Pro:
Spannung, Dramaturgie
Kontra:
nicht ganz so überragend wie der Vorgängerroman
Empfehlung:
Ja
Kalte Asche Hörbuch von Simon Beckett
** Anlass **
Nach dem auch hier vorgestellten Roman Chemie des Todes war ich mehr als gespannt auf die Fortsetzung, eigentlich immer eine eigenständige Geschichte, mit der gleichen Hauptperson des vorherigen Romans. Würde es Simon Beckett gelingen, erneut einen Thriller voller überraschender Wendungen zu schreiben oder würde er versuchen, mit den gleichen Struktur- bzw. dramaturgischen Mitteln den Erfolg zu wiederholen?
Die Antwort erfolgt im Teil Bewertung, jetzt zunächst der obligatorische Inhaltsanriss, der informativ sein soll, zum eigenen Lesen bzw. Hören motivieren (oder auch abraten), andererseits aber keine Spannungselemente zerstören soll. Mal sehen, wie weit mir diese Gratwanderung diesmal gelingt. ;-)
*** Inhaltsanriss ***
Der Forensiker David Hunter, etwas unglücklicher Held aus dem letzten Roman Chemie des Todes, freut sich darauf, seine Freundin Jenny zu Hause in London zu sehen, endlich wie mehrfach versprochen mehr Zeit mit ihr gemeinsam zu verbringen. Die beruflich bedingte Reise war ungemein frustrierend für ihn gewesen.
Im Taxi, auf dem Weg zum Flughafen erreicht ihn ein Anruf. Seine Hilfe werde dringend benötigt. Aufgrund eines schweren Zugunglückes kann die Polizei keinen Mann, besonders aber wegen der zahlreichen notwendigen Leichenidentifizierungen keinen eigenen Forensiker entbehren. Zeitgleich wurde aber auf Runa, einer Insel auf den äußersten Hebriden, eine verbrannte Leiche entdeckt.
Statt abzulehnen versucht anschließend David Hunter seine Lebensgefährtin Jenny vergeblich zu vertrösten. Er übernimmt die Voruntersuchung der verbrannten Leiche.
Während der sich schwierig gestaltenden Untersuchung der bis auf Hände und Füße vollständig verbrannten Leiche stößt der Forensiker auf Spuren, deren Auswertung ihn schließlich doch vermuten lassen, dass das Opfer vor der Verbrennung erschlagen worden ist.
Die erhoffte Feststellung Todesursache Unfall entfällt also, stattdessen muss nun doch die Spurensicherung vom Festland angefordert werden. Leicht gesagt doch schwer getan, denn die Insel wird durch einen heftigen Sturm völlig von der Außenwelt abgeschnitten.
Die weiteren Untersuchungen der Asche und der Skelettreste lassen vermuten, dass die Tote keine Inselbewohnerin gewesen ist sondern vom Festland gekommen sein muss.
Über eine Internetverbindung und unter anderem anhand des Gebisses gelingt David Hunter sogar die genaue Identifizierung der Leiche: Janice Donaldson, 26 Jahre alt, eine Prostituierte.
Seine Ermittlungsergebnisse lassen vermuten: Der Mörder muss noch auf der Insel sein.
Seine Vermutung wird schnell zur Gewissheit, als sich ein zweiter Mord ereignet. Der junge sympathische wissbegierige Constable Duncan McKinney, in die Ermittlungen eingebunden, wird ermordet und seine Leiche ebenfalls verbrannt. Er muss seinen Mörder gekannt haben und er muss etwas während der Ermittlungen in Erfahrung gebracht haben, was ihm das Leben kostete.
Wird es David Hunter gelingen, den Mörder zu ermitteln, bevor weitere Morde durch einen der Inselbewohner auf der kleinen, von der Außenwelt abgeschnittenen Insel passieren?
*** Wertung ***
Im Aufbau beginnt der Folgeband genauso wie der erste Roman, nur diesmal ist es nicht die schockierende Beschreibung des Verwesungsprozesses sondern die ebenso eindrucksvolle Beschreibung der Wirkung des Feuers auf den menschlichen Körper:
„ Ab 250° Celsius fängt Fleisch Feuer. Die Haut wird schwarz und platzt auf. Die subkutane Fettschicht beginnt zu schmelzen wie Butter in einer heißen Pfanne. Bald darauf brennt der ganze Körper. Von den Armen und Beinen greift das Feuer auf den Rumpf über. Sehnen und Muskelfasern ziehen sich zusammen, sodass die lodernden Gliedmaßen sich bewegen, als wäre noch Leben in ihnen. Zuletzt sind die inneren Organe an der Reihe. In Feuchtigkeit eingehüllt, bleiben sie oft selbst dann noch erhalten, wenn das übrige Gewebe schon zerstört ist.
Die Knochen sind jedoch etwas ganz anderes. Sie halten noch den heißesten Feuern stand. Und selbst wenn die Kohlenstoffe verbrannt sind und das Skelett tot und leblos wie Bimsstein zurückbleibt, behalten die Knochen ihre Form. Sie sind dann allerdings nur noch ein fragiler Schatten ihrer selbst, der leicht zerfällt; die letzte Bastion des Lebens verwandelt sich zu Asche. Ein Prozess, der, von wenigen Abweichungen abgesehen, unweigerlich demselben Muster folgt.“
Es folgt die Szene der Entdeckung der verbrannten Leiche in der Blockhütte.
Im Gegensatz zum ersten Roman ist diesmal die Ermittlungswelt überschaubarer, eine Insel mit ca. 200 Einwohnern. Fast wie bei Agatha Christie geht es nun darum, die Geheimnisse der zwischenmenschlichen Beziehungen der Einwohner zu einander aufzudecken, einige Rätsel zu lösen, um die klassische „Whodunit-Frage“ beantworten zu können.
Wer aufmerksam genug liest bzw. zuhört, ahnt diesmal schon etwas früher, auf wen letztendlich die Täterantwort fällt. Natürlich werden wie im klassischen Agatha Christie Krimi erst einmal verschiedene Personen psychologisch mit möglichen Motiven als Verdächtige ins Spiel gebracht.
Doch vom Verlauf des vorherigen Romans gewarnt erwartet der Leser/Hörer nicht zu Unrecht, dass auch diesmal sich zum Schluss hin eine eher scheinbar außer oder über Verdacht stehende Person sich als echter Bösewicht entlarvt. Und hier für kommt leider für geübte Leser/Zuhörer nur eine Person in Betracht. Keine Angst, nennen werde ich sie hier nicht. ;-)
Das Hörbuch Kalte Asche von Simon Beckett kann als Audio CD (6 CDs) zu 29,95 Euro oder als MP3 CD zu 12,95 bestellt werden. Die Hörzeit wird mit 449 bzw. 452 Minuten angegeben. Beide wohl identischen Fassungen sind vom Argon-Verlag. Persönlich ziehe ich die MP3 Fassung vor. Sie ist nicht nur erheblich billiger, sondern sie lässt sich vor allem schneller auf meinen MP3-Player oder auf meinen USB-Stick zum transportablen Hörgenuss übertragen.
Johannes Steck bürgt als Sprecher für ausgezeichnete Vortragsqualität, was für mich bedeutet, jede Person der Handlung ist jederzeit auch ohne Einleitungs/Begleitsätze deutlich an ihrer unterschiedlichen Sprechweise, am individuellen Tonfall klar zu erkennen.
Auch wenn mich diesmal das dramatische Finale nicht ganz so überraschen kann wie beim Vorgängerroman, so wirkt es doch auf mich überdurchschnittlich gut und spannend inszeniert.
Ich gebe daher auch diesem Hörbuch alle fünf Sterne und eine uneingeschränkte Kaufempfehlung. Zielgruppe sind natürlich Erwachsene.
Viel Spaß beim Zuhören oder auch beim Lesen der Druckausgabe. weiterlesen schließen
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