Pro:
tolle Darsteller, guter Story, gute Umsetzung des schwierigen Themas
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Ja
Super-Kino-Dienstag im schalkmans Provinzkino ;) Da Provinzkinos gute Filme immer recht spät zeigen konnte ich mir endlich „Sophie Scholl – Die letzten Tage zu Gemüte führen”. Wer jetzt sagt „schon wieder zweiter Weltkrieg wie in Hitlers Untergang”, der irrt, denn in Sophie Scholl fliegt keine einzige Kugel...
1. Handlung
===============
Hans (Fabian Hinrichs) und Sophie Scholl (Julia Jentsch) – Namen die jedem eigentlich irgendwoher geläufig sein sollten – aus dem Geschichtsunterricht oder aus allgemeinen Gesprächen sollten die beiden und das Wirken ihrer studentischen Organisation „Weiße Rose” bekannt sein. Dennoch, hier noch mal eine kurze Zusammenfassung der Story:
Die Geschwister Hans und Sophie Scholl sind beide Studenten in München, teilen sich dort eine Wohnung und sind beide 1943 in der Anti-Nationalsozialistischen Organisation „Weiße Rose” engagiert. Die Aktionen der „Weißen Rose” sind zumeist Verteilungen und Abwürfe von regimekritischen Flugblättern. Doch bei diesen Aktionen handelt es sich nicht um wilden Protest der Studenten gegen etwas, das sie nie kennengelernt haben, denn Hans war unlängst an der Ostfront und hat das ganze Leid als Sanitäter an der Front miterlebt.
Der Film steigt relativ unvermittelt an, bald findet man sich als Zuschauer mit Sophie, Hans und anderen Mitstreitern in einem kleinen, verlassenen Künstleratelier wieder, wo die Studenten Flugblätter entwerfen und Vervielfältigen – ein ziemlich waghalsiges Unternehmen im Frühjahr 1943, der Zeit, wo sich der Krieg gegen Deutschland gewendet hat und absolute Papiernot herrscht.
Neben den regelmäßigen Empfängern der Flugblätter haben die Studenten so viele Exemplare angefertigt, dass sie diese im Lichthof der medizinischen Fakultät der Münchener Universität verteilen können. Die Scholls legen die Flugblätter in allen Gängen des Gebäudes während der Vorlesungen aus – doch Sophie gibt einem Stapel Flugblätter einen Stoß, die Blätter fallen aus dem dritten Stock hinunter in den Lichthof, aber der Abwurf bleibt nicht unbemerkt und die Scholls werden vom Hausmeister des Gebäudes festgenommen und der GeStaPo übergeben.
An diesem Punkt beginnt der eigentliche Inhalt des Films: Die Verhöre durch Robert Mohr (Alexander Held), der versucht Sophie Scholl eine goldene Brücke zu bauen, um der drohenden Todesstrafe zu entgehen. Doch Sophie bleibt hart, steht für ihre Sache ein, verteidigt nach dem kurzen Versuch des „Herausredens” (der jedoch scheitert) ihre Prinzipien und ihren Glauben.
Es folgt, was folgen muss: Die Verurteilung (interessant: Der Prozess wird komplett gezeigt, da er ohnehin nur wenige Minuten dauert – der Richter ist praktisch zugleich der Ankläger und die einzige Person, die während des ganzen Prozesses spricht) und der Vollzug der Strafe – Tod durch Enthauptung, nur vier Tage nach dem Abwurf der Flugblätter, am 22.02.1943.
2. Schauspieler
===============
Julia Jentsch, mir noch in guter Erinnerung aus „Die fetten Jahre sind vorbei”, glänzt auch in der Rolle Sophie Scholl. Julia Jentsch beweist mit „Sophie Scholl”, dass sie auch ganz allein als Hauptcharakter eines Films auftreten kann, denn nur Sophie Scholl begleitet man den ganzen Film durchgehend – Die Verhöre und das Leben in Haft fehlen bei Hans Scholl vollkommen. Jentsch wirkt glaubwürdig, stellt mit Sophie Scholl eine Rolle dar, die ihrer Rolle in „Die fetten Jahre sind vorbei” nicht unähnlich ist: frech, ehrlich, couragiert, gewitzt und intelligent, alles Eigentschaften die den Rollen Jule und Sophie entsprechen und auch von Julia Jentsch gut und glaubwürdig verkörpert werden.
Fabian Hinrichs als Hans Scholl bleibt recht blass – das mag mitunter daran liegen, dass der Film ja „Sophie Scholl” und nicht „Die Geschwister Scholl” heißt und Hans dadurch nur eine Nebenrolle ist, doch ich denke, bei Hans wäre „mehr” drin gewesen. Zwar lebt Hans innerlich den gleichen Glauben wie Sophie, doch Sophie verkörpert diesen viel mehr (oder wird dies auch nur besser gespielt von Julia Jentsch?) als ihr Bruder. Hans erscheint eher als planender Typ, während Sophie emotionaler wirkt.
Alexander Held nimmt die durchaus schwierige Rolle des Ermittlers Robert Mohr sehr gut wahr. Er stellt einen großen Zwiespalt dar zwischen dem Ermittler Mohr, der seine Gesetze befolgt, und dem Menschen Mohr, der versucht Sophie eine goldene Brücke zu bauen, damit sie weiterleben kann. Der Mensch Mohr weiß auch, dass die Gesetze falsch sind und das Gewissen gegen diese rebelliert. Passend hierzu ein Zitat von Sophie Scholl gegenüber Robert Mohr: „Gesetze ändern sich, doch das Gewissen bleibt.”.
3. Fakten
===============
Deutschland 2004
Regie: Marc Rothemund
Buch: Fred Beinersdorfer
Länge: ca. 116 Minuten
Genre: Biographie/Drama
Freigegeben ab 12 Jahren
http://www.sophiescholl-derfilm.de
4. Kritik
===============
Der Stoff „Sophie Scholl” ist nun zum dritten mal verfilmt worden – eine Hollywood-Verfilmung von Steven Spielberg ist derzeit in Produktion. Gerne hätte ich die ersten beiden (deutschen) Filme über Sophie Scholl auch gesehen, um einen Vergleich und einen Anhaltspunkt zu haben, doch leider war dies nicht möglich.
„Sophie Scholl – De letzten Tage” ist selbstverständlich kein Film, der den Fokus auf den Ausgang des Films legt, denn es ist ja allgemein bekannt, dass die Gebrüder Scholl zum Tode verurteilt wurden. Im Zentrum des Films stehen ohne Zweifel die sehr gut umgesetzten Verhöre durch Mohr und die Verurteilung vor Gericht. Dabei ist bemerkenswert, dass die Rolle „Mohr” keineswegs nur böse dargestellt wird, lediglich der Richter ist als Personifikation des Bösen anzusehen. Alle anderen Rollen kann man eher als „Grauzone” zwischen Gut und Böse oder Mitläufer-Typen sehen – das kann man den Machern hoch anrechnen, denn das Leben ist nicht wie die Hollywood-Verfilmungen in Gut und Böse aufgeteilt, sondern in viele Nuancen dazwischen, die der Film gut darstellt.
Trotz dieser auf den ersten Blick sehr langweilig und wenig attraktiv klingenden Hülle des Films, füllt Julia Jentsch alias Sophie Scholl die Verhöre und die Verurteilung mit Leben – die knapp zwei Stunden des Films vergehen wie im Flug – Der Film versteht es die Zuschauer zu fesseln, zu schockieren und zu interessieren, aber auch ihn zu unterhalten und durchaus zum Lachen zu bringen.
Lachen? In solch einem Drama? Ja, auch das ist möglich – der Film ist derart gut gemacht, dass man ernsthafte Lacher in Situationen, in denen es Sophie Scholl versteht Mohr und den Richter in Verlegenheit zu bringen (Beispiel: Während des Prozesses sagt Sophie zum Richter „In einem Jahr sitzen sie hier auf der Anklagebank”, Antwort des Richters „Jeder ehrenwerte Mann hier im Saal ist empört über eine solche Äußerung”, daraufhin kommen aber keine Schmährufe aus dem Saal, der selbstverständlich voller NSDAP-Mitglieder ist, sondern nur betroffenes Schweigen – die Situation ist zum Platzen komisch).
Die Ausstattung, Kameraführung und die schauspielerischen Leistungen sind einfach nur grandios, alles fügt sich ins Gesamtbild ein. Der Film an sich zeigt sich gegenüber dem Stoff neutral und distanziert, erinnert an Sophie Scholl, an ihren stillen Triumph über die nationalsozialistische Diktatur, den sie leider erst nach ihrem Tod erlangt hatte.
Der Tod Sophies ist sehr gut umgesetzt: Man sieht sie, wie sie auf die Guillotine gelegt wird, sieht das Fallbeil, es senkt sich, doch der entscheidende Schnitt auf sie fehlt – es ist einfach nur schwarz, die Geräuse dominieren diese letzten Sekunden des Films. Man hört die Enthauptung Sophies und ihrer beiden Mitverurteilten – ihrem Bruder Hans und beider Freund und Mitstreiter Christoph Probst.
Verlässt man das Kino, denkt man nur an die Worte, die die BILD-Zeitung treffend formuliert hat: „Was für eine Frau! Was für eine Zivilcourage! Was für ein Film!”...
5. Fazit
===============
Ein Film, den man gesehen haben muss! Allein Julia Jentsch als Sophie Scholl ist durch ihre herzerfrischende, ehrliche und couragierte Art, den Eintritt wert. Der Film ist jeodch mehr als eine bloße Chronik der letzten Tage von Sophie Scholl, vielmehr bringt er auch zum Lachen, zum Nachdenken und zur Empörung. Lachen kann man über die Schlagfertigkeit und den Mut Sophies dem NS-System gegenüberzustehen. Nachdenken kann man darüber wie couragiert einige normale junge Menschen mit ihren Mitteln gegen ein System rebellieren und empört ist man über die Gerischtsverhandlung, die Gesetze und die Hinrichtung.
Daher klare fünf Sterne und eine Empfehlung für diesen tollen Film! weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben