Pro:
60Hz - Modus; fiese Schockmomente; gelungenes Leveldesign
Kontra:
veraltete Grafik; Animationen von Miku wirken teils unnatürlich
Empfehlung:
Ja
Bei Project Zero handelt es sich um eine Survival-Horror-Serie, die bisher in drei Teilen auf der Playstation 2 erschienen ist. Der zweite Teil hat als überarbeitete Directors-Cut-Version auch den Sprung auf die Xbox geschafft. Um alle Konsolenhersteller einmal durch zu haben, wird die nächste Version Wii-exklusiv sein, weshalb man auch auf die Steuerung schon gespannt sein darf. Im Großen und Ganzen geht es in der Project-Zero-Reihe um Menschen, die aus verschiedenen Gründen an Spukorte kommen, die in der weiten Welt der Videospiele an Düsterheit, wenn überhaupt, nur noch von Silent Hill übertroffen werden. Allerdings gibt es in Project Zero keine materiellen Feinde. Es gibt ausschließlich Geister, die sich natürlich am liebsten an besonders gruseligen Orten aufhalten oder urplötzlich aus dem Nichts auftauchen, um dem Spieler die ersten grauen Haare auf dem Kopf wachsen zu lassen. Das Problem mit diesen untoten Gesellen ist natürlich, dass man sich kein Brecheisen schnappen und ihnen die Kauleiste richten kann, weil sie keine materielle Kauleiste mehr besitzen. Daher muss eine magische Kamera herhalten, die die Seelen der Geister einfängt, indem man sie fotografiert. Diese umständliche und eigenartig anmutende Art, Gegner zu erledigen bleibt das gesamte Spiel über etwas ungewohnt und hat eigentlich nur einen Vorteil: Project Zero verzichtet komplett auf Blut und lebt, anders als z.B. Capcoms Horror-Reihe Resident Evil, nur durch Schockmomente und düstere Atmosphäre und nicht von einem hohen Gore-Anteil.
In dem ersten Teil der Project-Zero-Serie, den ich hier beleuchten will, geht es um ein junges Geschwisterpaar und ich kann eins vorwegnehmen: Die Story ist komplett unlogisch und gerade wenn man heutige Maßstäbe für Videospiele zum Vergleich nimmt, einfach dumm. Selbst wenn man berücksichtigt, dass ein Japaner sie geschrieben hat, die ja nicht gerade dafür bekannt sind, logische Dinge zu tun, ist sie immer noch mies. Aber zumindest können Japaner auf eine sehr lange Geisterkultur zurückblicken (früher wurden z.B. japanische Brücken oft im Zickzack gebaut, weil die Japaner dachten, dass Geister nur geradeaus laufen können und man so über Brücken vor ihnen fliehen konnte...), die sich sicher positiv auf die Spielentwicklung ausgewirkt hat.
Bevor man die Hauptfigur des Games, das Mädchen Miku, überhaupt zu Gesicht bekommt, erfährt man von dem Schriftsteller Takamine, der mit ein paar Mitarbeitern in einem alten, japanischen Herrenhaus Recherchen anstellt und dabei mit seiner gesamten Crew verschwindet. Mikus Bruder scheint wohl ein großer Fan von diesem Schriftsteller zu sein, denn er begibt sich nun auch in das Herrenhaus, um die Suche nach ihm aufzunehmen. Auch als er die ersten Geister sieht, die jedem normalen Menschen den Arsch auf Grundeis gehen lassen würden, sucht er immer weiter - allerdings erfolglos, denn auch er verschwindet bald in dem Haus. Also betritt mit dem hübschen Schwesterherz Miku das dritte "Angriffsteam", nur ausgestattet mit einer Taschenlampe und einem ziemlich kurzen Gürtel, den manche eventuell auch noch als Rock bezeichnen würden, das Spukhaus. Komischerweise ist Miku auch die Dritte, die nicht auf die Idee kommt, das Haus tagsüber zu betreten, sondern sich auch nachts hineinbegibt. Ist ja auch gruseliger so, freut einen also als Spieler, trägt aber nicht unbedingt zur Logik von Project Zero bei.
Auf ihrem Weg durch die beklemmenden Korridore und düsteren Zimmer gibt es das ein oder andere Rätsel zu lösen, die beinahe alle von mittelmäßiger Schwierigkeit gestrickt sind. Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass hier und da die geringe Bildschirm-Auflösung bei der Lösung des der Rätsel sehr hinderlich ist. Wenn man z.B. japanische Schriftzeichen wiedererkennen muss, was für einen Europäer ohnehin schon schwer genug ist, dann ist es nicht hilfreich, dass sie alle so verschwommen sind, dass man kaum Unterschiede erkennen kann. Mikus Kamera hilft einem auch oft bei den Rätseln, da sie fähig ist, Dinge zu sehen, die Miku mit dem bloßen Auge verborgen bleiben. Auch hier macht die geringe Auflösung jedoch manchmal Probleme, weil man auf den Fotos nicht genug entscheidende Details finden kann, weshalb manche Rätsel mehr in Try&Error ausarten, als dass sie wirklich mit den eigenen Grauen Zellen zu lösen wären. Also fotografiert man nicht nur Geister auf seiner Gruseltour, sondern auch Türen, Spiegel, Wände usw. Alles, was komische Geräusche auslöst und irgendwie verschwommen wirkt, sollte man auf Film bannen, um entscheidende Hinweise zu bekommen und Bänne zu brechen, die Geister z.B. gerne mal auf Türen legen (erkennbar an einem Zettel, der an der Tür hängt...). Da man äußerst selten auf lebende Zeitgenossen trifft, wird die Story durch Dokumente der anderen Leute, die bereits im Haus verschwunden sind, vorangetrieben. Dabei kommen Berichte über Opfer ans Tageslicht, die grausam entstellt sind und auf mysteriöse Art und Weise umgekommen sein müssen. Diese Morde gleichen dabei Legenden über frühere Rituale, die in der Gegend durchgeführt wurden. Da diese Dokumente und Photos für die Lösung mancher Rätsel notwendig sind, ist es schade, dass sie im Menü nicht chronologisch sortiert werden, sondern einfach wild durcheinandergewürfelt aufgelistet werden. So fällt der Wiedereinstieg in das Spiel schon nach wenigen Tagen recht schwer, weil man in der Dokumentenflut nicht mehr weiß, welche Informationen aktuell und welche veraltet sind.
Das erste was auffällt, ist, dass trotz relativ altbackener Grafik, die auch für PS2-Niveau eher durchschnittlich, als gut ist, das Leveldesign wirklich hervorragend ausgearbeitet wurde. Das uralte japanische Anwesen glänzt durch hervorragende Gruselorte und schaurige Nischen, die die Atmosphäre deutlich antreiben und die nicht so gute Grafik schnell vergessen machen. Alte, leicht eingerissene Sichtschirme und Stellwände versperren z.B. oft Teile des Raumes und lassen nur dunkel vermuten, was hinter ihnen lauern könnte. Decken sind grundsätzlich recht hoch und verlieren sich in der Dunkelheit, wobei große Querbalken weit über einem das Ganze noch etwas unheimlicher erscheinen lassen. Auch die Geister sehen recht gruselig aus, unterscheiden sich aber nicht alle, sondern suchen einen mehrmals heim, nachdem sie bereits mit der Kamera gebannt wurden. Einige der verschiedenen Geister waren Opfer der verschiedenen Rituale, die in der Vergangenheit in dem Anwesen durchgeführt wurden. Sie sind alle in Grautönen gehalten und leicht durchsichtig - eben wie man sich Gespenster vorstellt. Es gibt z.B. eine Geisterfrau, die sich einem rückwärts nähert und plötzlich, wenn sie nah an einem dran ist, den Kopf hinten überschlägt und einen falsch herum anstarrt, obwohl ihr Körper noch aufrecht ist. Nicht so gut geworden ist der Effekt, der bei gebannten Geistern eintritt. Der Screen dreht sich dann einfach und es erscheinen blaue Lichtkugeln, die sich in alle Richtungen verstreuen. Hier hätte man sich spannendere Sachen einfallen lassen können. Die Soundeffekte unterstreichen die ansonsten sehr gruselige Grundstimmung. Die Geister schreien ganz gerne mal in schrillen Stimmlagen und oft sind in Räumen Flüstergeräusche zu hören.
Auch wirklich positiv fällt auf, dass es während des Spielens keine Ladezeiten gibt. Miku hält, wenn überhaupt, nur kurz vor Türen inne, bevor sie sie öffnet. Das trägt deutlich zur Stimmung bei. Es gibt keine Ladeszenen, in denen man als Spieler "sicher" vor neuen Schreckmomenten ist. Oft lauern die nächsten Schocks direkt hinter den Türen, die man gerade öffnet. So sieht man recht häufig durch die gerade geöffnete Tür einen Geist noch in die Ecke schlurfen und irgendetwas murmeln und wird dabei von einem plötzlich einsetzenden Geräusch beinahe von der Couch geworfen.
Leider ist Project Zero auch nicht ganz frei von Fehlern. So ist der Schattenwurf der eigenen Taschenlampe z.B. falsch, wenn man unter einem Shinto Tor hindurch läuft. Der Sound hatte während meiner Spielzeit auch einen leichten Fehler. Als ein Soundsample nicht richtig beendet wurde, lief es durchgängig weiter im Hintergrund, bis der Soundkanal durch ein anderes Sample genutzt wurde. Natürlich sind das keine gravierenden Fehler, aber doch kleine Kratzer an der Präsentation des Spiels. Dafür wird ein 60Hz-Modus geboten und Hardcore-Geisterjäger können einen neuen Schwierigkeitsgrad und Kostüme für Miku freispielen, was jedoch wohl nur für Wenige ein Grund sein wird, das Spiel noch ein zweites Mal durchzuspielen.
Alles in Allem ist Project Zero, auch wenn es schon einige Jahre auf dem Buckel hat, immer noch empfehlenswert. Zwar kann es grafisch nicht mit den beiden, bereits erschienenen, neueren Teilen der Serie mithalten, aber das hervorragende Leveldesign und die gruseligen Geister halten einen auch heute noch bei Laune. Bei Fans des Survival-Horror sollte dieser Titel zumindest nicht in der Sammlung fehlen. weiterlesen schließen
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