Pro:
viel natur
Kontra:
oft versteckt er sich in den wolken
Empfehlung:
Ja
Wandern, ein weiteres Freizeitvergnügen, das ich mir ab und an gönne. Als Ausgleich zum Paddeln sozusagen. Dafür ist der Harz, der ja auch quasi vor der Berliner Haustür liegt hervorragend geeignet. Er ist recht schnell und unkompliziert zu erreichen und bietet schier unendlich viele Möglichkeiten zum Wandern. Von einem Wochenende möchte ich hier unbedingt erzählen, um vielleicht zu erreichen, daß ich den einen oder anderen zu einer Wandertour bewegen kann.
Es ist beinahe 2 Jahre her, daß wir das letzte Mal dort waren. Wir wollen unbedingt wieder einmal den Brocken besteigen. Mit 1.142 m stellt er die höchste Erhebung des Harzes dar. Die Harzer Gastgeber werben gern mit dem geflügelten Worten: „Der Brocken – das Höchste im Norden“.
Unser „Basislager“ schlagen wir in Ilsenburg im Harz auf. Ein nettes kleines Städtchen. Über den Fremdenverkehrsverein bekommen wir eine Privatunterkunft. Recht einfach, aber liebevoll eingerichtete Zimmer mit Bad und einer kleinen Miniküche im großzügigen Flur. Diese müßte man sich mit anderen Urlaubern teilen, aber so zeitig im Jahr sind wir ganz allein hier. Beim Durchblättern des Gästebuches finden wir einen Eintrag der „Stern Combo Meißen“. Cool!
An einem Samstagmorgen also, machen wir uns auf den Weg zum Brocken. Das Wetter ist durchwachsen, es nieselt etwas. Gut eingepackt in Regenkleidung und Wanderschuhen, stört es uns nicht. Entlang der Ilse steigen wir stetig bergan. Die Ilse, sonst ein lieblicher munter plätschernder Gebirgsfluß, ist heute zu einem reißenden Strom geworden. Eine zornige Ilse? Wie sich später herausstellt, ist sie aufgrund der heftigen Schneeschmelze so wild. Den Informationen der Einheimischen zufolge, sieht man dieses Schauspiel sehr selten und es ist auch nicht ungefährlich. Aber das wußten wir nicht und deshalb waren wir auch nicht ängstlich.
Entlang des Ilsetals, vorbei am Ilsestein und den Paternosterklippen wandern wir zu den Ilsefällen. Ein beeindruckendes Naturschauspiel offenbart sich uns. Die Wasser stürzen sich herab und reißen alles mit sich fort. Hier findet man auch das Heine-Denkmal. Ihm zu Ehren wurde ein Teil des Wanderweges nach ihm benannt. Wanderungen im Harz inspirierten ihn.
Wir laufen entlang dieses Wanderweges und entdecken Schnee. In kleinen Flecken liegt er in windgeschützten Kehlen. Da wir ja nicht wußten, was der Gipfel noch bereithält, fotografieren wir die Schneeflächen, als wären sie etwas besonderes. Es geht weiter, vorbei an Herrmanns- und Bismarckklippe über den kleinen Brocken. Hier, in einer Höhe von 1.019 m liegt noch eine geschlossene Schnee- bzw. Eisdecke. Der Wind bläst uns kräftig entgegen und treibt die Wolken vor sich her. Es ist etwas mühselig voranzukommen. Eigentlich müßte der Gipfel doch schon zu sehen sein. Hier irgendwo muß er doch sein. Während wir noch rätseln, reißt der Wolkenschleier kurz auf und zeigt den Gipfel. Doch, so schnell, wie der Vorhang auf war, ist er auch wieder zu. Die letzten Meter schlittern wir mehr als wir laufen.
Endlich, wir haben es geschafft. Der Schnee türmt sich hier noch meterhoch! Die Bahnstation ist hoch verschneit. Das haben wir irgendwie nicht erwartet. Der Wind faucht uns um die Ohren. Eine kurze Umrundung des Gipfels, so weit es geht, und schon machen wir uns an den Abstieg. Wir schaffen es wohl nie, den Gipfel mal bei klarem Wetter zu erreichen. Über die Brockenstraße laufen wir zurück nach Ilsenburg. Der Wanderweg hinunter nach Schierke ist unpassierbar.
An einer Wegkreuzung versperrt uns eine dicke Schneedecke den Weg. Vorsichtig versuchen wir weiterzugehen. Plötzlich breche ich ein und stehe mit einem Fuß im Wasser. Unter der Schneedecke taut es so kräftig, daß sich ein richtiger Bach gebildet hat.
In einer kleinen Wanderhütte machen wir Rast und trinken heißen Tee. Gut, daß wir vorgesorgt haben. Er wärmt uns auf und läßt uns einigermaßen ausgeruht den weiteren Abstieg meistern. Irgendwann sind wir wieder zurück. Ich spüre die Strapazen der Wanderung in den Oberschenkeln. Sie verkrampfen sich und wollen auch am folgenden Tag nicht wieder locker werden. Trotz der Schmerzen war es ein wunderschöner Tag.
Mit steifen Beinen stakse ich am Abend in die Vogelmühle. Aus einer ehemaligen fast 300 Jahre alten Getreidemühle, wurde ein Gasthof mit Pension und Restaurant. 1998 wurde das Gasthaus nach einjährigem Umbau eröffnet. Im unteren Gastraum, dem Mühlenkeller, kann man die Mühlenantriebstechnik sehen und in der Radstube kann man den nimmermüden Wasserrad zusehen. Mit köstlichem Essen lassen wir den zwar anstrengenden doch wunderschönen Tag ausklingen.
Der Brocken
Seine abgerundete baumleere Oberfläche hat einen Durchmesser von ca. 1.200 m. An seinem Fuße entspringen Ilse, Bode, Ecker und Oder. Seine Abhänge tragen zahlreiche Moore (Torfhaus, Oderbrück). Bereits Mitte des 18. Jrh. fanden einige Ausflügler den Weg auf den Gipfel. Anfang des 20. Jrh. klagte man bereits über die Heerscharen von Besuchern, die die Brockenblumen bündelweise pflückten. 1937 wurde der Brocken (mit einigen anderen Gipfeln) zum Naturschutzgebiet Oberharz erklärt. 1945 wurden die Gebäude auf dem Brocken bei einem amerikanischen Fliegerangriff vollständig zerstört. Von 1948 bis 1959 konnte man wieder ungestört zum Brocken aufsteigen, ihn sogar mit dem Auto befahren. Danach wurde der Brocken bis zum 03.12.1989 zum Sperrgebiet. 1990 wurde der Brocken als Nationalpark ausgewiesen. Seit der Öffnung des Gipfels wird er täglich von tausenden Besuchern erstürmt. An Spitzentagen sollen es über 50.000 (in Worten: fünfzigtausend!) sein. Die Natur trägt‘s nicht ohne Folgen. Die Wegmarkierungen sollten daher unbedingt beachtet werden.
Ilsenburg
Eine tausendjährige Kleinstadt, die am nördlichen Rand des Harzes gelegen ist. Aufgrund ihrer seinerzeitigen großen wirtschaftlichen Bedeutung, wurde sie 1697 zwecks technischen Erfahrungsaustausches sogar von Zar Peter dem Großen besucht. Ihre Häuser schmiegen sich an die Harzberge und reichen bis in das Tal der Ilse. Aufgrund der zentralen Lage, ist die Stadt u.a. für Entdeckungstouren z. B. nach Goslar, Wernigerode und Quedlinburg interessant. Außerdem bieten sich etliche Wander- und Trekkingwege rund um das Brockenmassiv mit einer gesamten Ausdehnung von ca. 350 Km. Äußerst sehens- und wandernswert, ist das romantische Ilsetal mit den Ilsefällen.
Wer mehr erfahren will, der schaue einfach mal nach unter www.ilsenburg.de. Vielfältige Informationen und Tips zu Wanderungen, Veranstaltungen, Übernachtungen und vieles mehr kann man hier finden.
Abschließend muß ich sagen, daß der Brocken ein richtig fieser Kerl ist. Anderntags zeigte er sich nämlich unverhüllt und war u.a. von Torfhaus aus wunderbar zu sehen. Aber, ich krieg‘ ihn noch, wart`s nur ab.
Diesen Bericht habe ich auch bei ciao unter dem namen mugi gepostet. weiterlesen schließen
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