JFK: John F. Kennedy - Tatort Dallas (DVD) Testberichte
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Pro & Kontra
Vorteile
- Genialer Film in guter Qualität, interessante Extras
- Wahre Geschichte, sehr gute Schauspieler, packend, fesselnd, sehr gute Bildqualität
Nachteile / Kritik
- Umfang der Extras könnte grösser sein
- Tonqualität, keine Extras
Tests und Erfahrungsberichte
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Wir wissen: Wir wissen nichts
5Pro:
Wahre Geschichte, sehr gute Schauspieler, packend, fesselnd, sehr gute Bildqualität
Kontra:
Tonqualität, keine Extras
Empfehlung:
Ja
Mir sagte vor Kurzem eine wichtige Person in meinem Leben, deren Meinung ich sehr schätze "Wenn du nach Realität suchst - bist Du in Hollywood falsch" - hier ist ein Bericht über ein Hollywoodprodukt das zu dieser These gar nicht passt.
Der Film 'J F K' von Oliver Stone ist ein Meisterwerk, das ist mal eine Aussage die ich begründen muss und hoffentlich auch werde. Fälschlicherweise wird oft angenommen, dass es sich dabei primär um das Attentat an John F. Kennedy dreht, vielmehr ist es aber die Geschichte von einem Jim Garrison, Staatsanwalt von New Orleans, der in einem Strafprozess den zu dem Attentat veröffentlichten Warren Report anzweifelte, 1967 den Geschäftsmann Clay Shaw wegen Verschwörung zum Mord an John F. Kennedy anklagte. Dieser Jim Garrison veröffentlichte 3 Bücher über seine Ermittlungen in dem Fall und der Film basiert zum Teil auf Garrisons Büchern. Er selbst hat in dem Film einen kleinen Auftritt, ironischerweise als Earl Warren, dem Verfasser des Warren Reports. Seine Person wird im Film durch Kevin Kostner dargestellt. Hier kommen wir dann auch gleich zu den notwendigen Angaben dieser DVD
Spieldauer 181 Min
Format Dolby, PAL, Surround Sound
Bildseitenformat 4:3
Sprachen Spanish, Deutsch, Englisch
Untertitel Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch,
Türkisch, Niederländisch, Schweizerdeutsch,
Norwegisch, Dänisch, Finnisch, Portugiesisch, Hebräisch,
Polnisch, Griechisch, Tschechisch, Ungarisch, Isländisch,
Kroatisch
FSK ab 12 Jahren
Studio Warner Home Video - DVD
Regisseur Oliver Stone
Darsteller (auszugsweise)
Jim Garrison Kevin Kostner
Clay Shaw/
Clay Betrand Tommy Lee Jones
Willie O'Keefe Kevin Bacon
Lee Harvey Oswald Gary Oldman
Jack Martin Jack Lemmon
Liz Garrison Sissy Spacek
David Ferrie Joe Pesci
Dean Andrews John Candy
X Donald Sutherland
Earl Warren Jim Garrison
So, also beruht der Film auf wahren Begebenheiten. Oliver Stone hat hier weder Personen, Orte, Handlungen oder sonst etwas erfunden. Ob er den Warren Report selbst gelesen hat ist mir nicht bekannt. Das JFK am 22. November 1963 Opfer eines Attentats wurde ist den meisten bewusst, das ein Staatsanwalt aus New Orleans einen Prozess aufrollte, der die Theorie des 'einzelnen Attentäters' anklagte und gezielt darauf ausgerichtet war eine Verschwörung zu beweisen, mag bekannt sein. Aber Oliver Stone gibt uns hier keine Geschichtsstunde, die langweilend über 3 Stunden über den Bildschirm kommt. Mitnichten, ich verfolge die Geschichte gebannt, immer wieder entdecke ich selber kleine Ungereimtheiten, ich bin gefesselt. Original Filmaufnahmen aus 1963 werden immer wieder ins Spiel gebracht. Kevin Kostners Schauspieltalent war, ähnlich wie in 'The Untouchables', etwas hölzern, aber er zeigt als Jim Garrison ein Funkeln in den Augen, das Tatendrang aussagt. Tommy Lee Jones ist herrlich als Clay Shaw/Clay Bertrand, aalglatt und mit allen Wassern gewaschen. Kevin Bacon als homosexueller Willie O'Keefe, Joe Pesci als der unbeschreibliche David Ferrie und natürlich Gary Oldman als der angebliche Attentäter, allesamt sehr gut dargestellt. Es gibt Szenen in dem Film die lassen mich aufhorchen, wie ist es möglich, dass eine Zeitung in Australien schon über den Attentäter wusste obwohl zeitgleich in Dallas der Name des Attentäters noch gar nicht bekannt war. Wie ist es möglich, das es Röntgenaufnahmen vom Schädel JFK's gab, die Splitter des Geschosses aufwiesen, das gleiche Geschoss, das noch weitere 6 Wunden an JFK und anderen Person verursacht hat und unversehrt auf der Trage, auf der JFK abtransportiert wurde, aufgefunden wurde? Der Zapruder Film, der ohne Zweifel aufzeigt, dass die Öffentlichkeit belogen wurde, denn der Kopf des Präsidenten fiel bei diesem Schuss nicht wie angegeben nach vorne (müsste er bei einem Schuss Oswald's von hinten) sondern nach hinten und zur Seite.
181 Minuten vergehen wie im Flug, am Ende überkommt mich ein komisches Gefühl, ja was ist denn nun wirklich passiert, wer hat Beweise, wer hat vertuscht, wer hat gelogen, wer ist Verschwörer und wer Attentäter. Es gibt garantiert Personen, die sich mit den offiziellen Erklärungen nie zufrieden geben werden, sie werden im Jahr 2038 da sein, dann wird vielleicht, vielleicht aber auch nicht alles ans Licht gebracht.
Dieser Oliver Stone Film ist nicht Entertainment, nicht Geschichtsstunde, wie so oft bei den Filmes Stones prangert er das System in Amerika an. Der Film hat zum großen Teil dazu beigetragen, dass in 1992 der 'Assissination Materials Disclosure Act' abgesegnet wurde. Dieses Gesetz besagt, dass alle Materialien der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden müssen.
Leider fehlen bei meiner Version der DVD Extras gänzlich, die Tonqualität ist nicht berauschend aber dafür die Bildqualität sehr gut.
Fazit: Ein genialer Film der mehr Fragen offen lässt als Antworten gibt und das ist nicht mal schlecht
p.s. auch hier hat die Formatierung nicht geklappt, ich weiß nich warum - sorry
VG DubbleU (speakspell bei Preisvergleich, Dooyoo & Ciao) weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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MasterSirTobi, 13.02.2009, 20:47 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
Schöner Bericht. LG von MasterSirTobi
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Polit-Thriller der Extraklasse!!!
31.03.2004, 21:10 Uhr von
Looser1
Bei ciao und hier unter dem gleichen Namen (mehr oder weniger) aktiv... Grüsse den KKK :-) (ex-kl...Pro:
Genialer Film in guter Qualität, interessante Extras
Kontra:
Umfang der Extras könnte grösser sein
Empfehlung:
Ja
Da ich mir den Film vor Jahren schon zwei, drei mal angeschaut hatte, musste ich natürlich sofort zugreifen, als ich las, dass dieses Meisterwerk als „Director’s Cut“ auf DVD erscheinen würde, um die es nun hier in diesem Testbericht geht.
DIE (WAHRE) STORY
Die Story basiert auf den beiden Büchern „On the Trail of the Assasins“ von Jim Garrison (welches ich übrigens gelesen habe), welches in der deutschen Übersetzung „Wer erschoss John F. Kennedy – Auf der Spur der Mörder von Dallas“ heisst, sowie auf „Crossfire: The Plot that Killed Kennedy“ von Jim Marrs.
Falls ihr auch nur halbwegs darüber informiert seid, was auf unserem Planeten im letzten Jahrhundert so alles passiert ist, werdet ihr wissen, dass John Fitzgerald Kennedy, der damalige Präsident der USA am 22.11. 1963 bei seinem Besuch in Dallas/Texas in seiner Limousine erschossen wurde. Die offizielle Untersuchung des Attentats warf viele Fragen auf, was auch dem Bezirksstaatsanwalt von New Orleans, Jim Garrison (Kevin Costner), nicht verborgen blieb, und so machte er sich daran, seine eigenen Nachforschungen im Mordfall Kennedy anzustellen. Doch alles schön der Reihe nach:
Der Film beginnt mit einem 4-minütigen Intro, in welchem neben der Abschiedsrede von Dwight D. Eisenhower, dem Vorgänger von John F. Kennedy ein Zusammenschnitt von Kennedy’s wichtigsten Stationen und Aktivitäten als Präsident der Vereinigten Staaten. Danach sehen wir, wie es zum Attentat kam, teils in Originalbildern, teils in Aufnahmen, die für den Film gemacht wurden, und die die ganze Szenerie sehr gut einfangen.
Schon kurz nach dem Attentat, wird ein Hauptverdächtiger ausgemacht und auch prompt verhaftet. Sein Name: Lee Harvey Oswald (Gary Oldman)! Er arbeitet zum Zeitpunkt des Attentats in einem Schulbuchlagerhaus, von dem aus der Präsident angeblich erschossen wurde. Ausserdem wird ihm (auf sehr fragliche Weise) auch noch ein Mord an einem Polizisten kurz nach dem Attentat zur Last gelegt, und somit ist der Sündenbock schnell gefunden. Oswald hingegen beteuert seine Unschuld. 2 Tage später wird Oswald in einer Tiefgarage, umgeben von einem Polizeiaufgebot, welches ihn eigentlich schützen sollte, vor laufenden TV-Kameras vom Nachtclubbesitzer Jack Ruby erschossen. Dieser begründet seine Tat damit, dass er es Kennedy’s Frau ersparen wollte, vor Gericht aussagen zu müssen. Somit kommt es logischerweise nie zu einem Prozess gegen Oswald. Trotzdem lässt Garrison Oswalds Kontakte in New Orleans kontrollieren, und stösst dabei auf David Ferry (genial: Joe Pesci), ein schräger Vogel mit einer selbstgemachten Perücke und nachgezogenen, riesigen Augenbrauen. Er lädt ihn zu einem kleinen Schwätzchen ein, und Ferry macht einige verdächtige Aussagen. Schlussendlich lässt Garrison den Fall aber vorerst auf sich beruhen, da er ja auch sonst genug Arbeit hat. Doch Ferry spielt im weiteren Lauf der Geschichte noch eine wichtige Rolle.
Einige Monate Darauf erscheint der offizielle Bericht der Warren-Kommission (die wegen ihres Vorsitzenden, Earl Warren, der im Film ironischerweise übrigens vom echten Jim Garrison gespielt wird, so heisst), in welchem die erste Annahme, dass Oswald der alleinige Attentäter war, bestätigt wird. Da Jim Garrison immer noch von diesem Fall fasziniert ist, nimmt er diese Untersuchung etwas genauer unter die Lupe und liest sich den immerhin 26 Bände umfassenden Bericht der Warren-Kommission durch. Dabei stösst er auf unzählige Ungereimtheiten und Widersprüche. Daher entschliesst er sich nun, 3 Jahre nach dem Attentat, zusammen mit einem kleinen Team aus seiner Anwaltskanzlei auf eigene Faust zu ermitteln. Da sie auf keinen Fall öffentliches Interesse während der Ermittlungen erregen wollen, bleibt das Team auch in Zukunft klein, genauso wie das Budget.
Ohne hier jetzt allzu viele (spannende) Details zu verraten kann man sagen, dass es Garrison und seinem Team auf beeindruckende Weise gelingt, neue Beweise zu finden, und es tauchen auch immer mehr Zeugen auf, die entweder damals vor der Warren-Kommission nicht ausgesagt hatten, oder deren Aussage völlig verdreht oder gleich komplett ignoriert wurde. Als wäre das noch nicht genug, werden auch noch gefälschte Beweise enttarnt, unter anderem ein Foto, das Oswald mit der angeblichen Tatwaffe zeigt (ein unglaublich schlechtes Gewehr, mit dem Oswald, der kein besonders guter Schütze war, Kennedy angeblich aus relativ grosser Entfernung durch dichtes Laub hindurch mit 3 Schüssen innerhalb von 5.6 Sekunden (!) erschossen haben soll). Seltsamerweise sterben viele der Zeugen bevor sie eine eidesstattliche Erklärung abgeben können. Auch Jack Ruby, der Mörder von Oswald, stirbt und nimmt die wahren Beweggründe für seine Tat mit ins Grab. Des weiteren soll auch das Gehirn des Präsidenten untersucht werden, um die genaue Richtung, aus der die Geschosse kamen zu bestimmen, doch seltsamerweise ist das Gehirn verschwunden… Diese Aufzählung könnte beliebig fortgesetzt werden, aber wie gesagt, will euch ja nicht gleich alles verraten :-)
Man kann aber sagen, dass sich aus den Ermittlungen, die übrigens andauernd untergraben werden, da die Öffentlichkeit natürlich doch irgendwann Wind davon bekommen hat (und die Presse ist Garrison und seinem Team überhaupt nicht wohlgesinnt) die folgenden 3 wichtigsten Schlüsse ergeben:
1. Es ist praktisch ausgeschlossen, dass Oswald die Schüsse aus dem Schulbuchlagerhaus abgefeuert hat, und auch sein angeblicher Mord an dem Polizisten (namens Tippet) ist alles andere als wahrscheinlich.
2. Es wurde nicht nur vom Schulbuchlagerhaus (zum Zeitpunkt des Anschlags hinter der Wagenkolonne mit dem Präsidenten) geschossen, sondern auch von einem Grashügel VOR dem Präsidenten, was durch ein zufällig aufgenommenes Video klar belegt wird, und somit die Schlussfolgerung der Warren-Kommission wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen lässt und beweist, dass es sich beim Kennedy-Attentat nicht um das Werk eines gestörten Einzeltäters, sondern um eine Verschwörung gehandelt haben muss.
3. Der sehr angesehene Geschäftsmann Clay Shaw (Tommy Lee Jones), ebenfalls wohnhaft in New Orleans ist ein seltsames Gewirr aus Exil-Kubanern, CIA und anderen dubiosen Machenschaften verstrickt, und wird daher als einer der Drahtzieher hinter dem Attentat verdächtigt. Doch der einzige, der das noch hätte glaubhaft belegen können, nämlich David Ferry, wird ebenfalls tot aufgefunden, angeblich hat er Selbstmord begangen.
Wie gesagt geht es drunter und drüber, doch vor dem Verfahren gegen Clay Shaw, dem also trotz vieler vernichteter und gestohlener Beweise, und den CIA-Spitzeln, die sich in Garrisons Team eingeschmuggelt haben, sowie vielen Zeugen, die leider aufgrund ihres Ablebens nicht mehr allzu viel zu berichten haben, der Prozess gemacht wird, kommt es noch zu einer weniger hektischen Sequenz, die nichtsdestotrotz ein absolutes Highlight des Films darstellt. Die Rede ist von Jim Garrisons Treffen in Washington mit „Mr. X“ (Donald Sutherland). Dieser will seine wahre Identität nicht preisgeben, und auch nicht sagen, welche Organisation oder Institution er vertritt. Doch er gibt Garrison einen sehr interessanten Einblick in die Geschehnisse von damals. Man hängt praktisch an Donald Sutherlands Lippen, um mehr zu erfahren. Ausserdem ermutigt er den in letzter Zeit arg gebeutelten Garrison nochmals, nicht aufzugeben (Zitat: „Rühren sie in der Scheisse rum“). Somit hat Garrison noch einmal neue Erkenntnisse dazu gewonnen, die im Prozess hilfreich sein könnten. Doch leider ist X nicht bereit, im Prozess auszusagen, da er sonst wohl auch vorzeitig die Gänseblümchen von unten bestaunen dürfte…
Nach einigen weiteren Versuchen, den Ruf und die Glaubwürdigkeit Garrisons zu zerstören ist es dann endlich soweit. Es kommt zum grossen Showdown im Gerichtssaal. Um die Spannung nicht zu zerstören, werde ich darauf nicht grossartig eingehen. Was ich aber sagen kann, ist, dass es sich hierbei um die spannendste Gerichtsverhandlung handelt, die ich je in einem Film gesehen habe. Unter anderem wird auch der schon weiter oben erwähnte Zapruder-Film (so genannt, weil er von einem Mann namens Abraham Zapruder gemacht wurde), auf dem der Mord am Präsidenten zu sehen ist, erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Nach Ansicht des Films weiss man auch, wieso dieser Film unter Verschluss gehalten wurde. Man kann darauf deutlich erkennen, das mindestens ein Schuss den Präsidenten ins Gesicht getroffen hat, da Kennedy’s Kopf zurückgeworfen wird, und beim Austritt hinten das Blut (und die Hirnmasse) nur so rausspritzt. Ausserdem wird hier endgültig die Theorie der so genannten magischen Kugel, die angeblich Kennedy, sowie den ebenfalls im Auto mitfahrenden Gouverneur Connally sage und schreibe 7 (!) Wunden zugefügt haben soll.
So, jetzt ist aber wirklich genug zur Story erzählt. Ob Clay Shaw verurteilt wird? Nun, schaut euch den Film selbst an, dann wisst ihr es.
DIE MACHART DES FILMES
Ein Kompliment an Oliver Stone (der Regie führte) und sein Team. Obwohl man bei diesem Film ja schlecht ein Special-Effects Feuerwerk zünden konnte, verstand es Stone sehr gut, den Film so zu präsentieren, dass er den Zuschauer stets bei Laune hält. Durch geschickte Rückblenden (in schwarz/weiss), super inszenierten Kameraeinstellungen sowie Kamerafahrten und den meiner Meinung nach sehr gut gestalteten Sets vermittelt der Film ein unglaublich packende Atmosphäre, die einem nicht so schnell wieder loslassen. Geschickt wurden auch in vielen Szenen (authentisches) Archivmaterial mit „Filmszenen“ vermischt was einem das ganze noch näher bringt. Gekrönt wird das ganze dann noch von den sehr guten, oft überraschenden Soundeffekten, die die Spannung des Films noch weiter verstärken.
Auch überhaupt nichts auszusetzen gibt’s an der Filmmusik, die von John Williams stammt. Neben der sehr emotionalen und kraftvollen Hauptmelodie des Films gibt es sonst auch noch sehr viele schöne Stücke zu hören. Meist sind diese zwar eher dezent im Hintergrund, aber zum richtigen Zeitpunkt dann schön laut im Vordergrund. Kein Kult-Soundtrack (ausser das eben schon erwähnte Titellied, dass es wirklich wert ist, es sich anzuhören), aber sehr, sehr passend zum Film. Bei der Machart gibt es also absolut nichts zu beanstanden. Der Film wurde dann auch verdientermassen mit dem Oscar für „Beste Kamera“ sowie „Bester Schnitt“, sowie mit einem Golden Globe für die „Beste Regie“ ausgezeichnet.
DIE DARSTELLER
Ich will auf keinen Fall die „anderen“ Darsteller herabwürdigen, gerade in Jim Garrisons Team hätten eigentlich die meisten Mitglieder eine Erwähnung verdient, und auch unter den kleineren Nebenrollen finden sich noch solch bekannte Namen wie z.B. Kevin Bacon, Jack Lemmon, Walter Matthau oder (die leider bereits verstorbenen) John Candy und Walter Matthau. Ich möchte mich hier aber auf die 4 folgenden Darsteller des Films konzentrieren:
Kevin Costner (Jim Garrison):
Meiner Meinung nach die Rolle seines Lebens. Er kommt zu jedem Zeitpunkt des Films glaubwürdig rüber, und das obwohl er in seiner Filmrolle den Spagat zwischen Job und Familie schaffen muss, was nicht gerade ein leichtes Unterfangen ist. Egal ob er gerade mit seiner Frau streitet, einfühlsam (oder manchmal auch weniger einfühlsam) versucht, das Vertrauen eines Zeugen zu gewinnen, sich mit (scheinbaren) Freunden oder Feinden anlegt, man nimmt es dem guten Kevin Costner ab. Ausserdem verfügt er über eine extrem starke Ausstrahlung, was am allerbesten bei seinem Schlussplädoyer rüberkommt. Er hatte die wichtigste Rolle in diesem Film, und wäre er eine Fehlbesetzung gewesen, der Film wäre unglaubwürdig und somit sicher nicht im Sinne des Regisseurs gewesen. Aber zum Glück hat Kevin Costner seine Aufgabe hier zu 100% erfüllt.
Tommy Lee Jones (Clay Shaw):
Wie wohl die meisten wissen, ist Tommy Lee Jones ein begnadeter Schauspieler. Im Buch von Jim Garrison wird Shaw oft als etwas abgehobener, stets 100% korrekter (fast zu korrekt) Mann dargestellt, und genau das verkörpert er auch im Film, und auch die „schwule Ader“ (denn Shaw war wie Ferry und andere im Film auftauchende Figuren homosexuell) bringt er dezent, aber sehr gekonnt rüber. Eine Meisterleistung.
Joe Pesci (David Ferry):
Ich muss sagen, ich liebe Pescis Art zu schauspielern. In den meisten Filmen, die ich bisher von ihm gesehen habe, spielt er einen überdrehten, unglaublich schnell sprechenden Charakter (z.B. in den „Lethal Weapon“-Filmen, oder in Good Fellas), und so ist es auch hier. Als David Ferry spielt er jemandem, der zwar eher auf der Seite der „Bösen“ steht, der einem aber schlussendlich eigentlich doch Leid tut. Allerdings ist er für die meisten der doch wenigen Lacher (was bei einem Film mit dem Thema natürlich nicht negativ ist) besorgt, besonders die Szene im Motel, als er sich Garrison und zwei seiner Mannen anvertraut muss man einfach gesehen haben, sonst glaubt man gar nicht, dass einer allein so hyeratkiv sein kann, und obwohl es eigentlich eine sehr ernste und schlussendlich sogar traurige Szene ist, muss man ab Joe Pescis wildem Getue einfach ab und zu schmunzeln.
Donald Sutherland (Mr. X):
Eigentlich spielt Donald Sutherland nur eine ganz kurze Rolle, und taucht auch nur ein einziges mal im gesamten Film auf, aber was er zu sagen hat, und vor allem, wie er es sagt verdienen eine Würdigung. Er zieht den Zuschauer während seinem kurzen Auftritt unglaublich in seinen Bann. Tonfall, Körperhaltung, Mimik, da stimmt einfach alles. Hoffentlich kommt der nie als Vertreter bei uns an die Haustüre, dem könnte ich wohl nichts abschlagen, so überzeugend ist der :-)
DIE DVD
So, kommen wir nun aber endlich zur DVD des Director’s Cut von „J.F.K. – Tatort Dallas“. Es handelt sich genau gesagt um 2 DVD’s, wobei sich auf der ersten der Hauptfilm sowie einige wenige Extras befinden, und die zweite die Bonus Disc ist.
Die Silberlinge kommen in einem ausklappbaren Pappteil, das wiederum in einen Schuber gesteckt wird, daher. Verziert sind beide sehr stylisch mit Motiven aus dem Film, ausserdem darf aussen auf dem Schuber natürlich eine Filmbeschreibung nicht fehlen, und im inneren ist Standardmässig die Kapiteleinteilung (deren es übrigens 88(!) gibt) abgedruckt. Makellos.
Zu den Discs selber: Englisch und Deutsch (jeweils in Dolby Digital 5.1) sind als Audiooptionen verfügbar. Wie gesagt ist dies natürlich kein Film der bombastischen Soundeffekte, aber diejenigen, die vorhanden sind, kommen gut rüber. Des weiteren ist auch noch ein Audiokommentar des Regisseurs Oliver Stone verfügbar, indem er über die gesamte Dauer des Filmes (stolze 198 Minuten) seine Eindrücke, Erklärungen und Erinnerungen zu den einzelnen Szenen zum Besten gibt. Ich fand es sehr interessant, was er zu erzählen hatte, allerdings bestreitet er diesen Audiokommentar alleine, und da Stone eine eher ruhige und monotone Stimme hat, wird es nach einer gewissen Zeit schwierig, aufmerksam zu bleiben. Leider sind für den Audiokommentar keine Untertitel verfügbar, so dass ihr, falls ihr nicht Englisch könnt nicht viel davon habt.
Apropos Untertitel: Die sind für den Hauptfilm in folgenden Sprachen anwählbar: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch, Holländisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Finnisch, Isländisch, Italienisch.
Wenn man die Hauptfilm-Disc einlegt bekommt man ein gut gemachtes Intro zu sehen, und das Hauptmenu selber kann ebenfalls durch animiertes, gutes Design überzeugen. Neben den von mir erwähnten Auszeichnungen und dem Audio-Kommentar gibt es unter „Specials“ auf der ersten Disc dann auch noch einen Überblick über „Stab und Besetzung“, allerdings könnte man sich das ja auch alles im Internet schnell nachsehen. Ausserdem kann man natürlich auch noch das Programm von Anfang an abspielen, sowie die Kapitel (aus einem nicht animierten Menü) anwählen.
Die zusätzlichen Szenen des Director’s Cut: Es gibt im Vergleich zur normalen Edition neun zusätzliche Szenen, die alle tadellos in den Verlauf des Films eingebettet wurden. Ich will jetzt hier nicht die Szenen einzeln erklären, aber in den meisten Szenen geht es darum, deutlicher auf Verhältnisse zwischen verschiedenen Personen aufzuzeigen, und damit auch die einzelnen Charaktere noch etwas feiner zu „zeichnen“. Wirklich Filmentscheidende Szenen finden sich keine darunter, ist ja irgendwie auch logisch, denn sonst hätten sie es ja schon in die Kino-Fassung geschafft. Aber die Szenen sind wirklich sehr sehenswert.
Zur Bonus-Disc:
„Gestrichene Szenen“: Hinter dieser Option verbergen sich Szenen, die es selbst beim Director’s Cut nicht in den Film geschafft haben. Dieses Feature hat eine Laufzeit von satten 54 Minuten. Wer auf aus der Handlung gerissene Szenen (mit oder ohne Kommentar, und leider ohne Untertitel) steht, wird sich hier sicher bestens unterhalten. Es sind einige ganz interessante und aufschlussreiche Szenen darunter, wie z.B. gleich ganz am Anfang. Jack Ruby starb an Krebs. Es wird gemutmasst, das Ruby die Krebszellen mit einer Spritze injiziert wurden, diese Szene wurde wie gesagt gedreht, aber nie in den Film aufgenommen, wahrscheinlich, weil sie sich unmöglich beweisen lässt und nur auf Vermutungen und Spekulationen beruht.
„Multimedia-Essays“: Hier gibt es zuerst ein ca. 11 minütiges Inteview mit „Mr. X“ zu sehen, dessen Identität also doch noch gelüftet wurde. Er erzählt aus seinen Erfahrungen vor und nach dem Attentat. Der zweite Teil besteht aus einem ca. 30 minütigen, äusserst interessant gemachten „Update“. Es wird dort gezeigt, was für Bücher und Artikel seit dem Film über das Thema veröffentlicht wurden, und was für neue Dokumente aufgetaucht sind, bzw. veröffentlicht wurden. Und auch mit diesen neuen Erkenntnissen passt eigentlich alles zur Verschwörungstheorie von Jim Garrison. Diese Option der DVD ist übrigens auch wieder mit Untertiteln versehen!
„USA-Kinotrailer“: Na was wohl :-) Der Trailer dauert gute 2 Minuten, lässt den Zuschauer aber natürlich noch recht im Dunkeln über das Geschehen im Film.
Alles in allem kann man sagen, dass es sicher schon DVDs mit üppigerer Ausstattung gab, aber ich war eigentlich zufrieden mit dem Umfang der Bonus-Disc, und mit dem Inhalt sowieso.
MEINE MEINUNG + FAZIT
Wie wohl jedem, der bis hier durchgehalten hat aufgefallen sein dürfte, bin ich ein absoluter Fan dieses Films. Ich will mich hier jetzt mit dem oben schon genügend ausgeschütteten Lob zurückhalten, und nicht noch mal ne Riesenabhandlung schreiben, aber der Film besticht einfach durch seine packend inszenierte Story, die hochrangige und gute Besetzung, sowie auch durch die Bild- und Tonqualität, die auf der DVD hervorragend sind. An dem Film gibt es für mich rein gar nichts auszusetzen, und das Bonusmaterial ist wie schon gesagt auch ausreichend. Dafür gibt’s 5 Punkte!!!! Wer den nicht gesehen hat, hat was verpasst! Wann gab’s schliesslich schon mal so ne spannende Geschichtsstunde (bzw. über 3 Stunden)
Ob ich der Theorie von Garrison glaube. Ja, tue ich. Ich denke, wenn er gefälschte Beweise verwendet hätte, hätte man ihn längst wegen Urkundenfälschung o.ä. vor Gericht gebracht, was aber nicht der Fall war. Er war dann zwar später mal angeklagt wegen Bestechung, aber auch das war nur, um seinen Ruf zu zerstören, und zwar mit gefälschten Beweisen, wie er ganz klar beweisen konnte, und dementsprechend auch freigesprochen wurde.
DATEN
Laufzeit: 198 Minuten
Regie: Oliver Stone
Cast&Crew: u.a. Kevin Costner, Tommy Lee Jones, Gary Oldman, Joe Pesci, Kevin Bacon, Donald Sutherland. Eine komplette Liste könnt ihr gerne folgendem Link entnehmen http://imdb.com/title/tt0102138/
Audio: Deutsch und Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch, Holländisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Finnisch, Isländisch, Italienisch
Altersfreigabe: ab 12
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Die Ermordung Kennedys ein Akt der Verschwörung?
Pro:
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Kontra:
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Empfehlung:
Ja
Vorbemerkung
Verschwörungstheorien sind immer dann en vogue, wenn es um Verbrechen an hoch gestellten Persönlichkeiten geht, die nicht vollständig oder umfassend aufgeklärt werden konnten. Sobald in Ermittlungen Fehler, Mängel oder auch nur eine einzelne Verschleierung auftauchen oder der Öffentlichkeit – aus welchen Gründen auch immer – bestimmte Dinge vorenthalten werden, beginnen wir – mehr oder weniger alle – an eine Verschwörung zu glauben. Das kann man an fast allen politischen Morden oder Attentaten auf Personen des öffentlichen Lebens, egal ob sie politisch motiviert waren und sich als Taten von Einzelpersonen herausstellten, beobachten. Die Morde an den Kennedys, an Martin Luther King, selbst ein Unfall wie der von Lady Diana standen unmittelbar darauf im Geruch, Verschwörer hätten sich zusammengetan, um jemanden zu töten.
Bis heute sind die Umstände des Mordes an John F. Kennedy nicht vollständig geklärt, zumal wichtige Akten des Falls erst in knapp 30 Jahren eingesehen werden dürfen, aber auch, weil es immer noch gewisse Zweifel an der Ein-Täter-Theorie gibt. Manche glauben sogar, dass Oswald gar nicht geschossen habe.
Oliver Stone – bekannt für seine Liebe zu Verschwörungstheorien – drehte auf Basis der Bücher von Jim Garrison, dem damaligen Bezirksstaatsanwalt in New Orleans (»On the Trail of the Assassins«), und von Jim Marrs (»Crossfire: The Plot who killed Kennedy«), 1991 einen Film, in dessen Vorfeld Stone schon etliche Steine in den Weg gelegt werden sollten. Wochenlange Streitereien zwischen dem Regisseur und Journalisten zierten den Zeitraum vor dem Beginn der Dreharbeiten. Ein erklärter Feind von Garrison, Harold Weisberg, stahl sogar das erste Drehbuch Stones und übergab es der Washington Post. Stone drehte den Film praktisch unter absoluter Geheimhaltung, verfasste insgesamt sechs Drehbücher und schuf einen Film, der zunächst sage und schreibe zehn Stunden lang war, bevor er ihn auf 189 bzw. 206 Minuten (Director’s Cut, USA) herunter schnitt.
Zudem war Garrison selbst nicht die Lichtgestalt, als die ihn Stone in dem Film fast durchweg schildert. 1967 stand Garrison im Verdacht, Zeugen geschmiert und bedroht zu haben. Ihm wurden Beziehungen zu einem Mafia-Boss (Marcello) nachgesagt. 1971 wurde Garrison vom Vorwurf der Entgegennahme von Bestechungsgeldern, die er von Spielhallenbesitzern angenommen haben sollte, freigesprochen. Tonbandaufnahmen, die dies beweisen sollten, waren offenbar gefälscht.
Der ominöse Mister X im Film (Donald Sutherland), Fletscher Prouty, Luftwaffenoffizier und Ex-Berater im Kennedy-Stab, soll Kontakte zur rechtsradikalen John Birch Society und zum Ku-Klux-Klan gehabt haben.
Alles zusammen genommen – ob das eine stimmt oder das andere nicht – keine besonders guten Voraussetzungen für einen Film, in dem es um die Hintergründe des Attentats auf Kennedy geht. (1)
Inhalt
Am selben Tag, dem 22.11.1963, als John F. Kennedy kurz vor 12:30 Uhr bei einer Fahrt durch Dallas durch mehrere Kugeln niedergestreckt wird und wenig später stirbt, muss sich Bezirksstaatsanwalt Jim Garrison (Kevin Costner) mit einer Schlägerei zwischen dem pensionierten CIA- oder FBI-Agenten Guy Bannister (Ed Asner) und dem Privatdetektiv Jack Martin (Jack Lemmon) befassen. Gegen 14:38 Uhr wird Lyndon B. Johnson als 36. Präsident der USA vereidigt und etwa zur gleichen Zeit der mutmaßliche Attentäter Lee Harvey Oswald (Gary Oldman) verhaftet, der die Tat – er soll aus dem 6. Stock eines Hauses drei Schüsse auf Kennedy abgegeben haben – bestreitet und erklärt, er sei nur der Sündenbock; außerdem wird ihm der Mord an einem Polizisten 45 Minuten nach dem Attentat auf Kennedy zur Last gelegt.
Zwei Tage später erschießt der Nachtclubbesitzer Jack Ruby Oswald auf dem Weg ins Bezirksgefängnis vor laufenden Fernsehkameras. Präsident Johnson richtet eine Untersuchungskommission, die sog. Warren-Kommission, ein, die in ihrem Abschlussbericht vom 24.9.1964 zum Ergebnis kommt, es habe sich um die Tat eines einzelnen und nicht um irgendeine Verschwörung gehandelt.
Jim Garrison zweifelt an der Einzeltäter-Theorie; doch erst 1966 fängt er mit seinem Mitarbeiterstab an, nach Fakten zu suchen. Er stößt dabei nicht nur auf antikommunistische Exil-Kubaner, rechtsradikale Kreise und ehemalige FBI- und CIA-Connections einzelner Personen, sondern vor allem auf die Aussage des Detektivs Martin, der ihm erzählt, ein Pilot namens David Ferrie (Joe Pesci) sei beauftragt gewesen, Oswald mit einem Flugzeug aus Dallas ins Ausland zu bringen. Oswalds Mörder Ruby (Brian Doyle-Murray) habe diesen Plan mit ausgearbeitet.
Weitere Spuren führen Garrison zu dem Geschäftsmann Clay Shaw (Tommy Lee Jones), der vehement bestreitet, Ferrie oder irgendwelche exilkubanischen oder rechtsradikalen Personen zu kennen oder Mitglied oder Kontaktmann der CIA gewesen zu sein. Letzeres war auf jeden Fall eine Lüge. Garrison kann Kontakte Shaws zu Ferrie und Oswald nachweisen.
Ferrie kommt eines Tages plötzlich zu Tode, bevor er offiziell vernommen werden kann. Trotzdem klagt Garrison Clay Shaw an, der von der Jury aber mangels Beweisen freigesprochen wird. Auch die Informationen, die der ominöse Mister X (Donald Sutherland) Garrison über eine angebliche Verschwörung von Geheimdienstkreisen, Anti-Castro-Gegnern und Vietnam-Krieg-Befürwortern gegeben hatte, nützen Garrison letztlich für eine Beweisführung gegen einzelne Personen nichts ...
Inszenierung
Stone inszenierte einen durchaus anstrengenden, mit Dialogen nur so gepflasterten Streifen, der durch die Verwendung verschiedener Film-Formate, radikale Schnitte, Dokumentarmaterial, nachgestellten Szenen vom Attentat und von der Umgebung des Tatorts allein schon ein in dieser Form einmaliges Dokument der Filmgeschichte darstellt. Wenn ich anstrengend sage, so meine ich damit, dass man sich auf den Film in ganz anderer Weise einlassen muss als auf andere Streifen: Stone fordert ein Höchstmaß an Konzentration vom Zuschauer. Wenn man sich auf diese Anstrengung einlässt, kann man einen äußerst spannenden, nie langweilig werdenden Thriller genießen, ein – abseits der realen Hintergründe – trotz seiner Länge kriminalistisch-filmisches und technisches Meisterwerk. Auch das (erfundene) Abschlussplädoyer Garrisons im Prozess gegen Shaw ist genial ausgearbeitet und sicherlich der Höhepunkt des Films.
Stone ist der Vorwurf gemacht worden, er manipuliere das Publikum durch seine einseitig vorgetragene Verschwörungstheorie. Das sehe ich nicht so. Stone stellt von Anfang an klar, dass er der Meinung ist, dass der militärisch-industrielle Komplex (MIK) für das Attentat auf Kennedy verantwortlich zeichnet (zu Anfang wird Präsident Eisenhower gezeigt, der Vorgänger Kennedys, der über die positive Bedeutung des MIK vor der Fernsehkamera spricht) und dass das Haupt-Motiv für den Mord Kennedys Absicht gewesen sei, sich nicht stärker, sondern weniger in Vietnam zu engagieren und in bezug auf Kuba statt einer Politik der Konfrontation die einer friedlichen Koexistenz zu versuchen. Nach der Bewältigung Kuba-Krise (Stationierung der SU-Mittelstreckenraketen auf Kuba) auf friedlichem Weg zeichnete sich eine solche Politik zumindest in Umrissen ab. Stone vermutet also starke außenpolitische und ökonomische Interessen – etwa auch der Rüstungsindustrie – als Hintergrund einer Verschwörung gegen Kennedy.
Diese These vertritt Stone von vornherein, so dass jedem klar sein müsste, worauf man sich bei diesem Film einlässt, zumal es kurz nach der Uraufführung des Werks nur so an Kritik hagelte.
Stone verwendete für seinen Film ausschließlich Material aus den genannten Büchern und stellte – soweit ich weiß – mit einer Ausnahme nur Personen vor, die tatsächlich existierten. Lediglich der angebliche Gefangene Willie O’Keefe (Kevin Bacon) war eine Erfindung des Drehbuchs, ebenso das fast 30minütige Schlussplädoyer Garrisons im Prozess gegen Clay Shaw (dort ist Garrison selbst übrigens in der Rolle des Richters zu sehen).
Stone bringt auch durchaus überzeugend all die Zweifel ins Spiel, die sich an der Einzeltäter-These tatsächlich anbringen lassen. Die Person Oswalds wird als sehr schillernd dargestellt, was sie auch war. Einerseits war Oswald Marinesoldat, andererseits lernte er russisch, ging für einige Zeit in die Sowjetunion, heiratete dort eine Russin, kehrte ohne Probleme von seiten der SU- und der US-Behörden wieder in die USA zurück (auch nicht gerade alltäglich), bezeichnete sich im Fernsehen als Marxist-Leninist, hatte aber gleichzeitig Kontakte zu rechtsradikalen und exil-kubanischen Kreisen usw.
Auch liefert der Film etliche Anhaltspunkte für die These, dass Kennedy von mehreren Attentätern erschossen worden sein musste, u.a. von einem Täter am »Grassy Knoll«, einem Ort, gegenüber dem mehrere Zeugen standen, die dort eine Rauchwolke gesehen haben wollen. Eine weitere Untersuchungskommission, die vom US-Kongress eingesetzt worden war, schrieb im Sommer 1979 in ihrem Abschlussbericht, dass Kennedy »wahrscheinlich aufgrund einer Verschwörung ermordet worden sei« und die Mafia »Motive, Mittel und Gelegenheit gehabt (habe), um John F. Kennedy zu ermorden«. Diesen Aspekt – eine eventuelle Verwicklung der Mafia-Bosse Marcello und Trafficante, die die Kommission namentlich erwähnt – ließ Stone allerdings im Film untergehen.
Kritik lässt sich jedoch trotzdem anbringen. Denn Tatsache ist, dass Garrison zwar einiges an Ungereimtheiten aufdecken, auch Verbindungslinien von exilkubanischen und rechtsradikalen Connections, CIA- und FBI-Verbindungen einzelner Verdächtiger aufdecken konnte. Allerdings verblieb dies alles ohne einen wirklich konkreten Bezug zum Attentat selbst. Sein Informant Mister X sollte dem wohl aus der Patsche helfen. Doch das, was X Garrison zu erzählen hatte, waren nichts anderes als unbewiesene Vermutungen über eine Verschwörung im großen Stil – das also, was eigentlich erst einmal zu beweisen war.
Stone trennt die verwertbaren Erkenntnisse der Ermittlungen Garrisons und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen im Hinblick auf eine solche Verschwörung auf höchster Ebene in keiner Weise. Alles dient der These. Daher bleibt nicht nur seine Verschwörungstheorie eine unter vielen (selbst die Freimaurer wurden für das Attentat schon in Anspruch genommen; es fehlen nur noch Außerirdische), sondern seine Beweisführung auch unglaubwürdig.
Schauspieler
Ich bin kein allzu großer Fan von Kevin Costner. Doch in diesem Film spielt er in jeder Hinsicht überzeugend und glaubwürdig, auch wenn das Drehbuch Garrison zu sehr als politischen Saubermann ohne den kleinsten Mangel vorgegeben hatte. Tommy Lee Jones als schmieriger, ominöser und skrupelloser Businessman konnte mich ebenso überzeugen wie Gary Oldman, der Oswald als das spielte, was er wohl war, einen ziemlich verwirrten Menschen, dem es an klarer Ausrichtung seines Lebens mangelte. Sissy Spacek spielt die treusorgende, aber von der dauernden Abwesenheit ihres Mannes enttäuschte Liz Garrison, die sich um ihre Kinder und das Leben der Familie sorgt (Drohanrufe), bravourös. Obwohl Walter Matthau und Jack Lemmon nur in Nebenrollen zu sehen sind, füllen sie diese mit allem aus, was sie können.
Fazit
Filmtechnisch und dramaturgisch ist »JFK« meiner Meinung nach ein Meisterwerk und trotz seiner Länge ein absolut spannender Film mit der richtigen Besetzung. Auch die Handlung ist logisch aufgebaut und nachvollziehbar, selbst in der Originalfassung, bei deren Genuss mir leider manchmal die vorhandenen Englischkenntnisse nicht ausreichten. In bezug auf den Fall Kennedy allerdings muss sich Stone den Vorwurf gefallen lassen, dass er seine These von einer Verschwörung des MIK letztlich nicht auf die von Garrison tatsächlich ermittelten Fakten, also Ermittlungsergebnisse, die sich nachprüfen lassen bzw. Einwände, die sich geltend machen lassen, stützen kann. Stone adaptiert im wesentlichen Garrisons eigene Verschwörungstheorie.
Nach den Morden an Robert Kennedy, Martin Luther King, insbesondere nach der Watergate-Affäre und nicht zuletzt aufgrund der Kenntnisse über die Rolle Henry Kissingers im Vietnamkrieg und beim Putsch gegen Allende in Chile kann man nicht mehr ausschließen, dass auch John F. Kennedy Opfer einer politischen Verschwörung auf oberster Ebene gewesen sein könnte. Aber wirkliche Beweise gibt es dafür bis heute nicht. Vielleicht wird erst die Freigabe der bisher öffentlich nicht zugänglichen Akten einiges ans Licht bringen – allerdings zu einem Zeitpunkt, in dem alle in Frage kommenden möglichen Hintermänner oder Täter längst tot sein werden. Stone kann niemand das Recht verwehren, eine solche Vermutung zu hegen. Aber der Film kann dafür nicht wirklich Beweise liefern. Stones Vermutung einer Verschwörung auf oberster Ebene ist am Schluss des Films nicht wirklich mehr untermauert als zu Beginn.
Trotzdem halte ich den Film für wichtig, weil er die öffentliche Diskussion über das Attentat an Kennedy wieder ins Bewusstsein gerückt hat.
(1) Informationsquellen u.a.: www.home.arcor.de/traumpaar99/Jack sowie www.muenster.de/~dk2/kennedy.html. Inwieweit die dort dargestellten Fakten zutreffen, kann ich nicht beurteilen. Vieles bleibt auch hier Spekulation.
J.F.K. – Tatort Dallas
(JFK)
USA 1991, 206 Minuten (Director’s Cut), Originalfassung
Regie: Oliver Stone
Drehbuch: Oliver Stone, Zachary Sklar, Jim Garrison
Hauptdarsteller: Kevin Costner (Jim Garrison), Kevin Bacon (Willie O’Keefe), Tommy Lee Jones (Clay Shaw), Laurie Metcalf (Susie Cox), Gary Oldman (Lee Harvey Oswald), Donald Sutherland (General X), Edward Asner (Guy Bannister), Joe Pesci (David Ferrie), Beata Pozniak (Marina Oswald), Michael Rooker (Bill Broussard), Jay O. Sanders (Lou Ivon), Sissy Spacek (Liz Garrison), Brian Doyle-Murray (Jack Ruby), Gary Grubbs (Al Oser), Wayne Knight (Numa Bertel), Jo Anderson (Julia Ann Mercer), Vincent D’Onofrio (Bill Newman), Pruitt Taylor Vince (Lee Bowers), Jack Lemmon (Jack Martin), Walter Matthau (Senator Long)
© Ulrich Behrens 2002
(dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in www.ciao.com unter dem Mitgliedsnamen Posdole) weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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XXLALF, 02.11.2010, 09:12 Uhr
Bewertung: besonders wertvoll
so ganz mein film ist dieser nicht, aber doch höchst interessant, wenn man deinen bericht dazu liest. ganz toll geschrieben, bw und ganz liebe grüße
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