A Chinese Ghost Story 1 (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von CiscoGianino

Verführung aus dem Reich der Toten

Pro:

Action, Humor, Romantik, Horror, Inszenierung, Darsteller, Musik

Kontra:

kann das hohe Tempo teilweise nicht halten, was den Film teilweise brüchig wirken lässt

Empfehlung:

Ja

Ein naiver, etwas tollpatschiger Steuereintreiber (Leslie Cheung) verliert auf seiner Wanderung all seine Schuldscheine. Als es Nacht wird, flüchtet er sich vor einem heraufziehenden Gewitter in einen verfallenen Tempel, von dem die Bewohner eines nahegelegenen Dorfes sagen, dass es dort spukt.
Kurz darauf trifft er dort einen kauzigen Mönch (Wu Ma), der hervorragend in Kung Fu geschult ist und es sich zur Aufgabe gemacht hat Geister zu vertreiben. Erste übernatürliche Angriffe kann dieser noch abwehren, doch bald erscheint dem Steuereintreiber die mysteriöse Nie (Joey Wang), in die er sich verliebt. Er ahnt nicht, dass es sich bei der Schönheit um einen Geist handelt, der für die blutsaugende Hexe Lau Lau (Lau Siu Ming) Opfer heranschaffen muss. Doch bald entwickelt auch Nie eine Schwäche für den liebenswerten Trottel und so versucht sie mit seiner Hilfe und mit der des taoistischen Mönchs aus der Welt der Geister zu entfliehen. Natürlich passt Lau Lau dieser Umstand gar nicht und so wird sie zu einem rieseigen Baummonster, das auf Rache sinnt...

Regisseur Ching Siu Tung bewies bereits 1983 mit seinem Debüt „Duel to the Death“, dass er es meisterhaft versteht märchenhafte Atmosphäre, stimmungsvolle Einstellungen, tolle Kostüme, effektvolle Kameraperspektiven und eine mitreißende Actionchoreographie zu einem harmonischen Ganzen zu verschmelzen. In „A Chinese Ghost Story“ kommen seine Talente noch stärker zum tragen als bei seiner zweiten Regiearbeit „Witch from Nepal“, in der er sich erstmals im Fantasy-Genre versucht.
„A Chines Ghost Story“ basieret auf der Geschichtensammlung „Strange Tales from a Chinese Studio“ von Pu Sung Ling, der gegen Ende des 17. Jahrhunderts 491 Geistergeschichten zusammentrug, von denen sich Hongkongs Filmemacher immer wieder gerne inspirieren lassen. Verfilmt wurde die Story bereits 1960 von Li Han Xiang unter dem Titel „The Enchanting Shadow“. Ching Siu Tung und Produzent Tsui Hark, der auch teilweise an der Inszenierung beteiligt gewesen sein soll, verpackten die Geschichte nun in ein den 80er Jahren angemessenes Gewand aus rasend schnellen Kampfszenen, die der Regisseur auch selbst mitchoreographierte, zeitgemäßen Spezialeffekten und einer visuellen Opulenz, die auch heute noch beeindruckt.
„A Chinese Ghost Story“ weißt eine wesentlich ideenreichere Story auf als die Erstverfilmung und verzichtet auf deren stereotype Charaktere. Der Schuldeneintreiber ist nicht länger ein Mann von Welt, sondern ein ausgemachter Tollpatsch. Diese neue Figurenkonstellation ermöglichte es auch eine Menge humoristische Elemente in den Film einfließen zu lassen. Besonders Wu Ma, der den Tao-Mönch gibt, liefert eine hervorragende Performance, die wirklich brüllend komisch ist.
Protagonist Leslie Cheung, der ein Jahr zuvor mit John Woos „A Better Tomorrow“ einen Riesenerfolg feiern durfte, avancierte zusammen mit Joey Wang zum klassischen Liebespaar im Hongkongfilm. 1993 durfte er eine fast identische Rolle in Ronny Yus Klassiker „The Bride with White Hair“ spielen, der zu den besseren der zahlreichen Nachahmerfilmen zählt.
Joey Wang spielt das Schicksal des überirdisch schönen Geistes Nie Xiao Qian einfach herzzerreißend und sieht so gut wie selten in ihren Filmen aus. Auch wenn sich die zarten erotischen Anklänge sehr im Rahmen halten, sprudelt der Film doch vor sexuellen Abspielungen über: So versucht z.B. die überdimensionale Zunge des Baumgeistes Wu Ma und Leslie Cheung mit allen Mitteln oral zu penetrieren oder dem Mönch klatscht eine Ladung Dämonenschleim ins Gesicht. Bald darauf entstanden selbstverständlich auch deftigere Sex-Varianten der Geschichte, wie „Erotic Ghost Story“ und viele mehr.

Was den Film so hervorragend macht, ist die großartige Verbindung von Romantik, Horror, Humor und Martial Arts. Produzent Tsui Hark, der bereits 1982 mit „Zu: Warriors from the Magic Mountain“ einen Meilenstein im Fantasy-Genre Hongkongs inszenierte, versteht sich ganz hervorragend in bombastischer Inszenierung. Zum Glück ließ er bei „A Chinese Ghost Story“ Ching Siu Tung den Vortritt als Regisseur, der es hier auch vortrefflich schafft die romantischen Töne richtig zu treffen und den Zuschauer zu rühren. Tsui Harks ultraschneller, häufig sehr hektischer und wirrer Inszenierungsstil ist zwar immer wieder schön anzusehen, aber bei all dem Schauwert mangelt es doch meist an Emotionen.
Auch die Musik von Tsuis Hauskomponisten James Wong, der hier zusammen mit Romeo Diaz arrangierte, trägt einen großen Teil zur Atmosphäre des Films bei. Der Song, den Wu Ma im Film betrunken bei einem Schwerttanz zum besten gibt, wurde von James Wong persönlich gesungen. Angeblich hat er diesen völlig stoned im Flugzeug geschrieben und der Text soll dementsprechend infantil ausgefallen sein, was ich in Ermangelung kantonesicher Sprachkenntnisse nicht beurteilen kann.

Insgesamt ein wunderschöner Film, der völlig zu recht zu den ganz großen Klassikern der Filmgeschichte Hongkongs zählt. Trotzdem gibt es einige Kleinigkeiten zu meckern, die den Spaß ein wenig trüben: Teilweise ist der Film ein wenig in die Länge gezogen. Dieser Eindruck kann zwar auch dadurch entstehen, da der Film sehr schnell und aktionsbetont ist und in einigen Passagen sein Tempo nicht aufrecht erhalten kann, aber trotzdem stört es ein wenig.
1990 inszenierte Ching Siu Tung eine Fortsetzung, die sich sogar mit dem Original messen kann und mit fast derselben Darstellerriege aufwartet. Der dritte Teil, der ein Jahr später entsteht und Tony Leung und Jackie Cheung als Hauptdarsteller aufbietet, ist nur noch Durchschnittsware, der Atmosphäre für immer neue, spektakulärere Spezialeffekte opfert. Gleiches gilt auch für die 1997 entstandene Zeichentrickversion.



Originaltitel: Sin Lui Yau Wan
Produktionsland & -jahr: Hongkong 1987
Produzent: Tsui Hark
Regie: Ching Siu Tung
Drehbuch: Yuen Kai Chi nach einer Story von Pu Sung Ling
Kamera: Poon Hang Seng, Sander Lee, Tom Lau
Schnitt: David Wu
Musik: James Wong, Romeo Diaz
Darsteller: Leslie Cheung, Joey Wang, Wu Ma, Lau Siu Ming, Ling Bo, Dawei Hu, Jin Jiang, Wai Lam, Wong Jing, Zhilun Xue

12 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Stormwatch2k3

    30.06.2004, 01:13 Uhr von Stormwatch2k3
    Bewertung: sehr hilfreich

    Den fand ich, glaub ich, auch ganz nett! ~~Gruss Norman~~