und innere Zerrissenheit fast schon langweilen, möchte man zu ihm gehen, ihn anschreien, schütteln und so seine bösen Gedanken austreiben.
So stehen die Figuren fast schon im Gegensatz zu Lessings Maxime: „Auf dem Theater sollen wir nicht lernen was dieser oder jener einzelne Mensch getan hat, sondern was ein jeder Mensch von einem gewissen Charakter unter gewissen gegebenen Umständen tun werde.“ (G. E. Lessing, 19. Stück, Werke, Bd.5)
Ob es nun an den veralteten Idealen und Moralvorstellungen, den, trotz ihres Facettenreichtums, doch irgendwie langweiligen Figuren: Emilia ist, wenn im Stück mal präsent, fast schon zu nett, zu lieb und zu innerlich zerrissen zwischen Tugend und aufkeimender Leidenschaft, oder der Entfernung zum Absolutismus bzw. der Aufklärung liegt, oftmals kann man den Gedankengängen der Figuren nur schwer folgen. Einzige Ausnahme ist hier die Gräfin Orsina, die mit ihrem messerscharfen Verstand fast schon hellseherisch die Machenschaften des Doppels einfältiger Prinz und „Ich-will-alles-haben“-Marinelli aufdeckt (und Odoardo davon in Kenntnis setzt.)
Zwar ist das bürgerliche Trauerspiel eine typische Tragödie, doch geht Lessings Hamburgerische Dramentheorie hier, aus der heutigen Sicht, nicht auf. So hat man zwar Mitleid mit Emilia, jedoch fühlt man nicht mit ihr. Liegt das vielleicht an unserer heutigen fehlenden Nähe zum Konflikt zwischen Bürgertum und der damit zusammenhängenden bürgerlichen Moral und dem absolutistischen Herrscher und dessen Werteverfall und seiner politischen Macht?
Das Ende des bürgerlichen Trauerspiels ist durch die Schuldfrage ebenso offen, wie die Reaktion des Publikums. Das Stück bringt den Zuschauer zum Nachdenken, nicht zu einer Tränenflut, vielleicht verzichtete Lessing bewusst auf alles Rührselige.
Fazit: Ein Buch das man gut lesen kann, aber nicht muss.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-16 18:50:20 mit dem Titel Milan Kundera: Die Unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Die Entdeckung der Langweiligkeit
oder wie Milan Kundera mit seinem Roman "Die Unerträgliche Leichtigkeit des Seins" 301 Seiten Langatmigkeit präsentiert
~ eine Rezension ~
Als Schülerin bin ich ja gewohnt Bücher lesen zu müssen, die langweilig und bedeutungslos sind. Im besten Falle ergibt sich hinterher eine gute Note im Test oder Klausur. Umso erfreuter ist man dann, wird von der Lehrkraft mal nicht zu sogenannten Klassikern gegriffen, sondern zu einem Bestseller. Muss man sich mal nicht mit der "Gretchenfrage" auseinandersetzen, muss man sich mal nicht von irgendwelchen Liedern von irgendwelchen Glocken nerven lassen und kann Kafka mal 'nen guten Mann sein lassen.
Als ein Lichtblick am Deutsch-Horizont erscheint da Milan Kundera und sein Roman "Die Unerträgliche Leichtigkeit des Seins". "Hm, klingt philosophisch", denkt man sich, doch schon nach ein paar Seiten ist einem klar; von philosopgisch kann hier keine Rede sein - Lichtblick verschwunden.
Hier wird einem nur die unerträgliche Liebesgeschichte zweier Menschen während des Prager Frühlings präsentiert, die so gar nicht zusammenpassen und doch ohne einander nicht leben können. Klingt nach billigem Kitsch? Absolut! Und Kundera lässt sich in aller epischen Breite über den Begriff "Kitsch" und dessen Bedeutung aus. Danach dürfte jedem klar sein: "Ja, das ist Kitsch!"
Überhaupt hat man ständig das Gefühl, dass Milan Kundera beim Schreiben große Angst davor gehabt haben muss, man könne ihn missverstehen. Ständig wird der Lesefluss durch Kommentare und Erklärungen unterbrochen, Platz für eigene Ansichten und Interpretationen bleibt da kaum.
Apropos Lesefluss, einen Pluspunkt hat das Buch: es lässt sich, trotz seiner Langatmigkeit, den ewigen Autoren-Kommentierungen und nicht linearen Erzählweise, recht einfach lesen. Das war's dann auch mit den Pluspunkten.
Die Figuren bieten keinerlei Identifiaktionsmöglichkeiten. So ist Tomas ein neurotischer Don Juan für Arme, der es vorzieht in den Betten anderer Frauen herumzutollen, statt sich um das Seelenheil seiner Frau Teresa zu kümmern (und sie überhaupt nur heiratet, damit sie sich besser fühlt). Theresa hingegen ist ein provinzielles, ewig leidendes Naivchen, das sich mit den Sexabenteuern ihres Mannes, ihrem Körper und den mit beiden zusammenhängenden Albträumen quält. Erwähnenswert wären noch Sabina, eine typische Künstlerin, Tomas beste Freundin und liebste Gespielin und deren Liebhaber Franz, dessen eigentlich von Anfang an verwirkt ist. Einzige Figur zu der man wirklich bezug findet ist der Hund Karenin, der ist umso kunffiger.
Gut, das Kundera einem klar macht, dass seine Figuren fiktiv und nur aus dem Feld der Möglichkeiten entstanden sind. Solche Leute treffen? Nein danke.
Die Liebe der beiden Protagonisten Tomas und Theresa steht einzig unter dem Stern der Abhängigkeit und Treue/Untreue und ist ein ewiges voreinanderweg- und zueinanderhinlaufen. Ihr Leben ist von anfang an verwirkt, irgendwann kann man den beiden nur noch den Tod wünschen. Schade nur, dass es dann immer noch 40 Seiten bis zum Ende des Romans sind!
Fazit: Die Titelierung Bestseller als Garant für einen guten Roman? Ganz schnell vergessen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-16 19:14:01 mit dem Titel Bernhard Schlink: Der Vorleser
Das Überraschungsei der deutschen Gegenwartsliteratur
oder (mehr als) 3 gute Gründe Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“ zu lesen.
Was ein Mix aus Schokolade und Spielzeug mit einem Roman zu tun hat? Auf den ersten Blick wahrscheinlich nichts, anders jedoch, wenn man Bernhard Schlinks „Der Vorleser“ liest. Denn dieses Buch ist ebenso überraschend, überraschend spannend, überraschend anders. Und das fängt bei der Verpackung bereits an.Unscheinbar wie ein Überraschungsei der karge Titel, wer jedoch einen langweiligen Groschenroman erwartet, irrt. Schlink greift Themen auf, welche auf den ersten Blick miteinander unvereinbar scheinen: die Liebe, die Bewältigung der NS-Zeit und den Analphabetismus. Aber das sind ja gleich drei Themen auf einmal! Ja, und Schlink gelingt es sie in Einklang zu bringen. Geschickt verflechtet er in der Biografie seines fikitiven Protagonisten Michael Berg, die Liebesbeziehung mit einer reifen, zwanzig Jahren älteren Frau.Ist das Staniolpapier erstmal entfernt, arbeitet man sich genüßlich durch die Schokolade, das Buch entwickelt sich zu einem Ge(ri/s)chichtsroman. Und da plötzlich: das kleine gelbe Plastikei! Oder bei Schlink: das Ende in Form einer psychologischen Tragödie über Schuld und Aufrichtigkeit.
Mag kompliziert und verwirrend klingen, doch Bernhard Schlink schafft es zum einen durch die Aufteilung des Romans in drei Teile,zum anderen durch das Motiv des Vorlesens, welches sich kontinuierlich als roter Faden durch das Buch zieht, eine geradlinige Geschichte zu erzählen. Und diese Geradlinigkeit lässt sich auch in seinem Schreibstil wiederfinden: er benutzt eine einfache, lakonische Sprache. Fast schon panisch, meidet er Metaphern und Nebensätze und arbeitet trotzdem mit sorgfältiger Genauigkeit Szenen mit fast filmischer Präsenz heraus. Schlinks Stil ist einfach, aber extrem fesselnd.
„Der Vorleser“ ist kein lauter Roman, leise erzählt er die Odyssee Michaels vom Kind zum reifen Mann, eine Entwicklung die immer von der früheren Liebebeziehung zu der älteren Hanna überschattet wird. Diese Liebe lässt Michael nicht los und Michael lässt diese Liebe nicht los. Selbst dann nicht, als er erfährt das seine Geliebte während der Zeit des Nationalsozialismus als KZ-Aufseherin gearbeitet hat. Auch die therapeutische Niederschrift dieser Beziehung hilft ihm nicht: die Geschichte zu schreiben um sie los zu lassen, gelingt nicht.
Bernhard Schlink moralisiert nicht, er bietet keine Patentlösung an, dafür erzählt er von Dingen, die keinen Anspruch auf Freiheit und Versöhnung haben. Der Roman wirft Fragen auf, aber eines darf man nicht erwarten: eine Lösung. Mit Sicherheit bleibt aber zu sagen sagen: „Der Vorleser“ ist sozusagen das ersehnte „siebte Ei“, mit einer Überraschung am Ende, welche jedoch anders ausfällt wie vermutet.
Fazit: Was für (Schul)Kinder gut ist, kann für Erwachsene ja nicht schlecht sein!
[I]Meine Meinung
Abschließend nochmal meine Ansichten zusammengefasst. Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Er ist leicht zu lesen, was keinen Bruch mit seiner Qualität darstellt. Am Anfang war ich von der Problematik Junge liebt ältere Frau wenig begeistert,was sich aber schnell geändert hat. Da ich das Buch "Die Kaninchen von Ravensbrück" gelesen hatte, war ich mit der Problematik KZ gut vertraut, was sich als sehr hilfreich beim Charakter der Hanna herausgestellt hat.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-02 15:57:42 mit dem Titel Simply Irresistible
Phil: "Nichts ist, was es zu sein scheint. Wahrheiten sind so zerbrechlich wie die Menschen, die sie erschaffen."
Jetzt sitze ich hier, habe mir fest vorgenommen endlich den Bericht über Steinhöfels "Die Mitte der Welt" zu schreiben und irgendwie fehlen mir die Worte... Wie soll man auch ein derart wunderbares Buch beschreiben ohne typisch nichtsaussagende Phrasen zu verwenden und trotz einer merkwürdig-klingenden Geschichte es als ein Lese-Muss zu empfehlen?
~ Wie ich darauf gekommen bin ~
Gehört habe ich über das Buch bisher nur gutes. Auch der Titel sprach mich total an: "Die Mitte der Welt", klingt ja auch einfach philosophisch. Abschreckend allerdings das Lesealter, nämlich ab 14 Jahren und der männliche Protagonist. Ich mag weder diese auf Teenie-Problem-getrimmten Jugendbücher noch lese ich gern sowas über Jungs, denn damit kann ich mich kaum identifizieren.
Aber nun gut, ich stand mal wieder im Buchladen (wo ich, zum Graus meiner Freunde, schon mal Stunden verbringen kann - da erlebt man aber auch immer Geschichten...darüber könnte man auch Berichte schreiben, wie dem auch sei...) und war in Shopping-Laune (ca. 30 Tage im Monat *g*) und wollte mir ein Buch kaufen. Das Buch, welches ich eigentlich wollte, gab es natürlich nicht, da entdeckte ich "Die Mitte der Welt" im Regal. Das Cover sprang mir ins Auge (siehe oben), eine schöne schwarz-weiß-Fotografie und letztendlich war ich nun überzeugt.
~ Die Geschichte ~
Der 17jährige Phil lebt mit seiner liberalen und alles andere als kleinbürgerlichen Mutter Glass (so führt sie beispielsweise eine Liste aller Männer die sie "hatte") und seiner introvertierten Zwillingsschwester Dianne in Visible, einer riesigen alten Villa. Nicht genug, dass die Dorfgemeinschaft nicht viel von dieser Familie hält, Phil und Dianne als "Hexenkinder" verschrien sind, auch taucht in Phils eigenen Umfeld das ein oder andere Problem auf. So will er unbedingt etwas über Nummer 3 erfahren, doch behält Glass stillschweigen über seinen Vater, auch in der Beziehung zwischen Mutter und Tochter krieselt es und das Phil eine Tunte ist (so wird er von der lesbischen Freundin seiner Mutter nach einem "Schwulen-Test" tituliert) und sich in den neuen Mitschüler verliebt, macht es auch nicht leichter. Mehr mag ich gar nicht erzählen, weil es ansonsten die Spannung nehmen würde. Auch wenn die Geschichte für viele nicht so ansprechend klingen mag, sie ist einfach wunderbar erzählt. Wort-und bildreich werden Phils Eindrücke geschildert; teilweise philosophisch, aber niemals kitschig, denn Phil selbst beschreibt sein Leben, linear wird circa ein Jahr erzählt, welches immer wieder durch Zeitsprünge in die Vergangenheit unterbrochen wird. Doch endet dies keineswegs in einer wirren Geschichte, im Gegenteil, wie ein Puzzle werden die Geschehnisse verknüpft, der Zusammenhang immer klarer. Dies macht die Geschichte umso spannender, da sie sich immer wieder überraschend wendet. Letztendlich ist nicht nur Phils Leben geschildert, auch das der anderen, sehr farbigen und plastischen, Personen zeichnet sich immer klarer ab.
Das Buch beginnt mit Glass Flucht, nicht einmal 18 Jahre alt und hochschwanger, aus Amerika (Prolog) und endet mit Phils Flucht nach Amerika (Epilog).
~ Fakten ~
Autor: Andreas Steinhöfel
Titel: Die Mitte der Welt
Verlag: Fischer (www.fischer-tb.de)
Seitenzahl: 460 Seiten (Taschenbuch)
ISBN: 3-596-14496-5
Kaptelzahl: 3 Teile (insgesamt 17 Kapitel, wenn ich mich nicht verzählt habe + Pro- und Epilog)
Preis: 8,90 € (18,90 DM)
Lesealter: ab 14 Jahre
~ Der Autor ~
Andreas Steinhöfel wude 1962 in Battenberg geboren, studierte in Marbug Anglistik, Amerikanistik und Medienwissenschaften. Erl lebt als Übersetzer, Drehbuchautor, Kinderbuchautor und ezensiert regelmäßig Jugendbücher für die FAZ. Die Mitte der Welt ist sein erster Roman, der Erwachsene wie Jugendliche ansprechen wird (Klappentext).
~ Eigener Eindruck ~
Die Investition hat sich für mich absolut gelohnt; ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Meine ersten Zweifel wegen der Geschichte und dem männlichen Protagonisten waren schnell aus dem Weg geräumt, das Buch ist wirklich fantastisch und ich habe nichts, absolut nichts daran auszusetzen. Häufig ist es bei mir so, dass die Bücher die von vielen Seiten gelobt wurden, mir nicht gefallen haben, in diesem Fall nicht. Das Buch ist bildreich, poetisch, fesselnd, aber nicht auf billig-kitschige Art und auch für Erwachsene empfehlenswert.
Hier nun noch ein paar Sätze aus dem Buch, die es mir besonders getan haben:
~ Leseproben ~
* Phil *:
- "Das habe ich nie vergessen: dass man liebt, um die Kälte zu vergessen und den Winter zu vertreiben."
-"Dann, irgendwann, ohne ersichtlichen Grund, ist meine Schwester verstummt. Sie hat sich wie ein Trugbild vor meinen Augen verflüchtigt. Zu wem auch immer sie jetzt geht, er weiß mehr über sie als ich."
-Ich hätte sie gern getröstet, einen Arm um sie gelegt, schreckte aber instinktiv davor zurück. Etwas in Tereza verweigerte sich jeder Anteilnahme. Glass war für sie mehr als eine Freundin, und Liebe erschlöscht nie, sie änderte bestenfalls ihre Form.
- In mein Zimmer und die schützende Höhle meines Betts zurückgezogen, baue ich meterhohe Gedankentürme aus den immer gleichen Bausteinen, reiße sie Stück um Stück wieder ein oder sehe dabei zu, wie sich vons selbst in sich zusammenstürzen.
- Noch immer glaube ich, den Boden unter meinen Füßen schwanken zu spüren, aber ich habe keine Angst mehr davor, zu stürzen. Es ist ein schönes Gefühl. Es ist das Gefühl von Leben in Bewegung.
* Händel (der Mathematik-Lehrer) *
- " Wir glauben an einen Sinn, weil wir den Gedanken nicht ertragen können, dass alles dem blinden Zufall unterliegt. Wir glauben an Zeichen, aber glauben Sie mir, es gibt keine Zeichen. Beethoven schuf einige seiner größten Kompositionen, nachdem er ertaubt war: Bedeutende Dinge vollziehen sich im Stillen. Katastrophen ereignen sich, ohne dass sich zuvor der Himmel verdunkelt..."
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-18 13:02:33 mit dem Titel Cruel and Unusual
* Patricia Cornwell * Vergebliche Entwarnung
Um eines gleich vorweg zunehmen; ich habe das Buch im Original, also auf amerikanisch gelesen, dort heißt es auch "Cruel and Unusual" - ein Titel der mir weitaus besser gefällt, aber dazu später mehr.
~ Wie ich darauf gekommen bin ~
Ich lese gern Bücher diesen Genres (Medizin Thriller) und habe auch schon das ein oder andere Patricia Cornwell-Buch gelesen, allerdings noch keines aus der Serie um die Gerichtspathologin Kay Scarpetta. Bei uns im Buchladen habe ich dann den Band "Cruel and Unusual" entdeckt und da ich gern englischsprachige Literatur lese, einfach mal gekauft. Das Buch geriet allerdings in Vergessenheit und bei meiner letzten Aufräum-Aktion bin ich erneut darauf gestoßen und hab' vorgestern einfach mal angefangen zu lesen.
~ Die Story ~
Das Buch selbst beginnt mit einem Prolog, einer Mediatation von Ronnie Joe Waddell, der in kürze auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet werden soll. Vor 10 Jahren hat er eine Fernsehmoderatorin auf bestialische Weise ermordet. Während Dr. Kay Scarpetta auf einen Anruf wartet, der sie darüber informiert, ob sie noch am selben Abend (es ist kurz vor Weihnachten) die Obduktion vorzunehmen hat, erreicht sie ein anderer; Detective Joe Trent, der ihre Hilfe braucht. Ein 13jähriger Junge wurde ermordet, Stücke aus seinem Körper fehlen. Und damit ist Kay Scarpetta in ihrem neuen Fall, es gibt nämlich auffällige Gemeinsamkeiten zwischen diesem Fall und dem Mord der Fernsehreporterin, der 10 Jahre zurückliegt. Scarpetta findet heraus, dass sie ihren Angestellten nicht mehr Vertrauen kann (durch die Unterstützung ihrer Nichte), weitere Morde geschehen und alles scheint mit dem bereits hingerichteten Waddell zusammen zuhängen. Das ganze gipfelt darin, dass sie sich selbst vor Gericht zu verantworten hat.
Mehr möchte ich nicht verraten...
~ FAKTEN ~
Autor: Patricia Cornwell
Titel: Vergebliche Entwarnung
Originaltitel: Crime and Unusual
Preis: 7,62 € (Taschenbuch/ dt. Ausgabe)
ISBN: 3426671034
Knaur Verlag
~ Meine Meinung ~
Ich finde den deutschen Titel ja mal wieder herrlich *ironisch*, wie kommt man nur von Cruel and Unusual auf Vergebliche Entwarnung? Nach dem Lesen des Buches kann ich es mir zwar denken, so richtig schlüssig finde ich es aber nicht; da passt der Originaltitel schon besser. Außerdem ist es ganz schön schwierig - sofern man nur den Originaltitel kennt - hier die richtige Kategorie zu finden...
Aber nun zum Buch selbst...ich habe keine Ahnung um welchen Teil aus der Serie es sich hier handelt, aber auch ohne bisherige Kay Scarpetta-Erfahrungen, lässt sich das Buch gut lesen - auch auf englisch. Schwierigkeiten haben mir nur die vielen Ausdrücke aus der forensischen Medizin gemacht, was in der deutschen Ausgabe wohl recht ähnlich sein wird, wenn man da keine Ahnung hat.
Patricia Cornwell betreibt eine sehr ausgeprägte Wortmalerei, alles ist sehr bildhaft, was aber durchaus in den Roman passt. Zu Anfang gipfelt jedes Kapitel in einem Höhepunkt, also eine gut gesetzte Pointe oder einem mysteriösen Umstand, so dass ich einfach immer weiterlesen musste, weil ich wissen wollte, wie das, ich sage mal Geheimnis, lautete. Und vieles ist anders als es zu sein scheint. Dies lässt leider zum Ende hin nach. Dafür wurde ich immer neugieriger wer denn nun der Mörder ist. Spannend ist das Buch auf jeden Fall, sonst hätte ich kaum die letzten 200 Seiten gestern Nacht noch gelesen. Nun kenne ich zwar die Auflösung, aber ich muss sagen, ein bißchen enttäuscht bin ich schon; man hätte einfach mehr aus dem Stoff herausholen können. Das Buch begann wahnsinnig spannend, es konnte spekuliert werden und bis zum Ende kommt man auch wirklich nicht auf die Auflösung, aber zum Schluss fällt die Geschichte einfach ab. Aus dem vielersprechenden Anfang von Korruption, mysteriösen Umständen und im dunkeln liegenden Machenschaften, hätte man einfach ein weitaus spannenderes Ende und einen besseren Mörder stricken können, leider hat Patricia Cornwell dies nicht getan. Ich spekuliere mal auf einen weiteren Teil dieser Serie in dem sie erneut auf den Mörder trifft, was die Sache nicht besser macht.
Ein bißchen enttäuscht bin ich schon, aber ich werde garantiert wieder zu Patricia Cornwell greifen (schon allein weil ich gutes von ihr gewohnt bin) und auch zu der Kay Scarpetta-Reihe, denn spannend war dieses Buch auf jeden Fall.
~ Meine Bewertung ~
Ich empfehle das Buch auf jeden Fall, es bekommt von mir eine 1, obwohl ich vom Ende etwas enttäuscht bin, aber der Anfang ist wirklich hervorragend und insgesamt ist es sehr spannend. Beim Niveau habe ich anspruchsvoll angegeben, bedingt durch die vielen Ausdrücke der forensischen Medizin. Unterhaltend ist das Buch auf jeden Fall und ein paar humorvolle Pointen sind auch drin.
Warum der Titel im Original "Cruel and Unusual" heißt, möchte ich Euch auch nicht vorenthalten:
Gruemann, Kay Scarpettas ehemaliger Uni-Professor, sagt in einem Gespräch zu ihr:
"You can understand better, perhaps, my passionate opposition to capitol punishment, which is cruel and unusual."
Das Cruel and Unusual (grausam und ungewöhnlich) bezieht sich also auf die Todesstrafe.
~ Zum Schluss noch ein Leseauszug: ~
An jenem Montag, an dem Ronnie Joe Waddells »Gedanken« in meiner Handtasche steckten, sah ich kein Tageslicht. Es war noch dunkel gewesen, als ich morgens zur Arbeit fuhr, und es war schon wieder dunkel, als ich mich abends auf den Heimweg machte. Regentropfen blitzten im Scheinwerferlicht, und die Nacht war neblig und bitter kalt.
Während ich in meinem Wohnzimmerkamin Feuer machte, stellte ich mir Felder vor, auf denen Tomaten reiften, und einen jungen Schwarzen in dem stickigen Führerhaus eines Pick-up-Trucks. Ob er schon damals Mordgedanken hatte? Waddells »Gedanken« waren im »Richmond Times-Dispatch« abgedruckt worden, und ich hatte den Zeitungsausschnitt ins Büro mitgenommen, um ihn seiner ständig wachsenden Akte beizufügen, doch vor lauter Arbeit vergaß ich es, und so blieb der Ausschnitt in meiner Handtasche. Ich hatte ihn beim Frühstück gelesen und wieder einmal verblüfft vor dem Phänomen gestanden, daß in einem Menschen gleichzeitig Poesie und Grausamkeit wohnen konnten. Zudem war die Ausdrucksweise für einen so einfachen Mann höchst ungewöhnlich.
In den nächsten Stunden füllte ich Überweisungsformulare aus und schrieb Weihnachtskarten, während leise der Fernseher lief Wie alle anderen Bürger Virginias konnte auch ich nur aus den Medien erfahren, ob im Zusammenhang mit einer Hinrichtung alle Appelle fehlgeschlagen waren oder der Gouverneur eine Begnadigung aussprach. Die Nachrichten würden darüber entscheiden, ob ich zu Bett gehen durfte oder zum Leichenschauhaus fahren mußte.
Es war kurz vor zehn, als das Telefon klingelte. Ich erwartete meinen Stellvertreter oder einen anderen Angehörigen meines Stabes am anderen Ende der Leitung, der wie ich abrufbereit dasaß.
»Hallo«, sagte eine mir unbekannte männliche Stimme...
[ Quelle: http://www.medical-thriller.de/vergebliche_entwarnung.html] weiterlesen schließen -
Unter des Käfers Keller - Mary Willis Walker
15.06.2002, 00:44 Uhr von
IrresLicht
Die meisten meiner Berichte schreibe ich über Filme und Bücher, denn ich liebe ausgefallene Filme...Pro:
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Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Hätte ich nur den Titel und die Kurzbeschreibung auf dem Buchrücken gelesen, hätte ich 'Unter des Käfers Keller' wahrscheinlich eher nicht gelesen. Aber das Buch wurde mir wärmstens empfohlen und ich kannte Mary Willis Walker auch schon von einem anderen Krimi, der mich sehr gut unterhalten hatte. Also legte ich mir das Buch denn doch zu und habe es nicht bereut.
Die Autorin Mary Willis Walker schreibt zwar wirklich hervorragende Krimis - immerhin habe ich jetzt genau 50 % aller ihrer Bücher verschlungen, lol - aber noch nicht so lange, daher gibt es bisher genau 4 Titel von ihr, die es in deutscher Sprache zu kaufen gibt.
1996 - Raubtierfütterung
1996 - Der rote Schrei
2000 - Unter des Käfers Keller
2000 - Lass die Toten ruhn
Aha, denkt der aufmerksame Leser. Schreibt sie also 2 Krimis im Jahr und das im 4-Jahres-Rythmus. Da ich davon jeden 2. lese, kann ich mich also jetzt auf Anfang 2004 freuen.
Ja, da staunt der werte Leser. Logik ist schon was feines, und ich beherrsche sie .. .. jupp .. .. ich mag Krimis und ich kann Logik .. .. jawoll .. .. Logik ist der Schlüssel zu jedem Krimi .. .. .. .. .. ..
.. .. .. .. weeeiittt gefehlt, aber dazu später.
Erstmal die Handlung
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Der selbsternannte Prophet Samuel Mordecai entführt einen Schulbus mit 11 Kindern und dem Busfahrer Walter Demming. Er verschanzt sich mit seinen Sektenmitgliedern auf dem Land und hält seine Geiseln in einem Bus gefangen, der im Erdreich einer Scheune vergraben ist. Jeden Tag erscheint er vor ihnen und predigt den 'Lämmern' - wie er sie nennt - die Apocalypse und ihre wichtige Rolle dabei.
Währenddessen versucht das FBI ergebnislos, Mordecai zu Verhandlungen zu überreden und ist mit seinem Latein am Ende. Nur die Jounalistin Molly Cates ist einer Spur auf der Fährte. Allerdings kennt sie Mordecai von früher, als sie ein Interwie mit ihm führte und will weder mit ihm, noch mit der Entführung etwas zu tun haben. Als sie allerdings merkt, dass es hier nicht nur um eine Geiselnahme geht, nimmt sie Verbindung mit dem FBI auf.
Falsche Schublade, erfreuliche Erkenntnisse
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Die Geschichte beginnt mit der Vorstellung von Walter Demming, der sich mit den Kindern bereits in dem eingegrabenen Bus befindet. Das 1. Kapitel befasst sich mit der Situation unter der Erde. Es wird schnell klar, dass Walter mit Kindern nicht wirklich was zu tun haben will. Er hat nichts gegen Kinder, aber er kann mit ihnen nichts anfangen. Und ausgerechnet dieser Mann sitzt hier in diesem engen, einzelnen Raum seit sechsundvierzig Tagen mit elf Kindern gefangen und versucht die Fassung zu behalten, denn die Kinder zählen auf ihn.
Als ich soweit gelesen hatte, machte ich in Gedanken eine Schublade auf, auf der in grossen Lettern 'Psychosülze' steht und pfefferte das Buch hinein. Nicht, dass der Eindruck entsteht, dass ich Bücher mit psychologischem Hintergrund nicht mag, aber mir war grade mehr nach Entspannung und nicht so sehr nach denken beim Lesen. Ich hatte die Befürchtung, dass das Buch immer tiefer in die Ängste der Kinder eintauchen und sich im Gewirr von Gefühlen und Gedanken verfangen würde.
Aber weit daneben gepfeffert, denn schon im nächsten Kapitel wird uns die Journalistin Molly Cates vorgestellt, gefolgt von ihrem Exmann Grady, der als Polizist die Belagerung des Sektengeländes unterstütz.Wir lernen Freunde des Busfahrers Walter Demming kennen, den Sektenführer Samuel Mordecai und viele mehr.
Die Zusammenfassung auf dem Buchrücken assoziiert eine vollkommen falsche Gewichgung der Geschehnisse. Das wird leider so manchen Leser enttäuchen, doch mich hat es hoch erfreut ;-)).
Beruhigt, dass sich die Geschichte nicht ausschliesslich um die Psyche der Kinder dreht, habe ich also weitergelesen und fand in diesem Krimi Entspannung pur.
Der etwas andere Krimi
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Die meisten Krimis, die ich gelesen habe, motivieren den Leser früher oder später dazu, den Täter und die Umstände zu erraten. Die Autoren arbeiten darauf hin, dem Leser nach und nach Hinweise zukommen zu lassen, um das Verbrechen mit einer logischen Tat- und Beweisfolge zu untermalen. Nicht ganz reizlos und alt bewährt.
Aber dieser Krimi ist anders. Von Anfang an steht fest, wer die Bösen und wer die Guten sind und dem Leser bleibt auch nicht verheimlicht, wo sich die Kinder befinden und auch der Grund für ihre Entführung wird ziemlich schnell klar. 'Unter des Käfers Keller' ist deswegen ganz genau genommen auch gar kein Krimi. Das Buch beschreibt die Ereignisse, die auf die Entführung folgen und stellt die Personen vor, die an der Lösung der Situation beteiligt sind, die immer kritischer wird.
Die Frage ist nicht : wer ist hier der Mörder, sondern : schaffen es die Beteiligten, die Kinder zu retten.
Die Geschichte ist gut recherchiert, die Story lückenlos und ohne Ungereimtheiten, die hinter schönen Worten versteckt werden. Eigentlich bleibt kaum eine Frage offen und Mary Willis Walker erschlägt den Leser nicht mit Logik, sondern erzählt ihm eine spannende Geschichte.
Der Titel
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Der Titel des Buches 'Unter des Käfers Keller' ist ein Teil eines Gedichtes. Ohne zu viel zu verraten, möchte ich aus den Gedanken von Molly Cates zitieren:
"Als Kind hatte sie wiederkehrende Alpträume von gelibten Menschen gehabt, die in der schwarzen, kalten Erde begraben wurden. Es erschien ihr wie die schlimmste Verbannung, die Vertreibung in die dunkle Sphäre, unter dem Licht, unter dem Gras, unter der Erde. 'Unter des Käfers Keller' .. .. "
Der Titel erscheint erstmal ziemlich verwirrend. Aber im Laufe des Buches wird er sinnvoll und erklärt sich von selber.
Meine Meinung
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Ich kann das Buch wirklich mit ruhigem Gewissen empfehlen, es wird nie langweilig.Ich habe es in kürzester Zeit verschlugen, denn die Geschichte fesselt und das Ende ist bis kurz vor Schluss ungewiss.
Die Verteilung meiner Symphatien war nicht sehr schwierig. Die Einteilung in Gut und Böse ist ziemlich eindeutig. Es werden zwar auch bei den guten kleine negative Schwächen und Begebenheiten eingebaut, aber diese werden als menschlich und verzeihbar abgetan. So wird zum Beispiel ein Alkoholproblem von Molly Cates erwähnt, aber als vergangen und verzeihbar eingestuft. Die Figuren bleiben menschlich und real.
Mit am besten haben mir die Szenen mit dem Hund gefallen. Sie lockern die Atmosphäre ein bisschen auf und geben den Personen Molly und Grady ein bisschen zusätzliche Tiefe.
Im Grossen und Ganzen eben ein gelungenes Stück gedruckte Worte und durchaus lesenswert.
Die Zeit bis zum Anfang 2004 vertreibe ich mir jetzt mit dem 2. Buch von Mary Willis Walker, denn ich habe 'Der rote Schrei' schon hier liegen. Das bringt mich dann auch wieder zurück zur Logik, denn wenn ich dieses Buch gelesen habe, darf ich mich logischer Weise zusätzlich auch auf Ende 2004 und Walkers 6. Roman freuen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-14 09:56:20 mit dem Titel Wenn die Mäuse Katzen jagen - Patterson, James
Eigentlich habe ich immer einen kleinen Vorrat an ungelesenen Büchern zu Hause. Man weiss ja nie, wann man mal wieder zum Einkaufen kommt – ist meine beliebteste Ausrede. In Wirklichkeit bin ich süchtig nach Bücher kaufen ;-)
Auf jeden Fall gehe ich an keinem Bücherstand vorbei, ohne ihn wenigstens zu überfliegen und bei einer solchen Aktion ist mir ‚Wenn die Mäuse Katzen jagen‘ von James Patterson in die Finger geraten. Ich habe es gekauft, weil mir der Autor bekannt vorkam und weil mir die Aufmachung gefiel. Jetzt – ca. 4 Monate später – habe ich das Buch endlich gelesen.
Der Autor
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James Patterson (*1949) studierte Literatur, arbeitete in der Psychiatrie und dann in einer New Yorker Werbeagentur. Sein erster Roman ‚The Thomas Berryman Number‘ wurde erst von 31 Verlagen abgelehnt, um dann nach seinem endgültigen Erscheinen mit dem Edgar Allan Poe Award ausgezeichnet zu werden.
Bekannt wurde er durch sein Psychothriller, die inzwischen in 27 Sprachen übersetzt wurden. Seine Bücher erreichten inzwischen eine Gesamtauflage von ca. 25 Millionen und eines davon (‚..denn zum Küssen sind sie da‘) wurde verfilmt.
Neben inzwischen 10 diversen Werken, von denen aber nur sieben ins Deutsche übersetzt wurden, erschienen auch folgende Romane mit Alex Cross als Titelheld:
-- Morgen, Kinder, wird’s was geben (1993) – original Along Came A Spider (1993)
-- .. .. denn zum Küssen sind sie da (1995) – original Kiss the Girls (1995)
-- Sonne, Mond und Sterne (2001) – original Jack & Jill (1996)
-- Wenn die Mäuse Katzen jagen (1999) – original Cat & Mouse (1997)
-- original Pop! Goes the Weasel (1999)
Die Aufmachung
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Das Taschenbuch fiel mir sofort ins Auge, weil es wirklich eine sehr schöne Umschlaggestaltung aufzuweisen hat. Es ist rundherum in einem sehr schönen blau gehalten, mit einer schwarzen Katze in der unteren Hälfte. Sowohl der Buchtitel als auch der Autor sind in einer 3D-Schrift – ich würde sagen es ist Book Antiqua – nicht nur aufgedruckt, sondern in den Deckel eingeprägt. Dadurch wirkt das Buch für ein Taschenbuch verhältnismäßig edel und auffällig. Auf der Rückseite darf natürlich neben dem Klappentext die Maus nicht fehlen.
Das Buch hat 413 Seiten, ist also in nicht all zu langer Zeit zu bewältigen.
Die Story
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Polizeipsychologe Alex Cross, ein farbiger, sympathischer Doktor der Psychologie, lebt mit seiner Familie in Washington. Seine Familie besteht aus seiner alten, aber lebensfrohen Großmutter Nana und seinen beiden Kindern Jannie und Damon. Cross jagt den Serienmörder Gary Soneji, der davon besessen ist, die spektakulärsten Massenmorde der amerikanischen Geschichte zu übertreffen. Cross hat ihn bereits einmal ins Gefängnis gebracht und hofft, dies noch einmal zu schaffen.
Auch in Europa treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Der allerdings richtet seine Opfer auf bestialische Weise zu und wird in der Öffentlichkeit ‚Mr.Smith, der Außerirdische genannt. Auch in diesem Fall bitten ihn die Kollegen um Rat. Erst lehnt Cross ab, da er sowieso schon zu wenig Zeit für seine Familie hat, doch schon bald stellt sich heraus, dass er auch in diesem Fall eine Rolle zu spielen scheint.
Meine Meinung
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Um es direkt vorweg zu sagen: Das Buch ist nicht wirklich schlecht. Aber man muss es nicht unbedingt gelesen haben. Es ist nicht wirklich fesselnd und neue, revolutionäre Ideen enthält es auch nicht.
Das Malheur beginnt schon mit der Übersetzung des Titels.
Die Story handelt von der Thematik Katz-und Mausspiel. Patterson löst im Verlauf des Buches niemals auf, wer die Katze und wer die Maus ist, und schon gar nicht, wer wen jagt. So heißt das Buch im Originaltitel ‚Cat and Mouse‘, was denn auch schon falsch übersetzt wurde mit ‚Wenn die Mäuse Katzen jagen‘. Während Patterson dem Leser selber überläßt, wer nun wen jagd, nimmt die Übersetzerin dem Leser diese Entscheidung ab, und der Übersetzerin (Dietlind Kaiser) steht das wohl nicht unbedingt zu, denke ich.
Da ich das Original nicht gelesen habe, werde ich ab jetzt behaupten, der Autor selber wäre schuld ;-). Schuld zum Beispiel am Malheur mit der Person des Erzählers. Das Buch wird jeweils aus zwei Perspektiven erzählt. In der 3. Person (er ging .. ..) , wenn es um den jeweiligen Verbrecher geht – also Gary Soneji und Mr. Smith und in der 1. Person (ich ging .. ..), wenn es um den Polizisten geht – also Alex Cross. Verwirrend wird es allerdings, dass der Ich-Erzähler in der Mitte der Story wechselt. Cross pausiert sozusagen als Erzähler und Thomas Pierce übernimmt diese Rolle. Dadurch entsteht ein unheimliches Chaos an Polizist und Verbrecher, Ich und Er .. ..
.. .. auf jeden Fall hab ich bisher gedacht, das in der 1. Person dann geschrieben wird, wenn es einen Erzähler der Story gibt, der das Ganze aus seiner Sicht erzählt. Der Wechsel mag an dieser Stelle als ein stilistisches Werkzeug geplant gewesen sein, ich empfinde es nur als sehr unnötig verwirrend.
Die Charaktere in dem Buch sind ein bißchen flach. Patterson verschwendet nicht viele Wörter an die Beschreibung seiner Charakter. Die Nebenfiguren sind fast besser beschrieben, als die Hauptdarsteller. Man erhält zwar einen Einblick in das Familienleben von Cross, oder auch in seine Freundschaft zu Sampson, aber einen Einblick in die Personen selber muss man sich selber ausdenken. Das muss zwar nicht unbedingt falsch sein, aber ich empfinde das in einem so kurzen Buch als zu ablenkend von der Story.
Jetzt im Nachhinein, habe ich gelesen, dass Alex Cross in der Verfilmung von ".. .. denn zum Küssen sind sie da" von Morgan Freeman gespielt wurde. Seltsam, ich hab den symphatischen Bullen, mit der netten Familie immer als Denzil Washington vor mir gesehn, hehe.
Die Story an sich ist sehr konstruiert. Anstatt sich auf einen der beiden Serienkiller zu konzentrieren, versucht Patterson vergeblich, eine komplizierte ineinander verstrickte Geschichte zu basteln. Das hilft der Story nicht gerade dabei, Spannung zu erzeugen. Alles wirkt ein bißchen unwahr und zufällig zurecht gelegt. Nicht sehr überzeugend. Das mag anders sein, wenn man auch die anderen Cross-Romane gelesen hat. Aber diesem als Einzelwerk fehlt es an Tiefe und Charakter.
Ich würde das Buch nicht unbedingt als unspannend bezeichnen. Auf seine Art ist es sicher spannend. Allerdings zieht sich nicht ein Spannungsbogen durch das komplette Buch, sondern es sind viele, kleine Teilstrecken, die durch Spannung miteinander durchzogen werden. Leider lösen sich diese kleinen, spannenden Episoden immer zu schnell auf, weil ganz plötzlich etwas passiert und weg ist sie .. .. die Spannung.
Man zittert nicht wirklich mit, wenn schlimme Dinge passieren. Man kann sicher nicht viele Schriftsteller mit Thomas Harris vergleichen, aber Patteron ist sehr weit davon entfernt, versucht sich aber vergeblich, ähnliche Empfindungen im Leser hervor zu rufen. Seine Mörder handeln ähnlich bestialisch wie Hannibal Lecter, aber es berührt mich nicht wirklich, zu lesen, dass dem Opfer die Gesichtshaut von der Stirn bis über das Kinn gezogen wird. Patterson könnte genauso gut erzählen, wie jemand einen Apfel schält.
Aber wie Anfangs erwähnt, es ist nicht wirklich schlecht. Aber man muss es auch nicht unbedingt gelesen haben. Es unterhält, aber es fesselt nicht.
Gruß, Euer Irres Licht
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-14 22:44:31 mit dem Titel Todesmarsch - Richard Bachman aka Stephan King
Es gibt zwei Arten, dieses Buch zu lesen.
Die herkömmliche Art
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läßt uns einen spannenden Roman verschlingen, im Bestreben herauszufinden, wer den Todesmarsch gewinnt. In diesem Fall handelt es sich bei dem Buch um eine spannende Geschichte, deren Ausgang man zwar ahnt, aber die immer wieder hoffen läßt, dass unvorhersehbare Dinge geschehen. Beim ersten Lesen zwingt sich diese Art auf und man kann das Buch kaum aus der Hand legen, denn es liest sich flüssig und jeder wird wenigstens einen Geher finden, mit dem er sich entweder identifizieren kann, oder dem er wenigstens seine Sympathien schenken kann.
Aus dieser Sicht des Lesens würde ich dem Buch 4 von 5 Sternen vergeben, denn die Geschichte läßt eigentlich wenig zu wünschen übrig. Sie ist spannend, unterhaltsam, für Horrorfans fließt ausreichend Blut, für die etwas zarter besaiteten gibt es Geschichten über Freundschaft und für die oberflächlich betrachtet Hintergründigen gibt es sogar ein paar Unterhaltungen darüber, wie man sich auf solch todbringend Spiele einlassen kann. Es gibt Sympathien, Antipathien, Mitleidiges, Erfreuliches und vieles, was sich einfach in einem Rutsch lesen läßt, ohne Langeweile aufkommen zu lassen.
Kurz gesagt, man kann ‚Todesmarsch‘ lesen, sich mit seinen Freunden darüber unterhalten, über den Ausgang der Geschichte nachdenken, das Buch ins Regal stellen und zur Tagesordnung übergehen.
Die Handlung
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an Sich ist recht einfach und klingt alles andere als spektakulär.
In einer Zeit, in der die Weltbevölkerung verarmt und vor allem gelangweilt ist, in der das Militär über das Land herrscht, gibt es jedes Jahr eine Volksbelustigung, zu deren Teilnahme sich ein Großteil der männlichen Jugendlichen anmeldet. Aber nur 100 von ihnen können daran teilnehmen. Diese Auserwählten werden auf einen Marsch um Leben und Tod geschickt.
100 junge Männer laufen los und dürfen nicht stehen bleiben, egal was passiert. Es gibt kein Erbarmen, keine Ausnahmen, kein Entkommen. Wer stehen bleibt wird erschossen und es spielt keine Rolle, ob er von Wadenkrämpfen gequält wird, seine Schuhe verloren hat oder ob er sich ein Bein bricht. Wer nicht weiter läuft ist tot, denn nur ein Läufer – der, der alle anderen überlebt – kann am Ende gewinnen.
Die tiefergründige Art
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befasst sich mit den Gefühlen und den Gedanken der Geher und der Zuschauer des Spektakels. Und vor allen Dingen befasst sie sich mit den Gefühlen des Lesers.
Hier mag der Einwand laut werden, dass Bachman/King kein Psychologe ist, sondern ‚nur‘ ein Schriftsteller. Doch er ist nicht irgendein Schriftsteller, er ist der Meister des Horrors. Er beansprucht im ‚Todesmarsch‘ keine tiefenpsychologischen Erkenntnisse für sich, sondern er beschreibt die Ereignisse ausschließlich und führt uns vor Augen, wie es sein könnte .. ..
Er hält uns einen Spiegel vor und wer sich während des Lesens mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, wird bald merken, dass King uns hier weniger vorgibt, als wir anfangs glauben. Und er hinterläßt eine kaum sichtbare, aber sehr fein gezeichnete Linie des Horrors.
Anfangs scheint es so, dass den Gehern erst nach und nach klar wird, auf was sie sich da eingelassen haben. In den Regeln des Marsches steht eindeutig geschrieben, dass ausschließlich einer der Teilnehmer den Marsch überleben kann. Aber den wenigsten scheint klar zu sein, dass das gleichbedeutend ist mit der Aussage, dass 99 der Geher den Tod finden werden.
Auch dem Leser wird das, obwohl auch er die Regeln am Beginn des Buches erfährt, nur langsam bewußt. Nach und nach sterben Jungen vor unserem geistigen Auge, nur weil sie sich eine Grippe einfangen haben oder einfach keine Hoffnung mehr haben und sich auf die Strasse setzen, bis sie dort nach ihrer dritten Verwarnung erschossen werden.
Und so wie der Leser immer noch glaubt, die Handlung würde eine Wendung erfahren, glauben auch die Teilnehmer des Marsches anfangs daran, dass alles nur ein Spiel ist. Während der Tod eines Jungen am Anfang noch ein Verlust scheint und Entsetzten hervorruft, wird im Laufe des Buches jeder Schuss gleichgültiger, solange er nicht unseren Sympathieträger trifft. Das bezieht sich nicht nur auf die Geher im Buch, sondern auch auf den Leser und wer darüber näher nachdenkt, erschreckt über seine eigenen Gefühle und Gedanken.
Hoffnungslosigkeit bekommt in diesem Buch eine ganz neue Bedeutung.
Besonders erschreckend finde ich die Reaktionen der Zuschauer, die sich am Wegesrand einfinden. Und sehr bald stellt sich die Frage, was geschehen würde, wenn es einen solchen Marsch tatsächlich einmal geben sollte. Würden auch wir jubelnd am Strassenrand stehen, wenn einer der Jungen vor uns auf die Knie fällt und kurze Zeit später erschossen wird ? Schließlich sind auch wir nicht hier erschienen, um einer Gruppe Wanderer zuzusehen .. ..
Der Autor
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ist bekanntlich Stephen King, der den ‚Todesmarsch‘ unter dem Pseudonym Richard Bachman verlegte, um den Markt in den 70er Jahren nicht mit King-Schockern zu überschwemmen. Allerdings wurde schneller als geplant bekannt, wer sich hinter dem Namen verbarg und so wurde auch der ‚Todesmarsch‘ sehr schnell ein großer Erfolg.
Anders als bei den Büchern, die King unter seinem richtigen Namen herausgab, haben die Bachman-Bücher alle eines gemeinsam, sie kommen viel schneller zur Sache. Während King-Bücher allesamt eine relativ lange Einleitungsphase haben, in denen die Personen vorgestellt werden, um die es in der folgenden Geschichte geht, kommt King in seinen Bachman-Büchern schnell zur Sache und treibt die Handlung voran. Die Protagonisten lernt man im Laufe der Handlung kennen.
Das macht übrigens den ‚Todesmarsch‘ auch interessant für Leser, denen King zu langatmig schreibt.
Die Vision
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die hinter der Geschichte an Sich steht, ist in greifbarere Nähe gerückt, als wir es uns einzugestehen wagen. Zu gerne würde ich Stephen King einmal fragen, ob er sich jemals hätte träumen lassen, wie dicht die Menschheit schon zu seinen Lebzeiten an diese Form der Unterhaltung herangekommen ist.
Wie weit sind wir noch von einem Todesmarsch entfernt, wenn wir uns vor unseren Fernsehern versammeln, um Menschen beim Abnehmen zuzusehen, oder wenn wir zum Telefonhörer greifen um an der Abstimmung teilzunehmen, darüber ob jemand ein Haus verläßt, in dem er hofft sich bis zum Ende der Show exhibitionieren zu können ?
Oh, ich weiss, ich übertreibe .. ..
Aber andererseits schrieb King dieses Buch, als sich Fernsehshows größtenteils noch auf Frage- und Antwortspielchen beschränkten und er dachte ebenfalls mit größter Wahrscheinlichkeit, dass er masslos übertreibt, wenn er ein Spiel erfindet, in dem Zuschauer die Spieler beim Leiden anfeuern.
An dieser Stelle stellt sich allerdings die Frage: Hat er es erfunden, oder hatte er ein historisches Vorbild ?
Mein Eindruck
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verstärkt sich mit jedem Lesen von ‚Todesmarsch‘, dass es nicht darum geht, dass die ‚Verlierer‘ getötet werden und wer den Marsch verliert. Egal, wie man zu den Darstellern steht, es werden immer auch einige den Tod finden, denen man das Leben gegönnt hätte.
Es geht viel mehr darum, dass jeder Leser für sich die Grenze ergründet. Keiner wird für sich eine endgültige Entscheidung treffen können, wie weit er gehen würde (weder als Teilnehmer, noch als Zuschauer), denn schließlich ist es ein sehr großer Unterschied, ob ich mir das Unvorstellbare vorstelle, oder ob ich es erlebe.
Genau so ergeht es den Gehern in der Geschichte und Bachman/King schafft es sehr erdrückend, den Leser in die Geschichte zu ziehen und mitleiden zu lassen. Er macht sehr deutlich, wie sich das Bewußtsein nur schrittweise mit den Tatsachen abfindet, bis sie vor Überflutung der Gefühle dann irgendwann an Bedeutung verlieren.
Es ist schon erschreckend, wie weit unsere Vorstellungskraft reichen kann .. .. weiterlesen schließen
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