Einmal Rupert und zurück (Taschenbuch) Testbericht

Heyne-verlag-muenchen-einmal-rupert-und-zurueck-taschenbuch
ab 7,77
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 06/2004

5 Sterne
(1)
4 Sterne
(2)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von Daverigger

Das Ende der Welt? Klar, bei Hausnummer 42!

Pro:

Wieder mehr des guten alten galaktischen Charmes, tolle neue Charaktere, ein überraschendes Ende

Kontra:

Erreicht leider nicht ganz die Klasse der ersten Bände

Empfehlung:

Ja

Jede Serie muss einmal enden, jede Reihe hat ihren Schluss. So geht es auch dem Kult-Fünfteiler \"Per Anhalter durch die Galaxis\".
Nach 3 genialen und einem mehr oder weniger guten Teil hat Douglas Adams wohl zuerst nicht gedacht, das er noch einmal zur galaktischen Feder greifen würde. \"Einmal Rupert und zurück\" entsprang dem genialen Schriftsteller nämlich erst im Jahre 1992, also immerhin 8 Jahre nach dem 4ten Teil, \"Macht’s gut, und danke für den Fisch\", der leider nicht mit der gewohnten Qualität zu überzeugen vermochte. Doch mit Teil 5 macht Adams zwar nicht alles, aber dennoch sehr vieles wieder gut.

\"Per Anhalter durch die Galaxis\" ... dieser Titel steht für die unglaublich blödsinnigen Abenteuer einer kleinen Gruppe von totalen Chaoten, die Raum und Zeit gleichermaßen unsicher machen, in dessen Mittelpunkt nur einer stehen kann:
Arthur Dent, der Erdling, der mit seinem Freund Ford Prefect von Beteigeuze im letzten Moment vor Sprengung der Erde von ebendieser fliehen konnte, um kurz darauf vom Präsidenten des Universums, Zaphod Beeblebrox, dessen Freundin, Trillian McMillian, aufgegabelt zu werden. Natürlich darf der manisch-depressive Android Marvin nicht vergessen werden!
Sie erfuhren vom Sinn des Lebens (42!), retteten das Universum vor einem alles zerstörenden Krieg, aßen im Restaurant am Ende des Universums zu Abend und besuchten Orte und Zeiten, die einfach viel zu absurd sind, als das ich sie hier beschreiben könnte und auch wollte. Ich drehe schon genug am Rad! Und das wird mit dem letzten Band der Anhalter-Reihe auch nicht besser!

Dieser 5te Teil bring die aberwitzige Weltraumsaga zu einem Ende. Ob es logisch ist, einen Sinn macht, und sich nahtlos an das bereits geschehene anfügt ... wage ich zu bezweifeln und gleichzeitig bejahe ich es. Es ist einfach viel zu abstrus. Genauso abstrus wie die Geshcichte, die in diesem letzten Band erzählt wird.
Tricia McMillian ist Reporterin und hat die Chance, in New York einen gutbezahlten Job zu finden. Doch ihre Reise verläuft nicht so, wie sie es geplant hat, und als sie wieder zu Hause in England ist, wird sie auch noch von irgendwelchen seltsamen Außerirdischen aufgefordert, ihnen die Astrologie für den Planten Rupert zu erklären und zu verdeutlichen, der sich als neuer, 10ter Planet irgendwo hinter Pluto befindet. Sie wittert eine Story und willigt ein. Und diese Reise wird wohl das seltsamste, fremdartigste und ... dümmste, was sie jemals in ihrem Leben erlebt hat.
Arthur ist glücklich, denn auf einem friedlichen kleinen Planeten hat er seine Berufung als Sandwichmacher gefunden. Er macht die Bewohner seines kleinen Dorfes glücklich, indem er sie mit der Schmackhaftigkeit seiner Sandwichses bezaubert und führt ein nettes Leben. Bis Trillian auftaucht und ihm ein Mädchen unterjubelt, das seine und Trillians Tochter ist. Trillian und Arthur waren zwar niemals intim, aber im Weltraumzeitalter ist das ja auch nicht unbedingt notwendig, und wenn nur noch zwei Vertreter der gleichen Spezies im gesamten Weltall existieren wird die Wahl sowieso eng. Doch eine Tochter zu bändigen ist ziemlich schwer.
Ford ist als Reporter natürlich ein Ehrenmann, und so ist es für ihn nur selbstverständlich, sein Spesenkonto im Büro des Anhalters zu erleichtern. Doch die Firma ist aufgekauft worden, und stellt einen neuen Reiseführer her, der in allen existierenden Dimensionen und Realitätsebenen sowie Wahrscheinlichkeitsräumen gleichzeitig existiert. Mit diesem Produkt erhofft sich die neue Firmenleitung unermessliche Gewinne auf allen Existenzebenen. Doch niemand sieht die Gefahren die in einem Solchen Produkt lauern, Gefahren, die das Ende jeglichen existenten Seins bedeuten könnten. Pflichtbewusst und natürlich nicht, ohne einen Schuh zu verlieren und einen kleinen Sicherheitsandroiden sehr, sehr glücklich zu machen klaut Ford den neuen Reiseführer und transportiert ihn gut verpackt dorthin, wo er am sichersten sein wird ... bei Arthur. Doch Ford ahnt natürlich noch nichts von Fords verrückter Tochter und ihrer fatalen Neugierde, die das gesamte Universum in enorme Schwierigkeiten bringen kann.


Dieser 5te Band, \"Einmal Rupert und zurück\", war für mich ein recht gelungener und fast schon notwendiger, um nicht zu sagen überfälliger Schluss für die Anhalter-Reihe.
Zum einen kehrt das Weltall wieder. Zumindest die Fremdartigkeit seltsamer und fast schon unverständlicher Kulturen macht sich in diesem Band in vielen Kapiteln breit, was man im letzten Band leider vermissen musste. Arthur lebt auf einem seltsamen Planeten mit einer Kultur, die streckenweise dümmlicher nicht sein könnte. Und genau das habe ich im 4ten Band doch sehr vermisst, wo man nur Menschen unter die Nase gerieben bekam.
Auch die seltsame Technik und Hirnverrenkungen auslösende Pseudo-Logik, die in den ersten drei Bänden dominierte, feiert ein Comeback. Die Erklärungen der verschiedenen Realitätsebenen und Wahrscheinlichkeitsverzweigungen, die das Sein erst so vielfältig werden lassen, sind genial beschrieben. Zwar muss man manches zweimal lesen um es vollends verstehen zu können, jedoch ist es das wert, denn es macht Spaß, letztendlich einen Sinn in Gedankenspielen zu entdecken, die einem so weit hergeholt erscheinen wie eine in Norwegen einheimische Antilope.

Mir hat in diesem Band die mit der Wahrscheinlichkeits-Dimensionalität zusammenhängende Überschneidung der möglichen Realitäten sehr gut gefallen. Damit meine ich nichts anderes, als das sich bestimmte Orte und Personen, die in verschiedenen Dimensionen beheimatet sind, in ein und demselben Realitätszweig befinden. Am Ende des Buches wird dieser Schwachsinn auf die Spitze getrieben und es kommt zu einem Schluss, der so unerwartet dahergeschlichen kommt, das einem bei den letzten Worten richtig mulmig wird. Natürlich verrate ich den Schluss nicht, wäre ja noch schöner.

Was ich auch sehr interessant fand zu beobachten war die Rückläufigkeit der groben verbalen Attacken und die damit verbundene Zunahme von viel mehr über längere Phasen aufgebauten humoristischen Attacken. Adams lässt nicht eine Pointe nach der anderen auf den Leser einstürzen, sondern bereitet hier und da eine solche vor, auf die langsam aber sicher hingearbeitet wird, so dass sich die Wirkung vervielfacht. Die Scherze und Gags treten nur noch vereinzelt, dafür jedoch weitaus intensiver auf. Das ist zwar eigentlich nicht mit den ersten drei Bänden vergleichbar, bedeutet jedoch eine nette Abwechslung des Humors, die beim Lesen durchaus Spaß macht.

Ein weiterer, erwähnenswerter Aspekt liegt im Spiel mit den Möglichkeiten. In diesem Band wird die allbekannte Frage \"Was wäre, wenn?\" in vielerlei Hinsicht auf die Spitze getrieben. Warum ist in dieser Realität aus Tricia McMillian nicht Trillian McMillian geworden, warum gibt es in jener Realität überhaupt kein Sonnensystem, und warum ist dies und das nicht anders passiert? Ein sehr lustiges Beispiel führt Adams an, indem er beschreibt, wie ein einzelnes Neutrino eine völlig neue Realität schaffen kann. Dieses Neutrino kollidiert mit einem Atom, das in einem Kleeblatt steckt. Die Kollision bewirkt den Wuchs eines weitern Blattes an diesem Klee, der sich daraufhin weltweit ausbreitet, und im Endeffekt führt dies unter anderem dazu, das die Vogonen die Erde nicht zerstören. Die Wahrscheinlichkeit, das dies passiert, ist natürlich einmal wieder unglaublich gering, aber wenn uns der Anhalter bisher eines gelehrt hat, dann doch die Tatsachen, das immer nur das unwahrscheinlichste passiert.


Alles in Allem ist \"Einmal Rupert und zurück\" ein netter und größtenteils überzeugender Abschluss der Kult-Trilogie in 5 Bänden. Er bietet wieder einen Großteil des alten Flairs, das die Reihe ausmacht und bietet einen Schluss, der den bisherigen Vorkommnissen in punkto Wahrscheinlichkeit und Realismus in nichts nachsteht. Die neu hinzugekommenen Charaktere sind alle einmalig witzig, passen wunderbar in die jeweiligen Situationen und überzeugen auf ganzer Linie. Nicht zuletzt ist der Band auch ein Lichtblick, weil das Buch mit seinen ca. 260 Seiten auch das längste der gesamten Reihe ist!

Fans müssen das Buch natürlich besitzen, Leser aus Interesse sollten es auch wenigstens einmal durchgelesen haben, um zu wissen, wie alles endet, und der Rest muss selbst entscheiden.
Ich finde, man kann diesen letzten Band auch sehr gut ohne Kenntnis des 4ten lesen, jedoch bleiben dann einige gute Gags trotzdem unverstanden. Eigentlich schade.

20 Bewertungen