Pro:
sehr humorvoll und unterhaltsam, logisch und gut durchdacht,
Kontra:
Wenige Schauplätze, wenig Animationen, zum Teil sehr lange Dialoge, kurze Spielzeit
Empfehlung:
Ja
Es war einmal...
Es war 1993 als Simon zum ersten Mal das Licht der virtuellen Welt erblickte. Zu dieser Zeit lagen Adventures voll im Trend und Simon the Sorcerer verkaufte sich extrem gut. Über 500.00 Exemplare gingen seiner Zeit über den Ladentisch. Zwei Jahre später erschien Simon 2 und wurde prompt zum Adventure des Jahres 1995 gekürt. Dann blieb es lange still um den Möchtegern-Zauberer mit der großen Klappe. 2002 dann das überraschende Comeback (übrigens zeitgleich mit Monkey Island 4) in völlig neuem Gewand. Der Hobbyzauberer wurde komplett in eine 3D-Umgebung integriert. Das allerdings mit nur sehr mäßigem Erfolg. Die Fan-Gemeinde war nicht sonderlich begeistert (Monkey Island 4 erging es ähnlich) von dem neuen Simon und so wurde das Spiel (zu Recht) zum absoluten Flop. Nun also wagen die Entwickler von Sylver Style einen 4. Versuch und lassen Simon wieder ins Zauberuniversum reisen.
Die Story
Nachdem wir das Spiel installiert haben, stehen uns 2,8 GByte weniger auf unserer Harddisk zur Verfügung. Für ein Adventure ganz schön happig. Ein Intro bereitet uns auf Simons neues Abenteuer vor. Alles beginnt recht harmlos. Simon und sein Bruder hängen gemeinsam vor der Glotze ab. Es kommt zum Streit zwischen den beiden, da Simon etwas anderes im TV sehen möchte als sein Bruder. Das ganze eskaliert und schließlich landet die Fernbedienung an Simons Kopf. Sein Bruder hat das Ding kurzerhand als Wurfgeschoss zweckentfremdet. Das Resultat: Simon verliert das Bewusstsein woraufhin ihm in einer Vision seine Freundin Alix aus der Zauberwelt erscheint. (Bekannt aus den Vorgängern) Sie berichtet Simon von einer großen Gefahr in der das Zauberuniversum schwebt und bittet ihn um seine Hilfe. Als Simon wieder erwacht, kennt er fortan nur noch ein Ziel. Er muss mit Hilfe seines Teleporter-Kleiderschranks in die Zauberwelt reisen. Aber schon gibt es das erste Problem. Der nötige Treibstoff fehlt um den wundersamen Kleiderschrank zu aktivieren. Schon sieht sich der Spieler mit seiner ersten Aufgabe konfrontiert. Treibstoff muss her. Irgendwo im Zimmer müssen die nötigen Utensilien dafür rumliegen. Ist dieses erste Rätsel erfolgreich gelöst, geht es ab in die Zauberwelt. Dort angekommen, erwartet die hübsche Alix unseren Helden schon.
Doch Potztausend! Was ist das? Das Mädel scheint plötzlich von einer drohenden Gefahr nichts mehr zu wissen. Stattdessen gibt sie Simon den Laufpass (obwohl beide nie zusammen waren) und lässt ihn völlig verdutzt stehen. Simon versteht die Märchenwelt nicht mehr und macht sich erst einmal daran, die Gegend zu erkunden. Es dauert nicht lange und Simon ist fest davon überzeugt, dass sich ein Doppelgänger von ihm in der Zauberwelt rumtreibt. Diesen Kerl gilt es jetzt erst einmal ausfindig zu machen. Das Abenteuer beginnt.
Quasselstrippen und schräge Typen
In gewohnter „Point & Click Manier“, steuern wir Simon durch die hübsch gestalteten Landschaften. Dabei treffen wir auf jede Menge skurriler Bewohner der Märchenwelt, die sich mit uns in ausschweifenden Plaudereien ergehen. Die Dialoge sind eindeutig die große Stärke des Spiels, machen den Charme von Simon the Sorcerer aus, auch wenn diese Plaudereien mitunter etwas ausufern. Während der Gespräche wählen wir unsere Antworten über eine Multiple-Choice-Auswahl. Das macht Laune. Der ironische Humor mit dem die Dialoge gewürzt sind, sorgt für beste Unterhaltung und viele Lacher. Dabei gibt es jede Menge Anspielungen auf das aktuelle Zeitgeschehen. Das war in den Vorgängerspielen schon super gemacht. Selbst „unsere Angie“ bekommt ihr Fett weg. Aber Simon the Sorcerer nimmt so ziemlich alles und jeden auf die Schippe. Das geht über obskure Handyverträge bis hin zu Diskussionen über Speed Metall oder Killerspiele. Das ist einfach grandios. Aber auch die Protagonisten selbst sind dermaßen schräg, dass es einem automatisch die Mundwinkel nach oben zieht. So begegnen wir in der Zauberwelt auch einer völlig abgedrehten Version des Rotkäppchens. Die Kleine steht total auf Deathmetall und hat eine verdammt große Klappe. Die Göre nervt ohne Ende und man möchte Simon am liebsten dazu bringen, ihr mit dem Vorschlaghammer ein Ding zu verpassen. Natürlich geht das nicht aber einen Versuch war es wert. Zum Glück gibt es ja noch den großen, bösen Wolf. Der hat zwar ein Alkohol Problem und befindet sich zur Zeit gerade in einer Selbstfindungsphase, aber das hindert ihn nicht daran –nachdem wir gute Überzeugungsarbeit geleistet haben- Rotkäppchen samt trotteliger Großmutter…Upps, nicht zu viel verraten. Desweiteren treffen wir auch auf ein depressives Huhn oder einen blöden König, den wir kurzerhand in eine Tütensuppe verwandeln.
Die Zauberwelt ist gespickt mit solch schrägen Figuren und manchmal etwas makaberen Lösungen. Für Kinder stellenweise vielleicht etwas zu derb.
Die Rätsel
Der Schwierigkeitsgrad der Rätsel schwankt zwischen „sehr einfach“ und „ganz schön knifflig“. Eine gute Balance die auch Adventure-Einsteiger motiviert. Alles ist meistens logisch und nachvollziehbar. Oftmals sind es unsere Gesprächspartner die uns den entscheidenden Hinweis zur Lösung eines Rätsels geben. Als erfahrener Spieler fühlt man sich dann allerdings etwas unterfordert. Spaß machen die Knobeleien aber allemal. Praktisch: Ein übersichtliches Journal zeigt uns erledigte wie auch noch ausstehende Aufgaben an. So verliert man nie den Überblick.
Grafik und Sound
Zwar sind die Schauplätze allesamt wunderschön und liebevoll gestaltet, viel mehr als ein Dutzend bekommt der Spieler jedoch davon leider nicht zu sehen. Die daraus resultierende kurze Spieldauer von ca. 8 Stunden ist dann auch obligatorisch. Für ein Adventure arg wenig.
Einige Animationen mehr hätten den Hintergründen ebenfalls nicht geschadet. Hier und da mal ein Vogel der vorbei fliegt, ein Maulwurf der sich aus der Erde buddelt oder ein wippender Schaukelstuhl auf einer Veranda, lockern die ansonsten sehr statischen Bildschirme nur wenig auf. Damit man keinen wichtigen Gegenstand übersieht, ist ein detailliertes absuchen eines jeden Bildschirms jedoch Pflicht. Einige Objekte habe ich nur durch Zufall gefunden. Dafür steht uns als Orientierungshilfe eine hübsche Übersichtskarte zur Verfügung, über die wir schnelle Ortswechsel vollziehen können. So bleiben uns lange und lästige Laufwege erspart.
Die Sounduntermalung ist okay. Unspektakulär, jedoch zu keiner Zeit nervend oder aufdringlich. Die Sprecher leisten hervorragende Arbeit. Die Figuren gewinnen durch diese professionelle Vertonung enorm an Glaubwürdigkeit. Man spürt förmlich, dass die Synchronsprecher wirklich Spaß an ihrer Arbeit hatten. Was diesen Punkt angeht, so hat das Adventure „Ankh“ hohe Maßstäbe gesetzt.
Fazit
Das deutsche Entwicklerteam Sylver-Style besinnt sich auf alte Tugenden. Das ist auch gut so, denn der völlig verkorkste und grottenschlechte Vorgänger (Simon 3) war zu Recht ein Megaflop. Zwar ist auch Simon 4 kein Überflieger aber dafür ein grundsolides und gut durchdachtes Adventure. Humor steht dabei an erster Stelle und davon gibt es im Spiel reichlich. Simon the Sorcerer ist das ideale Spiel für all diejenigen, die nur ab und zu mal zu einem Computergame greifen. Profi-Zocker spielen Simon locker parallel zu einem anderen Game. Ein kleiner Wermutstropfen ist sicherlich die sehr kurze Spielzeit. Die war bei Ankh schon sehr knapp bemessen, Simon 4 werden erfahrene Adventure-Spieler noch schneller absolviert haben. Trotzdem, ein gelungenes Comeback des Antihelden mit der albernen Mütze.
Hardwareanforderung
Eine 2, 2 GHz CPU sollte man schon sein eigen nennen, damit Simon flüssig und ohne nennenswerte Aussetzer läuft. 512 MByte Ram sind Minimum. Bei 1 GByte Ram erspart man sich lange Nachladezeiten beim Wechsel von Schauplätzen. Eine GPU mit 64 MByte reicht hingegen völlig um mit einer Auflösung von 1024x768 zu spielen. Nach der Installation belegt das Game ca. 2, 8 GB Festplattenspeicher.
Unterstütze BS: Windows 98/2000/XP (Was Vista betrifft, hab ich keine Ahnung)
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