Pro:
Intensität, gewisse Authentizität, überragende Darstellerleistungen, viel Liebe zum Detail, Bonus
Kontra:
manches widerspricht sich dann doch ein wenig
Empfehlung:
Ja
Romantische Komödien sind oftmals einfach nicht meins ~ umso gemischter waren meine Gefühle, mit denen ich der 2013er Verfilmung des Romans von Isaac Marion entgegentrat. Unter der Regieführung von Jonathan Levine, der zugleich für das Drehbuch verantwortlich ist, entstand allen Befürchtungen zum Trotz eine absolut herzerweichend, tieftrauriges wie zugleich wunderschönes, unterhaltsames und nur sehr bedingt überzogenes Leinwandspektakel, welches sich lediglich im äußersten Ansatz mit Filmen wie „Wasting away“ vergleichen lässt.
„Warm Bodies“
stellt ebenfalls eine Zombie-Romanze dar, während sich der ein oder andere gewiss an die „Biss zum... xy“ Reihe erinnert fühlen darf. Soll heißen: „Warm Bodies“ erzählt von der ungleichen Anziehungskraft zwischen dem Untoten R (Nicholas Hoult) und der überaus lebendigen Julie (Teresa Palmer), die inmitten eines Versuchs, ein Rudel Zombies zu eliminieren, von R mit zu dessen „Wahlheimat“ verschleppt wird.
Entgegen der anfänglichen Panik überwiegt rasch das Interesse an R's Andersartigkeit ~ was allerdings nicht heißen soll, dass es Julie nicht nach Hause zu ihrem Vater, Colonel Grigio (John Malkovich) ziehen würde, der höchstpersönlich die Massenvernichtung der Zombies anführt.
Neben der romantischen Komponente sorgen gleich mehrere Ereignisse wie Handlungstränge für unterschiedliche Spannungsarten, während sich das erzählerische Tempo spürbar konstant hält. Kaum, dass dem Zuschauer eine kleine Pause gegönnt wird, in denen er dem aufkeimenden Interesse der Protagonisten füreinander beiwohnen darf, besinnt sich „Warm Bodies“ rasch wieder darauf, dass dem Ganzen eine durchweg ernsthafte Situation zu Grunde liegt. Kaum, dass man bemängeln könnte, wie wenig der Verlust von Perry (Dave Franco) bedauert wird, kippt Julies Stimmung erneut in die weitaus authentischere Gefühlslage wie Fluchtgedanken.
Ein wenig kitschig, vorhersehbar und zugleich doch a bisserl unglaubwürdig oder gar sich selbst widersprechend ist „Warm Bodies“ ohne jede Frage ~ vorrangig mag man sich darüber wundern, dass die Zombies in der einen Szene eher schleichend-schleppend umherwanken, in der nächsten (wie auch Rückblende) hingegen urplötzlich des Rennens fähig sein sollen. Und nur, weil Julie vorgibt, sich zombieartig zu bewegen, ist ihr menschlicher Geruch nicht mehr wahrnehmbar...?
So oder so:
Der besondere Zauber des knapp 99 Minütigen Films geht indes von der Erzählweise aus der Perspektive von R aus, welcher den Zuschauer an seinen Gedanken wie unabstreitbaren Gefühlen teilnehmen lässt.
Den morbiden Humor Marke
„Es gibt viele Möglichkeiten, einen Menschen kennenzulernen. Das Gehirn ihres Freundes zu essen, ist eine etwas unorthodoxe Methode....“
muss man gewiss schätzen können, um sich von „Warm Bodies“ unterhalten zu fühlen. Weiterhin geht der Zombiefilm nicht gerade zimperlich mit manchen Spannungsmomenten um ~ die sog. „Bonies“, die quasi die letzte Stufe des Zombies erreicht haben, sehen in der Tat a bisserl grausig aus und könnten bei überaus zartbesaiteten jüngeren Guckern durchaus für Alpträume sorgen.
Definitiver Knackpunkt des Gesamtwerks stellt in meinen Augen jener Aspekt dar, dass für die bislang nicht Infizierten auf der Hand liegt, Zombies bzw. Bonies hätten weder Entscheidungskraft, Gedanken oder gar Gefühle. Die Feststellung seitens Julie, dass sie bis zur Begegnung von R noch nie einen Zombie habe sprechen hören, ist jene, die ebenfalls dem Zuschauer durch den Kopf gehen wird.
Raffinierte wie zugleich denkwürdige Finessen, in denen „das vorher“ als überaus erstrebenswerter Zustand der Zwischenmenschlichkeit angesehen wird, in denen die Menschen sich umeinander kümmerten, jene Szene jedoch als Flughafen-Moment dargeboten wird, in welcher jeder lediglich mit seinem Handy beschäftigt ist und die anderen mit Missachtung straft, gilt es meines persönlichen Erachtens nach zu entdecken und vor allem wertzuschätzen. Selbst die Frage nach dem Für und Wider einer Schallplatte im Kontrast zu dem Ipad sollte zum Nachdenken anregen, verpufft meiner Vermutung jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach in den meisten (Filmguck)Fällen ähnlich ungehört wie die abschließende Moral der Geschichte.
Über die expliziten Ablauf von „Warm Bodies“ mag ich hier und heute gar nicht viel zum Besten geben, besticht der Film durch seine kleinen Wendungen, Feinheiten wie unverhofften Berührungen der zuschauerlichen Seele.
Ich will nicht verschweigen, dass ich die ein oder andere Träne vergossen habe, während R, der ohnehin eine überaus liebens- wie beschützenswerte Ausstrahlung an den Tag legt, sich seinen selbstverzehrenden Schlussfolgerungen wie
„Ich will nicht so einsam sein. Ich habe mich verirrt. Ich hab mich buchstäblich verirrt.“
oder gar
„Ich hätte mit dem zufrieden sein können, was ich hatte. Es ist leichter, gar nichts zu fühlen, als das hier zu fühlen.“
hingibt. Gerade weil der Film vor großen Gefühlen nicht zurückschreckt funktioniert der Genremix erstaunlich gut, alldieweil die humoristische Komponente wohldosiert und mitnichten überbordend daherkommt.
Fremdschämpotential ist meines Empfindens nach nicht gegeben, während nicht zuletzt die Figur von Nora (Analeigh Tipton) die Ehre aufgetragen wurde, das ein oder andere filmische Element gekonnt auf die Schippe zu nehmen.
Überaus vorbildlich de facto die
DVD-Ausstattung
die ein umfangreiches Bonusmaterial bereithält. Den Blick auf die outtakes lasse ich mir regelmäßig nicht entgehen und halt die hier auffindbaren knappen 3 Minuten für durchaus sehenswert wie amüsant. Das rund 5minütige Gag-Interview Wie man seinen Zombie spielt ist alles andere als ernstzunehmen, lässt sich jedoch nicht zuletzt der Untertitel wunderbar ansehen und in seiner lockeren Stimmung genießen. Bezüglich des Punktes Das Schauspielerensemble habe ich lediglich hineingeschaut und kann ausführen, dass dieser Boni eine gute Viertelstunde umfasst.
Bild und Ton der Silberscheibe sind exzellenter Natur, während der DVD-Gucker die Wahl zwischen Deutsch wie Englisch hat und bei Bedarf den deutschen Untertitel hinzuschalten kann, welcher sich erfreulicherweise auf das breit gefächerte Bonusmaterial ausdehnt.
Hinsichtlich der FSK12 Freigabe sei auszuführen, dass auf explizite blutige Großaufnahmen zwar verzichtet wurde, jedoch die überdeutliche Andeutung, dass gerade jemand tot-gebissen wurde und sodann sein Hirn verspeist wird in mehreren Szenen wiederholt wird. Die „rennenden Skelette“ als eigentliche Bedrohung könnten gleichermaßen in „Silent Hill“ auftauchen; wirken in der Tat Panikstimmung verbreitend wie atmosphärisch duster.
Summa summarum
hat mich „Warm Bodies“ vollumfänglich in seinen Bann gezogen und zweifellos positiv überrascht. Ein paar Logiklöcher mag man grade in Beiträgen dieses Genre bereitwillig hinnehmen, so dass ich auch hier keinen ernsthaften Punktabzug vornehmen möchte.
Mir persönlich sagt insbesondere die tiefgreifende Zwischenmenschlichkeits-Überlegung bezüglich vermeintlich “toter“ Mitmenschen zu, die sich insbesondere in Fall von R mehr um andere bemühen, als es die „lebendigen“ oftmals an den Tag legen. Ob abschließend ein jeder jene vermeintliche Botschaft erkennen wird oder diese eher meinerseits in die Szenerie hineininterpretiert wird, tut womöglich nicht einmal was zur Sache.
Fakt ist: „Warm Bodies“ ging mir für meinen Teil unglaublich nahe und trägt somit die meinerseitige und somit imaginäre „Prädikat wie mögliche
Nachwirkung wertvoll“ Auszeichnung. weiterlesen schließen
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