Pro:
Langzeitspaß
Kontra:
nicht ganz perfekte Preis/Leistungsverhältnis
Empfehlung:
Ja
Ich möchte euch heute etwas über ein Strategiespiel namens TROPICO 2 erzählen. Ich hab es jetzt schon 1 ½ Wochen gespielt und möchte euch ein par Infos über das Spiel geben. Also nun etwas zum Spiel.
Ihr wolltet also schon immer mal ein ruchloser, blutdurstiger Piratenkönig sein, dessen Gefangenen vor Furcht kauern? Nun, diese Chance bietet sich in "Tropico 2", der Fortsetzung zu „Tropico“, einem beliebten Strategiespiel, das vor ein paar Jahren Genrefans schon in Verzückung versetzte. Im Gegensatz zu "Tropico" sind hier die Haupteinnahmequellen aber nicht Industrien auf einer Insel, sondern das Stehlen von anderen Ländern und Gütern auf hoher See. Der Hauptunterschied liegt also in der Piraten-Thematik und der wirtschaftlichen Notwendigkeit von küstennahen Reichtümern. Der Spieler hat vier Spielarten zur Verfügung: Kampagne, Szenario, Sandbox, plus einem extra Karteneditor. Es gibt selbstverständlich auch ein ein Tutorial, das die Spieler durch das Interface und Hauptstrategien führt. Der Lernmodus ist perfekt für Newbies, aber auch der Kampagnen-Modus führt die Spieler in den ersten fünf Episoden vorsichtig durch die Spielmechaniken. Der Online-Führer, "Smitty", unterrichtet den Spieler zu verschiedenen Spielkomponenten im Lernmodus, kann aber auch abgeschaltet werden.
Die Geschichte dreht sich darum, dass ihr, als ein aufstrebender Workaholic, auf einer mit Piraten überfüllten Insel in der Karibik endet, nachdem ihr vom Festland geflohen seid. Ihr versteht Euch sofort gut mit dem Piratenkönig und plant zusammen einen Feldzug von Diebstählen, und wollt somit die Seen der Neuen Welt dominieren. Das Jahr ist 1950, und der Ozean steht Euch offen. „Tropico 2“ beginnt auf einer Insel irgendwo in den warmen Gewässern an der Südküste von Nord Amerika, auch bekannt als die Karibik. Hat man sich einen aus 16 Piratenkapitänen (mit jeweils anderen Vorzügen) ausgewählt, kann dann die Karriere unter der Totenkopfflagge beginnen. Obwohl sich die Ziele der verschiedenen Szenarien und Episoden stets ändern, bleiben die Hauptaufgaben doch die selben: Seht zu, dass die Piraten glücklich bleiben und die Gefangenen unterdrückt werden. Um dies zu schaffen, müssen spezifische Gebäude gebaut werden, um Bewertungen wie z.B. Anarchie und Wetten für die Piraten, sowie Furcht und Gebete für die Gefangenen zu beeinflussen. Doch allem voran, solltet Ihr das Gold am fließen halten!
Bestimmte Gebäude, der insgesamt 60 verschiedenen, haben eine Aura, die Passanten direkt beeinflussen - also sollte man genau bedenken, wo man diese platziert. Der Spieler muss im wesentlichen beim Bau von Gebäuden darauf achten, dass ein Vergnügungsbezirk für die Piraten erbaut werden sollte, und für die Gefangenen ein kommerzieller Bezirk. Natürlich gibt es auch Verkehr von Gefangenen und Piraten, weil die Gefangenen in den Vergnügungsvierteln und die Piraten als Vorarbeiter in kommerziellen Gebäude gebraucht werden. Auch muss im Mittelpunkt des Spieles eine Raststätte für die Piraten eingeplant werden. Am Anfang jeden Spiels werden die Spieler bestimmte Gebäude bauen müssen, wie z.B. Holzlager (Rohstoff für zukünftige Gebäude), und eine Art Eingang für Unterhaltungs-Gebäude, wie Bordells, Casinos und Restaurants. Gebäude, welche Vorräte liefern, müssen auch gebaut werden, so wie eine Brauerei und eine Bananen-Farm. Und natürlich ist eine Bootshandlung wichtig, damit man ein Boot bauen kann, um die Insel für die Suche nach Schätzen und noch mehr Gefangenen zu verlassen. Je nach Entwicklungsstand kann man dann entweder eine kleine Barkasse oder gar ein großes Piraten-Schlachtschiff bauen (lassen).
Die größte Schwierigkeit in den meisten Szenarien und Episoden liegt in den beschränkten Mitteln, neue Arbeiter zu bekommen. Eine große Anzahl an Arbeitern ist erforderlich, um ein bestimmtes Gebäude zu bauen, und um die Sache noch etwas interessanter zu machen, erfordern viele der Gebäude geschickte Arbeiter, die einzeln gekidnapped werden müssen, was einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Da ein Schiff immer nur eine Mission erledigen kann, muss man sich genau überlegen, was für eine Art von Arbeiter man sich als erstes besorgen will. Sobald ein Schiff gebaut ist, kann eine Piraten-Crew dann die Segel setzen und bei Überfällen auf Siedlungen wichtige Arbeiter gefangen nehmen oder Geld, Waffen und gesunde Gefangene von drei verschiedenen Ländern einsammeln (Spanien, England und Frankreich). Befehle weisen dass Schiff an, entweder nach Schätzen zu suchen, zu erforschen, Siedlungen zu überfallen, Handwerker zu entführen und/oder für einen Krieg anzustiften (Schiffe segeln dann unter einer fremden Flagge). Um mehrere Missionen gleichzeitig zu führen, sind entsprechend auch mehrere Schiffe erforderlich. Zwischen Missionen entspannt sich die Besatzung auf der Insel so, wie Piraten es bestens können: Essen, Trinken und "Gesellschaft" suchen. Weil die gesellschaftlichen Aspekte ein wesentlicher Teil des Spieles sind, ist – neben dem Training – auch der Besuch eines Bordells für die Notwendigkeiten der Piraten sehr wichtig und die Mädchen sind die, die diese Gesellschaft in den Gebäuden anbieten. Das erste Bordell enthält nur ein unfähiges Mädel an der Tür und ein paar Frauen im Bau selbst, aber die größeren Bordelle haben dann schon eine oben-ohne Meerjungfrau. Jeder dieser Bauten ist für die Verhaltensweise von Piraten und Gefangenen sehr wichtig. Jede individuelle Statistik eines Charakters, in denen ihre letzten Gedanken stehen, kann man einzeln nachlesen, aber auch eine kollektive Bewertung für die beiden Hauptgruppen kann man in dem handliche Logbuch studieren. Dieses Buch ist erforderlich, um die Bewertungen zu checken und um zu sehen, welcher Charakter eine Veränderung braucht. Denn wenn eine bestimmte Gruppe zu unglücklich ist, könnte es zu einer Meuterei oder einem Aufstand kommen, was man natürlich so weit wie möglich vermeiden sollte.
Die Schiffs-Missionen sind ein interessanter Zusatz zum Tropico-Grundmodel und bieten eine große Abwechslung an Optionen, wie z.B. Informationen sammeln, sich mit einer wichtigen Nation wie England gut stellen, Gefangene einsammeln, und noch mehr. Unglücklicherweise übernimmt der Computer alle Aktionen und die Spieler haben nicht wirklich die Möglichkeit bei den Missionen einzugreifen, noch nicht mal als Zuschauer, da die Aktionen nicht auf dem Bildschirm ablaufen. Die Schlacht selber dirigieren zu können wäre schön, weil jede Fähigkeit der Piraten auf direkte Weise durch die Missionen und Schlachten entwickelt werden. Lustig ist indes, dass man die Fähigkeit hat, alle Piraten von einer bestimmten Nationalität zu verraten, um sich mit einer anderen Nation gut zu stellen, bestimmte Piraten zu töten und Krieg mit anderen Ländern anzustiften. Wenn man Gefangene von sämtlichen Nationalitäten rauswirft, muss man aber darauf achten, welche Nationalität die wichtigsten Arbeiter haben. So kann es sonst durchaus schon mal vorkommen, dass man seine wichtigen Piratenkapitäne verliert, wenn man eine bestimmte Gruppe von Piraten verrät.
Neben der gelungen Story kann auch die Bedienung des Spiels überzeugen: Das Interface ist sehr gut designed und übermittelt einen großen Anteil an Informationen, ohne dabei zu unübersichtlich zu geraten. Das Logbuch ist ein tolles Hilfsmittel voller Statistiken - andere Informationen, wie z.B. den momentanen Status von Gebäuden, individuelle Bewertungen und verschiedene Erlass-Befehle sind durch einen einzigen Klick zu lesen. Sicher, es hätten noch einige Dinge etwas besser sein können, so wäre es u.a. schön, wenn man Aktionen per Tastendruck rückgängig machen könnte und Gebäude für mehrere Konstruktionen verschieben zu können, ohne dabei immer die Strg-Taste gedrückt halten zu müssen. Auch können nur bestimmte Gebäude verschoben werden, und andere wiederum nicht, was recht merkwürdig ist.
Die Zufallskarten und insbesondere der Level Editor sorgen zusätzlich noch für Langzeitmotivation, wenngleich der Editor etwas komplexer zu bedienen ist, als bei vergleichbaren Spielen. Hier muss der Spieler zuerst eine Karte im Sandbox-Modus entwerfen, dann dieser einen Namen geben und speichern. Dann verlässt man das Spiel um das Skript aufzurufen, damit sämtliche Karten in dem Programm zusammenpassen. Dann wird der Code eingeben und zum Schluss die beendete .txt Mappe unter dem gleichen Namen gespeichert. Prinzipiell ist dieser Prozess eigentlich recht einfach, da es zwei Beispiele der .txt Mappen gibt, die erklären, wie der Ablauf funktioniert; Newbies werden dennoch mehrere Versuche brauchen, um akzeptable Ergebnisse hinzubekommen.
Auch optisch sieht das Spiel ziemlich gut aus und zeigt anhand der hochwertigen Engine keinerlei Detail-Verluste beim Zoom. Jeder Charakter ist darüber hinaus mit seinen eigenen täglichen Aktivitäten beschäftig und es macht Spaß ihnen bei der Arbeit oder beim Ausruhen zuzuschauen – da jeder Charakter seine eigenen Züge hat, gibt es auf jeden Fall immer wieder was neues zu entdecken. Auch sind die Gangarten und Kleidungen spezifischer Arbeiter, wie z.B. bei Priestern, Köchen, Dienern, Bauern, Holzfällern und anderen, sehr gelungen. Positiv wird das ganze noch von den tollen Effekten und der feinen Musik unterstützt, die erst recht karibisches Flair aufkommen lässt.
Fazit: "Tropico 2" ist ein ganz hervorragendes Spiel, mit einem gänzlich neuen Thema - die Kombination aus Piraterie und Aufbau-Sim ist sowohl spielerisch als auch optisch mehr als gut gelungen. Durch die vielfältigen Möglichkeiten, dem Level-Editor und den Multiplayer-Modi ist Langzeitmotivation garantiert, auch, wenn das Gameplay nach einiger Zeit nicht mehr so ganz so abwechslungsreich ist. weiterlesen schließen
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