Pro:
spannend bis zum Schluss, humorvoll, sehr verwickelt
Kontra:
nichts für müde Gemüter
Empfehlung:
Ja
Hallo liebe Yopi-Leser und Leserinnen,
da ich selbst keine Zeit hatte in die Bibliothek zu gehen, hatte ich meine Mutter beauftragt mir einfach irgendetwas zum Lesen mitzubringen. So griff ich vor 3 Wochen beim Packen meiner Reisetasche einfach blind ins Regal und nahm eins der Bücher, die sie mir ausgeliehen hatte mit. Ich erwischte das Taschenbuch "Im Eishaus" von Minette Walters und ich muss sagen sie hat wie immer gut gewählt.
-----------------------> Fakten, Fakten, Fakten <------------------------
Titel: Im Eishaus
Autor: Minette Walters
Verlag: Goldmann Verlag (Unternehmen der Verlagsgruppe Bertelsmann)
ISBN: 3 - 442 - 05962 - 3
Preis: 16,00 DM (Ich weiß, der Preis ist nicht wirklich aktuell, aber ich habe mein Buch wieder mal aus der Stadtbibliothek entliehen. Bei amazon.de fand ich den Preis 8,50€ und bei ebay.de 1,00€)
Seiten: 349
Weitere Romane der Autorin:
· Die Bildhauerin
· Die Schandmaske
· Dunkle Kammern
· Das Echo
· Wellenbrecher
· In Flammen
· Schlangenlinien
· Der Nachbar
· Fuchsjagd
· Der Außenseiter
-----------------------> Autorin <------------------------
Minette Walters wurde am 26. September 1949 in Bishop's Stortford, Hertfordshire, als Minette Caroline Mary Jebb geboren. Nach ihrem Examen in Französisch 1971 an der Universität von Durham, wo sie auch ihren späteren Ehemann Alec Walters kennen lernte, arbeitete sie zunächst als Redakteurin für ein Frauenjournal. Nebenbei schrieb sie vor allem Liebesgeschichten.
1978 heiratete sie Alec und bekam 1979 und 1982 ihre beiden Söhne Roland und Philip. Durch die Geburt ihrer zwei Kinder gab sie zunächst das Schreiben vollständig auf.
Als ihr jüngerer Sohn Philip 1987 in eine Vollzeitschule kam, fing sie an "Im Eishaus" zu schreiben. Der Roman wurde mit dem "Crime Writer's Association John Creasy" - Award für den besten Erstroman ausgezeichnet.
Danach folgten viele andere Romane. Die in 35 verschiedene Sprachen übersetzt werden. Sie gewann noch mehrere andere Preise (Macavity Award, Edgar Allan Poe Award und zwei mal den Gold Dagger Award) mit ihren Romanen.
Zur Zeit leben Minette gemeinsam mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen in Hampshire, England.
-----------------------> Cliffhanger <------------------------
"Mitreißend! Ein Geflecht aus Psychologie, Spannung und feinsinnigem Humor: Die hervorragend gezeichneten Charaktere und überraschenden Wendungen fesseln bis zur letzten Seite." DIE WELT
"Ein umwerfendes Debüt!" THE TIMES
-----------------------> Inhalt <------------------------
Zunächst finden wir im Buch eine Kartenskizze die das Haus "Streech Grange" und die nähere Umgebung darstellt.
Die Vorgeschichte des Romans wird in einer Art kleines Tagebuch bestehend aus Zeitungsartikeln und Einträgen geklärt. Wir erfahren, dass David Maybury, Ehemann von Phoebe Maybury, spurlos verschwunden ist und die Suche der Polizei unter der Leitung von Inspector Walsh in der näheren Umgebung und auf dem Gelände von "Streech Grange" erfolglos blieb.
"Streech Grange" ist ein alter englischer Landsitz im Ort Streech Village. Auf dem Landsitz leben die drei Freundinnen Phoebe Maybury (Gärtnerin), Anne Catrell (Journalistin) und Diana Goode (Innenarchitektin), die sich bereits seit ihrer Schulzeit kennen, sowie der Gärtner und die Haushälterin Fred und Molly Phillips.
Als der Gärtner im alten Eishaus auf dem Grundstück eine bis zur Unkenntlichkeit zugerichtete und verweste Leiche entdeckt, wird sofort wieder das alte Misstrauen gegen die Bewohner von "Streech Grange" geweckt, dass seit dem ungeklärtem Verschwinden von David Maybury 10 Jahre zuvor andauernd herrscht. Der Mordverdacht fiel damals sofort auf Phoebe, weil David sie in der Ehe wiederholt geschlagen und misshandelt hatte. Die drei Frauen gelten im Dorf als lesbische Hexen, die Kinder verführen und Männer umbringen und sind den ängstlichen und abergläubischen Dorfbewohnern äußerst suspekt. Aus diesem Grund haben sich die drei Freundinnen von der Außenwelt komplett zurückgezogen.
Die Klärung des Falls wird wiederum Inspector Walsh übertragen, an dessen Seite Sergeant McLoughlin ermittelt. Auch der ehrgeizige Walsh vermutet hinter der Identität Leiche sofort David Maybury und versucht verbohrt seinen ungeklärten Fall endlich zu lösen. So versucht er nicht ganz ohne Hintergedanken zu seinem eigenen Vorteil Phoebe endgültig den Mord an ihrem Ehemann nachzuweisen.
Sergeant McLoughlin erkennt dies zum Glück und versucht den drei Frauen, ebenfalls nicht so ganz ohne Hintergedanken an seinen eigenen Vorteil, zu helfen, die Wahrheit ans Licht zu bringen und beginnt gegen Walsh's Willen auf eigene Faust zu ermitteln. Damit handelt er sich schnell den Hass seines Vorgesetzen ein. Schnell findet er mit Hilfe der Gerichtsmedizin und einer Liste weiterer verschwundener Personen aus der Umgebung mehrere Indizien, die gegen Maybury's Leiche sprechen. So klärt er nach und nach die Schicksale der einzelnen Personen und klärt auch das eine oder andere Verbrechen geschickt auf.
Nun beginnt ein harter Kampf gegen die Vorurteile der Menschen rund um "Streech Grange", die nur all zu gerne Phoebe, ihre Freunde und Familie gerne einfach ohne weitere Beweise verurteilen würden.
-----------------------> Leseprobe <------------------------
Zu einem nervösen Häuflein zusammengedrängt blieben sie wenige Meter vor dem Eingang zum Eishaus stehen. Es war ein ungewöhnlicher Bau, den man im achtzehnten Jahrhundert errichtet hatte und der wie ein kleiner Erdhügel aussah. Seine Funktion als Eislager hatte er vor Jahren mit der Ankunft eines Kühlschranks verloren und war der Natur überlassen worden. Ein Wald von Nesseln umgab sein Fundament und verschmolz den künstlich aufgeworfenen Hügel mit der ebenen Erde. Der einzige Zugang, eine breite, niedrige Tür, befand sich am Ende eines überwucherten Fußwegs. Die Tür selbst war längst hinter dichten Gestrüpp verschwunden, das wie ein dorniger Vorhang von oben herabfiel und von unten in die Höhe strebte. Sie war jetzt nur deshalb zu sehen, weil Fred den Vorhang niedergerissen und in den Boden getrampelt hatte, um sie zu erreichen.
-----------------------> Meine Meinung <------------------------
"Im Eishaus" ist ein vielfältiger Kriminalroman der beim Lesen recht unterhaltsam war. Durch seine detailreich und liebevoll gezeichneten Charaktere ist es gut möglich sich in die einzelnen Personen hineinzuversetzen und sich mit ihnen zu identifizieren. Diese Charaktere sind zum Glück nicht immer perfekt, sondern haben alle ihre kleinen Schwächen.
Manchmal ist der Schreibstil etwas gewöhnungsbedürftig. So kommen z.B. gerade die Charaktere so besonders natürlich beim Leser an, weil sich Minette Walters auch nicht scheut mit Schimpfworten um sich zu werfen. So ist gleich der erste Satz im Buch ein Knaller bei dem ich schon etwas verdutzt guckte und ihn dann noch einmal las.
Besonders schön sind die immer wieder eingebauten polizeilichen Verhöre der einzelnen Personen, die teilweise recht zynischen Humor haben. Sowie andere polizeiliche Ermittlungsarbeit, die teilweise recht unterhaltsam und humorvoll gestaltet ist. Da wäre z.B. die leicht nymphomanisch veranlagte Mrs. Thompson, die wiederholt versucht sich den Polizeibeamten oder auch dem Pfarrer zu nähern und diese damit zum Flüchten bringt.
Auch die Dialoge zwischen den Verdachtspersonen locken einen immer wieder auf die falsche oder auch richtige Fährte. Was ist mit den einzelnen Andeutungen in den zwischenmenschlichen Unterhaltungen gemeint, welche davon erweisen sich am Ende als die Wahrheit. Was hat es mit dem gefunden Tagebuch von Anne und den dubiosen Einträgen in ihm auf sich? Immer wieder lockt Minette Walters ihre Leser auf eine neue spannende falsche Fährte und zwingt ihn sie bis zu Ende zu denken. Ich als Leser fühlte mich dazu herausgefordert mit zu denken und Vermutungen anzustellen, wer die Leiche und wer der Mörder war.
Immer wieder deutet Minette mit Kleinigkeiten teile der Gesamtgeschichte an, die erst in den letzten Kapiteln wirklich dank der Hilfe von McLoughlin geklärt wird. So war das Ende der Geschichte für mich dann mehr als überraschend und das Buch bis zum Schluss spannend.
Im Verlauf der Geschichte glaubt man immer wieder zu wissen, was das Ende ist, um dann doch wieder festzustellen, dass die eigene Vermutung einen betrogen hat.
Es ist erschreckend wozu böse Vorurteile Menschen treiben können und wie sehr es die vorschnell Verurteilten belasten kann und auch das Thema des brutalen, charakterlosen Ehemanns und andere gesellschaftskritische Themen werden sehr gut und von allen Seiten betrachtet behandelt. Minette Walters schafft es sogar verständlich rüberzubringen, wie man einen Mann wie David Maybury überhaupt heiraten konnte, sowie die ganze Verzweifelung der Personen.
-----------------------> Fazit <------------------------
Das Buch hat mich für ein Wochenende mutterseelenallein im Haus ohne Fernseher und Computer sehr gut unterhalten und mir wurde beim Lesen nicht langweilig. Allerdings bekommen ganz empfindliche Seelen vielleicht an manchen Stellen doch ein wenig Paranoia. Daher vergebe ich 4 von 5 Bewertungssternchen und eine Leseempfehlung.
Vielen Dank fürs Lesen meines Berichts und ich hoffe auf viele Bewertungen und Kommentare von euch.
Liebe Grüße
eure miro la luna
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