Pro:
Anfang des Buches; Beschreibung der Charaktere; interessanter Schluss; Betrachtung zwischenmenschlicher Beziehungen;
Kontra:
nicht spannend; Vorhersehbarkeit; schlechte Ausarbeitung der Idee; zu viele Personen;
Empfehlung:
Nein
David Maybury wird schon seit zehn Jahren vermisst. Der Polizeiinspektor Walsh, der damals die Leitung des Falls übernommen hatte, hatte sofort Mayburys Frau Phoebe im Verdacht. Doch er konnte ihr nie beweisen, dass sie am Verschwinden ihres Mannes schuld war.
Nun, zehn Jahre später, gerät sie, ihre beiden Freundinnen Anne Catrell und Diana Goode, und ihr Landsitz Streech Grange wieder ins Rampenlicht, denn im Eishaus des Gartens von Phoebe Maybury wurde eine mittlerweile unerkenntliche Leiche gefunden. Walsh reibt sich die Hände, glaubt er doch, dass er Phoebe nun endlich des Mordes an ihrem Ehemann überführen kann. Doch die Ermittlungen gestalten sich weniger einfach, als er es sich vorgestellt hat. Fingerkuppen, Gebiss und sonstige Charakteristika eines Menschen sind entstellt oder ganz entnommen, sodass die Identität des Mannes nicht festgestellt werden kann.
Doch Walsh und seine Leute merken recht bald, dass Phoebe und ihre Mitbewohnerinnen Catrell und Diana etwas zu verheimlichen haben. Dies liegt nicht nur an dem im Dorf umhergehenden Gerücht, sie seien lesbische Hexen, sondern vielmehr am seltsamen Verhalten der Frauen. Warum wollen sie beispielsweise verhindern, dass Phoebes Tochter zum Verhör vorgeladen wird? Ist es wirklich nur ihre psychische Verfassung und ihr Problem mit der Magersucht? Oder steckt dahinter noch eine Reihe von Geheimnissen, die die Polizei so erfahren könnte? Und warum sind die Frauen komplett von der Außenwelt abgeschottet und reden fast mit niemanden im Dorf? Sind es wirklich nur die Gerüchte über sie?
McLoughlin, ein Kollege von Walsh, lässt sich nicht von den Vorurteilen einnehmen. Er glaubt an die Unschuld der Frauen und möchte wissen, was hinter all den Heimlichtuereien steckt. Darüber hinaus gilt es jedoch auch, seinen voreingenommenen Kollegen Walsh zu überzeugen, dass es sich bei der Leiche nicht um Mayburys handelt. Der setzt nämlich alles daran, Phoebe hinter Gitter zu bringen.
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ Streech Grange ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
Minette Walters wird von vielen als die Autorin des spannenden Krimis gesehen und manchmal kommt man nicht umhin, sich auf den Großteil der Meinungen zu verlassen. Doch fast genauso oft passiert es, dass einen eben gerade diese Bücher nicht gefallen, weil sie das, was sie zu versprechen scheinen, nicht halten können. So auch dieses Buch.
Es soll spannend und vollgepackt mit Psychologie sein, die den Leser vereinnahmt und manipuliert – aber nichts davon wird ersichtlich.
Die spannendsten Seiten sind immer noch die Zeitungsauszüge zu Beginn des Buches, in denen klar wird, um was es überhaupt geht. Auch während sich die ganze Geschichte und die Verstrickungen anbahnen, könnte man das Gefühl bekommen, dass das Buch durchaus fesselnd werden könnte. Aber es bleibt stehen bei dem Grad an Vereinnahmung, wodurch es keinerlei Faszination auf den Leser ausübt.
Was der Autorin aber gut gelungen ist, sind die Beschreibungen der Charaktere. Nein, es bleibt nicht nur bei der bloßen Beschreibung, sondern geht über in die Aufzählung ihrer Handlungen, ihrer Gedanken und Aussprüche, die der Leser selbst deuten kann. Wie dem auch sei, im Laufe des Buches entsteht bei allen wichtigen Personen ein genaues Bild: McLoughlin scheint ein liebevoller, aber durch die vielen Arbeits- und Ehejahre starr gewordener Mann zu sein, Phoebe eine besorgte Mutter, die wie ein Vogel verbissen und das Wohl ihrer Kinder kämpft. Den beiden Freundinnen scheint nichts wichtiger zu sein, als Phoebe das Leben zu erleichtern und ihr eigenes nebenher noch zu führen. Alle haben bestimmte Eigenschaften, die Minette Walters sehr gut, wenn auch oft durch die Blume, dargestellt hat.
So ist wenigstens die Möglichkeit gegeben, sich in die Protagonisten hineinzuversetzen und mit ihnen zu fühlen. Wenn es zum Beispiel darum geht, dass Phoebe ihre psychisch labile Tochter vor der Polizei zu schützen, merkt man, dass der Aufruhr um die Leiche und das ihr entgegengebrachte Misstrauen stark an ihren Nerven zu nagen scheint.
Dadurch, dass der Leser aber die Charaktere sehr gut einschätzen kann, nimmt die Autorin möglicherweise etwas von der Spannung. Als Anne verhaftet wird, weiß man genau, dass sie die Polizisten absichtlich auf eine falsche Fährte lockt, obwohl das erst viele Seiten später aufgeklärt wird. Es ist schwierig zu beurteilen, ob daran die zu genaue Charakteristik schuld ist, oder ob Minette Walters auf diesen Seiten schlicht und einfach zu offensichtlich geschrieben hat? Jedenfalls ist der mittlere Teil des Buches, gerade der, der am spannendsten sein sollte, oft sehr langatmig. Man weiß schon vorher, wie die Sache ausgehen wird.
Interessanter ist da schon der Schluss, der zwar mitunter auch vorherzusehen ist, aber doch eine nette Wendung beinhaltet. Nett deswegen, weil Minette Walters hier sehr stark auf den zwischenmenschlichen Bereich eingeht. Es wird gefühlvoller und sentimentaler und das hat nicht nur mit McLoughlin etwas zu tun, sondern auch mit Phoebes Vergangenheit.
Plötzlich wird die Geschichte doch etwas klarer und verständlicher, die Puzzleteile fügen sich aneinander.
Spannend wird es aber auch da nicht. Schade eigentlich, denn das Thema und die Idee, die hinter dem Buch steht, ist mehr als gut. Kein Buch also für diejenigen unter uns, die sich zwischendurch mal gerne gruseln und fürchten. Eher eine Lektüre zum munteren Mitraten mit hoher Erfolgsquote. Vom Stil erinnert es zeitweise an Henning Mankells „Hunde von Riga“, das sich genauso stolprig und langsam auf den Schluss zubewegt hat – obwohl dieser Autor natürlich oft genauso gelobt wird, aber das heißt oft gar nichts. Aber man sollte vielleicht auch die Tatsache mit einbeziehen, dass das Buch „Im Eishaus“ Walters erstes Buch ist.
Minette Walters hatte wahrscheinlich nur Gutes im Sinn, als sie sich entscheid, einen kleinen Plan von Streech Grange mit abdrucken zu lassen, um den Leser besser mit auf die Reise der Geschichte mitnehmen zu können. Leider ist dieser Plan aber so minimalistisch, dass man sich doch besser auf die eigenen visuellen Fähigkeiten verlässt und Abstand von diesem Plan nimmt.
Passender, oder vielmehr hilfreicher wäre es gewesen, wenn man eine Personenübersicht gehabt hätte, denn im Laufe der Ermittlungen und der damit involvierten Personen steigt auch die Anzahl der Namen, die immer schwieriger auseinanderzuhalten sind.
„Im Eishaus“ ist somit ein Buch unter vielen – nichts Besonderes eben. Man behält es wohl kaum im Gedächtnis, weil es ohne viel Aufsehen dahinplätschert, irgendwann zu Ende ist und wieder im Regal verschwindet. Wer etwas Packendes, Mitreißendes und Spannendes sucht, der ist hier eher schlecht bedient.
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ Autorin ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
Die englische Schriftstellerin Minette Walters wurde am 26. September 1949 in Bishop's Stortford, Hertfordshire geboren und studierte an der Universität von Durham Französisch. Seit 1977 konzentriert sich Minette Walters vollkommen dem Schreiben.
Heute lebt Minette Walters zusammen mit ihrer Familie in Hampshire.
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ Eckdaten ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
Name: Im Eishaus
ISBN: 3442421357
Seitenanzahl: 348
Preis: 8,95€
weitere Informationen unter: -
weitere Bücher von Minette Walters:
-Des Teufels Werk
-Dunkle Kammern
-Die Bildhauerin
-Der Nachbar
-Fuchsjagd
-Schlangenlinien
-Der Außenseiter
-Die Schandmaske
-In Flammen
-Das Echo
u.v.m.
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ Fazit ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
„Im Eishaus“ ist mit Sicherheit nicht Minette Walters bestes Buch. Es beinhaltet wenig Spannung und Wendungen und ist schlicht nicht das, was man sich unter einem guten Krimi vorstellt. Die Personenbeschreibung ist sehr gut gelungen, wohingegen die immense Ausgestaltung der Personenkonstellation fast schon erdrückend erscheint. Insgesamt ist daher dieses Buch nicht zu empfehlen – ein Buch, das man zu schnell wieder vergisst.
Zwei von fünf Sternen für Minette Walters Erstling.
Trotzdem viel Spaß beim Lesen wünscht Daniela.
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